Trekking im Schwarzwald 2017 |

TREKKING IM SCHWARZWALD  |  LEGAL WILD ZELTEN

 

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Informationen zum Projekt
Die Camps im Überblick
  Planung der Touren
Erlebnisbericht

 

INFORMATIONEN ZUM PROJEKT  zurück zur Liste

Im Jahre 2012 machten wir unsere ersten Outdoor-Schritte in der Pfalz. Dort hatten Sie ein Projekt namens „Trekking in der Pfalz ins Leben gerufen. Schon damals fanden wir die Idee, legal wild zu zelten, nicht schlecht. Die verstreut angelegten Plätze boten das, was man sonst immer wild gesucht hatte: einen ebenen Lagerplatz, eine Feuerstelle und im Idealfall Wasser in der Nähe. Letzteres war in der Pfalz aber problematisch oder der Begriff Nähe bezog sich auf die globale geographische Lage zum Camp. Meist sind die Quellen sehr weit entfernt. Nun zog neben der Eifel und Bayern auch der Schwarzwald mit einem ähnlichen Projekt nach.

Bei der Recherche auf der Homepage Trekking im Schwarzwald, wo man wirklich alle Informationen her bekommt, mussten wir uns erst einmal einlesen, jedoch bemerkte ich einen gravierenden Unterschied zum Pfalz- Trekking, positiv wie negativ. Die 6 Camps, die verstreut im Schwarzwald Mitte bis Nord sind, liegen meist direkt oder sehr nahe an einer sicheren Wasserquelle. Dafür haben die Camps teilweise zwei Nachteile: Die Nähe zur Zivilisation und die Holzplattformen für die Zelte.

Als Beispiel: Das Camp Kniebis liegt nur ca. 200m von einer viel befahrenen Hauptstraße entfernt, das Camp Gutellbach 5 Gehminuten von einem Parkplatz entfernt. Beworben wird dieses bezahlte Zelten als „Abenteuer Wildnis“. Mag sich nun Jeder selbst sein Urteil bilden, aber die Camps in der Pfalz sind abgelegener. Nach welchen Kriterien hier die Camps gewählt worden entzieht sich meinem Verständnis, aber Wildnis gibt es im Schwarzwald genug, wo nicht das Gefühl aufkommt, dass man sein Zelt an einer Autobahnraststätte errichtet hat. Für Leute, die sich an das Thema Trekking, Zelten, Outdoor heranwagen möchten sind diese Camps sicher eine gelungene Sache. Genau so für Familien empfehlenswert, da die Camps meist nur max. 10km von einander entfernt liegen und man gut Forstwege als Verbindungen wählen kann, die mit Roller, geländegängigen Kinderbuggy oder wie wir mit Pilgerwagen gut begehbar sind.

Die Holzplattformen sind das andere Problem für Leute mit etwas größeren Zelten. In den Camps Bösellbach, Erdbeerloch und Seibelseckle gibt es nur drei dieser Plattformen, da die Camps im Nationalpark liegen. Hier darf man auch nur zu Zweit übernachten, in den anderen Camps auch maximal zu Dritt. In jeden Camp ist Platz für drei Zelte, bleiben darf man maximal eine Nacht. Wer also ein zu großes Zelt hat oder sich unsicher ist, der sollte die Camps Gutellbach, Kniebis oder Grimbach buchen oder sich ein kleines Zweimannzelt zulegen. Eine Geodät oder Kuppelzelt ähnlich Hilleberg Staika eignen sich dafür schon besser. Dass das Zelt ohne Heringe frei stehen kann, ist von Vorteil, aber kein Muss, denn die Holzplattformen haben Fixpunkte.

Ansonsten ist es Jammern auf hohem Niveau und sicher werden wir auch noch die anderen vier Camps testen, endlich hätte ich so einen Grund, Yvonne das Hilleberg Staika schmackhaft zu machen. Für 10 Euro je Nacht und Zelt halte ich die Übernachtungspreise für erschwinglich. Für ältere Naturburschen wird der Gang auf das Trockenklo vielleicht ein Problem darstellen, da der man 40cm hoch auf ein Podest steigen muss und dann auch noch auf seinen Kopf aufpassen muss. Die Feuerstellen sind großräumig angelegt, die Stellflächen für die Zelte mit gehacktem Holz ausgelegt, was das Arretieren der Heringe ein wenig erschwert. Man muss tiefe Löcher graben, damit diese in der Erde halten, im lockeren Mulch finden sie keinen Halt.

