Norwegen Schweden 2009 |

Norwegen und Schweden | Yvonne entdeckt die Natur

Vorwort

Wir waren gerade mal ein Jahr zusammen und langsam war es an der Zeit, auszutesten, wie weit ich mit der „Neuen“ gehen kann. In den Beziehungen zuvor hatte ich mich immer in das Korsett Pauschalreise schnürren lassen, das wollte ich kein weiteres Mal durchmachen. Ich hatte gemerkt, dass es für mich nur eine Art des Reisens gibt, ber der ich mich glücklich und wohl fühle.

Yvonne aber gleich ins kalte Wasser zu werfen wäre falsch und nicht zielführend gewesen. Also plante ich eine Kombination aus allem. Mit dem Auto durch Skandinavien und dabei mal im Auto pennen, mal auf der Fähre, mal im Hotel, mal im Zelt. Auf dieser Reise sollte sie mein wahres Gesicht kennenlernen und ich ihres.

 

Die Reise

Mit überladenem Golf Kombi bewegten wir uns in Richtung Kiel. Die ganze Fahrt sahen wir uns nicht, obwohl Yvonne neben mir saß. Wir hatten den Dachsarg im Auto zwischen uns arretiert, damit es mit Maximaltempo auf den Autobahnen voran ging. Zwischenstopp Itzehoe, wir holten noch zwei Thermarest Chairs ab, die wir über das Globetrotter-Forum günstig ergattert hatten. An der Fähre wurden wir dann mit einem Lächeln bestaunt. Es sah so aus als wüssten wir nicht, wo der Sarg hingehört, nämlich aufs Dach. Mit Peinlichkeiten würden wir noch genug konfrontiert werden, diese fiel unter die Kategorie nicht erwähnenswert. Pünktlich waren wir auf der Fähre nach Oslo. Die Nachtfahrt verbrachten wir in einer Innenkabine und kamen ausgeschlafen am Morgen darauf in Oslo an. Oslo stand erst am Ende unserer Reise auf dem Plan, also schnell raus aus der Stadt und rein in die Norwegische Fjordlandschaft.

Gleich am Ortsausgang Oslo’s quälte sich sanftmütig ein Elch über einen Kreisverkehr. Der Natur doch schon so nah? Fein, ich durchsuchte Jahre zuvor die Wälder nach diesen Geschöpfen udn sah kein einziges davon und dann nimmt es einfach mal so am Straßenverkehr Oslo’s teil. Wir bewegten uns weiter Richtung Hardangervidda. Größeres Ziel dieser Reise war Molde, wo Yvonnes Schwester vor Jahren hingezogen war. Für uns war aber der Weg das Ziel, so hielten wir hier und da an, genossen, was wir sahen. Das Wetter verschlechterte sich mit jedem Kilometer. Die Hardangervidda war völlig vernebelt und regnerisch. Eigentlich wollten wir hier unsere 1.Nacht verbringen, fuhren aber noch von der Hochebene runter und schlugen unser Nachtlager an einem Rastplatz auf. Es war spät, keine Sau kam mehr vorbei außer zwei junge Deutsche. Wir teilten uns das Holzpavillion und quatschten noch bis spät in den Abend. Die Nacht im Auto war okay, aber keine Dauerlösung.

Die darauffolgenden fünf Tage führten uns an Fjorden vorbei. Es wurden eine Menge Fähren genutzt und auch das Geirangerfjord wurde mit einer Minikruezfahrt passiert. Es ging die Trollstigen hinab, eine eindrucksvolle Seprentinenstraße. Die Natur wechselte sich nur wenig ab. Meist Berge, meist Mosse und Flechten, viele Wasserfälle und Fjorde. Wenn man das aber liebt wie ich, dann ist die Eintönigkeit genau richtig. Wir schliefen nun immer wild im Zelt, meist unweit der Straße, aber immer mitten in der Natur. Wer Skandinavien kennt, der weiß, dass 2m nach der Straße die Wildnis anfängt.

