Tageswanderungen |

Wandern in der neuen Heimat | Rund um den Bodensee und die Schweiz

Vorwort

Um uns zwischen unseren Urlauben mental über Wasser zu halten, sind wir am Wochenende eigentlich meistens auf Tour. Der Säntis mit 2500m nur 70km entfernt, der Schwarzwald auch nicht viel weiter, das hügelige Hegau einen Katzensprung entfernt, der Schweizer Seerücken auf der andere Uferseite immer sichtbar oder einfach nur unsere Höri. Wir sind gern und viel unterwegs und möchten zukünftig hier nicht alle Touren, aber doch gerne die hier kurz vorstellen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Also bleibt gespannt.

 
 

Schweiz | Alpsteingebirge

Wasserauen > Seealpsee > Messmeralp > Wagenlücke > Meglisalp > Wasserauen | 9 Std. 16km 1300hm

Dies war unsere erste Wanderung im Säntis-Gebiet im Juli 2015. Zeitig am Morgen starteten wir zur 1.5-stündigen Fahrt nach Wasserauen. 9 Uhr waren wir da und scheinbar auch die Letzten, denn der Parkplatz war gut gefüllt.

Der Anstieg zum Seealpsee hatte es gleich in sich, denn auf 2.5km ging es nun 300hm hinauf. Die Wanderkonkurrenz wurde erst einmal weg geschlachtet, wo sie doch dachten, dass Eltern mit Kind auf dem Rücken lahme Enten seien. Bloß gut, bog dann das gesamte Schlachtfutter am Seealpsee ab und wir konnten ohne Druck das Tempo drosseln. Hier und da waren noch viele Wanderer zu sehen, aber am Einstieg auf 1175m Höhe zur Messmeralp war es dann echt idyllisch ruhig. Die nächsten 450hm standen vor uns. Ab und an wollte Täve immer mal wieder laufen, aber genoss die meiste Zeit lieber unter dem Sonnendach der Kindertrage. An der Messmeralp machten wir dann nach 6km und 3Std Pause, diskutierten eine direkte Abkürzung zur Meglisalp aber verwarfen diese, da wir noch gut in der Zeit lagen und Täve gut mitspielte. Also hieß der nächste neuralgische Punkt „Wagenlücke“ auf 2070m Höhe, also nochmalige 450m Unterschied. Eine kleine klettersteigähnliche Passage auf den Weg dorthin stellte die größte Hürde des Tages dar. Dort angekommen, war der Säntis auf 2504m Höhe zum greifen nah, aber doch so fern. Hier beschlossen wir, irgendwann noch einmal hierher zu kommen und den Säntis zu rocken. Für heute aber war die Wagenlücke der Umkehrpunkt. Ab jetzt sollte es nur noch bergab gehen. Gegen 16 Uhr erreichten wir die Meglisalp und löschten unseren Durst in der Alpwirtschaft. Von hier aus gab es zwei Optionen: Runter zum Seealpsee oder weiter oberhalb entlang und Abstieg nach Wasserauen. Wir entschieden uns für den Hangweg oberhalb des Seealpsees und waren bald einsam unterwegs, da wir doch spät dran waren. Mittlerweile war es 18 Uhr und die Kniescheiben schmerzten vom permanenten Abstieg. Gegen 19 Uhr waren wir wieder am Auto und zufrieden mit uns und der Tour. Noch heute reden wir über diese Tour. Das oben angezeigte Headerbild wurde im Abstieg von der Wagenlücke zur Meglisalp aufgenommen und zeigt in der mittigen Ferne den Altmann und rechts davon den Rotsteinpass.

 

 

Brülisau > Hoher Kasten > Saxer Lücke > Fälensee > Sämtisersee > Alp Sigel > Weissbad | 8 Std. 16km 850hm

Wir nutzten das verlängerte Wochenende im Oktober 2016 dazu, mal wieder im Alpsteingebiet zu wandern und schliefen im Stroh. Die Unterkunft ist oberhalb von Brülisau herrlich ruhig auf einer Weide gelegen. Johann ist ein netter, geselliger Gastgeber und der Hof Leugangen wärmstens zu empfehlen. Von hier aus starteten wir unsere Tour. 1km abwärts nach Brülisau, von wo es mit dem Lift auf den Hohen Kasten hochging. Nun wusste ich endlich, was das für ein Turm ist, den man von der Rheinseite aus immer sieht. Er sieht dem Säntiser Turm ähnlich, aber er konnte es geographisch nie sein. Nun war ich schlauer. Wir zogen gleich los, die Menschenmassen hier erschlugen uns. Leider sollte es bis zur Alp Sigel auch so bleiben. Permanent Wanderer vor uns, hinter uns, neben uns. Yvonne war zeitweise genervt und wollte irgendwo querfeldein runter, Hauptsache Ruhe. Ich konnte sie vom Suizid abhalten und nach dem Gasthaus Staubern wurde es auch schon ruhiger. Kurz zuvor hatten wir bereits Pause im Schatten eines Felsens gemacht, der Föhn kühlte Einen ganz schön aus, Sonne schien nicht wirklich. Anfangs tat sich Täve schwer, wollte immer wieder auf meine Schultern, aber mit 5 Jahren kann man ja nun mal erwarten, dass er selbst läuft. Mit jedem Kilometer ging es dann auch besser und wir machten einen Deal. Hoch läuft er, runter und gerade schulter ich ihn. Klappte dann soweit auch ganz gut. Der Blick auf die beiden Seen Sämtis und Fälen belohnten für die Strapazen. Bald sollte es erst einmal nur bergab gehen. An der Saxer Lücke und dem Fälensee vorbei, wo wir kurz pausierten. Nun wurde es langsam ruhiger, nur noch wenige Wanderer und am Einstieg zur Alp Sigel hinauf war dann tote Hose. Die letzten 450hm des Tages jagten uns bereits zur Mittagspause einen Schrecken ein, denn von der gegenüberliegenden Seite war der Anstieg immer präsent. Aber Täve lief zur Hochform auf und wollte immer mal wieder selbst laufen. So waren wir schneller als gedacht auf der Alp Sigel, eine echte Idylle und schon unbewohnt, denn der Viehabtrieb fand schon statt. Wir machten noch die letzten Höhenmeter bis zur Abbruchkante, von der aus wir schon unsere Unterkunft sehen konnten. Der Abstieg hier hatte was von einem Klettersteig, jedoch mit händischer Absicherung für den Kleinen von vorn und hinten auch ohne das nötige Equipment ungefährlich. So was liebt Täve. Klettern hier, rumsteigen da, festhalten, ausbalancieren. Das raubte ihm die letzten Kräfte. Keine 45 Minuten später waren wir wieder an unserer Unterkunft. Glücklich stellte ich fest, dass Keiner gemeckert hatte und wir mal wieder eine geplante Tour auch komplett beendet hatten.

 


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