Mongolei  |  Trekking mit Pferd um den Khovsgol See

Khuvsgul Lake | Khövsgöl Nuur | Huvsgul Lake | Chöwsgöl Nuur | Hovsgol Dalai

 

 

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Reiseziel im Überblick
Einleitung
Der Khovsgol See | Der große Unbekannte
Vorbereitung und Planung
Interessante Fakten
Permits ohne Ende | Verworrenes Thema
Unsere Tour im Überblick
LIVE dabei sein und unserer Route folgen
Nützliche Links und Downloads
Reisebericht

 
 

 
 

Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Mongolei | Nordwesten nahe russischer Grenze | Khovsgol See | nördlich der Stadt Moron gelegen

Reiseroute

Ab Khatgal im Uhrzeigersinn um den See, teilweise am Ufer, meist aber ferner durch das gebirgige Umland

Reisezeit | Dauer

14.August bis 11.September | 4 Wochen

Klima | Wetter

Kontinentalklima | tagsüber warm, ca. 5 Regentage/ Monat, nachts kalt bis an Gefrierpunkt | durschnittlich 2000m Höhe

Reiseart | Aktivität

Horsetrekking, ein Pferd als Proviantträger und als Rastplatz für Täve

Übernachtung

ausschließlich im Zelt, vermutlich auch einmal eine Nacht in den Ger Camps

Flora | Fauna

ausgedehnte Wiesen, Lärchenwälder | Steinböcke, Wildschafe, Zobel, Bären, Murmeltiere, Vielfraße, Elche, Rentiere, aber auch Wölfe und Schneeleoparden und jede Menge Pferde

Sicherheit | Tourismus

absolute Wildnis, keine Beschilderung der Wanderwege, Umgang mit GPS und Kompass wichtig, einige verstreute Nomadencamps, kein Handyempfang | für europäische Verhältnisse wenig Tourismus bis Ende August, danach einsam, Ostufer weniger überlaufen, Khatgal am Südufer konzentriert viel Ausflugstourismus

Anreise

Mit Miat Airlines direkt nach Ulaan Bataar, Weiterflug nach Moron, Privattransfer nach Khatgal, Rückflug mit Turkish Airlines

Wildnis Faktor

extrem hoch, da abgeschieden und schwer erreichbar, unbekanntes Gebiet

 

 

Einleitung  zurück zur Liste

Mittlerweile haben wir nun doch schon einige Ziele bereist und können Vergleiche anstellen. Dabei kamen wir aber immer wieder zu der Erkenntnis, dass Kirgistan der bislang schönste Trip von allen war und das trotz der vielen Zwischenfälle. Die Erklärung dafür liegt klar auf der Hand. Wir waren damals lange allein unterwegs, trafen auf wenig Leute, waren am Stück unterwegs ohne Transfers zwischen den Touren. Mir schwebte schon länger die Mongolei als Reiseziel vor Augen, im Ranking immer weit oben. Es schoben sich aber immer wieder andere Reiseziele nach vorn, so auch dieses Jahr mit Ecuador und Galapagos. Genau dieses Ziel hätte aber wieder viele Transfers und dazwischen viel Zivilisation bedeutet.

Bei unseren abendlichen Gesprächen über mögliche Ziele warf ich immer wieder Mongolei als Ziel ein, irgendwann gab dann Yvonne nach und sagte „Gut, dann machen wir halt Mongolei. Kirgistan wollte ich am Anfang ja auch nicht und war am Ende so begeistert“. Dies gab nun den Ausschlag dafür, alles in die Wege zu leiten, damit der Urlaub wieder ein voller Erfolg wird.

 

Am Arsch der Welt in Zentralasien zwischen Russland und China

 

Doch nun fragt Ihr Euch sicher, wie man auf ein zwar bekannt klingendes Land wie die Mongolei kommt, aber jedoch so wenig über diesen Fleck Erde weiß. Bei den meisten klingelt es, wenn die Stichworte Ulaanbaatar , Dschingis Khan oder Wüste Gobi fallen, aber sicher nur, weil es im Geographie oder Geschichte Unterricht in der Schule durchgekaut wurde. Genau so war es bei uns auch, aber was hat uns also dann bewegt, dieses Land zwischen Russland und China als interessant zu empfinden? Schuld war dieser Artikel von Global Nature Fund, einer Organisation, mit der ich beruflich in Verbindung stehe. Nach diesem Artikel war ich Feuer und Flamme. Drei Jahre hat es gedauert, nun ist es bald so weit.

Doch warum muss man immer wieder so weit in die Ferne schweifen, liegt doch das Gute oft so nah. Viele fragen uns immer, ob dort, wo wir hinreisen, die Natur anders aussieht, die Berge schöner sind, die Bäume anders wachsen. Natürlich nicht. Doch die Natur, die wir dort vorfinden werden, ist unberührter, einsamer und wilder als alles, was man in Europa findet. Dazu kommt auch, vor Ort sich einmal mehr bewusst zu werden, wie andere Menschen leben, einfach aber zufrieden.

 

 

Der Khovsgol See | Der große Unbekannte  zurück zur Liste

Eine Reise in die Mongolei wird sofort mit der Wüste Gobi verbunden und wird uns meist auch als Frage gestellt, ob wir denn dorthin reisen. Sicher, ein Trip auf einem Kamel wäre sicher was für Täve, aber Wüstenklima, Trockenheit und spärliche Vegetation spricht nicht gerade für so eine Region. Als Mongolei feststand, schauten wir aber trotzdem nach links und rechts, ob es da noch was anderes außer diesem See gibt. Nationalparks gibt es genügend, auch groß genug um allein in einem Park vier Wochen zu verweilen. Einige liegen nahe der Hauptstadt, einfache und schnelle Transfers hätten genau so dafür gesprochen wie die Möglichkeit, online über einen Anbieter ein mongolisches Pferd zu kaufen. Andere Regionen wie das Altai Gebirge liegen wieder zu weit weg, zu schwer erreichbar und sicher im August schon zu spät von der Reisezeit.

Der Khovsgol See liegt hier irgendwo in der Mitte. Nicht ganz zu leicht zu erreichen, etwas ab vom Schuss, aber immer noch im Rahmen unserer zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten. Außer dem Artikel von Global Nature Fund findet sich nur wenig im Netz über diese Region. Der große Unbekannte im Nordosten der Mongolei ist dagegen für die Mongolen selbst ein Begriff, da er sich seit der Erschließung 2014 besser und schneller erreichen lässt und als Erholungsort für Einheimische im Sommer dient. So werden vor Ort vermehrt Reittouren und Ausflüge von lokalen Veranstaltern angeboten. Für Ausländer scheint es aber eher ein sehr unbekanntes Ziel zu sein. Man findet ein paar spärliche Reiseberichte, meist dann auch vor Ort mit lokalen Guides unternommen. Es fand sich aber nichts über ungeführte, längere Trekkingtouren. In mir wuchs der Gedanke, den See zu umrunden. Bei 3.5 Wochen vor Ort sollte genügend Puffer sein, um auch ausgedehnt das Hinterland zu durchstreifen und die etwas überbevölkerten Uferstreifen zu umgehen.

 

test
Vergleich Bodensee | Khovsgol See – doppelt so groß

 

Es stand nun außer Frage, woanders hinzureisen. Die Bilder im Netz, die Beschreibung der Landschaft, das sprach alles für diesen See. „Hätte die Schweiz und Montana ein uneheliches Kind, es würde Khovsgol heißen“ beschreibt sicher am besten diese Region. Während aber die Nationalparks nahe der Hauptstadt mit vielen Informationen den Touristen das Spiel leicht machen, sucht man sich beim Khovsgol dumm und dämlich. Mittlerweile sind einige Informationen zusammen gekommen, die aus stundenlanger Recherche mehr Aufschluss geben. Aber auch die vielen Permits oder die vorhandenen Bären und Vielfraße schreckten uns nicht von unseren Vorhaben ab. In der anderen Waagschale lagen nämlich Argumente wie legal wild zelten, genügend Trinkwasser Ressourcen, unberührte Wildnis und die Möglichkeit vor Ort ein Pferd als Packtier zu mieten bzw. zu kaufen.

