Schwarzwald 2015 |

Wild Zelten im Schwarzwald  |  Das etwas andere Wochenende

 


 

Vorwort

Das Leben schreibt Geschichten ohne Ende. Damit sie interessant und erinnerungswürdig sind, muss man aber selbst was dafür tun, aktiv werden. Das nahmen wir zum Anlass, endlich wieder mal zelten zu gehen. Oben auf unserer Liste stand zum einen der Schwarzwald, zum anderen die Bedeutung „wild zelten“ mal richtig ernst zu nehmen und einfach dort das Zelt aufzuschlagen, wo wir es wollten. Ist das denn legal? Die Gesetzesbücher verbieten es strikt, jedoch findet man auch Gesetzeslücken, die es widerlegen. Näheres werden wir hier demnächst mal näher unter der Rubrik Wisssenwertes diskutieren und erläutern. Auf jeden Fall war uns klar, dass wir uns nach dem Motto „Leave nothing but your footprints“ verhalten sollten und nur Plätze wählten, die nicht einsehbar waren. Donnerstag noch schnell im Akkord alles gepackt, Chariot war wieder unserer Lastenesel, Freitag in der Mittagspause noch der Einkauf und nach Yvonne’s Feierabend ging es ab in Richtung St. Georgen, 1 Stunde Fahrt. Die Route findet Ihr am Ende des Textes.

 

Der 1.Tag: Unser erstes Mal

Ankunft am Wanderparkplatz. Keine Sau mehr da, logisch. Es war ja schon 19.30 Uhr und die Sonne kitzelte schon die Baumwipfel. Da das Camp nur 3 Kilometer entfernt war, schmissen wir ungeordnet alles in den Chariot, Täve bekam seinen Roller, wir warfen uns die Rucksäcke leger ohne Hüftgurt über die Schultern und los ging es.

Kennt Ihr das? Man plant am Rechner einen Trip, zoomt über Google Earth das Ganze ran und findet eigentlich nichts Spektakuläres an der Landschaft. Bildet sich seine Meinung und fertig ist der Stempel „Viel Wald, viel Wiese = langweilig“. Genau so ging es mir mal wieder bei dieser Tour. Die ersten Schritte vom Auto weg durch die Wälder, an Wiesen vorbei, weitschweifende Blicke über Täler, grandiose Aussichten auf andere Bergkuppen. Der Moment war perfekt. Yvonne meinte nur „Unvorstellbar, wie schnell Mutter Natur es schafft, entspannt zu sein“. Das i-Tüpfelchen war dann der Blindensee. Leider NSG, ansonsten wäre dieser Platz unsere erste Wahl gewesen. Wir spähten allerdings schon eine Badestelle aus um später noch einmal zurückzukehren.

Keine 5 Minuten vergingen und wir waren wieder aus dem NSG raus und die Campsuche begann. Ich durchsuchte die Wälder links und rechts des Weges, ein sichtgeschützter Platz zwischen Fichten war schnell gefunden. Hier sollten wir unser erstes Mal haben: wild zelten! Nun mussten wir uns ins Zeug legen. Es dämmerte bereits und mit Täves Jammern „Hunger, Essen, bla bla bla“ im Nacken liefen wir zu Höchstform auf. Bald saßen wir zu Dritt im engen Kreise auf dem trockenen Mossboden und feuerten unseren neuen Holzkocher (kurz HoBo) an. Trockenes Kleingeäst lag griffbereit um einen herum. Schnell leuchtete eine 30cm hohe Flamme den Platz aus und bald war genug Glut da um das Essen zu kochen. Die Nudeln noch nicht mal Al-dente, die Weinflasche aber schon geöffnet. Jaja, Wein muss lange atmen. Bei uns macht er das im Mund.

Es war sternklare Nacht, ohne den kleinen Kocher wäre es zu kalt draußen gewesen. Aber so schenkte er wollige Wärme. Jeder warf ab und an einen fingerdick und -langen Stock in den Schlund und die Lagerfeuerstimmung war perfekt. Währenddessen, ohne es zu merken, war Täve in Yvonnes Armen eingeschlafen. Wir packten ihn warm ein und quatschten noch eine Weile über dies und das und bereuten es wieder ein Mal, sowas nicht öfters zu machen, wo wir doch selbst am besten wissen, was es einem alles schenkt. Gegen 23 Uhr war der Wein alle, im Umkreis von 1 Meter kein Holz mehr zu finden, also Lichtlein aus und ab in die neuen Polar-Schlafsäcke, eine Anschaffung, die nach den isländischen Nächten im Sommerschlafsack echt überfällig war.

