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Winter Zelten

WINTER ZELTEN  |  NUN GIBT ES KEINE AUSREDEN MEHR

 

 

VORWORT

Nun haben wir selbst den Schritt gewagt und uns mit Zelt in die Kälte hinaus gewagt. Sicher sind wir jetzt nicht gleich zu Profis avanciert, jedoch können wir mitreden und erste Erfahrungen, Fehler und Tipps weitergeben, von Einsteiger zu Einsteiger. Was sollte man bei der Planung beachten, wie setzt Einem die Kälte wirklich zu, was unterscheidet das Winter Zelten vom schnöden Sommer Zelten? Hier erfahrt Ihr alles im Detail.

 

DAS WARUM

Naturverbunden sind ja viele, draußen an der frischen Luft ist doch Jeder gern, aber warum gleich zelten und dann noch im Winter? Allein auf unserer ersten Tour wurden uns Phrasen wie „schon ein wenig masochistisch“ oder „uneingeschränkter Respekt“ entgegen geworfen. Danach kam dann aber gleich die Frage nach dem „Warum?“ Komisch, dass das die Meisten interessiert hat. Unsere Antwort ist leider nicht mit einem Satz erklärt.Wir zelten halt schon immer gern, am besten noch wild. Wir suchen das Abenteuer, wollen für uns neue Sachen entdecken. Das alles führte nun zu der Idee, auch mal im Winter zelten zu gehen. Dabei stand aber auch der Zukunftsgedanke im Raum, mal eine Tour mit dem Prädikat „noch länger und noch kälter“ zu unternehmen. Somit kann man Winter Zelten sicher auch als Vorbereitung und Probe sehen.

 

VORAUSSETZUNGEN

Woran denkt man zuerst, wenn man im Winter zelten gehen möchte? Sicher an vieles, aber doch anfangs an die richtige Ausrüstung, oder? Bis vor einem Jahr wäre das Winter Zelten auch für uns nicht möglich gewesen, da wir uns erst 2015 Daunenschlafsäcke zulegten, die zweistellige Minusgrade abdecken.  Weiter unten werde ich hierzu im Detail darauf näher eingehen. Ist die passende Ausrüstung vorhanden, dann ist auf jeden Fall auch ein anderer Fakt bereits gegeben. Man hat den Willen, es auszuprobieren, sich der Kälte auszusetzen, in gewisser Hinsicht auch ein Abenteuer einzugehen.

Natürlich folgen nun die klimatischen Voraussetzungen. Mit Winter assoziiert man Kälte und Schnee., in der heutigen Zeit der Klimaerwärmung jedoch nicht mehr zwangsläufig gegeben. Wir wollten Beides haben, da genau hier ja die Herausforderung besteht. Gerade dieser Winter hielt sich mit seinen Charakteren zurück, sodass wir also zum Winter fahren mussten und nicht direkt in unserer Umgebung Material und uns testen konnten. Man sollte sich langsam an Temperaturen und Schnee heranwagen, also haben wir unser primäres Kälteziel Lappland erst einmal aufgeschoben.

Wo wir also schon beim Reiseziel wären. Mit den Alpen oder unseren Mittelgebirgen wird einem da eine große Auswahl zur Verfügung gestellt. Mittelgebirge kamen für uns aufgrund der nicht ausreichend vorhandenen Winterbedingungen nicht in Frage. Bei den Alpen traut man sich jedoch gleich in gefährliches Gelände. Lawinengefahr, Wetterumschwünge, Abgeschiedenheit, Höhenlagen etc. Also sollte man immer überlegen, in wie weit man vor Ort dann immer noch Herr der Lage ist.

 

WAS KANN PASSIEREN UND WIE PLANT MAN?

Nein, nicht die alpinen oder winterlichen Gefahren sind hier das Thema, sondern der Fakt, dass dieses neue Erlebnis ein Erfolg, eine Niederlage oder ein ödes „Naja“ wird. Nur ein Ergebnis sollte man genauer beleuchten, die Niederlage. Das bedeutet vieles. Ist man der Kälte gewachsen? Wie wärmt man sich auf? Wie zieht man sich richtig an? Kommt man mit dem Komfortverzicht klar? So kann es sein, dass man bereits nach oder sogar noch während der ersten Nacht merkt, dass das Alles doch nicht für Einen ist. Tag darauf Tourabbruch, was nun?

