Trekking in der Pfalz 2012/ 2013 |

 Wild Zelten in Deutschland | Trekking durch die Pfalz

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2012 – Klappe A/ 1.Versuch

Für uns bedeutet Outdoor primär, in der Natur frei zu übernachten. Dazu zählen wir weniger Campingplätze mit Sanitäreinrichtungen. Am besten sollte es wild sein. Einfach dort sein Zelt aufschlagen, wo es einem gefällt. Das mag in manchen Gegenden wie Skandinavien auch durch das Allemannsrätten gesetzlich geregelt zu sein, aber in Deutschland sieht es nun ein wenig anders aus. Bei unserer Recherche trafen wir auf einmal auf die Pfalz. Der Internetauftritt ist sehr aufschlussreich und wir planten die erste Tour in unserer Nähe. Wir mussten doch schauen, ob und wie das ganze funktoniert,- Gepäcktransport, gute Laune bei schlechtem Wetter etc. Wie weihten unser neues Hilleberg Zelt also in der Pfalz ein.

Wir buchten alle sieben möglichen Plätze und wollten die in Reihenfolge von Süd nach Nord anlaufen. Die Übernachtungsplätze bieten eine Feuerstelle, ein Plumpsklo und Stellplätze für Zelte. Teilweise wird auch für Brennholznachschub gesorgt. Auf der Homepage und dann auch nach Buchung erhält man ebenso detaillierte Informationen zu den einzelnen Plätzen und wo man die nächste Quelle findet. Leider stellte sich auf der Tour heraus, dass die Quellen teilweise ausgetrocknet oder viel zu weit vom Platz entfernt waren.

Zwischen den Plätzen konnte man die Tour frei planen, es wurden aber auch Wandervorschläge angeboten. Wir hielten uns erst einmal an diese, planten mit dem Pfalz Tourenplaner aber auch Alternativen, um vor Ort spontan auf Wetter und Laune reagieren zu können. Ab damit aufs Navi. Da es sich um höhenmeterreiche Wanderwege handelt, entschieden wir uns bei der 1.Tour nicht für den Chariot, sondern für die Deuter Kindertrage. So sollten wir gut auf den schmalen Pfaden entlang kommen.

Start war in Bad Bergzabern, an einem sehr heißen Sommertag im Juni. Wir parkten das Auto in der Nähe des Freibades und in brütender Hitze ging es in die Hänge des Pfälzer Waldes hinein. bereits auf den ersten Metern merkten wir, dass die Gepäckverteilung nicht wie gewünscht funktioniert. Yvonne hatte Täve auf dem Rücken und eine am Boden befestigte Ortliebrolle stieß immer gegen Ihre Beine. Okay, dann musste ich halt die Rolle auch noch nehmen. Hauptsache, Frau und Kind kapitulieren nicht schon vor der 1.Nacht. Im Schatten der Wälder lief es sich gemütlich und entspannend. Wir hatten Zeit und machten keinen Stress. Unsere 3L Trinkblase wurde aber stark beansprucht. Der Anstieg ließ den Schweiß in Strömen fließen. Bald hatte der Anstieg sein Ende gefunden, der 1.Platz Ruine Guttenberg konnte nicht mehr weit sein. Dort angekommen waren wir erst einmal froh, den Platz für uns zu haben. Lieber sind wir allein als die Gesellschaft von Leuten ertragen zu müssen, die wir nicht ausstehen können. Selten trifft man auf nette Zeitgenossen, dazu aber später noch mehr.

Nach dem Zeltaufbau machte ich mich mit Wassersäcken und dem neuen Katadyn-Filter auf die Suche nach Wasser. Ich hatte vorab über openstreetmap recherchiert, wo überall in der Umgebung des Platzes Quellen zu finden seien, die dann im Navi verzeichnet waren. Ich lief also los, immer schön wieder talabwärts. Nach ca. 3(!) km stand ich vor der eingezeichneten Quelle. Es war eher ein Wasserloch und ich war froh, hier nicht in der Dämmerung dieses noch mit Wildschweinen teilen zu müssen. Spuren gabe es hier zur Genüge. Also Filterschlauch ab ins Pfützchen und pumpen. Ich war gespannt von der Funktionalität des Filters und wurde nach ca. 1 Liter dermaßen enttäuscht, ich hätte dieses Teil am liebsten in den Busch geschmissen. Er war vollgestopft, das Wasser drückte an den Seiten raus, ich musste immer wieder säubern. Mein rechter Pumparm war dann so ermüdet, dass die 3 Liter reichen mussten. In der Dämmerung überließ ich das Wasserloch dem Viehzeug und machte mich auf den Weg zu meiner besorgten Familie. So viel Zeit hatte ich dafür nciht eingeplant. Am Camp wieder angekommen, hatte Yvonne bereits gekocht, es gab schön salzigen Speck. Täve hatte sich auch schon eingelebt. Es gab keine saubere Stelle mehr an ihm.

