Mongolei 2018 |

 

Mongolei  |  Trekking mit Pferd um den Khovsgol See

Khuvsgul Lake | Khövsgöl Nuur | Huvsgul Lake | Chöwsgöl Nuur | Hovsgol Dalai

 

 

Seitenübersicht | direkt zu den Artikeln klicken!
Reiseziel im Überblick
Einleitung
Der Khovsgol See | Der große Unbekannte
Vorbereitung und Planung
Interessante Fakten
Permits ohne Ende | Verworrenes Thema
Unsere Tour im Überblick
LIVE dabei sein und unserer Route folgen
Nützliche Links und Downloads
Reisebericht

 
 

Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Mongolei | Nordwesten nahe russischer Grenze | Khovsgol See | nördlich der Stadt Moron gelegen

Reiseroute

Ab Khatgal im Uhrzeigersinn um den See, teilweise am Ufer, meist aber ferner durch das gebirgige Umland

Reisezeit | Dauer

14.August bis 11.September | 4 Wochen

Klima | Wetter

Kontinentalklima | tagsüber warm, ca. 5 Regentage/ Monat, nachts kalt bis an Gefrierpunkt | durschnittlich 2000m Höhe

Reiseart | Aktivität

Horsetrekking, ein Pferd als Proviantträger und als Rastplatz für Täve

Übernachtung

ausschließlich im Zelt, vermutlich auch einmal eine Nacht in den Ger Camps

Flora | Fauna

ausgedehnte Wiesen, Lärchenwälder | Steinböcke, Wildschafe, Zobel, Bären, Murmeltiere, Vielfraße, Elche, Rentiere, aber auch Wölfe und Schneeleoparden und jede Menge Pferde

Sicherheit | Tourismus

absolute Wildnis, keine Beschilderung der Wanderwege, Umgang mit GPS und Kompass wichtig, einige verstreute Nomadencamps, kein Handyempfang | für europäische Verhältnisse wenig Tourismus bis Ende August, danach einsam, Ostufer weniger überlaufen, Khatgal am Südufer konzentriert viel Ausflugstourismus

Anreise

Mit Miat Airlines direkt nach Ulaan Bataar, Weiterflug nach Moron, Privattransfer nach Khatgal, Rückflug mit Turkish Airlines

Wildnis Faktor

extrem hoch, da abgeschieden und schwer erreichbar, unbekanntes Gebiet

 

 

Einleitung  zurück zur Liste

Mittlerweile haben wir nun doch schon einige Ziele bereist und können Vergleiche anstellen. Dabei kamen wir aber immer wieder zu der Erkenntnis, dass Kirgistan der bislang schönste Trip von allen war und das trotz der vielen Zwischenfälle. Die Erklärung dafür liegt klar auf der Hand. Wir waren damals lange allein unterwegs, trafen auf wenig Leute, waren am Stück unterwegs ohne Transfers zwischen den Touren. Mir schwebte schon länger die Mongolei als Reiseziel vor Augen, im Ranking immer weit oben. Es schoben sich aber immer wieder andere Reiseziele nach vorn, so auch dieses Jahr mit Ecuador und Galapagos. Genau dieses Ziel hätte aber wieder viele Transfers und dazwischen viel Zivilisation bedeutet.

Bei unseren abendlichen Gesprächen über mögliche Ziele warf ich immer wieder Mongolei als Ziel ein, irgendwann gab dann Yvonne nach und sagte „Gut, dann machen wir halt Mongolei. Kirgistan wollte ich am Anfang ja auch nicht und war am Ende so begeistert“. Dies gab nun den Ausschlag dafür, alles in die Wege zu leiten, damit der Urlaub wieder ein voller Erfolg wird.

 

Am Arsch der Welt in Zentralasien zwischen Russland und China

 

Doch nun fragt Ihr Euch sicher, wie man auf ein zwar bekannt klingendes Land wie die Mongolei kommt, aber jedoch so wenig über diesen Fleck Erde weiß. Bei den meisten klingelt es, wenn die Stichworte Ulaanbaatar , Dschingis Khan oder Wüste Gobi fallen, aber sicher nur, weil es im Geographie oder Geschichte Unterricht in der Schule durchgekaut wurde. Genau so war es bei uns auch, aber was hat uns also dann bewegt, dieses Land zwischen Russland und China als interessant zu empfinden? Schuld war dieser Artikel von Global Nature Fund, einer Organisation, mit der ich beruflich in Verbindung stehe. Nach diesem Artikel war ich Feuer und Flamme. Drei Jahre hat es gedauert, nun ist es bald so weit.

Doch warum muss man immer wieder so weit in die Ferne schweifen, liegt doch das Gute oft so nah. Viele fragen uns immer, ob dort, wo wir hinreisen, die Natur anders aussieht, die Berge schöner sind, die Bäume anders wachsen. Natürlich nicht. Doch die Natur, die wir dort vorfinden werden, ist unberührter, einsamer und wilder als alles, was man in Europa findet. Dazu kommt auch, vor Ort sich einmal mehr bewusst zu werden, wie andere Menschen leben, einfach aber zufrieden.

 

 

Der Khovsgol See | Der große Unbekannte  zurück zur Liste

Eine Reise in die Mongolei wird sofort mit der Wüste Gobi verbunden und wird uns meist auch als Frage gestellt, ob wir denn dorthin reisen. Sicher, ein Trip auf einem Kamel wäre sicher was für Täve, aber Wüstenklima, Trockenheit und spärliche Vegetation spricht nicht gerade für so eine Region. Als Mongolei feststand, schauten wir aber trotzdem nach links und rechts, ob es da noch was anderes außer diesem See gibt. Nationalparks gibt es genügend, auch groß genug um allein in einem Park vier Wochen zu verweilen. Einige liegen nahe der Hauptstadt, einfache und schnelle Transfers hätten genau so dafür gesprochen wie die Möglichkeit, online über einen Anbieter ein mongolisches Pferd zu kaufen. Andere Regionen wie das Altai Gebirge liegen wieder zu weit weg, zu schwer erreichbar und sicher im August schon zu spät von der Reisezeit.

Der Khovsgol See liegt hier irgendwo in der Mitte. Nicht ganz zu leicht zu erreichen, etwas ab vom Schuss, aber immer noch im Rahmen unserer zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten. Außer dem Artikel von Global Nature Fund findet sich nur wenig im Netz über diese Region. Der große Unbekannte im Nordosten der Mongolei ist dagegen für die Mongolen selbst ein Begriff, da er sich seit der Erschließung 2014 besser und schneller erreichen lässt und als Erholungsort für Einheimische im Sommer dient. So werden vor Ort vermehrt Reittouren und Ausflüge von lokalen Veranstaltern angeboten. Für Ausländer scheint es aber eher ein sehr unbekanntes Ziel zu sein. Man findet ein paar spärliche Reiseberichte, meist dann auch vor Ort mit lokalen Guides unternommen. Es fand sich aber nichts über ungeführte, längere Trekkingtouren. In mir wuchs der Gedanke, den See zu umrunden. Bei 3.5 Wochen vor Ort sollte genügend Puffer sein, um auch ausgedehnt das Hinterland zu durchstreifen und die etwas überbevölkerten Uferstreifen zu umgehen.

 

test
Vergleich Bodensee | Khovsgol See – doppelt so groß

 

Es stand nun außer Frage, woanders hinzureisen. Die Bilder im Netz, die Beschreibung der Landschaft, das sprach alles für diesen See. „Hätte die Schweiz und Montana ein uneheliches Kind, es würde Khovsgol heißen“ beschreibt sicher am besten diese Region. Während aber die Nationalparks nahe der Hauptstadt mit vielen Informationen den Touristen das Spiel leicht machen, sucht man sich beim Khovsgol dumm und dämlich. Mittlerweile sind einige Informationen zusammen gekommen, die aus stundenlanger Recherche mehr Aufschluss geben. Aber auch die vielen Permits oder die vorhandenen Bären und Vielfraße schreckten uns nicht von unseren Vorhaben ab. In der anderen Waagschale lagen nämlich Argumente wie legal wild zelten, genügend Trinkwasser Ressourcen, unberührte Wildnis und die Möglichkeit vor Ort ein Pferd als Packtier zu mieten bzw. zu kaufen.

Einer der Pferdeanbieter meinte, dass wir mit Mitte August bis Mitte September leider die falsche Reisezeit für den Khovsgol gewählt hätten und versuchte uns auf südlichere Regionen umzustimmen. Doch unser Reisezeitraum scheint in vielerlei Hinsicht wie gemacht für uns zu sein. Erstens findet Anfang August der Sunrise-to-Sunset Lauf statt, wo ziemlich viel Trubel ist. Zweitens soll die Verfärbung der Lärchen im Herbst ein Traum sein und drittens ist Ende August weniger los. Einzig das Wetter wird uns wohl nicht ganz in die Karten spielen, aber geschwitzt habe ich noch nie gerne. Der August gilt in der Region mit 5 Regentagen als regenreichster Monat, jedoch ist von kurzen Regenabschnitten die Rede und das Wolken-Sonne-Spiel muss wohl atemberaubend sein. Während es tagsüber schon auch mal 25 Grad werden können, sinken die Temperaturen Anfang September in der Nacht schon mal gen Null und mit ersten Schneefällen ist zu rechnen. Warum, wird einem klar, wenn man die Höhe des Sees auf 1600 Metern betrachtet, der von 3000ern umgeben ist. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlecht ausgerüstete Leute mit noch schlechterer Laune.

Somit ist nun alles fast perfekt. Das Land, das Ziel, der Trip, die Idee, der Plan und halbwegs das Wetter. Nun ging es ins Detail.

 

Interessante Fakten  zurück zur Liste

Bevölkerungsdichte

Ab und an liest man von den Ufern des Khovsgol See, dass viel los ist. Wenn man aber von „viel los“ spricht, bezieht man sich nur auf die mongolischen Verhältnisse, denn global gesehen, hat die Mongolei die niedrigste Bevölkerungsdichte mit zwei Einwohnern pro Quadratkilometer, betrachtet nach dem politischen Territorium. Nur nach geographischen Aspekt wird die Mongolei noch durch Grönland auf Platz zwei verdrängt (0.14 Ew/km2). Zum Vergleich: Island hat 3,4 und Deutschland 230 Einwohner je Quadratkilometer. Vermutlich erwartet uns also in der Mongolei noch mehr Wildnis als in Kirgistan mit 28 Ew/km2 .

Einwohner / Fläche

Die Mongolei ist 4.5 x so groß wie Deutschland, hat aber  nur 3 Millionen Einwohner, davon allein 1,5 Millionen in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Wenn man das auf den Rest des Landes projiziert, bedeutet es, dass sich am Ende 1,5 Millionen Einwohner ca. 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche teilen, Wahnsinn. Deutschland hat zum Vergleich 80 Millionen Einwohner. Die Mongolei ist auf Platz 19 der flächengrößten Staaten, aber nur  auf Platz 124 von 195, wenn es um die Einwohnerzahl geht. Noch ein Zahlenspiel gefällig? Die Mongolei ist 1750x größer als unsere Hauptstadt Berlin, hat aber annähernd die gleiche Einwohnerzahl von 3.000.000 Millionen.

Reichstes Land

Die Mongolei könnte mit den großen Reichen dieser Welt mithalten, wenn sie nur wollten und könnten. Das Land sitzt auf Rohstoffen/ Bodenschätzen im Wert von 2,1 Billionen Dollar (zum Verständnis: 2.100.000.000.000 | 1 Billion sind 1000 Milliarden!). Damit ist jeder Mongole theoretisch Fast Millionär und hat 700.000 USD. Viele Investoren und Länder wie China und Russland werden aber durch das Investitionsgesetz gestoppt und beschränkt. Für die Natur sicher gut, die den sozialen Wohlstand eher nicht.

Extremes Klima

Die Ostgrenze der Mongolei ist 1000km vom Meer entfernt, das beschert dem Land ein extrem kontinentales Klima. Die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter können gewaltig sein, von -40 Grad im Winter bis +40 Grad im Sommer, aber auch die Tagestemperaturen können extrem schwanken, tagsüber im T-Shirt unterwegs, abends im Daunenschlafsack bei Minusgraden einkuscheln. Bedingt durch die Entfernung zum Meer gibt es weniger Wolken, weniger Niederschlag und viel Sonne. Der Juli und August sind mit je 10 Tagen die regenreichsten im Jahr, wobei die Niederschläge kurz und heftig ausfallen.

Kälteste Stadt

Klar, gibt es kältere Städte auf diesem Erdball, doch die Mongolei kann mit der kältesten Hauptstadt auf unserer Welt namens Ulan Bator / Ulaanbaatar auftrumpfen. Die Stadt hat eine Jahresmitteltemperatur von nur -4 Grad. Es wird im Sommer kaum wärmer als 20 Grad und im Winter ohne weiteres mal -40 Grad. Zum Vergleich: Berlin hat eine Jahresmitteltemperatur von 13 Grad.

Familie Baikalsee / Khovsgol See

Der Khovsgol See ist der kleine Bruder vom tiefsten See der Welt, dem Baikalsee, der nur 200km östlich von diesem hinter der russischen Grenze liegt. (Hinweis: Über den Grenzübergang dürfen nur Mongolen oder Russen!). Im Gegensatz zum 1650m tiefen Baikalsee ist der Khovsgol „nur“ 260m tief und auch 11,5 x kleiner als sein großer Bruder. Während der Baikal 20% aller Süßwasserressourcen auf unserem Planeten beinhaltet, schafft es der winzige Khovsgol nur auf läppische ein Prozent. Dafür gilt der Khovsgol aufgrund seiner Abgeschiedenheit laut Global Nature Fund als einer der saubersten Seen der Welt. Es gibt keine Großstädte am See, nur Khatgal im Süden mit 4500 und Khankh im Norden mit 2500 Einwohnern.

Das größte Reich

Dschingis Khan schaffte es, die einzelnen mongolischen Völker zu vereinen und legte damit den Grundstein dafür, das größte zusammenhängende Reich der Erdgeschichte zu schaffen. Von 1206 bis 1227 marschierte er zu Fuß und Pferd bis ans Kaspische Meer im Westen und ans Japanische Meer im Osten. Seine Nachfolger jedoch vergrößerten das Reich Richtung Osten dann sogar bis an die polnische Grenze und nahmen 2/3 der Türkei ein.

 

Vorbereitung und Planung  zurück zur Liste

Ja, richtig, schon wieder ein Tier im Schlepptau. In Kirgistan sahen wir den unkomplizierten Umgang mit Pferden, die vielmehr für solche Trekkingtouren gemacht sind als Esel. Während man einem Esel nicht mehr als 30 Kilogramm zumuten sollte, kann ein Pferd 80 bis 90 Kilogramm tragen und schafft auch Tagestouren von 30 Kilometern locker. Daher planten wir nun anstelle von zwei Eseln ein Pferd ein, ausschließlich zum Tragen des kompletten Proviants und als Rastplatz für Täve. Da wir in Kirgistan ja selbst keine Rucksäcke trugen, da die Esel bepackt werden mussten, wollten wir dieses Mal wieder ein wenig mehr aktiv sein, unsere Rucksäcke, wenn auch etwas leichter gepackt, selbst tragen. Das Transportmittel ist also ausgemacht, die Art der Unterkunft ja ohnehin keiner Diskussion wert. Da ist nun aber wieder ein anderes Problem. Proviant, Food Supply, Supermärkte etc.

