Neufundland Trailway 1750km Radwandern

Kanada | Neufundland | Newfoundland | St Johns

Neufundland Trailway 1750km Radwandern
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Live Tracker zu unserer Tour ab 10.August
Reiseziel im Überblick
Einleitung
Neufundland? Wo liegt das denn?
Interessante Fakten – Eine Insel der Superlative
Vorbereitung und Planung
Die neue Art zu wandern | Das Rad, die Vorteile, das Erlebnis
Mein Rad ist mit dabei | Tipps zum Radtransport
Unsere Tour im Überblick
Nützliche Links und Downloads
Reisebericht

 

 

Live Tracker zu unserer Tour ab 10.August  zurück zur Liste

 

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Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Kanada Ostküste | Neufundland

Reiseroute

ab/an St Johns, 1750km quer über die Insel in einer Achter Schleife, teilweise auf asphaltierten Straßen, teilweise auf dem schottrigen T'railway

Reisezeit | Dauer

9.August bis 05.September 2019, 4 Wochen

Klima | Wetter

subarktisches Klima | kühlere Sommer, schnelle Wetterumschwünge

Reiseart | Aktivität

mit Rad | auf Straßen und Schotterpisten mit dem Reiserad unterwegs

Übernachtung

1. und letzte Nacht im Hotel in St Johns, der Rest wild im Zelt, es gibt auch einige Campingplätze, die werden wir aber nur notfalls ansteuern

Flora | Fauna

Wälder, viele Seen und Flüsse, aber auch endlose Wiesen | Schwarzbären, Karibus, Füchse, Squirrels, Stachelschweine und jede Menge Elche und Mücken

Sicherheit | Tourismus

sehr sicher | wenig Pauschaltourismus, eher Individualtouristen und Backpacker

Anreise

Mit Flugzeug (Condor oder Air Canada) via Festland nach St. John's

Wildnis Faktor

extrem hoch | wild zelten, viel Natur, wenig Menschen, viel Wasser in Form von Seen und Flüssen

Kocher Info

viele Tankstellen, Thema Gaskartuschen folgt

Einkaufsmöglichkeiten

viele kleine Orte mit Minimärkten, aber auch große Walmarts | dennoch 300km auch mal ohne Supermarkt

 

 

Einleitung  zurück zur Liste

Immer wieder wurden wir in letzter Zeit von Freunden, Bekannten und Verwandten gefragt, wo es denn dieses Jahr wieder hingeht. Bis vor kurzen hatten wir uns damit auch sehr bedeckt gehalten. Nicht, weil wir daraus ein Geheimnis machen wollten, sondern weil wir noch kein festes Ziel im Auge hatten. Es kam so viel in Frage und doch war nichts richtiges für uns dabei. Es war ein ständiges Hin und Her. Hatten wir mal ein Ziel anvisiert, gab es nicht die passenden Flüge oder irgendwas stimmte an der Destination nicht.

Es war wie verhext und schon bald machte ich mir Sorgen, ob wir 2019 überhaupt in die Ferne reisen würden. Ein Urlaub in Europa? Nein, auf keinen Fall. Überall zu überlaufen. Mal wieder stießen wir auf Nova Scotia und Neufundland, doch auch hier sprach vieles gegen einen Wanderurlaub. Ein zu großes Reiseziel, um am Ende wirklich sagen zu können: Man hat die Region wirklich gesehen. Es wären kleine Wanderungen in verschiedenen Ecken geworden, verbunden mit langen Transferzeiten in Bussen und Flugzeugen.

Dann kam mir aber die spontane Idee, und ja wir hatten sie schon immer im Kopf, endlich mal eine Radtour in Angriff zu nehmen. Täve ist mit 8 Jahren alt und fit genug, auch mal etwas länger in die Pedalen zu treten. Ich konzentrierte mich auch Neufundland bei der Planung um so wenig wie möglich Zeit für Transfers nach/von Nova Scotia mit einzuplanen.