Wir mussten nun mit dem Wasser haushalten. Der Camelbak war alle und die 3 Liter mussten für Essen und Trinken reichen. Durstig waren wir aber Alle, es war auch noch Abends sehr heiß. Dazu dann noch der salzige Speck. Schlimmer konnte es nicht mehr werden. Wir mussten nun mit dem Wasser haushalten. Es verstrich noch ein wenig Zeit am Lagerfeuer, wir genossen die Idylle in der Natur und landeten wenig später neben Täve im Zelt. Im Camelbak war noch ein halber Liter, Täve hatte auch noch was in seinem Fläschchen. Nun gut, er wollte es nicht, also verbrauchte ich die Nacht über einen Schluck nach dem anderen. Ich hatte so einen Brand, ich träumte sogar vom Verdursten und machte mir so meine Gedanken über den morgigen Tag.

Der 2.Tag brach für mich mit dem ersten Sonnenstrahl an. Ich ließ Yvonne und Täve noch schlafen und machte mich noch einmal auf Wassersuche. Dieses Mal zu einer anderen Quelle. Dort nach 4km angekommen, musste ich mir wieder mit diesem bekloppten Filter jeden Tropfen verdienen. Ein Sack wurde mit gefiltertem Wasser gefüllt, der andere mit ungefilterten. Schnell war ich wieder im Camp, die beiden Schlafmützen hatten es irgendwie geschafft, dass Feuer anzubekommen. Nun war ich glücklich, Kaffee zum Frühstück, genug Wasser um den Durst zu löschen. Während Täve mit der Kindertrage um die Wette rollte, packten wir unsere sieben Sachen, Ziel: Camp Lindelbrunn. Es dauerte eine Weile bis wir zu einem Trinkwasserbrunnen kamen, mag es gegen Mittag gewesen sein. Wir pausierten und trafen auf ein weiteres Wanderpärchen mit Hund. Wir grüßten uns und gingen bald unsere Wege. Wie sich jedoch herausstellte, beschritten wir den gleichen Weg nach Lindelbrunn. Die Beiden hatten sich das Navi beim Torismusverein geliehen und waren mehr auf Landkarten angewiesen. Wir dagegen konzentireten uns auf GPS. Unterwegs trafen wir uns immer mal wieder, aber dann waren sie wie vom Erdboden verschwunden. Wir erreichten die Ortschaft kurz vor Lindelbrunn, füllten Wasser am Brunnen auf und steuerten Camp 2 an. Siehe da, da waren Sie wieder. Sie suchten verzweifelt nach dem Platz, hatten falsche Koordinaten im Navi. Sie waren so verzweifelt, dass sie bereits mit dem Gedanken spielten, auf dem Parkplatz zu nächtigen. Wir gingen zusammen zum Camp, ich hatte die korrekten Daten und standen kurze Zeit später im Camp. Auf einer Anhöhe und dieses Mal nicht allein. Harald und Nicole waren nette Zeitgenossen, wir quatschten beim Essen, während Täve den Hund drangsalierte. Keiner hielt es bis Mitternacht aus, Alle gingen zeitig zu Bett.

Der 3.Tag begann wieder am Lagerfeuer mit Kaffee. Wir verquatschten uns dermaßen, so sympathisch waren uns die Beiden. Wir entschieden jedoch, obwohl gleiches Ziel Leinsweiler, unsere eigenen Wege zu gehen, da wir in der Annahme waren, dass sie mit Hund schneller unterwegs waren. Der Tag versprach so schln wie die letzten beiden zu werden. Gegen Mittag trafen wir uns in einem Ort wieder und genossen ein paar Apfelschorlen in einem Biergarten. Da wir stets in Sichtweite zu einander gelaufen waren, entschieden wir von nun an, zusammen Richtung Camp 3 zu wandern. Auf dem Weg dorthin verloren wir den Schnuller von Täve. Wichtigstes Utensil im Urlaub! Kurz vor Leinsweiler braute sich über uns ein Gewitter zusammen, keine Möglichkeit mehr, sich unterzustellen. Die Schleusen wurden oben geöffnet und der Regen hielt 1 Stunde an. Durchnässt erreichten wir Leinsweiler. Ich weiß nicht, ob uns das Wetter gebrochen hat oder die Tatsache, dass Yvonne die Deuter Kindertrage zu schwer war. Jedenfalls entschieden wir uns für einen Abbruch uns suchten in Leinsweiler nach einer tockenen Unterkunft. Es gab nur noch ein großes Appartement, aber mit Harald und Nicole war das kein Problem. Wir trockneten unsere Sachen, duschten uns, aßen bei Wein im hauseigenem Weinkeller Zwiebelkuchen und ließen die Tage Revue passieren. Nein, wir waren nicht enttäuscht, es war ja der 1.Versuch und scheitern konnte man es ja nicht nennen, sondern eher Erfahrungen sammeln.

