Mongolei Packpferd Trekking

Khovsgol See | Khoridol Saridag | Sajan

Mongolei Packpferd Trekking

Khuvsgul Lake | Khövsgöl Nuur | Huvsgul Lake | Chöwsgöl Nuur | Hovsgol Dalai


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Reiseziel im Überblick
Einleitung
Der Khovsgol See | Der große Unbekannte
Vorbereitung und Planung
Interessante Fakten
Permits ohne Ende | Verworrenes Thema
Unsere Tour im Überblick
Nützliche Links und Downloads
Reisebericht

Reiseziel im Überblick zurück zur Liste

Land | Region

Mongolei | Nordwesten nahe russischer Grenze | Khovsgol See | nördlich der Stadt Moron gelegen

Reiseroute

Ab Khatgal im Uhrzeigersinn um den See, teilweise am Ufer, meist aber ferner durch das gebirgige Umland

Reisezeit | Dauer

14.August bis 11.September | 4 Wochen

Klima | Wetter

Kontinentalklima | tagsüber warm, ca. 5 Regentage/ Monat, nachts kalt bis an Gefrierpunkt | durschnittlich 2000m Höhe

Reiseart | Aktivität

Horsetrekking, ein Pferd als Proviantträger und als Rastplatz für Täve

Übernachtung

ausschließlich im Zelt, vermutlich auch einmal eine Nacht in den Ger Camps

Flora | Fauna

ausgedehnte Wiesen, Lärchenwälder | Steinböcke, Wildschafe, Zobel, Bären, Murmeltiere, Vielfraße, Elche, Rentiere, aber auch Wölfe und Schneeleoparden und jede Menge Pferde

Sicherheit | Tourismus

absolute Wildnis, keine Beschilderung der Wanderwege, Umgang mit GPS und Kompass wichtig, einige verstreute Nomadencamps, kein Handyempfang | für europäische Verhältnisse wenig Tourismus bis Ende August, danach einsam, Ostufer weniger überlaufen, Khatgal am Südufer konzentriert viel Ausflugstourismus

Anreise

Mit Miat Airlines direkt nach Ulaan Bataar, Weiterflug nach Moron, Privattransfer nach Khatgal, Rückflug mit Turkish Airlines

Wildnis Faktor

extrem hoch, da abgeschieden und schwer erreichbar, unbekanntes Gebiet

Kocher Info

In Khatgal Ortseingang 4 Tankstellen, in Renchi und Khankh je eine Tankstelle | In den Läden keine Kartuschen gesehen

Einkaufsmöglichkeiten

In Khatgal mehrere kleinere Supermärkte, in Renchi nur sehr kleine Läden, in Khankh etwas größere

Einleitung Mongolei Packpferd Trekking zurück zur Liste

Mittlerweile haben wir nun doch schon einige Ziele bereist und können Vergleiche anstellen. Dabei kamen wir aber immer wieder zu der Erkenntnis, dass Kirgistan der bislang schönste Trip von allen war und das trotz der vielen Zwischenfälle. Die Erklärung dafür liegt klar auf der Hand. Wir waren damals lange allein unterwegs, trafen auf wenig Leute, waren am Stück unterwegs ohne Transfers zwischen den Touren. Mir schwebte schon länger die Mongolei als Reiseziel vor Augen, im Ranking immer weit oben. Es schoben sich aber immer wieder andere Reiseziele nach vorn, so auch dieses Jahr mit Ecuador und Galapagos. Genau dieses Ziel hätte aber wieder viele Transfers und dazwischen viel Zivilisation bedeutet.

Bei unseren abendlichen Gesprächen über mögliche Ziele warf ich immer wieder Mongolei als Ziel ein, irgendwann gab dann Yvonne nach und sagte „Gut, dann machen wir halt Mongolei. Kirgistan wollte ich am Anfang ja auch nicht und war am Ende so begeistert“. Dies gab nun den Ausschlag dafür, alles in die Wege zu leiten, damit der Urlaub wieder ein voller Erfolg wird.

Mongolei Packpferd Trekking
Am Arsch der Welt in Zentralasien zwischen Russland und China

Doch nun fragt Ihr Euch sicher, wie man auf ein zwar bekannt klingendes Land wie die Mongolei kommt, aber jedoch so wenig über diesen Fleck Erde weiß. Bei den meisten klingelt es, wenn die Stichworte Ulaanbaatar , Dschingis Khan oder Wüste Gobi fallen, aber sicher nur, weil es im Geographie oder Geschichte Unterricht in der Schule durchgekaut wurde. Genau so war es bei uns auch, aber was hat uns also dann bewegt, dieses Land zwischen Russland und China als interessant zu empfinden? Schuld war dieser Artikel von Global Nature Fund, einer Organisation, mit der ich beruflich in Verbindung stehe. Nach diesem Artikel war ich Feuer und Flamme. Drei Jahre hat es gedauert, nun ist es bald so weit.

Doch warum muss man immer wieder so weit in die Ferne schweifen, liegt doch das Gute oft so nah. Viele fragen uns immer, ob dort, wo wir hinreisen, die Natur anders aussieht, die Berge schöner sind, die Bäume anders wachsen. Natürlich nicht. Doch die Natur, die wir dort vorfinden werden, ist unberührter, einsamer und wilder als alles, was man in Europa findet. Dazu kommt auch, vor Ort sich einmal mehr bewusst zu werden, wie andere Menschen leben, einfach aber zufrieden.

Der Khovsgol See | Der große Unbekannte zurück zur Liste

Eine Reise in die Mongolei wird sofort mit der Wüste Gobi verbunden und wird uns meist auch als Frage gestellt, ob wir denn dorthin reisen. Sicher, ein Trip auf einem Kamel wäre sicher was für Täve, aber Wüstenklima, Trockenheit und spärliche Vegetation spricht nicht gerade für so eine Region. Als Mongolei feststand, schauten wir aber trotzdem nach links und rechts, ob es da noch was anderes außer diesem See gibt. Nationalparks gibt es genügend, auch groß genug um allein in einem Park vier Wochen zu verweilen. Einige liegen nahe der Hauptstadt, einfache und schnelle Transfers hätten genau so dafür gesprochen wie die Möglichkeit, online über einen Anbieter ein mongolisches Pferd zu kaufen. Andere Regionen wie das Altai Gebirge liegen wieder zu weit weg, zu schwer erreichbar und sicher im August schon zu spät von der Reisezeit.

