Zypern  |  Eine unbeachtete Perle im Mittelmeer

 

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Reiseziel im Überblick
Einleitung
Der E4 auf Zypern
Vorbereitung und Planung
Unsere Tour im Überblick
Nützliche Links
Reisebericht

 
 

 
 

Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Zypern | Mittelmeer | griechischer Teil (Süden)

Reiseroute

E4 Fernwanderweg ab Troodos (Berg Olympos) Richtung Westen über Akamas Halbinsel

Reisezeit | Dauer

Ende März/ Anfang April | 9 Tage

Klima | Wetter

warm ausgeprägtes, mediterranes Klima | im Troodos Gebirge mit 1952m nachts kalt und ggf. Restschnee, Frost nur noch selten, tagsüber 20 Grad, Niederschlag lässt merklich nach, wechselhaftes Wetter,

Reiseart | Aktivität

Trekking mit Rucksack und Zelt | als Unterstützung Air Scooter Roller, da tendenziell gut befahrbare Pfade

Übernachtung

1.Nacht im Hotel Larco in Larnaca, danach 8 Nächte im Zelt oder Tarp

Flora | Fauna

waldreichste Insel im Mittelmeer mit vielen endemischen Arten wie Zedernbäume, sehr blütenreicher Frühling | artenreiche Vogelwelt, Zypern-Mufflons größte Tierart, exotische Tiere wie Meereschildkröte, giftigstes Tier ist die bis 1m lange Levanteotter (selten tödlich!)

Sicherheit | Tourismus

sehr sichereres EU Land, wenig Kriminalität | Währung Euro, Roaming inklusive, an den Küsten viel englischer Tourismus, Baden im Osten, Kultur im Westen, Troodos Gebirge wenig Tagesbesucher

Anreise

Direktflüge nach Larnaca (Osten) oder Paphos (Westen), Nordzypern nur über Turkei erreichbar

Wildnis Faktor

Wild Zelten ist verboten, wird aber geduldet, Troodos Gebirge unberührt und einsam, daher mittlerer Wildnisfaktor

 

 

 

Einleitung  zurück zur Liste

Langsam aber sicher erweckt es den Anschein, dass wir uns auf Inseln eingeschossen haben (mal abgesehen von Kirgistan). Doch irgendwie sind diese kleinen Punkte auf der großen Weltkarte so markant und doch überschaubar. Man bereist in eine kurzen Zeit eine kleine Ecke dieser Welt und hat sie dann gesehen. Gerade diese strikte Trennung durch Wasser von anderen Gebieten macht jede Insel für sich einzigartig und nicht vergleichbar. Egal, ob es nur die Menschen und die Kultur sind, die anders ist oder womöglich die ganze Flora und Fauna, die meist auch dann noch endemisch ist. Bei Zypern stand natürlich auch der unbeachtete Aspekt im Vordergrund.

Ein schon sowie so unbeachtetes Reiseziel dann noch in der Vorsaison zu bereisen, das verspricht doch Abgeschiedenheit und Einsamkeit von höchster Güte. In manchen Platzierungen genießt Zypern zu Unrecht den Ruf einer „Insel, die man nicht gesehen haben muss“. Da sich aber diese Behauptung auf Aussagen von Pauschaltouristen stützt, die deutschsprachigen Service, feinste Sandstrände und exklusivste Hotels suchen, kann ich dies so nicht bestätigen. Warum? Ich war im Jahre 2004 schon einmal für eine Woche mit Mountain Bike auf Zypern. Damals noch nicht so naturverbunden wie heute, aber immer schon mit geschultem Auge für das Schöne in der Natur. So kam es, dass ich nach dieser Reise Zypern in Erinnerung behielt um irgendwann noch einmal mit Rucksack und Zelt zurück zu kommen. Das Troodos Gebirge faszinierte mich schon damals und jeden Abend bereute ich es, wieder ins Hotel im überfüllten Touristenort Paphos zu müssen.

Es gab damals auch einen Bericht, der hier mit einigen Bilder veröffentlicht ist. Genau dieser Bericht inspirierte dann auch Yvonne, Zypern zu bereisen. Ich freue mich nun auf ein Wiedersehen und bin gespannt, ob Yvonne den Daumen nach oben oder nach unten hält.

 

 

 

Der E4 auf Zypern  zurück zur Liste

Bei den ersten Recherchen zu einschlägigen Suchbegriffen wie Wandern, Trekking, Routen stießen wir immer wieder auf den Europäischen Fernwanderweg E4, der seit Ende 2005 auch über die Insel Zypern verläuft und dabei den griechischen Teil auf 540km nie verlässt. Dabei nimmt dieser auf dem Weg von der Ost- zur Westküste von Paphos über die Akamas Halbinsel, das gesamte Troodos- Gebirge und den eher flacheren westlichen Teil komplett mit und endet in Larnaca. Da Paphos wie Larnaca Flughäfen haben, bietet sich hier ein Gabelflug an um die einfache Strecke zu Fuß von dem einen zum anderen Flughafen zurück zu legen.

Mittlerweile existiert dieser Weg nun 13 Jahre, aber anscheinend findet er keinen großen Anklang. Dabei scheinen die Gründe klar auf der Hand zu liegen. Zypern ist kein deutsches Urlaubsziel, keine bekannte Wanderinsel und die Infrastruktur entlang des E4’s ungenügend bis schlecht. Während man woanders als Wanderer angesehen und geachtet wird, schütteln Zyprioten den Kopf, wenn sie Touristen sehen, die sich ohne ihr Auto abseits der Straßen fortbewegen. Wandern scheint ihnen ein Fremdwort zu sein. Dazu kommt, dass die vorhandenen fünf Campingplätze nicht gerade gut verteilt am E4 liegen und nicht das bieten, was man sich erhofft. Außerdem haben wir von einer Wegbeschreibung gelesen, wonach nur ein geringer Bruchteil des Weges wirklich Wanderwege oder -pfade sind. Das mag den Einen stören, kommt aber uns zugute.

Auch das Thema Wild Zelten sollte man einmal mehr betrachten, denn ohne diese Art des Übernachtens wird es ein schweres Unterfangen, Unterkünfte und Campingplätze zu finden und strategisch so zu legen, dass man mit Tagesetappen á 15- 20 Kilometern hinkommt. Grundsätzlich ist Wild Zelten verboten, wird aber auf Zypern geduldet und Berichten nach nicht bestraft. Hier gilt mal wieder die Devise „Wo kein Richter, da ist auch kein Henker“. Da man oftmals auf dem E4 allein unterwegs sein wird, sollte es auch keine bemerken, wenn man 30 Meter abseits des Weges sein Zelt oder Tarp aufschlägt. Wo die Zyprioten vermutlich mehr Wert legen, ist das Verbot von offenen Feuer. Lagerfeuer werden so also tabu sein, außer an ausgezeichneten Plätzen. Also bei der Benutzung des Kochers Acht geben und umsichtig benutzen. Teile der Insel scheinen echt sehr trocken zu sein, was uns auch bei der Wasserversorgung vor Probleme stellen wird.

Bis jetzt konnten wir viele kleine Bäche, Ausflugsziele, Wasserfälle, Toiletten und Restaurants am E4 ausmachen und denken, dass uns diese retten werden. Bei der Verpflegung und dem Nachschub an Lebensmitteln sollte man sich auf eine große Schlepperei einstellen. Wir konnten nur in Kykkos einen kleinen Supermarkt ausmachen, ansonsten gibt es westlich des Olymps nichts mehr, erst wieder, wenn man in die Ebene Richtung Akamas kommt. Weitere Informationen und Links zum E4 findet Ihr unter der Rubrik Nützliche Links.

 

 

 

Vorbereitung und Planung  zurück zur Liste

Nach der Landung in Larnaca gehts ins Hotel Larco, wo sich fußläufig eine Tankstelle und ein Supermarkt befindet. Am Mittag bringt uns ein Transfer für ca. 80 Euro nach Troodos (Fahrdauer ca. 1.5 Stunden). Ab da stoßen wir auf den E4 und laufen diesen bis in den Westen um am Ende ab Paphos wieder zurück zufliegen.

Dieses Mal gibt es nur eine Route, an der wir uns orientieren. Da unsere vorhandene Zeit mit der Länge des E4’s kollidiert, müssen wir uns auf einen Teil konzentrieren. Dabei stand auch zur Disposition, das gesamte Troodos Gebirge zu durchwandern, was den Verzicht der Akamas Halbinsel mit sich gebracht hätte. Da ich aber genau dieses westliche Fleckchen Zyperns positiv in Erinnerung habe, baute ich diesen in unseren Plan mit ein. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten.

Konkret ist das bei der u.g. Route das Teilstück ab Verlassen des Troodos Gebirges (Ort Lysos) bis hin zum Akamas Forest (Ort Drousha). Hier geht es auf ca. 30km durch übersiedeltes, landschaftlich sicher nicht attraktives Gelände. Dafür bekommen wir noch einmal den Strand und das Meer zu sehen und können bei entsprechenden Verhältnissen auch noch einmal durch die Avakas Schlucht wandern.

Die meiste Zeit werden wir den Spuren des E4’s folgen, da es kein verzweigtes Wandernetz auf Zypern gibt um zu variieren. Jedoch besteht die Möglichkeit, an der B8, kurz nach den Kaladonischen Wassserfällen, nach Süden zu laufen,um die Chantara Wasserfälle zu besuchen. Später kommen wir dann wieder auf den E4 und haben keinen Umweg hinnehmen müssen. Auf der Akamas Halbinsel bestehen dann drei Optionen, die Strecke aufgrund von Zeitmangel einzukürzen.

Wie wir vorankommen werden um die geplanten 189km in 9 Tagen zu schaffen, ist von vielen Faktoren abhängig. Das Gelände und die Streckenführung sollten uns aber in die Karten spielen, da es ab Troodos tendenziell bergab geht und die Wege und Pfade meist breit und gut begehbar sind. So sind 20km sicher ein Tagespensum, was realisitisch ist, zumal wir wieder einmal den Air Scooter Geländeroller mitnehmen werden, der uns auf Madeira und Réunion schon sehr dienlich war.