 

Der 2.Tag: Zum Vergessen

Gut, wir wussten, dass wir an dem Wochenende kein Heldenwetter bekommen würden und nach Island waren wir dermaßen abgehärtet, dass uns keine Wetterprognose von unserem Vorhaben abbringen konnte. Also rechneten wir jeden Moment mit den ersten Regentropfen. Ich war bereits gegen 7 Uhr munter, im Zelt roch es nach Mensch, also öffnete ich das Außenzelt und just in dem Moment fing es an zu nieseln. Ich stand also schon mal auf und spannte das Tarp auf, da ich ungern im Zelt frühstücken wollte. Es war ja warm draußen. Wir ließen uns Zeit, es gab Kaffee, Brötchen und idyllische Ruhe mit Vogelgezwitscher. Danach hatten wir uns gesehnt.

Es hatte immer mal wieder genieselt, beim Verpacken der Utensilien blieb es aber trocken. Das Wetter hielt sogar ohne Regen bis zur Mittagspause durch.  Ab und an lächelte die Sonne, es waren angenehme Wandertemperaturen. Die Landschaft bot immer atemberaubende Weitblicke über die hügeligen Wälder und bachrauschenden Täler. Wir machten den HoBo an um das Essen vom Vortag warm zu machen. Nach der Pause ging es mit vollen Magen in die Rampe auf den Kamm rein. Und genau hier wollte Täve mal wieder in den Buggy. Geht’s noch? Auch ohne 20kg war ich bereits am Limit. Mit ihm wären mir vermutlich die Gelenke weg gebrochen. Oben auf dem Kamm angekommen, erreichten wir mit schnellem Schritt geradso noch einen Unterstand und dann brach der Regen über uns herein.

Regen und steile Rampen gefallen Täve nicht so sonderlich, also nahm er im Buggy Platz und wir beschritten den Weg bei Nieselregen und zunehmender Nebelsuppe weiter. Bald kratzten wir an der 1200 Meter Marke. Es war empfindlich kalt und zum vergessen. Bloß schnell wieder runter ins Tal. Täve nutzte den langen Downhill mit seinem Roller genüsslich aus. Wir hatten bei dem Tempo zu tun mizukommen. Der Nebel ließ wieder nach und auch der Regen hielt sich in Grenzen. Eigentlich wollten wir noch im Abstieg Camp 2 beziehen, aber links des Weges ging es steil bergauf, rechts steil runter. Keine Aussicht auf 4qm ebene Zeltfläche. Wir hatten uns als Tagespensum 15km vorgenommen. Die hatten wir aber bereits auf der Bergkuppe geknackt. Beim Erreichen der Talsohle in Grießbach zeigte das Navi bereits 22km.

Tja, ich hatte mich in der Abfahrt wieder abgekühlt, die Sachen waren wieder trocken. Also nix wie rein in den neuen saftigen Anstieg, mit Wiese und Schotter bestückt. Ich wollte es mir vorm Campieren noch einmal so richtig geben, aber es war ein kurzes Intermezzo. Keinen Kilometer Anstieg hinter uns, entdeckten wir nach einem Bach einen ebenen, nicht mehr genutzten Weg, den wir rechts verließen. Genau auf diesen Weg passte unser Zelt. Wir spannten auch gleich das Tarp noch vorm Zelt auf, denn es war gerade mal 5min trocken, die Zeit mussten wir nutzen. Zwischenzeitlich nieselte es mal, ein kurzer Schauer oder mal wieder kurze Zeit nichts. Tendenziell wurde es aber weniger Regen, aber dafür sanken auch die Temperaturen. Mir bot sich ein isländischen Dejavu. Meine Frau und Kind im Zelt in Schlafsäcke eingepackt und ich davor, am Essen kochen und leicht bekleidet. Irgendwie haben wir unterschiedliche Wohlfühltemperaturen.