Der Khovsgol See liegt hier irgendwo in der Mitte. Nicht ganz zu leicht zu erreichen, etwas ab vom Schuss, aber immer noch im Rahmen unserer zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten. Außer dem Artikel von Global Nature Fund findet sich nur wenig im Netz über diese Region. Der große Unbekannte im Nordosten der Mongolei ist dagegen für die Mongolen selbst ein Begriff, da er sich seit der Erschließung 2014 besser und schneller erreichen lässt und als Erholungsort für Einheimische im Sommer dient. So werden vor Ort vermehrt Reittouren und Ausflüge von lokalen Veranstaltern angeboten.

Für Ausländer scheint es aber eher ein sehr unbekanntes Ziel zu sein. Man findet ein paar spärliche Reiseberichte, meist dann auch vor Ort mit lokalen Guides unternommen. Es fand sich aber nichts über ungeführte, längere Trekkingtouren. In mir wuchs der Gedanke, den See zu umrunden. Bei 3.5 Wochen vor Ort sollte genügend Puffer sein, um auch ausgedehnt das Hinterland zu durchstreifen und die etwas überbevölkerten Uferstreifen zu umgehen.

Mongolei Packpferd Trekking
Vergleich Bodensee | Khovsgol See – doppelt so groß

Es stand nun außer Frage, woanders hinzureisen. Die Bilder im Netz, die Beschreibung der Landschaft, das sprach alles für diesen See. „Hätte die Schweiz und Montana ein uneheliches Kind, es würde Khovsgol heißen“ beschreibt sicher am besten diese Region. Während aber die Nationalparks nahe der Hauptstadt mit vielen Informationen den Touristen das Spiel leicht machen, sucht man sich beim Khovsgol dumm und dämlich. Mittlerweile sind einige Informationen zusammen gekommen, die aus stundenlanger Recherche mehr Aufschluss geben. Aber auch die vielen Permits oder die vorhandenen Bären und Vielfraße schreckten uns nicht von unseren Vorhaben ab. In der anderen Waagschale lagen nämlich Argumente wie legal wild zelten, genügend Trinkwasser Ressourcen, unberührte Wildnis und die Möglichkeit vor Ort ein Pferd als Packtier zu mieten bzw. zu kaufen.

Einer der Pferdeanbieter meinte, dass wir mit Mitte August bis Mitte September leider die falsche Reisezeit für den Khovsgol gewählt hätten und versuchte uns auf südlichere Regionen umzustimmen. Doch unser Reisezeitraum scheint in vielerlei Hinsicht wie gemacht für uns zu sein. Erstens findet Anfang August der Sunrise-to-Sunset Lauf statt, wo ziemlich viel Trubel ist. Zweitens soll die Verfärbung der Lärchen im Herbst ein Traum sein und drittens ist Ende August weniger los. Einzig das Wetter wird uns wohl nicht ganz in die Karten spielen, aber geschwitzt habe ich noch nie gerne.

Der August gilt in der Region mit 5 Regentagen als regenreichster Monat, jedoch ist von kurzen Regenabschnitten die Rede und das Wolken-Sonne-Spiel muss wohl atemberaubend sein. Während es tagsüber schon auch mal 25 Grad werden können, sinken die Temperaturen Anfang September in der Nacht schon mal gen Null und mit ersten Schneefällen ist zu rechnen. Warum, wird einem klar, wenn man die Höhe des Sees auf 1600 Metern betrachtet, der von 3000ern umgeben ist. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlecht ausgerüstete Leute mit noch schlechterer Laune.

Somit ist nun alles fast perfekt. Das Land, das Ziel, der Trip, die Idee, der Plan und halbwegs das Wetter. Nun ging es ins Detail.

Interessante Fakten zurück zur Liste

Bevölkerungsdichte

Ab und an liest man von den Ufern des Khovsgol See, dass viel los ist. Wenn man aber von „viel los“ spricht, bezieht man sich nur auf die mongolischen Verhältnisse, denn global gesehen, hat die Mongolei die niedrigste Bevölkerungsdichte mit zwei Einwohnern pro Quadratkilometer, betrachtet nach dem politischen Territorium. Nur nach geographischen Aspekt wird die Mongolei noch durch Grönland auf Platz zwei verdrängt (0.14 Ew/km2). Zum Vergleich: Island hat 3,4 und Deutschland 230 Einwohner je Quadratkilometer. Vermutlich erwartet uns also in der Mongolei noch mehr Wildnis als in Kirgistan mit 28 Ew/km2 .

Einwohner / Fläche

Die Mongolei ist 4.5 x so groß wie Deutschland, hat aber nur 3 Millionen Einwohner, davon allein 1,5 Millionen in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Wenn man das auf den Rest des Landes projiziert, bedeutet es, dass sich am Ende 1,5 Millionen Einwohner ca. 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche teilen, Wahnsinn. Deutschland hat zum Vergleich 80 Millionen Einwohner. Die Mongolei ist auf Platz 19 der flächengrößten Staaten, aber nur auf Platz 124 von 195, wenn es um die Einwohnerzahl geht. Noch ein Zahlenspiel gefällig? Die Mongolei ist 1750x größer als unsere Hauptstadt Berlin, hat aber annähernd die gleiche Einwohnerzahl von 3.000.000 Millionen.