Einer der Pferdeanbieter meinte, dass wir mit Mitte August bis Mitte September leider die falsche Reisezeit für den Khovsgol gewählt hätten und versuchte uns auf südlichere Regionen umzustimmen. Doch unser Reisezeitraum scheint in vielerlei Hinsicht wie gemacht für uns zu sein. Erstens findet Anfang August der Sunrise-to-Sunset Lauf statt, wo ziemlich viel Trubel ist. Zweitens soll die Verfärbung der Lärchen im Herbst ein Traum sein und drittens ist Ende August weniger los. Einzig das Wetter wird uns wohl nicht ganz in die Karten spielen, aber geschwitzt habe ich noch nie gerne. Der August gilt in der Region mit 5 Regentagen als regenreichster Monat, jedoch ist von kurzen Regenabschnitten die Rede und das Wolken-Sonne-Spiel muss wohl atemberaubend sein. Während es tagsüber schon auch mal 25 Grad werden können, sinken die Temperaturen Anfang September in der Nacht schon mal gen Null und mit ersten Schneefällen ist zu rechnen. Warum, wird einem klar, wenn man die Höhe des Sees auf 1600 Metern betrachtet, der von 3000ern umgeben ist. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlecht ausgerüstete Leute mit noch schlechterer Laune.

Somit ist nun alles fast perfekt. Das Land, das Ziel, der Trip, die Idee, der Plan und halbwegs das Wetter. Nun ging es ins Detail.

 

Interessante Fakten  zurück zur Liste

Bevölkerungsdichte

Ab und an liest man von den Ufern des Khovsgol See, dass viel los ist. Wenn man aber von „viel los“ spricht, bezieht man sich nur auf die mongolischen Verhältnisse, denn global gesehen, hat die Mongolei die niedrigste Bevölkerungsdichte mit zwei Einwohnern pro Quadratkilometer, betrachtet nach dem politischen Territorium. Nur nach geographischen Aspekt wird die Mongolei noch durch Grönland auf Platz zwei verdrängt (0.14 Ew/km2). Zum Vergleich: Island hat 3,4 und Deutschland 230 Einwohner je Quadratkilometer. Vermutlich erwartet uns also in der Mongolei noch mehr Wildnis als in Kirgistan mit 28 Ew/km2 .

Einwohner / Fläche

Die Mongolei ist 4.5 x so groß wie Deutschland, hat aber  nur 3 Millionen Einwohner, davon allein 1,5 Millionen in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Wenn man das auf den Rest des Landes projiziert, bedeutet es, dass sich am Ende 1,5 Millionen Einwohner ca. 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche teilen, Wahnsinn. Deutschland hat zum Vergleich 80 Millionen Einwohner. Die Mongolei ist auf Platz 19 der flächengrößten Staaten, aber nur  auf Platz 124 von 195, wenn es um die Einwohnerzahl geht. Noch ein Zahlenspiel gefällig? Die Mongolei ist 1750x größer als unsere Hauptstadt Berlin, hat aber annähernd die gleiche Einwohnerzahl von 3.000.000 Millionen.

Reichstes Land

Die Mongolei könnte mit den großen Reichen dieser Welt mithalten, wenn sie nur wollten und könnten. Das Land sitzt auf Rohstoffen/ Bodenschätzen im Wert von 2,1 Billionen Dollar (zum Verständnis: 2.100.000.000.000 | 1 Billion sind 1000 Milliarden!). Damit ist jeder Mongole theoretisch Fast Millionär und hat 700.000 USD. Viele Investoren und Länder wie China und Russland werden aber durch das Investitionsgesetz gestoppt und beschränkt. Für die Natur sicher gut, die den sozialen Wohlstand eher nicht.

Extremes Klima

Die Ostgrenze der Mongolei ist 1000km vom Meer entfernt, das beschert dem Land ein extrem kontinentales Klima. Die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter können gewaltig sein, von -40 Grad im Winter bis +40 Grad im Sommer, aber auch die Tagestemperaturen können extrem schwanken, tagsüber im T-Shirt unterwegs, abends im Daunenschlafsack bei Minusgraden einkuscheln. Bedingt durch die Entfernung zum Meer gibt es weniger Wolken, weniger Niederschlag und viel Sonne. Der Juli und August sind mit je 10 Tagen die regenreichsten im Jahr, wobei die Niederschläge kurz und heftig ausfallen.

Kälteste Stadt

Klar, gibt es kältere Städte auf diesem Erdball, doch die Mongolei kann mit der kältesten Hauptstadt auf unserer Welt namens Ulan Bator / Ulaanbaatar auftrumpfen. Die Stadt hat eine Jahresmitteltemperatur von nur -4 Grad. Es wird im Sommer kaum wärmer als 20 Grad und im Winter ohne weiteres mal -40 Grad. Zum Vergleich: Berlin hat eine Jahresmitteltemperatur von 13 Grad.

Familie Baikalsee / Khovsgol See

Der Khovsgol See ist der kleine Bruder vom tiefsten See der Welt, dem Baikalsee, der nur 200km östlich von diesem hinter der russischen Grenze liegt. (Hinweis: Über den Grenzübergang dürfen nur Mongolen oder Russen!). Im Gegensatz zum 1650m tiefen Baikalsee ist der Khovsgol „nur“ 260m tief und auch 11,5 x kleiner als sein großer Bruder. Während der Baikal 20% aller Süßwasserressourcen auf unserem Planeten beinhaltet, schafft es der winzige Khovsgol nur auf läppische ein Prozent. Dafür gilt der Khovsgol aufgrund seiner Abgeschiedenheit laut Global Nature Fund als einer der saubersten Seen der Welt. Es gibt keine Großstädte am See, nur Khatgal im Süden mit 4500 und Khankh im Norden mit 2500 Einwohnern.

Das größte Reich

Dschingis Khan schaffte es, die einzelnen mongolischen Völker zu vereinen und legte damit den Grundstein dafür, das größte zusammenhängende Reich der Erdgeschichte zu schaffen. Von 1206 bis 1227 marschierte er zu Fuß und Pferd bis ans Kaspische Meer im Westen und ans Japanische Meer im Osten. Seine Nachfolger jedoch vergrößerten das Reich Richtung Osten dann sogar bis an die polnische Grenze und nahmen 2/3 der Türkei ein.

 

Vorbereitung und Planung  zurück zur Liste

Ja, richtig, schon wieder ein Tier im Schlepptau. In Kirgistan sahen wir den unkomplizierten Umgang mit Pferden, die vielmehr für solche Trekkingtouren gemacht sind als Esel. Während man einem Esel nicht mehr als 30 Kilogramm zumuten sollte, kann ein Pferd 80 bis 90 Kilogramm tragen und schafft auch Tagestouren von 30 Kilometern locker. Daher planten wir nun anstelle von zwei Eseln ein Pferd ein, ausschließlich zum Tragen des kompletten Proviants und als Rastplatz für Täve. Da wir in Kirgistan ja selbst keine Rucksäcke trugen, da die Esel bepackt werden mussten, wollten wir dieses Mal wieder ein wenig mehr aktiv sein, unsere Rucksäcke, wenn auch etwas leichter gepackt, selbst tragen. Das Transportmittel ist also ausgemacht, die Art der Unterkunft ja ohnehin keiner Diskussion wert. Da ist nun aber wieder ein anderes Problem. Proviant, Food Supply, Supermärkte etc.