Also immer einen Backup Plan haben, das Auto sollte zentral stehen und nach jeder Nacht in ähnlicher Entfernung bereitstehen. Also keine einwöchigen Rundtouren planen, weil man ja auch sonst für eine Woche Proviant mit schleppen muss. Der Rucksack ist aber so schon schwerer als im Sommer. Mehr Klamotten, schwererer Schlafsack, geräumigeres Zelt etc. . Es kommt zur Kettenreaktion, da bei schwereren Rucksack das Fortbewegungsmittel Schneeschuh nur noch eingeschränkt funktioniert, man sinkt tiefer ein. Jeder Schritt wird zum Kraftakt.

Apropos, im Winter kommt man in abgeschiedenen Gebieten nur mit Schneeschuhen, Langläufern, Backcountry Ski oder Tourenski voran. Wobei ich mir bei bergigen Gelände die Abfahrten auf Skiern mit ü25kg Rucksäcken schwer vorstelle. Da wir Wanderfans sind und ich mich gerade mal auf Langläufern halten kann, kam nur Schneeschuh in Frage. Bei entsprechend Rucksackgewicht hier lieber eine Größer höher wählen.  Bei der Suche nach dem idealen Gebiet, der idealen Tour, sollte man auf Tourenski- Empfehlungen zurückgreifen. Neben einem optionalen Gipfelglück hat man den Vorteil, dass bereits gut gespurt wurde und man auf dem verfestigten Schnee nicht mehr 30cm einsinkt. Dabei war uns aber auch wichtig, wo die nächste Hütte ist. Hat die einen Schutzraum, ab wann ist sie geöffnet? Da uns der unverbaute Alpenausblick wichtig ist, mieden wir alle Skiregionen, wo Alpenhänge mit Waldschneisen und Liften durchzogen sind.

 

DIE GEFAHREN

Kennt Ihr das alpine Notsignal? Wie signalisiert man dem Rettungsteam, ob Hilfe benötigt wird? Kennt Ihr die regionalen Notrufnummern? Diese Fragen solltet Ihr beantworten können. Theorie vor Praxis. Die Gefahren vor Ort hängen natürlich von der Region ab, die man auswählt. Grundlegend ist die Gefahr des Erfrieren natürlich gegeben, aber genau vor dieser Gefahr kann man sich am besten schützen, mit der richtigen Ausrüstung. Andere Gefahren wie Lawinen oder Gletscherspalten möchte ich hier beleuchten, obwohl sie eher alpiner Natur entspringen. Hier kann man sehr gut in sichtbar und nicht sichtbare Gefahr unterscheiden.

Die Lawinengefahr ist dabei die sichtbarste. Mit geschultem Auge, prüfenden Blick, Beobachtung der Wetterprognosen und Lawinenwarnstufen (LWS) kann man dieser Gefahr gut aus dem Weg gehen. Lawinen sind kein Hexenwerk und können gut vorausgesagt werden. Nicht umsonst gibt es eine Lawinenkunde, die sich mit 10 Gefahrenmustern und der Reduktionsmethode auseinandersetzt. Dabei steht der theoretischen Wissenschaft einer spontanen Entscheidung vor Ort gegenüber. Man sollte sich vorher darüber belesen, die eine oder andere App über die Lawinensituation der Region runterladen und vor Ort auf vorhandene Spuren von anderen Winterwanderern und die Steilhänge schauen, die jenseits der 30 Grad liegen. Es gibt auch gute Hangneigungsmesser als App. Von Steilhängen geht die meiste Gefahr aus. Damit man sich mit ruhigem Gewissen im alpinen Gelände bewegt und auch im Lawinen- Notfall gut gewappnet ist, wird ein Lawinenverschüttetensuch(LVS)-gerät, parallel zur Schaufel und Sonde als LVS Set dringend empfohlen.  Dazu später mehr beim Thema Ausrüstung.