Es war ein langer, beschwerlicher Weg bis die Tour für Neufundland stand, aber nun können wir mit ruhigem Gewissen sagen, dass wir wieder einmal einen genialen Plan haben: Mit den Reiserädern 1750km durch Neufundland in einer 8ter Schleife, unserer Lp. Klar, wird uns auch dieses Mal jeder einen Vogel zeigen, wie immer. Sind wir ja gewohnt. Wenn man aber mal die Zahl näher betrachtet und auf 30 Tage verteilt, sind es nur 60km am Tag. Wir haben ergo 8-10 Stunden dafür Zeit. Das sollte doch machbar sein, oder?

 

(N)irgendwo zwischen Grönland und Labrador (Quelle Karte Openstreetmap)

 

 

Neufundland? Wo liegt das denn?  zurück zur Liste

Klar, wenn uns Jemand fragt, wo es dieses Mal hingeht, könnte man auch einfach mit „Kanada“ antworten. Aber mal ehrlich, wenn Ihr Urlaub auf Mallorca macht, sagt Ihr ja auch nicht „Wir machen Urlaub in Europa“? Kanada als zweitgrößtes Land der Erde hat nämlich die Fläche von Europa und mal ganz nebenbei: Klingt der Name Neufundland nicht irgendwie genial? Uns beweist es schon mal wieder, ein gutes Ziel gewählt zu haben, dass von 10 Leuten 9 nicht wissen, wo Neufundland liegt.

Neufundland liegt auf europäischen Breitengraden. Die nördliche Grenze liegt auf der Höhe von Leipzig, während die südliche Grenze bereits im norditalienischen Bozen liegt. Trotzdem kann man vor Ort nicht mit mittel- bis südeuropäischem Klima rechnen. An der Nordküste kommen im Frühjahr sogar Eisberge vor. Daher sollte man eher mit durchwachsenem Wetter rechnen, im Sommer liegen die Temperaturen bei 20- 25 Grad, selten wärmer. Die Nächte um die 10 Grad. Das sind meine Wohlfühltemperaturen.

Einfach erklärt liegt es zwischen Grönland und Ostkanada. Es stellt den östlichsten Teil Kanadas dar und war in den Anfängen der Atlantikflüge ein wichtiger Zwischenpunkt um aufzutanken. Heute spielt die viertgrößte Insel Kanadas nur noch eine untergeordnete Rolle. Dafür ist sie bei Wanderern beleibt und durch den Gros Morne Nationalpark sehr bekannt geworden. Aber auch der East Coast Trail ist für Viele ein Begriff. Doch

Wir können jedoch verstehen, dass Einige diese Insel nicht kennen. Sie erscheint selten in den Pauschalreisekatalogen und hat auch sonst für den klassischen Tourismus wenig zu bieten. Es fehlen einfach die Traum-Badestrände, gut strukturierte Hotellerie und konstant warm bis heißes Badewetter. Für den wahren Outdoorer, Naturenthusiasten und Ruhesuchenden ist es wohl aber das Paradies.

Bitte beachtet, dass Neufundland zu Kanada gehört und man ein ETA benötigt um visafrei ins Land reinzukommen (ähnlich ESTA für USA).

 

 

Interessante Fakten – Eine Insel der Superlativezurück zur Liste

Bevölkerungsdichte
Nach der Mongolei 2018 greifen wir auch gern hier wieder das Thema auf. Während die Mongolei mit 2 Ew/km² wirklich dünn besiedelt ist, kann Neufundland als Region betrachtet noch gut mithalten. Auf einer Fläche so groß wie die ehemalige DDR (in der mal 17 Millionen Menschen lebten) leben nur 500.000 Einwohner. Ergo 4,5 Ew/km², wobei die Zahl im Hinterland noch kleiner sein sollte, da allein in der Hauptstadt St. Johns 100.000 Menschen leben.