Zwei Sachen bereiten aber wieder Probleme: Die Lebensmittel- und Trinkwasserversorgung auf der Strecke. Es gibt nur noch einen kleinen Supermarkt in Kykkos nach 40km und dann wieder nach weiteren 80km in Skoulli oder Kritou Terra. Diese Einkaufsmöglichkeiten sind aber sehr ungewiss und meine Recherchen haben nichts konkretes ergeben, was die Öffnungszeiten in der Nebensaison anbelangt. In der Not müssen uns die vielen kleinen Restaurants am Leben halten. Obwohl unsere Reisezeit noch als regenreich gilt, fand ich an einigen Teilabschnitten weder See, Fluss noch Quelle. Hier müssen wir genau so darauf hoffen, dass wir auf nicht bekannte Versorgungsquellen stoßen.

Unterwegs werden wir auf einige rudimentäre Campingplätze stoßen, diese aber meiden um wild zu zelten. Aus den wenigen Internetberichten über den E4 konnte ich entnehmen, dass Einheimische es wenig stört, wenn man nahe der Natur übernachtet. Wir werden uns also hier ruhig und rücksichtsvoll wie immer verhalten und auch die Waldbrandgefahr nicht außer Acht lassen.

Für unterwegs wird uns wieder unser Garmin begleiten, nützliche Karten findet Ihr unter den Links weiter unten. Parallel dazu als Backup haben wir noch zwei englische Landkarten 1:25.000 mit dabei, eine vom Troodos, eine von Akamas, je 4.95 Euro ein akzeptabler Preis. Bitte bestellt die Karten aber mindestens 4 Wochen vor Eurem Trip. Der Versand kann leider so lange dauern, da er von Zypern aus erfolgt. Alternativ könnt Ihr aber mit dem Händler auch ausmachen, die Karten an ein Hotel auf Zypern zu senden.  Wie der E4 an sich ausgeschildert ist, wird sich zeigen, aber die Karten werden uns bei der Wegfindung sicher das eine oder andere Mal das Leben leichter machen.

 

 

 

Unsere Tour im Überblick  zurück zur Liste

Sehenswerte Stationen auf unserer Route:

  • Kaledonische Wasserfälle
  • Chantara Wasserfall (abseits des E4’s)
  • Cedar Vallay
  • Bad der Aphrodite
  • Lara Beach und Meeresschildkröten
  • Avakas Schlucht

So sollte der Plan aussehen
(Karte direkt zum zoomen scrollen)
 

 

Diese Tagestouren sind wir am Ende gegangen


Quelle Bildmaterial: Garmin Europa Basic Map

 


Quelle Bildmaterial: Garmin Europa Basic Map

 

 

 

 

Nützliche Links  zurück zur Liste

Reitwanderkarte

Diese kostenfreie Version ist sehr detailreich und wird unsere erste Wahl fürs Garmin sein

Kowoma OSM Karte

Zweite Wahl fürs Garmin

Frikart Karte

Dritte Wahl, wenn Reitwanderkarte und Kowoma versagen sollten

Hotel Larco in Larnaca

Gutes, preiswertes Hotel nahe Flughafen, Tankstelle und Supermarkt in der Nähe

Georges Cyprus Taxi

Günstige Preise mit 80 Euro ab Larnaca bis Troodos, nette Email Kommunikation

Reisebericht E4

Informativer Reisebericht von ODS User Heron aus dem Jahre 2011, leider ohne Bilder

Campliste

Eine kleine Übersicht der Camps auf Zypern

Pdf- Download Wanderwege

englische 50-seitige Broschüre über den E4 und andere Wanderwege

Drohne auf Zypern

Was Ihr bei der Mitnahme von einer Drohne beachten müsst. Wichtig: ALLE Drohnen müssen kostenfrei registriert werden

Drohnen Registrierung

Hier kannst Du online Deine Drohne anmelden. Dauert keine 5 Minuten

 

 

 

Reisebericht  zurück zur Liste

Eine Diskussion mit gleichem Bericht und weiteren nützlichen Informationen zu unserer Zypern Reise findet Ihr bei ODS.

Hinweis: Die in den Karten verzeichneten Wasserstellen sind von mir entdeckte Ressourcen, die nirgends sonst auf unseren Kartenmaterialien vermerkt waren. Wenn Ihr die genaue Lage dieser Quellen einsehen möchtet, klickt auf den Link unter dem Bild, der Euch direkt zur zoombaren Karte auf gpsies.de leiten wird.

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01.April | Ort Troodoos – Chantara Fluss  zurück zur Liste

Link zur Tour

02:45 Uhr Ankunft in Larnaca. Richtig im Arsch und im Tiefschlaf verlassen unsere Körper den Flieger. Klar, man hätte nun auch gleich die Trekkingtour starten können, aber wir hätten uns wohl nie von diesem Stress erholt. So gingen wir den Urlaub relaxter an. Also ab ins Hotel Larco in Larnaca, keine 10 Minuten vom Airport entfernt und erst einmal ausschlafen. Der Transfer zum Startpunkt würde gegen 13Uhr starten. Auf das Frühstücksbuffet verzichteten wir und gingen lieber noch einmal gegen 11 Uhr an die Uferpromenade runter. Schon hier wurden wir von den Touristenmassen erschlagen. Es war Feiertag, alles war in Aufruhr und in Bewegung. Der Feiertag war auch der Grund, warum wir uns heute nicht mit dem Einkauf der Lebensmittel herumschlagen mussten. Zum ersten Mal haben wir für die ersten vier Tage alles aus Deutschland mitgenommen. Umso stressfreier konnten wir also unseren Kaffee genießen. 13 Uhr ging es dann los, kurzer Zwischenstopp an einer Tankstelle, Benzinflasche auffüllen und dann weiter. Wir verließen nun die urbanen Räume, nur noch kleinere Dörfer, die Landschaft offen, mit wenig Baumbewuchs, dafür viele Plantagen und Felder. Doch in der Ferne bäumten sich bereits die waldreichen Hänge des Troodos Gebirges auf. Wir waren begeistert und konnten es kaum erwarten, endlich los zu laufen, aktiv zu sein, Urlaub auf unsere Art zu genießen. Gegen 15 Uhr waren wir im gleichnamigen Ort Troodos angekommen, der nichts weiter als eine Ansammlung von Geschäften für Touristen ist.

Der Air Scooter war aufgebaut, die Rucksäcke geschultert, die Gurte fixiert. Dieser eine Moment, wo man nun seine Tour beginnt, ist für uns immer so magisch. Endlich allein sein, gemeinsam was erleben, den Weg als Ziel sehen, das ist alles immer so unbeschreiblich. Es dauerte keine 5 Minuten und wir befanden uns auf der alten, wenig befahrenen Serpentinenstraße ins Tal. Das Wetter sonnig und leicht bewölkt, eine kleine Brise erfrischte die Stirn. Bald endete der Asphalt und wich einem breiten, steinigen Wanderpfad, der parallel zu einem Bach verlief. Dieser Bach sollte sich bald in den Kaledonischen Wasserfällen herabstürzen. Bis dahin galt es aber noch ein paar Hindernisse in Form von Treppen und Steilstufen zu überwinden. Nun musste Roller und Tagesrucksack zusätzlich geschultert werden. Das Gewicht war auf Maximum gestellt, beim Abstieg schmerzte die linke Kniescheibe höllisch. Statt Mitleid erntete ich von meinen Liebsten nur Gelächter, bei jedem „Ahhh“ und „Ohhrhhr“. Tja, Mitleid bekommt man geschenkt, Gelächter muss man sich verdienen oder wie war das.

 

 

Ich konnte mit dem Schmerz gut umgehen, wusste, dass anfangs die Belastungen immer zuviel sind und es sich einpegeln würde. Also lief ich etwas behindert ausschauend die Stufen herab um den Schmerz zu umgehen. Bald erreichten wir die Wasserfälle. Überall auf der Insel verteilt gibt es diese Touristenmagneten mit klanghaften Namen wie Aphrodite-Bad, Adonis-Bad etc. So waren auch hier und am Trail einige Tagestouristen unterwegs. Schlagartig änderte sich das nun am Abzweig zum E4, der nun seinen eigenen Verlauf nahm. Fortan waren wir allein auf dem Trail unterwegs, der Weg wurde besser, Scooter und Rucksack lasteten nicht mehr auf mir. Entspannung war aber vorerst auch nicht in Sicht, da es erst einmal bergauf ging. Wie meine Kniescheibe braucht auch Täve immer ein wenig Eingewöhnung an das aktive Draußen sein. Die ersten Schritte sind immer voller Jammern und Meckern. „Ich will auf den Roller“, „Ich kann nicht mehr“ „Wann sind wir endlich da?“ Wir wissen es mittlerweile zu nehmen. Ein wenig Ablenkung und schon denkt er nicht mehr ans Nörgeln.

Wir überquerten bald eine Straße, wo es danach noch einmal auf einem schmalen Pfad einige Meter hoch ging. Nach ca. 1 Kilometer erreichten wir eine breite Forstpiste. Fortan sollte sich diese Wegbeschaffenheit nicht mehr ändern. Der Untergrund mal steinig, mal sandig, mal mit Schotter, aber stets gut geeignet für den Roller und auch für einen Chariot Buggy. Langsam, aber sicher kam eine Abendstimmung auf, die Sonne lag nah über dem Horizont, der Wind ließ nach und die Sonne verlor an Kraft. Trotzdem genossen wir die letzten Schritte des Tages. Bald sollte das Camp erreicht sein. Wir spekulierten auf einen Flussverlauf, der nirgends eingezeichnet war, sich aber vermuten ließ. Unterhalb des Trails befinden sich die Chantara Wasserfälle und irgendwo muss das Wasser ja von oben herkommen und siehe da, ein leises Rauschen in der Ferne wurde bald unüberhörbar als Fluss identifiziert.