In Moron, wo wir auch mit dem Flieger ankommen, gibt es noch ausreichend Infrastruktur (Banken, Supermärkte, Hotels), doch eine Autostunde weiter im Norden, wo der Khovsgol beginnt, liegt nur noch die 4500 Seelen Gemeinde Khatgal, die auch einen kleinen Einkaufsladen hat. Einen weiteren kleineren Ort gibt es am Nordufer namens Kankh. Doch hier ist bereits unklar, ob es Einkaufsmöglichkeiten gibt. Hier bedarf es im weiteren Verlauf noch mehr Planung und Recherche, jedoch haben wir eins fest eingeplant. Dieses Mal stürmen wir gleich die Nomadencamps um Milch, Brot und Butter zu kaufen. Food Supply wäre als letzte Option sicher noch ein Trumpf, jedoch sind die Straßenverhältnisse mittig oberhalb des Sees so schlecht, dass ich Keinem die Fahrt zumuten möchte, nur um uns zu versorgen.

Die meiste Recherche stecke ich aber aktuell in Verwirklichung unseres Transportmittels. Nach Kirgistan war uns klar, wenn wir wieder mit Tier ungeführt unterwegs sein wollen, müssen wir das Tier kaufen. Ausschlaggebend war sicher auch das Ziel Mongolei, da hier Pferde sehr günstig zu erwerben sind. Einige Veranstalter wie Stepperiders haben diesen Markt schon für sich entdeckt und bieten dies sogar aktiv an. Jedoch lokal nur in den beiden nahe der Hauptstadt gelegenen Nationalparks Gorhi Terelj und Khan Khenti. Aber nicht nur das sprach gegen diesen Anbieter, sondern auch die Tatsache, dass vor einem Kauf des Tieres 5 Nächte im Camp je Person und Nacht zu 65 USD obligatorisch gewesen wären um das Tier und den Umgang mit diesem zu lernen. Das war uns zu viel Geld und zu viel Zeit, denn dass es anders geht, zeigte nach einer Weile Monogol Ujin Tour direkt in Khatgal am Südufer des Khovsgol Sees.

Hier war der Kontakt mit Dava sofort aufgeschlossen und kompetent. Trotz unserer nicht vorhandenen Erfahrungen mit Pferden bot sie uns an, doch besser ein Pferd bei ihnen ohne Guide zu mieten, ein Kauf sei unnötig. Perfekt, das Angebot mit 50.000 MNT/ 18 EUR völlig akzeptabel, sie bot uns sogar einen Transfer ab Moron Flughafen für 35 USD an, unwesentlich teurer als mit Transferbussen vor Ort. Dennoch warteten wir noch mit einer Zusage des Angebotes, denn wir waren mit den „falschen“ Eseln irgendwie vorgeschädigt und suchten noch ein wenig weiter, nicht nach dem günstigsten Angebot, sondern nach dem seriösesten. Hier verschaffte mir nun Global Nature Fund einen Kontakt vor Ort, von dem ich ausging, dass das seriös sein muss, da dieser ja auch das Projekt „Bedrohter See 2015“ organisiert hatte. War dann wohl doch nicht so seriös, denn nach 2.5 Wochen hatte ich immer noch keine Antwort und so zurrte ich das Paket bei Mongol Ujin Tour fest. Die Hälfte des Gesamtpreises musste nun überwiesen werden, dabei haute es mich aus den Socken: 42 Euro Bearbeitungsgebühren! Also wenn es irgendwie geht, versucht mit Dava was anderes zu vereinbaren, bspw. Paypal oder Kreditkarte.

Währenddessen sitze ich nun Abend für Abend vorm Rechner und plane wie wild die Route. Ihr fragt Euch sicher, mit was? Mongolei ist nicht Réunion, sprich wo es wenig Tourismus gibt, existieren auch wenige GPS Karten. So wie in Kirgistan musste ich also wieder auf die guten alten Militärkarten bauen, die nun sogar aus den 70iger Jahren stammen. Dabei geht es mir aber immer nur darum, dass da mal ein Weg existiert hatte, sprich eine Möglichkeit besteht, dort auch zu Fuß lang zu kommen, unabhängig vom Zustand des Weges. Diese Karten gab es sogar als Vektorkarten (statische Landkarten) für das Garmin online zu kaufen. Jedoch kann man nur bis auf 1 Kilometer einzoomen, für wandern sind aber 120 Meter besser geeignet. Neben dieser Karte auf dem Garmin habe ich also noch eine OSM Karte frei heruntergeladen und mir selbst noch über eine russische Seite IMG Dateien runter geladen und zu einer Garmin Datei zusammengebastelt. Letztere stellt die meisten Details dar. Mit drei Garmin Karten und den Militärkarten sind wir sicher unterwegs und können stets operativ auf Streckenänderungen reagieren.

Ist für den Khovsgol besonderes Equipment nötig? Ohne Wenn und Aber auf jeden Fall der Satelliten Messenger Delorme, denn so abseits aller Ortschaften gehen wir davon aus, dass auch der Handyempfang nicht garantiert werden kann, zumal Ihr vorab checken solltet, ob Euer deutscher Provider überhaupt Verträge mit mongolischen Providern hat. Ansonsten benötigt Ihr noch eine Prepaid Sim vor Ort. Wir verzichten darauf, da Vodafone World Data Pakete anbietet. Unschlüssig bin ich dagegen noch, ob dieses Mal wieder das Solar Panel mit im Gepäck ist oder aufgrund mangelnder Sonne vielleicht doch eher ein weiterer Powerbank mitkommt. Für die kalten Nächte kommen die Daunenschlafsäcke mit und für die fröstelnde Frau die Taschenöfen. Benzinkocher ist in so abgelegenen Regionen definitiv das Nonplusultra, nicht vorstellbar, dass dort Jemand Schraubkartuschen verkauft. Den Hobo wollten wir erst zu Hause lassen, da wir von vielen Feuerstellen gelesen hatten. Ich bekam dann aber einen Tipp, diesen doch besser einzupacken, da es dort schon sehr trocken ist und Waldbrandgefahr ein Thema ist. Ein HoBo lässt sich da erstens besser kontrollieren und zweitens als Kochstelle leichter handhaben. Dafür werden wir nun für die gesamte Zeit nur eine 1.5 Liter große Benzinflasche mitnehmen und den Kocher nur in den baumlosen Gegenden oder bei Nässe benutzen. Effektiv bedeutet das am Stück bei 3x Nutzung am Tag ca. 15 Tage Brenndauer, der Rest 10 Tage HoBo. Als Schlechtwetteroption mit viel Platz und Vorraum ist auf jeden Fall wieder das Keron 4GT die beste Wahl.

 

 

Permits ohne Ende | verworrenes Thema  zurück zur Liste

Möchte man den See umrunden, befindet man sich die meiste Zeit im Khovsgol Nuur Nationalpark. Darüber findet man im Internet aber nur sehr wenig. Einzig fand ich eine Karte mit interessanten Infos zum Download. Hier kann man entnehmen, dass allein der Park Eintritt 1000 MNT / 1 EUR pro Tag kostet. Kurz vor Khatgal muss man diese am Parkeingang bezahlen. Am Südwestufer schließt sich nahtlos die Khoridol Saridag Strictly Ristricted Area an. Hierzu gibt es keine Infos mehr, außer das man eine Extra Permit benötigt. Wo man diese aber herbekommt und was sie kostet, bleibt offen.

 

Die Nationalparkgrenzen im Überblick
 

Eine weitere Permit benötigt man, wenn man in das nordwestliche gelegene Gebiet Tsagaan Nuur reisen möchte. Das abgelegene Gebiet um den See und weiter nördlich/westlich davon ist sicher kulturell und traditionell von der heutigen Gesellschaft noch relativ unberührt und es gelten gewissen Regeln um sich dort richtig zu verhalten. Worauf man achten sollte, wenn man das Tsaatan Volk besucht, könnt Ihr hier nachlesen. Die Permit müsst Ihr vorab in Murun im Border Patrol Büro (neben der Polizei Hauptwache) beantragen und ist kostenlos. Das kann aber ein paar Tage dauern.