In Moron, wo wir auch mit dem Flieger ankommen, gibt es noch ausreichend Infrastruktur (Banken, Supermärkte, Hotels), doch eine Autostunde weiter im Norden, wo der Khovsgol beginnt, liegt nur noch die 4500 Seelen Gemeinde Khatgal, die auch einen kleinen Einkaufsladen hat. Einen weiteren kleineren Ort gibt es am Nordufer namens Kankh. Doch hier ist bereits unklar, ob es Einkaufsmöglichkeiten gibt. Hier bedarf es im weiteren Verlauf noch mehr Planung und Recherche, jedoch haben wir eins fest eingeplant. Dieses Mal stürmen wir gleich die Nomadencamps um Milch, Brot und Butter zu kaufen. Food Supply wäre als letzte Option sicher noch ein Trumpf, jedoch sind die Straßenverhältnisse mittig oberhalb des Sees so schlecht, dass ich Keinem die Fahrt zumuten möchte, nur um uns zu versorgen.

Die meiste Recherche stecke ich aber aktuell in Verwirklichung unseres Transportmittels. Nach Kirgistan war uns klar, wenn wir wieder mit Tier ungeführt unterwegs sein wollen, müssen wir das Tier kaufen. Ausschlaggebend war sicher auch das Ziel Mongolei, da hier Pferde sehr günstig zu erwerben sind. Einige Veranstalter wie Stepperiders haben diesen Markt schon für sich entdeckt und bieten dies sogar aktiv an. Jedoch lokal nur in den beiden nahe der Hauptstadt gelegenen Nationalparks Gorhi Terelj und Khan Khenti. Aber nicht nur das sprach gegen diesen Anbieter, sondern auch die Tatsache, dass vor einem Kauf des Tieres 5 Nächte im Camp je Person und Nacht zu 65 USD obligatorisch gewesen wären um das Tier und den Umgang mit diesem zu lernen. Das war uns zu viel Geld und zu viel Zeit, denn dass es anders geht, zeigte nach einer Weile Monogol Ujin Tour direkt in Khatgal am Südufer des Khovsgol Sees.

Hier war der Kontakt mit Dava sofort aufgeschlossen und kompetent. Trotz unserer nicht vorhandenen Erfahrungen mit Pferden bot sie uns an, doch besser ein Pferd bei ihnen ohne Guide zu mieten, ein Kauf sei unnötig. Perfekt, das Angebot mit 50.000 MNT/ 18 EUR völlig akzeptabel, sie bot uns sogar einen Transfer ab Moron Flughafen für 35 USD an, unwesentlich teurer als mit Transferbussen vor Ort. Dennoch warteten wir noch mit einer Zusage des Angebotes, denn wir waren mit den „falschen“ Eseln irgendwie vorgeschädigt und suchten noch ein wenig weiter, nicht nach dem günstigsten Angebot, sondern nach dem seriösesten. Hier verschaffte mir nun Global Nature Fund einen Kontakt vor Ort, von dem ich ausging, dass das seriös sein muss, da dieser ja auch das Projekt „Bedrohter See 2015“ organisiert hatte. War dann wohl doch nicht so seriös, denn nach 2.5 Wochen hatte ich immer noch keine Antwort und so zurrte ich das Paket bei Mongol Ujin Tour fest. Die Hälfte des Gesamtpreises musste nun überwiesen werden, dabei haute es mich aus den Socken: 42 Euro Bearbeitungsgebühren! Also wenn es irgendwie geht, versucht mit Dava was anderes zu vereinbaren, bspw. Paypal oder Kreditkarte.

Währenddessen sitze ich nun Abend für Abend vorm Rechner und plane wie wild die Route. Ihr fragt Euch sicher, mit was? Mongolei ist nicht Réunion, sprich wo es wenig Tourismus gibt, existieren auch wenige GPS Karten. So wie in Kirgistan musste ich also wieder auf die guten alten Militärkarten bauen, die nun sogar aus den 70iger Jahren stammen. Dabei geht es mir aber immer nur darum, dass da mal ein Weg existiert hatte, sprich eine Möglichkeit besteht, dort auch zu Fuß lang zu kommen, unabhängig vom Zustand des Weges. Diese Karten gab es sogar als Vektorkarten (statische Landkarten) für das Garmin online zu kaufen. Jedoch kann man nur bis auf 1 Kilometer einzoomen, für wandern sind aber 120 Meter besser geeignet. Neben dieser Karte auf dem Garmin habe ich also noch eine OSM Karte frei heruntergeladen und mir selbst noch über eine russische Seite IMG Dateien runter geladen und zu einer Garmin Datei zusammengebastelt. Letztere stellt die meisten Details dar. Mit drei Garmin Karten und den Militärkarten sind wir sicher unterwegs und können stets operativ auf Streckenänderungen reagieren.

Ist für den Khovsgol besonderes Equipment nötig? Ohne Wenn und Aber auf jeden Fall der Satelliten Messenger Delorme, denn so abseits aller Ortschaften gehen wir davon aus, dass auch der Handyempfang nicht garantiert werden kann, zumal Ihr vorab checken solltet, ob Euer deutscher Provider überhaupt Verträge mit mongolischen Providern hat. Ansonsten benötigt Ihr noch eine Prepaid Sim vor Ort. Wir verzichten darauf, da Vodafone World Data Pakete anbietet. Unschlüssig bin ich dagegen noch, ob dieses Mal wieder das Solar Panel mit im Gepäck ist oder aufgrund mangelnder Sonne vielleicht doch eher ein weiterer Powerbank mitkommt. Für die kalten Nächte kommen die Daunenschlafsäcke mit und für die fröstelnde Frau die Taschenöfen. Benzinkocher ist in so abgelegenen Regionen definitiv das Nonplusultra, nicht vorstellbar, dass dort Jemand Schraubkartuschen verkauft. Den Hobo wollten wir erst zu Hause lassen, da wir von vielen Feuerstellen gelesen hatten. Ich bekam dann aber einen Tipp, diesen doch besser einzupacken, da es dort schon sehr trocken ist und Waldbrandgefahr ein Thema ist. Ein HoBo lässt sich da erstens besser kontrollieren und zweitens als Kochstelle leichter handhaben. Dafür werden wir nun für die gesamte Zeit nur eine 1.5 Liter große Benzinflasche mitnehmen und den Kocher nur in den baumlosen Gegenden oder bei Nässe benutzen. Effektiv bedeutet das am Stück bei 3x Nutzung am Tag ca. 15 Tage Brenndauer, der Rest 10 Tage HoBo. Als Schlechtwetteroption mit viel Platz und Vorraum ist auf jeden Fall wieder das Keron 4GT die beste Wahl.

 

 

Permits ohne Ende | verworrenes Thema  zurück zur Liste

Möchte man den See umrunden, befindet man sich die meiste Zeit im Khovsgol Nuur Nationalpark. Darüber findet man im Internet aber nur sehr wenig. Einzig fand ich eine Karte mit interessanten Infos zum Download. Hier kann man entnehmen, dass allein der Park Eintritt 1000 MNT / 1 EUR pro Tag kostet. Kurz vor Khatgal muss man diese am Parkeingang bezahlen. Am Südwestufer schließt sich nahtlos die Khoridol Saridag Strictly Ristricted Area an. Hierzu gibt es keine Infos mehr, außer das man eine Extra Permit benötigt. Wo man diese aber herbekommt und was sie kostet, bleibt offen.

 

Die Nationalparkgrenzen im Überblick
 

Eine weitere Permit benötigt man, wenn man in das nordwestliche gelegene Gebiet Tsagaan Nuur reisen möchte. Das abgelegene Gebiet um den See und weiter nördlich/westlich davon ist sicher kulturell und traditionell von der heutigen Gesellschaft noch relativ unberührt und es gelten gewissen Regeln um sich dort richtig zu verhalten. Worauf man achten sollte, wenn man das Tsaatan Volk besucht, könnt Ihr hier nachlesen. Die Permit müsst Ihr vorab in Moron im Border Patrol Büro (neben der Polizei Hauptwache) beantragen und ist kostenlos. Das kann aber ein paar Tage dauern.

Als ob es nicht genug wäre, benötigt man auch noch eine generelle Border Permit, da man sich nahe der russischen Grenze bewegt. Die Border Permit scheint auch kostenfrei zu sein und man kann sich mit dieser bis 15 Kilometer zur Grenze annähern. Da aber zwischen dem Nordufer und der Grenze nur 13 Kilometer liegen, bin ich mir noch nicht so recht sicher, ob man mit dieser Permit dann auch dort am Nordufer lang darf oder wegen der 2 Kilometer ein Fass aufgemacht wird, wenn man denn dann mal kontrolliert wird.

Für uns ist es schon ein undurchsichtiges Thema und aktuell ist uns nur klar, dass wir Parkeintrittgebühren zahlen müssen und eine Border Permit benötigen. Ob es aber am Ende noch mehr bedarf, weiß ich nicht und daher habe ich im ODS eine Diskussion angeregt, um weitere Informationen von Insidern zu erhalten. Nach unserer Reise werden wir hier noch einmal unsere Erfahrungen schildern.

 

 

Unsere Tour im Überblick  zurück zur Liste

So sah der Plan aus

Einmal um den See, das war sofort klar, denn die Größe des Sees und die zur Verfügung stehende Zeit passen super. So ist auch noch Puffer, um ein wenig in das Hinterland auszuweichen, denn das Westufer bis zur Mitte des See soll schon eher überlaufener sein, für mongolische Verhältnisse. Wir wollen also erst wieder auf den Seeweg stoßen, wenn es keine Straßen mehr gibt. Also schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, wir sind allein uns einsam unterwegs und wir können die größtenteils weglose Khoridol Saridag Ristricted Area im Südwesten durchwandern.

„Viel los am See, am Arsch der Welt in den Bergen“, dies gilt auch für das Ostufer, wo die einzige durchgehende Straße am See langführt, wenn man dieses durchgewühlte Etwas überhaupt so nennen darf. Ein Weltreisender beschrieb diesen Wegabschnitt mit den Worten „Das Schlimmste, was ich auf 15.000 Kilometer Straßen erleben musste“.

Trotz allem wird an den Ufern mehr los sein und wir wollen etwas in die grünen Hügel ausweichen und versprechen uns somit von den höher gelegenen Punkten auch eine traumhafte Aussicht auf den See. Nur aus Zeitnot werden wir den direkten Seeweg am Ostufer wählen, der 70 Kilometer und somit 3-4 Tage kürzer wäre.

Somit wird die Runde alles in allen um die 420 Kilometer betragen. Klingt viel, aber angesichts dessen, was wir 320 Kilometern mit langsamen Eseln sowie extremen Bergpässen in Kirgistan geschafft haben, scheint mir die Tour realistisch genug. Bei 25 Tagen macht das 17 km/ Tag, jedoch müssen wir noch berücksichtigen, dass wir aller 5-6 Tage einen Pausentag einlegen wollen, um dem Pferd Ruhe zu gönnen, macht also am Ende 21-22 Tage und ca. 20 km/ Tag. Das ist weder für Pferd noch für uns eine Strapaze, da das Pferd locker 30 km/ Tag schaffen könnte und am Ende noch nicht einmal voll beladen sein wird. Wir planen mit Täve und Essen um die 60 bis 70 kg, maximal zulässig um die 90 kg. Dazu kommt noch das flache Gelände am See entlang und die eher weniger steilen und kurzen Bergpässe im Hinterland, die ein schnelles Vorankommen ermöglichen werden.

 

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So kam es am Ende

Es stand ja relativ sicher fest, den direkten Weg nach Renchi durch das Khoridol Saridag einzuschlagen. Mein Wunsch war es, den Umweg (gelbe Route oberes Bild) durch das wilde Gebirge einzuschlagen, da ich von ausgegangen war, dass der direkte Weg sehr befahren sei. Doch bereits am Ende des zweiten Tages waren wir auf einsamen Wegen unterwegs und so entschieden wir uns gegen den gelben Abzweig um somit auch Puffer für den Umweg am Ostufer des Sees zu haben.

Ab Renchi folgten wir gen Osten direkt den Weg zum See wie geplant und auch weiter bis in den Norden des Sees und bis zum kleinen Ort Khankh blieben wir auf Kurs. Ab Khankh folgten wir kurz dem Hauptweg am See entlang, bogen bereits nach einem Tag ins Hinterland ab um nun einsam abseits der Hauptiste am See voranzukommen. Jedoch war dieses Hinterland wilder, unwegsamer und unbezwingbarer als gedacht, so dass wir nach 2 Tagen die Flucht an den See antraten, um weiter im Plan zu bleiben und besser voranzukommen. 2 Tage später waren wir dann auf der Hauptroute, einer verschlammten Piste. Widererwarten ruhig und nicht mehr als 5 Autos am Tag, ging es hier also auf dieser Richtugn Süden. Geplant war dann neben dieser Hauptpiste direkt am See zu marschieren. Der Plan ging nicht auf, der Pfad war nicht mehr vorhanden, wieder irrten wir durch unwegsamer, verwucherte Wälder. Das „Frustcamp“ war der passende Name für das am Abend errichtete Camp. Wir blieben fortan auf der Hauptpiste, die aber nie überlaufen war. Jedoch war es nicht mehr wild und einsam und es folgte aller 5 km Jurte auf Hütte.

Am Ende schafften wir die Umrundung des Sees, wo dabei die letzten drei Tage nur noch dem „Kilometer schrubben“ galten um das Ziel zu erreichen. Wir ließen uns aber immer wieder von der Natur motivieren um das Tagespensu zu schaffen. Die Tagesetappen lagen zwischen 11 und 33 Kilometer. Es gab zwei Ruhetage, einen am Flusscamp und einen in dem Örtchen Khankh. Erstere wegen der schlechten Wetterlage, der andere um Geld, Proviant, Benzin und Motivation aufzutanken. Unterm Strich schafften wir ca. 450 km, was im Durchschnitt ca. 18 bis 19 km pro Tag bedeuten. Wir entschieden immer nach Motivation, Aussicht, Lust und Wetterlage, wann wir das Camp bezogen oder weiterliefen.

Abschließend sind wir zufrieden mit dem gesamten Verlauf der Route, wären sicher aber gern am Ostufer lieber weiter wild und einsam im Hinterland weiter gewandert. Doch zum richtigen Zeitpunkt haben wir die Reißleine gezogen und die einzig richtige Entscheidung getroffen. Wenn Ihr die Gpx Datei benötigt, klickt hier. Allerdings ist die Aufzeichnung erst ab dem 21.August, die ersten 5 Tage sind nach meinen Erinnerungen manuell hinzugefügt worden.

 

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Live dabei sein und unserer Route folgen  zurück zur Liste

Wie auch schon auf Hawaii und in Kirgistan macht es unser Satellitentelefon möglich, dass Ihr unsere Tour live mitverfolgen könnt. So wisst Ihr, wie schnell wir und das Pferd voran kommen und ob wir alles wie geplant durchziehen können. Aller 10 Minuten senden wir tagsüber ein Signal, sodass Ihr virtuell mitwandern könnt. Bedenkt aber die Zeitverschiebung von plus 6 Stunden. Wenn wir also morgens loswandern, liegt Ihr vermutlich noch im Bett.

Seid also live dabei und genießt auf der Couch die Tour um den Khovsgol See. Entweder unten auf der eingebetteten Karte oder direkt auf der Homepage von Delorme.

 

 

 

Nützliche Links und Downloads  zurück zur Liste

Mongol Ujin Camp

lokaler Veranstalter direkt in Khatgal, der auch Pferde ohne Guide vermietet.

Info rund um den Khovsgol

Englische Informationen zum See und den Orten herum als Download.

Stepperiders

ungeführtes Horse Trekking nördlich von Ulaan Baatar

Global Nature Fund

Der Khovsgol See | bedrohter See 2015

Militärkarten und Garmin

Hier gibt es die Militärkarten kostenfrei zum Download. Ebenfalls IMG Dateien zum Download für Garmin. Müssen allerdings noch zusammengebastelt werden. Leider alles auf russisch.

Militärkarten kostenfrei | englisch

Hier gibt es die Militärkarten auf einer englischen Homepage, dafür fehlen hier die IMG Dateien.

