Winterstiefel Vergleich |

 

Da wir mehr und mehr im Winter draußen sind und dabei weniger aufs Wetter und das Quecksilber schauen möchten und auch ausgedehntere Touren im Schnee und bei Minusgraden planen, bin ich gerade auf der Suche nach einem soliden und verlässlichen Winterschuh.

Ist Zustand

Vergangenes Jahr im Winter legten wir uns parallel Beide einen Winterschuh zu, Yvonne den Aku Allegra und ich den Teva Chair 5. Beide versprachen theoretische Werte weit unter Null. Bei dem Aku winkte ein Schild mit der Aufschrift -30 Grad, der Teva wurde mit -20 Grad beworben. Beide Schuhe möchte ich auch hier in dem Test mit einbeziehen, doch eines schon vorweg nehmen. Während Yvonne mit ihren Aku’s zufrieden ist, bin ich auf der Suche nach einem richtigen Outdoor Winterschuh, der Teva wird diesem Anspruch leider nicht gerecht.

Soll Zustand

Was suche ich denn überhaupt? Ich bin auf der Suche nach einem Winterwanderschuh, d.h. er sollte nicht nur im Stillstand wärmen, sondern auch eine flüssige Bewegung nicht verhindern. Bedeutet also auch, dass er Schneeschuhgeeignet sein sollte, in dem er hohe gummierte Wetterschutzränder aufweist und in sich stabil ist, damit die Schneeschuhbindung nicht auf dem Spann drückt. Steigeisenfest sollen und können die Schuhe nicht sein, da sie sonst zu steif in der Bewegung , zu teuer und nicht für arktische Temperaturen geeignet wären. Hhm, hier muss ich nun erst einmal abbrechen und mich gleich noch einmal auf die Suche machen. Da ja gedanklich bereits von Hochtouren bei uns die Rede ist und zwangsläufig ein steigeneisenfester Schuh her muss, warum doppelt kaufen? Warum kein Kompromiss aus beiden? Ein steigeisenfester Schuh, der auch bei Minusgraden noch verlässlich ist? Dann wäre ein höherer Preis für ein Paar akzeptabel. Die ersten Recherchen führten mich zum La Sportiva Nepal Evo GTX und Extreme (Unterschied mit/ohne GTX= Goretex). Gleich mal bestellt. In der Folge sollten kommende Woche neben diesen beiden Schuhen noch folgende Modelle eintreffen: Meindl Nordkap GTX, Meindl Garmisch Pro GTX, Meindl Antarktis GTX und Hanwag Fjäll Extreme GTX. Bereits eingetroffen sind die Hanwag Abisko GTX. Vergleichen werde ich dann alle und hier darüber berichten.

Update nach einer Woche. Die La Sportiva Schuhe trafen ein und bereits jetzt und nach schlaflosen Stunden im Bett und grübelnden Radrunden stornierte ich die Order für die Meindl Schuhe wieder, obwohl sie mich interessiert hätten. Aber die Entscheidung war ja schon gefallen. Ich wollte fair dem Bader Outdoor Shop gegenüber sein, der mit Hr Daniel Bader einen tollen Berater hat. Wenn ich doch noch einmal Winterboots benötigen sollte, werde ich dort ordern. Trotzdem möchte ich meine theoretisch gesammelten Infos hier kundtun, vielleicht interessiert es den Einen oder Anderen. Der Hanwag Fjäll Extreme traf dann auch noch die Woche ein und so hatte ich noch einmal einen Vergleich zu einem Schuh eine Stufe weiter unten als der Abisko.

Der Vergleich

Während der Hanwag Abisko und der Meindl Nordkap die Top Modelle sind, was Minusgrade anbelangt, bekommt man mit dem Hanwag Fjäll Extreme und dem Meindl Antarktis eine Mittelvariante an Minusgraden. Man muss nun selbst überlegen und entscheiden, ob man Schuhe benötigt, die bis -35 bis -45 Grad warm halten. Wichtig ist sicher, ob man passiv auf einem Hochstand sitzt oder aktiv in Bewegung ist. Außerdem schreckte mich die überdimensionale Größe der Abisko GTX ab. Im Netz sah ich Videos vom Nordkap, der auch nicht viel kleiner erschien. Nur allzu logisch, da ja auch in beiden ein dicken Innenschuh Platz haben muss. Mit 1200 Gramm pro Schuh dann auch noch sehr gewichtig, im Vergleich ein Meindl Vakuum GTX 3-Jahreszeiten Stiefel wiegt nur 800 Gramm.  Diese beiden Schuhe kämen für mich also nicht in Frage, außer es geht an die Polkappen. Da ich eher nicht zum frieren tendiere, sollten auch die -30 bis -40 Grad ausreichen, die ja gut vom Antarktis und Fjäll Extreme abgedeckt werden. Letzterer überzeugte mich schon eher, obwohl er immer noch wie ein Winterboot wirkt, jedoch das Abrollverhalten auf harten Boden spürbar besser als beim Abisko war. Dieser und sicher der Antarktis wären also meine Favoriten. Mit -25 Grad wäre sicher auch noch der Hanwag Fjäll Expedition interessant. Den Lundhags Polar Quest, der auch an die Werte vom Abisko herankommen soll, schnitt bei einigen im Internet gelesenen Bewertungen negativ ab. Zu klotzig, zu starr, also wie seine Konkurrenzbrüder.  Den Meindl Garmisch würde ich für extreme Bedingungen eher weniger in Betracht ziehen, da er mir eher wie ein Spazierwinterschuh ausschaut.