Luft- und Raumfahrt
In den Anfängen der Atlantikflüge wurde in den 30iger Jahren der damals größte Flughafen der Welt in Gander, mitten in der Wildnis, errichtet. Er sollte für Zwischenlandungen dienen um aufzutanken, aber auch für den Notfall. Heute halten nur noch die Piloten bei ihren Transatlantikflügen Kontakt mit Gander Control als wichtige Flugsicherungszentrale. In Zeiten des Space Shuttles wurde Gander auch als Notlandeplatz auserkoren.

Geologie
Auf Neufundland, speziell in Gros Morne, findet man mit 1.25 Milliarden Jahren nicht nur sehr altes Gestein, sondern nebenbei kann man in den Tablelands auf dem Erdmantel laufen, was so nur auf sehr seltenen Flecken auf der Erde möglich ist. Normalerweise befindet sich der Mantel unter der Erdkruste, aber dort hat sich der Mantel wie ein Pickel nach oben gedrückt und eine Wanderung über die ockerfarbenen Felsen gleicht einer Wanderung in einer anderen Welt.

Ein besonderer Radweg
Die einzig vorhandene Eisenbahnlinie wurde Ende der achtziger Jahre eingestellt. Kurzerhand wurde aus dem Railway ein T’railway. Das Gleisbett, was meistens mitten durch die Wildnis verläuft, wurde in einen Radweg umgebaut, der auch viel von Quadfahrern genutzt wird. Die Gleise wurden entfernt, die Brücken instandgesetzt und herausgekommen ist ein grandioser, aber geschotterter, Radweg mitten durch die Wildnis Neufundlands.

Die Elch-Plage
Da hat man sich die Plage wohl selbst auf die Insel geholt. Ursprünglich gab es dort keine Elche und so wollte man durch die starke Dezimierung der Karibus durch die Jagd entgegenwirken. Doch als der einzige natürliche Feind des Elchs, der Wolf 20 Jahre später ausgerottet war, vermehrten sich die Tiere unkontrolliert. Mittlerweile spricht man von einer Population von 150.000 Tieren, auf einen Elch kommen also ca. 4 Menschen. Was des Einen Leid, ist des Anderen Freud. So wird dem Tierliebhaber sicher mal ein Elch vor die Kamera laufen.

Der Neufundland Schwarzbär
Ohja, Neufundland is „bear country“. Diese endemische Art ist größer und schwerer als seine Festland-Artgenossen, wird aber als friedlich und sehr scheu beschrieben. Schätzungsweise leben 5.000 bis 7.000 Tiere auf der Insel, bevorzugt in den Nadelwäldern im Zentrum und Süden der Insel. Aber der bei den vielen Elchen hoffen wir doch mal, dass sich Bärenkontakte vermeiden lassen. Man sollte, und wir werden es auch, die üblichen Vorkehrungen treffen: Essen auf einen Baum ziehen, nicht im/am Zelt kochen, keine Essensreste liegen lassen, zu zweit in Den Busch fürs Geschäft gehen, im Unterholz reden und laute Geräusche machen und ja nicht weglaufen, wenn der Bär doch mal näher kommt. Vorsorge werden wir mit Trillerpfeifen und Bärenspray vor Ort treffen. Aber ganz ehrlich: Wir waren 2010 vier Wochen in Ostkanadas Wäldern unterwegs, wo die Population noch viel höher ist, haben aber keinen einzigen Bären gesehen oder gehört.

 

 

Vorbereitung und Planung  zurück zur Liste

Was habe ich mir nur dabei gedacht, eine 1750km lange Route zu erstellen und zu planen? Im Vergleich zu den anderen Touren saß ich dieses Mal mehr am Rechner und habe mich mit der Tour befasst. Gut, Zeit hatte ich ja nun mehr, da ich mich nicht um den An- und Verkauf von Tieren kümmern musste. Was aber unterscheidet diese Planung von den anderen. Nein, es nicht nur die Länge der Tour, sondern die ungeahnt vielen Möglichkeiten einer passenden Runde, die Wegbeschaffenheiten, die Essensversorgung, die Anstiege mit ihren Höhenmetern und und und…Doch fange ich mal ganz von vorn an.