Als ob es nicht genug wäre, benötigt man auch noch eine generelle Border Permit, da man sich nahe der russischen Grenze bewegt. Die Border Permit scheint auch kostenfrei zu sein und man kann sich mit dieser bis 15 Kilometer zur Grenze annähern. Da aber zwischen dem Nordufer und der Grenze nur 13 Kilometer liegen, bin ich mir noch nicht so recht sicher, ob man mit dieser Permit dann auch dort am Nordufer lang darf oder wegen der 2 Kilometer ein Fass aufgemacht wird, wenn man denn dann mal kontrolliert wird.

Für uns ist es schon ein undurchsichtiges Thema und aktuell ist uns nur klar, dass wir Parkeintrittgebühren zahlen müssen und eine Border Permit benötigen. Ob es aber am Ende noch mehr bedarf, weiß ich nicht und daher habe ich im ODS eine Diskussion angeregt, um weitere Informationen von Insidern zu erhalten. Nach unserer Reise werden wir hier noch einmal unsere Erfahrungen schildern.

Unsere Erfahrungen: Die Permits scheinen für die Tourenanbieter kostenfrei zu sein und ich denke auch, wenn man diese in Murun selbst besorgt. Wir hatten sie kostenfrei bekommen, diese war dann für alle Sums, das Khoridol Saridag und für die 15km Zone nach Russland ausgestellt. Wirklich kontrolliert wurden wir nur einmal, wobei es unklar ist, ob der Kontrolleur legitimiert war oder nur Geld mit uns machen wollte. Jedenfalls hat ihn die Permit abgeschreckt und sich auf keine weiteren Diskussionen eingelassen. Ob man sie nun braucht? Besser haben als hätte. Der Parkeintritt dagegen wird sofort pro Person mit 3000 MNT / 1 EUR fällig und gilt für den gesamten Aufenthalt.

 

Die Eintrittskarte für den Nationalpark

 

Das kleine Regelwerk auf der Rückseite

 

Die Permit

 

Unsere Tour im Überblick  zurück zur Liste

So sah der Plan aus

Einmal um den See, das war sofort klar, denn die Größe des Sees und die zur Verfügung stehende Zeit passen super. So ist auch noch Puffer, um ein wenig in das Hinterland auszuweichen, denn das Westufer bis zur Mitte des See soll schon eher überlaufener sein, für mongolische Verhältnisse. Wir wollen also erst wieder auf den Seeweg stoßen, wenn es keine Straßen mehr gibt. Also schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, wir sind allein uns einsam unterwegs und wir können die größtenteils weglose Khoridol Saridag Ristricted Area im Südwesten durchwandern.

„Viel los am See, am Arsch der Welt in den Bergen“, dies gilt auch für das Ostufer, wo die einzige durchgehende Straße am See langführt, wenn man dieses durchgewühlte Etwas überhaupt so nennen darf. Ein Weltreisender beschrieb diesen Wegabschnitt mit den Worten „Das Schlimmste, was ich auf 15.000 Kilometer Straßen erleben musste“.

Trotz allem wird an den Ufern mehr los sein und wir wollen etwas in die grünen Hügel ausweichen und versprechen uns somit von den höher gelegenen Punkten auch eine traumhafte Aussicht auf den See. Nur aus Zeitnot werden wir den direkten Seeweg am Ostufer wählen, der 70 Kilometer und somit 3-4 Tage kürzer wäre.

Somit wird die Runde alles in allen um die 420 Kilometer betragen. Klingt viel, aber angesichts dessen, was wir 320 Kilometern mit langsamen Eseln sowie extremen Bergpässen in Kirgistan geschafft haben, scheint mir die Tour realistisch genug. Bei 25 Tagen macht das 17 km/ Tag, jedoch müssen wir noch berücksichtigen, dass wir aller 5-6 Tage einen Pausentag einlegen wollen, um dem Pferd Ruhe zu gönnen, macht also am Ende 21-22 Tage und ca. 20 km/ Tag. Das ist weder für Pferd noch für uns eine Strapaze, da das Pferd locker 30 km/ Tag schaffen könnte und am Ende noch nicht einmal voll beladen sein wird. Wir planen mit Täve und Essen um die 60 bis 70 kg, maximal zulässig um die 90 kg. Dazu kommt noch das flache Gelände am See entlang und die eher weniger steilen und kurzen Bergpässe im Hinterland, die ein schnelles Vorankommen ermöglichen werden.

 

Zum vergrößern Karte anklicken

 

So kam es am Ende

Es stand ja relativ sicher fest, den direkten Weg nach Renchi durch das Khoridol Saridag einzuschlagen. Mein Wunsch war es, den Umweg (gelbe Route oberes Bild) durch das wilde Gebirge einzuschlagen, da ich von ausgegangen war, dass der direkte Weg sehr befahren sei. Doch bereits am Ende des zweiten Tages waren wir auf einsamen Wegen unterwegs und so entschieden wir uns gegen den gelben Abzweig um somit auch Puffer für den Umweg am Ostufer des Sees zu haben.

Ab Renchi folgten wir gen Osten direkt den Weg zum See wie geplant und auch weiter bis in den Norden des Sees und bis zum kleinen Ort Khankh blieben wir auf Kurs. Ab Khankh folgten wir kurz dem Hauptweg am See entlang, bogen bereits nach einem Tag ins Hinterland ab um nun einsam abseits der Hauptiste am See voranzukommen. Jedoch war dieses Hinterland wilder, unwegsamer und unbezwingbarer als gedacht, so dass wir nach 2 Tagen die Flucht an den See antraten, um weiter im Plan zu bleiben und besser voranzukommen. 2 Tage später waren wir dann auf der Hauptroute, einer verschlammten Piste. Widererwarten ruhig und nicht mehr als 5 Autos am Tag, ging es hier also auf dieser Richtugn Süden. Geplant war dann neben dieser Hauptpiste direkt am See zu marschieren. Der Plan ging nicht auf, der Pfad war nicht mehr vorhanden, wieder irrten wir durch unwegsamer, verwucherte Wälder. Das „Frustcamp“ war der passende Name für das am Abend errichtete Camp. Wir blieben fortan auf der Hauptpiste, die aber nie überlaufen war. Jedoch war es nicht mehr wild und einsam und es folgte aller 5 km Jurte auf Hütte.

Am Ende schafften wir die Umrundung des Sees, wo dabei die letzten drei Tage nur noch dem „Kilometer schrubben“ galten um das Ziel zu erreichen. Wir ließen uns aber immer wieder von der Natur motivieren um das Tagespensu zu schaffen. Die Tagesetappen lagen zwischen 11 und 33 Kilometer. Es gab zwei Ruhetage, einen am Flusscamp und einen in dem Örtchen Khankh. Erstere wegen der schlechten Wetterlage, der andere um Geld, Proviant, Benzin und Motivation aufzutanken. Unterm Strich schafften wir ca. 450 km, was im Durchschnitt ca. 18 bis 19 km pro Tag bedeuten. Wir entschieden immer nach Motivation, Aussicht, Lust und Wetterlage, wann wir das Camp bezogen oder weiterliefen.

Abschließend sind wir zufrieden mit dem gesamten Verlauf der Route, wären sicher aber gern am Ostufer lieber weiter wild und einsam im Hinterland weiter gewandert. Doch zum richtigen Zeitpunkt haben wir die Reißleine gezogen und die einzig richtige Entscheidung getroffen. Wenn Ihr die Gpx Datei benötigt, klickt hier. Allerdings ist die Aufzeichnung erst ab dem 21.August, die ersten 5 Tage sind nach meinen Erinnerungen manuell hinzugefügt worden.

