Bergtour Pizol | Sarganser Land

Trekkingtour 2 Tage mit Tarp zelten

Pizol Bergwandern Tarp zelten
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Vorwort
Vorbereitung und Planung
Unsere Tour im Überblick
Reisebericht

Vorwort  zurück zur Liste

Wenn man Bock hat, dann sollte man es einfach machen. Durch eine gute Freundin, die im Sarganser Land lebt, wurde ich auf den Pizol gebracht. Sie meinte nur, ob ich da schon mal gewesen sei. Als Nicht-Skifahrer kannte ich den Berg überhaupt nicht. Den Wintersportlern sollte er aber ein Begriff sein, weil es ein Skigebiet bei Bad Ragaz gibt, welches diesen Namen trägt. Aber nun keine Angst, das Skigebiet samt Lifte reicht nur bis auf 2200 Meter Höhe, der Pizol selbst ist 2844 Meter hoch. Ich habe bei meiner Tour keine verbauten Landschaften vorgefunden.

Ich recherchierte also und war von dem Gipfel gleich angetan, zumal die Besteigung nur auf einem blau-weiß-markierten Bergpfad möglich ist. So richtig im Detail befasste ich mich leider vorab nicht mit der Routenbeschreibung, sondern bestaunte nur die tollen Bilder. Im Nachinein definitiv eine Fehlentscheidung, denn auf der Tour kam es dann zu einer sehr kritischen Situation.

Vorbereitung und Planung  zurück zur Liste

Es gibt zwei Möglichkeiten, den 2844 Meter hohen Pizol zu besteigen. Einmal von der Nordseite aus, am Wildsee und dem fast nicht mehr vorhandenen Pizol-Gletscher vorbei. Hier würde man dann entweder vom Tal aus auf 500 Metern starten und by-fair-means von Wangs aus 2344 Höhenmeter aufsteigen. Für sportliche sicher an einem Tag möglich oder alternativ mit Zwischenübernachtung im Berghotel Gaffia auf 1750 Meter Höhe. Die weiter oben gelegene Pizolhütte auf 2200 Metern ist nur ein Bergrestaurant. Hier ist keine Übernachtung möglich.

Natürlich kann man es sich auch einfach machen und den Lift nehmen. Dann entweder bis Gaffia oder weiter bis zur Pizolhütte. Da ich aber weder Lust auf “Lifte nutzen” oder “Lifte sehen” hatte und es auch bei den Startorten keinerlei kostenlose Parkmöglichkeiten gab, entschied ich mich, von der Südseite aufzusteigen. Ein guter Nebeneffekt war, dass ich so den Aufstieg von 1300 Metern Höhe starten konnte und so der Gipfelsturm an einem halben Tag durchaus möglich erschien.

Ich wusste nun aber auch, dass ich es nicht mit meinem Standard-Rucksackgewicht von 25 kg schaffen würde. 1500 Meter Anstieg an einem halben Tag war schon eine Ansage. Ich kam auf die Idee, das Tarp zu nutzen und bei Klamotten und Equipment extrem abzuspecken, ohne aber auf Komfort und Sicherheit zu verzichten. Am Ende stopfte ich alles in meinen 30 Liter Mammut Rucksack rein und kam auf 12 kg. Für mich total ungewöhnlich, mit so wenig Gepäck unterwegs zu sein, vielleicht würde ich ja förmlich hochfliegen.

Als Startpunkt hatte ich mir den am westlichen Ende des Gigerwald Stausees gelegenen Parkplatz in Sankt Martin ausgesucht, der auch noch kostenfrei gewesen wäre. Jedoch hätte das gleich zum Start der Tour bedeutet, erstmal wieder die 4 km am Stausee entlang wieder gen Osten zu laufen, da dort der Aufstieg zum Pizol beginnt. Es fährt zwar auch die Buslinie 451 ab Bad Ragaz (Link zum Fahrplan) bis zum östlichen Ende des Staudammes, aber nicht bis Sankt Martin. Klar, kann man versuchen zu trampen, aber ich entschied mich für eine andere Option.