Wir wollten am nächsten Morgen weiter beratschlagen, die Entscheidung fiel auf „zurück zum Auto“. Am Fuße des Pfälzer Waldes, zwischen Winbergen und kleinen Dörfern suchten wir uns einen Weg nach Bad Bergzabern. Bald mussten wir feststellen, dass der komplette Weg für die Frauen zu weit gewesen wäre. In Klingenmünster trennten sich unsere Wege. Harald und ich liefen im Marschtempo ohne Rucksäcke um die Autos zu holen. Wir kamen zügig voran, waren schnell in Bad Bergzabern an unserem Auto. Harald fuhr ich dann noch zum 1. Camp. Dort in der Nähe hatten sie ihr Auto geparkt. Schnell ab zu den Frauen, die hatten versucht, den Benzinkocher anzuwerfen und haben sich dann für den Gaskocher entschieden. Puuh. Wir plauschten noch ein wenig, tauschten die Kontaktdaten aus uns traten den Heimweg an. Schon im Auto war für uns klar, dass wir wiederkommen würden um die restlichen Plätze zu sehen.

 

2013 – Klappe B/ 2.Versuch

Mitte Mai war nun die Fortsetzung angesetzt. Daraus resultieren auch die Bilder in der Slide Show. Es war die letzte Chance vor unserem Azoren-Trip, auszutesten wie man mit Kind und Gepäck durch die Natur streift ohne gleich in Ohnmacht zu fallen. Der Versuch mit der Kindertrage ging gänzlich schief. Will man autark unterwegs sein, ist die Last einfach zuviel. Daher kam nun nur noch der Chariot Kinderbuggy in Frage. Es wurde als Stauraum die Original Hintertasche und eine Ortlieb Rolltasche Größe L genutzt, die quer überm Buggy verzurrt wurde. Wir wollten dort unsere Tour beginnen, wo wir 2012 aufgehört hatten. Leider hatten Harald und Nicole keine Zeit, wir hätten gern mit ihnen die Tour weiter gemacht.

Wir parkten unser Auto oberhalb von Leinsweiler und steuerten Camp 3 „Leinsweiler“ an. Wettertechnisch wurden wir standesgemäß mit Mistwetter begrüßt. Bewölkt, nass, keine Sonne. „Wenigstens regnete es nicht“, so redeten wir uns die Situation sonnig. Das Camp war nicht weit entfernt und auf einem ehemaligen Weg an einer Lichtung lag im dichten Buchenwald das Camp. Wir nisteten uns ein uns wärmten uns erst einmal am Feuer. Wow, solche Temperaturen im Mai. Kaum zu glauben. Schon der kurzer Anmarsch hatte uns gezeigt, dass der Chariot definitiv das bessere Reisegefährt war. Täve saß bei Regen im Trocknen und wir konnten Balast am Kinderbuggy deponieren. Wir aßen und saßen noch eine Weile am Feuer, kaum im Zelt fing es wieder an zu regnen und wir schliefen mit dem sanften Klopfgeräuschen ein.

Der nächste Tag war auch nicht der Brüller, aber es blieb trocken. Auf Umwegen durch die hügelige Pfalz erreichten wir gegen Mittag Annweiler, wo wir zum Mittag einkehrten. Gern hätten wir im Freien unser Mittag selbst gekocht, aber wir mussten uns aufwärmen. Danach war es nicht mehr weit zum Camp „Annweiler“. Der feuchte Platz lag an einem Hang mit Wiese und gerodeten Bäumen. Auch hier mussten wir unser Wasser wieder mit ranschleppen, in der Nähe keine Quelle, kein Bach. Endlich kam mal die Sonne ein wenig raus, ein Lichtblick? Das Feuer war scher zu entfachen, alles nass und durchgeweicht. Als es dann brannte, wurde das Zelt aufgebaut. Auch dieser Tag ließ keine Trekkingfreude aufkommen, aber wir nahmen es erst einmal so hin. Sofort aufgeben ist nicht unser Ding.