Reichstes Land

Die Mongolei könnte mit den großen Reichen dieser Welt mithalten, wenn sie nur wollten und könnten. Das Land sitzt auf Rohstoffen/ Bodenschätzen im Wert von 2,1 Billionen Dollar (zum Verständnis: 2.100.000.000.000 | 1 Billion sind 1000 Milliarden!). Damit ist jeder Mongole theoretisch Fast Millionär und hat 700.000 USD. Viele Investoren und Länder wie China und Russland werden aber durch das Investitionsgesetz gestoppt und beschränkt. Für die Natur sicher gut, die den sozialen Wohlstand eher nicht.

Extremes Klima

Die Ostgrenze der Mongolei ist 1000km vom Meer entfernt, das beschert dem Land ein extrem kontinentales Klima. Die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter können gewaltig sein, von -40 Grad im Winter bis +40 Grad im Sommer, aber auch die Tagestemperaturen können extrem schwanken, tagsüber im T-Shirt unterwegs, abends im Daunenschlafsack bei Minusgraden einkuscheln. Bedingt durch die Entfernung zum Meer gibt es weniger Wolken, weniger Niederschlag und viel Sonne. Der Juli und August sind mit je 10 Tagen die regenreichsten im Jahr, wobei die Niederschläge kurz und heftig ausfallen.

Kälteste Stadt

Klar, gibt es kältere Städte auf diesem Erdball, doch die Mongolei kann mit der kältesten Hauptstadt auf unserer Welt namens Ulan Bator / Ulaanbaatar auftrumpfen. Die Stadt hat eine Jahresmitteltemperatur von nur -4 Grad. Es wird im Sommer kaum wärmer als 20 Grad und im Winter ohne weiteres mal -40 Grad. Zum Vergleich: Berlin hat eine Jahresmitteltemperatur von 13 Grad.

Familie Baikalsee / Khovsgol See

Der Khovsgol See ist der kleine Bruder vom tiefsten See der Welt, dem Baikalsee, der nur 200km östlich von diesem hinter der russischen Grenze liegt. (Hinweis: Über den Grenzübergang dürfen nur Mongolen oder Russen!). Im Gegensatz zum 1650m tiefen Baikalsee ist der Khovsgol „nur“ 260m tief und auch 11,5 x kleiner als sein großer Bruder. Während der Baikal 20% aller Süßwasserressourcen auf unserem Planeten beinhaltet, schafft es der winzige Khovsgol nur auf läppische ein Prozent. Dafür gilt der Khovsgol aufgrund seiner Abgeschiedenheit laut Global Nature Fund als einer der saubersten Seen der Welt. Es gibt keine Großstädte am See, nur Khatgal im Süden mit 4500 und Khankh im Norden mit 2500 Einwohnern.

Das größte Reich

Dschingis Khan schaffte es, die einzelnen mongolischen Völker zu vereinen und legte damit den Grundstein dafür, das größte zusammenhängende Reich der Erdgeschichte zu schaffen. Von 1206 bis 1227 marschierte er zu Fuß und Pferd bis ans Kaspische Meer im Westen und ans Japanische Meer im Osten. Seine Nachfolger jedoch vergrößerten das Reich Richtung Osten dann sogar bis an die polnische Grenze und nahmen 2/3 der Türkei ein.

Vorbereitung und Planung zurück zur Liste

Ja, richtig, schon wieder ein Tier im Schlepptau. In Kirgistan sahen wir den unkomplizierten Umgang mit Pferden, die vielmehr für solche Trekkingtouren gemacht sind als Esel. Während man einem Esel nicht mehr als 30 Kilogramm zumuten sollte, kann ein Pferd 80 bis 90 Kilogramm tragen und schafft auch Tagestouren von 30 Kilometern locker. Daher planten wir nun anstelle von zwei Eseln ein Pferd ein, ausschließlich zum Tragen des kompletten Proviants und als Rastplatz für Täve.

Da wir in Kirgistan ja selbst keine Rucksäcke trugen, da die Esel bepackt werden mussten, wollten wir dieses Mal wieder ein wenig mehr aktiv sein, unsere Rucksäcke, wenn auch etwas leichter gepackt, selbst tragen. Unsere nicht mehr erhältlichen Gepäcktaschen nehmen wir wieder mit, hier könnt Ihr die für Euch passenden Taschen suchen. Das Transportmittel ist also ausgemacht, die Art der Unterkunft ja ohnehin keiner Diskussion wert. Da ist nun aber wieder ein anderes Problem. Proviant, Food Supply, Supermärkte etc.

In Moron, wo wir auch mit dem Flieger ankommen, gibt es noch ausreichend Infrastruktur (Banken, Supermärkte, Hotels), doch eine Autostunde weiter im Norden, wo der Khovsgol beginnt, liegt nur noch die 4500 Seelen Gemeinde Khatgal, die auch einen kleinen Einkaufsladen hat. Einen weiteren kleineren Ort gibt es am Nordufer namens Kankh. Doch hier ist bereits unklar, ob es Einkaufsmöglichkeiten gibt. Hier bedarf es im weiteren Verlauf noch mehr Planung und Recherche, jedoch haben wir eins fest eingeplant. Dieses Mal stürmen wir gleich die Nomadencamps um Milch, Brot und Butter zu kaufen. Food Supply wäre als letzte Option sicher noch ein Trumpf, jedoch sind die Straßenverhältnisse mittig oberhalb des Sees so schlecht, dass ich Keinem die Fahrt zumuten möchte, nur um uns zu versorgen.

Die meiste Recherche stecke ich aber aktuell in Verwirklichung unseres Transportmittels. Nach Kirgistan war uns klar, wenn wir wieder mit Tier ungeführt unterwegs sein wollen, müssen wir das Tier kaufen. Ausschlaggebend war sicher auch das Ziel Mongolei, da hier Pferde sehr günstig zu erwerben sind. Einige Veranstalter wie Stepperiders haben diesen Markt schon für sich entdeckt und bieten dies sogar aktiv an. Jedoch lokal nur in den beiden nahe der Hauptstadt gelegenen Nationalparks Gorhi Terelj und Khan Khenti.