 

 

Wir bauten unser Camp 2 Kilometer eher als geplant auf, wir würden die schlappen 2 Kilometer schon irgendwann wieder aufholen.
Ein ebener, abgeschirmter Platz unweit der Piste war schnell gefunden. Da Keiner mit 100 Kiefernzapfen im Rücken schlafen wollte, musste erst einmal großflächig bereinigt werden. Bald stand das Zelt, ich hatte Wasser vom Fluss geholt, wir waren gewaschen und saßen nun gemeinsam am Zelt. Täve kletterte noch auf einen der vielen kleinen Bäume herum, während wir uns an das Abendessen machten. Es dämmerte mittlerweile, kurz nach 19 Uhr war die Sonne dann weg und wir mit dem Essen fertig. Bei einem Gläschen Hochprozentigem genossen wir die lang herbeigesehnte Einsamkeit und das wilde Leben im Zelt. Nach einigen Einheiten Uno im Zelt gingen wir noch vor 22 Uhr zu Bett, wir waren doch noch sehr angeschlagen vom Mitternachtsflug.

 

02.April | Chantara Fluss – Kaminaria  zurück zur Liste

Link zur Tour

Hätte ich doch mal den Daunenschlafsack eingepackt. So kalte Temperaturen hatte ich im Troodos dann doch nicht erwartet. Der angebliche 3-Jahreszeiten-Schlafsack Ajungilak Alpine 3 Seasons war nicht ausreichend. Ich habe immer wieder gefroren. Täve, der den gleichen Schlafsack hatte, fror dagegen kein bisschen. Gott, was bin ich für eine Memme geworden. Yvonne hatte mit ihrem WM Antelope also doch die bessere Wahl getroffen. So war ich nicht böse, als die Nacht endlich vorüber war. So wie wir die Abende vorm Zelt vermisst hatten, so sehnten wir dem ersten Frühstück vorm Zelt entgegen.

Die Sonne war noch hinter den Hügeln, also zogen wir uns warm an und der Kocher kochte 2 Liter Wasser für Kaffee, Milch und Grieß auf. Die Ruhe war traumhaft, die Vögel zwitscherten, keine Autos, keine anderen Menschen und nur das leise Rauschen des Baches war zu hören. Während andere Trekker vorm frühstücken immer ihr Zelt erst abbauen und sich dann erst stärken, praktizieren wir es anders herum, erst das Vergnügen und dann die Arbeit. Nur leider stellen wir immer wieder fest, dass das Zusammenpacken der Sachen irgendwie die lästigste Sache im Urlaub darstellt. Erst, wenn dann alles verpackt ist, freut man sich dann aber, die ersten Schritte in Angriff zu nehmen. Daher fällt unser Frühstück immer sehr lange aus und Keiner kommt aus dem Knick. Der leckere Kaffee und das gemütliche Beisammen sitzen erschwert das Ganze.

Trotzdem schaffen wir es dann aber meist, gegen 10 Uhr zu starten. Es war nun alles verpackt, vor uns lag eine ausgeglichene Tour, nicht sonderlich anstrengend und auch nicht sonderlich lang. Nach drei Kilometern erreichten wir bald das Camp Kampi tou Kalogyrou mit Picknickplatz. Außer ein paar Forstarbeitern war hier Niemand anzutreffen, wir pausiert, ließen Täve den Spielplatz unsicher machen. Der Campingplatz schien auch nicht gerade zu brummen, aber nett im Wald gelegen war er durchaus. Wir liefen auf der anderen Seite der Straße weiter die Piste entlang. Auf den abschüssigen Passagen rollte Täve dahin und wir schlenderten nebeneinander laufend hinterher.

 

 

Dabei ist er uns dann meist ein Stück voraus und pausiert hier und da des Weges um die Gegend zu erkunden. Mit Interesse reibt er mit seinen Fingern an Blättern und nimmt den Geruch auf, guckt im Unterholz, ob irgendwas rumkrabbelt. Mit dem Blick für das Schöne an der Natur verlor er den Blick auf den Weg und überfuhr nun eine Raupenschlange und teilte sie entzwei. Warum die das machen, haben wir uns gefragt. Wir kamen zum Schluss, dass sie wohl zum Schutz in einer Reihe krabbeln um eine Schlange zu imitieren und so Fressfeinde abschrecken. Wir beobachteten Alle das bunte Treiben und setzten bald unseren Weg fort. Die F804 Straße war zur Mittagszeit erreicht, das Wasser langsam knapp und keine Quelle in Sicht. Wie alles hier oben im Troodos war auch diese Straße wenig frequentiert. Nur zwei Autos kamen in unserer halbstündigen Pause vorbei.

Wir folgten der E4 Beschilderung weiter und dabei verließen sich Yvonne und Täve immer auf mich. Da bei Wegegabelungen stets der bessere Wegezustand ein Indiz für den E4 war, missachtete ich bald einen nach oben verlaufenden, sehr geröllhaltigen Weg. Wir schenkten mehr dem attraktiveren nach unten verlaufenden Weg die Aufmerksamkeit, den Täve mit viel Spaß befuhr. Während ich sonst immer mehr auf Navi schaue, reichte am E4 stets die Beschilderung. Zum Glück war zeitnah eine kleine Pause angesagt und nur so zum Check überraschte mich die Navianzeige. Wir waren über einen Kilometer vom magentafarbenen Track entfernt. Ich erntete böse Blick, zumal wir so schon wenig Wasser hatten und nun in der Sonne auch noch wieder hoch mussten. Ich bekam mal wieder alle Namen. Versager und Zonk waren da die harmlosesten. Auf dem Originalweg zurück ging es nun weiter. Wir wollten die verlorenen 2 Kilometer von gestern eigentlich heute aufholen, aber die Luft war bald raus. Es war zwar noch früh am Nachmittag, aber Yvonne war ein wenig demotiviert, da ihre Schuhe schmerzten. Später sollte sich herausstellen, dass die Socken zu dünn waren und rieben.

Wir sahen bald den Ort Kaminaria in der Ferne, keine drei Kilometer Weg mehr, wir hielten also die Augen nach einem Camp noch vorm Ort offen. Es war deprimierend. Schöne Stellen waren vorhanden, aber das Wasser war Mangelware. Ich bot mich mal wieder an, einfach den nächstbesten Platz zu nehmen um dann im Ort Wasser zu holen. Gott hatte Erbarmen, ein kleines Rinnsal ergoss sich über den Weg, so klein, dass man für das Befüllen einer 200ml Tasse eine Minute gebraucht hätte. Das sollte aber reichen. Eine Kurve weiter entdeckten wir eine kleine Einbuchtung, Yvonne meinte mit gereizter Zunge „Scheiß‘ drauf, ob uns Jemand sieht, hier bauen wir es direkt an der Piste auf“. Ich wagte noch einen letzten Blick hinter die Büsche, etwas oberhalb der Piste und wurde fündig. Ein ebener, versteckter Platz mit Swimming Pool. Wir tauften diesen Platz auf Allinclusive-Platz. Dass die Namenswahl perfekt war, würde sich am Abend nochmals bestätigen.

 

 

Es war 16 Uhr und im Gegensatz zum Zusammenpacken ist das Auspacken immer eine tolle Sache. Man weiß, dass das Ziel erreicht ist, dass man gleich relaxen und den Tag Revue passieren lassen kann. Es dauerte keine halbe Stunde und wir saßen in unseren TAR Chairs, schaukelten dahin, während Täve wieder seinen Einkaufsladen im Gras anlegte. Zwei Trekker kamen noch den Weg entlang. Es waren die Ersten unserer Spezies. Später in der Dämmerung ließ ich noch einmal die Drohne steigen, bevor es Abendessen gab. Kartoffelpüree mit Wurst und Zwiebeln. Schon bei der Zubereitung wurde die vorhandene Menge beanstandet. „Davon werden wir nie satt.“ Da das aber Jeder von uns dachte, war das Essen ein Kampf, es wurde verschlungen und gestochert ungeachtet wie heiß das Essen war. Warum ist man auf solchen Touren immer so dermaßen ausgehungert, es gibt doch auch was zum Mittag? Ich verzichtete auf das Sättigungsgefühl, wollte wenigstens das Hungergefühl beseitigen. Yvonne und Täve fielen über meinen Anteil her wie zwei Bestien.

Am kleinen Pool zelebrierten wir mehr oder weniger Körperhygiene. Die Dunkelheit setzte ein und die Genussmittel wurden ausgebreitet. Immer wieder raschelte es in den Bäumen. Da war sie, unsere Allinclusive- Abendanimation in Form von zwei endemischen Zypern Mäusen, die erst 2004 entdeckt worden. Sie durchstreiften die Bäume nach Essbaren und wir folgten ihnen mit unseren Stirnlampen. Gegen 22 Uhr war das Spielzeit im Zelt angesagt, ein bisschen Uno, ein wenig quatschen und dann fielen die Augen zu.

 

03.April | Kaminaria – Kykkos  zurück zur Liste

Link zur Tour

Die Nacht war wieder frisch und auch am Morgen frühstückten wir halb im Zelt. Die Sonne sollte erst dann rauskommen, wo ich sie am wenigstens brauchte, beim Zusammenpacken. Wir lagen nun bereits 8 Kilometer hinterm Zeitplan, der ja aber immer nur ein Richtwert sein sollte. Heute waren Alle wieder hoch motiviert und wir wollten heute mehr schaffen als geplant. Der naheliegende Ort Kaminaria war erster Anlaufpunkt und war nach 30 Minuten erreicht. Während solche Ort auf Landkarten immer ausgebaute Infrastruktur versprechen, nützt dies alles nichts, wenn vor Ort nur 3 alte Menschen und zwei Katzen zu sehen sind. Das Dorf war ausgestorben und vermutlich ein Rückzugort für Einheimische im Sommer, wenn es an den Stränden bis zu 47 Grad heiß wird. Am Ende des Ortes pausierten wir kurz um die Wasserreserven an einem Brunnen aufzufüllen.

