Neufundland Trailway 1300km Reiserad

Kanada | Neufundland | Newfoundland | St Johns

Neufundland Trailway 1300km Reiserad
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Reiseziel im Überblick
Einleitung
Neufundland? Wo liegt das denn?
Interessante Fakten – Eine Insel der Superlative
Vorbereitung und Planung
Der T’railway
Die neue Art zu wandern | Das Rad, die Vorteile, das Erlebnis
Mein Rad ist mit dabei | Tipps zum Radtransport
Unsere Tour im Überblick
Nützliche Links und Downloads
Reisebericht

 
 

Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Kanada Ostküste | Neufundland

Reiseroute

ab/an St Johns, 1750km quer über die Insel in einer Achter Schleife, teilweise auf asphaltierten Straßen, teilweise auf dem schottrigen T'railway

Reisezeit | Dauer

9.August bis 05.September 2019, 4 Wochen

Klima | Wetter

subarktisches Klima | kühlere Sommer, schnelle Wetterumschwünge

Reiseart | Aktivität

mit Rad | auf Straßen und Schotterpisten mit dem Reiserad unterwegs

Übernachtung

1. und letzte Nacht im Hotel in St Johns, der Rest wild im Zelt, es gibt auch einige Campingplätze, die werden wir aber nur notfalls ansteuern

Flora | Fauna

Wälder, viele Seen und Flüsse, aber auch endlose Wiesen | Schwarzbären, Karibus, Füchse, Squirrels, Stachelschweine und jede Menge Elche und Mücken

Sicherheit | Tourismus

sehr sicher | wenig Pauschaltourismus, eher Individualtouristen und Backpacker

Anreise

Mit Flugzeug (Condor oder Air Canada) via Festland nach St. John's

Wildnis Faktor

extrem hoch | wild zelten, viel Natur, wenig Menschen, viel Wasser in Form von Seen und Flüssen

Kocher Info

viele Tankstellen, Thema Gaskartuschen folgt

Einkaufsmöglichkeiten

viele kleine Orte mit Minimärkten, aber auch große Walmarts | dennoch 300km auch mal ohne Supermarkt

 

 

Einleitung  zurück zur Liste

Immer wieder wurden wir in letzter Zeit von Freunden, Bekannten und Verwandten gefragt, wo es denn dieses Jahr wieder hingeht. Bis vor kurzen hatten wir uns damit auch sehr bedeckt gehalten. Nicht, weil wir daraus ein Geheimnis machen wollten, sondern weil wir noch kein festes Ziel im Auge hatten. Es kam so viel in Frage und doch war nichts richtiges für uns dabei. Es war ein ständiges Hin und Her. Hatten wir mal ein Ziel anvisiert, gab es nicht die passenden Flüge oder irgendwas stimmte an der Destination nicht.

Es war wie verhext und schon bald machte ich mir Sorgen, ob wir 2019 überhaupt in die Ferne reisen würden. Ein Urlaub in Europa? Nein, auf keinen Fall. Überall zu überlaufen. Mal wieder stießen wir auf Nova Scotia und Neufundland, doch auch hier sprach vieles gegen einen Wanderurlaub. Ein zu großes Reiseziel, um am Ende wirklich sagen zu können: Man hat die Region wirklich gesehen. Es wären kleine Wanderungen in verschiedenen Ecken geworden, verbunden mit langen Transferzeiten in Bussen und Flugzeugen.

Dann kam mir aber die spontane Idee, und ja wir hatten sie schon immer im Kopf, endlich mal eine Radtour in Angriff zu nehmen. Täve ist mit 8 Jahren alt und fit genug, auch mal etwas länger in die Pedalen zu treten. Ich konzentrierte mich auch Neufundland bei der Planung um so wenig wie möglich Zeit für Transfers nach/von Nova Scotia mit einzuplanen.

Es war ein langer, beschwerlicher Weg bis die Tour für Neufundland stand, aber nun können wir mit ruhigem Gewissen sagen, dass wir wieder einmal einen genialen Plan haben: Mit den Reiserädern 1750 km durch Neufundland in einer 8-ter Schleife, unserer Lp. Klar, wird uns auch dieses Mal jeder einen Vogel zeigen, wie immer. Sind wir ja gewohnt. Wenn man aber mal die Zahl näher betrachtet und auf 30 Tage verteilt, sind es nur 60 km am Tag. Wir haben ergo 8-10 Stunden dafür Zeit. Das sollte doch machbar sein, oder?

 

(N)irgendwo zwischen Grönland und Labrador (Quelle Karte Openstreetmap)

 
 

Neufundland? Wo liegt das denn?  zurück zur Liste

Klar, wenn uns Jemand fragt, wo es dieses Mal hingeht, könnte man auch einfach mit „Kanada“ antworten. Aber mal ehrlich, wenn Ihr Urlaub auf Mallorca macht, sagt Ihr ja auch nicht „Wir machen Urlaub in Europa“? Kanada als zweitgrößtes Land der Erde hat nämlich die Fläche von Europa und mal ganz nebenbei: Klingt der Name Neufundland nicht irgendwie genial? Uns beweist es schon mal wieder, ein gutes Ziel gewählt zu haben, dass von 10 Leuten 9 nicht wissen, wo Neufundland liegt.

Neufundland liegt auf europäischen Breitengraden. Die nördliche Grenze liegt auf der Höhe von Leipzig, während die südliche Grenze bereits im norditalienischen Bozen liegt. Trotzdem kann man vor Ort nicht mit mittel- bis südeuropäischem Klima rechnen. An der Nordküste kommen im Frühjahr sogar Eisberge vor. Daher sollte man eher mit durchwachsenem Wetter rechnen, im Sommer liegen die Temperaturen bei 20- 25 Grad, selten wärmer. Die Nächte um die 10 Grad. Das sind meine Wohlfühltemperaturen.

Einfach erklärt liegt es zwischen Grönland und Ostkanada. Es stellt den östlichsten Teil Kanadas dar und war in den Anfängen der Atlantikflüge ein wichtiger Zwischenpunkt um aufzutanken. Heute spielt die viertgrößte Insel Kanadas nur noch eine untergeordnete Rolle. Dafür ist sie bei Wanderern beleibt und durch den Gros Morne Nationalpark sehr bekannt geworden. Aber auch der East Coast Trail ist für Viele ein Begriff. Doch

Wir können jedoch verstehen, dass Einige diese Insel nicht kennen. Sie erscheint selten in den Pauschalreisekatalogen und hat auch sonst für den klassischen Tourismus wenig zu bieten. Es fehlen einfach die Traum-Badestrände, gut strukturierte Hotellerie und konstant warm bis heißes Badewetter. Für den wahren Outdoorer, Naturenthusiasten und Ruhesuchenden ist es wohl aber das Paradies.

Bitte beachtet, dass Neufundland zu Kanada gehört und man ein ETA benötigt um visafrei ins Land rein zu kommen (ähnlich ESTA für USA).

 
 

Interessante Fakten – Eine Insel der Superlative  zurück zur Liste

Bevölkerungsdichte
Nach der Mongolei 2018 greifen wir auch gern hier wieder das Thema auf. Während die Mongolei mit 2 Ew/km² wirklich dünn besiedelt ist, kann Neufundland als Region betrachtet noch gut mithalten. Auf einer Fläche so groß wie die ehemalige DDR (in der mal 17 Millionen Menschen lebten) leben nur 500.000 Einwohner. Ergo 4,5 Ew/km², wobei die Zahl im Hinterland noch kleiner sein sollte, da allein in der Hauptstadt St. Johns 100.000 Menschen leben.

Luft- und Raumfahrt
In den Anfängen der Atlantikflüge wurde in den 30iger Jahren der damals größte Flughafen der Welt in Gander, mitten in der Wildnis, errichtet. Er sollte für Zwischenlandungen dienen um aufzutanken, aber auch für den Notfall. Heute halten nur noch die Piloten bei ihren Transatlantikflügen Kontakt mit Gander Control als wichtige Flugsicherungszentrale. In Zeiten des Space Shuttles wurde Gander auch als Notlandeplatz auserkoren.

Geologie
Auf Neufundland, speziell in Gros Morne, findet man mit 1.25 Milliarden Jahren nicht nur sehr altes Gestein, sondern nebenbei kann man in den Tablelands auf dem Erdmantel laufen, was so nur auf sehr seltenen Flecken auf der Erde möglich ist. Normalerweise befindet sich der Mantel unter der Erdkruste, aber dort hat sich der Mantel wie ein Pickel nach oben gedrückt und eine Wanderung über die ockerfarbenen Felsen gleicht einer Wanderung in einer anderen Welt.

Ein besonderer Radweg
Die einzig vorhandene Eisenbahnlinie wurde Ende der achtziger Jahre eingestellt. Kurzerhand wurde aus dem Railway ein T’railway. Das Gleisbett, was meistens mitten durch die Wildnis verläuft, wurde in einen Radweg umgebaut, der auch viel von Quadfahrern genutzt wird. Die Gleise wurden entfernt, die Brücken instand gesetzt und herausgekommen ist ein grandioser, aber geschotterter, Radweg mitten durch die Wildnis Neufundlands.

Die Elch-Plage
Da hat man sich die Plage wohl selbst auf die Insel geholt. Ursprünglich gab es dort keine Elche und so wollte man durch die starke Dezimierung der Karibus durch die Jagd entgegenwirken. Doch als der einzige natürliche Feind des Elchs, der Wolf 20 Jahre später ausgerottet war, vermehrten sich die Tiere unkontrolliert. Mittlerweile spricht man von einer Population von 150.000 Tieren, auf einen Elch kommen also ca. 4 Menschen. Was des Einen Leid, ist des Anderen Freud. So wird dem Tierliebhaber sicher mal ein Elch vor die Kamera laufen.

Der Neufundland Schwarzbär
Ohja, Neufundland ist „bear country“. Diese endemische Art ist größer und schwerer als seine Festland-Artgenossen, wird aber als friedlich und sehr scheu beschrieben. Schätzungsweise leben 5.000 bis 7.000 Tiere auf der Insel (Einheimische sprachen sogar von 50.000), bevorzugt in den Nadelwäldern im Zentrum und Süden der Insel. Man sollte, und wir werden es auch, die üblichen Vorkehrungen treffen: Essen auf einen Baum ziehen, nicht im/am Zelt kochen, keine Essensreste liegen lassen, zu zweit in den Busch fürs Geschäft gehen, im Unterholz reden und laute Geräusche machen und nicht weglaufen, wenn der Bär doch mal näher kommt. Vorsorge werden wir mit Trillerpfeifen und Bärenspray vor Ort treffen. Aber ganz ehrlich: Wir waren 2010 vier Wochen in Ostkanadas Wäldern unterwegs, wo die Population noch viel höher ist, haben aber keinen einzigen Bären gesehen oder gehört.

 
 

Vorbereitung und Planung  zurück zur Liste

Was habe ich mir nur dabei gedacht, eine 1750 km lange Route zu erstellen und zu planen? Im Vergleich zu den anderen Touren saß ich dieses Mal mehr am Rechner und habe mich mit der Tour befasst. Gut, Zeit hatte ich ja nun mehr, da ich mich nicht um den An- und Verkauf von Tieren kümmern musste. Was aber unterscheidet diese Planung von den anderen. Nein, es nicht nur die Länge der Tour, sondern die ungeahnt vielen Möglichkeiten einer passenden Runde, die Wegbeschaffenheiten, die Essensversorgung, die Anstiege mit ihren Höhenmetern und und und…Doch fange ich mal ganz von vorn an.

Als feststand, Neufundland mit dem Rad zu bereisen, sollte immer St Johns als Start- und Zielpunkt in Frage kommen. Den Anfangsgedanken, weiter nach Nova Scotia überzusetzen, verwarfen wir, da es dort zu bevölkert ist. Also musste eine Runde her. Schnell waren die ersten Wege geplant. Dabei war es uns wichtig, die Region um Gros Morne mit einzubauen, am Ende der Umkehrpunkt unserer Tour. Ansonsten waren wir frei in der Planung. So richtig wollte aber keine gelungene Runde entstehen, bis ich auf die Fährverbindungen an der Südküste stieß.

Da es dort unten keine Küstenstraße gibt, verbinden viele Fähren die kleinen Städtchen, die teilweise wirklich nur per Schiff zu erreichen sind. 350km Fährstrecke waren uns dann aber doch zuviel, sodass mir nun die einsamen Nord-Süd-Straßen gelegen kamen, die bis zu 300km einsam durch das Zentrum der Insel verlaufen. Es handelt sich hier um gut ausgebaute Straßen mit breiten Seitenstreifen, die nicht wirklich stark befahren sind, da sich am südlichen Ende dieser Straßen meist nur kleine Dörfer befinden.

Die Infrastruktur der Insel spielte uns super in die Karten. Es gibt nur eine große Straße, den Trans Canada Highway No.1, der von St. Johns bis nach Port Aux Basques (Fähre nach Nova Scotia) im nördlichen Halbkreis verläuft. Bedeutet, das der gesamte restliche, südliche Teil nur kleine Nebenstraßen hat, teilweise sogar nur Schotterpisten. Irgendwann stand dann die Runde grob und bei näherer Betrachtung viel mir ein Abschnitt auf, der quer durch die Wildnis abseits von allen Straßen und Wegen verlief. Beim Reinzoomen stand überall T’railway. Was bitteschön? Dazu gleich mehr im Detail im nächsten Abschnitt.

Am Ende entstand eine Runde wie eine Acht, unsere Lp. Neben dieser 1750 km langen Hauptrunde hatte ich aber auch viele Nebenwege und Alternativen mit eingebaut um abzukürzen oder aber schneller auf Straßen voranzukommen, sollte der T’railway beschwerlich sein. Ein wenig Angst hatte ich schon, denn ich las auch von sandigen Passagen, wo man schieben muss. Im Gedanken baute ich auch schon mein Trekking Rad zu einem Gravel Bike um, dazu aber später. So sollte die Traktion auf breiteren Reifen und weniger Luftdruck dafür sorgen, dass wir halbwegs die Spur halten könnten.

Nun folgte die Detailrecherche. Nein, Wildcamps und Wasser brauchte ich auf der Karte nicht zu suchen und markieren, ich wäre nie fertig geworden. Wasser und Seen gibt es dort überall und die Möglichkeiten, sein Zelt wild irgendwo aufzuschlagen, schier unendlich. Apropos wild zelten: In den Nationalparks ist es verboten und nur mit Permit erlaubt, in den Reserves dagegen erlaubt im Rest der Insel geduldet. Ich habe von Erfahrungen gelesen, wo Einheimische sogar Tipps gaben oder man im Vorgarten nächtigen konnte. Trotz dieser Situation haben wir das grüne, gut getarnte Kaitum für diese Tour ausgewählt, jedoch in Kombi mit einem Tarp um eine Unterstellmöglichkeit mitten in der Pampa zu haben und um am Abend auch mal bei Regen vorm Zelt sitzen zu können.

Zurück zur Detailplanung. Da man am Tag bis zu 60 km schafft, kommt man ja auch häufiger an Orten vorbei um für Essensnachschub zu sorgen. Denkste? Es gab Abschnitte auf der Tour, wo auf 300 km wirklich nichts zu finden war. Dafür wieder andere Abschnitte, wo jeden Tag wenigstens ein Minimarkt am Weg lag. Ich verzeichnete erst einmal alle bekannten Minimärkte (Convenience Stores), Supermärkte, Tankstellen, aber auch Campingplätze. Alles versah ich mit Kilometerangaben und musste nun eine Excel Tabelle anlegen um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viele Kilometer zwischen den einzelnen Supermärkten lagen.

Diese Tabelle sollte vor Ort Gold wert sein, denn so konnte man nun bei jedem Einkauf weise vorausplanen und wusste, für wieviele Tage man Proviant nachkaufen muss. Die Tankstellen stellten hier weniger ein Problem dar, da die 1L Benzinflasche locker eine Woche hält und zudem noch vom Hobo unterstützt wurde. Zum Einsatz werden drei GPS Karten kommen, wobei bereits nach Montenegro jetzt schon ein 2.Mal festgestellt werden muss, dass die überteuerten Garmin Topo Karten (Kanada V3 Topo) die schlechteste Option von allen ist. Openstreetmap ist auf jeden Fall super, aber auch die kostenlose Karte von Ibycus.

Thema Drohnen: Die kann und muss zu Hause bleiben, da seit Sommer 2019 ein neues Gesetz in Kanada gilt, was für mich ein wenig unklar ist. Man muss seine Drohne registrieren lassen und einen Pilotenschein ab 350 gr Drohnengewicht vorweisen. Dahingehend will ich keinen Ärger mit eine nicht registrierten Drohne haben. Zwar schade, aber es wird wohl auch mal ohne gehen.

Abbruchszenarien? Die gibt es bei uns immer, denn keiner wusste, wie weit wir kommen würden. Eine Busverbindung, die täglich einmal auf dem Highway No.1 in beide Richtungen verkehrt, transportiert auch Fahrräder. Also egal, wann wir abbrechen würden, ein Rettungsanker würde es immer geben.

 
 

Der T’railway  zurück zur Liste

Davon hatte ich noch nie gehört, doch eine Recherche im Netz ergab einen glücklichen Zufall. Knapp 700 km des 900 km langen Teilabschnitts des TCT’s, dem mit 24.000 km längsten Wanderwegnetz der Welt, verliefen von unserer Route genau auf diesem T’railway, ein ehemaliges Gleisbett, was über hunderte von Brücken führt.

Die Zugstrecke wurde im Jahre 1988 eingestellt, da immer mehr Menschen und Ware auf den neu entstandenen und fast parallel verlaufenden Highway verlagert wurde. Nach fast 100 Jahren musste die Strecke der Neuzeit weichen. Sie wurde einst gebaut um die Hauptstadt St.Johns mit der Mine in Buchans und den Hafen Port aux Basques zu verbinden.

Hier die letzte Fahrt ab St.Johns


 

Hier ein paar Fotos der alten Züge und der Strecke

 

1968

 

Der Main Dam, Aufnahme August 2019

 

Der Main Dam von oben, Aufnahme um 1940

 

Die Schienen wurden entfernt und beim Befahren des T’railways weisen nur noch alte Relikte wie 10 cm lange Stahlnägel oder die teilweise vergrabenen Schwellen auf den alten Railway hin. Der Gleisschotter blieb und mit ihm die Ungewissheit wie gut diese Trail befahrbar sei.

Dabei variiert nicht nur die Beschaffenheit des Belages, sondern auch die Breite des Weges. Zwischen 2 und 5 Meter gibt es alles. Manchmal ragt das Buschwerk soweit auf den Trail, dass man die Wahl zwischen schlechtem Untergrund unter Buschkontakt hat. Die einzige gute Nachricht für Bergmuffel. Es gibt keine steilen Rampen oder Anstiege. Wenn es bergauf oder -ab geht, dann meist sanft. Das war aber auch die einzige gute Nachricht, den Trail betreffend.

Während in St. Johns oder anderen kleinen Städtchen der Untergrund gut befahrbar ist und man ohne weiteres 20 km/h fahren kann, gibt es es Abschnitte mitten in der Wildnis, wo Einem faustgroße Steine oder 30 cm tiefer Sand an der Weiterfahrt hindern. Dann kommt man mit Laufen schneller voran und ist auch sicherer unterwegs. Nicht wenige Momente hat es uns aus dem Gleichgewicht gebracht und fast einen Sturz verursacht.

Meist hat man die Wahl zwischen zwei fahrbaren Linien, die von Pickup’s und Quads gespurt worden. Dazwischen liegt meist ein 10 bis 20 cm hoher Steingeröllwall. Man muss vorausschauend fahren und entscheiden, ob links oder rechts besser ist. Eine Wahl, die gut überlegt sein sollte, denn der Spurwechsel über den kleinen Steinwall birgt Gefahren.

Landschaftlich verläuft der Trail durch nahezu unberührte Natur, von der man meist nicht mitbekommt, außer man pausiert und lässt den Blick schweifen. 100% Aufmerksamkeit sollte immer dem Trail gelten. Missachtet man diese goldene Regel und sucht nach Tieren in der Ferne, wird man mit einem Schwenker nach links oder rechts ins Gebüsch bestraft, verursacht durch einen übersehenen Stein.

Ein was Gutes hatte der Trail allerdings: Entlang des Weges gibt es unendlich viele Camp Spots, die Einen förmlich dazu einladen, wild zu zelten, was auch völlig akzeptiert und toleriert wird. Auf den einsamen Abschnitten, bspw. zwischen Badger und Howley sieht man tagsüber keine Menschenseele und hat die Natur nur für sich allein.

Nervend blieben uns jedoch die Abschnitte in Erinnerung, wo man sich teils 20 m entfernt vom Highway durch den Schotter graben durfte. Da fiel die Entscheidung nicht schwer, auf den Highway zu wechseln, der eigentlich kein richtiger Highway ist und somit auch Radfahrer zulässt. Der 2-3 m breite Seitenstreifen macht das Vorankommen ein wenig erträglich.

Unser Tipp: Je breiter der Reifen (2.0 oder mehr) und je weniger Luftdruck, umso besser kommt man voran. Revue passierend würde ich sagen, dass der T’railway für ein voll bepacktes Reiserad nichts ist. Es verdirbt Einem ein wenig den Spaß am Radfahren. Die Gelenke schmerzen, man kommt langsam voran und sieht nichts von der Gegend. Weniger bepackt mit einem Fatbike und den neuzeitlichen Rahmen-, Sattel- und Lenkertaschen, ggf. noch mit Rucksack, und die Sache könnte richtig Spaß machen.

Am Rande sei erwähnt, dass der T’railway durchaus auch als Wanderweg zu empfehlen ist, gerade für Leute mit wenig Trittsicherheit. Außerdem ist er gut geeignet für Wanderer mit Pilgerwagen oder abenteuerlichen Familien wie wir, die mit Kinderbuggy unterwegs sein möchten. Im Winter ist es gut vorstellbar, den Trail auch mit Pulka zu bestreiten, zumal einige Abschnitte durch die Schneemobile gut gespurt sein sollten.

Neben den Tipps auch eine Warnung: Obwohl der Railway mal Städte verbunden hat, gibt es auch Abschnitte, wo man je nach Reisestil auch mal 4-5 Tage unterwegs ist, ohne durch eine Stadt oder Dorf zu kommen. Das heißt, hier muss mit dem Proviant gut geplant und recherchiert werden. 

 

Der T’railway, ein kleiner Teil des TCT-Trans Canada Trail Systems (Quelle Karte Openstreetmap)

 
 

Die neue Art zu wandern | Das Rad , die Vorteile, das Erlebnis  zurück zur Liste

Für mich ist es ja nicht das erste Mal, mit dem Rad und Zelt unterwegs zu sein. Auf meinen Solotouren durch die Alpen konnte ich schon so einige Erfahrungen sammeln und habe es lieben gelernt. Einem Randonneur muss ich ja wohl nicht erklären, welche Vorteile diese Art zu reisen mit sich bringen. Yvonne war neugierig und ich klärte sie auf. Radwandern ist etwas zwischen wanderen und mit dem Auto unterwegs sein. Da letzteres nie für uns in Frage käme, betrachten wir es eher aus der Richtung wandern.

Man kommt schneller voran, sieht mehr, bekommt mehr Eindrücke von einer Region und ist doch so langsam unterwegs um es genießen zu können. Jederzeit anhalten, pausieren, genießen. All das ohne Windschutzscheibe zwischen Einem selbst und der wilden Natur. Immer an der frischen Luft, immer aktiv. Natürlich gibt es auch einen Nachteil. Beim wandern zu Fuß kann man wesentlich unwegsameres und somit auch einsameres Gelände erkunden. Mit Neufundland und dem T’railway haben wir aber sicher auch eine ruhige Option gefunden.

Ein anderer großer Vorteil sind die geringeren Strapazen für den Körper. Da man das Gepäck am Rad befestigt, sollten Rückenschmerzen und abnormales Schwitzen der Vergangenheit angehören. Außerdem kann man es bei Abstiegen bzw. Bergab-Verläufen auch mal rollen lassen, entspannen und dabei trotzdem Kilometer machen. Beim Wandern musst Du Dir jeden Meter hart erkämpfen.

Bei der Gepäckplanung kann man auch großzügiger an die Sache herangehen, denn am Rad kann man locker 20 bis 25 kg Gepäck befördern, auf dem Rücken ist das schon eine andere Hausnummer. Leistungsdefizite können ebenfalls ausgeglichen werden, indem der Stärkere die schwereren Taschen nimmt. Nicht, dass all das schon viel versprechend klingt, nein. Dazu kommt auch eine technische Raffinesse: Wir benötigen kein Solarpanel, um unsere Powerbanks aufzuladen, wir nutzen unsere beiden Nabendynamos zum aufladen. So sind wir noch autarker, noch wetterunabhängiger. Dynamo Harvester und Buschmüller E-Werk sind das Maß aller Dinge.

Wie oben jedoch bereits angemerkt, ist Reiserad nicht gleich Reiserad. Mein aktuelles Stevens Pinion ist eher ein Straßenrad, mit 1.5 Zoll Bereifung, Schutzblechen und Lichtanlage. Ich wusste sofort, dass es damit keinen Spaß machen würde, 700km auf Schotter zu fahren. Es begann nun eine ungewisse Umbauphase: Welche Bereifung passt maximal in den Rahmen ohne zu schleifen? Wie verändert sich das Fahrgefühl? Braucht man Schutzbleche und Lichtanlage?

Am besten passten die 2.0 Zoll Contact Travel Reifen von Continental für 26 Euro, wo ich zum Rahmen immer noch locker 5 mm Platz habe. Das Semiprofil wird auf Straße und im Gelände gute Dienste verrichten. Ein Vollprofil kam für mich nie in Frage, da es vermutlich nicht in den Rahmen gepasst hätte und für die Straße ungeeignet gewesen wäre. Knapp wurde es nur ein wenig bei der Low Rider Montage des Tubus Tara. Eine echt knappe Sache, aber am Ende passt alles. Mit den 28-er Reifen und 2.0 Zoll Breite mutet das Rad fast wie ein 29-er an.

Die Schutzbleche mussten ab, die Lichtanlage auch. Beides brauchen wir nur bedingt, denn wenn es richtig schüttet, schützt uns das Tarp während des Pausieren und nachts wollen wir nicht fahren. Letztendlich ist man beim Gewicht wieder beim alten, denn die größeren, dickeren Reifen wiegen schon einiges. So liegt das Radgewicht bei 14 kg.

Mein Rad war nun gerichtet, Täves 20 Zoll Mountain Bike auch. Durch Zufall fanden wir ein Reiserad für 300 Euro im Netz. 2 Jahre alt, keine 500 Kilometer gefahren. Mit 27-er Kettenschaltung, V-Brakes, Schutzbleche, Nabendynamo und Rennradlenker mit Lenkerendschaltgriffen. Nur der Low Rider fehlte, aber da hatte ich noch einen übrig. Das Rad wurde auch gleich für die Schotterpisten flott gemacht. Lichtanlage, Schutzbleche ab und neue Bereifung drauf. Hier passte leider nur die 1.75 Zoll Version des Continental Reifens, aber immerhin besser als nichts. Nun haben wir drei geländetaugliche Reiseräder, minimiert in der Ausstattung, maximiert in der Universalität und im Aussehen.

Viele machen sich ja mal wieder berechtigt um Täve Gedanken, wie er die Tour meistern wird. Jeder, der unseren Sohn kennt, weiß, dass er ein Kämpfer ist und viel Rad fährt. Jedoch sollte man einen Rettungsanker parat haben. Sprichwörtlich habe ich da an ein Seil gedacht, mit dem ich ihn an den längeren Anstiegen auch mal unterstützend hochziehen kann. Wichtiger denn je werden kleinere Pausen sein, denn am Ende ist doch immer noch der Weg das Ziel, oder?

 

 

Mein Rad ist mit dabei | Tipps zum Radtransport  zurück zur Liste

Bei der ganzen Schwärmerei für diese Sache ging dem Ganzen aber auch einige Probleme voran. So ist es extrem kompliziert, die Räder erst einmal dort hin zu bekommen. Das fängt beim Verpacken der Räder an und hört erst beim Transport vor Ort zur Unterkunft wieder auf.