Ich parkte auf 1300 Metern Höhe, vom Tal kommend auf der linken Seite, kurz bevor es in den Tunnel geht, der dann auf dem Staudamm endet. Hier gibt es keinen ausgeschriebenen Parkplatz, aber eine wilde, große Stellfläche. Es gab keinerlei Verbotenszonen oder Warnhinweise in diesem Platz, also versuchte ich mein Glück dort und wollte dann am Ende meiner Tour den Weg entlang des Stausees bewältigen. Rückblickend war das dann auch die richtige Entscheidung, was Ihr später im Bericht noch erfahren könnt.

Wer jedoch bei Sankt Martin starten möchte, sollte unbedingt die Verkehrszeiten der engen Staudammstraße beachten. Lest bitte hier genaueres darüber, wann und zu welchen Zeiten die Straße in welche Richtung passierbar ist.

Die Tour im Überblick  zurück zur Liste

Tag 1 -Pizol Bergwandern Tarp zelten

Startpunkt war also unterhalb des Staudammes auf 1300 Meter Höhe. Ich weiß nicht, ob es noch den in Komoot eingezeichneten Tersol-Bergpfad gibt. Auf jeden Fall gibt es weiter oberhalb rechts der Straße eine neu angelegte, breite Piste, die bis auf ca. 1600 Meter Höhe führt. Dabei lässt man den Tersolbach immer rechts liegen. Nun kommt ein kleiner Wendeplatz und fortan wird die Piste zu einem schmalen, in den Fels gehauenen Bergpfad, den man steil aufsteigt. Genau hier ist die Schlucht am schmalsten. Bei 1900 Metern Höhe öffnet sich das Hochtal dann wieder und man hat zum ersten Mal den freien Blick auf den Pizol, jedoch ist der Weg und der steile Aufstieg aus der Ferne noch gar nicht auszumachen.

Auf 2000 Metern passiert man dann die unbewirtschaftete Alp Säss. Man quert nun den Bach und lässt diesen links liegen. Im ganzen Hochtal treiben Schafe ihr Unwesen. Bald ist auch die letzte Vegetation in Form von Wiesen verschwunden. Ab 2400 Metern Höhe steht man nun am Ende das Talkessels vor einer Schotterwand, wo der Weg nnun 250 Höhenmeter steil hochgeht. Ein Weg ist nicht wirklich zu erkennen und auch die blau-weißen Markierungen bringen keine Klarheit. Für mich am Ende der schwerste Teil des Aufstieges.

Auf 2650 Meter Höhe erreicht man ein steiniges Plateau mit kleinen Seen. Man folgt nun weiter dem Pfad gen Osten und steigt auf den Sattel auf 2770 Meter auf. Den Rest kann man nun ohen Gepäck auf den Gipfel gehen. Der Abstieg geht weiter gen Osten, der Aufstieg eher nördlich hinauf. Der Aufstieg ist mit Stahlseilen versichert und sehr exponiert, leichte Kletterei erforderlich. Toller Ausblick am Bergkreuz.

Um in den Abstieg zu gelangen, geht man ca. 250 Meter weiter gen Osten, mit einem leichten Auf und Ab. Scheinbar gab es mal einen direkten Weg über den Gletscher hinab, Spuren sind erkennbar. Jedoch ist von dem Gletscher nicht mehr viel zu sehen und das gesamte Gebite unterhalb aufgrund von Steinschlag gesperrt. Man sollte also definitiv den Umweg gehen. Nun folgt ein steiler Abstieg, teils mit Stahlseilen versichert. Leichte Kletterei, aber auf jeden Fall noch gut machbar. Auf 2500 Meter Höhe folgen erste Seen, die viele Sedimente enthalten.

Unterhalb des Lavtinasattels (Hochwart) und südwestlich des Wildsess finde ich einen kleinen See, an dem ich mein Nachtlager aufschlage.