 

Zum vergrößern Karte anklicken

 

 

Live dabei sein und unserer Route folgenzurück zur Liste

Wie auch schon auf Hawaii und in Kirgistan macht es unser Satellitentelefon möglich, dass Ihr unsere Tour live mitverfolgen könnt. So wisst Ihr, wie schnell wir und das Pferd voran kommen und ob wir alles wie geplant durchziehen können. Aller 10 Minuten senden wir tagsüber ein Signal, sodass Ihr virtuell mitwandern könnt. Bedenkt aber die Zeitverschiebung von plus 6 Stunden. Wenn wir also morgens loswandern, liegt Ihr vermutlich noch im Bett.

Seid also live dabei und genießt auf der Couch die Tour um den Khovsgol See. Entweder unten auf der eingebetteten Karte oder direkt auf der Homepage von Delorme.

 

 

 

Nützliche Links und Downloads  zurück zur Liste

Mongol Ujin Camp

lokaler Veranstalter direkt in Khatgal, der auch Pferde ohne Guide vermietet.

Info rund um den Khovsgol

Englische Informationen zum See und den Orten herum als Download.

Stepperiders

ungeführtes Horse Trekking nördlich von Ulaan Baatar

Global Nature Fund

Der Khovsgol See | bedrohter See 2015

Militärkarten und Garmin

Hier gibt es die Militärkarten kostenfrei zum Download. Ebenfalls IMG Dateien zum Download für Garmin. Müssen allerdings noch zusammengebastelt werden. Leider alles auf russisch.

Militärkarten kostenfrei | englisch

Hier gibt es die Militärkarten auf einer englischen Homepage, dafür fehlen hier die IMG Dateien.

Tsaatan Gemeinde

Wenn Ihr weiter westlich des Sees reisen wollt, solltet Ihr Euch hier einlesen | Permits, Verhalten, Leben.

Mongolia Holiday

Wie kaufe ich ein Pferd? Hier werden Euch auf Englisch Tipps gegeben.

Topogarmin.ru

Hier gibts die alten Militärkarten als 2.7 GB große Vektordatei für Garmin zu kaufen, ca. 30 Euro.

ODS Diskussion zu den Permits

Hier habe ich eine Diskussion mit Fragen angeregt, da das Thema Permits vor Ort sehr unübersichtlich erscheint.

Khovsgol Map Guide

englische Version zum Download. Eine Übersichtskarte mit vielen Informationen.

Khovsgol Details

Weitere Detailinformationen zum Nationalpark und Umgebung

 

 

Reisebericht  zurück zur Liste

Wer von Euch den Bericht gern offline lesen möchte, kann hier den Bericht als pdf mit 29 MB herunterladen.
Bilder im folgenden Text zum Vergrößern anklicken | Direkt zum Bericht und die einzelnen Tage klicken

1.Abschnitt Khatgal – Renchinlkthumbe 6 Tage 122 Kilometer
1.Tag Frostcamp | 2.Tag Mückencamp | 3.Tag Regencamp | 4.Tag Passcamp | 5.Tag Sumpfcamp | 6.Tag Renchicamp |FAZIT 1.Abschnitt

2.Abschnitt Renchinlkthumbe – Khankh 7 Tage 140 Kilometer
7.Tag Dürrecamp | 8.Tag Flusscamp | 9.Tag Flusscamp | 10.Tag Kaltwassercamp | 11.Tag Mondcamp | 12.Tag Halbinselcamp
13.Tag Hügelamp | 14.Tag Khankh | 15.Tag Khankh | FAZIT 2.Abschnitt

3.Abschnitt Khankh – Khatgal 10 Tage 200 Kilometer
16.Tag Wurzelklocamp | 17.Tag Herdencamp | 18.Tag Koppelcamp | 19.Tag Seesichtcamp | 20.Tag Warmwassercamp | 21.Tag Frustcamp
22.Tag Stacheldrahtcamp | 23.Tag Buchtcamp | 24.Tag Resortcamp | 25.Tag Khatgal |FAZIT 3.Abschnitt

 

Wer von Euch das existierende Bild der Mongolei behalten möchte, der sollte hier nicht weiterlesen. Wer aber wissen möchte, wie die Mongolei auch aussehen kann, was sie so abwechslungsreich macht und warum wir nach diesem Urlaub meinen, dass die Mongolei das bisher schönste Trekkingziel war, der sollte gespannt bleiben und Bild und Text auf sich wirken lassen. Bei keinem anderem Reiseziel ist es uns schwerer gefallen, die Heimreise anzutreten, obwohl es wohl unsere härteste Tour war. Das sagt doch viel aus, dass es alle Strapazen nicht geschafft haben, dieses unbekannte Fleckchen Erde zu verfluchen.

 

So stellt man sich die Mongolei vor: endlose Weiten ohne Bäume, ab und an Jurten, steppen-ähnliche Weiden, hier und da kleinere verträumte Ortschaften

 

So haben wir es aber auch kennengelernt: bergig bis 3000m, dann wieder eben, später nur noch hügelig, abwechslungsreich, grün, bewaldet, pflanzenreich, einsam

 

seenreich und doch wasserarm, heiß und doch eiskalt, viel Aussicht in die Ferne, wenig Tourismus, gastfreundliche Leute

 

Wir müssen uns noch sortieren, doch wir wussten bereits vor Ort, dass die Mongolei uns mehr zu bieten hatte als Kirgistan. Wer hier aber spektakulärere Artisten als Pommé und Pony in Kirgistan erwartet, der wird enttäuscht. Mit Maximus hatten wir dieses Mal ein durch und durch geländetaugliches Pferd. Es gab keine Situation, die er nicht meisterte. Nichtdestotrotz lief der Urlaub nicht nach Plan A ab. Es gab viel brenzlige Situationen, Fehlentscheidungen und -tritte, Aufgabemomente, aber auch Glücksmomente und diese tollen wiederkehrenden Phasen des Innehaltens und des puren Genusses des Jetzt und Hier.

 

1.Abschnitt Khatgal – Renchinlkthumbe 6 Tage 122 Kilometer

1.Tag | Frostcamp  zurück zur Liste
Die Nacht zuvor hatten wir das letzte Mal warm geduscht, ein leckeres Abendmahl vorgesetzt bekommen und in einem zivilisiertem Bett geschlafen. Das alles tauschten wir nun gegen ein Pferd ein. Ob der Tausch ein gutes Geschäft war, würde sich nun Tag für Tag herausstellen. Dava, die Chefin des Camps, gab uns letzte Anweisungen. Der Schimmel stand abmarschbereit und voll beladen in den Startlöchern. Dava’s Mann wollte auch noch unsere Rucksäcke dem Pferd aufbürden, aber im Gegensatz zu Kirgistan war das nicht notwendig um das Pferd zu motivieren. Wir trugen sie also dieses Mal selbst. Auf dem Pferd lasteten nun fortan Täve mit 20 kg und ca. 30 bis 40 kg Proviant und Ausrüstung.

 

Ortsausgang der 4500 Seelengemeinde Khatgal

 

Schon vor dem Urlaub stand fest, wir würden das Pferd Maximus nennen, aus dem Trickfilm Rapunzel, ohne zu wissen, dass auch wir einen Schimmel bekommen würden. Dava versicherte uns, dass er sehr einfach in der Handhabung sei, keine Macken hat und für Anfänger wie uns ideal sei. Wir gingen trotzdem nicht locker und fahrlässig an die Sache heran, sondern tasteten uns an ihn und er sich an uns heran. Daher planten wir heute keine Mördertour, sondern einfach nur raus aus Khatgal, ein wenig einlaufen, schauen wie es läuft und zur richtigen Zeit das Camp aufbauen. Für die richtige Platzwahl des Nachtcamps musste nun neben Wasser und eventuell noch Holz eine saftige grüne Wiese mit Delikatessen vorhanden sein. Außerdem musste am Nachmittag und am Morgen eine halbe Stunde mehr Zeit fürs Pferd eingeplant werden. An-/abpflocken, An-/absatteln, Gepäck ent-/beladen und Streicheleinheiten sowie bevorzugte Gräser servieren. Von Anfang an versuchten wir uns bei Maximus einzuschleimen. Die grünen Gaben nahm er immer wohlwollend an.