 

DIE CAMPS IM ÜBERBLICK  zurück zur Liste

Gutellbach

  • Koordinaten N48.498287 E8.314687 auf 650m Höhe
  • Parkplatz Grünes Plätzle ca. 500m entfernt, nächster Ort Mitteltal ca. 3km
  • im dichten Wald gelegen, mit ein paar Sonnenflächen, aber etwas entfernt zwei große Wiesen (oberhalb in Sichtweite oder am Gutellbach)
  • Wasser direkt in der Nähe, auch viel Feuerholz
  • zwei Stellflächen bieten auch Platz für größere Zelte
  • Klo etwas weiter entfernt oberhalb des Camps am Weg, mit Zahlenschloss gesichert (Code bekommt man bei Buchung)

Das Camp an sich liegt idyllisch an zwei Bachläufen. Kinder können hier ihr Unwesen treiben und im Unterholz nach Pilzen oder Beeren suchen. Leise Autogeräusche in der Ferne sind kaum wahrzunehmen, nur lästige Motorradfahrer hört man. Das Camp liegt an einem Forstweg, der wenig begangen/ befahren ist. Der Weg vom Parkplatz ist kurz und bequem. Die Gutellbachwiese auf der Mitte des Weges zwischen Camp und Parkplatz ist ein sonniger Spielplatz am Fluss mit Bänken und großer Wiese.

Kniebis

  • Koordinaten N48.46255 E8.325201 auf 840m Höhe
  • umgeben vom dichtem Wald, etwas unterhalb des Camps große Wiese, Sonne scheint beim Sonnenaufgang direkt ins Camp
  • Wanderparkplatz 1km am Ortseingang Kniebis oder 300m oberhalb des Camps direkt an der Straße kleine Einbuchtung
  • nächster Ort Kniebis ca. 2km entfernt, Hauptstraße 200m oberhalb des Camps
  • Wasser etwa 50m unterhalb des Camps, der kleine Bach hat einen guten Zugang zwischen zwei kleinen Bäumen
  • Feuerholz in der Umgebung reichlich vorhanden
  • eine große Stellfläche seitlich des nicht mehr benutzten Forstweges, eine Stellfläche direkt auf dem Forstweg
  • Klo sehr nahe am Camp, ohne Zahlenschloss

Das Camp wäre in einer anderen Umgebung sicher toll gewesen, aber der störende Lärm der Straße legte sich erst gegen 22 Uhr und begann bereits wieder um 6 Uhr. Ansonsten kann man im Bach toll baden, an den Baumstämmen kann man es sich gemütlich machen. Die große Wiese ist ideal für Familien zum relaxen, spielen und erkunden. 4km liegt Kniebis Luftlinie von Gutellbach entfernt. Sicher also ideal für Familien mit Kindern, die sich an das Zelten in der Natur heranwagen möchten.

PLANUNG DER TOUREN  zurück zur Liste

Da die Camps nicht sonderlich weit auseinander liegen, kann man seine Touren direkt oder aber auch mit Umweg planen. Dabei ist sicher für Jedermann was dabei. So kann man Teile des Westweges auf schmalen Wanderpfaden gehen oder auf Forstwegen fast alle Fortbewegungsmittel wählen. Sogar eine MTB Tour ist nicht auszuschließen. Familien können auf bequemen Wegen mit Pilgerwagen oder Buggy sanfte Anstiege in Angriff nehmen. Jederzeit findet man Brunnen, Quellen, Seen und Bäche. Am Tag kommt man an vielen offenen Schutzhütten, die primär als Wetterschutz und Pausenplatz, aber sicher auch als Überbrückung zur Übernachtung dienen können. Siehe dazu auch unsere Rubrik Hüttennächte. Also unterm Strich kann man diese Camps flexibel in seine Wandertour einbauen, ob nun als komplette Camptour oder nur als Baustein.

