Winter Zelten |

 

Winterzelten  |  Die oberste Liga des Zeltens

 
 

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Vorwort
Das Warum
Voraussetzungen
Was kann passieren und wie plant man
Die Gefahren
Die richtige Ausrüstung | Allgemeines

Das Zelt
Das Bett
Die Küche
Das Schuhwerk
Das Lawinenenset
Hochtouren Equipment
Die Bekleidung
weitere nette Accessoires
Unsere weiteren Zusatztipps

 

 

 

 

Vorwort  zurück zur Liste

Nun haben wir selbst den Schritt gewagt und uns mit Zelt in die Kälte hinaus gewagt. Sicher sind wir jetzt nicht gleich zu Profis avanciert, jedoch können wir mitreden und erste Erfahrungen, Fehler und Tipps weitergeben, von Einsteiger zu Einsteiger. Was sollte man bei der Planung beachten, wie setzt Einem die Kälte wirklich zu, was unterscheidet das Winter Zelten vom schnöden Sommer Zelten? Hier erfahrt Ihr alles im Detail.

Auch wenn die ersten Male immer ohne Täve waren, wollten wir die vergangenen Tage im Winter nutzen, mal mit Täve bei milden Temperaturen im Schnee zu zelten. Wenn Kinder zelten sowie so schon lieben, dann werden sie Winterzelten noch mehr lieben. Da gibt es Unmengen von Schnee und Rodelpartien und Schneeballschlachten sind vorprogrammiert. Genau so kann man versuchen, ein Iglu zu bauen, aber ein Schneemann tut es auch.

 

Das Warum  zurück zur Liste

Naturverbunden sind ja viele, draußen an der frischen Luft ist doch Jeder gern, aber warum gleich zelten und dann noch im Winter? Allein auf unserer ersten Tour wurden uns Phrasen wie „schon ein wenig masochistisch“ oder „uneingeschränkter Respekt“ entgegen geworfen. Danach kam dann aber gleich die Frage nach dem „Warum?“ Komisch, dass das die Meisten interessiert hat. Unsere Antwort ist leider nicht mit einem Satz erklärt. Wir zelten halt schon immer gern, am besten noch wild. Wir suchen das Abenteuer, wollen für uns neue Sachen entdecken. Das alles führte nun zu der Idee, auch mal im Winter zelten zu gehen. Dabei stand aber auch der Zukunftsgedanke im Raum, mal eine Tour mit dem Prädikat „noch länger und noch kälter“ zu unternehmen. Somit kann man Winter Zelten sicher auch als Vorbereitung und Probe sehen.

Nachdem wir nun im Sellraintal mit Schneeschuhen und in Finnland mit Pulka unterwegs waren, sind wir nun ein wenig erfahrener, was den Umgang mit Kälte anbelangt. Obwohl Kälte ein unbarmherziger Gegner sein kann, so ist er doch berechenbar und mit entsprechender Ausrüstung und Kenntnisstand auch gut zu bändigen. Bei den Nächten im Zelt und dem Unterwegs sein im Schnee fiel und fällt uns mittlerweile ein noch viel klareres „Warum?“ ein.

Während Andere bei Arschkälte zu Hause bleiben, gehen wir raus, dorthin, wo im Sommer schon wenig los ist. Im Winter jedoch ist dann in diesen Gegenden gar nichts mehr los, man ist allein, einsam, hat die märchenhafte Winterlandschaft für sich. Die dumpfe Geräuschkulisse, während man durch den Schnee stapft, beeindruckt uns immer wieder. Nebenbei bestärkt uns beim Winterzelten immer mehr das Gefühl, dass Wildzelten mehr geduldet wird als im Sommer. Da vielen Hütten geschlossen sind oder keine Winterräume bieten, ist man ja „gezwungen“ wild zu zelten. Nun gut, wo auch wenige Leute unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit auch niedriger erwischt zu werden.

 

 

Voraussetzungen  zurück zur Liste

Woran denkt man zuerst, wenn man im Winter zelten gehen möchte? Sicher an vieles, aber doch anfangs an die richtige Ausrüstung, oder? Bis vor einem Jahr wäre das Winter Zelten auch für uns nicht möglich gewesen, da wir uns erst 2015 Daunenschlafsäcke zulegten, die zweistellige Minusgrade abdecken.  Weiter unten werde ich hierzu im Detail darauf näher eingehen. Ist die passende Ausrüstung vorhanden, dann ist auf jeden Fall auch ein anderer Fakt bereits gegeben. Man hat den Willen, es auszuprobieren, sich der Kälte auszusetzen, in gewisser Hinsicht auch ein Abenteuer einzugehen.

Natürlich folgen nun die klimatischen Voraussetzungen. Mit Winter assoziiert man Kälte und Schnee, die in der heutigen Zeit der Klimaerwärmung jedoch nicht mehr zwangsläufig gegeben sind. Wir wollten Beides haben, da genau hier ja die Herausforderung besteht. Gerade die Winter 2016 hielt sich mit seinen Charakteren zurück, sodass wir also zum Winter fahren mussten und nicht direkt in unserer Umgebung Material und uns testen konnten. Man sollte sich langsam an Temperaturen und Schnee heranwagen, also hatten wir unser primäres Kälteziel Lappland erst einmal aufgeschoben, wurde dann aber nach den Erfahrungen 2016 im Februar 2017 nachgeholt. Wir waren froh, dass wir unseres erstes Mal nicht gleich in Lappland hatten. Übung macht den Meister und auch jetzt noch lernen wir beim Winterzelten dazu.

Wo wir also schon bei den Reisezielen wären. Mit den Alpen oder unseren Mittelgebirgen wird einem da eine große Auswahl zur Verfügung gestellt. Mittelgebirge kamen für uns aufgrund der nicht ausreichend vorhandenen Winterbedingungen nicht in Frage. Bei den Alpen traut man sich jedoch gleich in gefährliches Gelände. Lawinengefahr, Wetterumschwünge, Abgeschiedenheit, Höhenlagen etc. Also sollte man immer überlegen, in wie weit man vor Ort dann immer noch Herr der Lage ist. Ansonsten findet man die richtigen schneesicheren Regionen in Europa nur noch in Nordskandinavien. Lappland ist aber eine ganz andere Hausmarke. Eisigere Temperaturen, weniger Zivilisation, viel viel mehr Schnee, kürzere Tage. Dafür bekommt man aber auch was Unvergessliches geschenkt: Polarlichter.