So musste ich nun erst einmal die Räder abmessen, wie groß sie im minimalen Fall auseinander gebaut sein würden. Die Kartons waren dann schnell beim lokalen Radhändler Joos besorgt, ein kleines Trinkgeld gab’s in die Kaffeekasse, weil sie uns ideale Kartons bereitstellten. Stabil und perfekt von den Abmaßen.

Hat man nun die Kartons, muss man sich nun eine Airline heraus suchen, die diese auch auf unkompliziertem Weg kostengünstig und garantiert mitnimmt. Da es nur begrenzte Kapazitäten in jedem Flieger gibt, sollte man sich vor Buchung der Flüge erkundigen, ob Plätze vakant sind. So habe ich den Fehler gemacht, bei Condor zu buchen, die im Interline Agreement mit Westjet zusammenarbeiten.

Condor bestätigte mir die Räder, Westjet jedoch nicht, da sie das nie tun und man auf gut Glück seine Räder am Checkin abgibt. Condor deutete das als Absage und verweigerte mir komplett den Radtransport. Somit stornierte ich die gesamte Buchung, sehr enttäuscht von Condor.

Mir blieb nun nichts anderes übrig als auf Linie auszuweichen und landete bei Aircanada. Ich achtete darauf, weder einen Codeshare Flug noch eine andere Airline zu buchen. Alle Flüge sollten reine „Operated by Aircanada“-Flüge sein, dies sollte die Radanmeldung sehr vereinfachen.

 
 

Unsere Tour im Überblick  zurück zur Liste

So sah der Plan aus: 1750 km und 12000 Höhenmeter


 

Nützliche Links und Downloads  zurück zur Liste

Ibycus GPS Karte

Kostenlose Karte und gutes Backup zu Openstreetmap

Drohnen in Kanada

Bis 350gr braucht man keine Permit, ansonsten ist mir der Aufwand dafür zu hoch (Registrierung und Pilotenschein)

Gros Morne Traverse Permit

Wer im Gros Morne auf den beiden Traversen wandern möchte, sollte bereits Anfang des Jahres buchen, telefonisch oder per Mail

Taxitransfer RedYellow

Wenn Ihr den Transfer vorab buchen möchtet. Normale Preis, im Gegensatz zu CityWideTaxi, die 50 CAD mehr wollten

Cozy pet friendly Home

günstige (3P für 44Euro) und familiäre Unterkunft 11km vom Flughafen entfernt, Supermarkt und Tankstelle in der Nähe

ETA Kanada

Bitte denkt dran, um visafrei in Kanada einzureisen, müsste Ihr online ETA beantragen, 7 CAD je Person

T'railway

Informationen zum T'railway, der mittlerweile sogar ein Provincial Park ist

Trans Canada Trail

Weitere Info's zum T'railway als Teil des TCT

Der East Coast Trail

Ein schöner, aber kurzer Fernwanderweg an der Ostküste

East Coast Trail 2.Link

Weitere Informationen zum Küstenwanderweg

DRL Buslinie

Fahrplan und Preise der täglichen Busverbindung zwischen St. john's und Port aux Basques

Fährverbindungen

Fahrpläne und Preise für alle Neufundland Fähren, hier speziell Bay L'Argent nach Pools Cove

 
 

Reisebericht  zurück zur Liste

Wer von Euch den Bericht gern offline lesen möchte, kann hier den Bericht als pdf mit 12 MB / 138 Seiten herunterladen.
Bilder im folgenden Text zum Vergrößern anklicken | Direkt zum Bericht und die einzelnen Tage klicken

Tagesliste
1.Tag Strandcamp | 2.Tag Fuchscamp | 3.Tag Rohrduschencamp | 4.Tag Highwaycamp | 5.Tag Elchknochencamp | 6.Tag Karibucamp | 7.Tag Blaubeercamp | 8.Tag Schulbuscamp | 9.Tag Lake View Terrace Camp | 10.Tag Straßencamp | 11.Tag Grand Falls Camp | 12.Tag Vogelcamp | 13.Tag Stangenbruchcamp | 14.Tag Quellencamp | 15.Tag Deer Lake Camp | 16.Tag Rocky Harbour Camp | 17.Tag Rocky Harbour Camp | 18.Tag Traumcamp | 19.Tag Bibercamp | 20.Tag Corner Brook Camp | 21.Tag Corner Brook Camp | 22.Tag Buschabwehrcamp | 23.Tag Waldcamp | 24.Tag Aussichtscamp | 25.Tag Aussichtscamp | 26.Tag Der finale Tag |  Abspann  | Fazit

 
 

Der T’railway verlangt uns viel ab, dass mancherorts nur noch Schieben eine Option ist

 

Wir befinden uns in Howley, mitten in der Wildnis Neufundlands rasten wir in dem kleinen, beschaulichen Städtchen. Zwei Wochen liegen nun hinter uns und wir haben erst 700 der 1750 geplanten Kilometer zurück gelegt. Der Trailway hat unsere Nerven, Kräfte und Gelenke zur Genüge strapaziert. Jeder sehnt sich nach besserem Untergrund. Bitte keine faustgroßen Steine mehr, endlich mal schneller Rad fahren als nur Schrittgeschwindigkeit, nicht immer wieder absteigen und schieben. Dass der Tiefpunkt der Reise bevorstehen würde, ahnt bei dieser Pause noch Keiner.

Ab Ortsausgang beginnt ein sandiger, ca. 1.5 km langer Abschnitt. Fahren ist wieder mal unmöglich, doch das Schieben der Räder mit 20 bis 25 kg Gepäck fühlt sich an als würde man das Rad einen 20% Anstieg hochwuchten. Aufgrund des Gewichtes wühlt sich das Vorderrad tiefer und tiefer in den Sand. Die Sonne brennt, der Schweiß rinnt und das Mittagsmahl ist bereits nach 200 m Sand vollends verbrannt. Ein Ende des Sandes ist erst nach mehren kleinen Pausen und Wutausbrüchen in Sicht.

Während ich bis jetzt immer die Anderen ermutigen konnte, weiter zu machen, schreie ich nun auch mal mein volles Repertoire an Schimpfworten aus mir heraus. Zum Glück versteht Einen hier Keiner. Nun folgt wieder Schotter, kurze Erleichterung in den Gemütern. Kurz darauf dann die Ernüchterung. Nun vermischt sich Geröll mit Sand, wo sogar die Quads ihre Probleme bekommen. 10 km wechseln wir nun mit Schieben und Fahren ab, über 10 km/h kommen wir nicht.

Keine Witze mehr, kein Lachen, kein Genuss. Jeder ist in sich gekehrt, kämpft mit sich und den Gegebenheiten. Nach Howley und den wohl härtesten 11.5 km unserer Tour endet der T’railway abrupt am Main Dam vor einem verschlossenen Zaun. Nun reicht es uns. Wir steigen ab, die Räder fallen unsanft ins Gras, wir fallen daneben genauso unsanft um und liegen einfach nur so da und starren in den Himmel.

Haben wir uns so einen Aktivurlaub vorgestellt? Wir haben schon viele Strapazen in unseren vergangenen Urlauben durchgemacht, weil danach immer die ersehnte Entspannung kam, hier aber ist keine Entspannung in Sicht. Wir wechseln keine Worte, jeder ist vertieft in seine eigene Gedanken und doch weiß Jeder, was der Andere denkt: Tourabbruch?

 

Der sandige 1.5 km ewig lange Abschnitt

 

Campen direkt am T’railway

 

Einer der besseren Abschnitte

 

Täve gibt Mama Vorsprung am Berg

 

 

10.August 1.Tag | Strandcamp  zurück zur Liste

Es ist 9 Uhr, von selbst werde ich nicht wach, ich brauche die Unterstützung des Weckers. Wir waren erst 1 Uhr gelandet, gegen 2.30 Uhr fielen wir ins Bett. Erst einmal ausgiebig frühstücken, danach werden die 11 Taschen gepackt. Der weilen baue ich die Räder zusammen. Gegen 12 Uhr kommen wir los, nicht verspätet, sondern so geplant. Heute sollen nur noch 40 km gefahren werden, Hauptsache raus aus St. Johns. In Nähe besorgen wir alles Nötige. Wie praktisch doch die großen amerikanischen Einkaufsareale sind. In Laufdistanz finden wir alles, was wir brauchen.

 

Der T’railway zieht sich mitten durch St. Johns

 

Skeptisch beäugen wir den wechselhaften Wolkenhimmel. Die Wolken ziehen schnell vorüber, dazwischen immer wieder dunkle Fronten. Das Navi führt uns vorerst auf Hauptmagistralen zum T’railway, der quer durch die Stadt führt. Lange dauert es nicht und wir fahren die ersten Meter auf dem ehemaligen Gleisbett. Richtig gut lässt es sich rollen, auf dem platt gewalzten feinen Schotter. So kann es bleiben. Nun wollen wir Kilometer schrubben, doch werden erst einmal durch einen Starkregen ausgebremst. Zum Glück finden wir Unterschlupf unter einem Vordach.

 

Das nenne ich mal ne Pfütze

 

So wohl ist uns bei der Sache aber nicht, denn links und rechts davon läuft das Wasser in Strömen die Wände hinunter, schön über mehrere Steckdosen hinweg. Wir halten Abstand und warten nur noch auf den Moment bis wir hier Alle unter Strom stehen. So schnell wie der Regen kam, geht er auch wieder. Ab auf’s Rad und weiter. Auf dem Weg treffen wir auf viele Jogger und Mountain Biker, die uns nett grüßen und den Daumen zeigen.

Bald wird es ruhiger, weniger Verkehr, mehr Wohnsiedlungen, kaum haben wir die Peripherie der Stadt erreicht, setzt erneut Starkregen ein. Wiederum finden wir Unterschlupf in einem Pavillon unweit eines Spielplatzes. Ja, wir wissen, hier gibt es noch solche Schutzmöglichkeiten, doch mitten im Zentrum der Insel würden wir alt aussehen. Daher traf ich die Vorkehrung und packte das Tarp ein. Das soll nun zur Not aufgebaut werden. So schnell wie hier aber der Regen kommt und wieder geht, amüsieren wir uns gerade bei dem Gedanken, dass es wieder aufgehört hat zu regnen, wenn ich das Tarp endlich mal abgespannt habe.

Wir sitzen noch ein bis zwei weitere Fronten aus, dann kommt es am Horizont heller und wir fahren weiter. Nun ändert sich der Untergrund schlagartig. Nichts mehr mit genüsslichen Dahinrollern und Umherschauen. Nein, nun gilt die volle Konzentration dem Weg. Wir holpern nur so über die Steine hinweg. Die Pfützen meiden wir, wo es nur geht, denn Niemand weiß, was in ihnen lauert. Keiner will sich die Blöße geben und sich gleich am ersten Tag in einer Pfütze baden.

 

Der T’railway zeigt nun sein wahres Ich

 

So eiern wir dahin und ich ermuntere die Familie, dass wir bald wieder auf Asphalt stoßen werden. Noch keine 10 km T’railway und wir wissen bereits, dass wir jede Möglichkeit nutzen sollten, Asphalt zu fahren, wo es nur geht. Langsam aber sicher kommen wir in waldiges Gebiet, kleine Örtchen reihen sich wie an einer Perlenkette am Ufer entlang. Der Autoverkehr ist noch sehr stark, wir pausieren an einer Kirche und genießen den Ausblick auf die Bucht. Yvonne erwähnt nebenbei, dass eine Frau im Flieger meinte, dass aktuelle viele Wale vor Ort sind. Wir halten also Ausschau, sehen aber keine.

 

Keine Wale in Sicht, dafür eine grandiose Aussicht

 

Die Wolke droht nur, regnen wird es an diesem Tag nicht mehr

 

Auf der welligen Küstenstraße geht es nun weiter, gleich werden wir wieder den T’railway kreuzen. Dort angekommen, ein kurzer skeptischer Blick, aber siehe da, der Belag scheint besser zu sein, wir wechseln wieder auf die Schotterpiste. Obwohl wir richtig Gas geben können, fahren wir noch ohne Druck. Yvonne muss sich erst mit dem Gewicht am Rad anfreunden, taumelt ab und an von links nach rechts. Trotzdem kommen wir gut voran, haben noch genügend Zeit, da die Sonne erst 20.30 Uhr untergehen wird.

 

Endlich weniger Verkehr, mehr Ruhe, Abendstimmung genießen

 

Diese Zeit nutzen wir und pausieren nochmals am Strand, wo der T’railway nun endlich weg von den Straßen, einsam an der Küste entlang führt. Es kommt Abendstimmung auf und wir genießen die warme Abendsonne. Sowas kannten wir von unseren bisherigen Reisen nicht, wo wir stets gegen Nachmittag am Camp waren. Mit der untergehenden Sonne noch unterwegs zu sein, das hat was melancholisches. Sehr relaxt radeln wir nun weiter, Alle scheinen noch ein wenig vom langen Flug geschafft.

Ich schlage nun vor, schon hier mal nach einem Camp Ausschau zu halten. Nicht ohne Grund mache ich mir Sorgen, was geeignetes zu finden, denn immer wieder stehen am Strand Häuser. Auf dem Navi kann ich jedoch ein 1 km langes Waldstück erkennen, was wir soeben passieren. Glücklicherweise geht sogar ein kleiner, ausgetretener Pfad links in dieses Wäldchen hinein.

 

Das Strandcamp mitten im Dickicht widerspenstiger Äste

 

Täve und ich verschwinden im Busch und kehren bald mit der frohen Nachricht zurück. „Camp und Wasser gefunden“. Nach 33 km heißt es Zelt aufbauen, Fahrräder unter dem Tarp vor Regen schützen und dann die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Wir sind zufrieden mit dem Verlauf des ersten Tages, stinken aber und sind hungrig. In einem kleinen Wasserloch, nicht weit vom T’railway entfernt, waschen wir uns in gehockter Stellung. Wir wollen doch die Abendspaziergänger nicht erschrecken.

 

Die Räder werden unterm Tarp vorm Regen geschützt und sind auch noch gut versteckt

 

Das Wasserloch und kurz dahinter der Trailway

 

Der Benzinkocher wird angeworfen und ich diskutiere mit Yvonne, wie das zukünftige Befüllen der Benzinflasche nun laufen solle. In St. Johns hatten wir uns an einer Tankstelle die Flasche selbst befüllt, wurden aber vom Personal ermahnt, dass das illegal sei. Benzin kommt nur in den Tank oder in dafür vorgesehene gelbe Kanister. „In der Not haben wir ja noch den HoBo mit, also wird schon gehen“ meint Yvonne. Toll, wieder die neuen Töpfe über dem Feuer einsauen, danke auch.

 

Obwohl das Wasser sauber ist, filtern wir von Anfang an

 

Die Sonne ist kaum untergegangen und wir beschließen mit ihr schlafen zu gehen, auch Täve widerspricht nicht. Doch ein Schlückchen vom leckeren, kanadischen und nebenbei schweinisch teureren Rum muss aber sein. Wir stoßen auf einen erfolgreichen Start und einen tollen Urlaub an und fallen ins Zelt. Die Daunenschlafsäcke reichen als Decke völlig aus, es sind ca. 14 Grad und angenehm warm.

 

11.August 2.Tag | Fuchscamp  zurück zur Liste

Dieses Mal lassen wir den Wecker weg, mit den ersten Sonnenstrahlen gegen 6 Uhr werde ich wach, aber wie ihr das vermutlich auch kennt, schläft es sich morgens irgendwie am besten. Daher drehe ich mich noch einmal um und stehe erst 8 Uhr auf. Tolles Wetter erwartet mich vorm Zelt. Ich koche erst einmal einen vollen Topf Wasser für Kaffee, Grießbrei und Milch auf. Unterdessen regt sich was im Zelt. Nun werden auch Täve und Yvonne wach. Sie wollen nicht aufstehen, fühlen sich eher genötigt, weil Papa wieder mal Stress macht.

 

Eine ungebrochene Regel: Papa steht als Erster auf

 

Gemeinsam frühstücken wir ausgedehnt, während durch die Baumwipfel die Sonne unsere Rücken erwärmt. Das ist schon mal ein guter Start in den Tag. Wenig später sortieren wir die Sachen in den Taschen neu. Das Gewicht soll ausbalanciert sein. Daher kam auch die Idee mit der breiten Querpacktasche auf. Hätten wir das variable Proviant in den Seitentaschen verstaut, hätte jeden Tag neu ausbalanciert werden müssen. So aber liegt nun die Provianttasche quer und ist stets ausgeglichen. Außerdem kann das Essen immer in der Tasche verbleiben und ermöglicht durch die Breite einen sofortigen Zugriff auf alle Sachen.

 

Mit Morgensonne aus den Federn

 

Schon beim ersten Packen merke ich, dass es schneller von der Hand geht als beim Wandern. Man kann immer wieder eine Tasche packen, dann kommt die nächste dran. Gefühlt macht das mehr Spaß und läuft geordneter ab. Gegen 10.30 Uhr wuchten wir dir Räder wieder durch das sumpfige Terrain auf den Weg. Aufsitzen und durchstarten. Es rollt immer noch flüssig dahin. Nach 5 km wird jedoch der Untergrund schlagartig schlechter, wir wechseln auf die Straße und nehmen lieber den Autoverkehr in Kauf.

Wir fahren weiter an einer mäßig stark befahrenen Küstenstraße entlang. Die Stimmung, die wir einfangen, ist fantastisch. Fischerboote liegen vor Anker, Familien entspannen am Strand oder in den idyllisch gelegenen Häusern. Man wird förmlich von der Ruhe mitgerissen und wir pausieren am Maloneys Beach. Da der T’railway keine 10m entfernt von der Straße entlangführt, fällt die Entscheidung leicht, welchen Pfad wir nach der Pause einschlagen.
In Avondale ist ein Stopp obligatorisch.

Erst hatten wir noch drüber gesprochen, dass es interessant sei, mal Züge zu sehen, die früher auf den Gleisen gefahren sind und just hier wird unser Wunsch erfüllt. Täve klettert auf einem ca. 4m hohen Schneeschieber herum, der im Winter vor die Lok gespannt wurde um das Gleisbett frei zu räumen. Imposant!

 

Was für Schneemassen haben die hier denn im Winter?

 

Nostalgie pur – 30 Jahre ist es nun her

 

Bald aber stehen wir vor der Frage: kurzer T’railway oder Umweg auf Straße. Es rollt gerade so gut, der Verkehr lässt nach, also bleiben wir auf dem Asphalt. Der T’railway hätte noch genügend Möglichkeiten, uns zu zermürben. Kurz bevor wir den Transcanadian Highway (T.C.H.) queren, ist es soweit. Nun kommt nur noch der T’railway in Frage. Da wir nun die kommenden vier Tage überwiegend T’railway fahren werden, senke ich den Luftdruck der Reifen von 4 auf schätzungsweise 2.5 bar.

Schlagartig lässt es sich auch schon besser fahren. Die Steine schnipsen nicht mehr wie Kugelhagel durch Gegend, es ist angenehmer für die Gelenke und man hüpft nicht mehr im Sattel so dahin. Wir unterfahren nun den TCH und entfernen uns zunehmend vom Highway. Es folgt noch eine kleine Ortschaft namens Brigus Junction und dann sehen wir nur noch einsame Hütten vereinzelt an den vielen Seen. Vermehrt sehen wir nun andere Camper mit Zelt am T’railway.

Es scheinen Einheimische zu sein, die ihr Wochenende genießen und jagen gehen. Sie sind mit Quad unterwegs. Nun haben wir auch keinen Skrupel mehr, unser Zelt direkt am Weg auf zu bauen, denn Möglichkeiten gibt es hier viele.
Nach 40 km entdecken wir ein lauschiges Plätzchen am Railway Pond. Ehe wir wieder keins finden, wenn wir konkret danach suchen, nehmen wir doch lieber gleich diesen Platz.

Eine Feuerstelle ist auch vorhanden, wir verzichten aber noch auf ein Lagerfeuer. Bald wird es unumgänglich sein, eins zu entfachen. Alles ist bald hergerichtet und schon jetzt zeichnet sich ab, dass 60 km / Tag auf dem T’railway unmöglich sind. Ich hoffe ein wenig auf die langen Asphaltpassagen, wo wir das noch aufholen können.

 

Das Fuchscamp, rechts ist leicht der T’railway zu erkennen

 

Der T’railway Abschnitt verbindet hier anscheinend viele kleine Örtchen und ehrlich gesagt, kann ich es nachvollziehen, dass es sicherlich auch Spaß macht, einfach nur mit dem Quads hier herum zu heizen. Wir nehmen das so hin und die Einheimischen grüßen auch immer nett beim vorbeizischen. Jedoch sind die Zeitfenster zwischen den Quads sehr eng, um mal schnell nackt in den See zu springen.

Nun muss also alles schnell gehen. Ausziehen, nackt schnell zum 10m entfernten See rennen, waschen, schnell zurück rennen und hinterm Zelt verstecken. Erwischt Dich hier ein Quad, würden beide Seiten wohl ins Staunen kommen. Wir Nacktbader bleiben unentdeckt, nur Mr. Fuchs, dieser Voyeurist, schleicht aus dem Busch und schaut uns zu. Damit können wir alle Drei aber leben.

Beim Abendmahl haben wir mal wieder große Auswahl: Spaghetti, Spirelli oder Bandnudeln! Mit reichlich Zwiebeln und Dosenfleisch angereichert, macht es Alle satt. Wir zwingen uns, alles schön auf zu essen und nichts weg zu hauen. Wir wollen doch keine Tiere anlocken. Was übrig bleibt, kommt in eine Radtrinkflasche und wird Tag darauf als Mittagessen wieder vorgeholt.

Bald wird es schlagartig ruhiger, ein klarer Sternenhimmel baut sich über uns auf. Doch was ist das? Am Horizont erblicke ich einen wechselnden Lichtschein. Ich weiß aus Lappland wie Nordlichter ausschauen. Das sah anders aus, aber am Ende kann es nur ein Nordlicht gewesen sein. Wir diskutieren noch ein wenig darüber, ob das sein kann, vertagen aber die Entscheidung und gehen gemeinsam ins Zelt. Drin reden wir noch ein wenig in der Horizontalen, lachen noch ein wenig über bereits Erlebtes und sind bald Alle ruhig.

 

12.August 3.Tag | Rohrduschencamp  zurück zur Liste

Und täglich grüßt das Murmeltier: Ich als Erster wach, ich als Erster beim Aufstehen. Yvonne beichtet mir beim Frühstück, dass sie morgens immer mal zu mir rüber schielt, ob ich noch im Zelt liege. Wenn sie mich dann liegen sieht, freut sie sich und dreht sich auch noch einmal um. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn ich nicht aufstehen würde, kämen wir nie los. Ich kann es verstehen, es schläft sich aber auch so toll im Zelt.

 

Das voll bepackte Stevens ist startklar, rechts das Zugseil zu erkennen

 

An unserem Frühstücksbuffet rasen die ersten Quads vorbei und mit vollen Mund grüßen wir nett zurück. Auf einmal hören wir jedoch Stimmen ohne die begleitenden Motorgeräusche. Wir springen auf um zu schauen, was da Sache ist. Eine Gruppe von Wanderer kommt es Weges. Sie fragen, wo wir hinwollen, sie erzählen, dass sie einen verlängerten Wochenendtrip auf dem T’railway wandern gehen. Wir wünschen uns gegenseitig noch eine tolle Tour, die bei ihnen bald enden wird und bei erst begonnen hat.

Gegen 10 Uhr sitzen wir im Sattel und folgen dem Trail weiter. Von den Wanderern erfuhren wir, dass in Whitbourne, einem Ort nahe dem T’railway ein Minimarkt existiert. Das spornt uns an, dort Mittagspause zu machen. Bis dahin sind es aber noch 20 km auf 90% gerade so zufriedenstellendem Schotter. Den Rest fahren wir auf einer Autopiste parallel zum T’railway. Dort rollt es nicht von allein, aber der Schotter ist durch die Pickups platt gefahren und daher hinnehmbarer.

 

 

Unterwegs legen wir immer wieder kleine Trinkpäuschen ein. Würden wir während der Fahrt zur Flasche greifen, wären wir früher oder später im Gebüsch gelandet oder man hätte sich mit der Flasche die Zähne ausgeschlagen. Entspannter geht das Trinken wohl im Stehen. Danach rollen wir immer wieder motiviert weiter. Es geht vorbei an vielen einsamen Seen, aber auch sogenannten „cabin areas“. Hier stehen vermehrt Häuser an den Seen, eine Art kleine Häusergemeinde ohne Ortsnamen.

Gegen 13 Uhr erreichen wir den Minimarkt und erregen das öffentliche Interesse des kleinen Dorfes. Während wir Mittagessen, erzählt uns eine Einheimische von den vielen Kojoten-Rudeln, die hier unterwegs sind und warnt uns ausdrücklich aufzupassen. Sie haben keine Scheu und können auch Menschen angreifen, wenn sie Futter wittern. Ich beruhige erst einmal meine beiden Mitstreiter, mache mir aber so über die Aussagen der Frau Gedanken.

Wir füllen unser Proviant im Minimarkt auf, was für die nächsten 2-3 Tage reichen muss. Dann genießen wir die letzten kurzen Asphaltpassagen des Ortes und dann geht es weiter auf der Rüttelplatte. In 3-4 km würden wir die Route 100 queren und dort entscheiden, ob wir weiter T’railway oder Straße fahren. Wir würden so nur 2.5 km T’railway auslassen, aber bereits jetzt tauschen wir gern jeden Meter T’railway gegen die Straße.

 

Linke oder rechte Spur, Pest oder Cholera

 

Los Mama, fahr‘ vor, ich bin eh bergauf schneller

 

Daher fällt uns an der Straße 100 die Entscheidung nicht schwer, auf die Straße zu wechseln, wird jedoch bald hart bestraft werden. Auf dem T’railway hatten wir nicht mitbekommen, dass der Wind von vorn kam. Auf der Straße bekommen wir nun diesen Wind frontal zu spüren. Damit nicht genug, es geht auch noch bergauf. Um nicht stehen zu bleiben, nehme ich Täve ans Seil und kotze mich nun ordentlich aus.

 

Route 100, um die Rechtskurve nahm der Wind ordentlich zu

 

Yvonne fragt Täve, warum er denn rückwärts tritt. Er entgegnet nur, dass ihm kalt sei und er fahre sich warm. Das ist mein Sohn! Nicht, dass er mich mit vorwärts treten mal unterstützen würde, nein! Wenn Papa so ein Scheiß raus gesucht hat, darf er das auch ganz allein ausbaden. In der Ferne kann ich aufgrund der sehr geraden Straße den Abzweig auf den T’railway bereits erkennen, aber er will nicht näher kommen.

Jetzt wünsche ich mir gern eine vorbeirauschende LKW Kolonne her, mit deren Windsog ich nach oben fliege. Aber nein, gerade diese Straße ist relativ ruhig. So kann ich wenigstens ein wenig Serpentinen auf der rechten freien Spur fahren. Da ich am Limit bin und trotzdem nur 10 km/h fahre, habe ich viel Zeit, die Landschaft rechts und links zu erkunden. Sie schleicht an mir vorbei, aber ich erspähe keine Tiere.

Am Abzweig angekommen, wird die Pause dazu genutzt, den Puls und Schweißfluss wieder auf ein Normalmaß zu bekommen. Es geht nun vorerst kurz auf einer breiten Autopiste entlang, bevor uns der T’railway wieder hat. Bei Placentia Junction wird es wieder ernst, aber ich ermutige Alle, inklusive mich, dass wir schon mal die Augen nach einem Camp offen halten können. Es ist noch nicht spät, aber es reicht mal wieder. Nach 38 km finden wir ein tolles Camp direkt am T’railway, jedoch ziemlich exponiert.

 

Ein schönes, ruhiges, aber windiges Camp

 

Der Wind bläst uns um die Ohren und nur im Zelt ist es aus zu halten. Ich spanne komplett alle Leinen ab, dass Kaitum steht ruhiger und wir verschnaufen kurz. Yvonne relaxt und die Männer werfen erst einmal einen Stock mit Angelhaken in den See. Fische soll es geben, wenn wir einen fangen würden, hätte ich die Aufgabe gehabt, ihn aus zu nehmen und zu zubereiten. Ich, der keinen Fisch isst. Hoffen wir also mal, das Keiner anbeißt.

