Klettersteig Schweiz Alpen Speer

Unser erster Klettersteig

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Einleitung
Der Klettersteig und sein Gipfel
Die Tour und Planung
Nützliche Links und Downloads
Kurzbericht 

 

 

Einleitung  zurück zur Liste

Irgendwann hatten wir mal zwei Klettersteigsets erstanden und die lagen nun eine Zeit lang mit Preisschild im Schrank herum. Täve war nun übers Wochenende bei den Großeltern, also hatten wir Freiraum, mal was in diese Richtung anzugehen. Bei der Recherche war es schwer, herauszufinden, ob der jeweilige Klettersteig viel zu schwer oder viel zu leicht war. Sprich overdressed mit Klettersteig (KS)- Set in einem Klettersteig, wo es auch ohne geht oder bei völliger Selbstüberschätzung erschöpft in einer Steilwand hängen?

Am besten wäre etwas dazwischen gewesen. Bei einer 6 stufigen Schwierigkeitsbewertung von Klettersteigen A bis F und unseren bisherigen Erfahrungen im Freiklettern war ein Klettersteig im Bereich B/C sicher ein guter Anfang. Im Jahre 2013 hatten wir bereits ungewollt mal einen Klettersteig auf den Vorderen Glärnisch ohne KS-Set bezwungen, mit Täve in der Trage. Dieser Steig ist als A/B kategorisiert. Also sollte der Speer Klettersteig ein guter Einstieg sein, zumal Andere davon berichteten, diesen ohne KS-Set bezwungen zu haben.

Ich wusste natürlich um die Höhenangst von Yvonne. Doch mittlerweile kann sie gut damit umgehen und sie wollte neue Erfahrungen sammeln. Eine Sache aber bereitete mir Sorgen, ob wir mit den größeren Rucksäcken dort ohne Probleme hochkommen würden. Ich hatte meine große 90L Bach Kraxe auf, Yvonne ihren 35L Mammut Tourenrucksack. Inwieweit uns dieser Ballast bremsen würde, sollte sich dann vor Ort zeigen. Das Gepäck musste aber mit, wir wollten ja biwakieren.

 

 

Der Klettersteig und sein Gipfel  zurück zur Liste

Der Speer Nordwandsteig ist als Kletterweg bezeichnet, ein kleiner und feiner Unterschied. Man muss also nicht nur steigen, sondern auch mal klettern und das nicht allzu selten. Der Zustieg erfolgt vom kostenfreien Parkplatz Mittelwengi, der auf 1150m Höhe liegt. Von dort geht es bis auf 1700m Höhe zum Startpunkt des Kletterweges, der nun auch blau und mit Warnhinweisen beschildert ist. Man ist also gut aufgewärmt, nachdem man die 550 Höhenmeter hinter sich hat. Nun folgen noch 250 Höhenmeter am Kletterweg. Hier hat man nun noch die Möglichkeit, auf eine Alternativroute gen Osten auf die Bützalp auszuweichen und ggf. den Speer zu umgehen und von Süden einfach zu besteigen.

 

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Da der Weg nördlich ausgerichtet ist, kann zeitig Schnee liegen und lange liegen bleiben, bleibt nach Regen lange nass und schlammig und ist im Sommer schön schattig. Da der Weg aber leicht nordwestlich ausgerichtet ist, hat man am späten Nachmittag dann doch etwas Sonne im oberen Drittel. Mit November waren wir schon sehr spät dran, aber es lag kaum Schnee, jedoch war das Nagelfluggestein leicht feucht und die Tritte teilweise rutschig. Zusätzlich erschwerten die Rucksäcke die Tour. Durchaus denkbar, diesen Steig ohne KS-Set zu bewältigen, dann muss der Weg aber 100% trocken sein, man sollte mit leichtem Gepäck reisen und grundlegende Kletterkenntnisse vorweisen können.

 

 

Der Steig ist gesamt steil, verläuft meist in kleineren Verschneidungen, wo man mit Spreizen und Klemmen in Spalten gut die rutschigen Tritte meiden kann. Ich kann mich an 4-5 exponierten, nicht gesicherte Stellen erinnern, die ca. 3-4 Meter hoch waren. Hier musste man beherzt zugreifen, trockene Tritte finden und hochsteigen. Anfänger sollten hier definitiv von oben zusätzlich gesichert werden. Das Nagelfluhgestein ist für die Hände griffig und entgegen der Erscheinung auch nicht brüchig. Die Kletterpassagen würde ich in UIAA als II einordnen.