Aber nicht nur das sprach gegen diesen Anbieter, sondern auch die Tatsache, dass vor einem Kauf des Tieres 5 Nächte im Camp je Person und Nacht zu 65 USD obligatorisch gewesen wären um das Tier und den Umgang mit diesem zu lernen. Das war uns zu viel Geld und zu viel Zeit, denn dass es anders geht, zeigte nach einer Weile Monogol Ujin Tour direkt in Khatgal am Südufer des Khovsgol Sees.

Hier war der Kontakt mit Dava sofort aufgeschlossen und kompetent. Trotz unserer nicht vorhandenen Erfahrungen mit Pferden bot sie uns an, doch besser ein Pferd bei ihnen ohne Guide zu mieten, ein Kauf sei unnötig. Perfekt, das Angebot mit 50.000 MNT/ 18 EUR völlig akzeptabel, sie bot uns sogar einen Transfer ab Moron Flughafen für 35 USD an, unwesentlich teurer als mit Transferbussen vor Ort. Dennoch warteten wir noch mit einer Zusage des Angebotes, denn wir waren mit den „falschen“ Eseln irgendwie vorgeschädigt und suchten noch ein wenig weiter, nicht nach dem günstigsten Angebot, sondern nach dem seriösesten.

Hier verschaffte mir nun Global Nature Fund einen Kontakt vor Ort, von dem ich ausging, dass das seriös sein muss, da dieser ja auch das Projekt „Bedrohter See 2015“ organisiert hatte. War dann wohl doch nicht so seriös, denn nach 2.5 Wochen hatte ich immer noch keine Antwort und so zurrte ich das Paket bei Mongol Ujin Tour fest. Die Hälfte des Gesamtpreises musste nun überwiesen werden, dabei haute es mich aus den Socken: 42 Euro Bearbeitungsgebühren! Also wenn es irgendwie geht, versucht mit Dava was anderes zu vereinbaren, bspw. Paypal oder Kreditkarte.

Währenddessen sitze ich nun Abend für Abend vorm Rechner und plane wie wild die Route. Ihr fragt Euch sicher, mit was? Mongolei ist nicht Réunion, sprich wo es wenig Tourismus gibt, existieren auch wenige GPS Karten. So wie in Kirgistan musste ich also wieder auf die guten alten Militärkarten bauen, die nun sogar aus den 70iger Jahren stammen. Dabei geht es mir aber immer nur darum, dass da mal ein Weg existiert hatte, sprich eine Möglichkeit besteht, dort auch zu Fuß lang zu kommen, unabhängig vom Zustand des Weges.

Diese Karten gab es sogar als Vektorkarten (statische Landkarten) für das Garmin online zu kaufen. Jedoch kann man nur bis auf 1 Kilometer einzoomen, für wandern sind aber 120 Meter besser geeignet. Neben dieser Karte auf dem Garmin habe ich also noch eine OSM Karte frei heruntergeladen und mir selbst noch über eine russische Seite IMG Dateien runter geladen und zu einer Garmin Datei zusammengebastelt. Letztere stellt die meisten Details dar. Mit drei Garmin Karten und den Militärkarten sind wir sicher unterwegs und können stets operativ auf Streckenänderungen reagieren.

Ist für den Khovsgol besonderes Equipment nötig? Ohne Wenn und Aber auf jeden Fall der Satelliten Messenger Delorme, denn so abseits aller Ortschaften gehen wir davon aus, dass auch der Handyempfang nicht garantiert werden kann, zumal Ihr vorab checken solltet, ob Euer deutscher Provider überhaupt Verträge mit mongolischen Providern hat. Ansonsten benötigt Ihr noch eine Prepaid Sim vor Ort. Wir verzichten darauf, da Vodafone World Data Pakete anbietet. Unschlüssig bin ich dagegen noch, ob dieses Mal wieder das Solar Panel mit im Gepäck ist oder aufgrund mangelnder Sonne vielleicht doch eher ein weiterer Powerbank mitkommt. Für die kalten Nächte kommen die Daunenschlafsäcke mit und für die fröstelnde Frau die Taschenöfen. Benzinkocher ist in so abgelegenen Regionen definitiv das Nonplusultra, nicht vorstellbar, dass dort Jemand Schraubkartuschen verkauft.

Den Hobo wollten wir erst zu Hause lassen, da wir von vielen Feuerstellen gelesen hatten. Ich bekam dann aber einen Tipp, diesen doch besser einzupacken, da es dort schon sehr trocken ist und Waldbrandgefahr ein Thema ist. Ein HoBo lässt sich da erstens besser kontrollieren und zweitens als Kochstelle leichter handhaben. Dafür werden wir nun für die gesamte Zeit nur eine 1.5 Liter große Benzinflasche mitnehmen und den Kocher nur in den baumlosen Gegenden oder bei Nässe benutzen. Effektiv bedeutet das am Stück bei 3x Nutzung am Tag ca. 15 Tage Brenndauer, der Rest 10 Tage HoBo. Als Schlechtwetteroption mit viel Platz und Vorraum ist auf jeden Fall wieder das Keron 4GT die beste Wahl.

Permits ohne Ende | verworrenes Thema zurück zur Liste

Möchte man den See umrunden, befindet man sich die meiste Zeit im Khovsgol Nuur Nationalpark. Darüber findet man im Internet aber nur sehr wenig. Einzig fand ich eine Karte mit interessanten Infos zum Download. Hier kann man entnehmen, dass allein der Park Eintritt 1000 MNT / 1 EUR pro Tag kostet. Kurz vor Khatgal muss man diese am Parkeingang bezahlen. Am Südwestufer schließt sich nahtlos die Khoridol Saridag Strictly Ristricted Area an. Hierzu gibt es keine Infos mehr, außer das man eine Extra Permit benötigt. Wo man diese aber herbekommt und was sie kostet, bleibt offen.