Die unsichtbare und für uns höhere Gefahr sind die Gletscherspalten, die im Winter von mehr und weniger Schnee bedeckt sind. Hier begibt man sich wissentlich auf einen Gletscher, unter dem todbringende Spalten lauern. Auch hier gibt es eine Ausrüstung, die einem auf solchen Hochtouren Sicherheit geben soll. Hier reicht aber die theoretische Kenntnis nach unser Ansicht nicht mehr aus. Wir hatten zwar eine Gletscherausrüstung dabei, haben dann aber doch die Gletscherquerung gemieden. Es steht nun fest, dass wir hier erst einmal einen Hochtourenkurs machen möchten, wo das Thema Spaltenrettung etc. auch praktisch durchgespielt wird. Erst dann fühlen wir uns da sicher. Was zu so einer Ausrüstung gehört, dazu später auch mehr.

Keine Gefahr wird dagegen das Thema Verdursten sein. Entweder findet man ein klaren Bach in der Nähe. Wenn auch von Schnee oder Eis bedeckt. so hört man ihn immer noch und kann sich seinen Weg dorthin bahnen. Naja und ansonsten liegt überall Schnee in Hülle und Fülle. Hat man Durst, isst man Schnee. Im Camp kocht man Schnee einfach zu Wasser auf, das dauert zwar, aber so ein Kocher spendet ja auch Wärme, also doppelter Nutzen.

Eine Gefahr sei noch am Rande kurz beleuchtet, die eher als Tipp dienen soll, damit es nicht zur Gefahr wird. Wir haben es bei unserer ersten Tour gleich am eigenen Leibe erlebt. Sicher ist das auch zeltformabhängig, aber bei unserem Tunnelzelt setzte sich eine nasse Schneeschicht auf dem Außendach mittig nieder, die irgendwann nicht mehr selbständig abrutschte. Die Last wurde immer größer und unter dieser brachen dann zwei Gestänge. Vorbeugen kann man hier nur durch Beobachtung der Wettervorhersage und dem regelmäßigen Schütteln am Zelt in der Nacht. Auch bei dunkelste Nacht sieht man durch das Zelt den Schnee auf dem Dach schimmern. Also besser mehr Vorsicht, ansonsten wacht man eines Nachts mit großen Schrecken auf.

 

DIE AUSRÜSTUNG

Unsere vorhandene Ausrüstungsliste findet Ihr hier. Im Detail möchte ich hier aber auf das wintertaugliche Equipment eingehen, welches wir speziell für diese Tour genutzt haben. Vorteile, Nachteile, Nutzen und Tipps werden folgend gegenüber gestellt und spiegeln unsere Erfahrungen wieder.

