Der sächsische Fels  |  Die Wiege des Freikletterns

 

 

Vorwort

Hier werde ich nach und nach die Sächsische Schweiz primär als Kletterparadies näher beschreiben, jedoch auch ab und an mal  tolle Wanderwege, Klettersteige und Boofen erwähnen. Es wird auch nicht die Geschichte zu kurz kommen, wie ich zum Klettern gekommen bin und wie ich das ganze erlernt habe. Außerdem werde ich speziell auf die Kletterwoche mit Bernd Arnold eingehen, wo ich jetzt noch gern in Erinnerungen daran Gänsehaut bekomme. Ich hoffe, dass ich altes haptisches Bildmaterial einscannen und hier veröffentlichen kann. Da meine sehr aktiven Zeiten bereits 12 bis 15 Jahre zurückliegen, kann diese Aufarbeitung hier eine Weile dauern. Ich hoffe jedoch, dass ich bald wieder zu der Passion Klettern mit Hilfe meiner Freundin als Kletterpartner zurückfinden werde. Ich hatte damals unfreiwillig damit aufgehört, da mir der Kletterpartner abhanden gekommen war. Nein , keine Sorge, er mir zu unzuverlässig und bei dieser Sportart muss man sich blind auf den Partner verlassen. Mal sehen, wo uns das Engagement und die leider vorhandene Höhenangst von Yvonne noch hinführen wird. Vielleicht kann man Höhenangst ja bekämpfen? Habt Ihr einen Tipp?

 

Eine vorauszusehende Liebe | Der Sandstein und ich

Seit 2010 habe ich den sächsischen Fels nicht mehr berührt und beim Schreiben dieser Zeilen kommt schon Sehnsucht auf, was ich da zurück gelassen habe. Im Jahre 1997 begann alles bei einer mehrtägigen Wandertour mit den Gebrüdern Holger und Nico. Holger, mein langjähriger Schulkamerad und skandinavischer Urlaubsgefährte wollte nie klettern, daher sind wir im Elbsandstein immer nur boofen (biwakieren) gewesen. Doch sein älterer Bruder Nico war angetan, wie ich, vom Sandstein und den kletterbaren Wänden.

Wir brachten uns in der Halle den Winter über also die Grundlagen bei. Schnell sahen wir Erfolge, schraubten unsere Ansprüche immer mehr nach oben und konnten es kaum erwarten, draußen richtig los zu legen. Frühling ’98 und als Duo mit jeder Menge Ausrüstung im Gepäck wagten wir uns an die ersten leichten Routen im IIIer Bereich heran. Ich wurde einstimmig als Vorsteiger erkoren, wir Beide kletterten aber stets auf dem gleichen Niveau. Erste Schritte unternahmen wir an sogenannten Quacken, kleinere Felsblöcke, deren Routen meist nie länger als 10m sind. Was war das für ein Gefühl, den rauen Felsen zu berühren, draußen an der frischen Luft zu sein, die Natur atmen zu hören.

Unsere bevorzugten Felsen lagen in dem Gebiet der Steine, also linkselbisch im Bereich von Papststein bis zu den Rauensteinen. Gegenüber der Halle war und ist hier draußen so einiges anders. Außerhalb der Sächsischen Schweiz werden die Kletterer meist als stark suizidgefährdet belächelt. Warum? Die Routen sind nicht alle 2m mit Ringen oder Haken versehen. Routen bis zum VI-ten Bereich weisen oft gar keine Ringe auf. Also muss man sich Sicherungen selbst bauen. Dazu aber später mehr in der nächsten Rubrik.

Wir mussten also hier draußen weiter lernen und das konnten wir nur bei intensiven Klettern. Also hieß es Freitag Nachmittag raus an den Fels, zwei Nächte in einer Boofe pennen und Sonntag Abend wieder nach Dresden. Oft waren die Hände wund geklettert, die Arme und Beine zerschunden vom Rissklettern, aber wir bekamen Sicherheit und Routine rein ohne leichtsinnig zu werden. Bald standen schwere Routen an, gepaart mit Mehrseillängen. Das fanden wir dann im Rathener Gebiet. Im V-er bis VI-er Bereich war nun alles möglich und kein Problem mehr. Die Technik wurde perfektioniert, Schlüsselstellen sicher gemeistert. In dieser Zeit gab es für mich nur eines: Klettern ohne Limit.

Das Jahr darauf waren Ring-Touren an der Reihe, die ersten im VII-er Bereich. Anfangs noch Toprope, dann aber auch schon kürzere Routen im Vorstieg. Bald aber war ein Limit erreicht, im Kopf aber auch bei der Physis. Selten kamen wir über den VII-er Bereich hinaus. Nur eine handvoll VIII-er darf ich mein eigen nennen, würde sie gern auch konkret benennen, aber mein Kletterbuch ist mir abhanden gekommen, sonst könnte ich noch tiefer in Erinnerungen schwelgen.

Irgendwann trennten sich dann die Wege von Nico und mir und fand nie wieder einen ebenbürtigen Kletterpartner. Dieser Sport schlief nach und nach ein, ich trauerte lange hinterher. Meine damalige Freundin schenkte mir zum krönenden Abschluss noch einmal eine Kletterwoche mit Bernd Arnold, die mich noch einmal beflügeln sollte, über mich hinaus zu wachsen.