Es ging noch ein wenig bergauf aus dem Ort hinaus, bevor sich nun der Weg bis zum Fluss Diarizos um die Hänge bergab schlängeln sollte. Man bekam einen guten Einblick in den Wegeverlauf, der bald gänzlich in der Sonne verlief. Schon jetzt bemerkten wir, dass das Troodos wenig Abwechslung bietet. Doch das Tat der gesamte Tour nie einen Abbruch. Allein das Erlebnis, draußen unterwegs zu sein, Spaß zu Dritt zu haben, das war wichtig.

 

 

Während Täve und Yvonne hochmotiviert waren und ich Täve heute den Scooter ohne Gepäck gönnte, machte mir mein Bach Rucksack zu schaffen. Immer wieder rieb eine Stelle dermaßen toll an der Wirbelsäule, dass ich kurzfristig nur mit Hohlkreuz Abhilfe schaffen konnte. Später sollte ich erschrocken feststellen, dass ich nach einem Waschgang zu Hause den Rucksack falsch und somit die Metallschiene verkehrt herum eingebaut hatte. Weder die Polsterung noch die Ergonomie stimmte noch. Ich Idiot! Wir kamen trotzdem gut voran und waren gegen späten Mittag am Fluss, endlich Schatten, verdiente Pause. Noch reichte unser Proviant aus, um auch Mittags ordentlich aufzutischen.

Das war auch nötig, denn ich kündigte das baldige Ende des Tallaufes an. In zwei Kilometern würde es heißen „Lauf bergauf!“. Bis dahin kamen wir noch an dem Picknickplatz Komotizi vorbei, der eigentlich unser gestriges Nachtlager gewesen wäre. So attraktiv war er jedoch nicht angelegt und außerdem mit einem Camping-Verbotsschild ohnehin tabu gewesen. 200 Höhenmeter bis Milykouri und im Hinterkopf wieder ein ausgestorbenes Dorf. Wir nahmen also jede Motivation, die wir kriegen konnten. Meist waren das besondere Pflanzen und Tiere am Wegesrand. So entdeckten wir eine ca. 30cm große Echse, die an der Baumrinde entspannte, während bei uns der Scheiß in Strömen lief. Zum Glück war immer ein Bach am Wegesrand, der ab und an Abkühlung versprach.

Täve war heute vom Streckenverlauf verwöhnt und wollte, dass es auch bergauf ohne zutun rollt. Ich wehrte seine Schieb-mich-doch-Anfragen stets mit einem Vergiss-es-Gestöhne ab und vertröstete ihn auf flachere Passagen oder Asphalt. Wir motivierten ihn mit einem Eis im nächsten Ort, was ohne Garantie natürlich unsererseits etwas gemein war. Insgeheim hofften wir aber selbst auf eine Einkaufsmöglichkeit und eine Belohnng. Der Ort war dann doch schneller erreicht als gedacht und gegen 15.30 Uhr pausierten wir in dem Örtchen auf einem Spielplatz. Der ausgeschriebene Coffeeshop hatte natürlich geschlossen. Ich wollte aber mein Eis-Versprechen halten und ging in das Dorfzentrum hinein.

 

 

Ich durchstreifte die Gässchen und auf einmal erblickte ich um eine Ecke die Aufschrift „Minimarkt“. Dort angekommen wurde ich als vermutlich erster Tourist der Saison förmlich in den Laden herein geschrien. Ich folgte den Lockrufen und mein Hunger auch. In dem Laden, ein Mix aus Wohnzimmer, Kneipe und Supermarkt, fragte ich nach allem Essbaren, was er mir auftischen könne. Sandwiches? Gebongt, zweimal. Cola? Perfekt, zweimal. Eis? Alles perfekt, einmal. Im Regal, zwischen Familienfotos und Besteckkisten entdeckte ich auch Grundnahrungsmittel wie Nudeln und Dosenwurst. Das ich hätte auch da zugreifen sollen, bereute ich dann noch drei Tage später. Zurück am Spielplatz wurde ich förmlich vor Euphorie überrannt oder war es doch eher der Hunger? Genüsslich wurde alles verzehrt und gegen 16.30 Uhr fiel es Allen schwer, noch einmal aufzubrechen, dem Straßenverlauf weiter nach oben zu folgen, um ein Nachtlager zu finden.

Am Ortsausgang nahm ich einen letzten Brunnen zur Kenntnis, den ich noch einmal angesteuert hätte, wenn wir kurz oberhalb des Ortes auch ein Camp gefunden hätten. Aus „Kurz oberhalb“ wurde ein Kilometer, bald zwei Kilometer. Es ließ sich an den kleinen Seitenstraßen einfach kein passendes Camp finden. Es wurden drei Kilometer und auch der 4.Kilometer und weitere 200 Höhenmeter waren bald geknackt. Da entdeckten wir ein ideales, exponiertes Camp, so wie es Mausi mag. Doch nun hatten wir wieder ein anderes Problem. Woher Wasser bekommen? Vier Kilometer mit Roller bergab gen Süden sicherlich ein Spaß, aber nochmals die 4 Kilometer bergauf mit Roller, nein danke. Beim Blick gen Norden entdeckte ich jedoch eine Häuseransammlung und ich war beim Blick auf das Navi erstaunt, dass es sich dabei um den Ort Kykkos handelte, der nur 1 Kilometer entfernt war. Also Trinkblase, Wassersack und eine alte Wasserflasche in den Rucksack und schon war ich mit dem Roller auf und davon. Kykkos war für uns ein wichtiger Anlaufpunkt für morgen, da hier komplett unser Proviant aufgefüllt werden sollte. Ich vergewisserte mich vor Ort, dass die Läden auch morgen geöffnet sein würden, füllte alle Behälter mit Wasser auf und war keine halbe Stunde wieder am Camp.

Nun war Entspannung angesagt und wir feierten uns für die harte Tour heute. Viele Kilometer und Höhenmeter und nur noch 5 Kilometer hinter dem Zeitplan. Großzügig wurde gekocht und mal nicht über die Menge gemeckert. Die Wasservorräte waren knapp, aber für eine Ich-habe-mir-wenigstens-die-Achseln-gewaschen-Katzenwäsche reichte es allemal. Bei klarem Sternenhimmel genossen wir die weite Aussicht. Wir Alle hatten unsere am Morgen geschlossene Wette verloren, da wir keine Wanderer antrafen. Da es heute noch kälter draußen war, zog ich eine Lage mehr im Schlafsack an und den restlichen Abend verbrachten wir so im Zelt und stellten alle Drei schon jetzt fest, dass Zypern eine tolle Spontanwahl war.

 

04.April | Kykkos – Xeropotamos  zurück zur Liste

Link zur Tour

Aufgrund der exponierten Lage sehnte ich nach der kalten Nacht den ersten Sonnenstrahlen entgegen, die ab 7 Uhr das Zelt aufheizten. Endlich war es soweit, Frühstück in der Morgensonne draußen vorm Zelt. Ein laues Lüftchen pfiff durch die vielen Kiefernzapfen an den Bäumen und erzeugte dabei ein angenehmes Geräusch. Der Kaffeegeruch zog durch die Nase und vermischte sich mit dem harzigen Geruch der Nadeln. Hach, war das herrlich. Keiner wusste da, dass der heutige Tag viele schlechte Nachrichten bereithalten würde. Nach dem Zusammenpacken war der erste Anlaufpunkt das 1km entfernte Kykkos. Obwohl der Abzweig direkt an unserem Camp war und ich Yvonne und Täve anbot, hier zu warten, wollten sie mich zum Shoppen begleiten, sicher auch um Genussmittel abzugreifen.

Dort angekommen, bot sich uns eine reiche Auswahl an Geschäften, wir zogen den einzigen ausgeschriebenen Supermarkt vor. Nach langen Suchen in den Regalen machte sich Enttäuschung breit. Wenn das ein Supermarkt sein soll, von was ernähren sich dann bitte die Zyprioten? Hauptbestandteil waren Souvenirs und Touristenkram, der Rest Genussmittel von Alkohol bis hin zu Süßigkeiten. Der Laden war eindeutig nicht auf unsere Wünschen und Ansprüche eingestellt. Wir kauften also alles Brauchbare, paar Schoko Croissants, süße Brotfladen, Riegel, Schokolade, Cola und ein wenig Alkohol. In einem anderen Laden sahen wir aus der Ferne Brot. Ja, das wollten wir haben. Doch es war steinhart. Die Ladenbesitzerin war emsig und auf meine Frage „soft bread“ bot die mir weitere 5 Härtegrade ihrer Brote an, alle im Knusper-Rösti-Stil. Die wären im Rucksack beim Komprimieren sofort zerbröselt. Nun war die Enttäuschung groß. Grundnahrungsmittel wurden rar, der nächste Ort sollte erst in 2 bis 3 Tagen folgen. Tja, und wie viel Verlass auf die kleinen Orte war, konntet Ihr ja bereits dem Bericht entnehmen. Also waren wir nun in einer sehr prekären Situation.

 

 

Wie ließen uns nach der Pause einfach treiben, mal sehen, was der Tag und die Route noch so bringen würde. Es war förmlich ein „entspanntes“ Dahinschlendern. Täve fuhr die gut befestigten Wege sicher bergab, auch Yvonne genoss zeitweise den Roller-Luxus, nun konnte ich endlich mal einen schnelleren Schritt laufen, das tat gut. Auf der Piste kam uns heute nur ein Einheimischer im Auto entgegen, sonst waren wir auch heute wieder allein auf weiter Flur. Auf diesem Abschnitt beschrieb auch Heron immer wieder die schlechte Möglichkeit, sein Zelt zu platzieren, doch direkt am Weg gab es immer Einbuchtungen, wo man hätte traumhafte Plätze gehabt, jedoch mit der Gefahr, beim wild zelten entdeckt zu werden. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass es Keinen gestört hätte, dort sein Zelt zu platzieren.