DIE HERBERGE | DAS ZELT >> HILLEBERG KERON 4GT

Fangen wir mit dem wichtigsten an. Ohne ein wintertaugliches Zelt geht gar nichts, aber was macht es aus, was unterscheidet es von einem Sommer- oder Billigzelt? Ich kenne nicht alle Zelte dieser Welt um zu behaupten, dass sich Wintertauglichkeit und Billigdiscounterzelt ausschließen. Jedoch bin ich der Meinung, dass mit steigender Qualität auch die Verlässlichkeit zunimmt. Während wir das Vorhandensein eines getrennten Innen- und Außenzeltes als unverzichtbar sehen, allein wegen dem Raumklima und der zusätzlichen Wärmeschutzschicht, lassen Andere ihr Innenzelt im Winter zu Hause. Für uns stellt das Innenzelt eine Art trockene Komfortzone dar, nur im Außenzelt zu schlafen für uns aktuell nicht denkbar. Für Gewichtsfetischisten eine Option. Dagegen ist eines extrem wichtig: Ein Außenzelt, welches bis zum Boden reicht. Dagegen ist es weniger wichtig, dass zusätzlich Schneelappen (snowflaps) angebracht sind oder nachträglich angebracht werden. Wichtiger ist es, dass man einen kleinen Schneewall von 15cm Höhe am unteren Außenzelt aufschüttet um dem Wind keine Chance zu geben. Für Viele im Sommer zusätzlicher Luxus, aber im Winter sicherer Rückzugsort und Küche, das Vorzelt/ eine große Apsis. Hier kann man windgeschützt kochen, sich umziehen, das Gepäck lagern. Damit die Kälte auch draußen bleibt, finden wir die Möglichkeit des seitlichen Eingangs beim Keron 4GT dahingehend super, dass man den Eingang von oben nach unten öffnen kann.So steigt man über den Eingang nach draußen, der zum Boden ca. 20cm geschlossen und der davor liegende Schneewall am Außenzelt in Form bleibt. Gut links im Bild zu sehen, was ich meinte. Nun denkt Ihr, warum nehmen die für 2 Personen ein 4-Mann-Zelt mit. Ganz ehrlich, es war ausreichend Platz, aber mit den vielen Klamotten und dem Fakt, dass man sich im Wintercamp mehrheitlich im Zelt aufhält, will man auch nicht wie eine Sardine in der Dose liegen. Kommt nun noch die Frage nach den richtigen Befestigung im Schnee. Wir haben uns aus L-Winkeln 14x 30cm lange Aluwinkel aus dem Baumarkt zurecht gesägt, Löcher rein gebohrt und mit einer 40cm langen Mittelschnur versehen. Fertig sind die rechts im Bild erkennbaren je 50gr schweren Schneeheringe. Natürlich kann man auch seine Skistöcke, Eisblöcke oder Schneeanker aus Silnylon (Beutel, die mit Schnee befüllt und vergraben werden) nutzen. Niemals vergraben würde ich die Schaufel oder die Schneeschuhe. Die sollten immer einsatzbereit am Zeltausgang bereitstehen. Im Vorzelt wurde eine Grube mit ca. 40cm Tiefe geschaufelt, zum Ausgang hin mit 20cm und zur anderen Seite mit 50cm Abstand. So hat man eine 50cm breite Ablage und der 20cm Abstand dient als Trittstufe um besser aus der Grube über die Öffnung raus zu treten. Optional kann in dieser Grube auch eine zusätzliche Erhöhung als Sitz eingebaut werden. So sitzt man gemütlich mit Rückenlehne. Aber bitte bedenken, die Grube wird nicht umsonst als Kältegrube bezeichnet. Dort ist es kälter als im Rest des Zeltes, gerade wenn eine Gaslampe das Zelt wärmt, kommt diese Wärme nur im oberen Teil des Zeltes an.

DAS BETT | SCHLAFSÄCKE >> DAUNE ME SNOWLINE SL UND WM ANTELOPE , ISOMATTEN UND INLETS

Klar, gibt es auch wärmende Kunstfaser, die aber meist bei gleicher Isolation wesentlich schwerer ist. Unsere beiden Modelle wiegen um die 1300gr und halten bei -15 Grad noch gut warm. Diese Tour sollte also auch eine Bewährungsprobe für die Schlafsäcke sein. Wir wollten aber nicht nur auf diese vertrauen und packten zusätzlich Fleeceinlets mit ein. Als Isomatten vertrauten wir vorerst auf unsere Thermarest Neoair xlite, wohl wissend, dass es auch Winterisomatten gibt. Bei Nächten um -12 Grad wurde schnell die Komfortzone erreicht. Nur in Unterhosen war es nicht mehr auszuhalten, Inlet und eine zweite Lage musste her. Mich wunderte das, weil ich sonst doch eher Kälte resistent bin. Das Problem war die kondensierte Nässe am äußeren Schlafsack und nasse Daune wärmt nur noch bedingt. Die Lösung heißt VBL Liner, der verhindert, dass die vom Körper produzierte Feuchtigkeit nicht in den Schlafsack zieht, sondern im isolierten Nylonsack bleibt. Man kann sich das Teil auch als eine Art Biwaksack vorstellen. Da ich einen dafür für den Notfall dabei hatte, kam er in der 2.Nacht zum Einsatz. Resultat: Ich brauchte keine 2.Lage Klamotten und der Schlafsack war etwas weniger feucht am Morgen danach. Ob nun ein VBL Liner besser funktioniert, keine Ahnung. Wir werden es beim nächsten Mal wissen. Jedenfalls war der Schlafkomfort nicht so feucht wie man es denkt. Durch das Inlet und die Unterwäsche herrscht ein relativ angenehmes Klima. Mit einer Rettungsdecke mussten wir der Kälte von unten ein wenig Einhalt gebieten. Hier werden wir zukünftig auf eine Alumatte mit Schaumisolierung zurückgreifen. Wiegt kaum was und bringt sicher mehr als die Rettungsdecke.