Nach dem Essen quälte ich mich zum Bach vor. Schweiß und Dreck hatten auf meiner Haut die Oberhand gewonnen, das musste runter. Viel Wasser vom bach brauchte ich nicht, just nackt am Bach stehend, gabs wieder eine Dusche von oben. Am Anfang ein wenig Frieren, dann kam bald Wohlbefinden auf. Mit frischem Mandelduft in der Nase gings nackt in Wanderschuhen zurück zum Zelt. Gott, wäre mir jetzt Einer entgegen gekommen! Ich trocknete mich ab und stützte meine Hand auf dem Zeltboden ab. Hilfe, was war das? Der ganze Zeltboden nass, die Isomatten schwammen im Zelt. Zum Glück waren noch die Klamotten und Schlafsäcke trocken geblieben. Doch was war passiert?

Schnell begriff ich den ernst der Lage und warum unter uns alles so nass war. Die Zeltunterlage hatte es beim Aufstellen verschoben und lang leicht erhöht außerhalb des Aussenzeltes. So lief das Wasser am Aussenzelt runter auf die Zeltplane und versickerte nicht im Boden. Von der Zeltplane lief es den leicht geneigten Hang unterm Zelt entlang. Daher kam die Nässe. Zusätzlich bemerkten wir, dass die Nähte nach 17 Jahren Benutzung auch gelitten hatten. Ich zeriss also die Schutzplane des Buggy und legte sie über die Schadstellen des Zeltes. Das half sofort und nachdem die Zeltplane unterm Aussenzelt lag, war auch der nassen Unterboden Geschichte. Wir hatten uns dieses Mal für das alte grüne Salewa Sierra Leone Zelt entschieden, da es leichter und grün war und im Wald nicht so schnell wie das rote Hilleberg zu erkennen war. Jetzt aber war klar, dass wir uns auf jeden Fall noch ein grünes und leichteres Hilleberg zulegen, ein Kaitum, Nallo. Irgendsowas in der Art. Die ganze nacht tasteten wir noch panische die Zeltinnenwände nach Nässe ab, nur der Alkohol verschaffte uns einen ruhigen Schlaf.

 

Der 3.Tag: Die Entschädigung

Ich hatte am Vorabend noch das Regenradar angeschaut, es sah gut für unsere Region aus. In der Nacht hörte es auf zu regnen und am Morgen standen wir bei leicht bewölktem Himmel auf. Die Sonne lachte schon die Berge gegenüber an, 1 Stunde später, mitten im Frühstück beim Kaffee, wärmte sie uns dann auch. Trotzdem waren die Klamotten vom Vortag durchnässt, ein weitere Nacht wäre fast nicht drin gewesen, aber heute war ja nur noch unser Auto das Ziel. Es lagen noch ca. 10 bis 13km vor uns. Genau wusste ich es nicht, da die Planungen am Rechner ja nicht identisch dem Wegeverlauf folgen, sondern nur grob die Wegerichtung anzeigen. Egal, wir hatten genügend Zeit und gingen entspannt ans Klamotten packen. Dabei wärmte ich mich gleich für den bevorstehenden Anstieg auf. dieser führte uns auf 1100m und raus aus dem Wald auf lichte Hügel. Die Sonne kam ab und an raus, es blieb trocken und es war warm. Danke Gott für die Entschädigung.

Kurz vor Ende des Anstieges nahe dem Brend pausierten wir und es gab warmes Mittagessen, wieder Nudeln vom Vortag. Danach ging es noch 100 Höhenmeter aufwärts und die Schlacht war gewonnen. Ab hier liefen uns aller paar Meter wieder Wanderer über den Weg. Die hatten wir die letzten 2 Tage vermisst. Man beäugte uns skeptisch, aber das sind wir doch gewohnt. Dann ging es immer weiter ab ins Tal, unbewusst an der Bregquelle, der Donauursprung, vorbei. Hätten wir uns gern angeschaut, aber was solls. Gegen 16 Uhr erreichten wir unser Auto und waren total glücklich über die Tour, das Wochenende und das Erlebnis als Ganzes. Das Wetter verblast irgendwann und nur die Erinnerungen werden später wieder eine Rolle spielen.

 


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