 

Tag 2 – Pizol Bergwandern Tarp zelten

Vom See auf 2500 Meter Höhe geht es auf den Lavtinasattel nur ca. 60 Höhenmeter hoch. Man kann von hier aus auch noch den aufstieg auf den 2669 Meter hohen Hochwart in Angriff nehmen (weitere 100 Höhenmeter). Ich steige direkt ab. Anfangs geht es in kleinen Serpentinen sehr steil hinab. Die ersten 200 Höhenmeter sind schnell vernichtet. Bald wird der Pfad entspannter und führt an der rechten Talflanke hinab. Den Lavtina Bach lässt man dabei links liegen. Immer wieder hat man den freien Blick auf den noch bevorstehenden Abstieg und den noch folgenden 800 Höhenmeter Anstieg auf den Heidelpass.

Auf 1900 Metern Höhe trifft man auf eine unbewirtschaftete Alm, danach wird das Hochtal zur Schlucht und es folgt der letzte Teilabstieg. Am tiefsten Punkt steht man dann auf ca. 1550 Metern Höhe und steht mitten in der Wasserfallarena Batöni und der gleichnamigen Hängebrücke. Hier trifft man auf viele Tagestouristen und Ausflügler, die die fünd idylischen Wasserfälle bestaunen, die über steilen Felswände bis zu 86 Meter tief ins Tal stürzen. Von diesem Unesco-Weltnaturerbe aus geht es nun anfangs durch ein kleines Wäldchen hinauf. Nach etwa 100 Höhenmeter verlässt man diesen Wald und kommt auf eine freie, offene Fläche, umgeben von Büschen und einzelnen Bäumen.

Achtung: Nun nicht weiter dem Bergpfad gerade aus folgen. Dieser endet im Nirgendwo. Der Weg folgt nun links durch einen Zaun, dahinter folgt viel Buschwerk. Mann kann den Weg dann auch schon in einer Kurve aufsteigend verfolgen. In der Nähe rauscht auch der Muttenbach-Wasserfall hörbar ins Tal. Hier findet man auch eine Markierung auf ca. 1730 Metern Höhe. Auf 1820 Metern Höhe erreicht man dann die unbewirtschaftete Alp Valütsch.

Nun eröffnet sich der freie Blick über eine kleine Hochebene auf den letzten Anstieg. Der eigentliche Pfad ist unscheinbar und unbewusst folgt man eher dem größeren Fahrweg gen Westen zum Fluss. Der Wanderweg aber quert gen Süden die große Wiesenebene, vorbei an großen, einzelnen Steinblöcken. Bis auf 2200 Meter Höhe schlängelt sich der schmale Pfad zwschen Gestrüpp und vereinzelten Bäumen gemächlich nach oben. Die letzten 200 Höhenmeter steigen dann steil durch ein Schotterfeld zum Heidelpass auf.

Oben angekommen kann man einen tollen Ausblick genießen. Unterhalb liegen neben dem Heidelpass See auf einer kleinen Hochebene noch weitere viele, kleine Seen. Der Abstieg ist anfang sehr steil und erst ab dem See-Plateau auf 2300 Metern Höhe entspannt. Nun folgt man einem gut erkennbaren Wanderweg. Überall Bäche, kleine Seen, eingebettet in einer hügligen Graslandschaft. Auf 2000 Metern Höhe stößt man auf einen breiten Fahrweg und folgt diesem nun bis ins Tal hinab. Ab 1700 Metern Höhe geht die Weiden- und Wiesenlandschaft in einen Bergwald über. mAuf 1400 Metern hat man dann nun Sankt Martin im Calfeisental erreicht.

Man überquert nun den Fluss Tamina über eine Brücke und lässt den eingang angesprochenen Parkplatz rechts liegen. Man folgt nun der einspurigen Fahrstraße am See entlang. Dies ist der einzige Weg zurück zum Staudamm. Er bietet aber genug Platz für Fahrzeuge und Wanderer. Vorsicht ist allerdings bei den Tunneln zu beachten. Nach 4 Kilometern und etwa 45 Minuten Laufzeit erreicht man die Staumauer und wenig später dann wieder den Startort.