Zwischenzeitlich ziehen wir mal wieder direkt am T’railway blank und lassen uns von einem Rohr berieseln, was unterhalb des Trails lang führt. Es führt ordentlich Wasser und spritzt den Dreck auch ohne Seife ab. Das Wasser ist warm und klar. Erstmals nehmen wir keinen Filter, was sich die nächsten Tage negativ auswirken sollte. Am Camp wird der Kocher angemacht und im Schutz des Zeltes mit Aluwindschutz gekocht. Der Wind hätte den Kocher vermutlich ausgeblasen.

 

Die Raubtiere im Zelt sind gefüttert

 

Ein Abend im Zelt entspricht nicht gerade unseren Vorstellungen von einem gemütlichen Abend, aber als Abwechslung ist es okay, zumal man mal Karten spielen und im Schein der Taschenlampe lesen kann. Nebenbei wird die Kojoten-Rudel-Frau noch einmal zum Thema. Für uns ist es einfach nicht vorstellbar, dass sich Kojoten an Menschen bewusst herantrauen und diese angreifen. Trotzdem liegt die Tarpstange griffbereit am Eingang. Das beruhigt Alle, ob und wie diese jedoch zum Einsatz kommen wird, weiß auch Niemand.

 

Blick in die andere Richtung auf den T’railway und den hinter den Bäumen liegenden Big Gull Pond

 

13.August 4.Tag | Highwaycamp  zurück zur Liste

Es gibt zwei Gründe, heute nicht motiviert das Zelt zu verlassen. Der Regen schlägt sanft aufs Außenzelt, das ist so schön einschläfernd und bei dem zusätzlichen Wind will Keiner der Erste vorm Zelt sein. Gut, wir wussten es, dass es nicht immer schön sein kann.

Irgendwie muss es aber weitergehen, also koche ich in der Apsis und Yvonne und Täve bleiben zum Frühstück gleich im Schlafsack liegen. Füttern tue ich sie aber nicht auch noch. Wir warten ein wenig ab und dehnen das Morgenmahl aus bis der Regen nachlässt. Wirklich aufhören wird er heute nicht, die Wolken hängen tief und keine Aussicht auf Wetterwechsel.

Also packen wir die Klamotten im Zelt zusammen. Auf engsten Raum stört Jeder den Anderen bei seinen Aufgaben. Wir wünschen uns das Keron 4 GT her, müssen aber mit dem Kaitum leben. Bald ist alles gepackt und wir sind startklar, da nimmt der Regen wieder zu. Wir warten diesen Schauer noch einmal ab, dann muss das Zelt klitschnass zusammengepackt werden. Es wird im Wassersack verstaut und die Regenklamotten werden übergestreift.

 

Mama macht heute ihr eigenes Ding, ich widme mich der Motivation von Täve

 

Die gute Laune lassen wir uns trotzdem nicht verderben. Im weiteren Verlauf hat der Wettergott zwar kein Mitleid mit uns, aber er gibt uns Schonfristen. Es haut immer dann wieder mal ordentlich vom Himmel, wenn gerade mal ein Unterschlupf in der Nähe ist. So orientieren sich heute die Pause am Wetter. Einmal stehen wir unter einem Vordach eines Wochenendhäuschens, dann mal halb liegend unter einem aufgebockten Camper, das andere Mal in einem alten ausrangierten Schulbus.

Auf dem Weg queren wir die Straßen 202 und 203, dazwischen immer wieder cabin areas, die uns Schutz bieten. 1 km gönnt uns der T’railway heute sogar eine Auszeit und es geht auf Asphalt weiter. Ansonsten ist der Untergrund heute mal akzeptabel. Wir kommen voran, aber eher in mäßigen Tempi. Da uns die vielen kleinen Pausen heute jede Menge Zeit kosten, sind wir gefühlt schon eine Ewigkeit unterwegs.

 

Auf dem nassen Trail lässt es sich irgendwie besser rollen

 

Bis jetzt waren wir ca. 4 km westlich des TCH unterwegs. Nun nähern wir uns aber dem TCH wieder hör- und bald auch sichtbar. Da der folgende Weg aber noch näher am TCH entlang führt, entscheiden wir, hier nun nach einem Camp zu suchen. Heute ist Keiner wählerisch. Hätten wir die Heringe in den Asphalt bekommen, wir hätten direkt am TCH Camp bezogen. Nach langer Suche zu Fuß abseits des Trails finden wir nichts und müssen weiter ziehen.

 

So eine Suppe, wirklich kein Lichtblick am Horizont

 

Glücklicherweise entfernt sich bald der Trail wieder ein wenig von der Straße und es erscheint ein akzeptables Plätzchen. Die Straße ist zwar immer noch zu sehen und noch besser zu hören, aber an einer der schmalsten Stellen Neufundlands mit 10 km haben wir keine Wahl.

Das klitschnasse Zelt wird aufgebaut und muss erst einmal trockengewischt werden. Wenigstens regnet es gerade mal nicht und so trocknen unsere Körper das Zelt schnell durch. Yvonne verzichtet heute mal gern aufs Waschen. „Ich habe heute genug Wasser gesehen“. Ich dagegen muss es mir heute noch geben. Bei starkem Wind und unangenehmer nassen Kälte entkleide ich mich und springe ins Wasser, wo es wärmer als draußen ist.

Täve angelt derweil im gegenüberliegenden See. Ich fand seine Idee, dass er dort angeln darf, wo ich bade, nicht gerade prickelnd. Bei seinem Geschick hätte er mir den Angelhaken in den Oberschenkel gezogen. Beim Abtrocknen bekommt Täve einen Lachkrampf. Ich versuche vergebens bei starkem Wind, das kleine Handtuch hinter meinen Rücken zu bekommen. Ich gebe es auf und lasse den Rücken lufttrocknen.

 

Das Highwaycamp, der See im Hintergrund ist Täves Angelrevier

 

Am Zelt liegt Yvonne im Zelt und wird es heute auch nicht mehr verlassen. Ich koche wieder in der Apsis und Yvonne verteilt derweil beim Zuschneiden der Zwiebeln und des Fleisches so einige Reste im Zelt. Den Geruch sollten wir noch eine Weile im Zelt behalten. Es wird wieder ein Abend im Zelt, das Abendessen ist kaum verdaut, da schreien alle nach Süßigkeiten. Mama und Papa gönnen sich Rum, Täve bekommt seine tägliche Ration Cola als Belohnung.
Trotz der Nähe zum Highway wird es bald ruhiger, auf dem Trail kommt Keiner mehr vorbei. Wir schlafen ein, der Regen nimmt wieder zu. Hoffentlich wird morgen ein besserer Tag, schlimmer konnte es nicht mehr werden.

 

14.August 5.Tag | Elchknochencamp  zurück zur Liste

Wie in einer anderen Welt. Ich bin der Erste, der den beinahe wolkenfreien Himmel bestaunen kann. Auch der Wind hat nachgelassen. Nach den gestrigen 37 km und Schlechtwetterstimmung sollten die heutigen Kilometer wieder mit besserer Laune absolviert werden, ich bin mir sicher.

 

Bei dem sanften Grashügel in der Bildmitte befindet sich der TCH

 

Das Zelt kann nun richtig gut trocknen und bei Yvonne machen sich die ersten Auswirkungen des ungefilterten Wassers bemerkbar. Sie rennt immer wieder mit der Klorolle ins Gebüsch. Durchfall feinster Güte. Bald kann auch Täve das Wort Diarrhoe aussprechen, es ist in aller Munde. Wir entscheiden uns, fortan wieder konsequenter zu filtern.

 

Yvonne wird beim Aufstehen erwischt, eine Sensation

 

Beim Zusammenpacken stellen wir fest, dass Yvonne bei einer der Radtaschen den Gepäckträgerhaken verloren hat. Er ist komplett ausgerissen. Bei dem Weg kein Wunder. Den ersten Verlust können wir akzeptieren, die Tasche wird mit einem Spannband fixiert. Nun geht es los. Die nassen Klamotten vom Vortag können wir gar nicht alle am Rad während der Fahrt trocknen. Das würde wie ein rollender Wäscheständer aussehen. Wir verpacken sie in einem Sack und verstauen sie.

Heute, bei dem tollen Wetter, sind auch wieder mehr Quads unterwegs. Wir müssen immer Platz machen und absteigen. Auf dem engen Trail ist nur Platz für Einen, und zwar dem mit den meisten Argumenten. Wir geben klein bei, ein wenig stört es aber. Ab und an kommen sie auch mal wie ein Geschoss um die Kurve geschossen und können es gerade so noch ermeckern.

 

Platz da, Geschwindigkeit vor Sportlichkeit

 

Immer wieder queren wir den TCH, entfernen uns aber auch mal wieder 2 km davon. Die Landschaft ist hier seenreich und bewaldet. Ein ideales Terrain für Elche, aber immer noch will sich Keiner von denen blicken lassen. Wir sind sicher weithin hörbar. Heute wird Mittagspause in Arnolds Cove gemacht. Es bedeutet zwar einen Umweg von 10 km, aber auf dem Weg ist es die einzige Option, Lebensmittel nach zu kaufen. Dafür ist es asphaltierter Umweg, der gut rollt.

 

tolle Landschaft gleich am TCH

 

Die letzten Abschnitte rollen mal wieder unterirdisch schlecht

 

Natürlich befindet sich der Foodland Laden am Ende des Ortes, am letzten Zipfel. Wir durchqueren das beschauliche Hafenstädtchen und werden gegrüßt, beäugt und bestaunt. Während wir am Supermarkt uns der ungesunden Ernäherungsweise hier anpassen und es Donuts gibt, komme ich mit dem Besitzer des daneben befindlichen Jagd- und Angelladens ins Gespräch.

Er belächelt uns ein wenig als wir nach Bärenspray fragen. „Für was braucht Ihr das?“ Hee, natürlich für die Mücken. Was für eine Frage, aber er klärt uns auf, dass das nun wirklich nicht nötig sei und er deshalb sowas gar nicht verkauft. Maximal Canadian Tire würde sowas vertreiben. „Wir haben hier zwar eine Unmenge an Bären, aber es gab noch nie eine Bärenattacke“. Gut, das beruhigt uns. Auch die Kojoten verharmlost er. Bei beiden Tieren reicht es aus, in die Hände zu klatschen oder „Buuh“ zu machen und sie hauen ab. Wir sollten mehr Acht auf die Elche geben, die können wesentlich gefährlicher werden.

Okay, die Info von so einem Insider klingt plausibel. Wir vergessen das nun mit dem Bärenspray und üben nun lautes Klatschen und Buuh-Rufe in Perfektion. Nach der Pause und dem Auffüllen der Provianttasche für die kommenden 3-4 Tage geht es maximal beladen wieder den Anstieg zurück. Wir durchfahren eine riesige Raffinerie bei Long Beach. Schrecklich anzuschauen in sonst so atemberaubender Natur, aber was muss, dass muss.

Wir fahren auf der Straße 216, die eher eine Piste ist, durch den Ort mit klangvollen Namen „Come by Chance“ . Knappe 40 km sind gemacht und beim Abzweig links auf den T’railway kündige ich an, schon mal die Augen wieder nach einem Camp offen zu halten, wir haben es schon wieder 17 Uhr. Da der Trail sich bald wieder an den TCH schmiegen würde, wollen wir dieses Mal ein Camp ohne Rastplatzgeräusche.

 

Bei der Campsuche am Trailway

 

Nach ca. 1.5 km lächelt uns ein Camp links des Trails förmlich an. Nur Wasser fehlt. Täve schreit „Ruhe!“. Was für ein Bursche, er hat Wasser gehört und gefunden. Perfekter Platz mit toller Aussicht und endlich mal windstill. Heute wird zum ersten Mal Lagerfeuer gemacht um den einzigen Nachteil des Camps zu vertreiben. Die Mücken fallen über ein her, so dass wir erst einmal eine Feuerstelle herrichten und Feuer entfachen, bevor wir das Zelt aufbauen. Kurzer darauf ist Ruhe im Puff. Die kommen erst einmal nicht mehr wieder.

 

Ohne Feuer geht hier und heute gar nichts

 

Das Elchknochencamp

 

Auf dieser Wiese genießen wir die letzten Sonnenstrahlen….

 

…gleich neben dem Schlachtplatz

 

Die noch hochstehende Sonne motiviert Alle, schnell mit an zu packen. Am Ende können wir noch die letzten Sonnenstrahlen auf einer freien Wiese vor der Baumreihe genießen, direkt neben einem Elchknochenhaufen. Unser erster Elch, wenn auch tot. Nachdem heute mal wieder Alle waschen gingen, riecht es am und im Zelt auch wieder angenehmer. Am Lagerfeuer werden heute die noch jungfräulichen Töpfe eingeweiht und eingesaut. Benzin sparen ist ja die Devise.

 

Abendstimmung draußen genießen

 

Es gibt zur Abwechslung mal Kartoffelpüree mit Ei. Nur noch wenige Quads kommen vorbei und bald haben wir die Stille für uns allein. Das Lagerfeuer knistert dahin und dieser Abend ist die Entschädigung für den gestrigen. Wir sitzen so lange, dass wir sogar neues Feuerholz suchen müssen. Wir sind erstaunt als wir 23 Uhr auf die Uhr schauen. Spontan sind Alle müde, es geht ins Bett.

 

toller Fernblick

 

 

15.August 6.Tag | Karibucamp  zurück zur Liste

Das wiederum schöne Wetter und die Aussicht, dass die kommenden 5 Tage auf Asphalt rollen sollen, treibt die ganze Familie gemeinsam aus dem Zelt. Wir begrüßen den vorm Zelt wartenden Schwarm von Mücken mit einem müden Lächeln. Nach Entfachen des Feuers lachen wir. Die nassen Klamotten der letzten Tages sind beinahe trocken, nur der Geruch will nicht mehr verfliegen.

Da wir Alle riechen, stören wir damit nur Dritte. Es geht wieder etwas später los, der Tagesablauf wird sich im Urlaub nicht mehr groß ändern. Bis 8 Uhr ausschlafen, frühstücken, packen und zwischen 10 und 11 Uhr starten. Gegen 17/ 18 Uhr ankommen. Das passt gut und der Begriff Urlaub soll nicht zu kurz kommen.

Es sind ca. 10 km bis Gobbies Station. Dort beginnt die Straße 210, die uns nach Süden auf an die Küste führen wird. Dort angekommen, trainiere ich erst einmal meine Oberarme und pumpe je 200 Züge in die Reifen um den Druck straßentauglich zu machen. Kurz darauf passieren wir ein Schild mit der Unfallstatistik von 2018 und 2019. Letztes Jahr gab es hier über 600 Unfälle mit Elchen, dieses Jahr erst 11. Sind die Elche vorsichtiger geworden?

 

Noch vor Gobbies Station beginnt der Asphalt, was für eine Entspannung

 

Wir steigern uns bei der Elchsichtigung. Nachdem wir gestern nur Knochen gesehen hatten, treffen wir heute auf einen toten und kompletten Elch direkt am Straßenrand. Es riecht stark nach Verwesung, nur die Augen fehlen. Seine Zunge hängt heraus. Kein schöner Anblick. Ich möchte aber nicht das Auto sehen, welches das Tier erlegt hat. Das sieht bestimmt schlimmer aus.

 

An der Hinterradtasche ist das Spannband erkennbar

 

Keine 2 km auf der Straße kommt rechts der Abzweig zur Old Mill Road, die alte unasphaltierte Straße, die parallel zur Route 210 verläuft. Wir haben Sehnsucht nach Schotter und fahren auf dieser ruhigen Straße weiter. Wird schon nicht so schlimm werden, wenn es mal eine alte Autopiste war. 3 km läuft es echt gut und wir genießen den 10 m breiten, einsamen Weg.

Als der Weg auf einmal auf Trailbreite zusammenschrumpft winken wir nur ab. Sind wir doch gewohnt, schlimmer als der T’railway wird es wohl nicht werden. Denkste! Nach einer Brücke wird zwar der Belag nicht wesentlich schlechter, dafür steht der Trail auf ca. 30 m unter Wasser. Unserer Faulheit haben wir es zu verdanken, dass wir die Schuhe anlassen und die Räder durch die 20 cm dunkle Brühe durchschieben.

 

Wer nicht hören will, muss (nass) fühlen

 

Keiner will den Versuch wagen, hier durch zu fahren. Gut so, denn es liegen Riesenbrocken im Wasser. Bald haben wir es geschafft und bis zur Straße ist es kein Kilometer mehr. So, genug damit, keine Experimente mehr. Nun wollen wir erst einmal genüsslich rollen und die nassen Schuhe im Wind trocknen.

Obwohl die höchste Erhebung auf Neufundland nur 800 m ist, soll mir bitte Keiner nach dem Urlaub sagen, dass es hier nur Flachetappen gibt. Stetig geht es bergauf und -ab. Außerdem habe ich mit weniger Verkehr gerechnet. Aber wer will bei so einem Flüsterasphalt schon meckern? Wir kommen vom Inland wieder an die Küste, eine fjordähnliche Bucht umrunden wir gegen Mittag.

 

Einen breiten Seitenstreifen gibt es nicht, aber die Autofahrer überholen rücksichtsvoll

 

Landschaft und idyliische Örtchen wechseln sich ab

 

Wir werden wieder einmal angehupt. Nein, die Neufundländer sind keine Drängler, sie würdigen nur unser sportliches Transportmittel. Immer wieder zaubert es uns ein Lächeln ins Gesicht. Radreisende scheint es hier nicht viele zu geben. Das war aber auch mein Gefühl, als ich vorm Urlaub nach diesem Thema suchte. Es gab vereinzelt englischsprachige Berichte, aber erst nach langen Suchen.

Die Mittagspause steht an, es gibt belegte Brote. In der Sonne machen wir mal 10 Minuten die Augen zu. Es muss aber weiter gehen. Mit jedem Kilometer hat man das Gefühl, dass die Autos nachlassen, denn immer wieder kommen kleine Örtchen oder Häuseransammlungen, wo Autos abbiegen.

Es ist so weit, wir knacken die 50 km Marke, erstmals. Das verspricht doch Gutes für die kommenden Tage. Nach dem großen See Long Pond wird entschieden, mit der Campsuche anzufangen. An der Straße was idyllisches zu finden wird sich schwer gestalten, denken wir. Doch bald sehen wir eine große Parkbucht. Hier pausieren wir. Täve und ich suchen zu Fuß weiter.

 

Die letzten Meter auf dem Asphalt, bevor wir links zur Campsuche abbiegen

 

Wir entdecken einen Pfad, der uns aber mit mächtig Gestank begrüßt. Komplett verstreut liegt vor uns ein völlig auseinander genommenes Karibu. Hier haben die Kojoten wohl mal ganze Arbeit geleistet. Durch den Mund atmend bewältigen wir diesen Schlachthof. Dahinter öffnet sich das Land und es wird sumpfig, ich will schon mit der Suche aufgeben, doch keine 200 m weiter treffen wir auf eine trockene Stelle direkt auf dem Trail.

 

Unser Bade-, Angel- und Abwaschsee

 

Exponiertes Camp, dafür mit viel Weitsicht

 

Hier würde schon Keiner lang kommen, wir blockieren also den Trail. Yvonne meint nur „Hoffentlich dreht der Wind nicht“. Da gebe ich ihr Recht, denn ansonsten hätten wir den ganzen Abend den Karibu Gestank gehabt. Alles geht wieder ganz schnell: Zelt aufgebaut, Räder abgedeckt, Wassersack befüllt und Angel ausgeworfen. Während wir die Abendstimmung genießen, entdecken wir einen Wanderer mit zwei Kindern. Wir winken ihm zu, er erwidert.

 

Unser Karibucamp

 

Er lässt es sich nicht nehmen, seine Neugierde zu stillen und kommt zu uns. Er entschuldigt sich mit den Worten „Sorry, dass ich Eure Ruhe und Idylle störe“. Ralph ist ein älterer Mann, der seinen Enkeln aus Montreal die Natur näher bringen möchte. Er findet unseren Spot toll, er hat früher auch einmal viel gezeltet. Ich bemerke seinen Bärenspray am Gürtel, frage ihn, ob das nun doch nötig ist. Er erzählt von einer Schrecksekunde mit einem Schwarzbären vor seinem Haus. Seitdem ist er vorsichtig. Außerdem will er seinen Enkeln eine Wiese in der Nähe zeigen, wo Bären sich in der Dämmerung immer am Beerenfeld laben.

 

Sicher eines unserer Highlight Camps

 

Die nette Begegnung währt nur kurz, danach gehen wir uns im See baden. Im Wind ist es frisch, aber Jeder weiß, dass die anfängliche Skepsis bald einem unbeschreiblichen Wohlbefinden weicht. Am Zelt kochen wir das Essen wieder einmal mit Kocher, es ist zu windig für ein Lagerfeuer, außerdem gibts hier wenig Bäume.

Der Abend ist wieder einmal eine der Abende, die einem im Gedächtnis bleiben. Die Sonne geht unter, der Sternenhimmel erleuchtet und der Wind lässt nach. Es ist mild und keine einzige Mücke quält uns. Wir lachen wieder einmal viel über Begegnungen und Situationen, haben unseren Spaß und finden schon jetzt Neufundland toll. Warum, kann Keiner sagen, aber es ist das Gesamtpaket.

 

16.August 7.Tag | Blaubeercamp  zurück zur Liste

Mit gemischten Gefühlen stehe ich auf. Es regnet nicht, ist aber bewölkt und frisch. Dafür steht heute eine 100% Asphaltetappe vor uns. Wir wollen so nah wie möglich bis Bay L’Argent kommen, denn übermorgen legt von dort die Fähre nach Pools Cove ab. Wir verkürzen das Frühstück und kommen so mal 10 Uhr los.

 

Noch sind blaue Flecken zu sehen, die verschwinden aber bald

 

Erstmals streife ich die Armlinge über, kalt ist mir aber nie, denn temporär darf ich Täve immer mal wieder die kleinen Rämpchen hochschieben. Ich verzichte auf das Seil und drücke meinen Sohn mit dem rechten Arm nach oben. Kurz vor der Bergkuppe gebe ich ihm dem letzten Schwung, während ich fast zum Stehen komme. Täve zieht dankend davon.

Nachdem wir gestern 57 km schafften, hängt die Länge heute eher von der Nähe zum Hafen ab. Ich schätze, dass es 50 km werden. Mal schauen. Nun bleibt endlich mal Zeit, ohne Gefahr nach rechts und links zu schauen, um Tiere zu entdecken. Mehr als eine weitläufige Seenlandschaft mit zahlreichen Flüssen sehen wir aber nicht. Wo sind denn die 150.000 Elche. Werden wir je Einen lebend zu Gesicht bekommen?

 

Bei solchen Ausblicken pausieren wir doch gern

 

Wie immer wird dann Pause gemacht, wenn Einer danach verlangt oder die Landschaft einen Ausblick verspricht. In der Regel aller einer Stunde mal 10 bis 20 Minuten Kekspause. Es wird geknabbert und getrunken. Wie die Kekse schmecken, erfahre ich nur von Täve und Yvonne. Ich möchte mich in den Krümelstreit nicht einmischen. Da ich zum Frühstück immer die Grießreste von Täve verzehren darf, bin ich bis Mittag immer gut gesättigt.

 

Eine der vielen, kleinen Pausen

 

In einem kleinen Steinbruch pausieren wir, hier ist es windstill. Die vorbeirauschenden Autofahrer verrenken sich nach uns, um einen Blick zu erhaschen. Wir winken immer freundlich zurück. Vor allem die Truckerfahrer hupen Einen zu. Einige sehen wir schon zum zweiten Mal. Keine Sonne zu haben tut auch mal gut, denn wenn sie dann einmal da ist, wird es heiß.

 

Die kleinen Wellen sind der Vorgeschmack auf das heutige Finale

Die typischen nordamerikanischen, langen Straßen, die weite Einsicht in den Verlauf geben, gibt es auch hier. So sehen wir bald eine Rampe vor uns. Es scheint eine unüberwindbare Wand zu sein. Wir gehen sie portioniert an. 140 Höhenmeter auf 3 km ist eine Ansage. Zum Glück sind die steilen Straßenpassagen meist zweispurig, so bleibt viel Platz für uns beim Herumeiern.

Eigentlich war es nicht geplant, aber oben angekommen, pfeifen Alle auf dem letzten Loch. Die Zeit und fehlende Motivation spricht für eine Campsuche. Bei km 50 entdecken wir einen neu angelegten Quadtrail. Wir inspizieren ihn, müssen weit laufen, finden aber eine weiche Plattform. Gerade hier ist aber das Wasser rar. Ein kleines Wasserloch entdecken wir auf dem Weg zurück zu Mama.

 

Sohn und Papa suchen ein Camp, oben rechts des Trails findet sich ein Platz

 

Das passt doch. Morgen würden es bis zum Hafen nur 20 km sein und die Fähre gegen 14 Uhr ab. Nun muss die Fähre nur noch Räder mitnehmen, denn überall steht auf den Schildern geschrieben „No vehicles“ Zu was zählen Räder? Das wird noch spannend werden.

Wir bauen unser Zelt auf, suchen Holz für den HoBo zusammen und schöpfen Wasser aus dem Wasserloch, bevor es mit Dreck und Schweiß kontaminiert wird. Bevor wir waschen gehen, gesteht mir Yvonne, dass sie sich das Radfahren nicht so anstrengend vorgestellt hat. Dem stimme ich zu, aber Aktivurlaub war ja schon immer unser Ding.

 

Entspannen vorm Zelt und warten auf die warme Mahlzeit

 

Täve pflückt im Umkreis eine volle Tasse Blaubeeren. Wow, sind die groß, fast 1 cm Durchmesser und so megalecker. Die gibt es zum Nachtisch. Nach dem Waschgang bereiten wir entspannt das Abendessen zu. Es ist die letzte Nudelpackung, morgen muss Nachschub im Abfahrtshafen her. Am Abend spähen wir die weit einsehbare Umgebung mit dem Fernglas aus, aber alle Tiere scheinen sich wieder hinter den Bäumen zu verstecken.

 

Mini-Lagerfeueridylle am Blaubeerencamp

 

Der Abend zieht sich heute nicht sonderlich in die Länge, wir sind ein wenig müde und morgen müssen wir früher raus um Puffer zu haben. Wir wollen die Fähre doch nicht verpassen.

 

17.August  8.Tag | Schulbuscamp  zurück zur Liste

Wir müssen zeitiger raus, das geht auch ohne Wecker, dafür aber bitte mit ein bisschen mehr Motivation. Kein Problem, denn 50 der heutigen 80 km sollen mit Fähre zurückgelegt werden. Also stehen wir normal auf, ziehen aber das Frühstück nicht unnötig in die Länge. Noch ist es bewölkt, aber als wir losfahren, zieht mehr und mehr der Himmel auf.

 

Wir sind im Aufbruch, zusammen packen und los geht’s

 

Da wir Zeit haben, fahre ich ein wenig vor, lege mein Rad an den Straßengraben und lege mich mitten auf die Straße. Hier auf der Marystown Halbinsel ist morgens um die Zeit nicht viel los. Ich möchte ein Video drehen, da kommt prompt ein Auto aus der anderen Richtung, bremst abrupt und schaltet die Warnblinkanlage ein.

 
 

 

Yvonne lacht und meint, dass er dachte, dass ich einen Unfall hatte. Gut, das sehe ich nun auch erst jetzt. Da liegt ein Rad quer und Jemand liegt auf der Straße. Nett, dass die Leute helfen wollen. So war das nicht gewollt. Wir haben genug Zeit und trödeln weiter des Weges. Die Straße 212 zweigt nun von der 210 ab und bald erreichen wir den Abzweig zum Hafen. Hier gibt es eine Tankstelle. Ich versuche mein Glück, die Flasche auf zu füllen.

 

Die Straßen werden einsamer, dafür aber auch ruppiger

 

Die Frau meint nur, dass ich doch Gas und kein Benzin benötige. Sie kennen anscheinend nur Gaskocher. Ich lasse sie an der Flasche schnüffeln. „Okay, ist wirklich Benzin“ Ohne Probleme lässt sie mich zapfen. Erstes Problem des Tages gelöst. Wir fahren weiter und erreichen nach 4 km das Nest Bay L’Argent. Der von mir recherchierte Minimarkt hat geschlossen. Nicht nur jetzt, nicht nur heute, nein für immer.