Zu den Innenschuhen: Beim Abisko kommt man mit diesen Innenschuhen schwer in den Schuh und auch die Entnahme entpuppt sich als schweißtreibende Aufgabe. Im Vergleich dazu ließ sich der Innenschuh beim Hanwag Fjäll Extreme leichter entnehmen und auch angezogen leicht hinein schlüpfen. Bei der Größenwahl sollte man mindestens 2, wenn nicht sogar 2,5 Größen mehr als Normalgröße wählen, so bleibt Platz für dicke Socken.  Am Außenschuh befinden sich beim Fjäll Extreme Kugellager an den Schnürhaken, die eine reibungslose Umlenkung gewährleisten. Damit schnürt sich der Schuh besser und leichter.

Zum meinen Favoriten und warum es nun der La Sportiva Extreme wurde. Beim Verfassen des Textes fragte ich mich dann irgendwann selbst, warum es denn kein steigeisenfester Schuh sein darf. Auch wenn Yvonne vielleicht nicht unbedingt das Eisklettern als ihre große Liebe entdecken wird, dann sind auf jeden Fall für Gletschertouren solche Schuhe notwendig. Da es aber keine eierlegende Wollmichsau gibt, musste ich auch hier Kompromisse eingehen. Zum einen die steifere Sohle, zum anderen die nicht ganz so wärmende Isolation und der fehlende Innenschuh. Aber trotzdem kann ich nun mit diesem Schuh zwei Bereiche abdecken. Schneeschuhwandern und Bergsteigen. Ich entschied mich also für den wärmeren Primaloft-gefüllten Extreme, der gegenüber den Evo GTX nochmals 200 Gramm schwerer ist. Ob er sich nun im Winter in den Bergen beim Schneeschuhwandern bewähren wird, kann sich ja bald zeigen. Sollte ich dann bei -15 Grad frieren, muss ich mir dann doch wieder Gedanken um einen Polarwinterschuh machen. Trotz der harten und sehr steifen Sohle konnte ich in dem Schuh besser laufen als im Hanwag Fjäll Extreme, auch ein Beweggrund. Viele denken ja immer, dass die steife Sohle einen bewegungsunfähig macht. Auf harten Untergrund wie Asphalt mag man das deutlicher spüren, aber im Geröll- oder Schneefeld gibt ja eher der Boden nach, so dass eine flüssige Abrollbewegung funktionieren sollte. Ich werde auch hier berichten. Positiv fielen mir bei dem Extreme die verstellbare Klettzunge im Schuh auf. Außerdem besitzen die Schuhe bei den Schnürhaken, die zwischen Vorder- und Oberschuh liegen eine Arretierung. Man zieht an den Senkeln, drückt die Haken runter und die Senkel lösen sich nun nur noch durch Lösen der Haken. Warum der Schuh nur als wasserabweisend deklariert wird, kann ich nicht beurteilen. Jedoch beschreiben andere Besitzer den Schuh als wasserdicht, auch nach stundenlangen Tiefschneewanderungen oder Flussquerungen. Auch das werde ich austesten. Gesamt macht der Schuh einen sehr hochwertigen Eindruck, Made in Italy. Gleich beim ersten rein schlüpfen und fest schnüren überkam mich ein Wohlfühlgefühl. Das ist doch ein gutes Omen, oder?

Nun noch ein Wort zu unseren bereits vorhandenen Winterstiefeln. Yvonne hat ihre Aku’s seit einem Jahr im Einsatz und auch schon bei zweistelligen Werten getestet. Da Frauen eher zu kalten Füßen neigen, ist es doch ein gutes Zeichen, dass noch nie gejammert wurde. Das Preis-/Leistungsverhältnis der Aku’s ist das Kaufargument schlechthin. Außerdem sind sie in ihrem Retro-Stil sehr stylisch und nicht größer als ein normaler Wanderschuh, halt nur 150 Gramm schwerer. Ich dagegen war eine Zeit lang auch von meinen Teva’s begeistert. Mittlerweile begeistert mich nur noch der Thinsulate- Innenschuh, den ich nun einzeln benutzen werde. Der Schuh wirkt weder wie ein Winterboot oder Wanderschuh, ähnelt eher einem Gummistiefel. Er ist leicht und die Sohle griffig. Der Schaft ist sehr dünn und gibt nur wenig sicheren Halt. Das Schlimmste an dem Schuh ist jedoch der ständig nasse Innenschuh. Nein, die Nässe kommt nicht von außen, sondern von innen und das nur bei geringer Bewegung. So ist die äußere Schicht des Innenschuhs komplett nass. Unvorstellbar, wie das dann bei einer sehr aktiven Tour aussehen würde. Ich würde den Schuh als Winterspaziergang-Stiefel beschreiben, für mehr werde ich ihn auch nicht mehr nutzen. Der einzige Wermutstropfen: Sie waren mit 70 Euro relativ günstig.