Als feststand, Neufundland mit dem Rad zu bereisen, sollte immer St Johns als Start- und Zielpunkt in Frage kommen. Den Anfangsgedanken, weiter nach Nova Scotia überzusetzen, verwarfen wir, da es dort zu bevölkert ist. Also musste eine Runde her. Schnell waren die ersten Wege geplant. Dabei war es uns wichtig, die Region um Gros Morne mit einzubauen, am Ende der Umkehrpunkt unserer Tour. Ansonsten waren wir frei in der Planung. So richtig wollte aber keine gelungene Runde entstehen, bis ich auf die Fährverbindungen an der Südküste stieß.

Da es dort unten keine Küstenstraße gibt, verbinden viele Fähren die kleinen Städtchen, die teilweise wirklich nur per Schiff zu erreichen sind. 350km Fährstrecke waren uns dann aber doch zuviel, sodass mir nun die einsamen Nord-Süd-Straßen gelegen kamen, die bis zu 300km einsam durch das Zentrum der Insel verlaufen. Es handelt sich hier um gut ausgebaute Straßen mit breiten Seitenstreifen, die nicht wirklich stark befahren sind, da sich am südlichen Ende dieser Straßen meist nur kleine Dörfer befinden.

Die Infrastruktur der Insel spielte uns super in die Karten. Es gibt nur eine große Straße, den Trans Canada Highway No.1, der von St. Johns bis nach Port Aux Basques (Fähre nach Nova Scotia) im nördlichen Halbkreis verläuft. Bedeutet, das der gesamte restliche, südliche Teil nur kleine Nebenstraßen hat, teilweise sogar nur Schotterpisten. Irgendwann stand dann die Runde grob und bei näherer Betrachtung viel mir ein Abschnitt auf, der quer durch die Wildnis abseits von allen Straßen und Wegen verlief. Beim Reinzoomen stand überall T’railway. Was bitteschön?

Davon hatte ich noch nie gehört, doch eine Recherche im Netz ergab einen glücklichen Zufall. Knapp 700km des 900km langen Teilabschnitts des TCT, dem mit 24.000km längsten Wanderwegenetz der Welt, verliefen von unserer Route genau auf diesem T’railway, ein ehemaliges Gleisbett, was über hunderte von Brücken führt. Da dieser Weg jedoch meist grob geschottert ist und somit ein lockeres und schnelles Vorankommen nicht gewährleistet ist, plante ich die Runde so um, dass immer ein Wechsel der Wegbeschaffenheit gegeben war. So fahren wir den ersten kleineren Teil auf dem T’railway, wechseln dann auf die Straße, später folgen wir wieder dem T’railway usw. Wie der T’railway verläuft, könnt Ihr unten auf der Karte anhand des blauen Strichs sehen.

 

Der T’railway, ein kleiner Teil des TCT-Trans Canada Trail Systems (Quelle Karte Openstreetmap)

 

Am Ende entstand eine Runde wie eine Acht, unsere Lp. Neben dieser 1750km langen Hauptrunde hatte ich aber auch viele Nebenwege und Alternativen mit eingebaut um abzukürzen oder aber schneller auf Straßen voranzukommen, sollte der T’railway beschwerlich sein. Ein wenig Angst hatte ich schon, denn ich las auch von sandigen Passagen, wo man schieben muss. Im Gedanken baute ich auch schon mein Trekking Rad zu einem Gravel Bike um, dazu aber später. So sollte die Traktion auf breiteren Reifen und weniger Luftdruck dafür sorgen, dass wir halbwegs die Spur halten könnten.