Tsaatan Gemeinde

Wenn Ihr weiter westlich des Sees reisen wollt, solltet Ihr Euch hier einlesen | Permits, Verhalten, Leben.

Mongolia Holiday

Wie kaufe ich ein Pferd? Hier werden Euch auf Englisch Tipps gegeben.

Topogarmin.ru

Hier gibts die alten Militärkarten als 2.7 GB große Vektordatei für Garmin zu kaufen, ca. 30 Euro.

ODS Diskussion zu den Permits

Hier habe ich eine Diskussion mit Fragen angeregt, da das Thema Permits vor Ort sehr unübersichtlich erscheint.

Khovsgol Map Guide

englische Version zum Download. Eine Übersichtskarte mit vielen Informationen.

Khovsgol Details

Weitere Detailinformationen zum Nationalpark und Umgebung

 

 

Reisebericht  zurück zur Liste

Direkt zum Bericht klicken

1.Abschnitt Khatgal – Renchinlkthumbe 6 Tage 122 Kilometer
1.Tag Frostcamp | 2.Tag Mückencamp | 3.Tag Regencamp | 4.Tag Passcamp | 5.Tag Sumpfcamp | 6.Tag Renchicamp 

2.Abschnitt Renchinlkthumbe – Khankh 7 Tage 140 Kilometer
7.Tag Dürrecamp | 8.Tag Flusscamp | 9.Tag Flusscamp | 10.Tag Kaltwassercamp | 11.Tag Mondcamp | 12.Tag Halbinselcamp
13.Tag Hügelamp | 14.Tag Khankh | 15.Tag Khankh

Wer von Euch das existierende Bild der Mongolei behalten möchte, der sollte hier nicht weiterlesen. Wer aber wissen möchte, wie die Mongolei auch aussehen kann, was sie so abwechslungsreich macht und warum wir nach diesem Urlaub meinen, dass die Mongolei das bisher schönste Trekkingziel war, der sollte gespannt bleiben und Bild und Text auf sich wirken lassen. Bei keinem anderem Reiseziel ist es uns schwerer gefallen, die Heimreise anzutreten, obwohl es wohl unsere härteste Tour war. Das sagt doch viel aus, dass es alle Strapazen nicht geschafft haben, dieses unbekannte Fleckchen Erde zu verfluchen.

 

So stellt man sich die Mongolei vor: endlose Weiten ohne Bäume, ab und an Jurten, steppen-ähnliche Weiden, hier und da kleinere verträumte Ortschaften

 

So haben wir es aber auch kennengelernt: bergig bis 3000m, dann wieder eben, später nur noch hügelig, abwechslungsreich, grün, bewaldet, pflanzenreich, einsam

 

seenreich und doch wasserarm, heiß und doch eiskalt, viel Aussicht in die Ferne, wenig Tourismus, gastfreundliche Leute

 

Wir müssen uns noch sortieren, doch wir wussten bereits vor Ort, dass die Mongolei uns mehr zu bieten hatte als Kirgistan. Wer hier aber spektakulärere Artisten als Pommé und Pony in Kirgistan erwartet, der wird enttäuscht. Mit Maximus hatten wir dieses Mal ein durch und durch geländetaugliches Pferd. Es gab keine Situation, die er nicht meisterte. Nichtdestotrotz lief der Urlaub nicht nach Plan A ab. Es gab viel brenzlige Situationen, Fehlentscheidungen und -tritte, Aufgabemomente, aber auch Glücksmomente und diese tollen wiederkehrenden Phasen des Innehaltens und des puren Genusses des Jetzt und Hier.

 

1.Abschnitt Khatgal – Renchinlkthumbe 6 Tage 122 Kilometer

1.Tag | Frostcamp  zurück zur Liste
Die Nacht zuvor hatten wir das letzte Mal warm geduscht, ein leckeres Abendmahl vorgesetzt bekommen und in einem zivilisiertem Bett geschlafen. Das alles tauschten wir nun gegen ein Pferd ein. Ob der Tausch ein gutes Geschäft war, würde sich nun Tag für Tag herausstellen. Dava, die Chefin des Camps, gab uns letzte Anweisungen. Der Schimmel stand abmarschbereit und voll beladen in den Startlöchern. Dava’s Mann wollte auch noch unsere Rucksäcke dem Pferd aufbürden, aber im Gegensatz zu Kirgistan war das nicht notwendig um das Pferd zu motivieren. Wir trugen sie also dieses Mal selbst. Auf dem Pferd lasteten nun fortan Täve mit 20 kg und ca. 30 bis 40 kg Proviant und Ausrüstung.

 

Ortsausgang der 4500 Seelengemeinde Khatgal

 

Schon vor dem Urlaub stand fest, wir würden das Pferd Maximus nennen, aus dem Trickfilm Rapunzel, ohne zu wissen, dass auch wir einen Schimmel bekommen würden. Dava versicherte uns, dass er sehr einfach in der Handhabung sei, keine Macken hat und für Anfänger wie uns ideal sei. Wir gingen trotzdem nicht locker und fahrlässig an die Sache heran, sondern tasteten uns an ihn und er sich an uns heran. Daher planten wir heute keine Mördertour, sondern einfach nur raus aus Khatgal, ein wenig einlaufen, schauen wie es läuft und zur richtigen Zeit das Camp aufbauen. Für die richtige Platzwahl des Nachtcamps musste nun neben Wasser und eventuell noch Holz eine saftige grüne Wiese mit Delikatessen vorhanden sein. Außerdem musste am Nachmittag und am Morgen eine halbe Stunde mehr Zeit fürs Pferd eingeplant werden. An-/abpflocken, An-/absatteln, Gepäck ent-/beladen und Streicheleinheiten sowie bevorzugte Gräser servieren. Von Anfang an versuchten wir uns bei Maximus einzuschleimen. Die grünen Gaben nahm er immer wohlwollend an.

 

Erste Keks-Pause zwischen Kühen, im Hintergrund das ausgetrocknete Flussbett und die Hauptpiste

 

In meiner Karte war die Beschaffenheit des Weges als Pfad deklariert. Doch bald stellte ich fest, dass hier alles in der Karte als Pfad bezeichnet wurde, ob nun 30cm oder 5m breit, ob nur ein Trampelpfad oder eine schlammig schlotterige Autopiste. Leider entpuppte sich der erste Teil des Weges aus Khatgal heraus als große Piste, die mit Umwegen über die Berge wieder an den See führen sollte. Also hofften wir nun darauf, dass der morgige Tag die Erkenntnis bringen würde, dass es ruhiger werden würde, weil wir ja weiter in die Berge wollten und sich die Wege trennen würden. Wir folgten also heute der Richtung der großen Piste, jedoch mit weitem Abstand auf einem Pferdetrail. Bald würden wir aber wieder die Hauptpiste erreichen und da kam ein kleines Wasserloch doch wie gerufen. Alles da, was Mensch und Tier braucht. Vermutlich noch ein wenig beeinflusst von den schlechten Erlebnissen in Kirgistan, vertrauten wir erst einmal Niemanden so richtig und versteckten uns samt Pferd und Keron 4 GT im Unterholz. Leichter gesagt als getan, zumal das Zelt mit seinem knalligen rot förmlich heraus schreit „Hallo, hier bin ich!“ und dem Pferd schwer zu erklären war, dass es doch hinter den Bäumen geduckt fressen soll. Wir hatten doch irgendwie eher davor Angst, dass Jemand uns das Pferd stehlen würde als das uns was passieren könnte. Jedoch sollten wir bald diese Gedanken verlieren und dem entspannter entgegen sehen.

 

Frostcamp im Dickicht

 

Der erste Tag lief super, Täve errichtete wieder seinen Einkaufsladen, noch war genügend vorhanden um diesen Laden zu füllen. Wir genossen die Abendsonne, die zwischen den Lärchen hindurch schien und freuten uns auf die erste Zeltnacht in mongolischer Umgebung. Wir tauften am kommenden Morgen den Platz auf Frostcamp. Der Name war die ganze Nacht Programm gewesen und wir waren noch nicht einmal direkt im Gebirge auf 2000 Meter gewesen. Ich machte mir so meine Gedanken, wie wir uns nun arrangieren sollten. Wir hatten zwei Daunensäcke bis -15 Grad dabei und einen Kunstfasersack bis 0 Grad plus Fleeceinlet. Geschätzt hatten wir die Nachttemperaturen auf -5 Grad, das Zelt und die Wiese waren gefroren.

 

Täve’s Shop, mit WC (Loch vorne links)

 

2.Tag | Mückencamp  zurück zur Liste
Der flexible Zeitplan sah so aus, dass wir lieber am Morgen ausschlafen und uns Zeit lassen und dafür am Nachmittag nicht so viel Zeit am Camp verbringen. Also gegen 7/8 Uhr aufstehen, entspannt frühstücken am Lagerfeuer, zusammenpacken und nach 2.5 Stunden Abmarsch. Dann in regelmäßigen Abständen kleine Pausen von 5-10 Minuten. Wir entschieden immer nach Aussicht, Lust und Wetter. Meist aber immer 6-7 Kilometer laufen. Nach 60- 70% der Tageskilometer planten wir die Mittagspause ein. Anfangs haben wir kalt gegessen, dann kam ich dem Wunsch meiner Mitreisenden nach, mittags doch bitte warm aufzutischen. Zeit hatten wir dafür genug. Gegen 16/17 Uhr bezogen wir meist einen geeigneten Platz, es gab aber auch Tage, wo wir später loskamen und dann auch 18 Uhr ankamen. Die Sonne ging 20 Uhr unter, Zeit war also nie wirklich ein Druckmittel. Heute war Tag der Wahrheit. Würde unsere Wegverlauf etwa weiterhin so eine Riesenpiste sein, die zudem auch sehr gut befahren war, also für mongolische Verhältnisse bedeutet das ca. 3 Autos in der Stunde.

Ich hatte noch ein Ass im Ärmel, was ich dann gern gezogen hätte. Es wäre eine 30 Kilometer längere Option durch das unwegsame Gebirge gewesen, ohne jedoch zu wissen, wie viel Gras wir dort noch Maximus hätten bieten können. Es wäre baumloser und alpiner geworden und hätte länger gedauert. Gegen Mittag dann der entspannte Blick nach links, wo nur noch ein Pfad und eine wenig benutzte Autopiste lang führte. Dort gingen wir nun lang und ließen die große Hauptpiste hinter uns. Nun wurde es auch für uns ruhiger. Die ansteigenden Täler verengten sich nun zunehmend und der Baumbestand sollte auch noch abnehmen. Heute würden wir aber den ersten Pass dieses Abschnittes auf 2310m nicht mehr bewältigen. Doch wir hatten da ein aufkommendes Problem, mit dem wir hier in den Bergen nicht gerechnet hatten. Seit Start, also 30 Kilometern, hatten wir keinen Bach, kein See oder andere natürliche Wasserquelle gesehen. Dreckige Pfützen gab es genug und das Wasserloch am Frostcamp hatten wir auch nur durch Zufall gefunden.

 

Der Eingang zum Khoridol Saridag, nun sollte es ruhiger werden

 

Links ist der Weg zu sehen, dem wir nun folgen würden

 

Wir standen also an dem Punkt, auf 2000 Meter Höhe nach einer Wasserquelle zu suchen, was Zeit gekostet hätte oder weiter höher Richtung Pass zu laufen, wo jedoch die Chancen nach Wasser sicher abnehmen würden. Wir entschieden uns also, eine Pause an einer Flussbettgabelung einzulegen, wo sich drei Flüsse trafen. Ich ging im ausgetrockneten Flussbett entlang, entschied mich für den kleineren und schattigsten von ihnen. Um jede Kurve hoffte ich auf kühles Nass. Meine ausgetrockneten Lippen hofften mit, mir lief das Wasser im Mund zusammen. Doch immer wieder die nächste Enttäuschung. Trockene Steine, trockener Kies und kein Wasserloch. Ich war 5 Minuten gelaufen und auf einmal blendete mich die Sonne, die sich im Wasser wieder spiegelte. Meinen Glücksschrei konnten Yvonne und Täve hören.

 

Die Wälder wurden kleiner, die saftigen Wiesen nahmen zu, ganz zur Freude Maximus‘

 

Wir suchten uns nahe der am Ende drei vorhandenen Wasserlöcher ein tolles Camp raus. Das Wasserproblem schien auch den örtlichen Guides bekannt zu sein, die Wasserlöcher aber auch. Bald gesellte sich eine Reitergruppe dazu, die unweit von uns Stellung bezogen. Wasser war für alle genug da und Maximus hatte so ein paar Freunde in seiner Nähe. Dieses Mal konnte alles nicht schnell genug gehen. Nach dem Zeltaufbau musste sofort ein Feuer gemacht werden, obwohl die Sonne noch ordentlich einheizte. Die Mücken waren unerträglich, das Camp bekam ohne Widerspruch den Namen Mückencamp.

 

Das Mückencamp, hinter der Baumreihe waren die Wasserlöcher

 

Warum wir den Camps Namen geben? Um später diese besser in Erinnerung rufen zu können und sich auch besser unterhalten zu können. Das Camp wird immer nach irgendwas signifikanten benannt. Das hat sich bei uns bewährt und wir können so besser und schneller zuordnen.

Was würde nun diese Nacht für Temperaturen bringen? Wir zogen uns vorsorglich wärmer an, aber man merkte schon am Lagerfeuer, dass es heute milder war. Während Maximus noch aufgeregt im Kreise herum schlich, weil in seiner Nähe Stuten grasten, spielten wir im Zelt noch ein wenig Karten und dezimierten die Süßkramvorräte.

3.Tag | Regencamp  zurück zur Liste
Ich war erleichtert, die Nacht war schon besser verlaufen, kein Frost mehr. Man müsste nun von Abend zu Abend entscheiden, welche Schichten man anzieht oder weg lässt. Wir starteten eher als die Reitergruppe Richtung Ulkhenii Pass, jedoch hatten sie uns knapp vor der Passhöhe wieder ein. Unterwegs trafen wir dann zum ersten Mal auf einen größeren Bach, wir hätten also gestern ohne Probleme hier oben Wasser gefunden. Nachher ist man immer schlauer. Dafür gab es hier oben kein Holz mehr für Feuer. Eine tschechische Touristin zu Pferd sprach uns just im einzigen Steilstück des Passes an und stellte jede Menge offene Fragen, die leider nicht mit einem kurzen Ja oder Nein beantwortet waren. Während sie das Gespräch vertiefen wollte, wollten wir nur noch den Pass hoch ohne große Worte zu wechseln. Wir schnieften die Antworten kurz dahin, ernteten Bewunderung und bald war die Gruppe nicht mehr gesehen.

 

Unspektakuläre Passhöhe, grandiose Aussichten

 

Bei der Aussicht zogen sich die Pausen immer länger hin

 

Die Passhöhe war offen, windig und nur ein Steinhaufen gab ein wenig Windschatten, trotzdem pausierten wir um kurz den weiteren Verlauf der Route in der Ferne analysieren zu können. Während bei uns noch heiter Sonnenschein war, zogen an den Westflanken der Range dunkle Wolken auf, die nichts gutes verkündeten. In diese Richtung mussten wir aber. Für heute hatten sich Anstiege erledigt, es ging vorerst nur noch bergab bis ins geplante Camp am Talboden.

 

Der Weg vom Pass war offen und der Blick weit

 

Immer wieder trafen wir auf den einen oder anderen Motorradfahrer oder Reiter und diese hielten auch immer bei uns an und wollten wissen, was wir hier draußen alleine ohne Guide machten. Noch ungewöhnlicher war es aber für die Meisten, dass wir uns zu Fuß fortbewegten. Gegen 13 Uhr machten wir Mittagspause, es lief gut. Heute war der Plan, mal die anvisierte 20 Kilometer Marke zu knacken um zu wissen, wie Pferd und wir uns danach fühlen würden und ob es zeitlich passen würde. Langsam aber sicher mussten wir auch an diese Hausmarke herankommen, sonst wäre eine Umrundung des Sees illusorisch geworden.