Bald erreichten wir den „Tiefpunkt“ unserer Tour, Kilometer 18 war erreicht und wir mussten kurz stehen bleiben und ein fernes Geräusch identifizieren. Rauschen des Waldes oder eines Flusses? Wir liefen weiter, das Rauschen wurde lauter. Es war ein Fluss, das die gute Nachricht, die schlechte Nachricht: kein Herankommen, da tief in einer Schlucht. Wir zweigten nun nach rechts ab und kamen bald über einen weiteren Fluss aus den Bergen, der unter einer Brücke verlief. Hier war das Herankommen nicht unmöglich, aber steil. Gut, Wasservorkommen reichlich vorhanden, aber was nun? Weitergehen und den Plan weiter verfolgen ohne zu wissen, ob noch Wasser kommen würde oder hier das Lager aufschlagen. Kurz nach der Brücke, wir wollten nun doch noch ein wenig weiterlaufen, denn es war erst später Nachmittag, erschien dann ein Traumplatz im Gebüsch zwischen offenem Baumbestand. Wir entschieden uns pro Ende und contra Zeitplan.

Während ich den Platz ein wenig vom trocknen Gestrüpp befreite, baute Täve schon wieder an Etwas. Erst später war uns klar, was das sein sollte als er nach der Klorolle fragte. Es wurde unsere Camptoilette. War ja auch klar, wir hatten ja kaum noch was, mit dem er hätte seinen Einkaufsladen bestücken können, so plante er spontan um. Den Rest des Tages genossen wir die letzten Sonnenstrahlen und waren doch ein wenig enttäuscht, dass der Zeitplan nun außer Kontrolle geriet und nun sicher uneinholbar. Okay, wir legten es zu den Akten und schwärmten wie jeden bisherigen Tag von Zypern und wie toll es doch hier ist.

 

 

Der große Fluss lud zu einem ausgedehnten Bad ein, denn auch andere Körperstellen außer den Achseln wollten mal wieder Wasser sehen. Täve wollte erst am Zelt bleiben und das Klo noch modifizieren, begleitete uns dann aber doch. Am Fluss angekommen, zogen wir direkt unter der Brücke alle Drei blank und stiegen in ein 1m tiefes Wasserloch. Yvonne sprang auf einmal auf, weil ihr ein 10cm großer Krebs zu nahe kam, war dann aber wieder schnell in seinem Versteck verschwunden. Täve planschte freudig im Wasser, wir trockneten uns gerade ab, da standen auf einmal zwei Wanderer auf der Brücke und wunderten sich sicher über die Geräusche, entdeckten uns aber zum Glück nicht. Später sollten wir die beiden Wanderer noch einmal am gegenüberliegenden Berghang erspähen wie sie unseren heutigen Weg entgegen hoch liefen. Ein wenig wunderten wir uns schon, wo sie noch hinwollten. Die nächste Wasserstelle 10 Kilometer entfernt und schon früher Abend. Es waren Wanderer Nummer Drei und Vier auf dem E4 und schon vorweg genommen, es waren die Letzten, die wir auf den abgeschiedenen Teilen des Troodos antreffen würden.

Die Portionen am Abend wurden nun kleiner, aber der Hunger war nicht allzu groß, es gab ja reichlich zum Mittag. Wir lauschten den Geräuschen des Waldes und die Genussmittel trugen ihr Übriges dazu bei, dass es mal wieder ein traumhafter Abend wurde. Der Abend war zudem sehr angenehm von den Temperaturen, da wir auf 500 Meter Höhe nächtigten. Im Zelt fiel dann die obligatorische Uno-Runde aus, es hieß Ring frei: Jeder gegen Jeden. Man merkte, dass heute noch die überschüssige Energie raus musste.

 

05.April | Xeropotamos – Cedar Valley  zurück zur Liste

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Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle, was heißt, das wider erwarten keine Kriechtiere ums Zelt schlichen. Auch sonst verliefen die Nächte bis jetzt immer sehr ruhig. Die Sonne durchflutete das Zelt mit licht und Wärme heute schon sehr zeitig, so dass ich draußen vorm Zelt schon am Frühstücksbuffet bastelte, während sich drin die Beiden noch mal umdrehten. Später diskutierten wir die heutige Wegestrategie. Es würde nur bergauf gehen, 700 Höhenmeter auf 12 Kilometer, ohne zu wissen, wo und ob es Wasser gibt. Dazu kam, dass es mit jedem Tag 2 Grad wärmer wurde.

Pünktlich waren wir startbereit und gut gestärkt. Täve versprach ich, ihn in den flacheren Abschnitten auch mal zu schieben, bürdete mir damit eine Last auf um ihm nicht den Spaß am Wandern zu verderben. Stetig, aber immer noch human, schlängelte sich die Piste nach oben. Bald kam ein Abzweig, eine Alternative zum E4 hatte ich geplant, fiel aber dann beim Anblick des Weges ins Wasser. Der Weg war eine zugewachsene Piste, ein Schieben des Rollers nur mit Problemen möglich gewesen. Der Normalweg auf dem E4 sollte 2 Kilometer Umweg, aber auch flüssigeres Gehen versprechen.

An einem Fluss bei KM5 pausierten wir kurz, es musste noch ein verdrängtes Morgengeschäft nachgeholt werden. Bald stießen wir auf ein paar Forstarbeiter, die Holz aus dem Wald räumten. Auf die Frage, wo wir den hin wollen, war unsere Antwort „Cedar Valley“. Ihre Blicke sagten alles. Es würde wohl noch ein anstrengender Weg werden. Bald sollte der Fluss am Wegesrand versiegen, wir füllten vorher aber noch mal alle Behälter auf. Mit jedem Meter, den wir höher stiegen, kam die Sonne mehr und mehr durch. Während Yvonne immer den sonnigen Flecken folgte, sprang ich zwischen schattiger linker Steinwand und rechten schattigen Baumbewuchs hin und her. Nun war es auch vorbei mit den Schiebeeinheiten. Täve musste nun allein seine Meter machen. Am späteren Mittag, wir waren beim 8.Kilometer, war Mittagspause angesagt. Ich denke, dass wir nicht schneller als 3km/h waren, aber es musste auch noch Puste übrig bleiben um Täve bei Laune zu halten.

Ich konnte das Ende der Pause nur schwer einläuten, da die Hitze Einem echt zu schaffen machte, aber ich motivierte Alle mit einem Etappenziel. „Kommt schon, nur noch 200 Höhenmeter, dann machen wir wieder eine kleine Pause“. Kurz darauf erfrischten wir uns an einem kleinem Rinnsal, füllten wieder die Behälter auf. Wir waren erschrocken, was wir heute schon vernichtet hatten. Nun ging kam der finale Anstieg, der Pistenzustand wurde schlechter, der Weg voll in der Sonne und dann noch Täve’s Frage, ob ich ihn den schieben könne. Gott, das war zuviel. Würden wir heute wieder unser anvisiertes Ziel nicht erreichen. Wo wir uns sonst gegenseitig motivieren, war auch Yvonne von der Sonne geschafft. Es waren ja ab der Pause nur 3 Kilometer gewesen, aber gefühlt gingen wir eine Ewigkeit. Wir hatten 200 Höhenmeter geschafft, eine Pause war wieder dringend nötig, auf Verschleiß wollte hier Keiner fahren. Yvonne beklagte sich über Kopfschmerzen, doch zu wenig getrunken? Wir waren auf 900 Meter Höhe, es müssten noch 300 Höhenmeter und ca. 3 Kilometer dran glauben. Bei diesen Fakten und Yvonnes Gesicht schaute mich mal vorsorglich nach einem Camp am Pausenplatz um. Bald fand ich mit Täve auch eins, das kleine Rinnsal war auch nur 100 Höhenmeter entfernt. Eine Notlösung war also vorhanden. Täve und ich entschieden, dass Mama entscheiden solle.

 

 

Zurück an der Piste ging es Yvonne schon besser, sie wollte aber langsamer laufen, ich hatten nichts dagegen. Wir hatten genug Zeit. Ich ließ Yvonne in Ruhe laufen, während ich mit Täve vorneweg lief. Bei dem Schneckentempo konnte ich nun auch in den steileren Passagen Täve mal schieben. Er hatte heute ohne Knatschen diesen Anstieg gemeistert, das war die Belohnung. Mit kurzen Stehpausen und genüsslichen Ausblicken bewältigten wir den zähflüssigen Anstieg.

Nun kam uns der stets einsehbare Weg entgegen. Das Ende war in Sicht, es wurde flacher, die kleine Straße zum Cedar Valley in der Ferne markierte das heutige Ende der Tour, zwar nur für Täve und Yvonne (ich musste ja noch Wasser suchen), aber ich war glücklich, wenn sie es waren. Die Erleichterung war zu spüren, die Laune stieg wieder. Gegen frühen Abend erreichten wir dann die Straße und fanden 200 Meter entfernt auf einem Hügel das wohl beste Camp des Urlaubes.

 

 

Während ich mich nun mit allen Wasserbehältern, die völlig ausgelutscht waren, auf den Weg zum 3 Kilometer entfernten Parkplatz Cedar Valley machte, kümmerten sich die Beiden um das Camp. Ich schnappte mir den Roller und entspannte bei der Abfahrt auf der kleinen Straße. Ich war kaum richtig in Schwung und schon musste ich wieder stoppen. Am Wegesrand fiel mir eine vermauerte Konstruktion auf, in die ein Schlauch verlief. Ich drehte am Hahn und siehe da, es strömte Wasser heraus. Super, 2 Kilometer gespart. Schnell war alles aufgefüllt und unerwartet schnell war ich wieder am Camp. Das Zelt und die Outdoor Toilette waren bereits aufgebaut.

Alle waren geschafft, aber wir hatten nun die härteste Tour des Urlaubes hinter uns, es sollten nun nur noch Touren mit kürzeren Anstiegen folgen, denen stets Abstiege folgen sollten. Kaum zur Ruhe gekommen, ging es ans Essen machen. Mehr denn je lief uns das Wasser im Mund zusammen und der Reis sollte hoffentlich das gewünschte Sättigungsgefühl bringen. Nach dem Essen baute Täve noch sein Klo aus, während wir den Sonnenuntergang anstarrten. Trotz der heutigen Strapazen saßen wir noch lange draußen und besprachen die weitere Vorgehensweise.