 

Was kann passieren und wie plant man?  zurück zur Liste

Nein, nicht die alpinen oder winterlichen Gefahren sind hier das Thema, sondern der Fakt, dass dieses neue Erlebnis ein Erfolg, eine Niederlage oder ein ödes „Naja“ wird. Nur ein Ergebnis sollte man genauer beleuchten, die Niederlage. Das bedeutet vieles. Ist man der Kälte gewachsen? Wie wärmt man sich auf? Wie zieht man sich richtig an? Kommt man mit dem Komfortverzicht klar? So kann es sein, dass man bereits nach oder sogar noch während der ersten Nacht merkt, dass das Alles doch nichts für Einen ist. Tag darauf Tourabbruch, was nun?

Also immer einen Backup Plan haben, das Auto sollte zentral stehen und nach jeder Nacht in ähnlicher Entfernung bereitstehen. Also keine einwöchigen Rundtouren planen, weil man ja auch sonst für eine Woche Proviant mit schleppen muss. Der Rucksack ist aber so schon schwerer als im Sommer. Mehr Klamotten, schwererer Schlafsack, geräumigeres Zelt etc. . Es kommt zur Kettenreaktion, da bei schwereren Rucksack das Fortbewegungsmittel Schneeschuh nur noch eingeschränkt funktioniert, man sinkt tiefer ein. Jeder Schritt wird zum Kraftakt.

Apropos, im Winter kommt man in abgeschiedenen Gebieten nur mit Schneeschuhen, Langläufern, Backcountry Ski oder Tourenski voran. Wobei ich mir bei bergigen Gelände die Abfahrten auf Skiern mit ü25kg Rucksäcken schwer vorstelle. Da wir Wanderfans sind und ich mich gerade mal auf Langläufern halten kann, kommen nur noch Schneeschuhe in Frage. Bei entsprechend Rucksackgewicht hier lieber eine Größer höher wählen.  Bei der Suche nach dem idealen Gebiet, der idealen Tour, sollte man auf Tourenski- Empfehlungen zurückgreifen. Neben einem optionalen Gipfelglück hat man den Vorteil, dass bereits gut gespurt wurde und man auf dem verfestigten Schnee nicht mehr 30cm einsinkt. Dabei ist es auch wichtig und von Vorteil, in der Nähe eine offene Hütte zu haben. Hat die einen Schutzraum, ab wann ist sie geöffnet? Da uns der unverbaute Alpenausblick wichtig ist, meiden wir alle Skiregionen, wo Alpenhänge mit Waldschneisen und Liften durchzogen sind.

Geht man also das Ganze mit Vorsicht an und tastet sich immer mehr heran, kann es nur zum Erfolg führen und was am Ende passieren wird, kann ich Euch schon jetzt versprechen. Ihr werdet immer mehr Abstand von den Rückzugoptionen wie Hütte oder Auto nehmen, immer mehr und länger autark unterwegs sein und merken, dass Ihr Euch ins Winterzelten verliebt habt, so wie wir.

 

 

Die Gefahren  zurück zur Liste

Kennt Ihr das alpine Notsignal? Wie signalisiert man dem Rettungsteam, ob Hilfe benötigt wird? Kennt Ihr die regionalen Notrufnummern? Diese Fragen solltet Ihr beantworten können. Theorie vor Praxis. Die Gefahren vor Ort hängen natürlich von der Region ab, die man auswählt. Grundlegend ist die Gefahr des Erfrieren natürlich gegeben, aber genau vor dieser Gefahr kann man sich am besten schützen, mit der richtigen Ausrüstung. Andere Gefahren wie Lawinen oder Gletscherspalten möchte ich hier beleuchten, obwohl sie eher alpiner Natur entspringen. Hier kann man sehr gut in sichtbar und nicht sichtbare Gefahr unterscheiden.

Die Lawinengefahr ist dabei die sichtbarste. Mit geschultem Auge, prüfenden Blick, Beobachtung der Wetterprognosen und Lawinenwarnstufen (LWS I bis V) kann man dieser Gefahr gut aus dem Weg gehen. Lawinen sind kein Hexenwerk und können gut vorausgesagt werden. Nicht umsonst gibt es eine Lawinenkunde, die sich mit 10 Gefahrenmustern und der Reduktionsmethode auseinandersetzt. Dabei steht der theoretischen Wissenschaft einer spontanen Entscheidung vor Ort gegenüber. Man sollte sich vorher darüber belesen, die eine oder andere App über die Lawinensituation der Region herunterladen und vor Ort auf vorhandene Spuren von anderen Winterwanderern und die Steilhänge schauen, die jenseits der 30 Grad liegen. Es gibt auch gute Hangneigungsmesser als App. Von Steilhängen geht die meiste Gefahr aus. Damit man sich mit ruhigem Gewissen im alpinen Gelände bewegt und auch im Lawinen- Notfall gut gewappnet ist, wird ein Lawinenverschüttetensuch (LVS)-Gerät, parallel zur Schaufel und Sonde als LVS Set dringend empfohlen.  Dazu später mehr beim Thema Ausrüstung.

Die unsichtbare und für uns höhere Gefahr sind die Gletscherspalten, die im Winter von mehr oder weniger Schnee bedeckt sind. Hier begibt man sich wissentlich auf einen Gletscher, unter dem todbringende Spalten lauern. Auch hier gibt es eine Ausrüstung, die einem auf solchen Hochtouren Sicherheit geben soll. Hier reicht aber die theoretische Kenntnis nach unser Ansicht nicht mehr aus. Wir hatten zwar bei unserer ersten Tour eine Gletscherausrüstung dabei, haben dann aber doch die Gletscherquerung gemieden. Es steht nun fest, dass wir hier erst einmal einen Hochtourenkurs machen möchten, wo das Thema Spaltenrettung etc. auch praktisch durchgespielt wird. Erst dann fühlen wir uns da sicher. Was zu so einer Ausrüstung gehört, dazu später auch mehr.