DIE KÜCHE | KOCHER >> MSR DRAGONFLY, ETA POWERTÖPFE

Was nimmt man nun? HoBo, Gas oder doch Benzin? Aufgrund von nicht gesicherten Holzvorkommen oberhalb der Baumgrenze schied der HoBo aus. Gas wäre eine Option gewesen, spezielles Wintergas war auch vorhanden, aber nicht in rauen Mengen. Wir zählten also lieber auf Benzin, da Keiner wissen konnte, wie hoch der Verbrauch sein würde. Reserve lagerte im Auto. Der Kocher sollte nicht nur zum Essen zubereiten, sondern auch zum Heizen dienen. Wir nutzten also eine 1.5 Liter Flasche, die nach 4 Tagen noch halb gefüllt war. Gedanken hatte ich mir beim Abstrahlen der Kocherwärme gemacht. Wo also den Kocher hinstellen? Im Schnee sicher nicht. Bis jetzt lag ein runder Aluschutz ungenutzt im Schrank, der meist zu den Alufaltschutzteilen mitgeliefert wird, dieser wurde nun als Unterlage genutzt und erfüllt seinen Zweck ganz gut. Dieses Problem hätte man bei einem Gaskocher nicht gehabt. Gefühlt braucht der Kocher 50% länger um das kalte Wasser bei der vorherrschenden Außentemperatur aufzukochen. Beim Schneeschmelzen musste ich drei Töpfe komprimierten Schnee sammeln um daraus einen Topf Wasser zu erhalten, Dauer der ganzen Aktion um die 10 Minuten. Die ETA Töpfe trugen ihren Teil dazu bei, die Kochzeit merklich zu minimieren. Während man im Sommer die Töpfe auch am Tag danach noch im Bach abwaschen kann, sollte man im Winter die Töpfe gleich nach dem Essen säubern, da sonst die Reste fest UND gefroren sind. Am besten mit Wasser, aber Schnee tut es auch, gleich säubern. Den Wassersack im Innenzelt oder noch besser im Schlafsack am Fußende aufbewahren. So gefriert es nicht und ggf. kann das Wasser im Sack auch aufgekocht und dann als Wärmflasche genutzt werden. Der Ortlieb Wassersack hält das aus.

DIE SCHNEESCHUHE UND DAS SCHUHWERK

Da diese in der Neuanschaffung ordentlich Geld kosten, wurden uns diese testweise zur Verfügung gestellt. Man kann sie aber auch ausleihen, denn gute Teile wie die MSR, die wir hatten, kosten neu 300 Euro. Man sollte auf jeden Fall aufs Gewicht und die Größe achten. Lieber ein wenig größer wählen, wenn zum Eigengewicht noch eine schwerer Rucksack dazukommt. Die ausklappbare Steighilfe ist m.E. bei allen oder den meisten Schneeschuhen vorhanden und ist unverzichtbar. Genau wie ordentliche Rand- und Frontzacken, welche auch guten Halt auf Eis bieten. Die drei breiten Riemen fixieren den Schuh beliebig auf dem Schneeschuh. Dabei sollten die Frontzacken in etwa unterhalb der Sohle anfangen, aber der Frontriemen sollte mindestens 2-3cm hinter der Schuhspitze aufliegen. Es empfiehlt sich, den Fersenriemen fest zu fixieren und diesen immer geschlossen zu lassen. Für kurze Gänge ums Zelt, zum Bach oder aufs Klo fixiert man nur den Frontriemen. geht es richtig auf Tour, dann auch den Mittelriemen ordentlich festzurren. Die Riemen halten auch bei Kälte was aus. Immer ordentlich festziehen. Sind sie zu lasch, lösen sie sich wieder von selbst. Da bei fest gespannten Riemen diese am Schuh zu spüren sind, empfiehlt sich ein sehr fester Schuh. Wo wir beim Thema wären.