 

Es rollt so dahin, bis zum Hafen ist es nicht mehr weit. In Täves Satteltasche befinden sich die Regenklamotten

 

Die Küste hier unten ist hinter jeder Ecke ein erneuter Hingucker

 

Zweites Problem des Tages nicht gelöst. Okay, in Pools Cove soll es auch was geben. Füllen wir halt unsere Reserven im Zielhafen auf. Wir fahren zum kleinen Hafen, wo auch schon Einheimische auf das Schiff warten. Wir haben noch 1 Stunde Zeit und schlendern durch das Örtchen. Beruhigt bin ich aber erst, nachdem wir die wartenden Fahrgäste gefragt haben, ob das Schiff auch Fahrräder transportiert. Drittes Problem gelöst, sie nehmen sie mit.

 

 

Das Schiff erscheint und wir sind bereit

 

Jetzt steht der Minikreuzfahrt nichts mehr im Wege. Mit jeder Stunde klart der Himmel mehr und mehr auf. Pünktlich legt das kleine Schiff an, welches ca. 30 bis 40 Personen fasst. Daneben kann es auch so einiges an Fracht mitnehmen. Die Radtaschen kommen in einen Container, der aufs Schiff gehoben wird, die Räder werden an der Reling fixiert.

 

Der überschaubare Hafen von Bay L’Argent

 

Die Fahrt wird, mit einem Zwischenstopp in Recontre East, ca. 3 Stunden dauern. Wir zahlen ca. 30 Euro für Alle zusammen, die Räder sind gratis. Kaum haben wir den Hafen verlassen, strahlt die Sonne mit voller Kraft. Yvonne ist müde und will schlafen, ich muss draußen sitzen und suche auf der ruhigen See nach Walen. Eine Finne taucht auf einmal weit in der Ferne aus dem Wasser auf.

 

 

Sie springen aus dem Wasser und ich bin zu langsam für DAS Foto

 

Nein, das sind keine Wale, es sind Delfine. Damit habe ich nun hier nicht gerechnet. Ich bin begeistert, meine anfängliche Müdigkeit ist verflogen, ich will nun noch mehr sehen. So kommt es auch, denn nun begleitet ein Schwarm das Schiff längsseits und auch in unmittelbarer Nähe springen die Delfine nur so aus dem Wasser. Yvonne ärgert sich wenig später, als ich ihr von dem Schauspiel berichte.

 

Die wertvolle Fracht ist trotz ruhiger See gut gesichert

 

Recontre East in Sicht

 

Es sind keine 10 Passagiere an Bord, alles läuft familiär ab. Nach der Hälfte der Zeit legen wir in Recontre East an, ein Ort, der nur per Schiff erreichbar ist. Sie werben mit dem Slogan „Isolated and loving it“ Das trifft hier wirklich zu. Kurz ringe ich mit dem Gedanken, hier doch eine Übernachtung zu verbringen. Der Kapitän erzählt mir von dem traumhaften Recontre Lake keine 2 km im Hinterland. Obwohl oder besser weil der Ort so abgeschieden ist, verbringen hier auch viele Neufundländer ihren Urlaub. Es gibt kleinere Guesthouses und einen Minimarkt.

 

Die Küste hier unten ist sehr abwechslungsreich

 

In Abgeschiedenheit leben, anscheinend nicht nur unser Traum

 

Es entspannt ungemein, dem Treiben hier zu zu schauen. Ausladen , einladen, beladen, nette Gespräche und knatternde Quads, die einzigen motorisierten Fahrzeuge im Ort. 30 Minuten später legen wir ab und hangeln uns weiter an der Küste entlang Richtung Westen. Wir sind uns einig. Hier mal mit dem Seekajak langfahren wäre sicher ein tolles Erlebnis. Wir erspähen sandige Buchten, umgeben von Wäldern und Felsklippen.

 

Mal baumlose Klippen, dann wieder sandige Waldbuchten

 

In Pools Cove angekommen schaut uns die Besatzung des Schiffes zu, wie wir uns wieder sammeln und startklar machen. Sie verabschieden sich von uns und wünschen eine gute Fahrt. Die soll uns vorerst nur zum Supermarkt führen. Nein, nicht doch. Das zweite ungelöste Problem entwickelt sich zu einem größeren. Auch dieser Laden hatte schon länger nicht mehr die Pforten geöffnet. Ein wenig hilflos stehe ich am Straßenrand, da kommt der Kapitän des Weges und meint, dass keine 5 Häuser weiter ein neuer kleiner Markt aufgemacht hätte.

Bei uns Allen sieht der Kapitän Erleichterung in den Gesichtern, lachend verabschiedet auch er sich. Im Minimarkt bekommen wir alles, was wir brauchen. Nudeln, Brot, Marmelade, Aufstriche, Cola und Süßigkeiten. Die Preise hier sind noch höher als sonst schon und noch nie haben wir eine solche Markendominanz von Pepsi gesehen. Coca Cola ist Mangelware, wir müssen uns mit dem fremdartigen Geschmack von Pepsi anfreunden und gewöhnen uns auch bald daran.

„Bis jetzt wurde gekleckert, nun wird geklotzt!“ Es war bis jetzt ein entspannter Tag, aber nun heißt es von Meter 0 auf 100 hoch zu klettern. Da wir nun für die kommenden 3 Tage Proviant geladen haben, ist die Anstrengung deutlich spürbar. Eigentlich wollen wir nur aus Pools Cove raus und die erste Möglichkeit nutzen, Camp zu beziehen. Doch es will einfach keine Möglichkeit kommen.

Kurz bevor eine Rampe weitere 100 m hoch geht, entdecken wir links eine Waldschneise zum Fluss. Hier steht ein ausgedienter gelber Schulbus. Für uns ist es nicht erkennbar, ob es ein Privatgrundstück ist. Wir bauen unser Zelt unten nahe dem Fluss auf. Es ist schon etwas später, nach 18 Uhr. Die Abendstimmung am breiten Fluss nutzen wir um baden zu gehen. Täve baut ein paar Boote und lässt sie treiben.

 

Unser Schulbuscamp

 

Leise rauscht der Fluss dahin, fast einschläfernd

 

Tolle Abendstimmung und kein Tier zu sehen

 

Umgezogen stehen wir gerade am Zelt, da erscheint keine Minute zu früh ein Pick-up. Ein Mann steigt aus. Wir kommen ins Gespräch. Er meint nur, dass der Schulbus ihm gehöre und es für ihn kein Problem darstelle, dass wir hier zelten. Ein wenig unwohl war uns bei der Sache schon, nun sind wir beruhigt. Er bietet uns bei schlechtem Wetter noch seinen Schulbus an und lässt ihn offen. Dann fährt er wieder und wünscht uns einen schönen Abend.

Wir packen den HoBo aus und trotz weniger Kilometer heute, wird auch dieses Mal keine Nudel übrig bleiben. Die Fähre heute, da sind wir uns Alle einig, war ein kleines Highlight der Tour. Eine Abwechslung, um mal nicht nur Asphalt oder Steine zu sehen. Ursprünglich hatte ich erst eine Fährfahrt bis Burgeo geplant, was locker 300 km gewesen wären. Das schien uns zu lang, der heutige Trip dagegen genau richtig.

 

Der HoBo reicht aus, um die Mücken zu vertreiben

 

„Irgendwie haben wir immer Glück“ meint Yvonne. Erst die geschlossenen Läden, dann die Ungewissheit der Radmitnahme, einfach alles. Es findet sich immer ein Weg. Ob sie damit für diesen Urlaub Recht behalten sollte?

 

18.August 9.Tag | Lake View Terrace Camp  zurück zur Liste

Es weckt uns keine wärmende Sonne, aber bei dem gestern schon beäugten Anstieg brauche ich die wohl auch nicht, um auf Betriebstemperaturen zu kommen. Wir freuen uns auf die Straße 360, die sehr zentral von der Südküste nach Grand Falls auf den TCH in den Norden führt. Sie wird wohl noch ruhiger und einsamer sein.

So richtig ist noch Keiner aufgewärmt und motiviert, also wird die Rampe hoch geschoben. Viel langsamer sind wir mit der Vorgehensweise nicht wirklich und belastet mal andere Muskelgruppen. Wir müssen heute noch auf 300 m Höhe, das bedeutet, längere Anstiege und kürzere Abfahrten. Es ist ein wechselhafter Tag, der Wind steht gut und drückt ein wenig von hinten.

 

Wir haben die Straße für uns und können zum Quatschen nebeneinander fahren

 

Die Landschaft hier ist so anders im Vergleich zu den Vortagen. Weniger Baumbestand, viele Seen, Sümpfe, grasige Hügel. Weit kann man in die Ferne blicken, der Straßenverlauf weithin sichtbar. Es bleibt viel Zeit, in der Gegend nach Tieren zu suchen. Schließlich soll sich hier im Süden und im Zentrum die höchste Bärenpopulation befinden. Nun müssen wir doch mal Glück haben.

 

Die Anstiege sind sanft, der Belag gut, so kann es weiter gehen

 

Am Straßenrand entdecken wir immer wieder Elchspuren

 

Yvonne stellt fest, dass es sicher ein noch größeres, noch wilderes Abenteuer wäre, hier im Hochland querfeldein zu wandern. Ich gebe ihr Recht, weise aber auf die sehr sumpfige, wasserreiche Landschaft hin. Sicher kein Spaziergang. Ich hatte bei der Planung ja vergebens nach einer Schotterpiste gesucht, die das Zentrum von Ost nach West durchquert. Ich traf auf eine Option, die aber an einem großen Fluss auf der einen Uferseite endete, jedoch auf der anderen weiter Richtung Westen verlief. Es wäre DIE Route gewesen, aber zu ungewiss.

Die wenigen Autos, die uns überholen, hupen freundlich und halten stets mehr als genug Abstand. Täve will heute keinen Meter unterstützt werden. Er ist hoch motiviert und gut gelaunt. Eine Belohnung hierfür sollte er heute noch einfordern. Wir pausieren etwas abseits des Straßenrandes. Während ich einen Apfel zugeschmissen bekommen, teilt sich der Rest der Bande die leckeren Digestive Kekse. Täve überlässt mir die Krümel, mit einem übertriebenen „Danke“ würdige ich diese nutzlose Geste.

 

Gut gelaunt auf den langen Straßen unterwegs

 

Bei km 42 kommen wir am Jipujijkuei Kuespem Provincial Park vorbei. Was für eine blöde Werbung am Straßenrand. Nicht wirklich kindergerecht. Es ist ein Zelt, ein Spielplatz und ein Badesee abgebildet. Ich versuche Täve mit Blick nach rechts abzulenken, aber er zeigt auf das Schild links. Für die Frage „Können wir hier bleiben?“ setzt er seinen besten Hundeblick auf. Obwohl es erst 14 Uhr ist und wir gut voran kommen und Keiner fertig ist, soll er seine Belohnung bekommen.

Die Nacht kostet schlappe 8 Euro gesamt, dafür bekommt man auch nur einen rudimentären Stellplatz ohne Dusche und Strom. Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen aus, die als Separees an einer Wegschleife liegen. Wir schnappen uns ein Camp mit Terrasse zum See. Viel los ist hier nicht, nur noch ein Camper ist anwesend und ein paar Tagesgäste im Freibad etwas weiter entfernt.

 

Das Lakeview Terrace Camp

 

Richtig glücklich bin ich mit der Entscheidung nicht, Täve verspricht mir aber, morgen mal so richtig los zu legen. „Hhm, irgendwie versuchen wir das seit einer Woche schon?“ denke ich mir und begrabe mehr und mehr den 8-Loop-Plan. Egal, Urlaub ist Urlaub und der Maßstab ist immer Täve, das wissen und akzeptieren wir. So entspannt Yvonne im Zelt und die Männer erkunden die Gegend.

Mit dem Rad und ohne Radtaschen eiere ich Täve wie ein Besoffener hinterher. Komisches Fahrgefühl. Da das Freibad mit Spielplatz Eintritt verlangt und ich kein Geld dabei habe, meint Täve, dass er noch einen anderen Spielplatz gesehen hätte. Den steuern wir nun an. Doch eine kleine Maus im Unterholz erweckt unser Interesse. Einmal eingefangen, bleibt sie in Täves Hand sitzen und lässt sich streicheln. Am Ende putzt sie sich sogar und entspannt völlig.

 

 

Am Spielplatz angekommen, lasse ich meine Gedanken treiben und Täve tollt herum. Das Glück steht ihm ins Gesicht geschrieben, was will Papa mehr? Am Zelt gibt’s ein wenig Schulunterricht, bisschen lesen, schreiben und rechnen, sonst muss Täve ab der 2.Klasse bei Null anfangen. Wir vertreiben uns den Nachmittag mit Gesprächen und Radpflege. Mein Gates Riemen quietscht durch den Dreck nur so dahin, ich muss diesen mal reinigen und die anderen beiden Ketten ölen.

Ziemlich zeitig essen wir zu Abend. Wir sparen uns das Benzin und nehmen wieder einmal den HoBo. Es gibt mal Reis, der soll eigentlich stopfen, aber nicht unsere Mäuler. Jedes Reiskorn ist ein Kampf und der Topf wird mit dem Finger sauber geputzt. Unterm Wassersack duschen wir alle Drei, müssen aber Acht auf vorbeifahrende Autos geben. Ab uns an patrouillieren hier die Parkangestellten.

 

Ausblick auf den River Pond

 

Was wird der Tag wohl morgen bringen, wo werden wir Camp beziehen und was werden wir erleben. Genau diese Ungewissheit ist das Schöne am Urlaub. Der Abend klingt ziemlich früh aus, kurz nach Sonnenuntergang gehen wir ins Zelt. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass dies nicht bedeuten soll, dass wir morgen eher aus den Federn kommen.

 

19.August 10.Tag | Straßencamp  zurück zur Liste

Wieder einmal haben wir Glück mit dem Wetter. Im Wald und Zelt merken wir das aber nicht. Erst, als wir auf der Terrasse stehen, prophezeie ich einen perfekten Tag. Es geht nun weiter auf der Straße Richtung Norden und die Landschaft nimmt an Bewaldung wieder zu.

 

Frühstücksbuffet errichtet, die Meute kann drüber herfallen

 

Der Wind steht heute, von Süden kommend, richtig gut und schiebt ordentlich. Man hat das Gefühl, die kleinen Wellen fast von allein hoch zu rollen. Ohne große Anstrengung in der Ebene haben wir Zeit für viel Gespräche und Rundumblicke. Zum ersten Mal sehen wir eines dieser gelben Elch-Warn-Schilder. Keine 50 m danach, Yvonne und Täve rollern gerade etwas weiter vor mir, knackt es rechts im Wald im Unterholz.

Ein Elch stolpert über Äste und ich kann nur noch seinen breiten Arsch sehen. Yeah, einen lebender Elch gesehen. Ist zwar auch noch steigerungsfähig, aber immerhin. Tummeln sich die Elche etwa nur an diesen Warnschildern herum? Der Verkehr hält sich in Grenzen. Mal kommen 5 Autos auf einmal, dann mal wieder 10 Minuten Asphaltidylle.

 

Es rollt nur so dahin

 

Die Autoruhepausen nutzen auch viele Eichhörnchen, um die breite Straße zu überqueren. Witzig wird es immer dann, wenn sie bereits mitten auf der Straße stehen, uns entdecken und sich dann hektisch hin- und herdrehen und doch wieder zurücklaufen. Das sorgt bei uns immer für maximale Erheiterung. Täve entdeckt am Wegesrand sogar ein Fuchs, der im Graben parallel zur Fahrbahn sicher nach Abfällen sucht. Was ist das hier für ein Leben an der Straße. Da fahren wir durch viel wildere Abschnitte und sehen nichts und hier kommen wir uns vor wie bei einem Zoobesuch.

 

Ferne, einsame Straßen

 

Die Straßenverlauf ist wieder mal weit ein zu sehen, die kleinen Wellen versetzen uns heute nicht in Angst und Schrecken. Täve fährt allein, nur ab und an drücke ich ihn mit dem rechten Arm ein wenig über die Kuppen. Runter zu rollt er etwas langsamer, merkt aber bald, dass Papa’s Windschatten ordentlich für Sog und Geschwindigkeit sorgt.
Es rollt so genial dahin, dass ich gegen späten Mittag erschreckend aufs Navi schaue und die 40 km Marke bereits geknackt ist.

Wir beschließen Mittagspause zu machen. Da man trotz der Sonne im Wind schnell auskühlt, finden wir ein ideales, verstecktes Plätzchen im Straßengraben. Die Räder stehen, mit der Pedale im steilen Schotter fixiert, sehr nahe an der Fahrbahn. Ungewollt von uns, erreichen wir damit, dass so einige Autofahrer langsamer fahren oder sogar fast anhalten.

Unbemannte Räder, mitten im Nirgendwo? Die Neugierde, aber vielleicht auch die Hilfsbereitschaft ist hier echt ungebrochen. Wir füllen gleich noch die Wasserflaschen mit auf, denn es gibt Wasser und man kommt auch mal an die Quelle der Begierde heran.

 

Die Abfahrten werden so schnell gefahren, dass man meist drüber mühelos den Anstieg hochrollt

 

Dem ist nicht immer so. Neufundland ist durchzogen von Seen und Flüssen und Wasser ist wirklich kein Problem. Doch des öfteren steht man in Sichtweite, kommt aber wegen dem dichten Buschwerk oder den steilen Hängen nicht ans Wasser heran. Irgendwann haben wir dann den Wassersack an ein Seil gebunden und an Brücken das Wasser somit hochgefördert.

Mit vollen Bäuchen und Flaschen schmeißen wir uns wieder in den Windsog, der uns weiter gen Norden trägt. Bei den Geschwindigkeiten liefern die Nabendynamos ordentlich Strom. Powerbank und Smartphones werden maximal geladen. Auf dem T’railway brachte es bei < 10 km/h nichts, sie anzuschließen. Geschwindigkeiten jenseits der 15 km/h-Marke sind schon notwendig.

 

Täve zieht heute ordentlich mit, Wahsinn

 

Auf einer langen Geraden überholt uns ein Auto, was ca. 500 m nach uns abrupt mit Reifengequietsche abbremst. Das erregt unsere Aufmerksamkeit und ist auch gut so. Nur so bekommen wir mit, wie ein Tier die Straße kreuzt. Alles passiert so schnell, dass nur Yvonne und ich das Tier sehen und Täve zutiefst traurig wirkt. Erst vermuten wir, dass es ein Elch war, doch nach langen Diskussionen sind wir uns sicher, es war ein Schwarzbär. Sein x-beiniger, relativ flotter Gang und das schwarze Fell waren eindeutige Indizien. Elche trotteln doch eher über die Straße und sind braun, naja und irgendwie auch größer.

Gott, wir freuen uns, einen Bären gesehen zu haben, rollern weiter dahin. Bei km 60 machen wir nochmals eine kleine Pause an einem klaren Baggersee. Eine der wenigen klaren Seen, denn sonst ist das Wasser hier schon eher leicht bräunlich. Täve will hier Camp beziehen, aber ich kann mir besseres vorstellen.

 

Yvonne ist noch gut gelaunt, weist mich aber auf eine baldige Stimmungsänderung hin

 

Wir ziehen weiter, beschließen aber, bei km 70 mit der Campsuche zu beginnen. Die 10 km vergehen wie im Fluge und als wir mehr nach Spots Ausschau halten, quert dieses Mal ein Jungbär viel näher die Straße. Keine 100 m vor uns spaziert er über Straße, da gerade kein Auto kommt. Wir stoppen und beobachten ihn. Als ich zu Täve sage „Da, schau‘ mal, ein Bär!“ bleibt dieser erschrocken stehen und schaut in unsere Richtung. Ohje, gehe bitte doch weiter deinen Weg.

Ich zücke die Kamera und will noch ein Foto machen, da ist er auch schon wieder im Unterholz verschwunden.
Was für ein Tag. Die Campsuche geht weiter und immer wieder erscheinen links und rechts enge Quadpfade, die so verwachsen sind, dass sich nach der heutigen Bärensichtung Keiner mehr hineintraut. Wir fahren also weiter und weiter. Kurz bevor wir den Northwest Gander River queren, entdecken wir links nahe der Straße ein Camp. Nach 86 km reicht das heute, wir sind nicht mehr wählerisch, denn ist ist bereits 18 Uhr.

 

Das Straßencamp, ca. 50 m von entfernt

 

Boar, sind wir glücklich. Der heutige 86 km lange Zoobesuch bleibt uns sicher lange in Erinnerung. Das Camp ist schnell errichtet und trotz Straßennähe sieht uns Keiner. Die Sonne ist schon hinter den Bäumen verschwunden, es wird kühler. Eine Lagerfeuerstelle gibt es schon, Totholz liegt genügend herum. Unter den Brückenpfeilern baden wir nackt und suchen immer wieder die Ufer des breiten Flusses nach Tieren ab.

Naja, zu wissen, dass es hier Bären gibt, ist die eine Sache. Sie gesehen zu haben, wieder eine ganz andere. Jedoch 10 km entfernt von der letzten Begegnung sein Zelt auf zu bauen, eine sehr spezielle. Am Lagerfeuer bereiten wir das Essen zu und in der Abenddämmerung bemerkt Yvonne etwas sehr großes am Himmel. Sie schaut hoch und siehe da, ein Weißkopfseeadler hat uns mit seinem seitlichen Blick abgescannt.

 

Der breite Northwest Gander River

 

Ich verpasse den schönen Anblick, muss mich auf die Töpfe auf dem Lagerfeuer konzentrieren. Kaum zu glauben, dass man über eine Woche fast keine Tiere sieht und jetzt, heute und hier kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Soll das für heute alles gewesen sein? Natürlich nicht.

 

Tolle Abendstimmung, die Straße und Brücke mittlerweile ausgestorben

 

Während wir das Abendessen verputzen und das Feuer leise dahin knistert, ertönt in der Nähe, auf der anderen Seite des Flusses auf einmal lautes Kojoten Geheule. Nicht nur einmal, nicht leise, nicht nur von der gleichen Stelle. Es treibt Einem die Gänsehaut über den Körper. Dabei wissen wir nicht, ob wir es schön finden und genießen oder lieber ins Zelt springen sollen.

 

Yvonne beim Abwaschen

 

Wir ermutigen uns gegenseitig, dass sie ja gar nicht durch den tiefen Fluss kommen können. „Na und Papa, hier ist aber eine Brücke!“ meint Täve. Hhm, gut mitgedacht. Bald lässt das Geheule nach und wir entspannen uns wieder. Trotz der langen Tour heute sind wir nicht geschafft und sitzen noch sehr lange am Feuer und genießen die Einsamkeit an der mittlerweile stumm gewordenen Straße. Das nenne ich mal einen perfekten Tag.

 

20.August 11.Tag | Grand Falls Camp  zurück zur Liste

Die Nacht verlief ruhig und wir wollen auch nicht wissen, was so die Nacht um unser Zelt los ist. Ab und an raschelte es am Zelt, aber es waren die ca. 5 bis 10 cm großen Erdkröten, die sich zu schaffen machten. Der Tag beginnt wolkig und so wird halb im Zelt, halb vorm Zelt gefrühstückt. Früh fällt es meinen Beiden immer besonders schwer, sich zu bewegen. Wir hoffen heute auf weitere Tierbegegnungen, aber da wir am Ende des Tages wieder am TCH sein werden, wird die Wahrscheinlichkeit wohl eher abnehmen. Wir rollen auf der Straße 360 weiter und es muss heute ein wenig mehr Druck aufs Pedal, der Wind ist eher eine Brise.

 

Die letzten Kilometer auf der Straße 360

 

Mehr und mehr nimmt nun auch der Verkehr wieder zu und so sehnen wir nach 40 km der Schotterpiste entgegen, die links nach Grand Falls abzweigt. Die Straße führt weiter nach Bishop Falls und endet dort am Highway. Eigentlich soll jetzt eine große Pause her. Yvonne und Täve wollen aber die 15 km auf der Piste durchziehen und in Grand Falls Rast machen, eine der 10.größten Orte auf der Insel soll also sehr verspäteter Mittagsort und gleichzeitig Proviantnachschub bedeuten.

 

Es rollt so gut, dass wir Mama hinterher hasten müssen

 

Wir knabbern also an den kläglichen Resten und lassen wieder etwas Druck von den Reifen ab, denn ab Grand Falls soll es sowie so wieder auf dem T’railway weitergehen. Nun mögen böse Zungen behaupten, dass wir masochistisch seien, aber irgendwie werden wir dieser Behauptung mal wieder gerecht. Die Piste ist zwar breit und fahrbar, dafür folgt eine Rampe nach der anderen.

Da nun mittlerweile der Magen knurrt und die Anstiege Einem die letzten Körner rauben, schieben wir ab und an paar Abschnitte, aber das Nörgeln hört nicht auf. Ich dagegen motiviere mit dem bevorstehenden leckeren Mittagessen. Die Strecke zieht sich wie Gummi in die Länge, aber dann erscheint endlich in der Ferne Grand Falls.

Wenig später überqueren wir die Brücke, die von unserer ursprünglichen 8-Loop die Schnittstelle der Acht sein sollte. Dass wir hier jemals ein zweites Mal drüber rollen werden, bezweifle ich aber bereits jetzt. Es dauert nicht lange und wir erreichen das Zentrum des Ortes, was von Fastfood Ketten und Supermärkten übersät ist.

Zur Belohnung gehen wir amerikanisch essen und steuern das große gelbe „M“ an. Wir hauen ordentlich rein. Nach 55 km ohne große Nahrungsaufnahme hat Jeder Kohldampf. Es ist Nachmittag und es bleibt viel Zeit für die Pause und den anschließenden Einkauf. Da Tim Hortens und Mc Donalds die einzigen sind, die freies WLan bieten, nutzen wir die Zeit zur Kommunikation mit der Heimat.

Da neben Walmart auch Dominion relativ günstig sind, wählen wir heute letzteres. Walmart ist mir zu groß und man braucht Ewigkeiten, bis man was findet. Heute sind wir überladen, 4-5 Tage Proviant müssen erst einmal verstaut werden. Dazu müssen sogar die Fronttaschen überladen werden.

Der Weg führt uns wieder raus aus dem Ort und direkt auf den T’railway. Dieser erwartet uns in gewohnt unterirdischen Zustand. Während wir herumeiern, rauscht ein Motorradfahrer an uns vorbei. Das war knapp. Bald führt der Trail aber wieder auf eine Straße und setzt sich direkt neben dem Asphalt fort. Wir nehmen doch lieber den Asphalt.

Leider befinden wir uns in einer misslichen Lage. Bald wird es Zeit, ein Camp zu suchen, aber die kommenden 40 km wird der Trail sich nie mehr als 500 m vom Highway entfernen und die Gegend ist hier sehr überbevölkert. Während ich mir darüber so meine Sorgen mache, endet nun bald die Straße an einem Eingang zu einem Park, während der Trail weiter geradeaus geht.

Der Beothuck Family Park ist unsere Rettung. Es ist ein kleiner Park am See Rushy Pond. Für ca. 25 Euro übernachten wir hier nun und kommen mit der Empfangsdame ins Gespräch. Sie meint nur, dass auf den „unserviced camps“ Niemand ist, nur eine Frau, die auch mit Fahrrad angereist ist.

 

Der Rushy Pond See

 

Das klingt spannend. Wir drehen eine Runde, um den idealen Platz zu finden und treffen die Frau. Sie ist mit einem Mountain Bike unterwegs und wir kommen ins Gespräch. Die junge Frau ist bereits den Abschnitt des T’railways gefahren, den wir noch vor uns haben und schwärmt uns auch vom Gros Morne Nationalpark vor. Sie will noch weiter in Richtung St. Johns. Respekt, allein als Frau unterwegs. Ihr Rad weniger beladen und sie kehrt abends immer auf Campingplätzen ein.

Wir haben einen Platz gefunden, breiten uns aus und sortieren alle stinkenden, nassen und dreckigen Klamotten aus. Der Haufen wird immer größer. Wir werden wohl zwei Maschinen waschen müssen. Bei den Münzmaschinen dauert das Programm aber nur 20 Minuten, eigentlich geht nur der Geruch ein wenig weg, in unserem Fall ist das aber schon eine starke Leistung für die Maschinen.

Da noch Zeit ist und wir noch von Burger & Pommes gesättigt sind, schlendern wir zum See runter und entspannen dort ein wenig. Der Park ist gut besucht, sicher auch aufgrund seiner Nähe zu Grand Falls. Der See lädt schon zum Baden ein, aber der Wind kühlt schnell aus, obwohl die Sonne noch da ist. Da wir außerdem in gewohnter Weise hier nackt rein springen würden und es zu viele Zuschauer gibt, entscheiden wir uns für die Dusche.