Motiviert ging es zwischen endlosen Wiesen und Sümpfen und fortwährend Flüsse überquerend ins Tal hinab. Ein Abzweig auf 2100 Meter Höhe konnten wir bereits in der Ferne ausmachen, ein breites ausgetrocknetes Flussbett, was uns auf den zweiten und letzten Pass des Abschnitt hochführen würde. Ob wir noch bis dorthin kommen würden, war fraglich, denn während wir in Richtung Unwetter liefen, lief das Unwetter in Richtung uns. Der Treffpunkt war am Ende unser notgedrungenes Notlager. Die 20 Kilometer wieder nicht geschafft, dafür ein großer Fels der nach Nord und Süd Windschatten für Maximus bot. Im einsetzenden Regen bauten wir das noch klamme Zelt auf. Alle Abspannleinen und 22 Heringe wurden in die Erde gerammt, denn nun setzte auch noch Wind ein. Wir dachten nun, mit dem zunehmenden Starkregen hatten wir das All Inclusive Paket gebucht, aber nein. Ultra All inclusive mit Blitzen und Donner. Während wir nun trocken im Zelt saßen, bedauerten wir Maximus, der draußen dem Unwetter sein breites Hinterteil entgegenstellte und fraß. Ihn schien es nicht wirklich zu stören und „wegfliegen konnte er nicht, er war ja angepflockt“, meinte Täve.

 

Das Regencamp machte seinem Namen volle Ehre, später gab es eine halbe Portion Sonne als Belohnung

 

Komischerweise war die herannahende Wetterfront nicht wirklich auszumachen. Der Wind kam aus Norden, die Wolken aus Westen und dann mal wieder anders herum. Nach 2 Stunden hatte der Himmel sich ausgekotzt und auch Maximus kam nun wieder aus dem Schutz des Felsens hervor, weil es ihm zuviel geworden war. Es klarte über uns wieder auf, während eine Front an den großen Gipfeln hängen blieb. Dies würden uns sicher noch die Nacht über heimsuchen. Wir badeten nun im nahe gelegenen Fluss und dann verzogen wir uns nach den letzten Sonnenstrahlen ins Zelt und kochten unser Abendessen. Der Abend war noch jung, wir genossen ein Gläschen mongolischen Wodka und auch so einige Genussmittel überlebten den Abend mal wieder nicht. Es war irgendwie schon jetzt wieder absehbar, dass wir gegen Ende des Abschnittes wieder nichts mehr hätten und das Gejammer zunehmen würde. Aber Keiner wollte wieder mal auf mich hören, selbst ich nicht.

4.Tag | Passcamp  zurück zur Liste
Die Nacht war ruhiger als gedacht verlaufen, kein Wind mehr, nur noch Regen. Bei starker Bewölkung und leichtem Niesel fiel es uns sehr schwer aufzustehen. Ich musste im militärischen Jargon Täve und Yvonne rausbrüllen, es gab Frühstück im Zelt. Es war kein Lichtblick am Himmel zu sehen und es sah heute wirklich nach einem durch und durch beschissenem Tag aus, aber Schönwetterwanderer sind wir nicht und zogen trotzdem, wenn auch unmotiviert, in Richtung Khor Dalin Pass los. Bei ordentlich Wind kam immer wieder feiner Sprühniesel auf. Diese mongolische Waschstraße hatte aber bald sein Ende, denn Yvonne erspähte unerreichbar für uns in der Ferne einen blauen Fleck Himmel und fortan trug uns die Hoffnung weiter, dass es doch noch aufreißen würde.

 

Einer der wenigen Mistwettertage, aber mit Tendenz zur Besserung

 

In der Mittagspause wurde dann Zwiebelbrühe mit Brot gekocht und als wir 2 Stunden später eine letzte Pause machten, wärmte uns zum ersten Mal die Sonne. Die Pause wurde verlängert, der Ausblick und die Einsamkeit genossen. Der Aufstieg zum Pass war dieses Mal homogen, es wurde steiniger und wir hofften weiter oben noch Nahrung für Maximus zu finden. Ein großer Fluss rauschte ins Tal hinab, Wassermangel war heute kein Thema.

 

Letzte Pause vorm Pass, die Sonne wurde ausgedehnt genossen

 

Da wir heute später los gekommen waren, erreichten wir erst gegen 17.30 Uhr die Passhöhe auf 2240 Meter und wollten eigentlich von dieser auch noch wieder runter. Bloß gut, dass die Passhöhe so einladend war und wir das Angebot annahmen, denn wir sollten morgen im steilen Abstieg bemerken, dass es auf 5 Kilometer kein brauchbares Camp geben sollte. Kurz bevor wir Stellung bezogen, kreuzte noch eine 8-köpfige Reitgruppe unseren Weg. Wir rissen sie kurzzeitig aus ihrem scheinbar gelangweilten Reitrhythmus um uns zu fotografieren und ins Gespräch zu kommen. Sie wollten dorthin, wo wir herkamen, wir wollten dorthin, wo sie herkamen. Sie waren nur zu Pferd aber sichtlich schneller unterwegs, schafften pro Tag so sicher zwischen 30 bis 40 Kilometer.

 

Maximus, unser Wachpferd | Er gab uns Sicherheit

 

Das Passcamp war für Keinen sichtbar, aber trotzdem exponiert platziert. Ab und an kam die Sonne noch einmal heraus, aber bald war es so kalt, dass bereits gegen 21 Uhr die Zeltdecke gefroren war. Langsam klarte auch der Himmel auf und eine sternenklare Nacht steuerte ihr übriges bei. Wo wir anfangs noch den HoBo nutzten, griffen wir nun auf ein richtiges Lagerfeuer zurück. Das wärmte mehr und Holz gab es auch genug. So konnten wir noch ein wenig draußen am Feuer sitzen und den fantastischen Ausblick bei zunehmenden Mond genießen. Die Kartoffeln wurden im harten Kampf eher zugeteilt. An ein freiwilliges Teilen war nicht zu denken. Der übliche Urlaubsfutterneid steigerte sich in ein Maximum, es ging nicht mehr nur darum, den Hunger, sondern auch vollends den Appetit zu stillen. Täve ging bald zeitiger ins Zelt, während wir noch die Kälte der Nacht genossen.

 

Das Passcamp | Hier mussten wir bleiben

 

5.Tag | Sumpfcamp  zurück zur Liste
Boar, es war schon schmerzhaft, sich heute überhaupt bei der Kälte aus dem Schlafsack zu quälen, doch die Ladung Schneereif, die an der Außenzeltdecke hing und mir beim Dranstoßen dann alsbald in den Nacken flog, die war zuviel. Ich bot der Kälte draußen Paroli und entfachte ein Signalfeuer um mich warm zu kriegen und später ein Kaffee zu kochen. Lange sollte es nicht mehr dauern und auch die Sonne würde endlich hinter den Gipfeln emporsteigen. Keine Ahnung wie kalt es war, aber gefühlt sicher bereits zweistellig. Das nächtliche Leid jedoch schwand mehr und mehr beim Anblick des nur mit Schleierwolken bedeckten Himmels. Das lockte auch bald Yvonne und Täve aus dem Zelt. Der Morgennebel wurde von den Sonnenstrahlen verscheucht und wir genossen nun in wolliger Wärme, Sonne im Rücken und Feuer von vorn, das Frühstück. Täve bekam seinen Grießbrei, wir aßen Müsli und Brot und schlürften den heißen Kaffee mit Hochgenuss.

 

Bald sollte die Sonne das Zelt vollkommen getrocknet haben

 

Die heutige Tour sollte wohl keinen einzigen Aufstiegsmeter mehr aufweisen. Wir hatten die westlichste Kante der Range erreicht und mussten nun in das flache Darkhad Depression Valley absteigen. Vorbei an Opferstätten, die mit blauen Gebetsfahnen, Pferdeschädeln und Geldscheinen bestückt waren, ging es nun sehr steil ins Tal. Wir merkten langsam, was Maximus gefiel und was er mied. Steiniger Untergrund war nicht so sein Ding. So versuchte er lieber abseits der Piste im Grad zu laufen. Täve entlastete das Pferd in den steilen An- und Abstiegen, indem er dann immer selbst lief, forderte aber bald bei Maximus eine Gegenleistung ein.

 

Steiler Abstieg voraus

 

Solche Opferstätten fanden wir häufig auf exponierten Plätzen

 

Es dauerte nicht lange und auf dem Weg lagen auf einmal Motorräder herum und Menschen schliefen am Wegesrand. Eine Gruppe von ca. 15 Personen, darunter nur eine Frau, saßen zusammen, kochten Etwas und waren auch gut dabei, sich die Birne zu zulöten. Sie kamen gleich zu fünft auf uns zu und begrüßten herzlich, aber doch torkelnd besoffen. Nur Einer, scheinbar der Anführer dieser krassen Herde, schien nüchtern zu sein und stieß dazu. Es gab ein wenig Tumult und der Anführer schubste dabei einen Trunkenbold zur Seite, der fast auf einen Stein fiel. Die Entwicklung gefiel mir nicht. Ich nahm das angebotene Essen im Stehen an, bedankte mich und forderte Yvonne auf, selbiges zu tun. Hinsetzen kam nicht in Frage. Irgendwie konnten wir uns von den immer aufdringlich werdenden Tsaatanern befreien und weitergehen. Dieses kleine Völkchen, was weit abgeschottet im äußersten Westen lebt, war uns bis jetzt so freundlich entgegen getreten. Wir wussten nun, dass wir fortan alkoholisierte Menschen meiden sollten, vor allem in solchen großen Gruppen, die wirklich Seltenheit waren.

Immer wieder drehten wir uns nach der Gruppe um und vermutlich ein wenig getrieben durch unsere Sorge waren wir unverhofft schnell am Talboden angekommen. Es erwartete uns hier ein 50 bis 100 Meter breites ausgetrocknetes Flussbett. Für Mensch und Maschine war der einfachste Weg, direkt in diesem festgefahrenen Steinbett voranzukommen, wir aber wollten Maximus dies nicht antun. So wurde aus dem direkten Flussweg eine Zick-Zack-Tour von dem einen Ufer zum anderen, immer auf der Suche nach einem grasigem Wanderabschnitt am Ufer. Zum Glück war es heute nicht so heiß, den es befand sich kein Tröpfchen Wasser zwischen den Steinen. Bald schon sollte aber noch kurz vor der Pause wieder ein Fluss auftauchen. Ich freute mich und meinte nur „Lass uns noch ein wenig laufen, wir füllen bei der Pause die Trinkblase auf“. Wir liefen und liefen, quatschten und lachten und ich verlor dabei ein wenig den Blick für das Wasser. Als dann die Pause ran war, war aber kein Fluss mehr da. Hallo? Das Teil war 10 Meter breit, man hätte zum furten die Schuhe ausziehen müssen und keine 3-4 Kilometer weiter ist davon nichts mehr zu sehen und zu hören?

 

Das Tal zog sich in die Länge, war aber immer wieder schön für einen Rundumblick

 

Mit so einer Situation mussten wir uns zukünftig des Öfteren abfinden. Es erschienen Bäche, Flüsse und reißende Ströme genau so schnell wie sie wieder verschwanden. Bewegte sich ein Bach talwärts, war das kein Garant, dass man weiter oben Wasser hatte. Die steinigen Wasserläufe sind scheinbar so tief, dass das Wasser zwischenzeitlich unterirdisch fließt und das für weite Strecken. Es war uns eine Lehre. Nach der Pause erschien dann dieser „Hasch-mich-Fluss“ und von jetzt an nutzten wir jede Wasserquelle sofort und ohne ein „später“.

Der Fluss wurde immer unbezwingbarer, je weiter wir bergab gingen, immer mehr Zuläufe machten ihm zu einen reißenden Strom. Bis jetzt konnten wir den Fluss immer in Wanderschuhen queren, doch am Ende des Gebirgsmassives, direkt im Übergang zur Ebene wartete sicher noch eine große Herausforderung, dachten wir jedenfalls. Nun kam uns dieses Sickerproblem mal entgegen und urplötzlich wurde aus dem reißenden Strom ein Flüsschen, wir mussten nur die Crocs anziehen, die 30cm Wasserpegel überstehen und waren nun am rettenden rechten Ufer, wo es nun auch wieder entspannter für Maximus voran ging.

 

Täve bewies einmal mehr, dass er schneller einen Draht zu Tieren findet

 

Hier endet das Gebirge und die Darkhad Depression folgt

 

Wasser schien uns immer ein Problem zu sein. Entweder war zuviel oder gar nichts vorhanden. Manchmal gaben sich diese Wechsel sehr kurzfristig die Klinke in die Hand. Wir wollten noch ein wenig Kilometer machen, damit morgen auf jeden Fall der Ort Rechninlkthumbe erreicht werden könnte. Nun hatten wir es endlich geschafft, nach 5 Versuchen war die 20 Kilometer Grenze gefallen, aber wir mussten noch weiter. Um uns war zwar überall sumpfige Landschaft, ein Friedhof an Bäumen umgab uns, aber trotzdem alles furz-trocken. Weitere 2 Kilometer konnte ich Yvonne noch zumuten, aber sie war am Ende, weil sie die vorletzte Flussquerung nicht trocken überstanden hatte. Sie watschelte neben mir mit schmatzigem Geräusch her und ich wusste, eine Lösung musste her. Mit jedem Meter würde ihre Stimmung sinken, den Nullpunkt sollte sich nicht erreichen. Immer noch ohne Wasser, erspähte ich ein Camp am Wegesrand, etwas abseits am Sumpfrand. Während Täve und Yvonne dort pausierten, suchte ich in der Umgebung nach Wasser, fand aber einzig dreckig, braune Brühe in der Autospur. Der Filter hätte es sicher irgendwie hinbekommen, aber es war nicht genug für waschen und essen vorhanden. Zurück am Camp verkündete ich meine nicht gerade positiven Nachrichten, stockte aber in meinen Ausführungen, als ich einen kleinen Trampelpfad sah, der vom Camp in den Sumpf führte. „Wartet mal“ und schon war ich verschwunden. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder führte der Pfad zu einem Klo, was sprichwörtlich scheiße gewesen wäre oder zu einem Wasserloch. Genial, es befanden sich am Ende des Pfades sogar drei große Löcher, die zum Waschen und fürs Essen locker reichten.

 

Unser Sumpfcamp, fast schon ein Glückscamp

 

Täve malt die Verhaltensregeln im Wald auf einen Holzblock

 

Wir bezogen also unser „Sumpfcamp“, entfachten auch gleich Feuer und gingen auch gleich baden. Die Sonne hatte zum Nachmittag noch einmal gezeigt, dass sie auch einheizen kann. So war dann das Bad mal eine gelungene Abkühlung und keine Mutprobe wie sonst immer. Täve war den ganzen Abend damit beschäftigt, die Heidelbeersträuche mit eine gefundenen Kralle abzupflücken, nachdem er ein Verhaltensschild für andere Wanderer gemalt hatte. Heute gab es zur Abwechslung mal Kartoffeln mit viel Zwiebeln und wenig Dosenfleisch. Alle wurden so satt, dass am Ende sogar noch was übrig blieb. Ich nutzte die Gunst der Stunde und überspannte meine Bauchdecke mit den letzten Happen. Wer weiß, wann ich wieder mal so satt werden würde? Die Reserven waren schon gut aufgebraucht, Genussmittel fast alle, nur noch letzte Notreserven füllten die Provianttaschen aus. Es war ein schöner Abend, mit spärlicher Aussicht durch einen Totholzwald und er schien sehr mild zu werden.