Keine Gefahr wird dagegen das Thema Verdursten sein. Entweder findet man ein klaren Bach in der Nähe. Wenn auch von Schnee oder Eis bedeckt. so hört man ihn immer noch und kann sich seinen Weg dorthin bahnen. Naja und ansonsten liegt überall Schnee in Hülle und Fülle. Hat man Durst, isst man Schnee. Im Camp kocht man Schnee einfach zu Wasser auf, das dauert zwar, aber so ein Kocher spendet ja auch Wärme, also doppelter Nutzen.

Eine Gefahr sei noch am Rande kurz beleuchtet, die eher als Tipp dienen soll, damit es nicht zur Gefahr wird. Wir haben es bei unserer ersten Tour gleich am eigenen Leibe erlebt. Sicher ist das auch zeltformabhängig, aber bei unserem Tunnelzelt setzte sich eine nasse Schneeschicht auf dem Außendach mittig nieder, die irgendwann nicht mehr selbständig abrutschte. Die Last wurde immer größer und unter dieser brachen dann zwei Gestänge. Vorbeugen kann man hier nur durch Beobachtung der Wettervorhersage und dem regelmäßigen Schütteln am Zelt in der Nacht. Auch bei dunkelste Nacht sieht man durch das Zelt den Schnee auf dem Dach schimmern. Also besser mehr Vorsicht, ansonsten wacht Ihr, wie wir, mal eines Nachts mit großen Schrecken auf.

 

 

Die richtige Ausrüstung | Allgemein  zurück zur Liste

Unsere vorhandene Ausrüstungsliste Kurzbeschreibung findet Ihr hier. Daher werde ich hier nicht mehr detailliert auf das Equipment eingehen. Im Detail möchte ich hier eher auf das wintertaugliche Equipment eingehen, welches wir speziell für das Winterzelten angeschafft haben. Vorteile, Nachteile, Nutzen und Tipps werden folgend gegenüber gestellt und spiegeln unsere Erfahrungen wider. Natürlich muss man sich nicht gleich alles auf einmal zulegen, denn mit der vorhandenen Sommerausrüstung kann man durchaus erste Wintertouren wagen, wird aber nach Gefallen für sich selbst feststellen, dass speziell für Wintertouren ausgelegte Produkte doch bessere Dienste leisten.

Wir sind zwar noch keine Winterprofis und tasten uns mit jedem Mal mehr an das Prädikat Profi heran. Daher werden wir hier immer mal wieder was ergänzen, denn bei jeder weiteren Nacht im Schnee stellen wir fest, dass man nie auslernt.

Das Zelt | Hilleberg Keron 4 GT und Kaitum 3  zurück zur Liste

Fangen wir mit dem wichtigsten an. Ohne ein wintertaugliches Zelt geht gar nichts, aber was macht es aus, was unterscheidet es von einem Sommer- oder Billigzelt? Ich kenne nicht alle Zelte dieser Welt um zu behaupten, dass sich Wintertauglichkeit und Billigdiscounterzelt ausschließen. Jedoch bin ich der Meinung, dass mit steigender Qualität auch die Verlässlichkeit zunimmt. Während wir das Vorhandensein eines getrennten Innen- und Außenzeltes als unverzichtbar sehen, allein wegen dem Raumklima und der zusätzlichen Wärmeschutzschicht, lassen Andere ihr Innenzelt im Winter zu Hause. Für uns stellt das Innenzelt eine Art trockene Komfortzone dar, nur im Außenzelt zu schlafen für uns aktuell nicht denkbar. Triebschnee könnte eindringen, das Innenzelt dagegen ist hermetisch abgeriegelt und garantiert Trockenheit. Daher sind 3-Jahreszeiten-Zelte mit nicht verschließbaren Mesh-Einsätzen nur bedingt geeignet. Des Weiteren zeichnet ein 4-Jahreszeiten-Zelt ein bis zum Boden abschließendes Außenzelt aus. Seltener findet man an Winterzelten sogenannte Schneelappen (snowflaps), die dann auf dem Boden liegen und mit Schnee beschwert werden. Schüttet man einen kleinen Schneewall von 15cm Höhe am unteren Außenzelt auf, erreicht man ebenfalls, dass dem Wind keine Chance geboten wird, einzudringen. Für Viele im Sommer zusätzlicher Luxus, aber im Winter sicherer Rückzugsort und Küche, ist das Vorzelt oder eine große Apsis. Hier kann man windgeschützt kochen, sich umziehen, bedingt das Gepäck lagern. Damit die Kälte auch draußen bleibt, finden wir die Möglichkeit des seitlichen Eingangs beim Keron 4GT dahingehend super, dass man den Eingang von oben nach unten öffnen kann.So steigt man über den Eingang nach draußen, der zum Boden ca. 20cm geschlossen und der davor liegende Schneewall am Außenzelt in Form bleibt. Gut unten im Bild zu sehen, was ich meinte. Nun denkt Ihr, warum nehmen die für 2 Personen ein 4-Mann-Zelt mit. Ganz ehrlich, es war ausreichend Platz, aber mit den vielen Klamotten und dem Fakt, dass man sich im Wintercamp mehrheitlich im Zelt aufhält, will man auch nicht wie eine Sardine in der Dose liegen. Außerdem lagern die meisten Klamotten im Innenzelt, denn nur hier ist es garantiert trocken und frei von Schnee. Für kurze Wochenendtouren im Schnee reicht aber auch mal unser Kaitum 3 aus.

Kommt nun noch die Frage nach den richtigen Befestigung im Schnee. Wir haben uns aus L-Winkeln 14x 30cm lange Aluwinkel aus dem Baumarkt zurecht gesägt, Löcher rein gebohrt und mit einer 40cm langen Mittelschnur versehen. Fertig sind die unten im Bild erkennbaren je 50gr schweren Schneeheringe. Natürlich kann man auch seine Skistöcke, Eisblöcke oder Schneeanker aus Silnylon (Beutel, die mit Schnee befüllt und vergraben werden) nutzen. Niemals vergraben würde ich die Schaufel oder die Schneeschuhe. Die sollten immer einsatzbereit am Zeltausgang bereitstehen. Im Vorzelt wurde eine Grube mit ca. 40cm Tiefe geschaufelt, zum Ausgang hin mit 20cm und zur anderen Seite mit 50cm Abstand. So hat man eine 50cm breite Ablage und der 20cm Abstand dient als Trittstufe um besser aus der Grube über die Öffnung raus zu treten. Optional kann in dieser Grube auch eine zusätzliche Erhöhung als Sitz eingebaut werden. So sitzt man gemütlich mit Rückenlehne. Aber bitte bedenken, die Grube wird nicht umsonst als Kältegrube bezeichnet. Dort ist es kälter als im Rest des Zeltes, gerade wenn eine Gaslampe das Zelt wärmt, kommt diese Wärme nur im oberen Teil des Zeltes an.