 

Entspannung bei Sonnenschein und viel Wind

 

Boar, mal wieder warm duschen, da geht Dreck ab, der sich bei kaltem Wasser hartnäckig hielt. Es wird bereits dunkel und wir machen das Lagerfeuer an der Grillstelle am Platz an. Wir kochen heute etwas weniger an Kartoffelpüree, lieber später beim Süßen etwas mehr zugreifen, denkt sich Jeder. Der Abend wird von Geräuschen im Unterholz begleitet. Eichhörnchen, kleine Hasen und Erdkröten sorgen für Stimmung. So richtig wissen wir nicht, ob wir uns auf die kommenden Tage freuen sollen. Es wird wohl der einsamste Abschnitt werden, aber auch der ohne jegliche Alternative zum Trail.

 

21.August 12.Tag | Vogelcamp  zurück zur Liste

Es ist wieder mal ein perfekter Morgen und wir diskutieren beim Frühstück die Aussage der Biker-Lady, dass der Highway TCH eigentlich kein richtiger Highway ist und man dort auch mit dem Rad fahren darf. Sie hatte das aus Verzweiflung heraus auch mal gemacht. Nein, vergesst es, sowas würden wir uns nie antun.

Nach den ersten 6 km auf dem T’railway denken wir auf einmal anders. Permanent sehen und hören wir die Autos, warum dürfen wir dann nicht auch den Asphalt spüren? Wir nehmen es nun in Kauf und wechseln auf den TCH, wollen die weiteren 20 km schnell voran kommen. Was sich so schlimm anhört, fühlt sich am Ende nur halb so schlimm an. Es gibt einen 1-2 m breiten Seitenstreifen und der Verkehr auf der einen Spur in unsere Richtung hält sich in Grenzen.

 

Könnte schlimmer sein, Natur gibts auch am TCH zu bestaunen

 

Auf dem Asphalt rollt es gut, wir haben aber leichten Gegenwind und der Verlauf ist sehr wellig. Wir Alle wollen hier durchziehen und machen unterwegs nur eine kleine Rast. Wieder einmal entdecken wir Elchrester, dem Anschein nach von Jägern. Wir haben von Einheimischen gehört, dass erstmals diese Jagdsaison aufgrund der hohen Elch- und Bärenpopulation anstelle von 2 nun 4 Tiere je Person erlegt werden dürfen.

 

Immer wenn ein Schild kommt „In 2 km zweispurig“ wissen wir, es geht bald bergauf

 

Wir ziehen nun ohne weiteren Stopp bis Badger durch. Dort wollen wir Mittagspause machen. Dass dieser Ort in unserem Urlaub noch einmal eine wichtige Rolle spielen würde, ist uns jetzt noch nicht bewusst. Kurz vor Badger stehen wir an einer Baustelle, vor uns ein Gelände Lkw, ähnlich dem Unimog, mit Schweizer Kennzeichen. Krass, wo die wohl herkommen und hinwollen. Leider kommen wir nicht ins Gespräch.

Badger ist nun erreicht, die Mittagspause mit belegten Bagels eingeläutet. Ab hier soll es nun unumgänglich auf dem T’railway vorangehen. Kann das der Grund sein, warum Keiner so richtig los will? Wenigstens wissen wir, dass wir jetzt für die Strapazen auch eine Belohnung bekommen: Einsame Natur.

 

Auf dem Trail und schon wird es ruhiger

 

Gegen späten Mittag haben wir nun ordentlich Kilometer vorgelegt, mal schauen, wann uns der Trail mal wieder in die Knie zwingen wird. Wir rollern dann also mal los, durchs Örtchen hindurch und ab auf den Trail. Die Landschaft sagt uns zu, die sich mit offenen Flächen von ihrer schönsten Seite präsentiert.

 

Natur genießen, das geht nur im Stillstand- Die Momente sind unverzichtbar

 

Dieses Mal sollen wir Drei belohnt werden. Da man meist auf den Trail fixiert ist, hat man keine Chance, in der Landschaft nach Tieren Ausschau zu halten. Wenn es dann aber 2 m neben dem Weg im Unterholz knackt, muss man stehen bleiben. So bekommen wir nun in voller Pracht einen Elch zu sehen. Beide Parteien schauen sich erstaunt an, er zieht träge davon, wir ebenso.

Der Trail ist ungewöhnlich breit, ca. 3-5 m, was wohl auch daran liegen mag, das am Trail vereinzelt Hütten stehen. Trotzdem haben wir den Trail weitestgehend für uns und können lauthals fluchen, wenn uns mal wieder danach ist. Das Problem sind die schnellen Wechsel an Belag. Da rollt es mal 50 m mit 20 km/h und man möchte fast aufjubeln, da wird man auch schon wieder abrupt auf 5 km/h abgebremst, weil man sich fest gefahren hat.

 

Der Trail ist breit, man viel Platz um seine Fahrfehler auszubügeln, ohne davon Schaden zu tragen

 

Sofort merken wir, dass wir auf dem Trail keine 10 km ohne Pause vorankommen. Nerven und Gelenke brauchen eine Unterbrechung. Irgendwann beichte ich dann auch noch, dass es die kommenden 2 Tage nur hoch gehen wird. Wir müssen in sanften Anstiegen 400 Höhenmeter überwinden. Doch sanft fühlt sich hier wie steil an, da man permanent treten muss. Mit meinen klugen Weisheiten „Wo es hoch geht, muss es auch irgendwann mal wieder runter gehen“ punkte ich an diesem Tag nicht mehr. Meine Zeit würde aber noch kommen.

Ich weiß nicht, wie wir die 13 km bewältigt haben, aber nun stehen wir hier am Lake Pond und haben mal wieder nach 39 km Sehnsucht nach einem Schlussstrich. Meine Liebsten sind anscheinend so benebelt, dass sie jegliche Gefahren ignorieren. Sie wollen hier und jetzt das Camp aufbauen, was sich auf einer ca. 20 cm höher gelegenen Sandbank am See befindet.

Daneben fließt ein kleines Rinnsal entlang, was von der gegenüberliegenden sumpfigen Seite durch ein Rohr unter dem Trail lang fließt. „Nein,ist mir zu heiß. Ordentlich Niederschlag und wir stehen hier unter Wasser“ Ich suche die nähere Umgebung ab und finde eine Waldschneise, die noch unbebaut ist, kein Hinweis auf ein Privatgrundstück.

 

Das Vogelcamp, der Name würde morgen noch Progamm sein

 

Der Lake Pond, idyllisch zwischen Wäldern gelegen

 

Obwohl hier am See noch zwei weitere Häuser stehen, sind wir allein. Die Besitzer scheinen diese nur als Wochenendhütte zu nutzen. Wir errichten hier also unser Camp, direkt am See, wo wir auch bald wieder ein paar Angelversuche unternehmen. Im Wasser entdecke ich im sandigen Boden erstmals Bärenspuren. Das kann ja heiter werden, wenn die heute Abend hier auch wieder herkommen.

 

Blick vom See zum Zelt, der HoBo qualmt dahin

 

Der HoBo brennt auch bald wieder, am See sind Mücken unvermeidlich. Nach dem Waschgang im warmen See geht es auch gleich ans Essen. Komischerweise ist Keiner mehr von den Bagels gesättigt, Alle schreien nach Nudeln, sehr viel Nudeln. Während es anfängt zu dämmern, wird die lautlose Stille erneut durch Kojoten Geheule gestört. Da es aber sehr weit entfernt ertönt, lauschen wir eher mit Genuss, weniger mit Angst.

 

Täve hat Fische gesehen, ob die so blöd sind und bei uns anbeißen?

 

Kurze Zeit später mischen sich auch noch die Loon’s mit ein, die es mit ihren Geräuschen echt drauf haben. Es ist eine Mischung aus Gelächter und Gemeckere. Wir kennen sie schon aus Ostkanada und haben immer herzlich gelacht, wenn sie über uns gelacht haben. Der Abend wird entspannt am HoBo verbracht, nicht die Wärme, sondern der Rauch ist überlebensnotwendig. Was wird der morgige Tag wohl bringen und warum heißt dieses Camp wohl Vogelcamp?

 

Der HoBo kann auch wärmen

 

 

22.August 13.Tag | Stangenbruchcamp  zurück zur Liste

Wir werden von ungewöhnlichen Geräuschen geweckt, Yvonne meint, dass Vögel durch die Lüfter in unsere Apsis geflogen sind. Nun sind wir einmal wach und schälen uns aus den Schlafsäcken. Traumhaft ruhig ist es und auf dem See markiert ein einsamer Loon sein Revier mit den unverwechselbaren Geräuschen.

Auf einmal gesellt sich ein Vogel in der Größe eines Eichelhähers zu uns. Ich kenne die lustigen Flugakrobaten schon und weiß, dass gleich noch zwei folgen werden. Zack, und da sind sie auch schon. Bis jetzt habe ich diesen Vogel immer nur im Dreierpack gesehen. Diese Drei sind aber besonders zutraulich. Sie hüpfen immer näher an unser Frühstücksbuffet, bis auf einen Meter kommen sie heran.

Täve füttert eine Scheibe Brot. Oh ja, ich weiß, man füttert keine Wildtiere, aber kann das mal Jemand auch diesen Vögeln sagen. Wenn wir denen nichts freiwillig geben, habe ich Angst, dass sie sich was holen. Jedenfalls stellt Yvonne gleich noch fest, dass diese eine Scheibe von meiner Ration abgezogen wird. Für dieses witziges Schauspiel nehme ich das so hin. Sie flattern immer wieder um uns herum, haben sich die Gestängebögen als Favoriten ausgesucht, um zu landen, zu starten und sich den Überblick zu verschaffen. Ich möchte gern ein Foto machen, aber die Tiere nicht verschrecken.

 

Der Constance Lake

 

So genießen wir also weiter, der Moment ist so schön, die Tiere so witzig an zu schauen, dass Fotos sekundär sind.
Der Himmel ist sehr bedeckt, richtig warm ist es auch nicht. Wir kommen trotzdem bald auf die Räder, zeitiger als sonst, weil wir wissen, dass heute 100% T’railway bevorstehen und wir die Zeit lieber für kleine Pausen zwischendurch nutzen wollen. Millertown Junction, ein kleines Dorf am Joe Glodes Brook, soll nach ca. 15 km als Mittagspause anvisiert werden. Vielleicht gibt es ja eine Lädchen um was Warmes zu kaufen. Bei meiner Vorrecherche bin ich hier aber nur auf Wohnhäuser gestoßen.

Wieder sind wir allein auf dem Trail und der scheint fest in der Hand der Loons zu sein. Immer wieder ertönen die Geräusche und ihnen bei sonstiger Stille zu lauschen hat was sehr beeindruckendes. Wir pausieren am Constance Lake um genau dieses Spektakel zu genießen. Es ist eine ungewöhnliche große Gruppe von ca. 8 Tieren unterwegs, aber meckern darf anscheinend immer nur Einer.

 

Pause mit Loon Konzert

 

Wenig los auf dem Trail, die Ruhe genießen

 

 

Es geht beschwerlich voran, aber die Landschaft und Einsamkeit belohnt uns immer wieder. Pünktlich erreichen wir das Dorf, aber kein Zeichen von einem Shop oder Minimarkt. Dann müssen wir hier auch nicht Pause machen und suchen uns etwas später am Trail ein lauschiges Plätzchen.

Kaum haben wir den Ort verlassen, schaut auf einmal links ein Kopf aus dem Gebüsch. Ein einzelnes Karibu bestaunt uns, aber nicht das es weg rennt, nein es tritt auf den Weg und versperrt und diesen. Wir müssen nun langsamer fahren als sonst, was schon fast Stehen gleich kommt und fahren dem Burschen hinterher. Bald biegt er rechts in einen Weg ein, dreht sich mit einem dankenden Blick nach uns um und frisst weiter seine Flechten und Moose am Wegesrand.

 

Platz da für das Karibu

 

Süß sehen sie aus, mit ihren Pantoffelfüßen

 

Die Liste der Tiersichtungen wird immer länger, wir sind glücklich und da der Pausenort wenig später folgt, strahlen heute zur Pause Alle ein breites Grinsen aus und das, obwohl die Sonne keine Anstalten macht, mal heraus zu kommen. Wir knabbern am Brot, Äpfel gibts auch noch und paar Kekse zum Abschluss und Alle sind gestärkt für die Weiterfahrt.

Wir haben ca. 20 km hinter uns und starten mit etwas Nieselregen. Regenklamotten müssen noch nicht sein, es hört auch bald wieder auf. Doch setzen nun in immer kürzeren Abständen kleine Nieselperioden ein. Es rollt erst einmal weiter und wir pausieren nun immer dann, wenn es mal nicht regnet. Immer noch sträuben wir uns gegen die Regenklamotten. Es ist ja auch noch verhältnismäßig warm.

Bei km 30 entscheiden wir uns, bevor es noch toller regnet, nach einem Camp Ausschau zu halten. Genau jetzt beginnt ein sehr sumpfiger Abschnitt, der Trail, etwa 1-2m höher gelegen, ist die einzige trockene Fläche. Es kommt weder eine Möglichkeit direkt am Trail oder in der Umgebung. Gott will es so und läutet richtigen Regen ein, der mit Wind nun so richtig in Fahrt kommt.

Da denkt man, alles Schlimme ist eingetroffen, wird der Trail auch noch steiler. Ich entscheide, den Trail schneller zu befahren, um die Gegend nach einem Camp ab zu suchen. Es dauert ganze 6 km, bevor ich endlich eine Stelle direkt am Trail finde. Es müssen noch ein paar Büsche gezupft werden. Als Yvonne auch den Platz erreicht, ist die Fläche präpariert. „Und gibts hier auch Wasser?“ Guter Einwand von Täve, aber ich winke großkotzig ab. „Hach Gottchen, hier ist doch überall Sumpf“

Keine 5 Minuten und das Zelt steht. Zum Glück hatten wir es heute Morgen halbwegs trocken eingepackt. Yvonne und Täve ziehen sich im Zelt schnell trockene Sachen an, dann schmeiße ich eine nach der anderen Tasche ins Zelt. Die Räder werden an einem Busch angelehnt, das Tarp kommt drüber und mit dem Spruch „Ich hole mal schnell Wasser“ verabschiede ich mich.

In dem Fall bedeutet „schnell“ 30 Minuten, denn jeweils ca. 1 km in die eine und 1 km in die andere Richtung auf dem Trail gibt es entweder kein Wasser, kein Rauschen zu hören oder unerreichbares Wasser zwischen Buschwerk und Sümpfen. Obwohl es stark regnet und windet, habe ich keine Regenklamotten an, ich bin eh schon durch und kalt ist mir auch nicht wirklich.

Umso bemerkenswerter finde ich den Ehrgeiz der Mücken hier, bei dem Wetter trotzdem noch über mich herfallen zu müssen. Ich töte die Sauger schon nicht mehr mit einem Handschlag, sondern schlage quer mit dem rechten Unterarm auf den linken Oberarm. Ha, 8 auf einen Streich erwischt. Achja, ich soll ja nach Wasser suchen. Gut, ich traue mich nahe dem Zelt in den Sumpf und versuche hinter den Buschwerken was zu finden.

Glücklicherweise finde ich 50 m vom Zelt ein Wasserloch, was zum waschen locker auch noch ausreicht. Ich fülle erst einmal den Wassersack, aber da in der braunen Brühe viele Algen und Dreck drin ist, muss die erst einmal durch den Filter. Zurück am Zelt gilt meine Aufmerksamkeit aber erst einmal wieder dem Kaitum. Der Wind hat so stark zu genommen, dass das Zelt ordentlich in Bewegung geraten ist. Ich spanne die Leinen nach und platziere weitere Heringe am Außenzeltboden.

So, nu habe ich ein weiteres Projekt. Wo hängt man einen Wassersack auf, wenn es keine Bäume gibt. Da war doch noch eine Tarpstange unbenutzt. Ich stecke sie zusammen und platziere sie so im Busch, wo die Räder stehen, dass das Ende nur noch herausschaut. Nun hänge ich den Wassersack dran. „Knack!“ und das Teil bricht in sich zusammen, ist wohl für die Querbelastung von 7 Litern nicht ausgelegt? Ich fluche nun erst einmal ordentlich los. Was nun? Alles zum kotzen hier. Ich will auch endlich ins Trockene.

Die letzte Chance sind die Räder. Ich platziere sie sehr senkrecht stehend und hänge den Wassersack an den Lenker. Wenn jetzt auch noch der Lenker bricht, kriege ich einen Anfall. So nun kann das Wasser erst einmal durchlaufen und ich gehe mich derweil waschen. Von drin höre ich nur ein verachtendes „Viel Spaß“. Sie würden sicherlich auch gerne, aber bevorzugen es, im warmen zu bleiben.

Auf der Wind abgewandten Apsis koche ich nun das Abendessen. Alle brauchen Kalorien. Warmes Essen bringt den Kreislauf in Schwung und die gute Laune zurück. Es wird wohl heute nicht mehr aufhören und wir verbringen den gesamten Abend im Zelt. Yvonne kann sich dann später doch noch überwinden und in einer kurzen Regenpause geht es raus zur Katzenwäsche.

Naja, wir hatten schon schlimmere Tage und bei einem Gläschen Rum und viel Süßem ist die Stimmung bald wieder am überkochen. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlecht gelaunte Leute, oder wie war das?

 

23.August 14.Tag | Quellencamp  zurück zur iste

In der Nacht bin ich kurz mal munter geworden. Es war still geworden, kein Regen und kein Wind mehr. Jedoch hörte ich unweit des Zeltes auf dem Trail was. Es knirschte der Schotter. Ein Tier lief dort lang, das Geräusch kam immer näher. Auf einmal räusperte Täve und drehte sich auf die andere Seite. Auf einmal stoppte das Geräusch. Ich lauschte weiter. Nun ging das Knirschen weiter. Mein Herz schlug höher und höher, schließlich waren wir direkt am Trail. Ich blieb starr liegen und das Geräusch entfernte sich auf einmal wieder. Was es war? Ich hatte nicht wirklich den Drang nach zu schauen.

Der Morgen beginnt wie gewohnt, es regnet nicht, aber trotzdem frühstücken wir im mollig warmen und übrigens auch stinkenden Zelt. Die nassen und verschwitzten Klamotten in der anderen Apsis haben ihre Düfte gut verteilt. Wir verstauen sie in einem dichten Packsack und streifen die Wechselklamotten über. Präventiv ziehen wir heute gleich die Regenschützer für den Helm drüber und schwören uns, beim kleinsten Anschein, die Regenklamotten an zu ziehen. Die Zweitmontur darf nicht auch noch nass werden.

 

Vorsorglich die Regenschützer auf die Helme gezogen

 

T’railway bis an den Horizont

 

Wir rollern weiter und wollen die letzten 150 Höhenmeter auf 10 km in einem Ritt schaffen. Danach soll es tendenziell bergab gehen, heute und morgen. Die Landschaft wird noch offener, ähnlich den skandinavischen Bergen. Ab und an entdeckt man Berge, die wie Kegel aus der flachen Gegend heraus schießen. Es gibt viel zu sehen und bei kleineren Pausen sind auch wackelfreie Fotos möglich.

 

Einsam stehen sie in der Ferne, die Bergkegel

 

Weit ist es nicht mehr, der Trail ist gut und die Steigung lässt langsam nach

 

Mit Schrecken stelle ich fest, dass die Schutzkappe der Kamera in der Lenkertasche abgegangen ist und eine Schraube im Inneren den UV Filter zerkratzt hat. Schwein gehabt. Der Filter ist im Arsch und muss abgeschraubt werden, aber wenigstens ist das Objektivglas beschädigt. Ich packe sie nun in einen Softbeutel ein, der eigentlich das Kochgeschirr umhüllt.

Wir kommen gut voran, der Belag könnte noch besser rollen, wenn es nicht stetig bergauf gehen würde. Die weiter Landschaft ermöglicht es, Tiere zu suchen und siehe da, an einem nahe gelegenen See treffen wir auch eine Elchkuh mit Nachwuchs. Toll, nun haben wir uns maximal gesteigert, mehr geht nicht. Vom bloßen Knochen über einen toten Elch bis hin zur Kleinfamilie, alles dabei gewesen.

 

Wir überraschen sie beim Trinken

 

Schnell verschwinden sie im Busch

 

Yvonne bemerkt mal wieder, dass ihre Trinkflaschen alle sind. Die Sonne zeigt sich mehr und mehr und die Steigung auf dem Trail macht den Mund trocken. Ich nehme es zur Kenntnis, aber erst einmal dürfen wir aufschreien. „Wild hogs“ ist neuerdings unser Schlachtruf nach Erreichen eines Anstieges (aus dem Film „born to be wild“). Der Aufschrei wird von einem Hochreißen des rechten Armes begleitet.

 

Das Steinfeld markiert den Höhepunkt des Abschnitts

 

Bei km 20 machen wir Pause an einer Brücke, wieder einmal ist das Wasser zu sehen, aber unerreichbar. Wir angeln uns mit dem Wassersack Schluck für Schluck nach oben. Nun wird es so warm, dass wir Armlinge und Helmschützer einpacken. Heute sieht es nicht mehr nach Regen aus und bei leichten Gefälle kommen wir nun auch ab und an nur mit rollen voran. Das motiviert nach einer verkürzten Mittagspause Alle schnell zur Weiterfahrt.

 

Die andere Art zu angeln

 

Nur so kommt man ans Wasser

 

Leider verstehen mich Yvonne und Täve immer nicht so ganz, wenn ich meine, dass es „tendenziell“ bergab geht. Sie hören nur „bergab“ und so bekomme ich bei jeden noch so kleinen Gegenanstieg einen Spruch geklopft. Ich fahre ein wenig vorne weg und die Nörgeleien verstummen im Schotterbett.

Bei den Chain Lakes, einer Kette von kleinen, aneinander gereihten Seen, öffnet sich der Blick in die weite Ferne gen Westen. Oh Gott, was für eine schwarze Wand und direkt vor uns. Ich weiß nicht, warum wir weiter geradelt sind und nicht hier schon Schutz gesucht haben, aber wir fahren noch weitere 2 km, als rechts des Weges eine Quelle auftaucht. Es nieselt schon und kein Schutz in Sicht.

Die Wolken sehen nicht danach aus, als würde es beim Niesel bleiben. Ich zücke das Tarp und spanne es zwischen Bäumen und Rädern behelfsmäßig ab. Kaum abgespannt, haut es so richtig runter. Die Regenmenge drückt das Tarp auf uns, wir müssen die Wassermassen immer wieder hochdrücken. Zum Glück sind wir aber trocken geblieben und können nun ausharren. Nach 10 Minuten ist der Spuck vorbei.

 

Kurz nach dieser Brücke beziehen wir das Camp

 

Ich will schon das Tarp abbauen und weitermachen, da meint Yvonne, dass ich mir doch mal die Wolken am Horizont anschauen soll. Super, dahinter kommt es noch dicker. Okay, nun muss es schnell gehen. Wir entscheiden uns, das Camp hier nach 29 km auf zu bauen. Eine Quelle ist schon mal da, nur ein Platz muss noch gefunden werden.

 

Sumpfiges Gelände um uns herum

 

Nahe einer Brücke entdecke ich ein kleines, grasiges Plateau. Überall ist es sumpfig oder noch getränkt vom Platzregen. Eine Stelle jedoch fühlt sich nur nass an, schmatzt aber nicht beim Herumlaufen. Mitten auf dieser Fläche befindet sich ein Stein, den ich nun wegräumen will. Dies erweist sich als hartnäckige Aufgabe. Erst nach 10 Minuten und heftigen Tritten, Stößen und Herumhebeln, bekomme ich den 50 cm Brocken frei.

Es nieselt schon wieder und ich entscheide mich, das Tarp nun schnell abzubauen und an dem Camp schnell wieder aufzubauen. Keiner weiß, wann der Regen wieder einsetzt. Unter dem Tarp werden die Räder abgelegt und alle Taschen abgestellt. Wir bauen hektisch das immer noch feuchte Zelt auf. Der Untergrund ist auch nass, das wird wohl eine Weile dauern, bis es wieder halbwegs trocken ist.

 

Das Quellencamp

 

Wie bestellt setzt der Regen ein als ich den letzten Hering platziert habe. Yvonne huscht schnell rein und wischt das Zelt erst einmal aus. Ich bringe alle Taschen ins Zelt und hänge unter dem Tarp die nassen Klamotten auf. Wieder hört der Regen auf. So nass war das Zelt gar nicht, meint Yvonne. Also platzieren wir uns erst einmal Alle im Zelt. Das große Loch unterm Zelt musste ich mit viel Gras ausstopfen, aber trotzdem merkt man es noch. Natürlich direkt unter meiner Matte.

 

Camp unweit der Brücke

 

Als wir uns im Zelt sortiert haben, kurz mal entspannt haben und lange keinen Regen mehr kam, trauen wir unseren Augen nicht. Auf einmal erwärmt die Sonne unser Zelt. Nicht dein Ernst, ein Blick aus dem Lüfter und alles ist klar. Das war die letzte Regenfront, dahinter kommt es nun heller. Aber der Ärger über die wenigen Kilometer und den vorzeitigen Zeltaufbau wehrt nur kurz, denn schließlich haben wir noch einen tollen Platz mit Wasseranschluss gefunden.

 

Kochen vorm Zelt, es wird noch ein sonniger Abend

 

Wir haben noch genügend Zeit, daher relaxen wir im Zelt, ich überdenke die Planung der Route, spiele am Navi herum und bald spielen wir auch noch Karten. Dann rafft es uns alle Drei dahin und wir nicken 30 Minuten lang weg. Nur vorbeifahrende Quads reißen uns aus dem Schlaf. Bloß gut, wir hätten sonst noch länger gelegen.

Nun gehen wir waschen, dieses Mal sehr früh, es ist noch hell und die Quelle direkt am Weg. Mit dem einen Ohr lauschen wir eventuellen Motorgeräuschen von Autos oder Quads, mit dem anderen Auge halten wir Ausschau nach dem, was das Ohr nicht hören kann. Sicher ist sicher. Wow, ist die Quelle kalt. Gut, das haben sie an sich. Dafür bekommen wir im Gegenzug fürs Essen sauberstes Wasser ohne zu filtern.

 

Leise plätschert der Fluss dahin

 

Im Anschluss kochen wir am Zelt und öffnen die Kaitum Apsis fast komplett. Die Sonne strahlt mitten ins Zelt, es ist wollig warm und das Zelt kann durchtrocknen. Wir sind zufrieden, den höchsten Punkt des Abschnitts überschritten zu haben und freuen uns auf den morgigen Ritt, der uns in einer Talfahrt bis Deer Lake bringen soll. Dort heißt es Proviantnachschub. Somit werden heute größtenteils die Reserven aufgebraucht. Es gibt reichlich Fleisch und Zwiebeln mit Nudeln und auch der Süßkram wird voll vernichtet.

 

Unterm Tarp liegen die Räder und hängen die nassen Klamotten

 

Wir erleben wieder einen gelungenen Abend im Camp und merken irgendwie, dass man mit gedanklichen Abstand zum Trail den Tag am Ende nie so beschissen findet. Im Moment ist es immer schlimm und nervenaufreibend, aber am Ende des Tages überwiegen die schönen Momente und man redet nur noch darüber.

 

Gute Stimmung bei Resteressen

 

 

24.August 15.Tag | Deer Lake Camp  zurück zur Liste

Der Morgen beginnt wie einer der vielen. Frühstücken, Packen, Abfahrt! Wir wollen heute bis Deer Lake kommen, was 56 km entfernt ist. Ab Howley, unser anvisierter Mittagspausenort nach der Hälfte, verspreche ich mir und auch meinen beiden Leidensgenossen lange Brücken, bis zu 1 km. Laut Navi werden wir hier den 96 km langen, schmalen Grand Lake über kleine Inselchen überqueren um nach Deer Lake zu kommen. Das ist nur mit Brücken möglich.