ERLEBNISBERICHT  zurück zur Liste

Um mal wieder eine verlängertes Wochenende zu haben, fuhren wir am Freitag bereits mittags los um gegen Nachmittag am Startpunkt zu sein. Hoch oben an der Alexanderschanze bei Freudenstadt parkten wir unser Auto. Der Weg zum Gutellbach Camp sollte nur noch bergab führen. Die Tour wurde auf Forstwegen geplant, so kamen wir wieder in den Genuss, den Roller zu nutzen. Täve genoss also die 7km lange Abfahrt in vollen Zügen. Vorbei am Eilbachsee und ohne noch weitere Wanderer zu treffen, erreichten wir gegen 18 Uhr das Camp. Der erste Eindruck war positiv. Wasser in der Nähe, Trockenklo vorhanden und Holz zum feuern genug vorhanden.

Wir errichteten das Camp, machten Feuer und während das Holz verbrannte, gingen wir keine 20 Meter zum Fluss und badeten uns. Komisch, dass sich Täve immer nur draußen ohne Zwang waschen möchte. Er will wohl zeigen, das er ein Mann ist. Während wir nackt wischen den Büschen herumsprangen, äußerte ich das Gefühl, dass vielleicht doch schon heute Abend Julia und Andreas uns heimsuchen würden, geplant war doch erst gestern. Das Gefühl bestätigte sich nicht und wir konnten uns in Ruhe waschen und abtrocknen. Am großen Lagerfeuer genossen wir das Abendessen, den sternklaren Himmel und das Knistern des Lagerfeuers, dass nur noch selten von Geräuschen der nicht allzu weit entfernten Straße gestört wurde.

Sehr spät gegen 23Uhr gingen wir ins Bett und waren erstaunt, dass man nach so kurzer Zeit bereits wieder heruntergefahren war. Relaxmodus! Wie immer freute ich mich riesig auf den Schlafsack. Die Nacht war kühl, aber immer noch im offenen Daunenschlafsack erträglich. Mit Vorfreude auf Julia und Andreas schliefen wir schnell ein.

Der nächste Morgen war kühl und feucht, die Sonne war zwar da, aber ihr fehlte die Kraft, durch die Bäume durchzudringen. Erst gegen 10 Uhr wärmten die Strahlen ein erstes Mal den klitschigen Boden. Daher frühstückten wir am Lagerfeuer. Es war bald so weit, wir hatten gerade alles abgebaut und verstaut, Andreas und Julia sollten bald eintreffen. Die letzte Nachricht an die Beiden wies nicht explizit darauf hin, dass wir uns hier am Camp treffen, aber ein mitgeschicktes Bild der geplanten Route gab unmissverständlich zu verstehen, dass die Tour am Camp startete. So warteten nun beide Parteien beharrlich an ihrem Platz, wir am Camp, sie am 700m entfernten Parkplatz. Gegen 10.30 Uhr machte ich mich auf zum Parkplatz, das Auto stand da, beim Weg zurück zu unserem Camp auch Spuren vom Benpacker im nassen Gras. Doch keine Spur von den Beiden. Yvi wollte im Camp warten, ich beschloss, die Tour zu laufen und zu hoffen, sie da irgendwo anzutreffen. Nach 2km trafen wir auf eine Männertruppe, die aus der anderen Richtung kamen. Ich fragte sie nach einem Typen mit Anhänger. Die Antwort kam schnell „Ja, haben wir vor 10 Minuten getroffen“. Ich wollte also schon loslaufen bis mich einer der Männer fragte, warum ich denn nicht den Roller nehmen würde, „geht doch schneller“. Recht hatte er. Ab auf das Teil und schwungvollen Tritt den Beiden hinterher. Nach 5 Minuten hatte ich sie, sie waren auch schon wieder auf dem Weg zurück. Ihnen kam die eingeschlagene Richtung nicht koscher vor.