Nun folgte die Detailrecherche. Nein, Wildcamps und Wasser brauchte ich auf der Karte nicht zu suchen und markieren, ich wäre nie fertig geworden. Wasser und Seen gibt es dort überall und die Möglichkeiten, sein Zelt wild irgendwo aufzuschlagen, schier unendlich. Apropos wild zelten: In den Nationalparks ist es verboten und nur mit Permit erlaubt, in den Reserves dagegen erlaubt im Rest der Insel geduldet. Ich habe von Erfahrungen gelesen, wo Einheimische sogar Tipps gaben oder man im Vorgarten nächtigen konnte. Trotz dieser Situation haben wir das grüne, gut getarnte Kaitum für diese Tour ausgewählt, jedoch in Kombi mit einem Tarp um eine Unterstellmöglichkeit mitten in der Pampa zu haben und um am Abend auch mal bei Regen vorm Zelt sitzen zu können.

Zurück zur Detailplanung. Da man am Tag bis zu 60km schafft, kommt man ja auch häufiger an Orten vorbei um für Essensnachschub zu sorgen. Denkste? Es gab Abschnitte auf der Tour, wo auf 300km wirklich nichts zu finden war. Dafür wieder andere Abschnitte, wo jeden Tag wenigstens ein Minimarkt am Weg lag. Ich verzeichnete erst einmal alle bekannten Minimärkte, Supermärkte, Tankstellen, aber auch Campingplätze. Alles versah ich mit Kilometerangaben und musste nun eine Excel Tabelle anlegen um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viele Kilometer zwischen den einzelnen Supermärkten lagen.

Diese Tabelle sollte vor Ort Gold wert sein, denn so konnte man nun bei jedem Einkauf weise vorausplanen und wusste, für wieviele Tage man Proviant nachkaufen muss. Die Tankstellen stellten hier weniger ein Problem dar, da die 1L Benzinflasche locker eine Woche hält und zudem noch vom Hobo unterstützt wurde. Zum Einsatz werden drei GPS Karten kommen, wobei bereits nach Montenegro jetzt schon ein 2.Mal festgestellt werden muss, dass die überteuerten Garmin Topo Karten (Kanada V3 Topo) die schlechteste Option von allen ist. Openstreetmap ist auf jeden Fall super, aber auch die kostenlose Karte von Ibycus.

Thema Drohnen: Die kann und muss zu Hause bleiben, da seit Sommer 2019 ein neues Gesetz in Kanada gilt, was für mich ein wenig unklar ist. Man muss seine Drohne registrieren lassen und einen Pilotenschein ab 350gr Drohnengewicht vorweisen. Dahingehend will ich keinen Ärger mit eine nicht registrierten Drohne haben. Zwar schade, aber es wird wohl auch mal ohne gehen.

Abbruchszenarien? Die gibt es bei uns immer, denn keiner wusste, wie weit wir kommen würden. Eine Busverbindung, die täglich einmal auf dem Highway No.1 in beide Richtungen verkehrt, transportiert auch Fahrräder. Also egal, wann wir abbrechen würden, ein Rettungsanker würde es immer geben.

 

 

Die neue Art zu wandern | Das Rad , die Vorteile, das Erlebnis  zurück zur Liste

Für mich ist es ja nicht das erste Mal, mit dem Rad und Zelt unterwegs zu sein. Auf meinen Solotouren durch die Alpen konnte ich schon so einige Erfahrungen sammeln und habe es lieben gelernt. Einem Randonneur muss ich ja wohl nicht erklären, welche Vorteile diese Art zu reisen mit sich bringen. Yvonne war neugierig und ich klärte sie auf.

Radwandern ist etwas zwischen wanderen und mit dem Auto unterwegs sein. Da letzteres nie für uns in Frage käme, betrachten wir es eher aus der Richtung wandern. Man kommt schneller voran, sieht mehr, bekommt mehr Eindrücke von einer Region und ist doch so langsam unterwegs um es genießen zu können. Jederzeit anhalten, pausieren, genießen. All das ohne Windschutzscheibe zwischen Einem selbst und der wilden Natur. Immer an der frischen Luft, immer aktiv. Natürlich gibt es auch einen Nachteil. Beim wandern zu Fuß kann man wesentlich unwegsameres und somit auch einsameres Gelände erkunden. Mit Neufundland und dem T’railway haben wir aber sicher auch eine ruhige Option gefunden.