Praxistipps zusammengefasst:

  • Vorm Zeltaufbau die Zeltfläche erst mit den Schneeschuhen und anschließend ohne platt treten. Dabei Rucksack auflassen. Je besser der Schnee komprimiert ist umso weniger sinkt man später ein. Tipp: Schreitet das Zelt mal vor der ersten Wintertour der Länge und Breite nach ab, damit Ihr wisst, wie viele Schritte Ihr platt treten müsst.Tretet außerdem gleich noch einen Weg zur Wasserstelle, zum Lagerfeuer und dem Outdoor-Klo frei.
  • Normale Heringe halten keinesfalls im Schnee, auf Eis könnt Ihr diese dagegen nutzen, wenn Ihr unter Zuhilfenahme einer Eisschraube ein ca. 50 Grad schräges Loch bohrt. Im Schnee braucht Ihr Schneeheringe mit 20-facher Fläche. Diese werden mindestens 30 bis 40cm in den Schnee eingegraben und dann mit dem Fuß verfestigt. Alternativ kann man Skistöcke, Skier oder Holzstämme eingraben. Schneeschuhe würde ich nicht vergraben, die könnte man zwischendurch benötigen.
  • Wenn das Zelt steht, etwas Schnee am Außenzeltboden aufschütten, damit kein Schnee und Wind ins Innenzelt eindringen kann. Bei starken Wind kann auch ein zusätzlicher Schneewall zwischen Zelt und Hauptwindrichtung errichtet werden. Hält man sich die meiste Zeit im Zelt auf, empfiehlt es sich, eine ca. 30 bis 40 cm tiefe Kältegrube im Vorzelt zu graben. So kann man bequem im Zelt sitzen.
  • Falls beim Aufbau die normalen Heringe oder Schneeheringe in die gefrorene Erde geschlagen worden, weil zu wenig Schnee vorhanden war (mind. 30cm sollten vorhanden sein), dann beim Aufbau die Heringe nicht zu weit einschlagen, da sie im harten Frostboden auch halten, wenn der Hering nur 2/3 eingeschlagen ist. Beim Abbau gehen die Heringe dann meist schwer raus, weil sie im Boden festgefroren sind. Daher schlagt ihr noch einmal den Hering ein wenig in den Boden, er löst sich so vom Frost und kann nun leicht(er) herausgezogen werden.

 

 

 

Das Bett | Schlafsäcke, Inlets und Isomatten  zurück zur Liste

Klar, gibt es auch wärmende Kunstfaser, die aber meist bei gleicher Isolation wesentlich schwerer ist. Unsere beiden Modelle wiegen um die 1300gr und halten bei -15 Grad noch gut warm. Die ersteTour sollte also auch eine Bewährungsprobe für die Schlafsäcke sein. Wir wollen aber nie nur auf diese vertrauen und packten zusätzlich Fleeceinlets mit ein, wenn es unter -10 Grad geht. Als Isomatte vertrauen wir auf unsere zwei Thermarest Neoair X-Therm, die sich als robust und wärmend erwiesen hat. Hat man keine Wintermatte zu Hand, kann man auch zwei Sommermatten kombinieren. Dies tun wir für mich mit der Thermarest Z-Lite (oben) und einer Pro Lite (unten) in Kombi. Dies hat den kleinen Vorteil, dass man feuchte oder warm zu haltende Klamotten zwischen diese beide Isomatten legen kann. Als zusätzlichen Regulator für das Innere des Schlafsckes kann man die Unterwäsche variieren oder ein Fleece-Inlet nutzen. Nur nicht zuviel anziehen, dickere Unterwäsche oder eine zweite dünne Schicht, aber keine dicken Daunenjacken, die einen bewegungsunfähig machen. Ein großes Problem ist die kondensierte Nässe am äußeren Schlafsack bei tiefen Minusgraden und nasse Daune wärmt nur noch bedingt. Die Lösung heißt VBL Liner, der verhindert, dass die vom Körper produzierte Feuchtigkeit nicht in den Schlafsack zieht, sondern im isolierten Nylonsack bleibt. Man kann sich das Teil auch als eine Art Biwaksack vorstellen. Da ich einen dafür für den Notfall dabei hatte, kam er in der 2.Nacht zum Einsatz. Resultat: Ich brauchte keine 2.Lage Klamotten und der Schlafsack war etwas weniger feucht am Morgen danach. Ob nun ein VBL Liner besser funktioniert, keine Ahnung. Manch Einer hat sich schon einen VBL aus großen Mülltüten gebaut . Jedenfalls ist der Schlafkomfort nicht so feucht wie man es denkt. Durch das Inlet und die Unterwäsche herrscht ein relativ angenehmes Klima. Außen kann am Boden in der Not auch eine Rettungsdecke der Kälte Einhalt gebieten. Alternativ sind sicher auch die Alumatten mit Schaumisolierung eine Lösung, wiegt kaum was und bringt sicher mehr als die Rettungsdecke.