 

Es gibt gleich Essen, Alle sitzen bereit

 

6.Tag | Renchicamp  zurück zur Liste
Mit etwas Vorfreude auf das Shoppingerlebnis in Renchinlkthumbe fiel das Aufstehen heute umso leichter. Das Wetter spielte von Anfang an mit und so kamen wir doch sehr gut in die Gänge. Täve platzierte noch seine Lehrtafel am Wegrand, in der Hoffnung, dass die Einheimischen nun weniger Müll in der Natur entsorgen. Auf flachen Abschnitten und immer noch von vielen toten Bäumen umgeben, ließen wir im Vorwärtsschritt doch immer wieder den Blick nach hinten nicht aus den Augen. Es war so krass. Eine weite, flache Ebene und dahinter diese Bergkette.

 

Na, wer kann die Regeln deuten?

 

Während sich die Wolken in den Bergen fixierten, ballerte bei uns die Sonne

 

Die Sonne gab bald so richtig Gas, so dass das Solarpanel zum Einsatz kam. Das war nötig, denn Powerbank und Akkus waren alle. Zum ersten Mal zeigte mir der Multimeter Werte um 2.10Ah an, war die Sonne hier echt so viel stärker, in Deutschland schaffe ich immer nur 1.76Ah. So kam es, dass am Ende des Tages der 26800mAh Powerbank wieder randvoll war. Ich war begeistert. Eigentlich planten wir gegen frühen Nachmittag in Renchi zu sein, aber mit den ganzen Zick-Zack-Umwegen, um die steinigen Flussbettpassagen zu meiden, kamen wir immer auf 10% Zuschlag an Kilometern. So kamen wir erst gegen späten Nachmittag an.

 

Wahnsinn, dieser breite Blick in die Ferne

 

Hinter uns der kleine grüne Hügel, den wir noch passieren mussten. Vor uns lag nun Renchi

 

Nach einem letzten kleinen Anstieg pausierten wir kurz und nach dieser Kuppe eröffnete sich der breite Blick auf Renchi, eine Ansammlung aus Blechhütten und Schlammstraßen, dazwischen einige wenige Steinhäuser. Es offenbarte sich uns ein Ausblick, den man von der Mongolei erwartet. Endlos weite Steppen, kurzes Gras, wenig Bäume, dazwischen einige Gers und Herden, die durch das weite Land ziehen. 4 Kilometer war der Ort noch Luftlinie entfernt, doch es dauerte noch eine Stunde bis wir ihn erreichten, aber immer mit dem Blick und dem Gefühl, dass der Ort vor uns weglaufen würde. Er wollte und wollte nicht näher kommen. Wir querten im Süden des Ortes noch einmal einen klaren Fluss und beherzigten mal wieder nicht, lieber gleich Wasser einzusacken. Das Pferd hätte doch locker kurzfristig mal 10 Liter tragen können.

 

Der letzte kleine Hügel vor Renchi, ein Rückblick unserer Route der letzten 2 Tage

 

Endlich im Ort angekommen, gingen wir zu einem der vielen kleinen Läden, die so ein typisches gelb-grünes Lebensmittelschild über der Tür hatten. Die „Supermärkte“ unterschieden sich nicht wirklich von richtigen Wohnhäusern. Wir gingen also in drei verschiedene Läden und kauften uns das nötige Proviant zusammen. Dabei lohnte sich der Vergleich der Läden, nicht preislich sondern vom Angebot her. Man kommt in einen kleinen Raum mit eine langen Theke herein, dahinter stehen die Lebensmittel in den Regalen. Es gibt alles Nötige, vom Klopapier bis zum Wodka, ab und an auch frische Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln. Nudeln und Reis werden meist in 1kg Beuteln abgepackt oder aus einem großen Sack nach Bedarf geschöpft. Wir bekamen hier alles bis auf Brot, was wohl am Ende des Tages nicht mehr vorrätig war. Auch frische Wurst, Müsli oder Cornflakes Fehlanzeige. Komischerweise musste man kein russisch oder mongolisch können um den Inhalt mancher Konservendosen zu lesen. Sie waren meist auf deutsch, die gut & günstig Marke von Edeka überwog. Kaum zu glauben, dass es billiger ist, diese Ware aus Deutschland zu importieren als den örtlichen Kram zu verkaufen. Benzin und Geld brauchten wir gerade nicht, aber es gab beides in dem Ort.

 

Kurzer Schauer mit Sonne, ein Garant für Regenbögen

 

Wir waren nun gut eingedeckt, Maximus‘ Rücken hing nun wieder ein wenig mehr durch und wir begaben uns in den Norden von Renchi. Dort bezogen wir nahe einem kleinen Wäldchen unser Camp, hatten aber nun ein großes Problem, mal wieder. Wasser fehlte in jeder Richtung. Renchi war 2.5km entfernt, entweder dort Wasser kaufen oder aus dem Fluss im Süden schöpfen. Nach 24 Tageskilometern hatte ich keinen Bock mehr und wollte nun meine ersten Reitstunden nehmen. Maximus und ich hatten uns gut angefreundet, ich wagte es also. Da keine Steigbügel vorhanden waren, musste ich auf einem Stamm aufsteigen. Langsam ging es wieder runter in den Ort. Gechillt blickte ich umher und genoss die Landschaft, Maximus machte den Rest und folgte dem Pfad. Aus Versehen klammerte ich meine Beine zu stark um ihn, um nicht runter zu fallen, dabei habe ich wohl zu viel Druck ausgeübt. Auf einmal ging es im Trab schaukelnd weiter. Wow, wo ist der Stoppschalter? Bloß gut, Maximus hörte von allein auf. Im Ort angekommen überlegte ich mir, wie ich ohne Gespött der Anderen extrem cool vom Pferd absteigen könnte, die Steigbügel fehlten halt. Ich nutzte eine kleine Wiese und Maximus senkte seinen Kopf. Mit Elan schwang ich das rechte Bein nach links über seinen Kopf und hüpfte vom Pferd. Ich war ein geborener Cowboy. Ich ging direkt in den ersten Laden und kaufte alle Wasserflaschen ein, gesamt ca. 9 Liter. In den Packtaschen verstaut lief ich nun wieder mit Maximus zum Ortsausgang um dort einen geeigneten Platz zu finden um ohne Zeugen wieder einigermaßen vernünftig auf das Pferd zu kommen. Am Camp angekommen, stand das Zelt bereits und die Sonne kitzelte schon die Berghänge im Westen.

 

Weite Aussicht, weite Ebenen, ein echt toller Platz

 

Nun machten die vollen Taschen mit unseren leeren Mägen Bekanntschaft, es wurde reichlich aufgetischt und beim Essen die Aussicht genossen. Anschließend duschten wir uns jeder mit nur eine 1.5L Flasche Wasser. Wahnsinn, wie wenig Wasser man doch braucht um sich etwas sauber zu fühlen. Am Lagerfeuer genossen wir den Abend und ließen den ersten Abschnitt Revue passieren.

Fazit Erster Abschnitt: Bereits nach diesem erstem Abschnitt war uns klar, dass die Mongolei locker mit Kirgistan mithalten konnte, gerade was die landschaftliche Abwechslung anbelangte. Jedes Tal, jeder Gebirgshang hatte was Neues zu bieten. Wir lieben das Gebirge und gerade das schroffe Khoridol Saridag hatte es uns angetan. Parallel lieben wir aber auch Bäume und Wälder, die kargen, baumlosen isländischen Landschaften finden wir persönlich öde. Doch hier bekamen wir alles das, was wir so an der Natur lieben. Ein für uns persönlich zusammengeschnürtes Paket der Mutter Natur. Dass wir auf diesem Abschnitt nicht die mongolische Einsamkeit bekamen, die wir erhofft hatten, war der Verbindung Khatgal- Renchi geschuldet, die halt die Einheimischen und auch Touristen nutzen. Jedoch hielt sich das alles in Grenzen. Wenn wir von „stark frequentiert“ sprechen, dann sind das 3-4 Personen im Durchschnitt pro Tag, im Höchstmaß mal 10. Damit konnten wir leben. Der nun folgende Abschnitt sollte es aber schaffen, dass die Mongolei es ganz hoch in unserem Ranking geschafft hat. Sie überzeugte abermals durch Abwechslung, aber auch mit uns so wichtigen Dingen, die ein Top Reisedestination für ausmacht.

 

2.Abschnitt Renchinlkthumbe – Khankh 7 Tage 140 Kilometer

 

7.Tag | Dürrecamp  zurück zur Liste
So entspannt, wie wir ins Bett gegangen waren, standen wir auch auf. Am Abend zuvor hatte ich versprochen, heute nur den halben Tag zu wandern, ca. 15km. Eigentlich hatten wir für uns und das Pferd aller 6-7 Tage einen Ruhetag eingeplant, jedoch wussten wir, dass wir vor langer Weile gestorben wären. Im Blut sind wir dann doch Nomaden, die gern weiterziehen, neugierig sind, was um die Ecke kommt. Wir aßen also entspannt die Rester des 1.Abschnitts zum Frühstück, in Renchi hatten wir leider nichts zur morgendlichen Stärkung bekommen. Das gab uns zu denken und wir beschlossen, heute das erste Mal eine Ger anzulaufen um nach Brot zu fragen. In Kirgistan hatten wir damit gute Erfahrungen gemacht und Dava, die Vermieterin des Pferdes, hatte uns einige mongolische Sätze notiert, auf die wir nur zeigen mussten: Milch kaufen / Brot kaufen / Butter kaufen.

 

Blick über die Darkhad Depression Hochebene, Renchinlkthumbe mittendrin und im Hintergrund das Khoridol Saridag

 

Bei so einer Weitsicht kann man das Frühstück auch mal ausdehnen

 

Während Täve eine gemischte Herde aus Ziegen und Schafen bei Laune hielt und durch die weiten Steppen scheuchte, packten wir alles zusammen. Die Sonne hatte schon richtig Kraft und alles gut durchgetrocknet, Frost gab es die Nacht keinen, es war schon eher warm und ungewohnt für uns. Erst gegen 11.30 Uhr starteten wir und waren kaum 2km gelaufen, da erschien eine Ger am Horizont. Die steuerten wir direkt an. Die Bewohner wussten noch nicht, welches gefräßige Unheil sich da annäherte. Dort angekommen zückten wir unseren Zettel und zeigten auf den ersten Satz, mit der Frage, ob sie den Brot verkaufen würden. Sie lasen aber den ganzen Zettel und dachten, wir wollen auch noch Milch und Butter. Wir sollten uns setzen und konnten die Einladung natürlich nicht ausschlagen.

 

Nur Mist im Kopf, die armen Tiere wollten fressen und mussten aber rennen

 

Ab und an dann doch eine vernünftige Idee gehabt

 

Sie servierten uns frische Heidelbeermarmelade, Brot, Milch und leckere Butter. Im Gegenzug gab ich dem Herr des Hauses ein paar Zigaretten. Diese nahm er gerne an, er hatte zuvor ein Stück Zeitungspapier mit vertrocknetem Gras geraucht. Den Kindern schenkten wir eine kleine Tafel Schokolade und so saßen und saßen wir zusammen und obwohl wir nicht kommunizieren konnten, kam doch ein Gespräch zustande. Wir machten Ihnen deutlich, dass wir nicht nur hier Brot essen wollten, sondern auch mitnehmen müssten. Sie füllte eine Tüte voll Brot. Dava sagte, wir sollen das geben, was wir für richtig halten, aber das ist leicht gesagt, wenn man kein Gefühl hat, was „richtig“ ist. Wir gingen von kirgisischen Verhältnissen aus, dass dort ein Brot immer um die 200 SOM / 2 EUR gekostet hatte. Da wir hier sehr viel Brot bekamen, gaben wir 15000 MNT, umgrechnet ca. 5 bis 6 Euro.

 

Die mongolische Gastfreundlichkeit übertraf die kirgisische um Längen

 

Auf einmal holten sie noch eine Tüte, füllten diese auch noch mit Brot, verschraubten das Heidelbeerglas und gaben es uns auch noch in die Hand. Das war ein Zeichen, dass der Betrag zu hoch war. Uns war es egal, sie waren glücklich und wir hatten nun für einige Tage wieder was zum Frühstück. Nach einer Stunde Pause zogen wir weiter und hatten bald Renchi völlig hinter uns gelassen. Es sollte nun wieder über die West Range gehen um in 3 Tagen den See zu erreichen. Wir passierten noch eine große, ausgedehnte Weide, wo auch noch die eine oder andere Ger stand. Am Ende dieser Weide, der Waldabschnitt begann wieder, rasteten wir und merkten, dass bereits nach 6km die 3L Blase leer gesoffen hatten. Dazu kam die pralle Sonne und der nun folgende nicht wirklich dichte Wald.

 

Ab hier war das Wasser alle und die Münder trocken

 

Mit dem einen Auge nach einem schattigen Weg suchend, konzentrierte sich das andere auf eine Wasserstelle. Wir folgten einem Flussbett, was natürlich ausgetrocknet war. Weitere 6km liefen wir nun ohne Wasser den Weg entlang. Ja, genau, wir wollten heute kürzer treten und eigentlich wäre jetzt die Zeit ran gewesen, aber ohne Wasser braucht man darüber nicht nachdenken. Da wir noch Cola dabei hatten, musste die nun rationiert zum Durst löschen herhalten. Gott, wer hat dieses wahrhaftige heilige Getränk erfunden, dachten wir alle. Wir pausierten in einer schattigen Ecke und jedes noch so tiefe von mir aufgespürte Wasserloch war trocken. Zum Glück erschien ein Auto, welches zu einem Haus, das hinter uns lag, fuhr. Sie hatten genug Wasser dabei, um die Trinkblase wieder aufzufüllen und meinten, dass in 10km ein Fluss kommen würde. Soweit die gute Nachricht. Wir wären also auf 22 Tageskilometer gekommen. Was sah der Plan aus? Hier Camp beziehen und mit den 3L Wasser hinkommen und mal nicht waschen? Nein, wir hatten noch genug Zeit und zogen weiter. In 2 Stunden hätten wir Wasser in Hülle und Fülle, das trieb uns an.

Immer wieder schluckten wir den vorbeiziehenden Staub, den die Autos und Motorräder erzeugten. Der Teil des Weges war doch noch sehr gut besucht, aber die Piste folgte geradewegs zum See hinunter, wo mehrere Gers stehen. Morgen sollte alles anders werden, da wir diese Piste verlassen würden. Das trieb uns doppelt an. Bald mussten wir ein ca. 1km breites Flussbett queren, bestückt mit Birken, die allesamt schon gelbe Blätter trugen. War es die Kälte oder die Trockenheit, die den Bäumen zugesetzt hatte? Es sah fantastisch aus und man kann sich wage vorstellen wie bunt hier der Herbst sein muss.

 

Kaum vorstellbar, dass hier ab und an volle Breite Wasser fließt

 

Bald hatten wir das andere Ufer erreicht und schon jetzt merkte man, dass der Verkehr abnahm, da die Hauptpiste im Flussbett lang führte. Ich hoffte, dass der Autofahrer nicht meinte, dass genau an dieser Flussbettpiste bald Wasser käme. Wir folgten einem schattigerem Pfad durch ein Wäldchen und bald eröffnete sich vor uns eine Wiese aus blühendem Wildblumen und saftigem Gras. Wir gönnten Maximus ein Päuschen. Einheimische hatten anscheinend auch das Potential dieser Wiese für sich entdeckt. Sie waren dabei, sie komplett mit der Sense platt zu machen. Wo Menschen sind, muss es auch Wasser geben. Mit wilden Gesten deuteten wir daraufhin, dass wir Wasser suchten und sie zeigten nur mit den Finger weiter hoch in Richtung Wald. Naja, kann ja nur eine Frage der Zeit sein, Wasser zu finden, dachten wir uns und peilten die Richtung an und folgten einem Pfad immer weiter hoch und fort vom eigentlichen Weg.