 

Erste Keks-Pause zwischen Kühen, im Hintergrund das ausgetrocknete Flussbett und die Hauptpiste

 

In meiner Karte war die Beschaffenheit des Weges als Pfad deklariert. Doch bald stellte ich fest, dass hier alles in der Karte als Pfad bezeichnet wurde, ob nun 30cm oder 5m breit, ob nur ein Trampelpfad oder eine schlammig schlotterige Autopiste. Leider entpuppte sich der erste Teil des Weges aus Khatgal heraus als große Piste, die mit Umwegen über die Berge wieder an den See führen sollte. Also hofften wir nun darauf, dass der morgige Tag die Erkenntnis bringen würde, dass es ruhiger werden würde, weil wir ja weiter in die Berge wollten und sich die Wege trennen würden. Wir folgten also heute der Richtung der großen Piste, jedoch mit weitem Abstand auf einem Pferdetrail. Bald würden wir aber wieder die Hauptpiste erreichen und da kam ein kleines Wasserloch doch wie gerufen. Alles da, was Mensch und Tier braucht. Vermutlich noch ein wenig beeinflusst von den schlechten Erlebnissen in Kirgistan, vertrauten wir erst einmal Niemanden so richtig und versteckten uns samt Pferd und Keron 4 GT im Unterholz. Leichter gesagt als getan, zumal das Zelt mit seinem knalligen rot förmlich heraus schreit „Hallo, hier bin ich!“ und dem Pferd schwer zu erklären war, dass es doch hinter den Bäumen geduckt fressen soll. Wir hatten doch irgendwie eher davor Angst, dass Jemand uns das Pferd stehlen würde als das uns was passieren könnte. Jedoch sollten wir bald diese Gedanken verlieren und dem entspannter entgegen sehen.

 

Frostcamp im Dickicht

 

Der erste Tag lief super, Täve errichtete wieder seinen Einkaufsladen, noch war genügend vorhanden um diesen Laden zu füllen. Wir genossen die Abendsonne, die zwischen den Lärchen hindurch schien und freuten uns auf die erste Zeltnacht in mongolischer Umgebung. Wir tauften am kommenden Morgen den Platz auf Frostcamp. Der Name war die ganze Nacht Programm gewesen und wir waren noch nicht einmal direkt im Gebirge auf 2000 Meter gewesen. Ich machte mir so meine Gedanken, wie wir uns nun arrangieren sollten. Wir hatten zwei Daunensäcke bis -15 Grad dabei und einen Kunstfasersack bis 0 Grad plus Fleeceinlet. Geschätzt hatten wir die Nachttemperaturen auf -5 Grad, das Zelt und die Wiese waren gefroren.

 

Täve’s Shop, mit WC (Loch vorne links)

 

2.Tag | Mückencamp  zurück zur Liste
Der flexible Zeitplan sah so aus, dass wir lieber am Morgen ausschlafen und uns Zeit lassen und dafür am Nachmittag nicht so viel Zeit am Camp verbringen. Also gegen 7/8 Uhr aufstehen, entspannt frühstücken am Lagerfeuer, zusammenpacken und nach 2.5 Stunden Abmarsch. Dann in regelmäßigen Abständen kleine Pausen von 5-10 Minuten. Wir entschieden immer nach Aussicht, Lust und Wetter. Meist aber immer 6-7 Kilometer laufen. Nach 60- 70% der Tageskilometer planten wir die Mittagspause ein. Anfangs haben wir kalt gegessen, dann kam ich dem Wunsch meiner Mitreisenden nach, mittags doch bitte warm aufzutischen. Zeit hatten wir dafür genug. Gegen 16/17 Uhr bezogen wir meist einen geeigneten Platz, es gab aber auch Tage, wo wir später loskamen und dann auch 18 Uhr ankamen. Die Sonne ging 20 Uhr unter, Zeit war also nie wirklich ein Druckmittel. Heute war Tag der Wahrheit. Würde unsere Wegverlauf etwa weiterhin so eine Riesenpiste sein, die zudem auch sehr gut befahren war, also für mongolische Verhältnisse bedeutet das ca. 3 Autos in der Stunde.

Ich hatte noch ein Ass im Ärmel, was ich dann gern gezogen hätte. Es wäre eine 30 Kilometer längere Option durch das unwegsame Gebirge gewesen, ohne jedoch zu wissen, wie viel Gras wir dort noch Maximus hätten bieten können. Es wäre baumloser und alpiner geworden und hätte länger gedauert. Gegen Mittag dann der entspannte Blick nach links, wo nur noch ein Pfad und eine wenig benutzte Autopiste lang führte. Dort gingen wir nun lang und ließen die große Hauptpiste hinter uns. Nun wurde es auch für uns ruhiger. Die ansteigenden Täler verengten sich nun zunehmend und der Baumbestand sollte auch noch abnehmen. Heute würden wir aber den ersten Pass dieses Abschnittes auf 2310m nicht mehr bewältigen. Doch wir hatten da ein aufkommendes Problem, mit dem wir hier in den Bergen nicht gerechnet hatten. Seit Start, also 30 Kilometern, hatten wir keinen Bach, kein See oder andere natürliche Wasserquelle gesehen. Dreckige Pfützen gab es genug und das Wasserloch am Frostcamp hatten wir auch nur durch Zufall gefunden.

 

Der Eingang zum Khoridol Saridag, nun sollte es ruhiger werden

 

Links ist der Weg zu sehen, dem wir nun folgen würden

 

Wir standen also an dem Punkt, auf 2000 Meter Höhe nach einer Wasserquelle zu suchen, was Zeit gekostet hätte oder weiter höher Richtung Pass zu laufen, wo jedoch die Chancen nach Wasser sicher abnehmen würden. Wir entschieden uns also, eine Pause an einer Flussbettgabelung einzulegen, wo sich drei Flüsse trafen. Ich ging im ausgetrockneten Flussbett entlang, entschied mich für den kleineren und schattigsten von ihnen. Um jede Kurve hoffte ich auf kühles Nass. Meine ausgetrockneten Lippen hofften mit, mir lief das Wasser im Mund zusammen. Doch immer wieder die nächste Enttäuschung. Trockene Steine, trockener Kies und kein Wasserloch. Ich war 5 Minuten gelaufen und auf einmal blendete mich die Sonne, die sich im Wasser wieder spiegelte. Meinen Glücksschrei konnten Yvonne und Täve hören.

 

Die Wälder wurden kleiner, die saftigen Wiesen nahmen zu, ganz zur Freude Maximus‘

 

Wir suchten uns nahe der am Ende drei vorhandenen Wasserlöcher ein tolles Camp raus. Das Wasserproblem schien auch den örtlichen Guides bekannt zu sein, die Wasserlöcher aber auch. Bald gesellte sich eine Reitergruppe dazu, die unweit von uns Stellung bezogen. Wasser war für alle genug da und Maximus hatte so ein paar Freunde in seiner Nähe. Dieses Mal konnte alles nicht schnell genug gehen. Nach dem Zeltaufbau musste sofort ein Feuer gemacht werden, obwohl die Sonne noch ordentlich einheizte. Die Mücken waren unerträglich, das Camp bekam ohne Widerspruch den Namen Mückencamp.

 

Das Mückencamp, hinter der Baumreihe waren die Wasserlöcher

 

Warum wir den Camps Namen geben? Um später diese besser in Erinnerung rufen zu können und sich auch besser unterhalten zu können. Das Camp wird immer nach irgendwas signifikanten benannt. Das hat sich bei uns bewährt und wir können so besser und schneller zuordnen.