 

 

06.April | Cedar Valley – Stavros Psokas  zurück zur Liste

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Den vierten Tag infolge standen wir bei Sonnenschein und wolkenfreien Himmel auf. Die Abendmahlzeiten waren aufgebraucht, nun hatten wir nur noch was zum Frühstück. Mit großer Hoffnung steuerten wir heute Stavros Psokas an, dort was zu finden, was unseren unbändigen Hunger stillen könnte. Trotz der Nähe zur Straße und zur Inselattraktion Cedar Valley war die Nacht ruhig verlaufen, das erste Auto fuhr gegen 10 Uhr vorbei. Mit etwas Vorfreude als sonst packten wir die Sachen, denn ich hatte den bald anstehenden Zedernwald als ein Highlight des Urlaubes verkauft.

 

 

 

Bis dahin ging es auf einer kleinen Serpentinenstraße bergab und mit dem Parkplatz und einem kleinen Bach kündigte sich auch schon wieder ein Anstieg an. Von 1100 Meter sollte es nun auf 1400 Meter hinauf gehen. Wir waren ein wenig überrascht, dass hier weder Autos noch Menschenmassen zu sehen waren, Glück für uns, den Weg für uns allein zu haben. Immer wieder sah man vereinzelt die markanten Zedernbäume mit ihren platt gedrückten Baumkronen. Der Bestand nahm mit der Höhe immer mehr zu. Wir hatten die 300 Höhenmeter fast erreicht, da kamen wir an einem 180 Grad Ausblick vorbei. Hier mussten wir pausieren, den Blick vom Olympos im Osten bis zur Akamas Halbinsel im Westen schweifen lassen. Auch die Drohne machte fantastische Aufnahmen. Dafür wollten wir dann am Scheitelpunkt des Zedernwaldes, am Tripylos-Gipfel keinen Stopp machen. Dort bald angekommen stellte sich das als gute Entscheidung heraus, denn irgendwo hatten sie mehrere Rentnergruppen auf den Zedernwald losgelassen. Wo kamen die auf einmal Alle her?

 

 

Täve war den gesamten Anstieg allein hoch gelaufen, nun konnte er die Abfahrt in vollen Zügen genießen und wir kamen so schnell auch an den Rentnern vorbei. Es kamen uns nun auch noch weitere Gruppen entgegen. Wir grüßten freundlich und eilten mit großen Schritten davon. Kaum hatten wir die Straße erreicht, die mit Bussen zugeparkt war, verließen wir diese auch bald wieder um in einem Seitenweg Mittag zu machen. Ich hatte irgendwo noch eine Tüte Kartoffelbrei aufgespürt, die auch gleich zum Mittagsmahl auserkoren wurde.

Cedar Valley wurde als „überbewertet“ abgestempelt und der bervor stehende Weg als „unspektakulär“ kategorisiert. Es sollte nun sehr lange auf der Straße entlang gehen, wo auch regulär der E4 verläuft. Bei dem Verkehrsaufkommen war uns das aber egal, wir konnten so gut Kilometer machen und Täve konnte talwärts sausen oder auch mal berghoch geschoben werden. Bald waren alle Busse verschwunden und wir brachen wieder auf.

 

 

Gefühlt liefen wir bald immer schneller, wir pushten uns gegenseitig mit möglichen Essenswünschen auf, wenn es im Ort ein Restaurant geben würde. Gott, das Wasser lief einem fast schon aus dem Mund. Wie erwartet war es eine einsame Straße. Bald erreichten wir den Ort und bis dahin hatten wir mehr Rennradfahrer als Autos gesehen. Die Gästehäuser im Ort waren geschlossen, bald kamen wir am Forest Office vorbei und siehe da, ein Laden hatte geöffnet. Wir fielen über ihn her. Ein Bier, eine Cola, Eis, Sandwiches und wir waren erst einmal glücklich. Nur andere Dinge konnte der Laden uns nicht bieten, der weder Einkaufsladen noch Restaurant war. Nachdem wir kurzfristig gesättigt und glücklich machten, standen wir nun wieder genau vor dem gleichen Problem.

Wir saßen einfach nur so da, mit keinem Plan? Morgen weitergehen und hoffen, dass im nächsten 25 Kilometer entfernten Ort Lysos endlich mal ein Laden offen hat? Was aber bis dahin essen? Die Avakas Schlucht streichen? Dieser Plan war auf jeden Fall besser als hier auf einen „Lift“ zu warten, der uns bis nach Lysos oder weiter mit nimmt um dann nur noch den flachen, unattraktiven Abschnitt zwischen Troodos und Akamas zu schaffen. War das Problem nun gelöst? Naja, wir zogen sie wohl eher magisch an. Da wir Taxi und Hotel nur bar bezahlen konnten, war bereits auch das Bargeld knapp. Wir hatten zwar noch 70 Euro, davon müssten wir aber für heute und morgen was kaufen und es sollte was für Lysos übrig bleiben, denn bei unserem Glück nimmt dieser Laden sicher auch nur Bargeld. Wir kauften also noch einmal drei Sandwiches, Bier, Cola, Chips und Schokolade. Klingt ungesund, ist es auch, aber der Laden hatte nix anderes. Im Ort gab es wenigstens Wasser und ich würde hier zurückkommen. Wir planten nämlich, unser Camp kurz außerhalb des Ortes zu suchen.

Gegen 17 Uhr ging es weiter und auf einmal erschien ein Schild „camp site“. Sofort konnte ich mich an die Liste mit den wenigen Camps erinnern. Nach 300 Metern hatten wir das Camp erreicht. Keiner hatte mehr Bock zu suchen, wir bauten hier unser Zelt auf, die 3 Euro fürs Zelt würde ich morgen früh noch im Office entrichten. Täve baute derweil am Fluss einen Staudamm, während wir uns mal wieder duschen konnten. Da der Kocher die letzten Tage viel zu tun hatte, gönnten wir ihm eine Pause. Schlecht war das auch dahingehend nicht, dass der Brennstoff rar wurde und ja, es gab auch hier oben keine Tankstellen.

Wir saugten noch die letzten Sonnenstrahlen auf, bald verschwand die Sonne. Sehr spät aßen wir die Sandwiches, denen gleich der Rest des Einkaufes folgte. Wir waren mal wieder temporär satt und glücklich, doch immer noch ein wenig enttäuscht, dass wir nun in dieser Situation waren. Was würde wohl der morgige Tag für Enttäuschungen bereit halten? Mit diesen Gedanken gingen wir zu Bett ohne zu ahnen, dass Gott einen Engel schicken würde.

 

07.April | Stavros Psokas – Lysos  zurück zur Liste

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Mein erste Gang war der zum Forest Office. Vor Ort stellte ich fest, dass der Herr am Kiosk auch der Forest Beauftragte war. Er verzichtete auf die drei Euro, er hatte vermutlich gestern mit seinem Kiosk den Umsatz des Jahres mit uns gemacht. Ich kaufte noch Kleinigkeiten für den Tag und zurück am Zelt gab es Frühstück. Zum ersten Mal hatte ich die Nacht nicht gefroren und auch vorm Zelt konnte man ohne Sonne sitzen.

Was würde der Tag heute wohl bringen. Erst einmal würde es 10 Kilometer nur bergab gehen, dann noch einmal den Rest komplett hoch nach Lysos. Das Frühstück war schnell verputzt, umso mehr ließen wir uns den Kaffee schmecken. Ich weiß nicht, ob uns der Hunger oder eine Vorahnung antrieb, aber wir waren bereits 9.30 Uhr abmarschbereit. Der Weg gefiel uns besonders, da er schattig und sehr üppig bewachsen war. Während anfangs parallel zum Weg immer ein Fluss verlief, mussten wir diesen bald mehrmals queren. Für unsere momentane Situation war die Stimmung wider erwarten gut.

Es lief sich einfach so dahin und man hatte ein Auge für das Rascheln links und rechts im Gestrüpp. Das kurze Rascheln der kleinen Echsen war uns mittlerweile vertraut, doch dann hörte ich am Wegesrand ein langes, kräftiges Rascheln. Ich schaute genauer hin und da war sie, die Levanteotter eine giftige Viper Art. Faustdick wie eine Kinderhand und den letzten Meter konnte ich noch gut erkennen. Der Rest war bereits in einem Loch verschwunden. Wir Alle schauten erstarrt und interessiert zugleich. Als ich Yvonne um die Kamera bat, hatte sie einen großen Sicherheitsabstand eingenommen. „Hol‘ sie Dir selbst!“ Okay, das Foto war dahin, die Schlange im Loch. So etwas dickes und langes hatte ich noch nie gesehen und wie sie uns dann auch noch aus ihrem Loch anfauchte. Es trieb einen die Gänsehaut auf die Arme. Yvonne war sich nun gar nicht mehr so sicher mit dem wild zelten. Wir machten unsere Späße und keine 5 Minuten später konnten wir uns auch noch 10cm große Frösche anschauen, der eine grün und farbenfroh, der andere kaum erkennbar, super getarnt in schwarz.

 

 

Das hielt uns Alle bei Laune. Tiere beobachten, Abwechslung und Ablenkung. Bald sollte dann auch noch der Weg im Flussbett verlaufen. Ich war froh, dass nun Täve ein wenig Abenteuer verspüren konnte. Es gefiel ihm so sehr, er wollte noch mehr, aber die Avakas Schlucht hatten wir endgültig gestrichen. Wir sollten bald die Pause bei KM10 erreicht haben, der Scheitelpunkt der Tour. Nach der Brücke sollte es nur noch bergauf gehen. Auf die Pause freute sich Jeder, auf die Fortsetzung eher nicht, aber es musste sein und wir motivierten uns gegenseitig. Wir waren hier mal wieder auf dem Weg allein unterwegs, aber kein Wunder, denn in der Nähe weder Touristenattraktionen, Dörfer oder andere Anlaufpunkte.