 

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Zwischendurch hat man 3-4 kurze Passagen, wo man ohne KS-Set auf Grasbändern weiter aufsteigt. Im oberen Drittel quert man dann ca. 60 Meter nach Westen auf einem Pfad ungesichert und exponiert zum letzten Abschnitt auf den Gipfel. Hier folgt ein Kriechband, was aber ohne Probleme auch mit großem Rucksack machbar ist, jedoch muss man auf allen Vieren über die Metallbrücke drüber, sonst wird’s eng.

 

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Nach 1 Stunde sollte man dann auf dem 1951m hohen Speer stehen, Manch einer schafft es in 45 Minuten, wir haben uns Zeit gelassen und waren nach 1h20m auf dem Aussichtsplateau, den wir gegen 15 Uhr für uns allein hatten. Auf dem höchsten Nagelflugberg Europas hat man einen fantastischen Rundumblick auf 180 Grad gebirgiger Alpen und im Norden hügeliges Vorgebirge, was bei uns unterm Wolkenmeer versteckt war.

 

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Die Tour und Planung  zurück zur Liste

Es ist verdammt schwierig, in der Schweiz sein Auto kostenfrei und legal irgendwo abzustellen. Überall muss man zahlen und das nicht wenig. Daher war der kostenfreie Parkplatz Mittelwengi ein guter Ausgangspunkt. Mehr als 50 Stellplätze am Ende eine asphaltierten Straße. Wir hatten zwar auch noch andere Klettersteige oder/ und normale Wanderrouten in Betracht gezogen, aber aufgrund der späten Jahreszeit wussten wir nicht so richtig, wo Schnee liegen würde und was noch machbar gewesen wäre. Da Täve bei den Großeltern war, entschieden wir uns für einen Klettersteig, der abseits der bekannten Touristenzentren lag. Säntis fiel also wieder mal aus.

Tage zuvor checkte ich die Webcams. Auf über 2000m lag noch ein wenig Schnee, aber die Sonne trug Stück für Stück ab. Da de Speer knapp unter 2000m hoch ist, rechnete ich mit ein wenig Schnee, packten aber keine Utensilien dahingehend ein (Grödel und Eispickel blieben zuhause).

Zeitlich wusste ich nicht, was ich einplanen sollte, ging aber von 15 Tageskilometern aus und wollte nach dem Speer noch das Mattstock Massiv umrunden um dann am Tag darauf über den Chüemettler Klettersteig wieder zurück zu kehren. Dazu kamen noch so einige Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Daher setzten wir auf leichtes Gepäck und packten nur das Tarp ein.

Da wir mit schwerem Gepäck unterwegs waren, setzten wir vor Ort neben dem Sitzgurt und KS-Set zusätzlich auf einen Brustgurt, der kombiniert mit dem Sitzgurt genutzt werden sollte. Somit sollte der Schwerpunkt weiter oben nahe dem Brustgurt sein und bei einem Sturz ein Überkippen nach hinten durch die Last des Rucksacks verhindern.

Das Gebiet um den Speer und den Chüemettler ließ mehrere Routenoptionen zu, somit plante ich keine Alternativrouten, sondern wollte spontan vor Ort entscheiden, ob die geplante Route fortgesetzt oder ausgewichen wird. Das Wegenetz ist vor Ort gut ausgeschildert, also konnte es losgehen, ab in unseren ersten Klettersteig.

 

 

Nützliche Links und Downloads  zurück zur Liste

Klettersteig.de

Beschreibung des Kletterweges auf klettersteig.de

Outdooractive.com

Beschreibung des Kletterweges auf outdooractive.com

bergsteigen.com

Beschreibung des Kletterweges auf bergsteigen.com

Hikr.org

Beschreibung des Kletterweges auf hikr.org

 

 

Kurzer Bericht  zurück zur Liste

Wir waren spät losgekommen und starteten am Parkplatz erst gegen Mittag. Viel hatten wir bis dahin nicht verpasst, denn alles war im Nebel, keine Aussicht auf das umliegende und bevorstehende Gebiet. Wir folgten erst einmal der Forststraße, die sich im sanften Serpentinenverlauf bis zur Oberen Rossalp hochschraubt. Wir nutzten den direkteren und damit auch steileren Wanderpfad, der parallel zur Straße verlief und kreuzten diese immer mal wieder. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter kam die Sonne mehr zum Vorschein und der Schweiß lief ordentlich.