Mongolei Packpferd Trekking
Die Nationalparkgrenzen im Überblick
 

Eine weitere Permit benötigt man, wenn man in das nordwestliche gelegene Gebiet Tsagaan Nuur reisen möchte. Das abgelegene Gebiet um den See und weiter nördlich/westlich davon ist sicher kulturell und traditionell von der heutigen Gesellschaft noch relativ unberührt und es gelten gewissen Regeln um sich dort richtig zu verhalten. Worauf man achten sollte, wenn man das Tsaatan Volk besucht, könnt Ihr hier nachlesen. Die Permit müsst Ihr vorab in Murun im Border Patrol Büro (neben der Polizei Hauptwache) beantragen und ist kostenlos. Das kann aber ein paar Tage dauern.

Als ob es nicht genug wäre, benötigt man auch noch eine generelle Border Permit, da man sich nahe der russischen Grenze bewegt. Die Border Permit scheint auch kostenfrei zu sein und man kann sich mit dieser bis 15 Kilometer zur Grenze annähern. Da aber zwischen dem Nordufer und der Grenze nur 13 Kilometer liegen, bin ich mir noch nicht so recht sicher, ob man mit dieser Permit dann auch dort am Nordufer lang darf oder wegen der 2 Kilometer ein Fass aufgemacht wird, wenn man denn dann mal kontrolliert wird.

Für uns ist es schon ein undurchsichtiges Thema und aktuell ist uns nur klar, dass wir Parkeintrittgebühren zahlen müssen und eine Border Permit benötigen. Ob es aber am Ende noch mehr bedarf, weiß ich nicht und daher habe ich im ODS eine Diskussion angeregt, um weitere Informationen von Insidern zu erhalten. Nach unserer Reise werden wir hier noch einmal unsere Erfahrungen schildern.

Unsere Erfahrungen: Die Permits scheinen für die Tourenanbieter kostenfrei zu sein und ich denke auch, wenn man diese in Murun selbst besorgt. Wir hatten sie kostenfrei bekommen, diese war dann für alle Sums, das Khoridol Saridag und für die 15km Zone nach Russland ausgestellt. Wirklich kontrolliert wurden wir nur einmal, wobei es unklar ist, ob der Kontrolleur legitimiert war oder nur Geld mit uns machen wollte. Jedenfalls hat ihn die Permit abgeschreckt und sich auf keine weiteren Diskussionen eingelassen. Ob man sie nun braucht? Besser haben als hätte. Der Parkeintritt dagegen wird sofort pro Person mit 3000 MNT / 1 EUR fällig und gilt für den gesamten Aufenthalt.

Die Eintrittskarte für den Nationalpark
Das kleine Regelwerk auf der Rückseite
Die Permit

Unsere Tour im Überblick zurück zur Liste

So sah der Plan aus

Einmal um den See, das war sofort klar, denn die Größe des Sees und die zur Verfügung stehende Zeit passen super. So ist auch noch Puffer, um ein wenig in das Hinterland auszuweichen, denn das Westufer bis zur Mitte des See soll schon eher überlaufener sein, für mongolische Verhältnisse. Wir wollen also erst wieder auf den Seeweg stoßen, wenn es keine Straßen mehr gibt. Also schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, wir sind allein uns einsam unterwegs und wir können die größtenteils weglose Khoridol Saridag Ristricted Area im Südwesten durchwandern.

„Viel los am See, am Arsch der Welt in den Bergen“, dies gilt auch für das Ostufer, wo die einzige durchgehende Straße am See langführt, wenn man dieses durchgewühlte Etwas überhaupt so nennen darf. Ein Weltreisender beschrieb diesen Wegabschnitt mit den Worten „Das Schlimmste, was ich auf 15.000 Kilometer Straßen erleben musste“.

Trotz allem wird an den Ufern mehr los sein und wir wollen etwas in die grünen Hügel ausweichen und versprechen uns somit von den höher gelegenen Punkten auch eine traumhafte Aussicht auf den See. Nur aus Zeitnot werden wir den direkten Seeweg am Ostufer wählen, der 70 Kilometer und somit 3-4 Tage kürzer wäre.

Somit wird die Runde alles in allen um die 420 Kilometer betragen. Klingt viel, aber angesichts dessen, was wir 320 Kilometern mit langsamen Eseln sowie extremen Bergpässen in Kirgistan geschafft haben, scheint mir die Tour realistisch genug. Bei 25 Tagen macht das 17 km/ Tag, jedoch müssen wir noch berücksichtigen, dass wir aller 5-6 Tage einen Pausentag einlegen wollen, um dem Pferd Ruhe zu gönnen, macht also am Ende 21-22 Tage und ca. 20 km/ Tag. Das ist weder für Pferd noch für uns eine Strapaze, da das Pferd locker 30 km/ Tag schaffen könnte und am Ende noch nicht einmal voll beladen sein wird. Wir planen mit Täve und Essen um die 60 bis 70 kg, maximal zulässig um die 90 kg. Dazu kommt noch das flache Gelände am See entlang und die eher weniger steilen und kurzen Bergpässe im Hinterland, die ein schnelles Vorankommen ermöglichen werden.

 

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So kam es am Ende

Es stand ja relativ sicher fest, den direkten Weg nach Renchi durch das Khoridol Saridag einzuschlagen. Mein Wunsch war es, den Umweg (gelbe Route oberes Bild) durch das wilde Gebirge einzuschlagen, da ich von ausgegangen war, dass der direkte Weg sehr befahren sei. Doch bereits am Ende des zweiten Tages waren wir auf einsamen Wegen unterwegs und so entschieden wir uns gegen den gelben Abzweig um somit auch Puffer für den Umweg am Ostufer des Sees zu haben.

Ab Renchi folgten wir gen Osten direkt den Weg zum See wie geplant und auch weiter bis in den Norden des Sees und bis zum kleinen Ort Khankh blieben wir auf Kurs. Ab Khankh folgten wir kurz dem Hauptweg am See entlang, bogen bereits nach einem Tag ins Hinterland ab um nun einsam abseits der Hauptiste am See voranzukommen. Jedoch war dieses Hinterland wilder, unwegsamer und unbezwingbarer als gedacht, so dass wir nach 2 Tagen die Flucht an den See antraten, um weiter im Plan zu bleiben und besser voranzukommen. 2 Tage später waren wir dann auf der Hauptroute, einer verschlammten Piste.