Der Schuh sollte nicht nur grundsolide und fest , sondern auch wintertauglich gefüttert sein. Ob nun Thinsulate, Fell oder Primaloft. Egal. So lange der Fuß in Bewegung ist und gewalkt wird, geht es auch mit dicken Strümpfen im normalen Sommerwanderschuh. Sobald aber der Fuß ruht, was auf dem Schneeschuh der Fall ist, da er auf einer beweglichen Platte ja arretiert ist, dann wird er kalt. Ich habe mir einen steigeisenfesten La Sportiva Nepal Extreme zugelegt, der aufgrund seiner steifen Sohle keine Fußbewegung mehr zulässt. Ich habe aber aufgrund der Fütterung nicht gefroren, also ein toller Winteralpinschuh.

Parallel zum richtigen Winterschuh sollte man auch immer auf Gamaschen zählen, denn man sinkt ja trotzdem auch mit den Schneeschuhen immer noch ein. Daher schützen diese vorm Schnee im Schuh oder in den Socken. Fürs Innenzelt haben wir immer Hüttenschuhe dabei, es hilft aber auch ein zweites Paar dicke Socken.

DIE LAWINENAUSRÜSTUNG

Zur Grundausrüstung oder auch als Set wird meist das LVS Pieps Gerät mit körpernah geschnittener Tasche, eine Sonde und eine Schneeschaufel. Letztere ist auch notwendig, wenn keine Lawinen in Sicht sind. Die Schaufel wird beim Verankern und Ausgraben der Schneeheringe und zu anderen nützlichen Sachen benötigt. In den Alpen wird meist auf Lawinengebiet hingewiesen und die großen Marken wie Mammut, Ortovox und Pieps bieten Checkpoints an, wo man sein eingeschaltetes gerät auf Funktionstüchtigkeit testen kann. Das Gerät soll immer am Körper (etwas oberhalb des Bauchnabels) getragen werden. Es gibt zwei Haupteinstellungen am Gerät: Senden und Empfangen. Am Körper sollte es immer auf Senden gestellt werden, so wird im Notfall gewährleistet, das andere das gesendete Signal mit ihrem LVS Gerät empfangen können. Die Sonde, ein über 2m langer Alu- oder Carbonstab (ähnlich einer Zeltstange), sollte stets am Rucksack außen angebracht sein, genau wie die Schaufel. So wird ein schneller Zugriff gewährleistet. In den Sets meistens nicht enthalten, aber genau so wichtig ist eine Alu-Rettungsdecke oder noch besser ein Biwaksack. Ein Handy sollte immer mit dabei sein und nur zum telefonieren eingeschalten sein, da dieses sonst die Signale der LVS Geräte stören könnte. Wer richtig Asche hat, kann sich einen Lawinenrucksack zulegen, der einen Airbag besitzt, der im Notfall manuell ausgelöst wird und somit bewirken soll, dass man aufgrund der größeren Oberfläche auf dem Schnee schwimmt.

Wenn nun eine Lawine auf Einen zurollt, entweder sollte man versuchen, schwimmende Bewegung auszuführen, damit einen die Lawine nicht verschluckt. Das geht natürlich besser ohne Skier und Stöcke. Ob man nun seinen Rucksack abstößt oder nicht ist die Gretchenfrage. Ein schwerer Rucksack zieht Dich eher nach unten, ohne Rucksack hast Du keine Ausrüstung mehr, mit der Du Dir vielleicht selbst helfen könntest. Kommt die Lawine zum erliegen, versuchen, die Arme vor dem Gesicht zu verschränken. Das schafft zusätzlichen Atemraum. I.d.R sollte eine Rettung innerhalb von 15 Minuten erfolgen, mit jeder Minute später schwindet die Überlebenschance.

Ist man mit mindestens zwei Leuten unterwegs, sollte man kritische Passagen in großen Abstand passieren, damit nicht Alle verschüttet werden und Hilfe gerufen und geleistet werden kann. Der von der Lawine Verschonte sollte sich die Lawine genau anschauen, wo wurde der Verschüttete verschluckt und wo kommt sie zum stehen.