Praxistipps zusammengefasst:

  • Kunstfaser ist schwer, dafür günstig und nicht so Nässe anfällig, Daune dagegen leicht, teuer und wärme bei Nässe nicht mehr. Auch kondensierte Nässe spielt im Winter eine größere Rolle. Ab ca. -5 Grad und je nach Zeltbelüftung setzt sich Feuchtigkeit von nun auch außen fest, die man durch bessere Belüftung im Zelt etwas verhindern kann. Richtig Abhilfe schafft ein VBL (Vapour Barrier Liner), ein Dampfsperreninlet, dass die Feuchtigkeit des Körpers im Inlet und so die Daunenfüllung trockener hält.
  • Bei der Größe wählt man lieber einen Schlafsack eine Nummer größer, da man Klamotten zum Wärmen im Fußteil verstauen kann, damit man morgens dann in warme Klamotten schlüpfen kann. Wir stecken unsere Klamotten lieber in einen Deuter Meshsack, den wir dann als Kopfkissen nutzen. So bleiben die Klamotten für den nächsten Morgen auch warm.
  • Den Komfortbereich eines Schlafsackes kann man mit einem Fleeceinlet noch um weitere 5 Grad nach unten drücken. Außerdem kann man sich mit Heizsohlen oder einem Taschenofen eine künstliche Wärmezufuhr im Inneren schaffen.
  • Der Schlafsack wärmt Euch nicht, sondern hält Euch warm. Das ist ein Unterschied. Ihr produziert die Wärme, die die Füllung versucht drin zu behalten. Also abends vorm Schlafen gehen einfach noch einmal zwei Runden um das Zelt rennen, Liegestütze oder Kniebeuge machen und nicht fröstelnd in den Schlafsack steigen.
  • Ein toller Schlafsack bringt nichts ohne eine gute Isomatte, egal ob aufblasbar oder konventionell aus Evazote oder sogar eine Kombi aus beiden. Da auf der Liegefläche die Füllung komprimiert wird, dämmt sie dort am schlechtesten. Dort merkt man die Kälte zuerst und sehr unangenehm. Hervorragende Isomatten wie unsere X-Therm Max oder die Sea to Summit ComfortPlus Insulated sind ideal für kalte Temperaturen. Mit 6.3cm Dicke und R-Werten über 5 entsteht sogar das Gefühl, dass sie einem Wärme zurückgeben (reflektieren statt absorbieren). Vorstellbar ist auch eine Kombi aus Evazote und aufblasbarer Matte. Viele nutzen hierfür eine TAR Prolite und eine 1.9cm Evazote oder TAR Z-Lite. So kommt man gesamt auch auf einen 5-er Wert, allerdings auch mehr Gewicht und Platz, dafür was für den kleineren Geldbeutel.
  • Nur in der größten Not und bei viel Kälte von unten Klamotten, die am nächsten Morgen nicht gebraucht werden, als Schutzschicht auf den Zeltboden legen. Immer jedoch können Klamotten zwischen zwei Isomatten gelegt werden. Dort bleiben sie trocken und schaffen ein zusätzliches Polster.
  • Zum Aufblasen der Isomatten sollte man besser einen Pumpsack benutzen, der trockene Luft in die Matten pumpt. Die feuchte Atemluft gefriert in der Matte, reduziert den R-Wert und kann der Matte schaden, ganz zu Schweigen von Schimmel.

 

 

Die Küche | Kocher, Töpfe, Zubehör  zurück zur Liste

Was nimmt man nun? HoBo Holzofen, Gas oder doch Benzin? Aufgrund von nicht gesicherten Holzvorkommen oberhalb der Baumgrenze kann der HoBo zu Problemen führen. Gas wäre eine Option, spezielles Wintergas bei Minusgraden, aber am Ende hat Benzin die meisten Vorteile. Wir zählen also lieber auf Benzin. Der Kocher kann nicht nur zum Essen zubereiten, sondern auch zum Heizen des Innenzeltes dienen. Wir rechnen im Winter immer mit 30% mehr Verbrauch (Schnee zu Wasser, Kälte etc.). Gedanken sollte man sich beim Abstrahlen der Kocherwärme machen. Wo also den Kocher hinstellen? Im Schnee sicher nicht. Bis jetzt lag ein runder Aluschutz ungenutzt im Schrank, der meist zu den Alufaltschutzteilen mitgeliefert wird, dieser wird nun als Unterlage genutzt und erfüllt seinen Zweck ganz gut. Dieses Problem hätte man bei einem Gaskocher dafür wiederum nicht. Gefühlt braucht der Kocher 50% länger um das kalte Wasser bei der vorherrschenden Außentemperatur auf zu kochen. Beim Schneeschmelzen muss ich ca. drei Töpfe komprimierten Schnee sammeln um daraus einen Topf Wasser zu erhalten, Dauer der ganzen Aktion um die 10 Minuten. Die ETA Töpfe tragen ihren Teil dazu bei, die Kochzeit merklich zu minimieren. Während man im Sommer die Töpfe auch am Tag danach noch im Bach abwaschen kann, sollte man im Winter die Töpfe gleich nach dem Essen säubern, da sonst die Reste fest UND gefroren sind. Am besten mit lauwarmen Wasser, aber Schnee tut es auch, gleich säubern. Den Wassersack im Innenzelt oder noch besser im Schlafsack am Fußende aufbewahren. So gefriert es nicht und ggf. kann das Wasser im Sack auch aufgekocht und dann als Wärmflasche genutzt werden. Der Ortlieb Wassersack hält das aus. Wer einen Wasserfilter benutzt, sollte diesen immer im Warmen halten, da Frost für diese Filter tödlich sind.

Auch im Winter muss man viel trinken. Viele meinen, ein Trinkrucksack sei im Winter fehl am Platz, da der Schlauch einfriert. Wer jedoch ein Pulka zieht und den Rücken frei hat, kann den Camelbag samt Schlauch auch zwischen den Klamottenschichten tragen. So gefriert nichts, weil man mit seiner eigenen Körperwärme alles schön flüssig hält. Alternativ sind natürlich Thermokannen zu empfehlen. Eine kleine Pause und ein Schluck warmer Tee bewirkt Wunder, glaubt mir. Ab und an, während dem Gehen greifen wir auch mal in den Schnee, der dann zum Befeuchten im Mund landet.