 

 

Klettern im sächsischen Fels | Das besondere Erlebnis

Ich bin im Fränkischen Jura schon genau so geklettert wie im Schwarzwald, aber immer wieder fand ich die puristische Art am sächsischen Felsen zu klettern schöner. Kein Magnesia nötig, denn der Sandstein trocknet die Hände auch so gut aus. Mehr Genussklettern als Sportklettern, denn man klettert weit unter seinem Können, da nicht alle 2 m Ringe vorhanden sind, die einem den Arsch retten können.

So muss man sich also selbst behelfen. Ein umfangreiches Repertoire aus unterschiedlichen Schlingen und Längen beschwert also den Gurt. So werden dann mit Sackstich versehen diese in Risse und Spalten gelegt oder durch eine Sanduhr gefädelt. Nicht selten titulierte man seine eigene gebaute Sicherung als „rein psychologischer Art“. Die seltenen Ringe versprechen teilweise aber auch nicht mehr Sicherheit, veraltet, rostig und offen gelegt. Da vertraute man dann lieber einer selbst gebauten Sicherung.

Das Schöne am Sächsischen Fels sind die unterschiedlichen Strukturen, die einem manchmal mehr, manchmal weniger Halt bieten. Reibungsklettern, Rissklettern, gar Überhänge, aber auch Verschneidungen und exponierte Kanten. Für jeden Geschmack und jede Schwierigkeit ist was dabei. Von kleinen 10m hohen Felsen bis zu Mehrseillängen. Auf manchen Kletterfelsen gibt es Alte Wege im I-er Bereich, aber auch Routen im XII-er Bereich, die meiner Raufasertapete im Wohnzimmer ähneln.

Am Gipfel der Felsen findet man immer ein Gipelbuch, wo nach strengen Regeln eingeschrieben wird, eine Abseilöse, die Einen wieder heil nach unten bringt und natürlich atemberaubende Ausblicke. Bei den Kletterfelsen handelt es sich mit einigen wenigen Ausnahmen immer um alleinstehende Felsen, die freistehend sind und nicht vom Wanderer und ohne Kletterkönnen erklommen werden können.

 

 

Kletterwoche mit Bernd Arnold | Einer Kletterlegende ganz nah sein

Wer im sächsischen Fels groß geworden ist, dem ist der Name Bernd Arnold genauso ein Begriff, wie in der Frankenjura Wolfgang Güllich. Egal, in welchem Gipfelbuch man sich einträgt, es gibt da immer einen Eintrag von Bernd. Sein Heimatort Hohnstein liegt zentral in der Sächsischen Schweiz, wo auch sein kleines, feines Outdoor Lädchen sehr zu empfehlen ist. Auf dem Campingplatz Entenfarm startete meine einwöchige Kletterwoche, die ich von meiner damaligen Freundin geschenkt bekam. Anfangs wusste ich nicht, was ich hier eigentlich zu suchen hatte, aber die handvoll Kletterer waren ein bunt durch gemixter Haufen, ich war ein der besseren Mitte angesiedelt.

Auf dem Programm standen Sturztraining, Vorsteigen, Nachsteigen, Sicherungen legen und einfach nur klettern. Wir hatten eine tolle Sommerwoche im Juni 2005 erwischt, nie Regen, immer trockener Fels. Am ersten Abend gemeinsames Grillen am Campingplatz, danach Aussicht genießen am Balkon der Sächsischen Schweiz. Bernd, ein ruhiger Zeitgenosse mit Pfeife, strahlte eine innere Zufriedenheit über sein Leben aus, erzählte von seinem Leben, seine Kletterkarriere, seinen Begegnungen mit Albert, Güllich & Co.

Am nächsten Tag stand Sturztraining an, freier und kontrollierter Fall in das Seil mit anschließendem 3m Sturz. Mut zum Loslassen und Vertrauen ins Material. Dann ging es auch schon an die Felsen. Es ist 13 Jahre her, die Reihenfolge und Wegenamen kann ich leider nicht mehr eindeutig zuordnen. Erinnern kann ich mich aber an einen Klettertag am legendären Papst am Papststein mit anschließenden Abendessen in der gegenüberliegenden Berggaststube. Die Tage darauf statten wir der Raaber Säule und der Gansscheibe einen Besuch ab. Ein anderes Mal Sechserturm und Höllenhundwächter.

Mein größtes Highlight war dabei die Bewältigung der Route „Leben in den kleinen Felsen“ an der Gansscheibe, erstbestiegen von Bernd Arnold 1979. Obwohl ich immer nur bis zum unteren VIII-ten Grad gekommen war, trieb mich Bernd voran. Diese Route verspricht RP IXa und ich brauchte mehrere Anläufe, damit Bewegungsläufe passten und ich die Route durchsteigen konnte. Danach bin ich nie wieder so was schwere geklettert.

Glücklich und mit einigen tollen anderen Resultaten im Gepäck beendete ich diese tolle Kletterwoche, bei der man nie das Gefühl hatte Schüler zu sein. Es war Klettern mit Freunden, Tipps unter Kumpels, Hilfestellungen unter Bekannten. Ich kann Euch nur empfehlen, eine Kletterwoche mit Bernd Arnold zu wagen, ein unvergessliches Erlebnis.


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