Wir fanden bald eine tolle Stelle fürs Camp, die 18km erreicht und durch die Hitze entsprechend fertig. Hier sollte es irgendwo Wasser geben und einige Feuerstellen der Einheimischen wies daraufhin, dass es hier Wasser geben könnte. Im nahe gelegenem Flussbett dann die herbe Enttäuschung. Trocken wie die Wüste Gobi. Nun konnte ich nur eins machen, dem Verlauf nach oben folgen und auf ein Wasserloch hoffen. Keine 100 Meter später strahlte mich ein 2x2m großes Loch mit dem seltenen Gut an. „Keine Panik auf der Titanic, Wasser ist für Alle da“ schrie ich und Alle waren erst einmal glücklich, dass diese Not vorübergehend ein Ende gefunden hatte.

Nachdem heute der Tag der Hitze und Wassernot war, bekam das Camp den eindrücklichen Namen Dürrecamp. Als Belohnung versprach ich meinen beiden Leidensgenossen heute Pfannkuchen. Wir hatten in Khatgal Mehl gekauft um eventuell auch mal Brot zu backen, aber ohne Hefe wusste ich nicht, was dabei rauskommen würde. Also gab es heute mit diesem Mehl Pfannkuchen. Zum ersten Mal hatten wir Volleipulver mit auf Reisen genommen und dies kam als Zutat mit in die Schüssel. Außerdem wurde das Pulver zum Andicken von Soßen oder als Rührei morgens genutzt. Wir sind von diesem Pulver begeistert, weil es doch noch nach Ei schmeckt und man es so vielseitig einsetzen kann.

Alles war schnell aufgebaut und auch das Feuer war wieder eines der ersten Dinge, was laufen musste. Während sich die Kochstelle warm lief, gingen wir alle Vier zum Wasserloch. Maximus schlürfte was weg, dass Täve ihm nur erschrocken zurief „Trink‘ uns nicht alles weg“ Jeder von uns sehnte sich nach der Erfrischung. Wir waren noch aufheizt von der Sonne, da kam dieses echt eiskalte Wasser wie gerufen. Wie neu geboren fühlten wir uns. Wie befreiend war es doch, Schweiß und Dreck weg zu waschen. Am Zelt zurück, bereitete ich schon das Abendessen vor, während Täve Maximus Gras pflückte.

Mit einer kleinen Pfanne ging es dann zur Sache und konnte nicht schnell genug gehen. Ob ich was von den Teilen abbekommen würde? Kurz überlegte ich, die flüssige Mischung gleich so zu trinken, Hauptsache, mein Magen wäre gefüllt gewesen. Ich wollte die Pfannkuchen goldbraun anbraten, von Täve und Yvonne kam immer schon paar Minuten vorher der Aufschrei „Ist gut, dreh um“ oder „Reicht, ist fertig!“ Von der Pfanne ging es direkt ohne Umwege oder Abkühlen in den Mund. Wir hatten noch Nudelreste vom Vortrag und ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, diese zu verspeisen. Gute 2L Flüssigkeit mussten verbraten werden, das dauerte und mit der Zeit setzte endlich eine Sättigung bei den Beiden ein, ich dachte schon, dieses Gefühl wäre ihnen abhanden gekommen. Nun war ich an der Reihe. Gott, schmeckten die Teile lecker oder waren wir so hungrig, dass wir einfach alles hinter schluckten? Am Ende blieben noch 6 Pfannkuchen übrig, die wir für das Frühstück aufheben wollten. Alle lagen mit gespannten Bauchdecken am Lagerfeuer und waren zufrieden, vor allem Täve, der seine Leibspeise nun auch im Urlaub bekam.

 

Nicht auf die Größe kommt es an, sondern auf die Menge

 

Es war ein Tag, der nicht so ablief wie gewünscht, aber am Ende sich noch zum Guten gewandt hatte. Schwein gehabt und glücklich sein. Wir entspannten am Lagerfeuer und sprachen über dies und das, vor allem aber über unser tolles Pferd Maximus. Ohne ihn wären wir bis jetzt nicht so unproblematisch vorangekommen. Keine Brücke war ihm zu hoch, kein Fluss zu tief, kein Hang zu steil. Unsere kirgisischen Esel hätten wir schon längst wieder verflucht, aber Maximus konnte man nur lieben, ein Arbeitstier durch und durch.

 

8.Tag | Flusscamp  zurück zur Liste
Okay, wir hatten nun endlich gelernt und füllten heute neben der Trinkblase auch noch eine 1.5L PET Flasche voll. Wie konnte ich wissen, dass meine Mitreisenden genau so viel trinken wie sie essen und nicht mal Mutter Natur diese Ressourcen aufbieten könnte. Bei schönstem Wetter frühstückten wir am Lagerfeuer, es war noch kalt, da Bäume die Sonnenstrahlen nicht durchließen. Ich gab heute wiederum das Versprechen, einen kurzen Tag zu wandern. Dass ich das Versprechen wieder nicht halten könnte lag dann am Ende wieder mal am Wasser. Das glaubt Einem Keiner: Man wandert um einen See und verdurstet.

 

Dürrecamp in voller Pracht am Morgen

 

Wir gingen zurück zum Hauptweg, auf dem merklich weniger Verkehr war. Täve hatte für sich entdeckt, dass es lustig ist, auf Maximus zu sitzen, wenn er trabt. Tja, fortan durften einzelne Passagen von uns joggend bewältigt werden. Dem setzten wir aber bald ein Ende, da es weder für den voll beladenen Maximus noch für uns eine Wohltat war. Dafür versprachen wir ihm, dass er am Camp seine Runden bekommen würde.

 

Solche im Sommer verlassenen Herbst-/Winterquartiere sah man des öfteren

 

Nach ca. 1.5 Stunden kamen wir an einen Abzweig, wo nun nur noch ein Pfad links in die Berghänge abbog. Wir verließen nun die kleinere Piste, die am Flussufer weiter gen See folgte. Nun mussten wir pausieren. Yvonne ging es nicht gut. Wasser- oder Nahrungsmangel? Sie fühlte sich schlaff, obwohl wir erst 6km gelaufen waren. Heute schien nicht ihr Tag zu sein. Die Nachricht eines Autofahrers, der uns am Abzweig ansprach, dass es Wasser erst in 10km geben würde, baute sie auch nicht gerade auf. Wir beluden Maximus zusätzlich mit Yvonnes Rucksack, so konnte sie entspannter weiterlaufen.

 

Am Horizont der Hauptkamm, den es noch zu überwinden galt

 

Weiter ging es nun auf einem teilweise verwachsenen Pfad. Manchmal liefen wir querfeldein, dann war mal wieder der Pfad zu sehen. Ab und an sah man eine einzige Motorradspur. Das muss wohl ein richtiger Crosser gewesen sein. Unvorstellbar, diesen Weg mit einem Motorrad zu absolvieren. Wir kamen nur langsam voran, Yvonnes Schritte waren behäbig und wir mussten in kürzeren Abständen Pause einlegen. Es ging ihr nicht wirklich besser, auch ohne Gepäck. Hatte sie sich was eingefangen? Tat ihr die Hitze nicht gut?

Wenigstens spielte das Wetter mit. Während bei uns die Sonne schien und ein laues Lüftchen blies, türmten sich am ca. 15km entfernten Hauptkamm dunkle Wolken auf und mächtige Donnergeräusche schüchterten uns ein. Würde es heute noch zu uns ziehen? Würden wir vorher ein Camp und vor allem Wasser gefunden haben? Irgendwie lief der Tag nicht gut. Immer, wo wir pausierten, lief ich in der Umgebung die sumpfige Landschaft ab, aber immer vergebens. Ich hätte gern eher Camp bezogen, gerade wenn wir an alten, offenen und verlassenen Stallungen waren. Diese wären für Maximus ideal zum Freilauf gewesen.

Wir mussten weiter. Es konnte nicht mehr weit sein, vielleicht noch 6-7km, 1.5 Stunde. Wir vertrauten der Angabe des Mongolen, bei km16 sollten wir auf Wasser stoßen. Es ging eine sumpfige Landschaft hindurch, die tiefsten Wasserlöcher ausgetrocknet, einen letzten kleineren Hügel hoch, dahinter vermuteten wir Wasser.

„Halt, stehen bleiben, ich hör‘ was“ Yvonne und Täve hielten an und stockten sogar den Atem, nur Maximus ließ sich nicht beirren, fraß sein Gras und kaute laut daher. „Du auch, hör auf!“ schrie ich. Ein leises Rauschen war zu hören. War es der Wind oder ein Fluss. Yvonne war für Wind, Täve und ich identifizierten das gleichbleibende monotone Geräusch als Fluss. 2km weiter hatten wir keine Zweifel mehr, das Rauschen wurde lauter, es war Wasser. Jubelschreie gab es aber noch nicht. Bei unserem Pech war es sicher eine tiefe Schlucht, unerreichbares Wasser für uns. Diesen Tag gingen wir pessimistisch an.

Dann, nach 15km, war es Gewissheit. Ein 10m breiter Fluss plätscherte dahin. Es war am frühen Nachmittag und da es noch kein Mittag gab, sattelten wir hier ab und bezogen hier Camp. Das Wetter war noch beständig und so verschoben wir den Zeltaufbau, es gab erst einmal eine fette Zwiebelsuppe mit Brot. Ganz entspannt bauten wir später das Zelt auf, machten Feuer und waren froh, doch wieder Wasser gefunden zu haben. Täve hatte seinen Wasserspielplatz, Yvonne konnte ein wenig ausruhen und ich sammelte Holz. Nachdem Täve flache Steine mit Steinmalstiften verziert und am Fluss drapiert hatte, durfte ich mit ihm noch ein Dutzend Runden am Fluss entlang rennen, er trabte auf Maximus hinter mir her.

 

Täve war glücklich mit seinen Steinmalereien, Yvonne dagegen hatte ihr erstes Tief

 

Die ersten Reitstunden für Täve

 

Ich kam noch einmal ordentlich ins Schwitzen, tat aber gern Täve den Gefallen, da er bis jetzt echt super mitmachte. Im Gegensatz zu Kirgistan, wo er doch mehr auf den Eseln ritt und erst nach unserer Aufforderung auch mal lief, war er in diesem Urlaub selbst motiviert zu laufen, gerade wenn es den Berg hoch und runter ging. Ebenso war er motiviert oder besser abgelenkt, wenn wir irgendwelche Gespräche führten oder Spiele machten. „Ich sehe was, was Du nicht siehst“, Tiere raten oder „Wer bin ich“ wurden abwechselnd gespielt und lenkten von dem heutigen, nicht so prächtigen Tag ab.

Ich wollte und konnte den Beiden nicht schon wieder ein Versprechen für morgen geben, eine kürzere Tour zu machen, behielt es aber für mich im Hinterkopf. Wir gingen bald im Fluss baden und aßen mal zivilisiert, die Bäuche waren noch mit Zwiebelsuppe gefüllt, zu Abend.

So saßen wir noch gemütlich am Lagerfeuer. Doch bald überraschte uns der Regen, wir verzogen uns ins Zelt und spielten gemütlich Karten und es gab auch die eine oder andere Wrestling-Runde. Es regnete sich ein und die Nacht durch. Was das für uns für negative Auswirkungen haben sollte, würden wir erst am nächsten Morgen erfahren.

 

9.Tag | Flusscamp  zurück zur Liste
Es hatte die Nacht wirklich keine Minute aufgehört zu regnen, jedenfalls immer wenn ich mal wach war, tröpfelte es. Gegen 7 Uhr war ich immer wach und stand auch keine 10 Minuten später auf. Klar, ich hätte auch noch einmal 1-2 Stündchen länger schlafen können, aber irgendein Dummer musste den Anfang machen.

 

Tiefer konnten die Wolken echt nicht mehr hängen

 

Diese Richtung wollten wir einschlagen, wo es aber noch schlimmer aussah

 

Gerade regnete es mal nicht und ich war zuversichtlich, dass wir heute den 2300m hohen Pass angehen könnten. Ich kroch ins Vorzelt und öffnete die Seitentür. Der Blick nach nach draußen konnte schlimmer nicht sein, okay, es lag noch kein Schnee, aber die Wolken hingen tief, sehr tief. Hätten wir gestern 100m höher das Camp bezogen, wir wären völlig in eine Nebelsuppe. Wie befanden und auf 1850m und ich wollte nicht wirklich wissen wie es 450m weiter oben ausschauen würde.

Das Feuerholz war durchnässt, es herrschte eine feuchte Stimmung draußen. Ich kroch wieder ins Vorzelt und warf den Brenner ein. Während die Beiden noch schliefen, ging ich den Zeitplan durch, den Yvonne dieses Mal nicht so entspannt fand. Immer wieder war von Tagespensa, Durchschnittsgeschwindigkeiten und maximalen Ruhetagen die Rede. Das war aber dem Routenverlauf geschuldet. Ich musste auf den Plan schauen, da wir am 9.September um den See herum sein müssten. Unten am See gab es keine Abkürzungen mehr. Daher wollte ich es bis Khankh im Norden des Sees nun ruhiger angehen um dort zu entscheiden, was wir machen. Neben den beiden Optionen, am Ostufer direkt oder im Hinterland langzulaufen, eröffnete sich eine dritte Notoption, das Westufer wieder zurückzulaufen. So wären wir aber lange Wege doppelt gelaufen.

Nach Sichtung des bereits zurück gelegtem Weg und dem bevorstehendem traf ich eine Entscheidung, die sicher Allen gefiel. Yvonne und Täve wollten sicher nicht wieder mein dummes Versprechen „Heute eine kürzere Tour“ hören. Heute komplett wanderfreier Tag, dafür aber morgen wieder volles Programm.

Nachdem Yvonne und Täve wach waren, verkündete ich meine Idee. Täve war begeistert, weil es hier im Fluss so viele flache Steine zum bemalen gab und Yvonne war nicht dagegen. Es ging ihr wieder besser. Ihr gestriges Tief führten wir auf Wassermangel und das fehlende Mittagessen zurück. Bereits am Abend war sie schon wieder auf dem aufsteigendem Ast. Yvonne schaute aus dem Zelt und meinte auch, dass es kein Sinn machen würde, in die Suppe und den Regen zu laufen. Wir frühstückten nun sehr entspannt und legten uns danach noch einmal in die Horizontale und spielten Karten, es fing mal wieder an zu regnen.

Die Wolken zogen einfach nicht ab und immer mehr entpuppte sich der freie Tag als richtige Entscheidung. Maximus hatte sich Schutz in den dichten Büschen und Bäumen gesucht und war sicher auch mal froh, einen Tag zu faulenzen. Irgendwie schliefen wir Drei beim reden dann wieder ein und gammelten dahin. Gegen späten Mittag stand ich auf und mir wurden nur die Worte hinterher geworfen „Machst Du Essen?“ Na, klar, das war immer mein erster Gedanke, wenn ich aufstand. Also gab es Mittagessen, danach trieb es uns nach draußen. Der Regen hatte längst aufgehört und durch die Zeltwand drangen erste Sonnenstrahlen. Es war kalt draußen, wir suchten also nach trockenem Holz und machten Feuer.

 

Endlich konnten wir aus dem Hilleberg-Pumakäfig raus

 

Auch weiter oben zog es nun auf

 

Täve sammelte Steine zum Bemalen und bekam auch wieder seine Reitstunden. Es wurden einige Sachen gewaschen und in der nun wärmenden Sonne getrocknet. Gechillt saßen wir dann noch am Lagerfeuer und genossen gleichermaßen Aussicht und Sonne. Irgendwie sah es hier aus wie in Alaska, zumindest stellen wir uns so die wilden Bergflüsse vor, wo Bären nach Lachsen angeln.