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Tag 1 – Pizol Bergwandern Tarp zelten

Am 9.September erreichtete ich gegen 13 Uhr nach 2.5 stündiger Autofahrt den wilden Parkplatz unterhabl des Gigerwald Stausees. Ich packte und sortierte noch ein wenig meine Klamotten und startete dann egegn 13.30 Uhr durch. Es war warm und ich war froh, dass ich den ersten Teil im Schatten aufsteigen konnte. Mein Garmin wollte nicht so richtig die Satelliten finden, also folgte ich einem Fahrweg etwas weiter oben und ersparte mir den Weg weiter hinab zur Kurve, wo der eigentliche Terol-Trail starten sollte. Der Fahrweg schien neu und war im Garmin noch nicht verzeichnet, aber wo sollte der Weg denn sonst hinführen?

Es ging steil hinauf und immer mehr kam ich aus dem Wald heraus. Nun wurde es ordentlich heiß. Bald war Fahrweg zu Ende und dieser ging nun in einen engen Bergpfad über, der direkt in den steilen Fels gehauen war. Hier war es schön kühl und kleine Rinnsale tropften von oben auf mich hinab. Es ging nun in steilen, engen Serpentinen, teils über Felxblöcke, teils Schotter, immer weiter nach oben. An diesem Punkt war die Schlucht am engsten, doch sie öffnete sich bald und erstmals bekam ich den Eindruck, wo der Weg noch langführen würde. Da mein Trinkwasser alle war und 600 Höhenmeter hinter mir lagen, legte ich eine kleine Pause ein.

Die letzten Menschen sah ich dann an der Alp Säss, die ich wenig später rechts liegen ließ. Ich folgte dem gut markierten blau-weißen Pfad weiter in den Talkessel hinein, der Tersolbach lag dabei immer linker Hand. Überall weit verstreut trieben Schafe ihr Unwesen. Je höher ich aber kam, um so weniger wurden sie. Hier oben war langsam kein Grashalm mehr zu sehen. Die Wiedeflächen wichen nun Geröll und Felsen. Auf 2400 Meter Höhe, ich hatte nun weitere sanfte 500 Höhenmeter bewältigt, stand ich nun vor einer steilen Wand aus Geröll und Steinbrocken. Überall waren die Markierungen des Bergpfades auszumachen.

Welchen Weg sollte ich nun einschlagen? Ein Weg war nicht erkennbar. Ich hielt mich etwas nahe an der links aufsteigenden Felswand und folgte dieser nach oben. Jedoch bot weder sie noch der Untergrund halt. Immer wieder stand ich auf wackligen Beinen auf losen Schotter, der jeden Moment abrutschen wollte. Wie auf rohen Eiern sprang ich von einem festen Standpunkt zum nächsten, immer in der Hoffnung, dass dieser Punkt mich tragen würde. Teils kroch ich auf allen Vieren nach oben. Es war sehr anstrengend und ich pausierte kurz auf der Hälfte, um mir Gedanken zu machen.

Sollte ich wirklich weiter aufsteigen oder lieber wieder absteigen? Könnte es noch schlimmer werden? War ich zuviel Risiko eingegangen? Der Blick zurück bestätigte mir, dass ich eigentlich nur weiter nach oben steigen konnte. Der Abstieg wäre noch gefährlicher gewesen. Ich stand nun also hier, wusste, dass es nur nach oben gehen konnte und wählte jeden Schritt mit Bedacht. Teils rutschte unter mir der Schotter weg oder der Stein, der mir zum Greifen sicher erschien, zog ich einfach so aus dem Schotter heraus. Immer wieder kam ich so von einer Misere in die nächste.