Wir begeben uns wieder auf die Talfahrt, vor uns liegen 300 Höhenmeter Differenz. Es rollt fantastisch. Wenn das so weiter geht, sind wir gegen Nachmittag in Deer Lake und können sogar noch wieder raus aus dem Ort und wild zelten. Es regnet bis Mittag nicht, doch ziehen ab und an dunkle Wolken über uns hinweg. Dazwischen kommen immer wieder paar Sonnenstrahlen durch, die zusätzliche Glückshormone produzieren.

 

Mittagspause in Howley

 

Vor Glück überschäumen wir wörtlich, als wir in Howley auch noch auf ein kleines Restaurant stoßen. Der Tag ist fast schon perfekt, denn gerade in dem Moment, wo wir am Tisch Platz nehmen, fängt es an zu regnen. Das nenne ich Punktlandung. Wir bestellen uns frittierte Zwiebelringe, Hamburger und Pommes und lassen uns Zeit, bis der Regen aufgehört hat. Wir kommen mit der Bedienung ins Gespräch, die uns von einem Wanderer erzählt, der uns hätte eigentlich entgegen kommen müssen. Er war 1 Woche zuvor hier entlang gekommen und wollte nach St. Johns.

Schade, dass wir ihn verpasst haben, gerade sicher dann, wo wir mal wieder den T’railway verschmäht hatten. Aus Howley heraus nutzen wir die kleinen asphaltierten Nebenstraßen, die größere Straße 401 führt zum Highway. Wir liebäugeln zwar damit, aber es würde ein großer Umweg sein. Außerdem rollt es doch gerade so gut und wir sind bei bester Laune, was sollte uns schon umstimmen? Nun sollen auch noch die leicht zu rollenden Brücken kommen, die Vorfreude steigt ins Unermessliche.

 

Der Trail wird schlechter und schlechter

 

Der Trail beginnt wieder und wir rollen uns warm. Viel ist dazu nicht nötig, denn die Sonne ist zwar nicht ganz draußen, aber es ist ordentlich warm. Oha, nun kommt es ganz dick. Es beginnt ein sandiger Abschnitt, genau dort, wo eigentlich Brücken sein sollten. Das ist mal ein Dämpfer, in Sachen Tempo und Moral. Es scheint so, als habe man hier die Brücken aufgrund der Instandhaltungskosten abgebaut und dafür kleine Dämme aufgeschüttet. Da der See hier am Ufer sehr sandig ist, hat man halt gleich das Material zum Bau zweckentfremdet.

 

Über die vielen Inseln führt der Trail

 

Wir müssen fortan schieben. Es ist Schwerstarbeit. Yvonne schiebt sogar am Unterlenker. Ich kommentiere das nur mit den Worten „Bei den Geschwindigkeiten kannst du Dir den Untergriff sparen, bringt nichts“. Es hallt ein lautes „Schnauze“ über den See. Yvonne ist bereits nach 50 m am kotzen und hat die Nase voll, ich folge wenig später. Nun schieben wir stückchenweise. 50 m schieben, Pause und weiter. Das Vorderrad gräbt sich aufgrund des Gewichts immer wieder in den Sand oder hält nicht die Spur. Täve dagegen kommt gut voran. Es ist der Einzige, der nicht mault.

 

Yvonne schuftet sich ab, ich muss ihr wohl helfen

 

Er weiß auch, dass er jetzt nicht auch noch einen blöden Spruch reißen darf, dann ist hier richtig dicke Luft. Gefühlt eine halbe bis dreiviertel Stunde dauert es, bis wir endlich den Sand hinter uns lassen. Wir hätten nie gedacht, dass wir uns mal so auf ein Schotterbett freuen würden, aber wir feiern es euphorisch.

Langsam geht es nun wieder voran, die Erschöpfung steckt uns noch in den Oberarmen. Yvonne meint, dass sie kaum den Lenker gerade halten kann. Nicht gut, denn der Belag wird zunehmend schlechter, die Steine immer größer, das Schotterbett immer tiefer. Man eiert nun ein paar Meter, steigt ab, schiebt die schlechten Passagen, sitzt wieder auf und fährt wieder ein paar Meter. Das Spiel wiederholt sich unzählige Male.

 

Das vorerst letzte Foto, wir sind auf den Trail fokussiert

 

Unser Überschuss an guter Laune, die wir bis Howley aufgebaut hatten, ist nun bereits nach 2 Stunden vollends aufgebraucht. Es werden wenige Worte gewechselt, Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Nur zum Fluchen werden noch die Lippen bewegt. Schlimmer kann es nicht mehr kommen, denke ich und werde am „Main Dam“, den wir nach 11.5 km erreichen, eines besseren belehrt.

Über den „Main Dam“, einen großen Staudamm, führt der T’railway, doch ein großer, verschlossener Zaun versperrt uns den Weg. Nein, ich will nicht mehr, knalle das Rad in die Wiese und versinke daneben im hohen Gras. Schon seit Ewigkeiten habe ich nicht mehr so sehr die Schnauze voll gehabt. Klar, dass auch Yvonne und Täve fertig sind. Nun wäre der Zeitpunkt gekommen, das Zelt hier aufzubauen, aber unsere ganzen Reserven sind aufgebraucht.

Wir müssen weiter, wollen aber nicht mehr und können noch weniger. Die Pause wird ausgedehnt um klare Gedanken zu fassen. Doch dazu fehlt ein Plan. Keiner will den Weg bis Howley wieder zurück, nicht heute, nicht morgen. Haben wir den Hinweis, dass der Weg versperrt ist, übersehen?

Bald sind wir gefasster und beraten gemeinsam über das weitere Vorgehen, ein Tourabbruch kommt nicht in Frage, es ist ja nur ein weiterer Tiefpunkt auf der Tour, den wir überwinden müssen. Motorgeräusche? Woher kommen die? Aus der Ferne kommt es immer näher und ca. 200 m vorm Damm kommt ein Quad aus dem Gebüsch gefahren. Wir haben diesen Pfad übersehen.

Wir schlagen den Pfad ein, es geht sehr steil bergab. Bald befinden wir uns am Boden der Talsperre. Der Weg muss doch drüben wieder hochführen und weitergehen? Etwas zügiger als sonst schieben wir die Räder durch das überflutete Flussbett. Wir kommen trockenen Fußes auf der anderen Seite an, steigen noch ein paar Höhenmeter auf und machen dann beruhigt an einem Schild Pause. Aufschrift: „Hier wird ohne Vorwarnung geflutet. Aufenthalt im Flutungsbereich lebensgefährlich“!

 

Der „Main Dam“ von unten

 

Ach was, und schon haben wir das Glück wieder auf unserer Seite, dass mal eben nicht geflutet wurde. Dass sich die Glücksspirale noch weiter nach oben drehen würde, ist für uns heute nicht mehr vorstellbar. Wir werden wohl kriechend und in der Dunkelheit ankommen. Also ziehen wir weiter. Den steilen Gegenanstieg schieben wir die Räder hoch und stehen bald wieder am T’railway, der in weiterhin miserablen Zustand auf uns wartet.

In diesen Moment erscheint ein Pickup, der oben auf dem Damm mit ordentlich Tempo entlang gefahren kommt. Was ist das? Nein, das kann doch nicht wahr sein. Neben dem Trail führt ein Damm, ein ca. 5m höher gelegener großer Erd-/Steinwall, entlang. Der Pickup Fahrer gibt uns den Tipp: „Fahrt die Piste lang, die führt direkt nach Deer Lake“.

Die Piste ist auf keiner meiner drei GPS Karten eingezeichnet. Wir bedanken uns mit einem breiten Lächeln bei dem Fahrer und stehen bald auf diesem besagten Damm. Symbolisch küsse ich einen Stein auf dem Boden, es ist der wohl beste Schotterbelag, den wir bis jetzt hier erlebt haben.

 

Der Dammweg, unsere Rettung

 

Wir treten in die Pedale und schreien vor Freude unseren Schlachtruf „wild hogs“ heraus. Was für ein Tag, Glück und Pech, Lachen und Weinen, alles so nah beieinander, so wechselhaft die Gefühle. Direkt am Ufer des Grand Lakes fahren wir nun auf einer ca. 8 m breiten Piste Richtung Deer Lake. Wahnsinn, dass wir mal wieder über 20 km/h fahren. Wie im Rausch drücken wir die kleinen Wellen hoch. Parallel zu uns erhaschen wir immer wieder einen Blick auf den T’railway.

Was wäre gewesen, wenn der Pickup nicht gekommen wäre? Wären wir die letzten 20 km weiter den Trail gefahren? Wir hätten nicht gewusst, wo die Piste hinführt. Am Ende hätten wir sie unten vom Trail aus noch nicht einmal gesehen. Gott, es rollt so göttlich dahin. Eine Stunde später erreichen wir Deer Lake. Es ist nun kurz nach 18 Uhr und wir beschließen, uns für die heutigen Strapazen zu belohnen.

Dem ungesunden Mittagessen folgt ein nochmaliger Besuch im Fastfood Restaurant. Bei Burgers Family wird kräftig reingehauen. Vorher hatten wir noch im Supermarkt für die kommenden 2 Tage eingekauft. Wir genießen nun erst einmal, dass wir angekommen sind und entscheiden uns, heute hier in Deer Lake einen Campingplatz zu suchen. Keiner will mehr auch nur einen Kilometer fahren.

 

Sonnenuntergang am Deer Lake Camp

 

Die Sonne ist schon dabei, ihre Kraft zu verlieren, da erreichen wir das Camp, direkt am Deer Lake. In einem Separee, umgeben von Büschen, bauen wir unser Zelt auf. Im verlassenen Nachbarseparee stibitzen wir Brennholz und relaxen nach einem warmen Duschgang am Lagerfeuer. Dabei stellen wir wieder mal fest, dass Opa mal wieder mit seiner Weisheit „Geht nicht, gibt’s nicht!“ den Nagel voll auf den Kopf getroffen hat.

 

25.August 16.Tag | Rocky Harbour Camp  zurück zur Liste

Der Generator am Nachbarwohnmobil, der uns gestern in den Schlaf gewogen hatte, weckt uns heute mit dem gleichen monotonen Geräusch. Wie wir die Campingplatz-Idylle doch lieben. Vorm Zelt erwartet uns die Sonne. Das Buffet ist wieder reichhaltiger als sonst gedeckt. Frische Milch schmeckt doch viel besser als dieses Milchpulver. Der gestrige Tag ist längst vergessen. Wir schauen in die Zukunft, was da wohl heute kommen wird.

 

Packen am Deer Lake Camp, wir sind bereit für den Gros Morne

 

Auf dem ersten Blick schiere Unordnung

 

Wir wollen Gros Morne ansteuern, wohl das Highlight von Neufundland. Es wird bergiger, aber alles auf Asphalt. Als wir die Richtung gen Nordwesten einschlagen, bemerken wir den Gegenwind. Viel wird der uns heute wohl nicht antun. Berghoch sollte er uns nicht zu sehr stören, es ist ja nur eine Brise. Etwas weiter nach Ortsausgang machen wir Halt an einer Tankstelle. Vergebens suche ich nach einer Möglichkeit, die Reifen aufzupumpen, aber so eine Möglichkeit, wie es sie bei uns gibt, kennen die hier nicht.

Abermals muss ich selbst Hand anlegen und auch im Schatten bin ich schnell am schwitzen. Yvonne unterstützt mich und pumpt die erste Luft rein, ich bin für die schweren, kräftigen Endstöße zuständig. Merklich rollt es besser. Die Straße 430 ist gut asphaltiert, ein breiter Seitenstreifen existiert leider nur selten. Meist ist nur ein 1 m breiter Schotterstreifen vorhanden, den wir aber nicht nutzen. Der Verkehr hält sich in Grenzen.

 

„Ist das normal, dass das so schwer geht und lange dauert?“ Ja!

 

Wie sieht heute eigentlich der Plan aus? Bei km 20 gibt es eine Tankstelle, die wollen wir zur Mittagspause ansteuern. Das Terrain wird hügliger, gar bergiger. Die Straße rollt gut, aber schraubt sich immr weiter in die Höhe. In Jack Ladder haben wir schon 230 Höhenmeter gemacht und es gibt zum Mittag Sandwich und frische Milch, ein Eis ist auch noch drin.

Bei der Pause diskutieren wir über die kommenden Tage. Der Plan ist, heute auf dem Weg Richtung Westküste wild zu zelten, am besten noch vorm Nationalpark Eingang, dann eine Nacht an der Westküste in Rocky Harbour, weiter an der Westküste noch einmal wild zelten, wieder zurück in Rocky Harbour nächtigen und dann zurück über den gleichen Weg, den wir heute bewältigen. Vier Nächte würden dafür drauf gehen.

 

Es rollt motiviert, das Wetter spielt super mit

 

Yvonne fragt, warum wir nicht heute bis Rocky Harbour durchziehen. Machbar wäre es, es sind 70 km auf Straße und 30 km davon würden bergab gehen, wenn wir die 350 Meter Höhe in 20 km nach der Pause erreicht hätten. Täve nickt, ich bin auch dafür. Ich komplettiere die Idee mit dem Vorschlag, in Rocky Harbour dann zwei Tage im Camp zu bleiben, einen Ruhetag einzulegen und ohne Gepäck durch den Nationalpark zu radeln.

Das motiviert dermaßen, dass wir mit Vollgas die weiteren 20 km berghoch angehen. Da es nicht ständig berghoch geht, können wir die kurzen Abfahrten ein wenig entspannen, während in der Ferne schon der nächste Anstieg auf sich wartet. In Wiltondale machen wir ein letztes Mal Pause, bevor der Anstieg nun ins Finale geht. Wir pedalieren langsam und mit hoher Frequenz. Nach gesamt 40 km und 650 Höhenmeter ertönt mal wieder unser Schlachtruf. Kurz noch einmal Pause am Scheitelpunkt, dann heißt es „Abfahrt“.

 

Es wird hügliger, waldiger und die Seen setzen dem Ganzen die Krone auf

 

Vorsorglich kläre ich noch einmal auf, dass es nicht nur bergab gehen wird und mit Gegenanstiegen zu rechnen ist. Außerdem will ich gleich schon mal vorfahren, um Yvonne und Täve in der Abfahrt zu filmen. Ich brettere also vor und lasse mich lange rollen. Nach 2 km komme ich zum Stehen und drehe mich um. Keiner hinter mir, Keiner zu sehen. Was ist los?

Ein Auto hält neben mir und sagt „Dein Sohn ist gestürzt!“ Scheiße, ich sehe sie noch ganz oben kurz nach der Kuppe an der Leitplanke stehen. Ich drehe um und will ihnen gerade entgegen fahren, da sehe ich, wie sie mir schon entgegen gerollt kommen. Puuh, zum Glück nichts gravierendes. Täve und Rad geht es den Umständen entsprechend gut.

Am Straßenrand schaue ich mir die Wunden näher an. Täve hatte Glück, er hatte einen langen, etwas dickeren Pullover und Radhandschuhe an, der Helm ist an der Seite eingedellt. So sind schwere Verletzungen ausgeblieben. Nur sein Knie ist auf 8 x 8 cm aufgeschürft und blutet. Bei einer seiner Fingerkuppen ist ein kleiner Hautlappen, aus dem es blutet. Der seelische Schmerz scheint größer. Er weint und zittert ein wenig. Wir beruhigen ihn und erstmals kommt das Erste-Hilfe-Set zum Einsatz.

Es wird erst einmal die Wunde desinfiziert, dann kommt eine Wundkompresse drauf und eine Binde fixiert sie. Derweil erzählt mir Yvonne, was passiert war. Der Seitenstreifen auf der Abfahrt war etwas breiter, dort fuhr Täve mit ordentlich Gas bergab. Auf einmal lag dort Schotter, den ein Starkregen auf die Straße gespült hatte. Täve versuchte in einer ruckartigen Bewegung auszuweichen, schaukelte sich mit dem Vorderrad auf und ohne jegliche Kontrolle fuhr er in ein Schlagloch, stieg über den Lenker ab und machte sich im Schotterbett lang. Yvonne meinte nur „Als er vor mir gestürzt ist, dachte ich, jetzt ist es aus. Krankenwagen rufen, aber schnell!“

Bei allen schlägt der Puls noch hoch, Täve geht’s wieder besser und gemeinsam bewältigen wir die Abfahrten nun gebremst. Leider sind bald die Bremsen bergab nicht mehr nötig, der Wind hier an der Westküste hat so stark zugenommen, dass man sogar bergab treten muss. Was für ein Kampf. Die Beiden verstecken sich in der Ebene in meinem Windschatten und verstehen mein Gejammere nicht.

 

Das Knie ist verbunden und Täve wieder auf Achse

 

Die steilen Abfahrten bremsen wir nun lieber

 

Wir erreichen den East Arm, eine fjordähnliche, lang gezogene Bucht und die Straße führt nun nördlich an dieser entlang. Jeder Gegenanstieg fühlt sich doppelt so hart an. Frontaler kann man den Wind nicht ab bekommen. Ich nehme nun Täve ans Schleppseil, nach dem Schreck vorhin darf er mal entspannen. Die letzten 20 km ziehen sich wie Gummi. Der späte Nachmittag ist längst vorbei, es kommt schon ein wenig Vorabendstimmung auf.

Der Verkehr wird weniger und vorm letzten finalen 100 Höhenmeter Anstieg brauche ich noch einmal eine Pause, die mit den Worten „Mann, ich bin dermaßen im Arsch!“ eingeläutet wird. Täve bietet mir an, wieder selbst zu fahren, aber nein doch, den finalen Stoß will ich mir im letzten Anstieg doch noch gönnen.

 

Der East Arm, von da hinten kommen wir und müssen noch viel viel weiter

 

Eine der vielen Pause nach den „Rämpchen“

 

Gegen 18.30 Uhr erreichen wir Rocky Harbour und steuern den RV Gros Morne Campground an. Wieder finden wir ein idyllisches Camp vor, mit kleinen Plätzchen, durch viel Busch- und Baumwerk separiert von einander. Wir besorgen noch Brennholz, bauen das Zelt auf und gehen erst einmal duschen. Täve’s Wunde zu reinigen ist noch einmal eine Herausforderung, aber er meistert es mit Bravour. Starkes Kerlchen! Am Zelt inspiziere ich noch einmal das Rad. Außer Kratzer ist aber nichts zu finden.

 

Die letzten 100 Höhenmeter müssen portioniert werden, in einem Stück geht hier nichts mehr

 

Die 70 km und 1000 hm haben uns heute so die Kalorien aus dem Körper gesaugt, dass das Kochen nicht schnell genug gehen kann. Täve lutscht unterdessen an den rohen Spaghettis. Nach dem Essen kann Täve am Lagerfeuer schon wieder über seinen Sturz lachen. Wir genießen nach diesem anstrengenden Tag den Abend noch lange am Feuer und beschließen, morgen aus zu schlafen um dann gegen Mittag unseren ersten Relaxtag des Urlaubs zu starten.

 

26.August 17.Tag | Rocky Harbour Camp  zurück zur Liste

Obwohl der Campground gut besucht ist, wecken uns keine Geräusche von Dritten, sondern unsere innere Uhr. Ich bin dieses Mal der Letzte, der die Augen gegen 8 Uhr öffnet und erwische Yvonne und Täve wie sie zu mir rüber äugeln. Warum stehen die nicht mal eher auf? Die faulen Säcke. Naja, die nehmen das Wort „Relaxtag“ wohl zu wörtlich, ich bequeme mich also als Erster aus dem Zelt.

Ganz gediegen frühstücken wir, die Sonne blinzelt durch die Baumwipfel, es scheint ein schöner Tag zu werden. Nach der Stärkung pflege ich den Antrieb der Räder ein wenig, schaue mal nach, ob noch alle Schrauben fest sitzen. Endlich habe ich den Übeltäter gefunden. Seit Tagen hatte ich am Rad ein quietschendes Geräusch, gerade auf dem Trail nervte es mich dermaßen, dass ich nun froh bin, die eine Schraube gefunden zu haben, die an der Gepäckträgerstrebe locker ist.

Ich fixiere noch das Tarp als UV-Schutz überm Zelt, dann geht es leicht bepackt durch den Ort an der Küste entlang. Wir eiern so dahin und kommen nur langsam damit zurecht, heute ohne Packtaschen unterwegs zu sein. Unser Tagesziel soll Western Brook Pond sein, der Startpunkt für Wanderer, die eine oder beide Traversen Northern/ Long Range.

 

Blick auf das hübsche Örtchen Rocky Harbour

 

Die Küste ist atemberaubend schön

 

Der Wind bläst uns von Süden direkt in den Rücken. Es rollt fantastisch und die kleinen Wellen nehmen wir locker mit. So richtig hatte ich mir am Vorabend die Tour nicht angeschaut, wusste bloß, dass es paar Kilometer an der Küste lang gehen wird. Das sollte sich bald als Fehler herausstellen.

 

Mehr Pausen als nötig, aber bei dem Anblick musste man einfach innehalten

 

Das Schild beweist, wer beim Zusammenstoß als Sieger hervor geht

 

Unterwegs pausieren wir immer, wenn es gerade was Nettes zu sehen gibt. Gegen frühen Nachmittag erreichen wir den überfüllten Parkplatz, die 30 km haben wir schnell geschafft. So richtig wissen wir nicht, ob wir mit dem Rad die noch verbleibenden 2.5 km direkt bis zum See fahren dürfen. Es scheint nur ein Wanderweg zu sein. An der Infotafel steht jedoch, dass es erlaubt ist, also fahren wir weiter.

Endlich sind wir mal Diejenigen, die am schnellsten sind. Wir überholen alle Fußgänger, die ein wenig erschrocken darüber sind, dass hier auch Radfahrer lang kommen. Am Ende des Weges angekommen, erwartet uns ein Infogebäude mit Souvenirshop und kleinem Restaurant. Außerdem kann man hier Karten für ein Ausflugsschiff kaufen, um den kompletten See zu befahren. Wir investieren das Geld lieber in ein warmes Mittagessen und entspannen ein wenig im Trubel der Menschen.

 

Die letzten Meter zum Western Brook Pond

 

Grandiose Landschaft, sicher ein traumhaftes Wanderparadies

 

Zum ersten Mal auf Neufundland spricht mich ein Mann auf die Pinion an. „Mir gefällt Dein Rad und die Schaltung“ Wir kommen nur kurz ins Gespräch, am Ende fragt er, ob er Fotos machen kann, was ich bejahe. Kaum zu glauben, dass es die Pinion bis nach Amerika geschafft hat.

 

Hinten links geht es tief ins Fjord hinein

 

Im Schutze des Gebäudes bemerken wir nicht, dass der Wind zugenommen hat. Erste Ausmaße bekommen wir auf dem Rückweg zur Straße zu spüren. Ich werde wohl Täve ans Seil nehmen müssen. Am Parkplatz angekommen klicke ich Täve ein und es geht los. Das wird ein harter Rückweg, denke ich mir, und trete kräftig in die Pedale. Je schneller man ist, umso kürzer ist man unterwegs. Die Devise geht bald nicht mehr auf.

Ich muss rausnehmen und stelle an diesem Relaxtag fest, dass hier gar nichts daran relaxt ist. Mit schroffen Ton beordere ich Yvonne in den Wind, damit ich auch mal ein wenig Windschatten habe. Viel bringt das nicht. Nach der Hälfte des Rückweges müssen wir rasten. Gott, ich habe schon leichtere Touren im Urlaub gehabt. Der Wind ist ein unberechenbarer Gegner.

Die letzten Kilometer rollern wir langsamer, ohne goß zu kämpfen, dahin. Wir haben in der Pause beschlossen, in Rocky Harbour in ein kleines Restaurant zu gehen. Danach müssen wir nur noch den Einkauf für die kommenden 3 Tage tätigen. Es ist 17 Uhr und so haben wir alle Zeit der Welt.

Das servierte Abendessen ist bitter nötig um die Gemüter von Täve und Yvonne wieder zu besänftigen. Ich selbst gebe mir gedankliche Arschtritte. Aus dem Relaxtag ist nun nichts geworden, dennoch ist es ein schöner, lohnenswerter Tag gewesen. Gegen 20 Uhr sind wir wieder am Camp, es dämmert langsam schon. Am Lagerfeuer besprechen wir den morgigen Tag.

So richtig können wir es nicht beurteilen, ob es gut oder schlecht ist, dass wir wissen, was uns morgen bevorsteht. Rund 40 km der morgigen Tour werden wir den gleichen Weg zurück fahren, den wir gestern hierher gefahren waren. Wir hoffen mal, das der Wind wieder so steht und mit Rückenwind alles erträglicher wird.

 

27.August 18.Tag | Traumcamp  zurück zur Liste

Bei bedeckten Himmel starten wir wie üblich gegen 10 Uhr. Noch einmal Stopp an der Tankstelle, um die Benzinflasche zu befüllen. Nun befinden wir uns wieder auf der Straße 430. Wir spüren noch die gestrigen Anstrengungen in den Beinen, doch mit jedem Kilometer geht es besser. Sogar der Wind ist uns gnädig und bläst von hinten sanft.

 

Am East Arm entlang, zweispurig = bergauf

 

Die Straße ist heute ruhiger als gewohnt. Das schafft Zeit und Freiheit zum Umherschauen und neben einander Fahren. In der Ferne entdecken wir die Tablelands, die mit markanter, rötlicher Färbung aus dem Rest der Berge herausstechen. Was man da sieht, ist der Erdmantel. Nur selten kann man auf der Welt so etwas betrachten.

 

Die Tablelands aus der Ferne, wir werden ihnen aber noch näher kommen

 

Da liegt ja noch oder schon wieder Schnee

 

Wir erreichen relativ schnell und noch ganz fit das Ende des East Arms und wissen, dass damit der Anstieg eingeläutet wird. Von fast 0 m geht es nun auf 350 m hoch. Wir machen ein größeres Päuschen und nehmen misstrauisch die dunklen Wolken um uns wahr. Sollen die etwa noch Regen bringen? Täve wird nun wieder ans Seil genommen, aber kaum im ersten Teil des Anstieges resignieren wir und steigen ab.

 

Ganz unten auf dem Meeresspiegel, nun heißt es hoch, höher, am höchsten

 

So langsam wie wir da hochradeln, kann man auch gleich schieben. Das entspannt die beanspruchte Muskulatur und schont den Arsch. Immer wieder, wenn es unter 15% Steigung sind, treten wir wieder in die Pedale. So kommen wir Stück für Stück voran, wenn auch langsam. Keiner hetzt uns, maximal die Regenwolken, die sich kurz darauf über uns zu schaffen machen. Zum Glück ist ein Rastplatz mit Klo in der Nähe. Die Toilette riecht extrem, aber nass will auch Keiner werden.

 

Zwischenstopp am Rastplatz, den kleinen Regen aussitzen

 

Lange dauert der Regen nicht an und soll für heute auch der letzte sein. Über uns wird es heller und heller. Es geht weiter, aber mit schieben. Wir befinden uns nun im längsten und steilsten Schlussabschnitt. Ich empfehle Yvonne, nicht immer nur mit beiden Händen zu schieben, sondern mit der rechten Hand das Rad vom Sattel aus zu ziehen. Für mich ist das eine vorübergehende Abwechslung. Fast tut mir mein Schatz leid, wenn ich sie so am Unterlenker schieben sehe. Dabei legt sie sogar manchmal den Kopf auf die Lenkertasche. „Das sieht doch nicht mehr nach Urlaub aus“, müssen sich Manche denken.

 

„Wer sein Rad liebt, der schiebt“ oder in dem Fall „Geht’s steil bergauf, doch besser lauf“

 

Gegen späten Mittag ist die Kuppe und der höchste Punkt erreicht. Logisch, „wild hogs“ ertönt. Wir wollen hier nicht Pause machen, sondern noch bis Wiltondale fahren. Dort hatte ich auf dem Hinweg ein Café entdeckt. Ganz entspannt und ohne zu treten, rollen wir dahin. Die kleinen Gegenanstiege schaffen wir meist mit Schwung. Am Café angekommen, strahlt Täve über beide Ohren. Erstmals gibt es Pancakes. Na gut, die Pause dehnen wir etwas aus. Wir schlürfen einen Kaffee und essen Kuchen.

Schätzungsweise noch 3 bis 5 km und wir werden uns mal wieder Schotter unter den Rädern antun. Viel wollen wir aber heute auf der Piste nicht mehr machen, da schon ein hartes Stück Arbeit hinter uns liegt. Für die kommenden zwei Tage verabschieden wir uns vom Asphalt und biegen gegen 17 Uhr rechts in Richtung Corner Brook ab. Wir lassen erst einmal wieder Luft von der Reifen ab. Es rollt gut dahin, die Piste ist breit und einsam genug, um zu Dritt die volle Breite nutzen zu können.