Ein anderer großer Vorteil sind die geringeren Strapazen für den Körper. Da man das Gepäck am Rad befestigt, sollten Rückenschmerzen und abnormales Schwitzen der Vergangenheit angehören. Außerdem kann man es bei Abstiegen bzw. Bergab-Verläufen auch mal rollen lassen, entspannen und dabei trotzdem Kilometer machen. Beim Wandern musst Du Dir jeden Meter hart erkämpfen.

Bei der Gepäckplanung kann man auch großzügiger an die Sache herangehen, denn am Rad kann man locker 20 bis 25kg Gepäck befördern, auf dem Rücken ist das schon eine andere Hausnummer. Leistungsdefizite können ebenfalls ausgeglichen werden, indem der Stärkere die schwereren Taschen nimmt. Nicht, dass all das schon viel versprechend klingt, nein. Dazu kommt auch eine technische Raffinesse: Wir benötigen kein Solarpanel, um unsere Powerbanks aufzuladen, wir nutzen unsere beiden Nabendynamos zum aufladen. So sind wir noch autarker, noch wetterunabhängiger.

Wie oben jedoch bereits angemerkt, ist Reiserad nicht gleich Reiserad. Mein aktuelles Stevens Pinion ist eher ein Straßenrad, mit 1.5 Zoll Bereifung, Schutzblechen und Lichtanlage. Ich wusste sofort, dass es damit keinen Spaß machen würde, 700km auf Schotter zu fahren. Es begann nun eine ungewisse Umbauphase: Welche Bereifung passt maximal in den Rahmen ohne zu schleifen? Wie verändert sich das Fahrgefühl? Braucht man Schutzbleche und Lichtanlage?

Am besten passten die 2.0 Zoll Contact Travel Reifen von Continental für 26 Euro, wo ich zum Rahmen immer noch locker 5mm Platz habe. Das Semiprofil wird auf Straße und im Gelände gute Dienste verrichten. Ein Vollprofil kam für mich nie in Frage, da es vermutlich nicht in den Rahmen gepasst hätte und für die Straße ungeeignet gewesen wäre. Knapp wurde es nur ein wenig bei der Low Rider Montage des Tubus Tara. Eine echt knappe Sache, aber am Ende passt alles. Mit den 28er Reifen und 2.0 Zoll Breite mutet das Rad fast wie ein 29er an. Die Schutzbleche mussten ab, die Lichtanlage auch. Beides brauchen wir nur bedingt, denn wenn es richtig schüttet, schützt uns das Tarp während des Pausierens und nachts wollen wir nicht fahren. Letztendlich ist man beim Gewicht wieder beim alten, denn die größeren, dickeren Reifen wiegen schon einiges. So liegt das Radgewicht bei 14kg.

Mein Rad war nun gerichtet, Täves 20 Zoll Mountain Bike auch. Durch Zufall fanden wir ein Reiserad für 300 Euro im Netz. 2 Jahre alt, keine 500 Kilometer gefahren. Mit 27er Kettenschaltung, V-Brakes, Schutzbleche, Nabendynamo und Rennradlenker mit Lenkerendschaltgriffen. Nur der Low Rider fehlte, aber da hatte ich noch einen übrig. Das Rad wurde auch gleich für die Schotterpisten flott gemacht. Lichtanlage, Schutzbleche ab und neue Bereifung drauf. Hier passte leider nur die 1.75 Zoll Version des Continental Reifens, aber immerhin besser als nichts. Nun haben wir drei geländetaugliche Reiseräder, minimiert in der Ausstattung, maximiert in der Universalität und im Aussehen.