Widererwarten ruhig und nicht mehr als 5 Autos am Tag, ging es hier also auf dieser Richtugn Süden. Geplant war dann neben dieser Hauptpiste direkt am See zu marschieren. Der Plan ging nicht auf, der Pfad war nicht mehr vorhanden, wieder irrten wir durch unwegsame, verwucherte Wälder. Das „Frustcamp“ war der passende Name für das am Abend errichtete Camp. Wir blieben fortan auf der Hauptpiste, die aber nie überlaufen war. Jedoch war es nicht mehr wild und einsam und es folgte aller 5 km Jurte auf Hütte.

Am Ende schafften wir die Umrundung des Sees, wo dabei die letzten drei Tage nur noch dem „Kilometer schrubben“ galten um das Ziel zu erreichen. Wir ließen uns aber immer wieder von der Natur motivieren um das Tagespensu zu schaffen. Die Tagesetappen lagen zwischen 11 und 33 Kilometer. Es gab zwei Ruhetage, einen am Flusscamp und einen in dem Örtchen Khankh. Erstere wegen der schlechten Wetterlage, der andere um Geld, Proviant, Benzin und Motivation aufzutanken. Unterm Strich schafften wir ca. 450 km, was im Durchschnitt ca. 18 bis 19 km pro Tag bedeuten. Wir entschieden immer nach Motivation, Aussicht, Lust und Wetterlage, wann wir das Camp bezogen oder weiterliefen.

Abschließend sind wir zufrieden mit dem gesamten Verlauf der Route, wären sicher aber gern am Ostufer lieber weiter wild und einsam im Hinterland weiter gewandert. Doch zum richtigen Zeitpunkt haben wir die Reißleine gezogen und die einzig richtige Entscheidung getroffen. Wenn Ihr die Gpx Datei benötigt, klickt hier . Allerdings ist die Aufzeichnung erst ab dem 21.August, die ersten 5 Tage sind nach meinen Erinnerungen manuell hinzugefügt worden.

 

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Video unserer Tour

Nützliche Links und Downloads zurück zur Liste

Mongol Ujin Camplokaler Veranstalter direkt in Khatgal, der auch Pferde ohne Guide vermietet
Info rund um den KhovsgolEnglische Informationen zum See und den Orten herum als Download.
Stepperidersungeführtes Horse Trekking nördlich von Ulaan Baatar
Global Nature FundDer Khovsgol See | bedrohter See 2015
Militärkarten und GarminHier gibt es die Militärkarten kostenfrei zum Download. Ebenfalls IMG Dateien zum Download für Garmin. Müssen allerdings noch zusammengebastelt werden. Leider alles auf russisch.
Militärkarten kostenfrei | englischHier gibt es die Militärkarten auf einer englischen Homepage, dafür fehlen hier die IMG Dateien.
Tsaatan GemeindeWenn Ihr weiter westlich des Sees reisen wollt, solltet Ihr Euch hier einlesen | Permits, Verhalten, Leben.
Mongolia HolidayWie kaufe ich ein Pferd? Hier werden Euch auf Englisch Tipps gegeben.
Topogarmin.ruHier gibts die alten Militärkarten als 2.7 GB große Vektordatei für Garmin zu kaufen, ca. 30 Euro.
ODS Diskussion zu den PermitsHier habe ich eine Diskussion mit Fragen angeregt, da das Thema Permits vor Ort sehr unübersichtlich erscheint.
Khovsgol Map Guideenglische Version zum Download. Eine Übersichtskarte mit vielen Informationen.
Khovsgol DetailsWeitere Detailinformationen zum Nationalpark und Umgebung

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Direkt zu den einzelnen Tagen klicken

1.Abschnitt Khatgal – Renchinlkthumbe 6 Tage 122 Kilometer
1.Tag Frostcamp | 2.Tag Mückencamp | 3.Tag Regencamp | 4.Tag Passcamp | 5.Tag Sumpfcamp | 6.Tag Renchicamp |FAZIT 1.Abschnitt

2.Abschnitt Renchinlkthumbe – Khankh 7 Tage 140 Kilometer
7.Tag Dürrecamp | 8.Tag Flusscamp | 9.Tag Flusscamp | 10.Tag Kaltwassercamp | 11.Tag Mondcamp | 12.Tag Halbinselcamp
13.Tag Hügelamp | 14.Tag Khankh | 15.Tag Khankh | FAZIT 2.Abschnitt

3.Abschnitt Khankh – Khatgal 10 Tage 200 Kilometer
16.Tag Wurzelklocamp | 17.Tag Herdencamp | 18.Tag Koppelcamp | 19.Tag Seesichtcamp | 20.Tag Warmwassercamp | 21.Tag Frustcamp
22.Tag Stacheldrahtcamp | 23.Tag Buchtcamp | 24.Tag Resortcamp | 25.Tag Khatgal |FAZIT 3.Abschnitt

 

Wer von Euch das existierende Bild der Mongolei behalten möchte, der sollte hier nicht weiterlesen. Wer aber wissen möchte, wie die Mongolei auch aussehen kann, was sie so abwechslungsreich macht und warum wir nach diesem Urlaub meinen, dass die Mongolei das bisher schönste Trekkingziel war, der sollte gespannt bleiben und Bild und Text auf sich wirken lassen. Bei keinem anderem Reiseziel ist es uns schwerer gefallen, die Heimreise anzutreten, obwohl es wohl unsere härteste Tour war. Das sagt doch viel aus, dass es alle Strapazen nicht geschafft haben, dieses unbekannte Fleckchen Erde zu verfluchen.