Zwischendurch bauten wir eine Zweitageswanderung zur Flatbretthütte ein. Gleich im ersten Steilanstieg lag Yvonne wie ein Käfer auf dem Rücken da. Super, wie sollte das hier nur weitergehen? Es pegelte sich aber alles ein. Die Wanderung war am Ende ein tolles Erlebnis. Mich erwischten zwei Wanderer mitten in meinem großen Geschäft, die lachend und laut grüßten. Unten durfte ich dann selbigen Starthilfe beim Auto geben. Glaubt mir, nichts ist peinlicher. Yvonne war ein wenig deprimiert über ihre Leistung, aber es stand ja noch der Kungsleden an. Vorzeitig kapitulieren war noch nie mein Ding.

Weiter ging es nach Norden. Nach gefühlten 5000km kamen wir bei Sandra in Molde an. Da man mit nur 90km/h durchs Land fahren darf, hat man viel Zeit für andere Dinge und kann auch mit Dachsarg auf dem Dach fahren, aber es kommt einem am Ende unendlich lange vor. Das verlängerte Wochenende bei Sandra und Reik war schön, wir besuchten einen alten Stützpunkt aus den ’45er Zeiten und erkundeten die umliegende Natur, gingen Angeln. Schon eine tolle Gegend um zu leben. Dann trieb uns der Aktionismus weiter..

Der Weg führte uns über Trondheim weiter auf der E6 Richtung Norden. Irgendwo auf diesem Weg übernachteten wir wieder in der Wildnis, abseits der Straße. Am darauffolgenden Morgen dann weiter bis Mo I Rana um nun nach Schweden nach Hemavn zu fahren, dem südlichen Ausgangspunkt des nördlichen Kungsleden.

Hier packten wir wieder unsere Rucksäcke um ein paar Tage ins Fjell zu ziehen. Das Zelt war dabei, aber irgendwie zog es uns bei schmuddeligen Wetter immer wieder in die Schutzhütten. Zum ersten Mal sahen wir eine vorbeistreifende Rentierherde und nächtigten gesamt 2 Nächte.

Yvonne hatte Freude daran gefunden, also wollten wir auch gleich noch den südlichen Kungsleden abhaken und fuhren nach Storlien. An der E14 in Rundhögen parkten wir das Auto und 3 Nächte wieder los. Wir hatten an den Schutzhütten Gefallen gefunden, aber das Zelt war mit dabei. Damals waren wir noch nicht so hart im Kopf wie heute und besaßen auch noch nicht so ein sturmsicheres Zelt. In den Bergen war es wieder mal stürmisch und regnerisch. In einer Hütte sollte das uns fast zum Verhängnis werden. Nächtigen in Schutzhütten ist nicht so gerne gesehen, obwohl schriftliche Hinterlassenschaften an den Hüttenwänden eine andere Sprache zeigten. Jedenfalls stellten wir uns den Wecker auf 7 Uhr, schliefen mal nicht bis 9 Uhr aus. Wir packten alles zusammen und frühstückten. 8 Uhr standen die ersten Wanderer in der Hütte. Bloß gut, dass sie uns nicht beim schlafen überrascht hatten.

Nach dem Kungsleden standen Revue passierend und für unsere heutigen Verhältnisse eher nichts Atemberaubendes mehr auf dem Programm. Auf dem Weg nach Stockholm übernachteten wir noch einmal an einem romantischen See. Dann eine Nacht auf einem Campingplatz nahe Drottningholm, später eine Nacht Stockholm. Bald hieß es Oslo ansteuern, aber noch einmal eine Nacht am Dalslandkanal in Tocksförs. Nach einer weiteren Nacht in Oslo ging es dann mit der Fähre wieder nach Hause.

Wir legten ab und die Sonne zeigte sich und unsere bis dahin umsonst mitgeschleppten Sonnenbrillen kamen zum Einsatz. Auf der Fähre konnte ich das Abendessen dann allein genießen, Yvonne bekam die ganze schaukelige Fahrt nicht so ganz.

 

FAZIT

Im Nachhinein und nun mittlerweile fast 7 Jahre her kann ich nur sagen, dass dieser Urlaub den Ausschlag zu unseren weiteren Unternehmungen gab. Yvonne’s Reaktion war „Hat Spaß gemacht“. So haben wir nun über die Jahre hinweg immer mehr Spaß gehabt und werden es in weiteren Urlauben noch haben. Das neben Spaß auch das Abenteuer nie zu kurz kommen darf und wird, ist selbst klärend.


^
Instagram