Was würde nun diese Nacht für Temperaturen bringen? Wir zogen uns vorsorglich wärmer an, aber man merkte schon am Lagerfeuer, dass es heute milder war. Während Maximus noch aufgeregt im Kreise herum schlich, weil in seiner Nähe Stuten grasten, spielten wir im Zelt noch ein wenig Karten und dezimierten die Süßkramvorräte.

3.Tag | Regencamp  zurück zur Liste
Ich war erleichtert, die Nacht war schon besser verlaufen, kein Frost mehr. Man müsste nun von Abend zu Abend entscheiden, welche Schichten man anzieht oder weg lässt. Wir starteten eher als die Reitergruppe Richtung Ulkhenii Pass, jedoch hatten sie uns knapp vor der Passhöhe wieder ein. Unterwegs trafen wir dann zum ersten Mal auf einen größeren Bach, wir hätten also gestern ohne Probleme hier oben Wasser gefunden. Nachher ist man immer schlauer. Dafür gab es hier oben kein Holz mehr für Feuer. Eine tschechische Touristin zu Pferd sprach uns just im einzigen Steilstück des Passes an und stellte jede Menge offene Fragen, die leider nicht mit einem kurzen Ja oder Nein beantwortet waren. Während sie das Gespräch vertiefen wollte, wollten wir nur noch den Pass hoch ohne große Worte zu wechseln. Wir schnieften die Antworten kurz dahin, ernteten Bewunderung und bald war die Gruppe nicht mehr gesehen.

 

Unspektakuläre Passhöhe, grandiose Aussichten

 

Bei der Aussicht zogen sich die Pausen immer länger hin

 

Die Passhöhe war offen, windig und nur ein Steinhaufen gab ein wenig Windschatten, trotzdem pausierten wir um kurz den weiteren Verlauf der Route in der Ferne analysieren zu können. Während bei uns noch heiter Sonnenschein war, zogen an den Westflanken der Range dunkle Wolken auf, die nichts gutes verkündeten. In diese Richtung mussten wir aber. Für heute hatten sich Anstiege erledigt, es ging vorerst nur noch bergab bis ins geplante Camp am Talboden.

 

Der Weg vom Pass war offen und der Blick weit

 

Immer wieder trafen wir auf den einen oder anderen Motorradfahrer oder Reiter und diese hielten auch immer bei uns an und wollten wissen, was wir hier draußen alleine ohne Guide machten. Noch ungewöhnlicher war es aber für die Meisten, dass wir uns zu Fuß fortbewegten. Gegen 13 Uhr machten wir Mittagspause, es lief gut. Heute war der Plan, mal die anvisierte 20 Kilometer Marke zu knacken um zu wissen, wie Pferd und wir uns danach fühlen würden und ob es zeitlich passen würde. Langsam aber sicher mussten wir auch an diese Hausmarke herankommen, sonst wäre eine Umrundung des Sees illusorisch geworden.

Motiviert ging es zwischen endlosen Wiesen und Sümpfen und fortwährend Flüsse überquerend ins Tal hinab. Ein Abzweig auf 2100 Meter Höhe konnten wir bereits in der Ferne ausmachen, ein breites ausgetrocknetes Flussbett, was uns auf den zweiten und letzten Pass des Abschnitt hochführen würde. Ob wir noch bis dorthin kommen würden, war fraglich, denn während wir in Richtung Unwetter liefen, lief das Unwetter in Richtung uns. Der Treffpunkt war am Ende unser notgedrungenes Notlager. Die 20 Kilometer wieder nicht geschafft, dafür ein großer Fels der nach Nord und Süd Windschatten für Maximus bot. Im einsetzenden Regen bauten wir das noch klamme Zelt auf. Alle Abspannleinen und 22 Heringe wurden in die Erde gerammt, denn nun setzte auch noch Wind ein. Wir dachten nun, mit dem zunehmenden Starkregen hatten wir das All Inclusive Paket gebucht, aber nein. Ultra All inclusive mit Blitzen und Donner. Während wir nun trocken im Zelt saßen, bedauerten wir Maximus, der draußen dem Unwetter sein breites Hinterteil entgegenstellte und fraß. Ihn schien es nicht wirklich zu stören und „wegfliegen konnte er nicht, er war ja angepflockt“, meinte Täve.

 

Das Regencamp machte seinem Namen volle Ehre, später gab es eine halbe Portion Sonne als Belohnung

 

Komischerweise war die herannahende Wetterfront nicht wirklich auszumachen. Der Wind kam aus Norden, die Wolken aus Westen und dann mal wieder anders herum. Nach 2 Stunden hatte der Himmel sich ausgekotzt und auch Maximus kam nun wieder aus dem Schutz des Felsens hervor, weil es ihm zuviel geworden war. Es klarte über uns wieder auf, während eine Front an den großen Gipfeln hängen blieb. Dies würden uns sicher noch die Nacht über heimsuchen. Wir badeten nun im nahe gelegenen Fluss und dann verzogen wir uns nach den letzten Sonnenstrahlen ins Zelt und kochten unser Abendessen. Der Abend war noch jung, wir genossen ein Gläschen mongolischen Wodka und auch so einige Genussmittel überlebten den Abend mal wieder nicht. Es war irgendwie schon jetzt wieder absehbar, dass wir gegen Ende des Abschnittes wieder nichts mehr hätten und das Gejammer zunehmen würde. Aber Keiner wollte wieder mal auf mich hören, selbst ich nicht.

4.Tag | Passcamp  zurück zur Liste
Die Nacht war ruhiger als gedacht verlaufen, kein Wind mehr, nur noch Regen. Bei starker Bewölkung und leichtem Niesel fiel es uns sehr schwer aufzustehen. Ich musste im militärischen Jargon Täve und Yvonne rausbrüllen, es gab Frühstück im Zelt. Es war kein Lichtblick am Himmel zu sehen und es sah heute wirklich nach einem durch und durch beschissenem Tag aus, aber Schönwetterwanderer sind wir nicht und zogen trotzdem, wenn auch unmotiviert, in Richtung Khor Dalin Pass los. Bei ordentlich Wind kam immer wieder feiner Sprühniesel auf. Diese mongolische Waschstraße hatte aber bald sein Ende, denn Yvonne erspähte unerreichbar für uns in der Ferne einen blauen Fleck Himmel und fortan trug uns die Hoffnung weiter, dass es doch noch aufreißen würde.

 

Einer der wenigen Mistwettertage, aber mit Tendenz zur Besserung

 

In der Mittagspause wurde dann Zwiebelbrühe mit Brot gekocht und als wir 2 Stunden später eine letzte Pause machten, wärmte uns zum ersten Mal die Sonne. Die Pause wurde verlängert, der Ausblick und die Einsamkeit genossen. Der Aufstieg zum Pass war dieses Mal homogen, es wurde steiniger und wir hofften weiter oben noch Nahrung für Maximus zu finden. Ein großer Fluss rauschte ins Tal hinab, Wassermangel war heute kein Thema.

 

Letzte Pause vorm Pass, die Sonne wurde ausgedehnt genossen

 

Da wir heute später los gekommen waren, erreichten wir erst gegen 17.30 Uhr die Passhöhe auf 2240 Meter und wollten eigentlich von dieser auch noch wieder runter. Bloß gut, dass die Passhöhe so einladend war und wir das Angebot annahmen, denn wir sollten morgen im steilen Abstieg bemerken, dass es auf 5 Kilometer kein brauchbares Camp geben sollte. Kurz bevor wir Stellung bezogen, kreuzte noch eine 8-köpfige Reitgruppe unseren Weg. Wir rissen sie kurzzeitig aus ihrem scheinbar gelangweilten Reitrhythmus um uns zu fotografieren und ins Gespräch zu kommen. Sie wollten dorthin, wo wir herkamen, wir wollten dorthin, wo sie herkamen. Sie waren nur zu Pferd aber sichtlich schneller unterwegs, schafften pro Tag so sicher zwischen 30 bis 40 Kilometer.