So stellt man sich die Mongolei vor: endlose Weiten ohne Bäume Ab und an Jurten, steppen-ähnliche Weiden. Hier und da kleinere verträumte Ortschaften
So haben wir es aber auch kennengelernt: bergig bis 3000m, dann wieder eben, später nur noch hügelig, abwechslungsreich, grün, bewaldet, pflanzenreich, einsam
seenreich und doch wasserarm, heiß und doch eiskalt, viel Aussicht in die Ferne, wenig Tourismus, gastfreundliche Leute

Wir müssen uns noch sortieren, doch wir wussten bereits vor Ort, dass die Mongolei uns mehr zu bieten hatte als Kirgistan. Wer hier aber spektakulärere Artisten als Pommé und Pony in Kirgistan erwartet, der wird enttäuscht. Mit Maximus hatten wir dieses Mal ein durch und durch geländetaugliches Pferd. Es gab keine Situation, die er nicht meisterte. Nichtdestotrotz lief der Urlaub nicht nach Plan A ab. Es gab viel brenzlige Situationen, Fehlentscheidungen und -tritte, Aufgabemomente, aber auch Glücksmomente und diese tollen wiederkehrenden Phasen des Innehaltens und des puren Genusses des Jetzt und Hier.

1.Abschnitt Khatgal – Renchinlkthumbe 6 Tage 122 Kilometer

1.Tag | Frostcamp zurück zur Liste
Die Nacht zuvor hatten wir das letzte Mal warm geduscht, ein leckeres Abendmahl vorgesetzt bekommen und in einem zivilisiertem Bett geschlafen. Das alles tauschten wir nun gegen ein Pferd ein. Ob der Tausch ein gutes Geschäft war, würde sich nun Tag für Tag herausstellen. Dava, die Chefin des Camps, gab uns letzte Anweisungen. Der Schimmel stand abmarschbereit und voll beladen in den Startlöchern. Dava’s Mann wollte auch noch unsere Rucksäcke dem Pferd aufbürden, aber im Gegensatz zu Kirgistan war das nicht notwendig um das Pferd zu motivieren. Wir trugen sie also dieses Mal selbst. Auf dem Pferd lasteten nun fortan Täve mit 20 kg und ca. 30 bis 40 kg Proviant und Ausrüstung.

Ortsausgang der 4500 Seelengemeinde Khatgal

Schon vor dem Urlaub stand fest, wir würden das Pferd Maximus nennen, aus dem Trickfilm Rapunzel, ohne zu wissen, dass auch wir einen Schimmel bekommen würden. Dava versicherte uns, dass er sehr einfach in der Handhabung sei, keine Macken hat und für Anfänger wie uns ideal sei. Wir gingen trotzdem nicht locker und fahrlässig an die Sache heran, sondern tasteten uns an ihn und er sich an uns heran. Daher planten wir heute keine Mördertour, sondern einfach nur raus aus Khatgal, ein wenig einlaufen, schauen wie es läuft und zur richtigen Zeit das Camp aufbauen.

Für die richtige Platzwahl des Nachtcamps musste nun neben Wasser und eventuell noch Holz eine saftige grüne Wiese mit Delikatessen vorhanden sein. Außerdem musste am Nachmittag und am Morgen eine halbe Stunde mehr Zeit fürs Pferd eingeplant werden. An-/abpflocken, An-/absatteln, Gepäck ent-/beladen und Streicheleinheiten sowie bevorzugte Gräser servieren. Von Anfang an versuchten wir uns bei Maximus einzuschleimen. Die grünen Gaben nahm er immer wohlwollend an.

Erste Keks-Pause zwischen Kühen, im Hintergrund das ausgetrocknete Flussbett und die Hauptpiste

In meiner Karte war die Beschaffenheit des Weges als Pfad deklariert. Doch bald stellte ich fest, dass hier alles in der Karte als Pfad bezeichnet wurde. Ob nun 30cm oder 5m breit, ob nur ein Trampelpfad oder eine schlammig schlotterige Autopiste. Leider entpuppte sich der erste Teil des Weges aus Khatgal heraus als große Piste, die mit Umwegen über die Berge wieder an den See führen sollte. Also hofften wir nun darauf, dass der morgige Tag die Erkenntnis bringen würde, dass es ruhiger werden würde, weil wir ja weiter in die Berge wollten und sich die Wege trennen würden. Wir folgten also heute der Richtung der großen Piste, jedoch mit weitem Abstand auf einem Pferdetrail.

Bald würden wir aber wieder die Hauptpiste erreichen und da kam ein kleines Wasserloch doch wie gerufen. Alles da, was Mensch und Tier braucht. Vermutlich noch ein wenig beeinflusst von den schlechten Erlebnissen in Kirgistan, vertrauten wir erst einmal Niemanden so richtig und versteckten uns samt Pferd und Keron 4 GT im Unterholz. Leichter gesagt als getan, zumal das Zelt mit seinem knalligen rot förmlich heraus schreit „Hallo, hier bin ich!“ und dem Pferd schwer zu erklären war, dass es doch hinter den Bäumen geduckt fressen soll. Wir hatten doch irgendwie eher davor Angst, dass Jemand uns das Pferd stehlen würde als das uns was passieren könnte. Jedoch sollten wir bald diese Gedanken verlieren und dem entspannter entgegen sehen.

Frostcamp im Dickicht

Der erste Tag lief super, Täve errichtete wieder seinen Einkaufsladen, noch war genügend vorhanden um diesen Laden zu füllen. Wir genossen die Abendsonne, die zwischen den Lärchen hindurch schien und freuten uns auf die erste Zeltnacht in mongolischer Umgebung. Wir tauften am kommenden Morgen den Platz auf Frostcamp. Der Name war die ganze Nacht Programm gewesen und wir waren noch nicht einmal direkt im Gebirge auf 2000 Meter gewesen. Ich machte mir so meine Gedanken, wie wir uns nun arrangieren sollten. Wir hatten zwei Daunensäcke bis -15 Grad dabei und einen Kunstfasersack bis 0 Grad plus Fleeceinlet. Geschätzt hatten wir die Nachttemperaturen auf -5 Grad, das Zelt und die Wiese waren gefroren.