 

Eine Wolkenwand hängt sich östlich fest und bleibt auch dort

 

Skurrile Wolkengebilde, wir biegen hier aber ab auf die Piste

 

Es kommen immer wieder schöne Seen und Flüsse, aber weder auf dem Navi noch live vor Ort sehen wir irgendeine Chance auf ein tolles Camp. An einem namenlosen See bei km 50 pausieren wir noch einmal. Ich schaue mich derweil um, will mal die Lage checken. Hier gibt es mehrere kleine Wege, die in die Wälder zu den Seen führen. Von jedem Weg komme ich aber enttäuscht zurück. Entweder enden sie im Nirwana oder es gibt keine geeignete Stelle.

 

Es doch noch ein schöner Tag geworden

 

baumreiche Landschaft mit vielen kleinen Seen

 

Ich will schon zum Weiterfahren aufrufen, da entdecke ich einen kleinen Trampelpfad zu einem See. Okay, eine letztes Mal schaue ich hier nach und werde belohnt. Nun stehe ich direkt am See mit sandigem Ufer und klarem Wasser. Was für ein Traumcamp. Wir müssen nur noch die Räder durch das Gestrüpp wuchten und über einen kleinen Bach stemmen, aber der Platz ist es Wert.

 

Das Traumcamp (ohne Zweifel)

 

Wir sind uns sofort einig, dies ist das bisher schönste Camp. Entspannt bauen wir alles auf, packen alles aus und genießen dabei die Ruhe. Täve ist damit beschäftigt, mit alten Stämmen eine Brücke über den Bach zu bauen. Er fängt ein paar Frösche, sammelt Kaulquappen oder wirft Steine in den See. Wir dagegen schaukeln in unseren TAR Chairs und können nicht genug vom Anblick der Umgebung bekommen.

 

Täve schleppt Treibgut durch die Gegend

 

Da wir sehr gut versteckt von der Straße entfernt campieren, gehen wir mit den letzten Sonnenstrahlen mal im Hellen waschen. Wir setzen uns in den kalten Bach und erfrischen uns so sehr, dass wir nun wieder putzmunter sind. Nun noch ein leckeres Abendmahl und Alle sind wieder auf der Höhe. Ohne Lagerfeuer ist es heute auch noch nach Sonnenuntergang auszuhalten. Daher sitzen wir noch lange und lauschen den Geräuschen der Natur.

 

Blick auf den See

 

 

28.August 19.Tag | Bibercamp  zurück zur Liste

Mit Blick auf den See genießen wir den Kaffee und starten euphorisch in den neuen Tag. Was er wohl bringen wird, wissen wir nicht, aber genau das macht den Reiz an solchen Urlauben aus. Nachdem wir Räder und Gepäck wieder auf die Piste geschleppt haben, geht es auch schon los.

 

Frühstück mit Aussicht

 

Die Piste lässt sich gut fahren und ist wenig besucht. Wir durchfahren nun ein Gebiet, das als Forst genutzt wird. Immer wieder abgeholzte Gebiete, dazwischen Seen und ab und an Wälder. Aufgrund der breiten Straße kann man lange und sicher in der Ferne nach Tieren suchen. Wir entdecken sogar wieder eine Elchkuh mit Nachwuchs in de Ferne. Sie schauen zu uns rüber, aber sehen können uns die halbblinden Viecher wohl eher nicht.

 

viele freie abgeholzte Flächen

 

Wir kommen immer wieder an Hütten vorbei, die im Winter den Schneemobilnutzern als Schutz dienen sollen. Wir nutzen diese nur als Rastmöglichkeit und benutzen die Trockenklos. Obwohl es sich gut fahren lässt, schieben wir den einen oder anderen Anstieg die Räder hoch. Da Täve nicht gezogen werden möchte, darf er entscheiden, wann geschoben wird. Eigentlich können wir schneller fahren, aber keine Kraft zwingt uns dazu. Ausgebremst werden wir durch viele Weitblicke und Fotopausen.

 

Die besagten Schutzhütten

 

Nach 20 km wollen wir große Pause machen, da kommen die ersten Motorisierten des Weges. Es ist eine Gruppe von ca. 8 Quads, die eine gebuchte Tour auf Neufundland fahren. Der Guide und ich unterhalten uns ein wenig über die lokale Fauna und dass es noch 65 km bis Corner Brook sind. Wir werden das wohl heute nicht in einem Ritt schaffen. Heute noch ein bisschen und morgen dann der Rest.

Wenig später ziehen sie weiter und wir pausieren am Wegesrand. Die Sonne haben wir zum letzten Mal heute Morgen gesehen, aber dafür regnet es wenigstens nicht. Mal etwas Sonnenpause tut auch gut. Nach der Pause rollen wir weiter, dazwischen immer mal Anstiege mit 100 Höhenmetern. Nach einem dieser längeren Anstiege werden wir mit einer Überraschung belohnt.

In der Ferne tauchen wieder die Tablelands auf. Auf dem Navi kann ich nicht erkennen, ob wir diesen noch näher kommen werden, aber auch dieser Ausblick ist schon Belohnung genug. Nach kurzer Rast und Genuss stürzen wir uns in die Abfahrt. Ich weise Täve noch einmal darauf hin, dass er das „Stürzen“ bitte nicht wörtlich nehmen soll. Seine Wunde ist super verheilt und so soll es bitte auch bleiben.

 

Wieder erscheinen die Tablelands

 

Bald nimmt die Bewaldung wieder zu und wir würden in 5 km den tiefsten Punkt des Abschnitts erreicht haben. Dann würde es 350 Höhenmeter hinauf gehen. Bei km 28 pausieren wir also noch einmal, oberhalb von einem namenlosen See, gleich in der Nähe vom Wigwam Lake. Die Aussicht ist fantastisch und Yvonne meint nur: „Komm‘ lass uns das mal genießen, was für ein schöner See“. Wir haben es Nachmittag, Zeit ist dafür genug vorhanden.

 

Aussicht genießen

 

Pause am namenlosen See

 

Wo wir da so sitzen und die Umgebung auf uns wirken lassen, beschleicht mich das Gefühl, dass Yvonne das gleiche denkt wie ich. Wir schauen uns an und beschließen, hier und jetzt zu bleiben. Der See hat uns eingefangen, die Aussicht und die Ruhe gefesselt. Warum weiterfahren, wenn man einen Platz so extrem schön findet. Ohne dass das Zelt steht, wollen wir den Platz schon Supertraumcamp nennen, es wird aber nie dazu kommen.

 

Das Bibercamp

 

Unterhalb des steilen Steinwalls, auf dem wir pausiert haben, finde ich einen kleinen Stellplatz für unser Zelt. Die Räder lassen wir oben an der Piste liegen, decken sie mit der Plane ab und legen ein paar Äste drauf. Die wird schon Keiner finden und klauen. Am Ufer liegt genug Totholz und wir bauen eine kleine Feuerstelle auf. Die Mücken halten sich in Grenzen, daher warten wir noch mit dem Anzünden.

Das Zelt steht auch bald und Yvonne liegt auch bald in selbigen und entspannt. Ich genieße mal kurz den Ausblick weiter und entdecke mit dem Fernglas am gegenüberliegenden Ufer einen Biberbau. Ob der noch bewohnt ist? Dann schlage ich Täve vor zu angeln, er aber will wieder einmal Brücken bauen. Los geht’s. Über die vereinzelten Steine im See legen wir Stämme und als Versuchsperson darf ich dann herhalten um sie einzuweihen.

Am See liegen schön flache Steine, die danach zum flitschen einladen. Ich mache damit lieber Pferdefurze, die klingen immer irgendwie geil, wenn die flachen Steine senkrecht ins Wasser eintauchen. So verleben wir den Nachmittag mit vielen Aktivitäten aber auch entspannten Abschnitten und die wenigen Kilometer heute sind vergessen. Da müssen wir halt morgen ordentlich klotzen.

 

Unsere Badestelle am großen Stein

 

Gegen Abend öffnet sich die Wolkendecke und wir nutzen die warmen Sonnenstrahlen, um uns waschen zu gehen. Der See ist sehr klar und viele kleine Tierchen tummeln sich im See. Fische sehen wir leider keine, aber es gibt sie, da wir in der Ferne sehen, wie sie beim Auftauchen Wellen schlagen. Täve winkt wieder ab „Kein Bock zu angeln, wir fangen doch eh keine“. Nun gut, Ausdauer und Geduld waren noch nie seine Stärke.

 

Wo ist der Biber

 

Am Lagerfeuer kochen wir unser Abendessen und während sich Alle Nudeln reinschaufeln, entdeckt Yvonne mitten auf dem See etwas. Es ist ein Biber, der seine Runden im See dreht. Das ist wie eine Live Doku im Fernsehen. Wir sitzen noch lange und beobachten den Biber bei seinen Kontrollgängen. Dabei streift er auch ab und an unsere Uferlinie. „Bleib‘ ja im See, wir tun Dir nichts“ besänftigt Yvonne ihn.

 

Der Biber zieht seine Bahnen

 

Wir gehen etwas zeitiger als sonst ins Bett, lassen das Feuer noch ein wenig brennen. Mitten in der Nacht werde ich auf einmal von einem lauten Wasserklatschen geweckt. Mein erster Gedanke: Ein Bär springt am Ufer herum und fängt Fische. Ich liege starr da, mein Herz pumpt. „Klatsch“ und ein zweites Mal. Nun sind auch Yvonne und Täve wach. Was war das? Wir spekulieren uns in Rage und lauschen ruhig den Außengeräuschen. „Komm‘ Jens, geh‘ mal nachschauen“ meint Yvonne, Täve bestätigt diese Aussage mit „Ja, genau“.

Klar, gehe ich jetzt da raus und begrüße den Bären bei seiner Nahrungsaufnahme. Die Hilleberg Zeltwand wird uns schon schützen, ich gehe keinen Meter vor die Tür. Ich öffne das Innenzelt und leuchte mit der Lampe durch die Lüftung auf den See. So ein Mistvieh, es ist der Biber, der ständig mit seinem Schwanz auf das Wasser aufschlägt. Ganz nah am Ufer schwimmt er lang. Der Dicke soll doch woanders lang schwimmen, der See ist groß genug.

Da sich nun Alle fast eingemacht haben und wir nun wissen, dass es nur der Biber war, gehen wir gesammelt einmal pinkeln und schlafen dann beruhigt weiter. Yvonne schläft mit den letzten Worten ein „Bibercamp trifft es wohl besser!“

 

29.August 20.Tag | Corner Brook Camp  zurück zur Liste

Nach den vergangenen zwei Tagen stellen wir beim Frühstücken fest, dass dieser Schotterabschnitt mit zu den schönsten gehört, da er ruhig und einsam ist und neben der Landschaft wirklich tolle Camp Spots bietet. Mal schauen, wie der letzte Teil bis Corner Brook ist. Jedenfalls starten wir mit etwas gedämpfter Freude, denn gleich wird uns ein langer Anstiege erwarten.

 

Noch lässt es sich gut rollen, noch!

 

Wir sind aber noch frisch und entscheiden uns, die steilen Passagen zu schieben und aller 150 Höhenmeter zu pausieren. Am Goose Arm, ein Seitenarm einer Vierfinger-Bucht, haben wir den Tiefstpunkt erreicht. Nein, unseren mentalen Tiefstpunkt noch nicht, aber die Meereshöhe. Bevor wir die 8 km Anstieg bewältigen, pausieren wir noch einmal und dann geht es Rampe für Rampe hoch.

 

Der Goose Arm, irgendwo da hinten müssen wir hoch

 

Zum Glück geht es treppenartig bergauf. Ein Steilstück wechselt mit einer flachen Passage ab, was das Ganze erträglich macht. Die Sonne strahlt mal wieder mit voller Kraft, das tut sie meistens dann, wenn wir sowieso schon schwitzen. Schnell gewinnen wir an Höhe und genießen in den kleinen Verschnaufpausen die Ausblicke. Wirklich genießen kann ich das anscheinend nur, denn bei Yvonne und Täve macht sich schlechte Laune breit.

 

Wieder in Sicht, die Tablelands

 

Der Belag wird schlechter, so dass nun auch an flacheren Anstiegen geschoben wird. Ein Schuldiger ist schnell gefunden. Ich muss mir Sprüche anhören „Was hast Du Dir hier rausgesucht“, „Wann hat das endlich ein Ende?“ oder der Brüller „So habe ich mir den Urlaub aber nicht vorgestellt“. Es wird nur noch gemotzt. Ich bin sauer, weil immer nur gemeckert, aber nie gelobt wird. Ich fahre nun vorneweg, will davon nichts mehr hören. Meine Motivationsgespräche bringen nichts mehr. Bis Mittag herrscht dicke Luft.

 

Ausblick auf den Old Mans Pond, der lange Anstieg ist geschafft

 

Fantastische Ausblicke beruhigen wieder die aufgeheizten Gemüter

 

Erst, nachdem der Anstieg endlich geschafft ist und gleichzeitig der Untergrund besser wird, steigt auch wieder die Laune. Da ich nicht gleich wieder der Buhmann sein möchte, verheimliche ich vorerst, dass da noch einmal ein 150 Höhenmeter Anstieg kommen würde. Kurz bevor dieser am Old Mans Pond beginnt, machen wir erst einmal Mittagspause. Die letzten Reserven werden vernichtet, es bleibt nichts übrig.

Es kommt ein älterer Mann des Weges, der uns motiviert, dass es der letzte Anstieg sei und dann nur noch bergab ginge. „Ha, solche Worte sollte man hier nicht äußern“ denke ich. Was das für Konsequenzen hat, durfte ich schon all zu oft spüren. Mal schauen, ob er Recht behalten würde. 25 km seien es noch bis Corner Brook, wir hatten es gerade 13 Uhr. Das würde doch passen. Er gibt uns noch Tipps hinsichtlich Campgrounds und Einkaufsmöglichkeiten und bietet sogar an, uns dann vom Camp nach Corner Brook zu fahren. Wir lehnen dankend ab, aber es ist nette Geste.

Nach der Pause haben sich Alle wieder vertragen und als dann mal wieder Luft zum Quatschen ist, gibt es nur ein Thema: „Wie geht es weiter?“ Bis nach St. Johns werden wir es nie schaffen, die 8-Loop ist unrealistisch, aber es gibt einen Bus, der täglich den Highway zwischen St. Johns und Port aux Basques (Fährhafen nach Nova Scotia) bedient. Wir müssen nun einen Punkt finden, wo wir in den Bus steigen. Dabei ist das aber auch noch ungewiss, ob die uns und unsere Räder mitnehmen. Es bleiben zwei Optionen: Weiter in Richtung Port aux Basques fahren oder wieder Richtung St. Johns zurück. Auf dem Highway wollen wir aber nun nicht komplett fahren.

Da ich so spontan keinen Plan aus dem Ärmel schütteln kann, schlage ich vor, in Corner Brook auf einen Campingplatz zu gehen. Dort können wir uns sortieren, Pläne für die letzte Woche schmieden, Wlan nutzen. Wir konzentrieren uns wieder auf die Landschaft. Zum ersten Mal seit 3 Wochen entdecken wir große Wiesen, die von Felsformationen eingekesselt werden. die stark an die Sächsische Schweiz erinnern.

 

Bald kommt wieder Asphalt, Zeit also, um die letzten Körner zu verbraten

 

Gegen 15 Uhr erreichen wir nach einem letzten steilen Schotteranstieg die Straße 440, die von Cox Cove kommend nach Corner Brook führt. Wie im Rausch rasen wir auf dem Asphalt lang und verpassen nach 4 km fast das Camp. Es ist eine weitläufige Anlage, außerhalb von Corner Brook, auf eine kleinen wilden Halbinsel gelegen. Wir suchen uns einen Platz auf den „unserviced sites“ raus.

Yvonne widmet sich der Camp Errichtung, ich dagegen darf noch einmal in die Pedale treten. Supermärkte gibt es leider nur im 8 km entfernten Corner Brook. Täve will mich begleiten, also ziehen wir flott los. Auf dem Weg dorthin entdecken wir Beide erstmals auch einen Weißkopfseeadler. Dieser versucht gerade, einem Kolkraben die Beute abzuluchsen. Was die für Flugakrobaten sind. Wir rasten kurz und schauen uns das Schauspiel an.

Corner Brook haben wir bald an der flachen Küstenstraße erreicht. Hier unten aber ist nichts, nur Hafenindustrie. Wir müssen hoch auf den Hügel. Da oben liegt das Zentrum. Gedanklich taufe ich diesen Ort bald „Neufundlands San Francisco“. Die Straßen gehen so steil hoch, dass wir auch ohne Gepäck schwer zu treten haben. Wir schieben lieber. Die 100 Höhenmeter sind aber schnell geschafft.

Wir kaufen alles Nötige ein, Täve bekommt noch seine Portion Pommes und gegen 18 Uhr sind wir wieder am Camp. Unterwegs äußerte Täve noch die Idee, heute Abend hier noch einmal hin zu fahren, um Abendessen zu gehen. „Das glaube ich nicht, weil ich Yvonne’s Antwort schon kenne“. Sie fährt heute sicher keinen Meter mehr. Daher essen wir im Camp zu Abend. Vorher gehen wir noch duschen und bevor es richtig dunkel wird, zehren wir ein paar tote Bäume aus dem umliegenden Wald. Wir machen Feuer.Es wird noch ein gemütlicher Abend, ohne zu wissen, was uns noch bevorstehen würde. Darum müsste ich mich dann morgen früh kümmern.

 

30.August 21.Tag | Corner Brook Camp  zurück zur Liste

Irgendwie stehe ich mit gemischten Gefühlen auf. Lustlos in den Beinen und im Kopf, aber draußen scheint die Sonne, noch. Vom Wald umgeben haben die Regenwolken die Chance, sich unbemerkt an zu schleichen. Zum Glück haben wir das Frühstück schon beendet und flüchten schnell ins Zelt. Was machen wir nun? Abwarten und später losziehen. Ein Plan liegt noch nicht bereit.

Ich offenbare meine Lustlosigkeit. Gibt es also neben der Wanderdepression auch eine Radlerdepression? Vom Radfahren habe ich noch nie genug bekommen können, aber heute fühlen sie meine Beine schwer an, mein Kopf hat eine Blockade. Yvonne findet das nicht toll, sie will und kann eigentlich weiter. Täve dagegen ist auch für einen Tag Pause. Da es nun gerade regnet, habe ich Zeit, einen neuen Plan zu schmieden. Obwohl es bald wieder aufhört mit regnen, entscheiden wir uns für einen Relaxtag, einen richtigen Relaxtag ohne auch nur einen Zentimeter die Räder zu bewegen.

 

Irgendwo, von da hinten sind wir gestern gekommen

 

Noch nie war ich so ratlos. Alle Planungen führen ins Leere. Entweder zu wenig Zeit, zu lange Strecke, zu viel Highway oder oder oder. Neben der Strecke müssen wir auch die Rückfahrt des Busses und unseren Rückflug betrachten. Der Bus kommt erst gegen 22 Uhr in St. Johns an, der Rückflug geht Tag darauf um 14 Uhr. In diesem Zeitfenster muss ich auch irgendwann noch die Räder auseinander bauen und verpacken. Schaffe ich das? Müssen wir einen Tag eher in St. Johns sein, um keinen Stress zu haben?

 

Corner Brook, da oben auf der Kuppe ist das Murphy Square Einkaufszentrum

 

Ich entscheide mich, am Abflugtag einfach zeitig am Morgen auf zu stehen. Dann müsste das passen. Also haben wir nun 4.5 Tage Zeit, um eine Strecke von ca. 300 km zu schaffen. Jedoch ohne zu wissen, wie 1/3 dieser Strecke beschaffen sind. 70 km am Tag sind möglich, wir wollen also unsere Originalroute weiter fahren, aber ab Corner Brook den T’railway auslassen und den fast parallel verlaufenden Highway 50 km in Richtung Port aux Basques fahren. So kann man Kilometer machen und den Anteil an Schotterpiste minimieren. Ziel wird nun Badger sein, wo unser Bus am vorletzten Tag gegen 14 Uhr abfährt.

 

Vogelbeobachtung

 

Wenn die über Einen drüber fliegen, ist mal kurz Schatten

 

Mit diesem Plan können wir nun Alle leben und schlendern nun auf kleinen Pfaden auf der kleinen Halbinsel herum. Am Ufer beobachten wir Weißkopfseeadler und entspannen. Jede größere Bewegung wird vermieden, nach ca. 2 Stunden sind wir wieder am Zelt, sammeln ein wenig Holz und vertreiben uns die Zeit mit Karten spielen, lesen und Musik hören. Ein wenig Augenpflege betreiben wir auch noch und so vergeht der Tag wie im Fluge.

Yvonne fängt am späten Nachmittag schon mit dem Abendessen an, während ich ein letztes Mal die Räder pflege. Morgen müssen wir noch Proviant für die 5 Tage in Corner Brook besorgen. Täve kommentiert das mit „Mama, das wird Dir sicher Spaß machen. Solche Anstiege hast Du noch nie gesehen“. Alles geht entspannt vonstatten, das Essen, das Abwaschen und das gemütliche Sitzen am Lagerfeuer. Ich schließe über Nacht noch einmal das Powerbank auf der Toilette an, so richtig haben es die Nabendynamos nicht geschafft unseren Stromverbrauch zu erzeugen.

 

31.August 22.Tag | Buschabwehrcamp  zurück zur Liste

Die Beine fühlen sich wieder gut an, die Motivation ist förmlich am überschäumen. Wir wollen uns wieder austoben und brechen etwas zeitiger auf als sonst. Erster Stopp in Corner Brook. Nun bekommt auch Yvonne die Rampen zu sehen und noch mehr zu spüren. Da wir uns bald an einem typischen nordamerikanischen „market square“ befinden, ist alles schnell besorgt. Alles ist fußläufig erreichbar, Lebensmittel und Benzin und schon kann es weiter gehen.

 

Die Straßen von Corner Brook

 

Steiler geht’s kaum, kurz standen mal 19% auf der Uhr

 

Die 100 Höhenmeter hier hoch sind nicht die letzten. Ich lotse uns irgendwie durch den Ort durch. Eine Route habe ich nun nicht mehr auf dem Navi. Auf den Track werden wir erst gegen Abend wieder stoßen. Wir fahren auf Nebenstraßen auf 250 m Höhe und kurz bevor wir uns den Highway antun, gibt es eine kleine Rast.

Ein wenig unschlüssig bin ich, ob wir hier auf den Highway mit dem Rad drauf dürfen. Komischerweise ist dieser Abschnitt hier bei Komoot orange und nicht wie der Rest gelb gefärbt. Sind hier Räder verboten oder nicht? Da es sich aber nur um 1 km auf diesem orange gefärbten Stück handelt, gehen wir das Risiko ein. Einen anderen Weg gibt es zwar seitlich des Highways, doch ist unklar, ob dieser direkt auf den Highway drauf führt und/oder versperrt ist.

 

Highway to hell

 

Auf dem Highway geben wir Gas, bis die zwei Spuren wieder zu einer zusammenführen. Vorbeifahrende Autos hupen nicht und später hält uns auch kein Polizeiauto auf, also wird das schon in Ordnung gewesen sein. Wohler fühlen wir uns aber dann trotzdem, als wir wieder auf dem gelb gefärbten Teil sind. Täve winkt immer wieder auf meine Frage hin ab, ob er ans Seil will. Im Windschatten von Papa kommt er gut mit, dieser ist auch nötig, um dem Gegenwind aus zu weichen. Ich kämpfe mich voran, bei moderatem Tempo frage ich immer mal wieder nach hinten durch, ob alles okay ist.

Wider Erwarten ist auf dem Highway wenig los. Mit dem Einkaufen haben wir viel Zeit auf der Strecke gelassen. Es ist bald Mittag und die Mägen knurren. Bis zum Highway waren es schon 15 km, nun haben wir uns 17 km auf dem Highway voran gekämpft. Zeit für eine Mittagspause, eine Tankstelle kommt da am Wegesrand genau richtig. Es kommt uns ein Mann mit Pommes und Fleichstückchen entgegen. „Sowas will ich auch haben“ brüllt Yvonne. „Wir auch“!

Yvonne bestellt das leckere Essen, wir entspannen im Schatten der Tankstelle. Sind nun noch um die 40 km. Ist zwar noch ein ganz schönes Brett, was wir bei dem hügeligen Terrain heute noch bohren dürfen, aber da der Gegenwind morgen auch noch so stehen soll, wird er uns morgen dafür den kompletten Tag in den Rücken blasen. Wir genießen die übergroßen Portionen an „Fries & Meat“, entspannen in der Sonne und werden prompt von einem Jäger angesprochen.

Dieser erzählt uns viel von der Tierwelt. Es gibt weiße Elche und die sind nicht selten. Loons darf man nicht abschießen, stehen unter strikten Naturschutz und es gibt hohe Strafen (Nun wissen wir es, er lacht immer die restliche Tierwelt aus, die zum Abschuss frei gegeben ist), man isst hier gerne Raben. Bären und Elche sind hier eine Plage, angeblich gibt es 50.000 Bären und 150.000 Elche. Deswegen darf man nun auch 4 anstatt 2 Tiere pro Person abschießen. Er hat echt viel erzählen und wir müssen noch viel Kilometer bewältigen.

Der Highway Ritt geht in die zweite Runde. Wir haben uns eingerollert, Täve will und darf ans Seil, so haben wir ein konstanteres Tempo in der Ebene. Bergauf geht dafür fast nichts, aber unbewusst purzeln die Kilometer trotzdem dahin. Mit Erschrecken haben wir auf einmal km 50 auf der Uhr stehen. Hier trifft nun der geplante Track, vom T’railway kommend, wieder auf unsere heutige ungeplante Tour. Wir legen eine Pause ein. Die Landschaft zieht uns magisch an, wir müssen sie in Ruhe genießen.

 

Wieder eine ganz andere Landschaft hier

 

Das Wetter hält super, doch der Wind macht es etwas kälter

 

10 km später wird es schlagartig ruhiger, als die Straße sich teilt. Ein Weg führt nach Stephenville, wo scheinbar Alle hinwollen. Wir sind nun sehr einsam auf dem Highway unterwegs. Wir können die bevorstehenden 10 km Abfahrt nun für uns genießen und neben einander dahin rollen. Gegen 18 Uhr erreichen wir den Abzweig, der als heutiges Ziel auserkoren wurde. Yeah, ich bin stolz auf die Beiden. Wir haben es geschafft, nun wird es ruhiger auf der Straße 480 Richtung Burgeo und wir machen uns auf die Suche nach einem Camp, mir ordentlich Rückenwind.

 

Ab jetzt Rückenwind auf der Straße 480

 

Jetzt wollen wir nicht wählerisch sein, wir nehmen was kommt. 2 km später lacht uns ein kleiner Weg am rechten Straßenrand an. Kurz inspiziert und für gut befunden. 500m von der Straßen entfernt gibt es Wasser, sogar eine Feuerstelle und ein windgeschütztes Lager. Wir rasten nicht erst, sondern bleiben im Arbeitsmodus. Schnell alles aufbauen und zurechtmachen bevor es dunkel wird. Wir schaffen es sogar noch im Hellen, den Schweiß des Tages im Fluss ab zu waschen. Das Holz aber müssen wir schon in der Dämmerung zusammen suchen. Dabei entdecke ich auf einmal jede Menge Bärenspuren auf einer etwas entfernten Freifläche.

Als wir dann endlich am Lagerfeuer zum sitzen kommen, ist es dunkel. Wir haben es aber geschafft und liegen im Plan, den wir jetzt auch weiter verfolgen müssen, denn sonst kommen wir nicht pünktlich am Ziel an. Am Ende eines Urlaubes ein wenig unter Druck zu sein, kennen wir noch aus der Mongolei 2018. Wo wir vorher bei den Etappen gegammelt hatten, mussten wir am Ende ordentlich ackern. Dieses Mal fühlt es sich aber dieser Druck auf dem Rad angenehmer an, weil man ja schnell mal 15- 20 km / Tag auf dem Rad mehr schafft als sonst. 1-2 Stunden mehr Fahrzeit und ein wenig Zähne zusammen beißen und wir schaffen das auch.