Sichere Trittpunkte nutzte ich für eine Verschnaufpause. Bald stand ich etwa 50 Höhenmeter unterhalb des Sattels, links neben mir eine senkrechte Felswand. Nun nahmen die Steinplatten wieder zu, das steile Gelände lag nun hinter mir. Wenig später stand ich auf dem kleinen Plateau, dreht mich dem Anstieg entgegen und stckte ihm den Stinkefinger zu. Das war harte Arbeit und definitiv eine heikle Situation gewesen.

Ich hoffte nun, dass ich auch den Weg über den Pizol fortsetzen könnte und der Abstieg einfacher sei. Bis auf den Pizol war alles einfach zu begehen, zwar steil, aber sichere Tritte und große Felsstücke. Auf dem kleinen Sattel blickte ich in Richtung Wildsee und trank kurz was. Ich ließ meinen Rucksack liegen und stieg nun die restlichen 60- 70 Höhenmeter ohne Gepäck auf den Pizol. Der Weg ist sehr exponiert und an den wichtisgten Stellen auch mit Stahlseil versichert. Ein Klettersteig-Set ist nicht nötig, man sollte jedoch trittsicher und schwindelfrei sein.

Ganz allein stand ich dann gegen 18.30 Uhr auf dem Gipfel und konnte die Aussicht für mich in einsame Stille genießen. Hätte ich hier oben Wasser gehabt, ich hätte hier mein Biwak errichtet. Andererseits fand ich aber keine ebene Stelle. Also genoss ich halt dieses Moment und begab mich dann wieder in den Abstieg. Vom Sattel aus schien ein Weg direkt Richtung Wildsee hinunter zu führen. Doch das steile Geröllfeld war gesperrt. Hier thronte einst der Pizol Gletscher, von dem nichts mehr zu sehen war. Aufgrund akuten Steinschlages war das gesamte Gelände gesperrt und man musste nun über den Ost-West-Kamm den Abstieg antreten.

In einem stetigen Auf und Ab querte man den Kamm, bevor es dann endlich steil bergab ging. Immer wieder fand man Stahlseile vor, die einem den Abstieg erleichterten. Wirklich nötig waren sie aber nicht. Ich hielt nun langsam die Augen nach einem Nachtlager offen. Eine Wiese würde ich hier oben nicht vorfinden, also musste ich nur eine ebene und geröllfreie Fläche finden. Nahe dem Wildsee und am Einstieg zum Lavtina-Sattel hinauf traf ich auf einen kleinen See, der auch sehr klar und ohne Sedimente war.

Gleich daneben fand ich ein ausgetrocknetes, ebenes Flussbett mit feinem Kies. Eigentlich wollte ich ohne Tarp unter freiem Himmel nächtigen, aber es war sehr feucht und die Wetterprognose war nicht 100% ohne Regen. Nun verbrachte ich sehr viel Zeit und noch mehr Geduld damit, das Tarp mit Leinen und Heringen in einem losen Geröllfeld zu fixieren. Ich schleppte Brocken heran, die als Heringsersatz dienen sollten. Irgendwann stand dann das Tarp sicher. Nach einem kühlen Bad im See kochte ich dann mein Abendessen noch im freien, verzehrte es dann aber unter dem Tarp, da die Feuchte von oben extrem drückte.

Nach dem Essen genoss ich noch die Stille und spürte indes meine Beine. Die 1600 Höhenmeter Aufstieg und 400 Höhenmeter Abstieg hatten ihre Spuren hinterlassen. Hoffentlich würde ich mich gut erholen, denn morgen würde eine weitere harte Tour auf mich warten. Ich schlief ruhig und glücklich bald unter dem Tarp ein. Die Nacht blieb trocken, aber kühl.