 

Täve sammelte seine Steine…

 

…und Mama schaute zu

 

Ehrlich gesagt, langweilte ich mich ein wenig und war froh, als ich den Befehl bekam, Essen zu machen. Ich verfluchte diesen freien Tag nicht, denn er war die richtige Entscheidung, da in dem aufsteigenden Tal, wo wir hinwollten immer noch die Suppe hing. Jedoch bin ich kein Typ des Entspannens und Herumliegens. Man merkte heute gleich beim Abendessen, dass wir nicht aktiv waren. Keiner hatte wirklich Hunger, nur Appetit bewegte die Löffel. Seit gestern hatten wir keine Menschenseele gesehen. So konnte und würde es auch weitergehen.

 

Sogar das Solarpanel kam noch einmal zum Einsatz

 

Der Abend war noch lang, denn wir hatten Mittagsschlaf gemacht und keine Tour in den Beinen. Es klarte mit jeder Stunde mehr auf. Gegen Abend waren dann sogar noch Sterne zu sehen. Morgen würde wohl ein schöner Tag werden, das hofften wir jedenfalls, denn wir mussten ohne Wenn und Aber weiter, das war klar.

 

10.Tag | Kaltwassercamp  zurück zur Liste
Wow, was für ein Morgen. Die Sonne strahlte uns an und nur noch in den Senke hing der Morgennebel. Wir waren optimistischer denn je. Wir frühstückten wieder draußen am Lagerfeuer und freuten uns alle auf die bevorstehende Tour. Alle waren wieder fit und hoch motiviert. Da wir nun zwei Tage keine Menschenseele getroffen hatten, gingen wir von aus, dass es so bleiben würde, denn der Pfad würde noch unwegsamer werden.

 

Dieser Morgen konnte sich mal wieder sehen lassen

 

Den Fluss querten wir gleich nach dem Packen mit den Crocs und war kein großer Akt. Bald mussten wir diesen Fluss noch einmal queren. Wir waren mal wieder zu faul, die Crocs über zu streifen. Wir nutzten einen toten Baum, der über den Fluss ging. Nur Maximus ist es zu verdanken, dass ich nicht samt Kraxe im halben Meter tiefen Fluss landete. Ich verlor das Gleichgewicht und so versuchte ich mich, an der Leine wieder zu fangen. Maximus blieb dabei stehen und erzeugte ordentlich Gegendruck anstatt nachzugeben. Puuh, noch einmal gut gegangen.

 

Noch hingen die Wolken tief…

 

….aber es klarte mehr und mehr auf

 

Mit jedem bewältigten Höhenmeter verzogen sich die Wolken und aller 100 Meter fand sich ein Traumcamp nach dem anderen. Was für ein traumhafter Abschnitt. Wir bogen bald in ein noch engeres Tal Richtung Osten ab. Es ging steiler hinauf und permanent mussten wir nun einen Fluss passieren. Hier bot es sich an, dass ich die Crocs anzog. Ich querte erst mit Maximus und Täve den Fluss und holte dann Yvonne Huckepack nach. Mehr Luxus konnte ich Yvonne nun wirklich nicht mehr bieten.

 

und dann kam dieses Traumtal

 

Wir lagen gut in der Zeit, obwohl der Weg nach oben doch langsam vorbeizog. Unwegsam, steil, immer wieder nach dem Pfad und dem besten Weg suchend, Sümpfe durchquerend und Flusspassagen bewältigend. Wir nahmen uns also die Zeit für mehrere Momente um Inne zuhalten, zu pausieren und zu genießen. Wir waren hier so einsam unterwegs wie wir es lieben. Doch Tiere waren weit und breit nicht zu sehen. Klar, wenn Täve singend und jodelnd auf dem Pferd sitzt, dann ist das wohl der beste Bären- und Wolfsschutz.

 

rechts hinter der Bergkuppe befand sich die Passhöhe

 

Bald war der 2300m hohe Nutsgen Uliin Pass sichtbar, doch der steile Abschnitt sollte kurz vorm Ende folgen. Oben wollte wir dann Mittagspause machen. Kurz vorm Pass schaltete ich die Kamera ein und war felsenfest davon überzeugt, dass nun das erste Mal der Khovsgol See sichtbar werden würde. Zwischen Schnappatmung und Hustenanfällen stotterte ich in die Kamera. Alles umsonst, denn auf dem Pass angekommen, versperrten noch einige kleinere Hügel die Sicht. Hätte ich mich mal vorher mit den geographischen Gegebenheiten nach dem Pass befasst, ich hätte mir diese Blamage ersparen können.

 

Pause nach dem Pass für Alle

 

Mit brillanter Aussicht auf den bevorstehenden Abschnitt kochten wir ein kleines Süppchen, während Maximus neben uns liegend zu Boden ging und immer wieder wegnickte. Bewusst schwiegen wir ab und an Alle um diese lautlose Ferne zu genießen. Es war wirklich kein Geräusch zu hören, nichts, nicht einmal ein Insekt. Hier und jetzt und nur diese eine Tag hatte es geschafft, die Mongolei zu lieben und zwar abgöttisch. Das war die Abwechslung, nach der wir gesucht hatten. Unerwartet betraten wir diesen Abschnitt und es sollte heute noch besser kommen.

 

Der versiffte Primetech ETA Topf, von Feuer und Flamme strapaziert

 

Maximus fühlte sich in unserer Umgebung mittlerweile sicher um mal voll zu entspannen

 

Fortan sollte es erst einmal wieder auf 2000m hinunter gehen. Zwischendurch immer wieder Eichhörnchen, Chipmunks, Erdhörnchen und Murmeltiere. Die flinken Viecher waren teilweise kaum zu unterscheiden, so fix waren sie verschwunden. Nach 15km war das Ende des Abstieges erreicht, es sollte nun ein kurzer Aufstieg folgen. Yvonne warf ein, dass wir nicht wussten, was hinter diesem Anstieg kommen würde. Wieder Wassermangel, wieder endlos laufen? Ich stimmte zu, denn Yvonne äußerte ihre Skepsis an einem Traumplatz. Wasser in der Nähe, ein flacher offener Platz für das Zelt und eine saftige Wiese für unseren Schimmel. Dass dieses Camp am Ende unser Topplatz werden würde, wussten wir bereits beim Genuss des Rundumblickes, nachdem Zelt und Lagerfeuer angerichtete waren.

 

Ohne Worte und Widerrede das Traumcamp

 

Warum das Camp den Namen Kaltwassercamp bekam? Der Fluss schien von einer Quelle zu kommen. Ich übergoss mich mit einer Schüssel über den Kopf, alles noch im grünen Bereich. Dann Kopf einseifen und zweite Schüssel zum abspülen, mittlerweile schon gelbe Bereich. Zum letzten Abspülen noch eine Schüssel über den Kopf, oh Mann definitiv roter Bereich, ich schrie vor Schmerzen. Kennt Ihr die Schmerzen, die man im Kopf bekommt, wenn man sein Eis rein schlingt? Genau diese Schmerzen hatte ich und sie ließen erst einmal nicht nach. Mit meinem Geschrei schreckte ich natürlich die anderen Badegäste ab, doch es war berechtigt, denn auch sie sollten später jammern. Ein kleines Thermometer offenbarte Schlimmes. Die Anzeige ging gen Null. Nur der fließende Zustand hatte vermutlich verhindert, dass es vereiste.

 

Vermutlich auch für Maximus ein Traum – frische Gräser und Kräuter

 

Am Lagerfeuer entspannten wir noch in der Sonne und bemerkten, dass doch „Scheiße“ und „Perfekt“ nah bei einander liegen. Gestern und vorgestern noch so eine Tiefpunktphase und heute Traumwetter und traumhafte Landschaft. Yvonne versuchte nebenbei noch den TAR Chair zu reparieren, der nun 8 Jahre gehalten hatte. Naja die Reparatur hielt 5 Minuten und wieder krachte Yvonne nach hinten auf den Boden, weil der Spannriemen gerissen war. Das Gelächter war ein zweites Mal ungebrochen.

Glücklich, frisch gewaschen und bald auch gut gesättigt sahen wir dem aufgehendem Mond zu. Die Nacht brach immer eher an. Mittlerweile ging die Sonne 20 Uhr unter. Dann erschien bald ein lupenreine Sternenhimmel mit einer ungetrübten Milchstraße. Wir starrten nun mehr in den Himmel als in die dunkle Umgebung. „Was für ein geiler Urlaub“ bemerkte Yvonne. Täve entgegnete „Geil sagt man nicht, aber Du hast Recht“.

 

Der Mond sollte uns bald ein noch besseres Schauspiel darbieten

 

11.Tag | Mondcamp  zurück zur Liste
Heute war es laut Karte unmissverständlich. Nach 10km würden wir am Westufer des Khovsgol Sees stehen und den Abschnitt betreten, der keine Autopiste vorweist und somit eine Umrundung mit Auto unmöglich macht. Nur wann wir den See erstmals zu Gesicht bekämen, ließ ich nun offen um eine weitere Blamage zu umgehen. Wir genossen die morgendliche Aussicht, die mit anderer Sonneneinstrahlung wie ausgewechselt auf uns wirkte. Die Nächte waren nun gleichbleibend milder, wenn auch nicht warm. Ich hatte für mich eine gute Kombi gefunden. Zwei Schichten Klamotten an und den Schlafsack als Decke. Das ist mir lieber, als mich eingeengt mit weniger Bekleidung wie eine Mumie zu fühlen.

Nach dem Zusammenpacken liefen nur noch kurz im Tal entlang, bevor es den besagten Anstieg hoch ging, den wir gestern nicht mehr machen wollten. Halleluja, was für eine Rampe. Beim bloßen Anblick fing ich an zu schwitzen und die Knie schmerzten. Wie würde es wohl Maximus hier hoch schaffen? Täve wollte den schmalen Pfad, der wirklich direkt schräg hoch führte, allein gehen. Auf 1km ging es nun 150 Höhenmeter hoch. Kleinere Stopps nutzten wir um zurück zu blicken, um zu schauen, wo wir herkamen, was wir geschafft hatten. Ab und an sah ich gar nichts, mir war schwarz vor Augen. Ich war noch nicht einmal richtig aufgewärmt und schon am Limit. Schweißgebadet, der Rücken klitschnass, Die Schweißtropfen flossen über die Brille. Was für ein Kraftakt.

 

Blick nach hinten ins Tal

 

Blick nach vorn, Anstieg voraus

 

Der Weg am Fluss hätte entspannter, aber mit Umweg zum See geführt

 

Ich war noch 10m vor der kleinen Bergkuppe, da hörte ich in der Ferne die Worte „Ich seh‘ ihn“. Tatsächlich. Nach diesem kleinen Pass namens Uliin war er nach nun nach 11 Tagen erstmals sichtbar. Da wir bald in ein bewaldetes Tal absteigen würden, genossen wir den Ausblick ein wenig länger, da man neben dem See bereits auch die schneebedeckten Sayan Mountains an der Grenze zu Russland erblicken konnte. Unser Routenverlauf war weithin sichtbar und ein wenig erschreckend, was da noch vor uns lag.

 

Am Horizont der See und dahinter Russland

 

Wir folgten bergab weiter einem steinigen Geröllpfad, wo man nie genau wusste, als was er eher diente, als Flussbett oder Wanderweg. Dadurch war er sehr nass und rutschig und auch Maximus mied diesen Weg kategorisch. Er lief am Rande auf einem kleinen Wiesenstück lang und ihm war es dabei egal, dass unsere Packtaschen permanent an Steinen, Büschen und Bäumen aneckten. Mit jedem Tag sahen die Teile schlimmer aus, immer mehr Löcher und Risse. Wir halfen Maximus dabei, die Steilheit des Abstieges raus zu nehmen und versuchten so gut wie es nur ging Serpentinen zu laufen.

Bald wurde der Abstieg flacher, der Weg wieder breiter und scheinbar waren von der anderen Seite auch schon Autos bis hier hoch gefahren. Das schien aber lang her gewesen zu sein und warum, erfuhren wir dann paar Kilometer weiter unten, wo ein großer Bergrutsch den kompletten Weg pulverisiert hatte. Scheinbar waren seitdem hier nicht Viele lang gekommen, da es keinen Ersatzpfad gab. Wir mussten uns nun durch enges Gestrüpp und wehrhafte zurückschnipsende Äste durch. Am Ende war es nur 1km, aber für diesen brauchten wir fast eine halbe Stunde.

 

Die Birken trugen schon gelb, hier ca. 2km vorm See

 

Als Mittagspausenziel hatte ich das Ufer auserkoren und wir wollten bis dahin durchziehen. Man merkte, dass man diesem immer näher kam, weil es immer flacher wurde und das Tal offener. Gegen späten Mittag erreichten wir dann den See und 200m entfernt vom Ufer pausierten wir. Während Täve Steine flitschen wollte, kochte ich ein leckeres Süppchen. Unser Wachpferd nahm im Unterholz zwei Rehe wahr, die genau so von uns wie wir von ihnen überrascht waren. Im Schatten der Bäume war es erträglich, ein laues Lüftchen trocknete die nassen Klamotten.

 

Zur Mittagspause hieß mittlerweile immer „Kocher an!“

 

Alle waren gut drauf, noch! Auf flachen Stücken, direkt am See entlang, ging es nun Richtung Norden. Nachdem wir nun tagelang Berge, Steine, Geröll, Wälder und wenig Wasser gesehen hatten, wechselte sich nun die Aussicht komplett. Viel Wasser, tolle endlose Weitsicht, verschneite Berge am Horizont und das Gefühl, dass der See ein offenes Meer ist. Gesäumt wurde diese heute sehr ruhige See von steinigen bis grob-sandigen kleinen Stränden, ab und an auch kleinere Steinhänge und dann auch mal wieder sumpfige Grasufer. Wir waren begeistert, obwohl wir mit dem Vorurteil zum See kamen, dass er uns vielleicht langweilen würde. Im Gegenteil, heute sollte das Camp direkt am See bezogen werden.

 

Bei solchen Aussichten weiß man, warum man all die Strapazen auf sich nimmt

 

Der Pfad war eng und kein Durchkommen mit Auto, ab und an waren Motorradspuren zu sehen

 

Der Weg verlief durch enge Wälder, auf schmalen, wenig ausgetretenen Pfaden. Es ließ sich aber gut vorankommen, wir hatten nun Fahrt aufgenommen und ich war optimistisch, mal wieder die 20km Marke zu knacken. Zeit war noch genug und Motivation auch, dachte ich zumindest. Als wir an einem kleinen Strandabschnitt vorbei kamen war es um Täve und Yvonne geschehen. „Schau‘ Dir diese tolle Stelle an!“ Gut, ich war auch begeistert und manchmal sollte man diese Gelegenheit am Schopfe packen. Wir bauten also nach 17km unser Camp am See auf, das Zelt keine 3 Meter entfernt. Abseits des Weges konnte uns wirklich Keiner sehen, wobei das keine Rolle spielte, da wir auch hier heute Keinen antrafen.

 

camp with a view

 

Ohne Aufpreis bekamen wir direkten unverbauten Seeblick

 

Mit jedem Tag waren wir ein besseres Team und während wir früher immer fest zugeteilte Arbeiten hatten, wechselten wir uns mittlerweile ab, was den Vorteil hat, dass Jeder jeden Handgriff kennt und nicht hilflos dasteht, wenn er mal Zelt oder Kocher aufbauen muss. Yvonne und ich kümmerten uns ums Zelt, Täve suchte Holz und keine halbe Stunde später saßen wir am See und bewunderten diese Ruhe. Dass es am Ende unsere einzige Nacht direkt am See sein würde, wussten wir bis dahin nicht, obwohl wir uns genau darum erst Gedanken gemacht hatten, dass es langweilig werden könnte, zu oft am See zu campen.