Nun muss alles schnell gehen. Notruf absetzen, Handy aus, LVS Gerät auf Empfang stellen um das Signal vom Verschütteten zu lokalisieren. Die Suche entspricht nun einer Art Flugzeuglandung. Vom unteren Ende der Lawine rennt man nun, das Gerät waagerecht vor sich haltend im Zickzack von links nach rechts die Lawine hoch. Diesen Teil der Suche nennt man Signalsuche. Sobald ein Pieps erzeugt wird und das Gerät ein Signal erfolgt, wird die Entfernung zum Ziel und die Richtung, die man laufen soll, durch Pfeile angezeigt. Nun rennt man nicht mehr, läuft aber zügig und folgt dem Anweisungen auf dem Display. Dabei führt das Gerät Einen nicht direkt zum Signal, sondern in kreisförmigen Verlauf. Also immer den Anweisungen folgen. Diesen Teil bezeichnet man als Grobsuche. Bald erreicht man die 2 Meter Marke. Das Signal ertönt in immer kürzeren Abständen. Wird der Abstand wieder größer, geht man zu dem Punkt zurück, wo der Abstand am kleinsten angezeigt wird. Dort markiert man mit Schaufel, Stock oder Sonde. Nun geht man von diesem Punkt im 90 Grad Winkel nach rechts und links weg und prüft, wo hier der kleinste Wert angezeigt wird. Hat man den gemeinsamen Punkt lokalisiert, beginnt nun die Feinsuche. LVS Gerät beiseite legen und nun schneckenkreisförmig und in 20cm Abständen die Sonde senkrecht zur Schneedecke einführen. Stößt man auf Widerstand, hat man das Opfer gefunden. Nun 1 Meter unterhalb vom lokalisierten Punkt sich waagerecht zum Opfer vorschaufeln, nicht von oben schaufeln. Rettungsdecke nutzen, wichtig die silberne Seite zum Opfer, damit Wärme reflektiert wird und das Opfer gewärmt wird.

So der theoretische Plan, den ich mir eingeprägt habe. Ruhig beim ersten Mal Zeit für ein Test im Gelände nutzen, Gerät vergraben und suchen. Das bringt Sicherheit in den Ablauf. Die LVS Geräte sind sehr einfach zu bedienen und haben nicht viel Knöpfe. Es gibt noch Zusatzfunktionen, wo man bereits lokalisierte Verschüttete und ihre Signal ausblenden kann um weitere Signale zu suchen.

DIE GLETSCHER-/ HOCHTOURENAUSRÜSTUNG

Während man im Sommer auf den schneefreien Gletschern Steigeisen benötigt, kann man die im Winter zu Hause lassen und nutzt dafür die Schneeschuhe. Im Winter sind daher steigeisenfestes Schuhwerk nicht zwingend erforderlich, im Sommer dann schon. Des weiteren benötigt man Eispickel, speziell für Hochtouren konzipiert. Gut erkennbar, an dem geraden und längeren Schaft, im Gegensatz zu Eispickeln, die fürs Eisklettern gedacht sind. In der Hand gehalten, sollte der Dorn des Pickels bei geraden Stand bis zum Knöchel reichen. Den Pickel hält man auf dem Gletscher so in der Hand, dass die Schaufel in Laufrichtung, die Haue entgegen zeigt. So braucht man im Notfall nicht mehr umgreifen. Man dreht dann nur mit dem Handgelenk den Pickelschaft an den Innenarm um so die Haue mit beiden Händen ins Eis zu rammen.

Zur Sicherung und Sicherheit in einer Seilschaft benötigt man Hüftgurt, Karabiner, Schlingen und ein Halbseil. Auch ein Helm ist dabei nicht verkehrt. Wandert man mit leichtem Tagesrucksack, reicht ein Hüftgurt aus, ansonsten in Kombi mit Brustgurt, der nach Einbinden mit Sackstich im Hüftgurt mit einem 1m langen Ende eingefädelt und im Sackstich zurückgefädelt und mit Kreuzschlag fixiert wird.  Am Gurt sollten sich zwei Schlingen mit Sackstich befinden, eine armlang, eine beinlang (zur Selbstrettung mit Prusik am Seil), je ein bis zwei Sicherheits-Karabiner, HMS Schrauber und Schnapper (für Garda-Klemme) sowie ein bis zwei 16cm lange Eisschrauben.