Am darauf folgenden Tag sollten wir dafür belohnt werden. Auf dem Weg zum Camp Eußerthal kam nun die Sonne auch mal mit wärmenden Strahlen raus. Gott, wir schwitzten nun sogar und mussten uns entkleiden. Im Eußerthal aßen wir dann zu Mittag, die Sonne war schon wieder weg und wir mussten uns vor dem kraftraubenden Anstieg zum Camp „Eußerthal“ noch einmal stärken. Dort ging es dann nach einer Stunde Pause steil hinauf, doch zuvor wurden die Wasserreserven am Bach aufgefüllt. Mit Gewichtszulage ging es Kurve um Kurve einen schmalen Pfad hinauf, kaum breiter als der Chariot. Wenn ich mich so recht entsinne, ging es bis zum Camp nur steil bergauf. Dort angekommen war ich breit. Zum ersten Mal sahen wir Mitstreiter am Camp, ein allein reisender junger Herr namens Ivan. Mit ihm kamen wir ins Gespräch, saßen später zusammen am Lagerfeuer und Täve nervte ihn mit den ein oder anderen Fragestellungen. Dieser Platz war sehr schön angelegt und auf einem großen Vorsprung gelegen. Der Abend am Feuer war gesellig, aber Yvonne und Täve verzogen sich kurz nach Einbruch der Dunkelheit ins Zelt, es war dermaßen kalt. Ich folgte ein wenig später.

Heute begrüßte uns die Sonne, es sollte aber das letzte Mal in diesem Urlaub gewesen sein. Nach dem Zusammenpacken fing es wieder an zu regnen. Ziel sollte heute der Modebacher Hof sein. Unterwegs war keine Einkehrmöglichkeit und im Regen und bei der Kälte hatte Keiner von uns Bock auch nur eine Minute stehen zu bleiben. Also liefen wir durch und im Ort Ramberg fiel dann die Entscheidung. „Nee, komm‘ ab ins Hotel, alles klamm, nass, Urlaub ist was anderes“ Wir wollten nicht abbrechen, nur unterbrechen, den Modebacher Hof auslassen. Wir fanden ein Zimmer in einem kleinen niedlichen Hotel und quartierten uns dort ein. Alle Heizungen wurden vereinnahmt, mit Mensch und Klamotten. Täve genoss die Zivilisation in Form von fernsehen, ich machte kleine Besorgungen zum Kaffee im nahe gelegenen Minimarkt. Da wir zeitig dran waren, gab’s sogar nach dem Kaffee auch noch eine Mütze Schlaf. Gegen Abend gönnten wir uns einen Besuch im Gasthaus. Bei Bier und Wein frischten wir im Hotelzimmer unseren Nachrichtenstand auf und gingen zeitig zu Bett. Es fing wieder an zu regnen, dieses Mal etwas toller als bisher. Alles richtig gemacht!

Unser Vorhaben heute das Camp „Kalmit“, das angeblich schönste Camp. Ohne Regen und am Frühstücksbuffet gestärkt passierten wir bald den Abzweig zum Modebacher Hof und zogen weiter in Richtung Schafkopf. Es blieb trocken und das erste Mal konnten wir sogar unterwegs unser Mittagessen selbst zu bereiten. Es war zwar kalt, aber es regnete mal nicht ununterbrochen. Zwar gestärkt, aber nun durchgefroren ging es weiter des Weges. Bald erreichten wir die Talsohle um nun final in den Anstieg zur Kalmit einzusteigen. Hier erwischte uns ein Platzregen samt Gewitterfront. Wir stellten uns erst einmal unter. „Ich habe keinen Bock mehr auf diesen Scheiß, diese Drecks-Pfalz kann mir gestohlen bleiben“ so genervt war Yvonne vom Wetter. Wir haben doch schon so einigen Wetterkapriolen getrotzt, aber wenn wir permanent die Mütze voll bekommen, gebe ich Yvonne hier gerne Recht. Ein Blick aufs Navi und das neue Ziel hieß Maikammer, wo uns der Zug zurück zum Auto bringen sollte. Bei leichtem Regen waren wir bald aus den Bergen raus. Es klarte wieder auf. War die Entscheidung etwas falsch gewesen? Nein, sicher nicht, denn wir mit dem Zug parallel zum Gebirgszug Richtung Leinsweiler unterwegs waren, überzog die nächste Front die Hügel. Wir stiegen in Landau in den Bus um und waren gegen Nachmittag wieder am Auto.

„Und Tschüß, uns werdet ihr nie wieder sehen“, mit diesen Worten verabschiedeten wir uns von diesem Landstrich. Nur so ganz sicher bin ich mir dabei nicht. Es sind neue Plätze hinzugekommen, die erkundet werden müssen und bekanntlich sind „Aller guten Dinge drei!“


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