Praxistipps zusammengefasst:

  • Wenn nicht gerade eine ordentliche schneefreie Feuerstelle vorhanden ist, als Puffer zwischen Schnee und Feuer sehr viel Reisig legen und vorher ein Loch graben. Da dies alles sehr umständlich ist, nehmen wir im Winter meist den Hobo. Der wärmt auch und das mit kleineren Mengen Holz.
  • Geschirr und Töpfe nach dem Essen gleich auswaschen und mit Schnee auswischen. Eingefrorene Reste lassen sich Tag darauf nur schwer entfernen.
  • Kochen im Zelt wärmt zwar die Stube ordentlich auf, jedoch solltet Ihr nicht vergessen, dass dadurch extreme hohe Feuchtigkeit im Zelt erzeugt wird, die dann in Schlafsäcke und Sachen kriecht. Wenn Ihr also im Zelt kocht, Schlafsäcke noch verpackt lassen, wenn sie noch nicht benötigt werden oder draußen kochen. Entweder oder aber nicht Beides.
  • Wassersack im Winter nicht zwingend notwendig, da Schnee als Wasserspender überall vorhanden. Rechnet mit drei Töpfen Schnee = 1 Topf Wasser. Wenn keine Wärmequellen vorhanden, kann Wassersack mit warmen bis heißen Wasser auch als Wärmflasche im Schlafsack genutzt werden.

 

 

Das Schuhwerk | Schneeschuhe  zurück zur Liste

Da die Neuanschaffung von guten Schneeschuhen ordentlich Geld kosten, wurden uns diese testweise zur Verfügung gestellt. Man kann sie aber auch ausleihen, denn gute Teile wie die MSR, die wir hatten, kosten neu 300 Euro. Man sollte auf jeden Fall aufs Gewicht und die Größe achten. Lieber ein wenig größer wählen, wenn zum Eigengewicht noch eine schwerer Rucksack dazukommt. Die ausklappbare Steighilfe ist m.E. bei allen oder den meisten Schneeschuhen vorhanden und ist unverzichtbar. Genau wie ordentliche Rand- und Frontzacken, welche auch guten Halt auf Eis bieten. Die drei breiten Riemen fixieren den Schuh beliebig auf dem Schneeschuh. Dabei sollten die Frontzacken in etwa unterhalb der vorderen Sohle anfangen, aber der Frontriemen sollte mindestens 2-3cm hinter der Schuhspitze aufliegen. Es empfiehlt sich, den Fersenriemen fest zu fixieren und diesen immer geschlossen zu lassen. Für kurze Gänge ums Zelt, zum Bach oder aufs Klo fixiert man nur den Frontriemen. geht es richtig auf Tour, dann auch den Mittelriemen ordentlich fest zerren. Die Riemen halten auch bei Kälte was aus. Immer ordentlich festziehen. Sind sie zu lasch, lösen sie sich wieder von selbst. Da bei fest gespannten Riemen diese am Schuh zu spüren sind, empfiehlt sich ein sehr fester Schuh. Wo wir beim nächsten Thema wären.

Der Schuh sollte nicht nur grundsolide und fest , sondern auch wintertauglich gefüttert sein. Ob nun Thinsulate, Fell oder Primaloft. Egal. So lange der Fuß in Bewegung ist und gewalkt wird, geht es auch mit dicken Strümpfen im normalen Sommerwanderschuh. Sobald aber der Fuß ruht, was auf dem Schneeschuh der Fall ist, da er auf einer beweglichen Platte ja arretiert ist, dann wird er kalt. Ich habe mir einen steigeisenfesten La Sportiva Nepal Extreme zugelegt, der aufgrund seiner steifen Sohle keine Fußbewegung mehr zulässt. Ich habe aber aufgrund der Fütterung nicht gefroren, also ein toller Winteralpinschuh. Von Vorteil sind auch Schuhe mit herausnehmbaren Innenschuh wie bspw. die Kamik Alborg. Mit diesem Innenschuh kann man im Innenzelt warme Füße behalten, diese auch im Schlafsack anlassen und hat am Morgen sofort warmes Schuhwerk. Nur der Ausstieg aus dem Außenschuh ist immer eine kleine Fummelei, der Einstieg dagegen flutscht.

Parallel zum richtigen Winterschuh sollte man auch immer auf Gamaschen zählen, denn man sinkt ja trotzdem auch mit den Schneeschuhen immer noch ein. Daher schützen diese vorm Schnee im Schuh oder in den Socken. Fürs Innenzelt haben wir immer Hüttenschuhe dabei, es hilft aber auch ein zweites Paar dicke Socken.

Kaum zu glauben, aber auch beim Fuß ist VBL ein Thema. Ihr erinnert Euch, bei Schlafsäcken dient sowas als Dampfsperre. Genau so schwitzen aber auch Füße. Die Socken und der Innen- bzw. Hauptschuh wird nass und man bekommt ihn nicht mehr trocken. Daher gibt es auch VBL Socken zu kaufen, wobei wir uns hier immer ganz billig Abhilfe schaffen. Wir ziehen über die Socken Mülltüten, was völlig ausreichend ist. So ist am Ende des Abends zwar die Socke ein wenig feuchter als sonst, aber der Schuh ist und bleibt trocken. Die Socken kann man schnell wechseln oder sind am Lagerfeuer schneller getrocknet als ein ganzer Schuh.

Praxistipps zusammengefasst:

  • Gamaschen helfen, dass kein Schnee in die Schuhe reinkommt, VBL Socken oder einfache Einkaufstüten/ Müllbeutel helfen, dass der Innenschuh nicht verschwitzt. Winterschuhe mit herausnehmbaren Innenschuh erleichtern den Wechsel zwischen drinnen und draußen laufen.
  • Als Einlage sind spezielle Wintereinlagen empfehlenswert, die die Kälte von unten fern halten.
  • Je mehr Gepäck man im Winter mitschleppt umso größer sollten die Schneeschuhe sein um nicht zu tief einzusinken.