Dazu noch ein 50 bis 60 Meter langes Halbseil, eine Gletscherbrille, eine Rettungsdecke und/ oder einen Biwaksack. In einer Zweier Seilschaft mindestens 10 Meter, besser 15 Meter Seil zwischen einander. Die Mitte des Seils (meist markiert) sollte auch hier in der Mitte zwischen den beiden Personen sein. Der Rest des Seils wird aufgewickelt und um die Schulter oder unter das Deckelfach des Rucksacks gehangen. So ist es im Notfall zur Bergung schnell griffbereit. In die Seilsicherung zwischen den Bergsteigern kommt ab 3 Meter je ein Sackstich aller 1.5 Meter. Das bedeutet bei einem 15 Meter Abstand 6 Sackstiche. Diese sollen im Falle eines Sturzes den reibungslosen schnellen Durchlauf im Schnee verhindern und als Bremse fungieren.

DIE BEKLEIDUNG

Wenn man nun das richtige Zelt und den warmen Schlafsack hat, muss nun nur noch die Bekleidung stimmen. Dabei schwören wir immer noch auf das alt bewährte Zwiebelprinzip, was bei der körpernahen dünnen Unterwäsche anfängt, die aus Merinowolle oder Nylon/ Polyamid oder Polyester bestehen kann. Dann folgt eine etwas dickere Fleeceschicht, meist als Langarmshirt. Dann eine dicke Fleecejacke oder eine Windstopper Weste und zum Abschluss eine Daunenjacke und eine Softshell Skihose. Unter der Skihose kann ggf. noch eine dünne Fleecehose getragen werden. Als Regenschutz eine Goretex Schicht. Dazu Mütze, Halstuch, dünne Fingerhandschuhe, eine weiteres Paar als Windstopper.

Für unterwegs reichte mir auch bei Minustemperaturen immer eine Craft Unterhose mit winddichter Front. Oben drüber eine Löffler Micro Funktionshose, vorne auch winddicht, hinten mit Stretchmaterial. Nie war mir nur ansatzweise kalt. Dazu ein 200er Merino Langarmshirt, drüber ein Fleeceshirt und eine Weste. Trotzdem aber die Daunenjacke immer in den Pausen griffbereit, da man im Wind schnell auskühlt.

Übrigens ein guter Tipp um Akkus und batteriebetriebene Geräte vor der Kälte zu schützen. Kleidungsstücke mit Brust- oder Seitentaschen. Die Körperwärme hält Gerät und Akku relativ warm.

NETTE ACCESSOIRES (wenn nicht schon im Text aufgelistet)

  • Gaslampe mit Wintergas
  • Wanderstöcke
  • gefüllter Flachmann
  • zwei Thermoskannen
  • Wassersack

 

UNSERE WEITEREN ZUSATZTIPPS

  1. Wer gerne abends nicht auf was Alkoholisches verzichten möchte, dem sei Hochprozentiges im Flachmann empfohlen. Erstes friert es nicht ein und lässt sich gut am Abend mit heißen Tee strecken. Rum im Tee ist lecker!
  2. Die Gaslampe heizt ideal das Zelt auf. Am besten am Innenzelt relativ bodennah und nahe dem Ausgang aufhängen und einen Eingang oben zur Belüftung offen lassen.
  3. Lasst Euren Trinkrucksack zu Hause, der Trinkschlauch friert früher oder später eh ein. Wir haben ab und an Schnee gegessen oder frisches Wasser aus dem Fluss mit dem heißen Tee verdünnt.
  4. Den Wassersack entweder am Fußende unter den Schlafsack, in den Schlafsack oder zwischen die beiden Schlafsäcke legen. So hat man am Morgen darauf kein eiskaltes oder gefrorenes Wasser und kann gleich loskochen.
  5. Schnee ist zum waschen ungeeignet. Also immer mit Wasser waschen. Bei Schnee und Wind empfiehlt es sich in Partitionen zu waschen. Erst Oberkörper entblößen, waschen, wieder anziehen. Dann der mittlere, später der untere Bereich. So kühlt man nicht zu sehr aus.
  6. Wer im Schnee sein großes Geschäft machen muss, kann sich meist nirgends abstützen. Ein Wanderstock schafft Abhilfe. Einfach nach hinten weg diagonal stabilisieren und das Geschäft kann starten.
  7. Wanderstöcke können außerdem auch als Schneeanker fürs Zelt genutzt werden.