Wie eine Fata Morgana erschien kurz vor der Kurve auf einmal ein Mann, bald war er wieder weg. Wie kamen auch um die Kurve und da war er wieder. Ihm leisteten 5 andere Wanderer Gesellschaft. Kurz darauf folgte auch schon die Brücke. Es war eine einheimische Familie, die hier zum wandern und entspannen unterwegs war. Wir kamen mit Costas ins Gespräch, ein älterer, sonnen gebräunter charismatischer Typ.

Nun folgte eins aufs andere, ich musste immer wieder Yvonne fragen, was er denn von uns wolle. Sie verstand sein Englisch besser als ich. Auf die Frage, ob wir denn einen „Lift“ benötigen, grinsten wir über beide Ohren und erklärtem ihm, dass Lysos oder der nächste Ort Skoulli gut wären, da gäbe es Supermärkte. Er fragte nach unserem eigentlichen Ziel und ich verstand damit nicht, was er meinte. Wo wollt Ihr nach dem Supermarkt hin? Er sagte uns, dass er aus Neo Chorio, einem Örtchen am Rande der Akamas herkomme und dorthin fährt. Er würde uns überall mit hinnehmen, wenn es auf dem Weg liegen würde.

Den Ort hatte ich schon mal gehört, er lag optimal auf der Akamas Halbinsel, die wir eigentlich schon abgeschrieben hatten. Ach was, er lag perfekt. So perfekt, dass wir ab dort in einem Ritt die Avakas Schlucht erreichen könnten. Er schlug uns sogar ein Picknickplatz oberhalb des Ortes vor, wo auch ODS Heron genächtigt hatte. Wir waren überglücklich als er meinte, dass wir nun erst einmal zu einem Supermarkt fahren und danach zu dem Picknickplatz. Scherzhaft schloss er seinen Plan mit der Frage ab, ob wir genug Geld dabei hätten. Da war wieder unser Problem, aber er meinte das als Scherz und er versicherte mir, dass der Supermarkt Kreditkarte nehmen würde. Solch einen netten Menschen konnte nur Gott geschickt haben. Zur rechten Zeit, am rechten Ort. Wären wir heute einen anderen Weg gelaufen, wären später gestartet, wir wären nicht zur rechten Zeit an diesem Ort gewesen. 10 Minuten später saßen wir im Auto und es konnte losgehen.

Hätte mir zu Hause bei der Tourenplanung Einer angeboten, dass er mich am Ende des Troodos Gebirges bis zur Akamas Halbinsel fahren würde, es wäre der perfekte Plan gewesen um den langweiligen Teil zu überbrücken. Nun wurde aus einem seit Tagen gescheiterten Plan dieser eine perfekte Plan. Unterwegs hielt er sogar noch an um frische Haselnüssen zusammen zu essen. Was für eine Herzlichkeit, wobei alle Zyprioten, mit denen wir in Kontakt kamen, diese offene Haltung hatten.

Am Supermarkt glühte dann die Kreditkarte, es wurde ohne Rücksicht auf Notwendigkeit und Masse eingepackt, was essbar war bis der kleine Einkaufwagen voll war. Keine 70 Euro für so einen Einkauf. Wir kauften noch frische Erdbeeren und ein kleines Präsent für Costas und Elly. Während wir einkaufen waren, hatten sie uns aber auch ein kleines Souvenir vom Bäcker gekauft, eine lokale süße Köstlichkeit. Bald waren wir am Picknickplatz angekommen, dort gab es Wasser und ausreichend Platz und Costas versicherte mir wieder einmal, dass zelten zwar verboten sei, er aber hier schon viele Camper gesehen hätte. Bevor er wieder nach Hause fuhr, zeigte er mir noch einmal auf seinen Karten, welchen Weg wir morgen einschlagen sollten. Auf dem Kamm bleiben und von hinten an die Schlucht von oben nach unten wandern. Wir wollten Costas noch gern Geld für die Fahrt geben, aber er lehnte mit den Worten „Was würde das ändern?“ ab.

 

 

Glücklich und zufrieden winkten wir seiner Staubwolke hinterher und kaum hatten wir unser Zelt aufgebaut, erschienen eine kleiner Gruppe an russischen Wanderern. Wir hofften, dass sie nicht die typischen Klischees im Gepäck hatten. Wir machten uns über die Einkäufe her, aßen, was uns vor den Mund fiel. Wir hatten ja nicht richtig Mittag gemacht und wir titulierten diese kleine Fressorgie als Kaffeekränzchen. Wir chillten nun dahin und waren glücklich mit der nun wieder machbaren Route.

Weniger glücklich stimmten uns die Russen, die sogar noch mehr Klischees dabei hatten. Laut und rücksichtslos waren dabei noch die, die am meisten nervten. Es war nun zu spät, alles noch einmal zusammen zu packen, Yvonne hatte weiter oben auf dem Kamm tolle Wildplätze gefunden. Wir mussten es nun aushalten, vielleicht waren wir auch zu sehr von der Einsamkeit verwöhnt worden. Schlimmer kam es zum Glück nicht mehr an diesem Abend. Bald gab es Reisnudeln mit Zwiebeln, ordentlich Fleisch und Beilagen und ich war erschrocken als die 500gr weg waren. Sogar der Topf wurde ausgeleckt. Später am Abend entfachten die Russen noch ein großes, unkontrollierbares Feuer. Wir dagegen saßen am Zelt und futterten uns durch das Genussmittelsortiment. Später am Abend, es wurde langsam ruhiger, spielten wir noch im Zelt Uno und ich durfte Täve erklären, was für eine tolle Schlucht noch auf uns warten würde. Seine Vorfreude war ihm anzusehen und er fragte immer wieder „Und das nur für mich?“. 

 

08.April | Neo Chorio – Inia  zurück zur Liste

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Ein was Gutes hatten die Russen dann doch, sie waren beim Aufstehen so laut, dass wir zeitiger munter waren. Irgendwie sah Yvonne daran nichts Gutes. Nur schnell frühstücken und dann weg und hoffen, dass die Truppe nicht die gleiche Richtung und das gleiche Ziel einschlagen würde. Gemütlich frühstückten wir trotzdem, denn das Buffet war heute reichlich gefüllt und für die letzten große Tour des Urlaubes wollten wir gestärkt starten. Wir hatten alles fertig gepackt, da genossen wir noch einmal die Stille des Camps, die Russen waren seit 30 Minuten weg. Schon hier am Camp bemerkten wir seit gestern den zunehmenden Tourismus in Form von Quads und Mietwagen. Unsere Vermutung, dass der heutige Weg ein Spießrutenlauf werden würde, bestätigte sich jedoch nicht. Vielleicht lag das aber auch an der erstmaligen Bewölkung am Himmel.

Es ging nun einen kleinen Anstieg auf einen Bergrücken hoch und dann bogen wir links ab und sollten nun diesen sanft ansteigen. Dabei hatten wir immer den Ausblick auf die nördliche sowie südliche Küste. Keine 2 Kilometer waren gelaufen, da erblickten wir in einer der weiter entfernten Kurven die Russengruppe. Naja, wir liefen einfach weiter und bald sollte sich herausstellen, dass alle Aufregung umsonst war, denn sie bogen an die südliche Küste nach Lara Beach ab.

 

 

Es hatte sich in diesem Urlaub mal wieder herausgestellt, dass Täve wieder alles unnatürliche aus der Natur aufsammelt oder entfernt. Schrauben, Nägel, Gummipfropfen oder interessant anmutende Metallstücke, alles landet in irgendwelchen Taschen und am Ende tragen wir unnützes Zeug mit herum. Aber dieses Mal schoss er den Vogel ab. Auf der Buckelpiste hatte Mopedroller so einige Teile verloren. Täve fand zwei Spiegel und einer passte sogar wie dafür geschaffen an den Roller. Gott, was Kinder so alles glücklich macht, aber er war stolz auf seinen Außenspiegel.

Bald sollte sich der Weg teilen und intuitiv folgten wir dem flacheren Verlauf, da auf dem Navi nur ein Weg eingezeichnet war und dieser scheinbar der richtige war. Bald aber liefen beide Wege auseinander, entfernten sich von einander und wir hatten nun doch den falschen gewählt. Zu faul, wieder zurück zugehen, machten wir uns an die Steilpassage heran, die durch Gestrüpp auf den oberen Weg führen sollte. Die Büsche hier waren nie groß stachelig, aber sie hatten trockene, vertrocknete Zweigchen, die immer ordentlich zogen, wenn sie auf die Schienenbeine schnipsten. Mittlerweile waren unsere Beine gezeichnet davon, überall kleine Striemen, kreuz und quer verteilt. Oben wieder auf der richtigen Schotterstraße angekommen, pausierten wir erst einmal und ließen die Blicke in die Ferne schweifen.

 

 

Die Bewölkung nahm zu, was mir zusagte. Endlich mal nicht verschwitzt durch die Prärie stapfen. Jedoch machte mir die dunklen Gebilde, die da vom Meer heranzogen, Sorgen. Bald war es dann soweit, gegen frühen Mittag erwischte es uns. Wir hatten die rain cover also doch nicht umsonst dabei gehabt. Drauf damit und weiter. Für Regenklamotten war es zu warm und der Regen zu wenig. Der Wind nahm nun auch noch zu, es wurde ein wenig ungemütlich, aber keine Option, sich unterzustellen oder zu pausieren. Also liefen wir lieber weiter als auszukühlen. Es war ja in der Ferne auch schon wieder Besserung in Sicht. Kurz darauf kreuzten wir den Weg, den ich original geplant hatte. Ab nun wusste ich wieder, wo wir waren. Nach meiner Planung sollten es heute nur 18 Kilometer werden. Am Mittag hatten wir die Hälfte geschafft, man merkte Allen die Vorfreude auf die Schlucht an und dass es zum Mittage endlich mal wieder was Richtiges gab.