 

 

Das Lawinenset  zurück zur Liste

Zur Grundausrüstung oder auch als Set gehört ein LVS (LawinenVerschüttetenSuch) Gerät mit körpernah geschnittenen Tasche, eine Stabsonde und eine Schneeschaufel. Letztere ist auch notwendig, wenn keine Lawinen in Sicht sind. Die Schaufel wird beim Verankern und Ausgraben der Schneeheringe und zu anderen nützlichen Sachen benötigt. In den Alpen wird meist auf Lawinengebiet hingewiesen und die großen Marken wie Mammut, Ortovox und Pieps bieten Checkpoints an, wo man sein eingeschaltetes Gerät auf Funktionstüchtigkeit testen kann. Das Gerät wird jeweils pro Person und immer am Körper (etwas oberhalb des Bauchnabels) getragen. Es gibt zwei Haupteinstellungen am Gerät: Senden und Empfangen. Am Körper sollte es immer auf Senden gestellt werden, so wird im Notfall gewährleistet, das andere das gesendete Signal mit ihrem LVS Gerät empfangen können. Die Sonde, ein über 2m langer Alu- oder Carbonstab (ähnlich einer Zeltstange), sollte stets am Rucksack außen angebracht sein, genau wie die Schaufel. So wird ein schneller Zugriff gewährleistet. In den Sets meistens nicht enthalten, aber genau so wichtig ist eine Alu-Rettungsdecke oder noch besser ein Biwaksack. Ein Handy sollte immer mit dabei sein und nur zum telefonieren eingeschaltet werden, da dieses sonst die Signale der LVS Geräte stören könnte. Wer richtig Asche hat, kann sich einen Lawinenrucksack zulegen, der einen Airbag besitzt, der im Notfall manuell ausgelöst wird und somit bewirken soll, dass man aufgrund der größeren Oberfläche auf dem Schnee schwimmt.

Wenn nun eine Lawine auf Einen zurollt sollte man versuchen, schwimmende Bewegung auszuführen, damit einen die Lawine nicht verschluckt. Das geht natürlich besser ohne Skier und Stöcke. Ob man nun seinen Rucksack abstößt oder nicht ist die Gretchenfrage. Ein schwerer Rucksack zieht Dich eher nach unten, ohne Rucksack hast Du keine Ausrüstung mehr, mit der Du Dir vielleicht selbst helfen könntest. Kommt die Lawine zum erliegen, versuchen, die Arme vor dem Gesicht zu verschränken. Das schafft zusätzlichen Atemraum. I.d.R sollte eine Rettung innerhalb von 15 Minuten erfolgen, mit jeder Minute später schwindet die Überlebenschance. Man sollte in Bewahrung der Ruhe herausfinden, wo oben und unten ist, da man im eingegrabenen Schnee die Orientierung verloren hat, in welche Richtung man den graben soll. Das geht mit einem kleinen Pendel oder Strick. In die Richtung, wo es hängt ist unten, also in die andere Richtung graben. Alternativ einfach Schnee in der Hand schmelzen und schauen, wohin die Wassertropfen fallen.

Ist man mit mindestens zwei Leuten unterwegs, sollte man kritische Passagen in großen Abstand passieren, damit nicht Alle verschüttet werden und Hilfe gerufen und geleistet werden kann. Der von der Lawine Verschonte sollte sich die abgehende Lawine genau anschauen, wo wurde der Verschüttete verschluckt und wo kommt sie zum stehen.

Nun muss alles schnell gehen. Notruf absetzen, Handy aus, LVS Gerät auf Empfang stellen um das Signal vom Verschütteten zu lokalisieren. Die Suche entspricht nun einer Art Flugzeuglandung. Vom unteren Ende der Lawine rennt man nun, das Gerät waagerecht vor sich haltend im Zickzack von links nach rechts die Lawine hoch. Diesen Teil der Suche nennt man Signalsuche. Sobald ein Pieps erzeugt wird (i.d.R im Umkreis von 50 bis 60m) und das Gerät ein Signal aufnimmt, wird die Entfernung zum Ziel und die Richtung, die man laufen soll, durch Pfeile angezeigt. Nun rennt man nicht mehr, läuft aber zügig und folgt dem Anweisungen auf dem Display. Dabei führt das Gerät Einen nicht direkt zum Signal, sondern in kreisförmigen Verlauf. Also immer den Anweisungen folgen. Diesen Teil bezeichnet man als Grobsuche. Bald erreicht man die 2 Meter Marke. Das Signal ertönt in immer kürzeren Abständen. Wird der Abstand wieder größer, geht man zu dem Punkt zurück, wo der Abstand am kleinsten angezeigt wurde. Dort markiert man mit Schaufel, Stock oder Sonde. Nun geht man von diesem Punkt im 90 Grad Winkel nach rechts und links weg und prüft, wo hier der kleinste Wert angezeigt wird. Hat man den gemeinsamen Punkt lokalisiert, beginnt nun die Feinsuche. LVS Gerät beiseite legen und nun schneckenkreisförmig und in 20cm Abständen die Sonde senkrecht zur Schneedecke einführen. Stößt man auf Widerstand, hat man das Opfer vermutlich gefunden. Prüfen, ob man auf einen harten (Stein) oder weichen (Mensch) Widerstand stößt. Nun 1 Meter unterhalb vom lokalisierten Punkt sich waagerecht zum Opfer vorschaufeln, nicht von oben schaufeln. Nach Befreiung des Geretteten Rettungsdecke nutzen, wichtig die silberne Seite zum Opfer, damit Wärme reflektiert wird und das Opfer gewärmt wird.

So der theoretische Plan, den ich mir eingeprägt habe und zum Glück noch nie brauchte. Ruhig beim ersten Mal Zeit für ein Test im Gelände nutzen, Gerät vergraben und suchen. Das bringt Sicherheit in den Ablauf. Die LVS Geräte sind sehr einfach zu bedienen und haben nicht viel Knöpfe. Es gibt noch Zusatzfunktionen, wo man bereits lokalisierte Verschüttete und ihre Signal ausblenden kann um weitere Signale zu suchen.

 

 

Hochtouren Equipment  zurück zur Liste

Während man im Sommer auf den schneefreien Gletschern Steigeisen benötigt, kann man die im Winter zu Hause lassen und nutzt dafür die Schneeschuhe. Im Winter sind daher steigeisenfestes Schuhwerk nicht zwingend erforderlich, im Sommer dann schon. Des weiteren benötigt man Eispickel, speziell für Hochtouren konzipiert. Gut erkennbar, an dem geraden und längeren Schaft, im Gegensatz zu Eispickeln, die fürs Eisklettern gedacht sind. In der Hand gehalten, sollte der Dorn des Pickels bei geraden Stand bis zum Knöchel reichen. Den Pickel hält man auf dem Gletscher so in der Hand, dass die Schaufel in Laufrichtung, die Haue entgegen zeigt. So braucht man im Notfall nicht mehr umgreifen. Man dreht dann nur mit dem Handgelenk den Pickelschaft an den Innenarm um so die Haue mit beiden Händen ins Eis zu rammen.