So, nun waren wir vereint und das Navi leitete uns nun meist auf breiten Forstwegen, aber ab und an auch durchs Unterholz, durch die Tiefen des Schwarzwaldes. Zu Beginn hieß die Tendenz bergauf. Wir passierten viele kleine urigen Schutzhütten, die genaustens inspiziert wurden. Wer weiß, ob wir hier bald auch noch einmal nächtigen würden. Mal hier eine Pause, mal dort eine Pause. Während wir unsere Erlebnisse der vergangenen Reisen nach Kirgistan und Réunion austauschten, hatte Täve Spaß am Benpacker ziehen. Unermüdlich trotzte er kleineren Steigungen und verschaffte Andreas ein schlechtes Gewissen. Der investierte aber seine Energie ins Pilze sammeln und pflücken. Noch mehr Energie und noch viel mehr Zeit verbrachte er mit dem Putzen. Danach sahen die Teile aus wie Kunstwerke, fast zu schade zum Verspeisen. Obwohl wir am Ende keine große Mittagspause machten, sondern immer nur kleine Snack- und Pflückpausen, mussten wir bald feststellen, dass die angepeilten 25km nicht mehr realisierbar waren. Ein Blick auf das Navi und schnell war eine Abkürzung gefunden, die es uns nun ermöglichte, noch im Hellen gegen 18 Uhr im Camp Kniebis zu sein.

Am Camp angekommen, machte sich erst einmal Enttäuschung breit. Wir mussten uns förmlich anbrüllen, wenn mal wieder gerade eine Motorradgruppe nur 200m oberhalb von uns vorbeirauschte. Nein, das hatte mit Wildnis gar nichts zu tun. Wildnis bedeutet nicht nur fürs Auge unberührte Natur zu sehen, sondern auch für das Ohr unberührte Natur zu hören und für die Nase unberührte Natur zu riechen. Glücklicherweise nahm der Lärm mit der Dunkelheit spürbar ab, so dass nun einem idyllischen Abend am Feuer nichts mehr im Wege stand. Es wurde ordentlich Holz aufgelegt und Essen gekocht. Täve, der immer noch nicht tot umgefallen war, schaufelte derweil mit dem neuen Klappspaten von Andreas und Julia eine Falle, deckte sie mit Farnblättern ab und freute sich still. Ich war der erste und einzige Idiot, der in der Dunkelheit dann auch noch reinlief. Lange saßen wir am Feuer, ungewöhnlich für Abende mit Andreas, der sonst noch vorm Sandmann ins Bett geht. So war es kurzweilig, es gab viel zu lachen, viel zu erzählen und viel zu planen. Am Rande sollte aber einmal mehr wieder erwähnt werden, dass ich mal wieder der Einzige war, der sich baden ging. Hatten die Anderen nicht geschwitzt?Ich jedenfalls konnte mit reinen Gewissen ins Bett gehen.

Am nächsten Morgen weckten uns nicht die Sonnenstrahlen oder das Vogelgezwitscher, sondern noch vor Sonnenaufgang die Autogeräusche. Naja, so waren wir munter, Der Tag begann früh. Wir wärmten uns am Lagerfeuer und frühstückten ausgedehnt. Wir Fünf harmonierten mal wieder gut miteinander, denn nach dem Frühstück packten wir die Sachen und waren zeitgleich fertig, bereit zum Abmarsch. Täve übernahm wieder den Pilgerwagen und Ziel war heute unser Auto an der Alexanderschanze. Über Wiesen, Bäche hinweg durch dunkle Wälder und Büsche pflückten wir hier und da Pilze und genossen den sonnigen Tag in vollen Zügen. Schade, dass er doch bald wieder vorbei sein würde. Gegen Mittag waren wir wieder am Auto. Ursprünglich wollten wir Andy und Julia zu ihren Auto ans Gutellbach Camp bringen, sie entschieden sich aber, den gleichen Weg, den wir am Freitag gegangen waren, auch noch zu gehen. Es war ja noch genügend Zeit. Wir teilten also die Pilze unter uns auf, verabschiedeten und herzlich und sahen der nahen Zukunft und dem Wiedersehen entgegen. In drei Wochen würden wir uns auf einer rustikalen Almhütte in der Schweiz im Binntal wiedersehen.


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