Nach dem Mittag sollten wir nun die Schotterpisten der Akamas verlassen und steuerten kleinere Orte auf einsamen Landstraßen an. Wenig Tourismus, viele Einheimische. Eine tolle Atmosphäre, das ursprüngliche und ländliche Zypern zu durchwandern. In Inia, dem letzten Ort vor der Avakas Schlucht, rasteten wir noch einmal. Eis für Jeden, die Sonne kam wieder hervor und wir versprühten gute Laune. Weit würde es nicht mehr sein, es würde fortan nur noch bergab gehen. „Bergab“ stellte sich jedoch als falsche Bezeichnung heraus.

 

 

Der Weg war an Steilheit kaum zu überbieten. 30% Gefälle, permanentes Bremsen, die Beine hatten ordentlich zu tun. Ich verweigerte Täve, hier mit dem Roller runter zu düsen. Er wäre sicher in einer der Bambusbüsche gelandet. Inia kaum verlassen, schon war es wieder einsam, es folgten nur noch paar Bauernhöfe und einige bestellte Felder, gesäumt von Olivenbäumen. Ich hielt nach Orangenbäumen Ausschau, aber weit und breit keine in Sicht. Schade! Die waren hier so lecker, mit einer unvergleichlichen Süße.

Wir waren nun 16 Kilometer unterwegs, da äußerte Yvonne ihre Zweifel, in einer Schlucht zu übernachten. Sie als geborene Sonnenanbeterin wollte einen exponierten Platz mit Sonne bis in die Abendstunden und keine Dunkelkammer. Morgen würden wir sie dafür bestrafen, aber Täve und ich gaben klein bei und hatten auch bald einen aussichtsreichen Platz entdeckt. Es war am späten Nachmittag, genug Zeit um alles in Ruhe aufzubauen, Wasser am nahe gelegenen Fluss zu holen und um am Camp zu entspannen, in der Sonne zu liegen und festzustellen, dass dieser Urlaub schon jetzt unvergesslich sei.

Am Abend gab es wieder 500gr Nudeln und wieder blieb nichts übrig. Wir hatten vermutlich so einiges nachzuholen. Danach tänzelten Alle unterm dem Wassersack umher, denn morgen würden wir wieder zurückfliegen und sollten wenigstens ein klein wenig frisch riechen. Es war ein schöner Tag und diese Akamas Wanderung hatte uns Allen gefallen, es war eine Abwechslung zum bewaldeten Troodos, wenn auch zivilisierter und touristischer.

 

 

 

09.April | Inia – Avakas – Agios Georgios  zurück zur Liste

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Bei leichter Bewölkung, aber wärmender Sonne fiel es nicht schwer, den letzten Tag anzugehen, zumal die Avakas Schlucht bevorstand. Umso schwerer fiel es uns, Zypern bald „Goodbye“ zu sagen. Wir brauchten beim Frühstück die letzten Reserven auf, der Kaffee und das Milchpulver hatten auf den Punkt gereicht. Wir packten die Rucksäcke schon vorsorglich für den Flug um, Messer und alle terroristischen Utensilien in die großen Rucksäcke, Technik und zerbrechliche Dinge in den Ortliebsack.

Es waren heute nur 11km und unser Flieger würde erst 20 Uhr ab Paphos gehen. Also gingen wir alles langsam an und starten ein wenig später als sonst. Es ging noch 2 Kilometer auf dem Hauptweg entlang, bevor diese auf ein Vorplateau verließen. Von dort au konnte man die Schlucht schon gut ausmachen, es waren aber noch weiter Kilometer bis zum eigentlichen Eingang. Obwohl ein Wanderweg hier oben im Navi verzeichnet war, war dieser anfangs schwer zu finden. Hier hoch würden sich wohl die wenigsten Ausflugstouristen verirren. 2004 bin ich damals schon die Schlucht von ganz unten bis hoch durch gewandert und war der Meinung, dass es ein Muss sei. Nun wollten wir sie anders herum angehen, runter läuft es sich dann doch ein wenig entspannter und ich wusste, dass ich den kompletten Weg beide Rucksäcke und Roller schleppen müsste.

 

 

Kurz vor der Schlucht pausierten wir noch einmal an einem wundervollen Platz. Nun wurde Yvonne von Täve und mir verbal angegriffen, sie war schließlich Schuld, dass wir weiter oben genächtigt hatten und nicht hier. Es war und ist ein Traumplatz. Keine Häuser in der Nähe, große bunt blühende Wiesen, weitreichende Aussicht und lange Sonne. So konnten wir diese Platz nur temporär genießen, blieben aber auch länger als bei üblichen Kurzpausen. Die Drohne summte noch einmal über die Schlucht hinweg, dann ging es los. Ich kündigte das Highlight noch einmal mit den Worten „Seid Ihr bereit?“ an.

Nun hieß es, 3 Kilometer lang 200 Höhenmeter zu vernichten. Meine Erinnerungen an die Avakas waren schwach, aber prägend gewesen. Anfangs liefen wir in einer breiten Schlucht entlang. Immer wenn es möglich war und der Weg abenteuerlich erschien, liefen wir gleich direkt durchs Flussbett. Parallel verlief aber immer wieder ein kleiner Pfad, der ab und an die Uferseiten wechselte. Nach einem Kilometer kamen und zwei Tageswanderer entgegen, die aber mit uns umkehrten, da kurz Regen einsetzte und sich den weiteren Verlauf nach oben sparen wollten. Es waren für heute die einzig anmutenden Wanderer, auf E4 Trekker hofften wir hier und heute nicht, da die Avakas nicht Bestandteil des Fernwanderweges ist. Dieser führt nur unten an der Küste, vorbei am Eingang der Avakas, entlang.

Täve hat sichtlich seinen Spaß, auch ohne Animation unsererseits. Yvonne war ebenso begeistert und ich glücklich, dass es Beiden gefiel und wir es doch noch hinbekommen hatten. Der schattige Wegeverlauf wurde bald zum Hindernislauf, denn riesengroße Geröll- und Steinfelder versperrten den Weg. Täve konnte zeigen, was er im Kletterkurs gelernt hatte. Bei mir dagegen sah es nicht nach Klettern aus, es war ein „Hochgewuchte“ und „Runtergestöhne“. Zum Glück war Niemand in der Nähe, der mein Leid kommentieren konnte, außer Yvonne, die das immer mit Gelächter tut.

 

 

Nun spürten wir langsam, aber sicher, dass wir dem Ende der Schlucht entgegen kamen. Dies kündigte sich nicht nur durch die Enge und Steilheit der Schlucht, sondern auch durch viele Touristen in Flip-Flops und Turnschuhen an. Während diese von Stein zu Stein hüpften um ja keine nassen Füße zu bekommen, der Weg verlief nun komplett im Flussbett, liefen wir einfach direkt im Fluss entlang. In die Warteschlange der hüpfenden Touristen wollten wir uns nicht einordnen. Nun war es schier unmöglich, ein Foto der Schlucht ohne andere Personen zu machen. Trotzdem war Täve beeindruckt und rannte spritzend und springend im Fluss entlang. Die Freude sah man ihm an.

 

 

Bald hatten wir die Schlucht geschafft und kamen zur Küstenpiste, die um die Akamas herumführt. Überall waren Schilder mit „Wildlife recreational area“ aufgestellt. Schön, dachten wir, hier wird noch auf die Natur Rücksicht genommen. Nach 2 Kilometer auf dieser Piste sahen wir dieses Schild als blanken Hohn. Gruppen von Quads und diesen neumodischen Geländebuggys verstaubten und missachteten diese Schild. Wir kamen uns nach Tagen der Einsamkeit vor wie an einer Autobahn. Autos hupten sich gegenseitig an, keine Rücksichtnahme, auch nicht auf uns. Ein Auto nach dem anderen. Das Wandern in Staubwolken nervte uns. Nein, das war kein schöner Abschluss.

Es würde aber nicht besser werden, eher schlimmer, daher nutzten wir die Gelegenheit, an einem kleinen Kiosk Pause zu machen und das letzte Bargeld zu verschleudern. Erst Bargeld gezählt und dann die Bestellung gemacht. Es war nicht genug, aber ausreichend um uns bis nach Agios Georgios zu retten, was immer noch 1,5 Kilometer entfernt lag. Genießen konnte man hier nur noch den Ausblick. Die Geräuschkulisse musste man ausblenden. Trotzdem tröstete mich Täve mit den Worten „Ich fand die Schlucht richtig toll“ Na, wenn das nichts ist.

Es war erst 14 Uhr, wir brachen auf um bis zur Hauptstraße nach Agios Georgios zu kommen. Im Navi deutete „Messer und Gabel“ auf ein Restaurant hin, hoffentlich würden die Kreditkarte nehmen. Es ging nun auf der Straße entlang, wenigstens kein Staub mehr, dafür umso mehr Reisebusse, die uns immer wieder in den Seitengraben drängten.

 

 

Noch nie habe ich mich als Mensch so deplatziert gefühlt. Wir sollten und wollten hier nicht sein und uns hat es mal wieder gezeigt, dass wir unsere Art zu reisen nicht aus Kostengründen machen, sondern weil wir es so lieben und diesen Massen- und Pauschaltourismus hassen. Jedoch musste Yvonne richtig erkennen, dass es doch auch gut ist, dass es diesen Massentourismus an den Stränden gibt, weil wir so unsere Ruhe in den Bergen haben.

Bald waren wir am Restaurant angekommen, wir wollten gern draußen in der Sonne sitzen, durften aber dort nur was trinken, also mussten wir uns in das klimatisierte Restaurant setzen. Kreditkartenakzeptanz? Ja, aber nur ab 20 Euro. Kein Problem, wir bestellten nach Lust und Laune. Yvonne machte noch ein Taxi spontan klar, was uns 17 Uhr abholen würde, wir hatten nun genug Zeit. Die Fahrt zum Flughafen ging dann vorbei an all diesen Punkten, die ich noch vor 14 Jahren selbst gesucht und gebucht hatte. Wie krass man sich als Mensch doch verändern kann.


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