Zur Sicherung und Sicherheit in einer Seilschaft benötigt man Hüftgurt, Karabiner, Schlingen und ein Halbseil. Auch ein Helm ist dabei nicht verkehrt. Wandert man mit leichtem Tagesrucksack, reicht ein Hüftgurt aus, ansonsten in Kombi mit Brustgurt, der nach Einbinden mit Sackstich im Hüftgurt mit einem 1m langen Ende eingefädelt und im Sackstich zurückgefädelt und mit Kreuzschlag fixiert wird.  Am Gurt sollten sich zwei Schlingen mit Sackstich befinden, eine armlang, eine beinlang (zur Selbstrettung mit Prusik am Seil), je ein bis zwei Sicherheits-Karabiner, HMS Schrauber und Schnapper (für Garda-Klemme) sowie ein bis zwei 16cm lange Eisschrauben.

Dazu noch ein 50 bis 60 Meter langes Halbseil, eine Gletscherbrille, eine Rettungsdecke und/ oder einen Biwaksack. In einer Zweier Seilschaft mindestens 10 Meter, besser 15 Meter Seil zwischen einander. Die Mitte des Seils (meist markiert) sollte auch hier in der Mitte zwischen den beiden Personen sein. Der Rest des Seils wird aufgewickelt und um die Schulter oder unter das Deckelfach des Rucksacks gehangen. So ist es im Notfall zur Bergung schnell griffbereit. In die Seilsicherung zwischen den Bergsteigern kommt ab 3 Meter je ein Sackstich/ Achter oder Schmetterlingsknoten aller 1.5 Meter. Das bedeutet bei einem 15 Meter Abstand 6 Knoten. Diese sollen im Falle eines Sturzes den reibungslosen schnellen Durchlauf im Schnee verhindern und als Bremse fungieren.

 

 

Die Bekleidung  zurück zur Liste

Wenn man nun das richtige Zelt und den warmen Schlafsack hat, muss nun nur noch die Bekleidung stimmen. Dabei schwören wir immer noch auf das alt bewährte Zwiebelprinzip, was bei der körpernahen dünnen Unterwäsche anfängt, die aus Merinowolle oder Nylon/ Polyamid oder Polyester bestehen kann. Dann folgt eine etwas dickere Fleeceschicht, meist als Langarmshirt. Dann eine dicke Fleecejacke oder eine Windstopper Weste und zum Abschluss eine Daunenjacke und eine Softshell Skihose. Unter der Skihose kann ggf. noch eine dünne Fleecehose getragen werden. Als Regenschutz eine Goretex Schicht. Dazu Mütze, Halstuch, dünne Fingerhandschuhe, eine weiteres Paar als Windstopper.

Für unterwegs reicht mir auch bei Minustemperaturen immer eine Craft Unterhose mit winddichter Front. Oben drüber eine Löffler Micro Funktionshose, vorne auch winddicht, hinten mit Stretchmaterial. Nie ist mir nur ansatzweise kalt. Dazu ein 200er Merino Langarmshirt, drüber ein Fleeceshirt und eine Weste. Trotzdem aber die Daunenjacke immer in den Pausen griffbereit, da man im Wind schnell auskühlt.

Übrigens ein guter Tipp um Akkus und batteriebetriebene Geräte vor der Kälte zu schützen. Kleidungsstücke mit Brust- oder Seitentaschen. Die Körperwärme hält Gerät und Akku relativ warm.

 

 

Weitere nette Accessoires (wenn nicht schon im Text aufgelistet)  zurück zur Liste

  • Gaslampe mit Wintergas die nicht nur Licht ins Dunkle bringt, sondern auch das Innenzelt wärmt
  • Wanderstöcke die für Stabilität im Schnee sorgen, als Ersatzheringe und als Stütze beim großen Geschäft nützlich sind
  • Flachmann gefüllt mit Hochprozentigen, verleiht dem heißen Tee eine angenehme Note
  • Thermoskannen um immer genügend Warmgetränke parat zu haben
  • Wassersack der zusätzlich als Wärmflasche genutzt werden kann, indem man das Wasser aufkocht
  • ein handelsüblicher Handbesen mit dem man den Schnee aus oder von dem Zelt kehren oder Schuhe abklopfen kann
  • Peacock Taschenofen am besten pro Person Einer, das mit Benzin gefüllte, handliche Teil hält locker 20 Stunden und kann nachts im Fußraum des Schlafsackes platziert werden, dort wo die Kälte meist zuerst zuschlägt
  • Heizsohlen egal ob per Akku oder Einweg, sie können kalte Füße aufwärmen, Innenschuhe trocknen und den Schlafsack wärmen, wir nutzen die von Heat Company, die ca. 4-6 Stunden halten, mit 2.60 Euro/Paar eine gute Notlösung

 

 

Unsere weiteren Zusatztipps  zurück zur Liste

  1. Wer gerne abends nicht auf was Alkoholisches verzichten möchte, dem sei Hochprozentiges im Flachmann empfohlen. Erstens friert es nicht ein und lässt sich gut am Abend mit heißen Tee strecken. Rum im Tee ist lecker!
  2. Die Gaslampe heizt ideal das Zelt auf. Am besten am Innenzelt relativ bodennah und nahe dem Ausgang aufhängen und einen Eingang oben zur Belüftung offen lassen. Das Gas muss entweichen können.
  3. Schnee ist zum waschen ungeeignet. Also immer mit Wasser waschen. Bei viel Kälte und Wind empfiehlt es sich in Partitionen zu waschen um nicht auszukühlen. Erst Oberkörper entblößen, waschen, wieder anziehen. Dann der mittlere, später der untere Bereich. Ist umständlich, aber angenehmer.
  4. Wer im Schnee sein großes Geschäft machen muss, kann sich meist nirgends abstützen. Ein Wanderstock schafft Abhilfe. Einfach nach hinten weg diagonal stabilisieren und das Geschäft kann starten.

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