Viele machen sich ja mal wieder berechtigt um Täve Gedanken, wie er die Tour meistern wird. Jeder, der unseren Sohn kennt, weiß, dass er ein Kämpfer ist und viel Rad fährt. Jedoch sollte man einen Rettungsanker parat haben. Sprichwörtlich habe ich da an ein Seil gedacht, mit dem ich ihn an den längeren Anstiegen auch mal unterstützend hochziehen kann. Wichtiger denn je werden kleinere Pausen sein, denn am Ende ist doch immer noch der Weg das Ziel, oder?

 

 

Mein Rad ist mit dabei | Tipps zum Radtransport  zurück zur Liste

Bei der ganzen Schwärmerei für diese Sache ging dem Ganzen aber auch einige Probleme voran. So ist es extrem kompliziert, die Räder erst einmal dort hin zu bekommen. Das fängt beim Verpacken der Räder an und hört erst beim Transport vor Ort zur Unterkunft wieder auf. So musste ich nun erst einmal die Räder abmessen, wie groß sie im minimalen Fall auseinander gebaut sein würden. Die Kartons waren dann schnell beim lokalen Radhändler Joos besorgt, ein kleines Trinkgeld gab’s in die Kaffeekasse, weil sie uns ideale Kartons bereitstellten. Stabil und perfekt von den Abmaßen.

Hat man nun die Kartons, muss man sich nun eine Airline heraus suchen, die diese auch auf unkompliziertem Weg kostengünstig und garantiert mitnimmt. Da es nur begrenzte Kapazitäten in jedem Flieger gibt, sollte man sich vor Buchung der Flüge erkundigen, ob Plätze vakant sind. So habe ich den Fehler gemacht, bei Condor zu buchen, die im Interline Agreement mit Westjet zusammenarbeiten. Condort bestätigte mir die Räder, Westjet jedoch nicht, da sie das nie tun und man auf gut Glück seine Räder am Checkin abgibt. Condor deutete das als Absage und verweigerte mir komplett den Radtransport. Somit stornierte ich die gesamte Buchung, sehr enttäuscht von Condor.

Mir blieb nun nichts anderes übrig als auf Linie auszuweichen und landete bei Aircanada. Ich achtete darauf, weder einen Codeshare Flug noch eine andere Airline zu buchen. Alle Flüge sollten reine „Operated by Aircanada“-Flüge sein, dies sollte die Radanmeldung sehr vereinfachen.

 

 

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So sah der Plan aus: 1750km und 12000 Höhenmeter

 

 

Nützliche Links und Downloads  zurück zur Liste

Ibycus GPS Karte

Kostenlose Karte und gutes Backup zu Openstreetmap

Drohnen in Kanada

Bis 350gr braucht man keine Permit, ansonsten ist mir der Aufwand dafür zu hoch (Registrierung und Pilotenschein)

Gros Morne Traverse Permit

Wer im Gros Morne auf den beiden Traversen wandern möchte, sollte bereits Anfang des Jahres buchen, telefonisch oder per

Taxitransfer RedYellow

Wenn Ihr den Transfer vorab buchen möchtet. Normale Preis, im Gegensatz zu CityWideTaxi, die 50 CAD mehr wollten

Cozy pet friendly Home

günstige (3P für 44Euro) und familiäre Unterkunft 11km vom Flughafen entfernt, Supermarkt und Tankstelle in der Nähe

ETA Kanada

Bitte denkt dran, um visafrei in Kanada einzureisen, müsste Ihr online ETA beantragen, 7 CAD je Person

T'railway

Informationen zum T'railway, der mittlerweile sogar ein Provincial Park ist

Trans Canada Trail

Weitere Info's zum T'railway als Teil des TCT

Der East Coast Trail

Ein schöner, aber kurzer Fernwanderweg an der Ostküste

East Coast Trail 2.Link

Weitere Informationen zum Küstenwanderweg

DRL Buslinie

Fahrplan und Preise der täglichen Busverbindung zwischen St. john's und Port aux Basques

Fährverbindungen

Fahrpläne und Preise für alle Neufundland Fähren, hier speziell Bay L'Argent nach Pools Cove

 

 

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Bleibt gespannt!


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