 

Wald, soweit das Auge reicht

 

Wir flitschten Steine ohne Ende, ich zeigte Täve mit den flachen Steinen einen „Pferdefurz“. Man schmeißt einen ganz flachen kleinen Stein in senkrechter Ausrichtung weit nach oben. Wenn er optimal auf die Wasseroberfläche eintrifft, taucht er unter und wenige Sekunden später steigt eine Luftblase mit furzartigen Geräuschen auf. Das war der Brüller. Täve kam dann auf die Idee, ein Stück Holz zu wässern und mit Steinen drauf zu werfen. „Wer es zuerst trifft, wird heute bedient und braucht nichts machen“ meinte Yvonne. Ich war so was von angespornt und schoss Stein nach Stein und traf auch als Erster. Ratet mal, wer Essen machen durfte?

 

Zeit für Genuss und Entspannung

 

Täve war heute wieder gut mitgelaufen und hatte uns auch sonst mal wieder super zur Seite gestanden. Ich belohnte ihn wieder mal mit Pfannkuchen. Wir hatten Zeit und ich fing zeitig damit an, da es wieder Stunden dauern würde. Vorher gingen noch Alle im See baden, denn in der wärmenden Sonne war das eine gelungene Abkühlung.

 

Die dampfenden Socken gaben den Pfannkuchen das passende Aroma

 

Die Sonne ging schneller unter als die Pfannkuchen fertig waren und so kam es, dass ich auch noch am werkeln war als der Mond aufging. Dieses Mal hatte ich wohl zuviel Mischung angerührt. „Das dauerte mir hier alles zu lange, zukünftig muss das schneller gehen“ meinte Yvonne nur. Zum Glück war es das letzte Mal, denn das Mehl war alle. Neues wollten wir nicht kaufen, da auch das Volleipulver schon ordentlich gelitten hatte. Jedenfalls gab es an diesem Abend mehr als genug Pfannkuchen, dass mal wieder mehr als genug fürs Frühstück übrigblieben. Das war auch nötig, denn unser Nomadenbrot war auch schon wieder verputzt.

 

und immer noch am braten

 

Wegen seines imposanten Auftrittes benannten wir das Camp nach ihm – Mondcamp

 

12.Tag | Halbinselcamp  zurück zur Liste
Die Nacht über hatte der Wind zugenommen und besorgt schaut ich mal kurz vors Zelt, nicht dass die Wellen das Zelt erreichen würden. Klang alles nur schlimm und war am Ende kein Aufstehen Wert. Am Morgen weckte uns die Hitze im Zelt. Die ersten Sonnenstrahlen drangen direkt durch und es war kein Aushalten mehr im Zelt, ich musste raus. Ein wundervoller Tag schien vor der Tür zu stehen und heute sollte es weiter gen Norden gehen, vorbei an der 15km großen Halbinsel.

 

Tolle Strandabschnitte

 

Eine Flachetappe ohne große Anstrengungen würde vor uns liegen, so sah es jedenfalls auf der Karte aus und so sollte es auch die ersten 4-5km bleiben, eine kleine Snackpause und es konnte unter fast wolkenfreiem Himmel weitergehen. Klar, sah ich die Symbole auf der Karte, die einen Sumpf markierten und klar, wir hätten diesen großräumig umgehen können, aber wir gaben uns die Direktvariante. Da unsere Packtaschen sowie so schon in sich zusammenfielen, weil nichts mehr drin war, konnte Yvonne wieder ihren Rucksack auf Maximus abwälzen. Also stimmte sie der Direktvariante lächelnd zu. Die nun folgenden 6km schafften es, dass ich bald zusammenbrach und eine Zwangspause brauchte.

 

Noch war der Weg chillig, wir sahen einem entspannten Tag entgegen

 

Aber man merkte langsam, dass der Wald nachließ und der Sumpf zunahm

 

Es fing harmlos an, wie alles in diesem Urlaub, und steigerte sich in eine Superlative. Anfangs war hier und da ein nass Fleckchen, grasige Hügel sorgten dafür, dass wir trockenen Fußes durchkamen. Dann wurden die Flächen nasser, tiefer und weitläufiger und die Grashügel verschwanden. Man sank mit einem Schmatzen ein und musste mit ordentlich Kraft diesen Fuß auch wieder nach vorne bewegen. Wenn man dann mal wieder über trockene Abschnitte glücklich war, wurde man mit diesen kurz aufeinander folgenden Grashügeln enttäuscht. Man lief, als hätte man ein kurzes und ein langes Bein gehabt. Es gab keinen Rhythmus, keinen Flow, stets musste man nach unten schauen, wo man hin tritt. Es war so mühsam, die Sonne strapazierte Einen auch noch von hinten. Es war zum kotzen und kein Ende in Sicht. Während ich mich mal wieder mehr um Yvonnes nasse Schuhe sorgte, merkte ich parallel, dass ich schwammige Beine bekam. Jetzt musste eine Zwangspause her. Yvonne wollte Maximus auch noch mit meinem Rucksack beladen, aber das wollte ich nicht. Er hatte sicher auch schon gut zu kämpfen. Eine Pause sollte reichen, denn ein Ende war bald in Sicht. 2km vielleicht noch und die Mittagspause sollte uns Alle stärken.

 

Den Sumpf nun endlich hinter uns gelassen

 

Endlich wieder Zeit und Luft für die Umgebung

 

Endlich hatten wir das mühevolle Sumpfgebiet geschafft und zur Mittagspause gab es Nudelsuppe. Der nun folgende Abschnitt hatte wieder festen Boden. Was für eine Wohltat, mal wieder die Umgebung zu sehen und zu genießen. Vom ersten Teil des Tages habe ich nur Wiese und Wasser mitbekommen. Wie es um mich herum aussah? Keinen Schimmer. Irgendjemand wollte es uns aber auch nicht einfacher machen. Der angenehme Pfad war nur von kurzer Dauer, bald folgten weite Wiesen, die jedoch extrem mit Geröll durchsetzt waren, ein geradliniger Weg wäre für uns machbar gewesen, wir wussten aber um das gespaltete Verhältnis von Maximus und den Steinen. Immer auf der Suche nach dem richtigen Weg, fühlten wir uns wie in einem Labyrinth, Zick Zack da lang, mal wieder zurück und dort lang. Wir nutzten ein wenig die Spuren der Yaks, die das nicht gut hießen und mit Gebrüll und steifen Schwanz Reißaus nahmen.

 

Der kurze schöne Abschnitt des Tages

 

Dann folgten die Geröllfelder

 

Eine kleiner Bergrücken, mit Bäumen bestückt, sollte uns die Weitsicht geben, um unser heutiges Camp auszumachen. Wow, endlich mal ein fester, erdiger Weg und das bis zum Camp und auch noch bergab. Nun rollte es und bald war die 20km Marke geknackt und bei km22 schlugen wir das Zelt auf. Hätten wir noch kein Camp Mückencamp genannt, dieses Camp hätte den Namen noch mehr verdient. Noch vorm Zeltaufbau war die Lagerfeuerstelle fertig und das Feuer loderte. Während Yvonne das Zelt aufbaute, ritt ich mit Maximus 2km zurück um Wasser zu holen. Wir wollten uns eigentlich ein wenig im Unterholz und im Schutze der Bäume verstecken, aber dieses hilleberg-rot ist aber auch über Kilometer sichtbar, wir hätten auch gleich direkt am Weg campen können.

Viel Auswahl zum Essen gab es nicht mehr, Khankh aber immer noch über 50km entfernt. Würden wir es in zwei oder drei Tagen schaffen. Am Ende sollte Motivation und Essensmangel darüber entscheiden. Heute sollte das aber noch kein Problem sein, wir hatten noch genug zum Essen und genossen nach einer Dusche den Abend und verfluchten ein wenig die heutigen beiden Abschnitte Sumpf und Geröll. Parallel zu unserem Camp hatten wir Blick auf die Halbinsel, so bekam das Camp auch den Namen Halbinselcamp.

 

verstecktes Halbinselcamp und doch weithin sichtbar

 

13.Tag | Hügelcamp  zurück zur Liste
Nach dem heutigen Frühstück stand fest, dass wir wieder über eine Jurte herfallen müssten. Kein Brot mehr, das Müsli geleert, für morgen früh brauchten wir was. Gleichzeitig wussten wir aber auch, dass wir vorankommen wollten und ein Besuch in einer Ger Zeit gefressen hätte. Der heutige Besuch sollte sich aber mal so richtig lohnen.

Zuvor leistete sich meine Freundin aber einen Fauxpas höchster Kategorie. Mit Absicht entfachte ich zum Frühstück ein Feuer, damit dieses die Mücken fern hielt. Nach dem Frühstück fingen wir an, alles zusammen zu packen. Dabei leerte Yvonne den Wassersack über dem Feuer, wir aber noch mittendrin beim packen. Es kam mir vor wie ein Angriff von allen Seiten. Sie kamen in Schwärmen geflogen. Während Yvonne und Täve sich schon eingeschmiert hatten und das Zeug bereits tief verstaut war, sah ich nur eine Chance. Ich griff zur kalten Asche und schmierte mich an Beinen, Armen und Hals tiefschwarz ein. Ich sah aus, wie ein Bergarbeiter, aber es half. Während ich fluchend über das Verhalten meiner Liebsten weiter zusammen packte, bekam ich von meinen beiden Mitstreitern Gelächter geschenkt.

 

rechts im Hintergrund die Halbinsel, links am hinteren Ufer der Ort Khankh

 

Nun waren wir startklar und da bereits seit gestern wieder Gers zu sehen waren, würden wir nun gleich die erstbeste am Weg anlaufen. Wir waren nun 5 Tage unterwegs gewesen und hatten keine Menschenseele auf diesen 70km getroffen. Dieser zurückliegende Abschnitt sollte für uns Revue passierend einer der schönsten werden. Wir ließen diesen nun hinter uns und mit jedem Kilometer sollten nun mehr Gers, Häuser und Menschen folgen. Bald war es soweit und wir hatten 5km auf der Uhr stehen, Zeit für ein kleines Päuschen und eine Einkehr.

 

Rechts die Ger, die uns wieder einmal das Leben rettete

 

An der Ger zelteten mongolische Jugendliche aus UB. Sie verbrachten hier in der Natur ihre Ferien, kochten ihr eigenes Essen und hatten einen Ofen im Zelt. Was für eine tolle Jugend hatten diese Teenager: Keine Handys, Von Angesicht zu Angesicht unterhalten, Hände schmutzig machen und sich selbst beschäftigen. „Klopf, klopf..Wir brauchen alles, was Sie haben, was Sie bieten können“ Nach diesem Motto stürmten wir die Ger. Die Köchin des Hauses gab uns zu verstehen, dass sie den Ofen erst anwerfen müsse und es länger dauern würde. Wir hatten keine Wahl und nahmen es in Kauf. Derweil gesellten wir uns zu der Familie in die Ger dazu und ich wurde wegen meiner schwarzen Tarnung schräg angeschaut. Da einer der Jugendlichen englisch sprach, fiel hier die Kommunikation mal einfacher aus. Wir bekamen kleine Kekse, frischen Joghurt und heiße Milch. Zum Überbrücken reichte das. Nun aber lief der Ofen auf Hochtouren, eine Schale wurde mit Öl gefüllt und rohe Teigfladen hineingeworfen. Am Ende kam etwas Essbares zwischen Fladenbrot und Pfannkuchen heraus. Sie hörte nicht mehr auf, ein Teil folgte auf das nächste, genug also um auch schon hier davon zu probieren. Himmel, Arsch und Zwirn, warum kriege ich so etwas Leckeres nicht hin. Die Bäuche waren bald randvoll, ein Mittagessen brauchten wir heute nicht mehr. Bald waren alle noch übrigen Brote verstaut und mit 15.000 MNT wieder bezahlt. Nach einer Stunde zogen wir weiter.

 

Mann Mann, waren die Teile lecker

 

Nun folgte erst einmal wieder ein Abschnitt ohne Gers, nur große Yak-Gruppen trieben wir vor uns her. Die Bewölkung nahm langsam zu, über dem Gebirge braute sich was zusammen. In der Ferne hörte man dumpfes Grollen, was aber nicht in unsere Richtung zog. Wir genossen also das Spektakel bei einer weiteren Pause auf einem Hügel, es waren nun schon 12km geschafft. Alle waren bei guter Laune, da die Mägen wieder gefüllt waren. Nach der Pause ging es den Hügel wieder hinunter in eine flache Ebene, hier und da sah meine eine Ger oder eine Hütte. Überall rannten Tierherden herum, Schafe, Ziegen, Pferde, Kühe und Yaks trieben wild umher. Täve hatte seinen Spaß zwischen diesen Tierherden. Wir dagegen machten uns langsam Sorgen, ob wir noch im Trockenen Camp beziehen würden. Bei km17 machten wir in einem kleinen Waldstück abermals Pause, es war das einzige große Waldstück im Umkreis von 5km und wir überlegten nun hier zu bleiben oder weiter zu gehen. Am Horizont machten wir auf einem kleine Hügel eine kleine Baumgruppe aus. Dafür sollte noch Zeit sein, diese anzusteuern um so die 20km zu schaffen.

 

Wer hat hier Angst vor wem?

 

Pause auf einem Hügel mit Aussicht

 

Eigentlich wollten wir noch ein wenig länger Pause machen, aber die Dame hatte Maximus an einem toten Stamm genau dort angebunden, wo Erdwespen ihr Zuhause hatten. Maximus fraß, hielt auf einmal inne, drehte sich um, juckte sich mit dem Hinterbein am Unterbauch, dann sprang er nach vorn und über den Baum. Er war außer sich vor Wut. Ich wollte ihn beruhigen und nahm ihn an die kurze Leine. Nun war ich dran und wurde gestochen. „Schnell weg hier!“ Pause beendet. Ich fragte mich, ob Yvonne das mit Absicht macht und mich auf die Probe stellen wollte? Heute morgen das erloschene Lagerfeuer, nun diese Aktion. Wir lachten beim Weiterlaufen Alle, irgendwie war hier eine krasse Herde unterwegs.

 

Im Hintergrund das Sayan Gebirge

 

In dieser Ebene bezogen wir Camp

 

Wir sollten bald den anvisierten Hügel erreicht haben und platzierten unser Zelt. Täve kletterte an den Bäumen herum und inspizierte die Pferdeschädel und Gebisse, die dort herumlagen. Es war heute zu windig und absehbar, dass es bald regnen würde. Also verzichteten wir heute mal auf das Lagerfeuer. Wir gingen zum Waschen an einen kleinen See und am Zelt war noch genügend Zeit um über den morgigen Tag zu debattieren. Während das Essen auf dem Brenner köchelte, kamen wir einstimmig zu dem Entschluss, morgen die 33km in einem Ritt durchzuziehen. Das Proviant war alle, die Motivation groß, in Khankh einen Supermarkt zu stürmen. Die Route sollte flach am See langgehen und ich motivierte Yvonne und Täve damit, dass wir in Khankh in eine Unterkunft gehen würden. Das war logistisch die beste Entscheidung, denn wir brauchten Proviant und Benzin, was wir am darauf folgenden Tag besorgen wollten.

 

In der Ferne markierte die kleine Baumgruppe unser Tagesziel

 

Also wurde heute alles geleert, alles vernichtet, was essbar war. Yvonne sollte morgen wiederum ihren Rucksack auf Maximus laden und ein zeitiges Loskommen sollte ein Ankommen im Hellen garantieren. Mit etwas Ungewissheit, dass wir dieses morgige Vorhaben schaffen würden, gingen wir ins Bett und spielten noch ein wenig Karten und lachten noch ein wenig über die heutigen Fehltritte von Yvonne. Dabei störte uns der einsetzende Regen nicht, im Gegenteil. Er war so sanft, dass er uns schnell in den Schlaf wiegte.

 

Blick nach vorn, wo wir hinwollten – Das nördlichste Ende des Sees und 12km von Russland entfernt

 

Wo wir herkamen, links die Halbinsel

 


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