Am Lagerfeuer entspannen wir, komischerweise fallen die Augen noch nicht zu. Vielleicht auch, weil genau diese gemütlichen Abende am Lagerfeuer die Belohnung für die Strapazen sind. Sowas will man dann auch nicht nur 30 Minuten genießen. Kurz bevor wir zu Bett gehen, lege ich in dem u-förmigen Camp noch Gestrüpp am Eingang hin. So können wir hören, ob Tiere kommen oder sie vielleicht auch daran hindern, ans Zelt zu kommen. Konkret denke ich noch immer an die vielen Bärenspuren. Dieses Bollwerk scheint mich schon mehr zu beruhigen, ich habe keine Einschlafprobleme. Ob es was bringt? Wir werden es nie erfahren, denn die Tiere bleiben mal wieder fern.

 

Zwischen Busch und Wall schlagen wir unser Zelt auf

 

 

 

01.September 23.Tag | Waldcamp  zurück zur Liste

Im Kopf sind wir bereit für den heutigen Tag, nur unten herum sieht es nicht so aus. Die Beine sind noch schwer. In der Sonne genießen wir das Frühstück, haben aber die Uhr im Blick. Auf der Straße ist ein Sog zu spüren. Der Wind bläst genau so stark wie gestern, wenn nicht noch stärker. Wir werden die 50 km Asphalt des Tages vermutlich in neuer Bestzeit bewältigen. Trotz des hügeligen Terrains geht es echt entspannt zu. Die Straße ist dermaßen einsam, dass das eine Auto pro Stunde, was hier entlang kommt, schon zur Belästigung avanciert.

 

Vorm Zelt sieht man den natürlichen Bären-Zaun aus Gestrüpp

 

Wir nutzen die vollen Breite unserer Spur, Täve rollt ohne Seil super mit, beschwert sich immer nur, dass er bergab immer treten muss, während wir dahinrollen. Daher schiebe ich ihn bergab ein wenig mit oder er düst im Sog meines Windschattens hinterher. Obwohl das Tagespensum auch heute wieder an die 70 km sein wird, lassen wir uns Zeit und machen Pausen, wenn uns danach ist. Meist ist hier Täve der Entscheidungsträger.
 

„Wo bleibt Ihr denn, macht mal biss’l Druck!“

 

Ein Foto sagt mehr als tausend Worte

 

Wie machen Halt an einem Biberbau, den wir inspizieren. Täve und ich bestaunen die Baukunst des Dammes und wundern uns, was das Tier so für Stämme ran geschleppt hat. Täve fragt mich, ob die Bären oder Kojoten die Biber fressen. Ich entgegne nur, dass bei Bibern Todesursache Nummer eins umfallende Bäume sind, die sie selbst abgenagt haben. Täve bekommt einen Lachkrampf. Ja, Biber sind schon lustige Gesellen.

 

Biberbau in Eigenheimgröße

 

Der Damm! Was baut der Biber eigentlich zuerst? Damm oder Bau

 

Die Straße, die nach Süden zum Hafen Burgeo führt, hatte ich in der ersten Planung eingebaut, wollte sie komplett befahren. Doch irgendeine Recherche ergab, dass dieses Straße wohl sehr befahren sei. Für uns jedenfalls ist es die wohl einsamste Asphaltstraße, die wir auf Neufundland erleben durften. So wird mit Genuss weiter in die Pedale getreten, schon mit etwas Druck im Anstieg, dafür mit Entspannung bergab. In der Ebene ist keine große Anstrengung nötig.

 

Der See Silver Pond

 

Wir erreichen nach 50 km eine scharfer Rechtskurve, wir zweigen nun auf die Schotterpiste ab. Machen aber erst einmal Pause. Wow, 50 km und das kurz nach dem Mittag. Mittlerweile scheinen wir topfit zu sein. Es gibt einen Pausenbonus, wir können es uns leisten. Uns fallen sogar mitten auf der Piste im Liegen die Augen zu. Kurz sind wir mal weg getreten. Obligatorisches Luft ablassen bevor es auf dem Schotter weiter geht.

 

Die letzten Kilometer auf Asphalt

 

und bald war Schotter angesagt

 

Ein kleiner Anstieg von 100 Höhenmetern liegt noch vor uns, dann soll es flacher werden und bald runter gehen. Bis jetzt haben wir schon 500 Höhenmeter gemacht, also sind wir nun aufgewärmt und bereit für die letzte Anstrengung des Tages. Die Piste ist drei bis vier Autos breit. Nun denkt man, dass sich doch hier eine ideale Linie finden wird. Von hinten ist es witzig anzuschauen, wie Täve und Yvonne ihre eigene perfekte Linie suchen und sich dabei immer wieder in die Quere kommen, es folgen wilde Beschimpfungen. Bald stellen wir aber alle Drei fest, dass wir schon besseren Untergrund hatten, aber es noch im Rahmen liegt. Zum Fluchen und Ausrasten reicht es noch nicht.

 

Der Anstieg ist bald zu Ende, Täves Ehrgeiz dagegen ist unendlich

 

Tolle Stellen zum campen, wir aber müssen noch weiter

 

Der Weg schlängelt sich an Seen vorbei, eingerahmt von idyllischer Landschaft. Immer wieder entdecken wir tolle Spots am Wegesrand, aber so lange wir noch fit sind und der Tag noch lang ist, so lange sollten wir weiter fahren. Bei km 70 erreichen wir den Lloyd River, der nun lange Zeit rechts des Weges entlang führt. Wir entscheiden nun, mal die Augen nach einem Camp auf zu halten.

 

„Du hast doch gesagt, es wird flacher!“

 

Kleine Anstiege halten die Muskeln warm

 

Es ist mal wieder bezeichnend für die Campsuche. Immer dann, wenn wir entscheiden, was zu suchen, findest sich auf einmal nichts mehr. Es gibt weder links einen Weg in den Busch hinein, noch eine Möglichkeit rechts am Fluss zu zelten. Es ist zum Mäuse melken. Von hinten kommen Quads, wir stoppen und wollen sie vorbei lassen. Sie halten auch an und fragen mich, ob ich der Deutsche bin, der letztes Jahr hier schon lang gefahren ist.

Witzig, da gab es einen Radreisenden aus Deutschland, der sich das gleiche angetan hat wie wir jetzt? Sympathisch! Der eine Mann meint nur, dass bald ein Weg links kommen würde. Dort sollte eine Möglichkeit vorhanden sein, das Zelt auf zu stellen.

 

Der Lloyds River plätschert leise dahin

 

Die Suche dauert nun schon geschlagene 7 km, aber nun werden wir am besagten Weg fündig. Er ist zugewuchert, nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar. Täve und ich gehen auf Suche. Ein umgefallener Baum versperrt den Weg. Dahinter finde ich nur auf dem Weg eine Fläche fürs Zelt. Sie ist aber so abschüssig, dass ich noch weitersuche, aber nichts finde. Okay, die muss reichen. Auf dem Weg zurück, entdecke ich am Waldrand unter den Bäumen eine ebene Fläche mit viel Stämmen und Gestrüpp. Perfekt, die muss bloß noch frei geräumt werden, dann passt das super.

Ziel erreicht, die Räder werden hochgeschoben, doch bevor wir andere Sachen erledigen, muss die Feuerstelle hergerichtet werden. Täve sammelt Holz und schnell flackert das Lagerfeuer. Nun können uns die Mücken mal kreuzweise. Entweder sind sie gar nicht da oder sie kommen in Scharen. Im Wäldchen ist es ziemlich dunkel, aber es dämmert auch schon leicht. Irgendwie haben wir unseren Zeitpuffer auf dem Schotterteil restlos aufgebraucht. Es wird so gegen 19 Uhr sein.

Der Fluss ist nicht weit entfernt. Nachdem das Zelt steht, wird noch einmal Holz nachgelegt und dann geht’s zum Fluss. Die Angel ist auch mit im Gepäck, aber ich zweifle daran, dass wir heute was fangen. Wir baden ausgiebig im Fluss, meine Augen suchen die Flussuferseiten nach Tieren ab. Mensch, der Fluss ist prädestiniert für Tiere, aber vielleicht meiden sie auch unseren nackten Anblick.

 

Badesession vorbei, nein Nacktbilder gibt es nicht!

 

Abendstimmung am Fluss

 

Täve und ich platzieren uns auf einem Stein und werfen die Angel aus, während Yvonne wieder hoch zum Feuer muss. Es ist empfindlich kalt geworden. Wir Männer entspannen bei Flüstergesprächen am Fluss, wollen die Fische ja nicht verschrecken. Mich beeindruckt die Abendsonne, wie sie die gegenüber liegende Hügelkette anstrahlt. Totenstille, nur das Knistern des Lagerfeuers ist ganz leicht zu hören, der Qualm durch die Baumkronen dagegen ist nicht zu übersehen.

 

frisch gewaschen, geht es ans Angeln

 

Am Zelt zurück, ohne einen Fisch gefangen zu haben, ist Yvonne bereits beim Zwiebeln und Wurst schneiden. Wir kochen im Feuer Wasser auf und ziemlich schnell ist auch das Abendmahl angerichtet, nun wird es Allen bald wieder besser gehen. Frisch geduscht und wohl gesättigt, damit lässt sich die Lagerfeueridylle noch besser genießen. Ich bin stolz auf meine Beiden, wir liegen gut im Zeitplan, fast die Hälfte der Strecke geschafft, noch 2.5 Tage sind übrig.
Leider macht sich aber auch ein wenig Traurigkeit breit. Der Urlaub wird bald sein Ende finden. Machen wir also noch das Beste aus der verbleibenden Zeit.

 

02.September 24.Tag | Aussichtscamp  zurück zur Liste

Gegen 7 Uhr wecken mich Geräusche von draußen, ich lausche ihnen, will nicht Lärm machen, um nach zu schauen. Etwa 3 m von unserem Zelt entfernt stolpert (vermutlich) ein Elch auf den Weg. Er bleibt kurz stehen, dann hört und spürt man seine bebenden Schritte. Nun bin ich wach, kann nicht mehr richtig schlafen. Im Zelt wachen nun auch die anderen Beiden auf, wir quatschen über dies und das, strecken uns und bequemen uns heraus.

 

Unser Waldcamp

 

Der breite Fluss

 

Am Lagerfeuer wird nicht lang herum gefackelt, wir sitzen bald wieder auf den Rädern. 13 km fahren wir noch auf grenzwertigen Untergrund bis zum Beginn des Red Indian Lakes. Ein Autofahrer meinte, dass es ab hier besser werden würde. Damit hat er aber sicher nur den Untergrund gemeint. Denn direkt am See erwartet uns eine Rampe nach der anderen. Es geht nicht flach am See entlang, sondern mit kleineren Umwegen durchs Hinterland.

 

Die letzten Meter am Lloyd River entlang

 

Nun kommen auch wieder tolle Camps, jetzt!!!

 

Die 3 km schieben wir nicht komplett die 100 Höhenmeter hoch, aber die 15%+Anstiege schon. Wir haben zuvor eine kleine Pause gemacht, aber ich fühle mich irgendwie nicht gut. Hoher Puls, toller Schweißfluss, etwas zittrig. Yvonne merkt es auch gleich und fragt mich, warum ich so ruhig bin. Mein Tritt fühlt sich schwer an. Yvonne und Täve schlachten mich an jedem noch so kleinen Anstieg ab und es wird nicht besser.

 

Rechts befindet sich nun der See, oft von Bäumen verdeckt

 

Bei km 30 machen wir an einer Brücke Pause. Dieses Mal muss ich was essen, auch eine Cola wird geleert. Fehlt mir etwa Zucker? Wir füllen auch noch die Flaschen auf, denn es ist wieder ein heißer Tag auf staubigen Pisten. Nach der Pause läuft es schon wieder viel besser, ich bin wieder zu Scherzen aufgelegt und habe nun auch wieder Kraft, mal nebenbei Täve die flacheren Anstiege hoch zu schieben.

Nun macht es richtig Spaß, den Weg entlang zu fahren. Es ist zwar ein welliges Auf und Ab, ab es kommen keine langen Anstiege mehr, sie sind kurz und schmerzlos. Manchmal schiebe ich Täve und mich mit Schwung über die Kuppen. Bis jetzt war das Ufer unverbaut und wild, immer wieder tollen Ausblicke auf den lang gestreckten Red Indian Lake.

 

Nur noch leichte Wellen

 

Meine Hochrechnungen ergeben, dass heute 50 km auf der Piste genug sind. Dann wären noch 80 km für 1.5 Tage, davon aber 70 km Asphalt. Es passiert das gleiche wie gestern. Wir beschließen, ein Camp zu suchen und schlagartig nimmt die Uferbebauung zu und soll auch nicht mehr aufhören. Jeder Weg, der zum See führt, ist ein Privatgrundstück. Die wilden Abschnitte dazwischen sind undurchdringbar, kein Weg aus zu machen.

Links des Weges wollen wir aber unser Zelt auch nicht aufschlagen, da 10 m entfernt eine große Waldschneise mit Strommasten steht. Immer, wenn Yvonne nicht wählerisch bei der Platzwahl ist, sind das schlechte Vorzeichen. „Was hast Du gegen die Strommasten?“ Hallo? Ich schlage ja auch nicht das Zelt im Ortszentrum am Mc Donalds auf. Nein, ein wenig Idylle darf schon sein.

Yvonne darf also bei km 55, wir haben 5 km vergeblich gesucht, pausieren. Täve und ich gehen links einen Weg rein, der über die Waldschneise hinweg wieder in unberührter Natur führt, Okay, so unberührt ist sie auch nicht, überall herum wurde der Wald stark dezimiert, aber wenigstens haben wir so freie Aussicht auf den See und man sieht die Strommasten nicht mehr.

Nach lange Suchen finden wir einen tollen Platz, direkt auf einem platt gewalzten Weg. Yvonne übermittle ich die Nachricht mit positiven wie negativen Beigeschmack. „Platz gefunden, aber dorthin müssen wir die Räder schieben“ Yvonne sieht es wie ich. Lieber noch einmal richtig abkotzen als weiter ins Ungewisse zu fahren.

Oben angekommen bestätigt Yvonne die gute Auswahl, nur Täve jammert ein wenig. Heute kann leider nicht geangelt werden. Das Zelt wird sehr exponiert aufgebaut, ich schlage alle Heringe tief in das Stein-Erde-Lehm-Kies-Gemisch. Die halten bombenfest, hoffentlich kriege ich die auch wieder raus.

 

Unser Aussichtscamp

 

Hier die Aussicht

 

Das Zelt steht in der richtigen Richtung. Der Wind nimmt zu und fegt voll über das Zelt drüber. Dahinter bauen wir die Feuerstelle auf und sammeln nun Holz. Am Zelt befindet sich direkt ein Wasserloch, die Qualität lässt aber zu wünschen übrig. Überall im Umkreis sind aber weitere kleine Wasserlöcher. Mit Tasse und Wassersack bewaffnet, schöpfe ich nun ein Loch nach dem anderen aus. Das Wasser muss aber auch noch mal durch den Filter.

Täve hat weiter seinen Spaß am Holz ranschleppen und zerkleinern. Soviel könne wir gar nicht verfeuern. Wir baden uns alle in dem kleinen, dreckigen See. Hauptsache, wir riechen lecker, Dreck stört uns schon lange nicht mehr. Yvonne findet den Platz toll, sie liebt diese weite Aussicht über den See. Am Feuer lassen wir es uns schmecken und klatschen schon jetzt gegenseitig ab. Nun kann man schon absehen, dass wir es bis zum Ziel schaffen werden. Die paar Kilometer sind doch ein Klax.

An diesem Abend wissen wir jedoch noch nicht, das es morgen früh ganz anders kommen sollte.

 

03.September 25.Tag | Aussichtscamp  zurück zur Liste

Wie immer bin ich gegen 6 Uhr wach. In der Nacht hat es weiter gewindet, tut es immer noch. Ich drehe mich noch einmal um und schlafe wieder ein. Gegen 8 Uhr weckt mich ein sonst eher erwünschtes Geräusch. Heute und jetzt ist es aber völlig fehl am Platz. Es regnet und das nicht sparsam. Der Wind bläst von hinten schräg gegen das Zelt, ich koche in der Wind abgewandten Apsis erstmal Wasser auf.

Der erste Blick aus dem Zelt stimmt mich eher traurig. Die Wolkendecke hängt tief und ist dunkel. Sie zieht zwar schnell vorbei, aber es wird nicht besser. Beim Frühstück gibt es nur ein Thema: Was tun? Wir loten alle Möglichkeiten aus, finden keine Lösung. Zum Glück haben wir hier schnelles Netz, ich buche einen Easy Travel Tag und schaue nach dem Regenradar bei accuweather. Hätte ich wohl nicht machen sollen.

Die aktuelle Regenfront ist nur ein Vorbote in gelb und grün gefärbt. Bald soll rot und blau folgen, ergo zunehmender Starkregen. Wie lange es dauern wird, keine Ahnung. Wir frühstücken erstmal weiter und wollen abwarten und essen nicht nur sprichwörtlich ab und an Kekse.

In einer kurzen Regenpause wasche ich das Geschirr ab und packe schon die eine oder andere Tasche, immer noch fest in der Annahme, heute doch noch starten zu können. Kaum wieder im Zelt, kommt die nächste Front und zwar heftig. So heftig, dass ich die Lüftung auf der Luv-Seite komplett schließen muss, es regnet aufgrund des starken Windes fast horizontal. Was soll das? Will uns der Wettergott abermals prüfen, ob wir noch ein kreatives Ass im Ärmel haben? Dem ist nicht so.

Während wir uns im Zelt unterhalten, fällt mir hinter Yvonne’s Rücken die Zeltinnenwand auf. Das Außenzelt drückt gegen das Innenzelt, die Gestängebögen biegen und wackeln rhythmisch im Wind. Ich muss nachschauen, während es gerade richtig schüttet. Leider liegen die Regenklamotten in der Satteltasche an Täve’s Rad, was unter dem Tarp liegt. Ich setze mich also dem Starkregen ungeschützt aus und bin kurz darauf auch völlig nass.

Wenigstens habe ich die Ursache der Instabilität gefunden. Alle Heringe der Abspannleinen hat es aus dem festen Boden getrieben, auch ein Hering am Apsisende hat es ausgerissen. Der scheinbar perfekte Boden kann so durchgenässt die Heringe nicht mehr halten. Er hat nun sandigen Charakter. Was tun?

Ich schleppe einen schweren Stein nach dem anderen an, ramme die Heringe erneut ein und platziere die Steine drauf. Wo ich schon nass bin, sichere ich auch noch die intakten Heringe mit Steinblöcken. Ein wenig Spaß kommt auf, als ich mich im Zelt komplett ausziehe und trockene Klamotten anziehen möchte. Zwischen Aufschreien und Platzmangel bin ich bald wieder trocken gelegt.

Wir haben es Mittag, die Idee steht immer noch im Raum, wenigstens heute noch ein paar Kilometer zu machen, um morgen nicht zu viel auf dem Tacho zu haben. Sehr optimistisch warten wir ab, die Uhr tickt und tickt. Ich zähle noch einmal die Fakten auf: noch 80 km (davon 10 auf Schotter), der Bus fährt 13.45 Uhr ab Badger und muss morgen erreicht werden.

Die Versuche, sich im Zelt mit Karten spielen und anderen Dingen ab zu lenken, funktionieren nur so lange, bis erneut Regen einsetzt. Die Regenpausen sind meist nur von kurzer Dauer und reichen gerade mal für Toilettengänge. Wir chillen in der Horizontalen, dabei gleitet meine Hand auf den Zeltboden. Gott, hören die Probleme denn nie auf? Es drückt Wasser von unten durch. Unter dem Zelt steht das Wasser und das Nahtband, was sich bereits seit einiger Zeit leicht abgelöst hat, lässt Wasser durch. Nicht viel, aber es wird feucht.

Wir legen die drei TAR Matten dicht aneinander, damit Schlafsäcke und Kleidung nicht nass werden. Ich bin permanent am wischen und kontrollieren, wenigstens halten die Heringe. Irgendwann, es ist so gegen 14 Uhr, lässt zwar die Intensität nach, aber von einer Schönwetterfront kann man nicht reden. Yvonne bringt es auf den Punkt: Ehe wir heute eine Stunde alles einpacken, später wieder eine Stunde alles auspacken und das alles nur, um vielleicht 20 km zu machen, lass‘ uns doch endgültig hier bleiben und dafür morgen zeitig aufstehen.

Ich widme mich dieser Idee. 80 km mit einem pessimistischen Schnitt von 15 km/h und wir brauchen um die 5 Stunden. Also wollen wir 6 Uhr aufstehen, spätestens 8 Uhr losmachen und wir haben noch ein wenig Puffer. Das klingt nach einem Plan und noch machbar.

Mit jeder Stunde lässt der Regen nach und der Wind verstummt. Gegen 17 Uhr mache ich Abendessen und da ich einmal die Auslandsflat gebucht habe, holen wir uns die Zivilisation ins Zelt. Wir schauen einen Film namens „Backcountry“, wo Wanderer in den kanadischen Wäldern von einem Schwarzbären gejagt werden. Was tun wir uns da an? Schon mal den „Titanic“ Film auf einer Kreuzfahrt oder den Film „Flight“ im Flugzeug angeschaut?

Nachdem der Film zu Ende ist, werden noch die letzten Genussmittel aufgeteilt und wir lachen uns kaputt, wie wir uns doch manchmal selbst das Leben schwer machen. Nach diesem Film kann Keiner so richtig ruhig einschlafen. Mit Musik und ein wenig Nieselregen ist aber bald Ruhe.

 

04.September 26.Tag | Der finale Tag zurück zur Liste

 

Morgenstund‘ hat Gold im Mund

 

6 Uhr klingelt der Wecker, es hat lange nicht mehr geregnet und ich wage einen Blick nach draußen. Es ist der einzige Morgen, wo wir einen Sonnenaufgang erleben. Bei weit geöffneter Apsis schauen wir uns das Schauspiel an. Wir brauchen die letzten Reserven auf, ein paar Snacks bleiben für die kleinen Pausen heute übrig.

 

 

Wir machen keinen Stress, aber bummeln dürfen wir auch nicht. Täve und Yvonne helfen mir, an einem Strang zu ziehen. Wir sind 2 Minuten nach 8 Uhr startklar. Während wir im Urlaub immer die Fahrten in den Sonnenuntergang genossen haben, dürfen wir heute die morgendliche Stimmung genießen.

 

Im Morgenschein packen wir die Sachen

 

Die Straße 370 ist schnell erreicht. Hier ist um die Zeit nichts los. Wir vergeuden keine Zeit im Luftdruck anpassen, treten weiter in die Pedale. Das Terrain ist nicht bergig, doch müssen wir ab und an 50 Höhenmeter Anstiege bewältigen. Mit ordentlich Druck und Motivation rollen wir dahin und entdecken an der Straße immer wieder gute Camps. Wir nehmen es so hin, pausieren nach den ersten 30 km erstmals. Wir liegen gut in der Zeit.

 

So früh am Morgen sind nur Tiere unterwegs

 

Weite Einsicht in den Straßenverlauf

 

Obwohl uns die Zeit im Nacken sitzt, bleibt immer noch Zeit, nach links und rechts zu schauen. Wir fahren durch einen schönen Landstrich, dabei purzeln die Kilometer einfach so dahin. Die Mittagspause findet heute um 10 Uhr statt. Auf der Uhr steht mittlerweile ein 19er Schnitt. Wir können ein wenig mehr rasten.

 

Täve ist ein großer Kämpfer, okay er ist auch leicht zu motivieren

 

Gegen 12.30 Uhr erreichen wir Badger und haben nun alle Zeit der Welt, der Bus fährt in einer Stunde. Wir besorgen in der Tankstelle und dem Bagels Shop unsere Belohnung. Einzig steht nun in den Sternen, ob uns der Bus mitnehmen würde. Wir trocknen in der Sonne die nassen Klamotten und ich versuche derweil mit einem Tool die Pedalen abzuschrauben, so will es der Busunternehmer. Ich bekomme sie aber nicht ab, sie sind fest und ich habe einen zu kleinen Hebel.

Ein Mann schreitet zur Hilfe und wir kommen ins Gespräch. Es ist fast eine göttliche Fügung. Er ist der Tankstellenbesitzer und meint, falls der Busfahrer die Räder nicht transportieren würde, könne er intervenieren. Das beruhigt uns ein wenig, aber als dann der Bus erscheint, steigt ein so lockerer Busfahrer aus, der es unnötig macht zu diskutieren. Wir fixieren die Räder im Gepäckraum mit einem Seil, legen das Tarp drüber und alles ist gut.

Der Busfahrer verzichtet sogar auf die 100 Euro gesamt an Radtransportkosten. Er hätte genügend Fahrgäste, die Fahrt würde sich auch so schon rechnen. Wir strahlen über beide Ohren, so schnell kann das Glück auch wieder mal mit uns sein. Die 500 km auf dem Highway 1 werden nun inklusive der vielen Stopps ca. 8 Stunden dauern. Gegen 22 Uhr erreichen wir St. Johns.

Nun kann uns alles egal sein, auch der einsetzende Regen. Die gesparten 100 Euro investieren wir nicht ganz im nahe liegenden Mc Donalds. Mit Stirnlampen bewaffnet bewältigen wir die restlichen 5 km. Am Guesthouse angekommen geht alles ganz schnell: Räder abgestellt, Taschen ins Zimmer geschleppt, geduscht und eingeschlafen.

 

Abspann zurück zur Liste

Am Morgen schaffe ich es dann doch noch, alle Pedalen ab zu schrauben. Die Räder sind gegen 9 Uhr verpackt, wir haben Zeit für einem ausgedehntes Frühstück. Gegen 11 Uhr sollen eigentlich zwei Taxen unseren Transfer arrangieren, aber in dem einen erscheinenden Taxi ist nicht genügend Platz. Es wird ein zweites geordert, die Zeit rennt davon. Schlussendlich sind wir noch pünktlich am Airport. Das Gepäck ist schnell eingecheckt, nur der Benzinkocher und die Flasche machen Probleme. Die Airline Air Canada will sie nicht befördern, sie riechen zu streng nach Benzin. Ich diskutiere ein wenig. Okay, die Flasche stinkt echt krass, aber der Kocher nicht.

Der Airline Angestellte fragt eine dritte Security Person. Seine Antwort zum Geruch „Der riecht nach Baum“ Heee, ich bedanke mich bei ihm später noch für seine Äußerung und er entgegnet nur, dass er selbst wandern und zelten geht und weiß, was so ein Kocher kostet. Nun ist alles geklärt. So richtig wissen wir nicht, ob wir uns auf den Rückflug freuen sollen. Wir fliegen mit gemischten Gefühlen nach Hause.

 

Fazit  zurück zur Liste

Es war unsere erste lange Radtour und wird auch nicht unsere letzte gewesen sein. Mit diesem weiteren Reisemittel eröffnen sich für uns neue Ziele. Für Neufundland war es die richtige Wahl. Nur so können wir nun mit Recht behaupten, dass wir Neufundland gesehen, erlebt und genossen haben. Da wir mit dem Rad halt nur Trails, Pisten oder Straßen befahren konnten und die nun mal Ortschaften verbinden, war es uns klar, dass wir mehr Zivilisation vorfinden werden als beim Wandern. Als Gesamtpaket ist Neufundland eine Reise Wert. Die vielfältige Flora und Fauna reißen es raus.

Landschaftlich spektakulär sind sicher andere Destination wie La Réunion oder Hawai’i. Den T’railway betreffend kann ich von einer (kompletten) Befahrung mit einem klassischen Reiserad nur abraten oder nur bedingt empfehlen. Es ist mühevoll und strapaziös. Es gibt gute Abschnitte, aber auch richtig schlechte. Dagegen kann ich die unbefestigten Pisten empfehlen, diese sind grenzwertig fahrbar.

Jetzt, drei Wochen nach diesem Urlaub sind bereits alle Stresssituationen vergessen. Man erinnert sich nur mit einem Lächeln daran. Was bleibt, sind die vielen schönen Momente, die wir zusammen genießen durften. Neufundland wird uns so immer in Erinnerung bleiben und schafft es gedanklich in unserem Ranking auf Platz 3. Tja, Mongolei mit Pferd oder Kirgistan mit Eseln werden wohl schwer zu toppen sein.


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