Nun doch noch ein richtiger Winterschuh notwendig?

Da ja nun immer wieder Lappland und Nordlichter im Winter im Gespräch waren und wieder sind, ist nun die Frage, was für Schuhwerk man dort trägt, wenn man nach einem langen Tag auf Skiern warme Füße behalten möchte. Steigeneisenfeste Schuhe sind da wohl nur bedingt das richtige Schuhwerk, overdressed oder deplatziert, egal, aber was sonst? So richtig sah ich es nicht ein, noch einmal richtig Geld zu investieren um einen der o.g. Schuhe zu besitzen. Für alpines Gelände und für Schneeschuhwandern war die Entscheidung, den La Sportiva zu kaufen dennoch nicht falsch.

Was mir mir dieses Mal bei den Schuhen wichtig? Vergleichsweise leicht, herausnehmbarer Innenschuh, wasserdicht, geeignet für Tiefsttemperaturen. Ich suchte also mal im Netz nach gebrauchten Schuhen, die aber auch noch bei 200 Euro lagen. Bei Suchbegriffen „Winterschuhe“ stieß ich immer wieder auf die Marken Sorel und Kamik. Erst biss ich mich an der Marke Sorel fest, selektierte die Modelle PAC T, Premium T und Caribou für mich als ideal, da bis -40 Grad und noch unter 2000gr Gesamtgewicht. Die Preise ab 130 Euro aufwärts. Die besseren Modelle mit Nubukleder bei 170 Euro. Leider waren die allgemeinen Meinungen zu den Schuhen sehr zweispältig, vor allem wurde über kalte Füße bereits bei -20 Grad berichtet. Der allgemeine Tenor war eher „bääh“ als „oohh“.

Da war noch Kamik, dort wurde ich bei den Modellen Alborg und Canuck ab -40 Grad abwärts fündig. Letztere sogar mit integrierter Gamasche. Es gibt sogar einen Schuh bis -75 Grad. Aufgrund des Gewichtes und bereits vorhandenen Gamaschen entschied ich mich für den Alborg, der sogar bis -50 Grad halten soll. Der Schuh hatte alles, was ich gesucht hatte. Nubukleder, herausnehmbarer Innenschuh, wasserdicht und mit zusätzlicher Thermosohle. Vor allem begeisterte mich die Geschichte des kanadischen Herstellers, der noch immer seine Schuhe im eigenen Land fertigt. Wenn die keine Ahnung haben, wer dann? Hier fielen die Bewertungen nun durchweg positiv aus und die Preise mit 110 Euro völlig akzeptabel. Irgendwo waren sie dann sogar für 80 Euro im Angebot und da konnte ich nicht Nein sagen.

Nun stehen sie hier vor mir und ich bin überwältigt. In der Größe 44/45 passen sie für mich, der sonst 43 trägt, optimal. Es ist noch 1cm mit dünen Socken Platz um später auch noch dickere Wintersocken unterzuziehen oder die optional Thermosohle einzulegen. Gut, bei der Gewichtsangabe von 1400gr haben sie sicher Größe 7 als Maßgabe genommen, in Gr 44/45 wiegen sie mit Einlegesohlen 2040gr. Viele berichteten von kloppigen Klötzern an den Füßen, aber mal ehrlich, der Schuh soll bis -50 Grad halten, also muss es dicker als ein Turnschuh sein. Im Vergleich zu den anderen Highendschuhen Hanwag und Meindl empfinde ich die Kamiks in der Sohle wesentlich flexibler. Man kommt echt schnell in den Schuh rein und bekommt mit Leichtigkeit auch den Innenschuh heraus. Die dreifachen Nähte im Übergang vom Gummi Außenschuh zum Nubukleder sollten jeden Tropfen Wasser draußen lassen. Also die theoretische Sicht- und Anprobe ergibt ein eindeutiges Fazit: „Geniale Schuhe, die sicher auch in Schneeschuhen eine gute Figur machen würden“. Nach der ersten heimischen Winterwanderung werde ich hier näheres berichten.

HANWAG FJÄLL EXTREME

Bild 1 von 2

im Vergleich zum Nike free um mal die Größe vor Augen zu haben. Gut erkennbar: Die Kugellager an den Haken


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