Nach 1.5 Stunde waren wir an der Rossalp, die Aussicht klar und deutlich auf die Nordwestwand des Speers. Nach 30 Minuten standen wir noch etwas unterhalb am Einstieg zum Kletterweg, an einem Wegweiser. Hier war nun die letzte Option, noch zu kneifen, um nach Osten entweder auf die Bütz Alp abzusteigen oder den Speer östlich zu umrunden um südlich wieder aufzusteigen.

 

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Ein kurzer, skeptischer Blick von Yvonne und schon war der Sitzgurt angelegt. Scheinbar hatte sich heute ihre Höhenangst zu Hause gelassen. Da wir mit schweren Rucksäcken, Yvonne bei 12 kg und ich bei 18 kg, unterwegs waren, legten wir zusätzlich einen Brustgurt an um bei einem eventuellem Sturz nicht nach hinten überzukippen. Wir waren nun startklar und stiegen nach der Pause direkt ein.

 

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Gleich zu Beginn musste man seine Kletterkünste zeigen, ehe man das Stahlseil klinken konnte. Zwei Meter und nun waren wir in der Route drin, gleich mal steil in einer Verschneidung nach oben. Hier unten lag die Route komplett im Schatten, die kleinen Nagelfluhtritte schienen fest zu halten, jedoch die Nässe machte sie fast unnutzbar, so dass man das Stahlseil als Gegendruck nutzen musste um parallelen Druck mit den Füßen auf die Wand aufzubauen. So meisterten wir nun die ersten Abschnitte, jedoch mit Yvonnes erster Erkenntnis, dass es der Klettersteig schon in sich hatte. Bei jeder Crux nörgelte sie, stöhnte und rügte meine Tourenwahl. Mir ging es aber nicht besser, denn genau an diesen Schlüsselstellen hatte ich auch immer ordentlich zu tun, musste Tritte suchen oder beherzter zugreifen.

Immer wieder hörten die Stahlseile auf, wenn man auf ein Absatz kam, kurzer lockerer Schritt, dann ging es weiter. Wir ließen uns Zeit, hinter uns kam Keiner mehr, vor uns sahen wir das letzte Pärchen beim Einstieg. Kein Druck zu haben war aber nur für mich toll, denn Yvonne hatte sich selbst unter Druck gesetzt oder besser ihre aufkommende Höhenangst. Je höher wir kamen, umso exponierter wurde die Tour. Sie wollte nun ohne Pause durchziehen, ich dagegen hätte hier gern pausiert und genossen. Stattdessen musste ich herbeieilen, wenn Yvonne mal wieder vergessen hatte, die Karabiner um zu klinken. Dann wurde ich herbei geschrien um zu helfen. Ich kletterte also fast für zwei, aber Yvonne schlug sich trotz des Meckerns super, meisterte die kniffligen Stellen schneller als gedacht und beruhigte sich mit jedem Erfolgserlebnis mehr und mehr.

Nach 45 Minuten standen wir vor der Westquerung, die ca. 30 bis 50 Meter lang war. Das schmale Band war grasig, aber teilweise schon von Schnee durchsetzt. Der ungesicherte schmale Erdpfad war zwar frei von Schnee, aber matschig. Bald standen wir wieder an einer von gesamt 5 exponierten, nicht gesicherten Stellen. Hier war nun ein beherzter Zug über 2 Meter nötig, um bald wieder nach Osten zu queren. Hier kam nun das Kriechband mit der kleinen Metallbrücke. Trotz unserer großen Rucksäcke konnten wir ohne Problem passieren, mussten uns aber ganz schön klein machen. Mittlerweile wärmte uns die Sonne im letzten Drittel der Tour.