Mongolei Packpferd Trekking
Täve’s Shop, mit WC (Loch vorne links)

2.Tag | Mückencamp zurück zur Liste
Der flexible Zeitplan sah so aus, dass wir lieber am Morgen ausschlafen und uns Zeit lassen und dafür am Nachmittag nicht so viel Zeit am Camp verbringen. Also gegen 7/8 Uhr aufstehen, entspannt frühstücken am Lagerfeuer, zusammenpacken und nach 2.5 Stunden Abmarsch. Dann in regelmäßigen Abständen kleine Pausen von 5-10 Minuten. Wir entschieden immer nach Aussicht, Lust und Wetter. Meist aber immer 6-7 Kilometer laufen. Nach 60- 70% der Tageskilometer planten wir die Mittagspause ein. Anfangs haben wir kalt gegessen, dann kam ich dem Wunsch meiner Mitreisenden nach, mittags doch bitte warm aufzutischen. Zeit hatten wir dafür genug.

Gegen 16/17 Uhr bezogen wir meist einen geeigneten Platz, es gab aber auch Tage, wo wir später loskamen und dann auch 18 Uhr ankamen. Die Sonne ging 20 Uhr unter, Zeit war also nie wirklich ein Druckmittel. Heute war Tag der Wahrheit. Würde unsere Wegverlauf etwa weiterhin so eine Riesenpiste sein, die zudem auch sehr gut befahren war, also für mongolische Verhältnisse bedeutet das ca. 3 Autos in der Stunde. Ich hatte noch ein Ass im Ärmel, was ich dann gern gezogen hätte. Es wäre eine 30 Kilometer längere Option durch das unwegsame Gebirge gewesen, ohne jedoch zu wissen, wie viel Gras wir dort noch Maximus hätten bieten können. Es wäre baumloser und alpiner geworden und hätte länger gedauert.

Gegen Mittag dann der entspannte Blick nach links, wo nur noch ein Pfad und eine wenig benutzte Autopiste lang führte. Dort gingen wir nun lang und ließen die große Hauptpiste hinter uns. Nun wurde es auch für uns ruhiger. Die ansteigenden Täler verengten sich nun zunehmend und der Baumbestand sollte auch noch abnehmen. Heute würden wir aber den ersten Pass dieses Abschnittes auf 2310m nicht mehr bewältigen. Doch wir hatten da ein aufkommendes Problem, mit dem wir hier in den Bergen nicht gerechnet hatten. Seit Start, also 30 Kilometern, hatten wir keinen Bach, kein See oder andere natürliche Wasserquelle gesehen. Dreckige Pfützen gab es genug und das Wasserloch am Frostcamp hatten wir auch nur durch Zufall gefunden.

Mongolei Packpferd Trekking
Der Eingang zum Khoridol Saridag, nun sollte es ruhiger werden
Mongolei Packpferd Trekking
Links ist der Weg zu sehen, dem wir nun folgen würden

Wir standen also an dem Punkt, auf 2000 Meter Höhe nach einer Wasserquelle zu suchen. Das hätte Zeit gekostet oder wir wären weiter höher Richtung Pass gelaufen, wo jedoch die Chancen nach Wasser sicher abnehmen würden. Wir entschieden uns also, eine Pause an einer Flussbettgabelung einzulegen, wo sich drei Flüsse trafen. Ich ging im ausgetrockneten Flussbett entlang, entschied mich für den kleineren und schattigsten von ihnen. Um jede Kurve hoffte ich auf kühles Nass. Meine ausgetrockneten Lippen hofften mit, mir lief das Wasser im Mund zusammen. Doch immer wieder die nächste Enttäuschung. Trockene Steine, trockener Kies und kein Wasserloch. Ich war 5 Minuten gelaufen und auf einmal blendete mich die Sonne, die sich im Wasser wieder spiegelte. Meinen Glücksschrei konnten Yvonne und Täve hören.

Mongolei Packpferd Trekking
Die Wälder wurden kleiner, die saftigen Wiesen nahmen zu, ganz zur Freude Maximus‘

Wir suchten uns nahe der am Ende drei vorhandenen Wasserlöcher ein tolles Camp raus. Das Wasserproblem schien auch den örtlichen Guides bekannt zu sein, die Wasserlöcher aber auch. Bald gesellte sich eine Reitergruppe dazu, die unweit von uns Stellung bezogen. Wasser war für alle genug da und Maximus hatte so ein paar Freunde in seiner Nähe. Dieses Mal konnte alles nicht schnell genug gehen. Nach dem Zeltaufbau musste sofort ein Feuer gemacht werden, obwohl die Sonne noch ordentlich einheizte. Die Mücken waren unerträglich, das Camp bekam ohne Widerspruch den Namen Mückencamp.

Mongolei Packpferd Trekking
Das Mückencamp, hinter der Baumreihe waren die Wasserlöcher

Warum wir den Camps Namen geben? Um später diese besser in Erinnerung rufen zu können und sich auch besser unterhalten zu können. Das Camp wird immer nach irgendwas signifikanten benannt. Das hat sich bei uns bewährt und wir können so besser und schneller zuordnen.

Was würde nun diese Nacht für Temperaturen bringen? Wir zogen uns vorsorglich wärmer an, aber man merkte schon am Lagerfeuer, dass es heute milder war. Während Maximus noch aufgeregt im Kreise herum schlich, weil in seiner Nähe Stuten grasten, spielten wir im Zelt noch ein wenig Karten und dezimierten die Süßkramvorräte.

Gefällt Euch unsere Tour? Hat sie Euch gefesselt? Wollt Ihr wissen, wie es weiter geht, wo es uns noch hintreibt und welche Abenteuer wir noch erleben? Dann lest hier den 200 seitigen Reisebericht über eine der wenigen letzten Ecken dieser Welt, die noch nahezu unentdeckt sind.


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