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Blick von der Straße in die Tersol Schlucht, darüber der 2605m hohe Drachenberg

Tag 2 – Pizol Bergwandern Tarp zelten

Der 2.Tag startete gegen 7 Uhr, aber wirklich motivieren konnte ich mich nicht, aus dem warem Schlafsack zu kriechen. Die Sonne hing noch hinter der östlich gelegenen Bergkette. Kurz vor 8 Uhr schälte ich mich dann heraus und bereitete mein Frühstück vor. Milchreis, Kaffee und Milch und die erste Zigarette am Morgen. Ich ließ den Tag langsam starten, wollte noch die ersten Sonnenstrahlen in voller Entspannung genießen. Wirklichen Zeitdruck verspürte ich nicht und da ich auch nicht viel zu packen hatte, chillte ich also dahin.

Gegen 10 Uhr folgte ich dem schmalen bergpfad hinauf zum Lavtina-Sattel. Die ersten Höhenmeter sollten mich auf Betriebstemperaturen bringen. Ich war auf dem Weg nach oben noch unschlüssig, ob ich den 100 Höhenmeter Abstecher zum Gipfel Hochwart noch in Angriff nehmen sollte. Oben auf dem Sattel angekommen fiel mir die Entscheidung leicht, diesen fakultaiven Ausflug sein zu lassen. Mein Blick konzentrierte sich eher auf das noch zu absolvierende Pflichtprogramm und das war echt heftig anzuschauen.

Vor mir war der 1000 Höhenmeter Abstieg und der gleich darauffolgende 800 Höhenmeter Anstieg sehr gut erkennbar. Ich stieg also sofort ab und die ersten Höhenmeter waren steil und auf losem Schotter. Ich war froh, dass ich meine Wanderstöcke dabei hatte. Oftmals rutschte ich auf dem Schotter weg und die Stöcke boten mir in dem steilen Gelände sicheren Halt. Als die ersten 300 Höhenmeter bewältigt waren, pausierte ich kurz und spürte noch die schweren Beine des Vortages. Ich resignierte noch nicht, aber langsam kamen Zweifel auf, wie ich die Tour zu Ende bringen sollte.

Je tiefer ich abstieg, umso mehr Wanderer kamen mir entgegen. Der Abstieg wurde langsam sanfter, aber an der einzigen Alp auf dem Weg talwärts hatte ich gerade mal zwei Drittel geschafft. Nun wurde die Schlucht enger und mehr und mehr eröffnete sich der Blick auf die Wasserfallarena. Das lenkte mich gut von den Strapazen ab und ich war nun in einem richtigen Flow. Nun war meine Motivation und auch mein Tempo auf einem hohen Level. Wie eine Gazelle sprang ich an den vielen Tagestouristen vorbei ins Tal. Ich wollte den Talschwung effizient nutzen und rammelte ohne Pause auf der anderen Seite des Talkessels direkt in den Anstieg hinein.

Zack, da war sie wieder: die rote Lampe, die aufleuchtete und mir zu Bedenken gab, dass nach den nun folgenden 800 Höhenmetern aufwärts nochmal ein Abstieg von  1000 Höhenmetern auf mich warten würde. Mist, den hatte ich total vergessen. Ich lag super in der Zeit, es war erst 12 Uhr. Ich folgte in einem Trott dem schmalen Pfad hinauf, der nun aus einem kleinen Wäldchen auf offene Gestrüpp-Fläche stieß. Auf einmal kamen mir zwei Wanderer entgegen, die mich erstaunt fragten, wo ich den hinwollte. Heidelpass war meine Antwort. Sie meinten nur, dass der Weg hier aber ins nirgendwo geht und nach ca. 100 Metern enden würde. Ich schaute aufs Navi und merkte, dass ich den unscheinbaren Abzweig verpasst hatte.

300 Meter und 50 Höhenmeter für nichts und wieder nichts. Ich pausierte am richtigen Abzweig an einem kleinen Bachlauf und füllte meine Trinkflasche nochmals auf. Im Schatten der hohen Büsche stieg ich weiter bis zur Valütsch Alp auf. Es saßen zwar eine Gruppe Menschen davor, aber nach wirklicher Bewirtung sah das nicht aus. Ich ließ den kleinen sanften Hügel rechts liegen und stieg weiter auf. Ich folgte wieder einmal dem markanteren Weg und verpasste ungewollt den Abzweig, der über den Zaun quer über die freie Hochebene ging. Nun lagen nur noch 500 Höhenmeter purer Anstieg vor mir.