Nun kam noch einmal eine steilere Passage, aber es dauerte nicht mehr lange und gegen 15.00 Uhr standen wir auf dem 1950 Meter hohen Gipfel des Speers. Aufgrund der späten Jahres- und Uhrzeit hatten wir den Gipfel und die grandiose Rundumsicht für uns allein. Ich war stolz auf Yvonne, die mich immer noch dafür verfluchte, sie hier hochgejagt zu haben. Am Abend sollte sich ihre Meinung diesbezüglich ändern.

 

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Wir stiegen nun Richtung Süden zur Alp Oberchäseren ab, die zwischen Mattstock und Speer liegt. Ein weitere Weg verlief oben am Kamm Richtung Westen. Er hätte über den Bütz-Sattel wieder schnell hinunter zum Auto geführt. Wir aber wollten auf dem Plateau zwischen Mattstock und Speer übernachten. Nach 1 Stunde waren wir in der Nähe der Alp angekommen und genossen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Wir hatten beim Abstiege bereits viele Platzoptionen ausmachen können, Wasser war nicht reichlich, aber genug vorhanden. Nach der Pause folgten wir im Schutze eines ins Tal verlaufenen Walles weglos Richtung Tal. Auf einem kleinen Plateau bauten wir unser Tarp auf. Die Sonne war nun verschwunden und es wurde spürbar kälter. Lagerfeuer oder frieren?

 

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Naja, wir beschlossen, uns erst einmal waschen zu gehen. Ein Wasserloch war 50 Meter entfernt. Nach dem Waschen sollte es erfahrungsgemäß schon besser werden und so kam es auch. Nun war uns wieder warm und ein Feuer war gar nicht mehr nötig. Am Tarp kochten wir erst einmal Nudeln und trotz der Abwesenheit von Täve reichte es mal wieder nicht. Der Topf war schnell leer geleckt. Als Belohnung folgte Rum-Cola und Yvonne gestand mir, dass sie es doch toll fand, aber immer mal meckern muss.

Wir ließen unsere erste, und wohl nicht einfachste, Klettersteigtour Revue passieren. Als der Alkohol alle und alles gesagt war, waren wir bettfertig, mit Erschrecken stellten wir fest, dass es erst 21 Uhr war. Nun gut, 11 Stunden Schlaf waren doch mal eine Ansage. Die Nacht verlief ruhig und trocken, sternenklar und trotz 1500 m Höhe sehr mild bei ca. 10 Grad. Yvonne musste ich zwischendurch immer wieder ermahnen, mal wieder ihre Lage nachzujustieren, sie rutschte immer wieder den Hang runter. So eben war der Platz wohl doch nicht oder wollte Yvonne schon einen Vorsprung bergab in Angriff nehmen?

 

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Am Morgen rechnete ich mit Hochnebel oder dicker Suppe, aber im Gegenteil. Die Sonne war zu sehen, der blaue Himmel auch, nur Sonnenstrahlen bekamen wir nicht ab. Während Yvonne noch eine Runde schlief, bereitete ich das Frühstück zu. Entspannt frühstückten wir, schlürften einen heißen Kaffee und stiegen nach dem schnellen Zusammenpacken weiter auf direktem Weg querfeldein nach Unterchäseren ab. Die Alp war bereits geschlossen, wir pausierten dort kurz und folgten dann wieder gleich bergauf in den Talkessel einem Bergpfad, der bald links Richtung Grappenhorn anstieg. Trotz seiner Steilheit war der Weg super. Einsam, wenig begangen und mit toller Aussicht. Bald standen wir auf einem schmalen Kamm, mit direktem Blick auf den Chüemettler, wo sich auch noch ein Klettersteig befindet.

Wir stiegen also in diese Richtung ab und folgten bald nicht mehr dem Pfad sondern weglos den Kuhspuren. Gegen Mittag pausierten wir an der Wegekreuzung Furggen, wo man die Wahl hat, zum Speer oder Chüemettler zu laufen oder aber Richtung Mittelwengi oder Federispitz auszuweichen. Wir entschieden uns für den etwas mühsamen, aber dafür kürzeren Abstieg zum Parkplatz zurück. Den anderen Klettersteig wollten wir uns mal für später aufheben. Dieser sollte nicht so schwer sein und wir waren uns sicher, dass so was Täve auch viel Spaß machen würde.

 


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