Erst folgte ich einem kleinen Pfad auf dem Kamm entlang nach oben. Doch bald führte dieser Pfad vom Kamm in das aufsteigende Tal hinein. Mit jedem Schritt, den man nun weiter hoch ging, nahm die Steigung zu. Leider ging mir abermals das Wasser aus, es war ein heißer Tag. In diesem Tal fand sich aber kein Tropfen Wasser mehr in Bächen oder Wasserlöchern. Ich zog also durch. Die Vegetationnahm immer mehr ab, bald befand ich mich wieder in einem Labyrinth aus Geröll, Steinen und Schotter. Ganz ehrlich, die letzten Anstiegsmeter waren ein Kampf. Es war die Hitze und die ausgetrocknete Kehle, naja oder aber die Zigaretten, würde Andere behaupten.

Endlich stand ich auf dem Heidelpass. Wir hatten es nun 14.30 Uhr und ich hatte in 4.5 Stunden inkl. Pause 1000 Meter Auf- bzw. Abstiegsmeter gemacht. Wirklich fit war ich nun nicht mehr. Den Abstieg wollte ich also mit Bedacht in Angriff nehmen. Bis zum Heidelpass See war der Abstieg sehr steil. Dort angekommen folgte ich nun einem weniger steilen, gut erkennbaren Pfad ins Tal. Viele kleine Seen und Bäche schmückten die vielen, kleinen Hochebene, die aus weitläufigen Wiesen bestanden. Hier oben wäre auch ein gute Lagerplatz gewesen. Traumhafte Plätze und exponierte Lage.

Nach eine Trinkpause stieg ich nun weiter ab und meine Befürchtungen waren übertrieben. Nach ca. 400 Höhenmeter Abstieg traf ich auf eine Fahrpiste, der ich nun ins Tal folgte. Nun war es ein entspanntes Laufen, ohne permanent den Blick auf den Boden zu richten. Man konnte die Natur und Umgebung genießen. Ich packte meine Wanderstöcke ein und schlenderte nun genüsslich ins Tal. Ab hier wusste ich, dass ich heute keine Nahtoderfahrungen mehr machen würde, nichtsdestotrotz würde es am Ende eine harte Tour werden.

Ab 1700 Metern, ich hatte nun schon einge Bauernhöfe und Häuser passiert, führte der Weg in den Wald und so blieb der Abstieg bis Sankt Martin schattig und entspannt. Unten angekommen war es nun 16.30 Uhr. Ich stand nun an dem Parkplatz, wo ich hätte anfangs starten wollen. Nun aber musste ich noch die 4 Kilometer am Stausee entlang bewältigen. Ich wollte es weder den Autofahrern noch mir antun, diesen Weg per Trampen zu bewältigen. Ich stank nach Schweiß und hatte den Ehrgeiz und die Zeit, den Rest nun auch zu laufen, wenn er auch nicht zwingend attraktiv erschien.

Gegen 17.30 Uhr stand ich dann endlich wieder am Auto. Glücklich, fertig und voll zufrieden. Der heutige Tag fühlte sich noch härter an als der gestrige. Es waren satte 21 Kilometer mit fast 1100 Höhenmeter Aufstieg und ca. 2200 Metern Abstieg. Es war wohl für mich eine der schönsten Touren und für mich die erste Tour micht leichtem Gepäck. Ich werde diese Art zu wandern wohl in Zukunft häufiger in Betracht ziehen, gerade wenn es sich dabei um Touren mit nur einer Übernachtung handelt.

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Bild 1 von 19

Ich bin eher wach und muss noch auf die wärmende Sonne warten


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