 

Maximus, unser Wachpferd | Er gab uns Sicherheit

 

Das Passcamp war für Keinen sichtbar, aber trotzdem exponiert platziert. Ab und an kam die Sonne noch einmal heraus, aber bald war es so kalt, dass bereits gegen 21 Uhr die Zeltdecke gefroren war. Langsam klarte auch der Himmel auf und eine sternenklare Nacht steuerte ihr übriges bei. Wo wir anfangs noch den HoBo nutzten, griffen wir nun auf ein richtiges Lagerfeuer zurück. Das wärmte mehr und Holz gab es auch genug. So konnten wir noch ein wenig draußen am Feuer sitzen und den fantastischen Ausblick bei zunehmenden Mond genießen. Die Kartoffeln wurden im harten Kampf eher zugeteilt. An ein freiwilliges Teilen war nicht zu denken. Der übliche Urlaubsfutterneid steigerte sich in ein Maximum, es ging nicht mehr nur darum, den Hunger, sondern auch vollends den Appetit zu stillen. Täve ging bald zeitiger ins Zelt, während wir noch die Kälte der Nacht genossen.

 

Das Passcamp | Hier mussten wir bleiben

 

5.Tag | Sumpfcamp  zurück zur Liste
Boar, es war schon schmerzhaft, sich heute überhaupt bei der Kälte aus dem Schlafsack zu quälen, doch die Ladung Schneereif, die an der Außenzeltdecke hing und mir beim Dranstoßen dann alsbald in den Nacken flog, die war zuviel. Ich bot der Kälte draußen Paroli und entfachte ein Signalfeuer um mich warm zu kriegen und später ein Kaffee zu kochen. Lange sollte es nicht mehr dauern und auch die Sonne würde endlich hinter den Gipfeln emporsteigen. Keine Ahnung wie kalt es war, aber gefühlt sicher bereits zweistellig. Das nächtliche Leid jedoch schwand mehr und mehr beim Anblick des nur mit Schleierwolken bedeckten Himmels. Das lockte auch bald Yvonne und Täve aus dem Zelt. Der Morgennebel wurde von den Sonnenstrahlen verscheucht und wir genossen nun in wolliger Wärme, Sonne im Rücken und Feuer von vorn, das Frühstück. Täve bekam seinen Grießbrei, wir aßen Müsli und Brot und schlürften den heißen Kaffee mit Hochgenuss.

 

Bald sollte die Sonne das Zelt vollkommen getrocknet haben

 

Die heutige Tour sollte wohl keinen einzigen Aufstiegsmeter mehr aufweisen. Wir hatten die westlichste Kante der Range erreicht und mussten nun in das flache Darkhad Depression Valley absteigen. Vorbei an Opferstätten, die mit blauen Gebetsfahnen, Pferdeschädeln und Geldscheinen bestückt waren, ging es nun sehr steil ins Tal. Wir merkten langsam, was Maximus gefiel und was er mied. Steiniger Untergrund war nicht so sein Ding. So versuchte er lieber abseits der Piste im Grad zu laufen. Täve entlastete das Pferd in den steilen An- und Abstiegen, indem er dann immer selbst lief, forderte aber bald bei Maximus eine Gegenleistung ein.

 

Steiler Abstieg voraus

 

Solche Opferstätten fanden wir häufig auf exponierten Plätzen

 

Es dauerte nicht lange und auf dem Weg lagen auf einmal Motorräder herum und Menschen schliefen am Wegesrand. Eine Gruppe von ca. 15 Personen, darunter nur eine Frau, saßen zusammen, kochten Etwas und waren auch gut dabei, sich die Birne zu zulöten. Sie kamen gleich zu fünft auf uns zu und begrüßten herzlich, aber doch torkelnd besoffen. Nur Einer, scheinbar der Anführer dieser krassen Herde, schien nüchtern zu sein und stieß dazu. Es gab ein wenig Tumult und der Anführer schubste dabei einen Trunkenbold zur Seite, der fast auf einen Stein fiel. Die Entwicklung gefiel mir nicht. Ich nahm das angebotene Essen im Stehen an, bedankte mich und forderte Yvonne auf, selbiges zu tun. Hinsetzen kam nicht in Frage. Irgendwie konnten wir uns von den immer aufdringlich werdenden Tsaatanern befreien und weitergehen. Dieses kleine Völkchen, was weit abgeschottet im äußersten Westen lebt, war uns bis jetzt so freundlich entgegen getreten. Wir wussten nun, dass wir fortan alkoholisierte Menschen meiden sollten, vor allem in solchen großen Gruppen, die wirklich Seltenheit waren.

Immer wieder drehten wir uns nach der Gruppe um und vermutlich ein wenig getrieben durch unsere Sorge waren wir unverhofft schnell am Talboden angekommen. Es erwartete uns hier ein 50 bis 100 Meter breites ausgetrocknetes Flussbett. Für Mensch und Maschine war der einfachste Weg, direkt in diesem festgefahrenen Steinbett voranzukommen, wir aber wollten Maximus dies nicht antun. So wurde aus dem direkten Flussweg eine Zick-Zack-Tour von dem einen Ufer zum anderen, immer auf der Suche nach einem grasigem Wanderabschnitt am Ufer. Zum Glück war es heute nicht so heiß, den es befand sich kein Tröpfchen Wasser zwischen den Steinen. Bald schon sollte aber noch kurz vor der Pause wieder ein Fluss auftauchen. Ich freute mich und meinte nur „Lass uns noch ein wenig laufen, wir füllen bei der Pause die Trinkblase auf“. Wir liefen und liefen, quatschten und lachten und ich verlor dabei ein wenig den Blick für das Wasser. Als dann die Pause ran war, war aber kein Fluss mehr da. Hallo? Das Teil war 10 Meter breit, man hätte zum furten die Schuhe ausziehen müssen und keine 3-4 Kilometer weiter ist davon nichts mehr zu sehen und zu hören?

 

Das Tal zog sich in die Länge, war aber immer wieder schön für einen Rundumblick

 

Mit so einer Situation mussten wir uns zukünftig des Öfteren abfinden. Es erschienen Bäche, Flüsse und reißende Ströme genau so schnell wie sie wieder verschwanden. Bewegte sich ein Bach talwärts, war das kein Garant, dass man weiter oben Wasser hatte. Die steinigen Wasserläufe sind scheinbar so tief, dass das Wasser zwischenzeitlich unterirdisch fließt und das für weite Strecken. Es war uns eine Lehre. Nach der Pause erschien dann dieser „Hasch-mich-Fluss“ und von jetzt an nutzten wir jede Wasserquelle sofort und ohne ein „später“.

Der Fluss wurde immer unbezwingbarer, je weiter wir bergab gingen, immer mehr Zuläufe machten ihm zu einen reißenden Strom. Bis jetzt konnten wir den Fluss immer in Wanderschuhen queren, doch am Ende des Gebirgsmassives, direkt im Übergang zur Ebene wartete sicher noch eine große Herausforderung, dachten wir jedenfalls. Nun kam uns dieses Sickerproblem mal entgegen und urplötzlich wurde aus dem reißenden Strom ein Flüsschen, wir mussten nur die Crocs anziehen, die 30cm Wasserpegel überstehen und waren nun am rettenden rechten Ufer, wo es nun auch wieder entspannter für Maximus voran ging.

 

Täve bewies einmal mehr, dass er schneller einen Draht zu Tieren findet

 

Hier endet das Gebirge und die Darkhad Depression folgt

 

Wasser schien uns immer ein Problem zu sein. Entweder war zuviel oder gar nichts vorhanden. Manchmal gaben sich diese Wechsel sehr kurzfristig die Klinke in die Hand. Wir wollten noch ein wenig Kilometer machen, damit morgen auf jeden Fall der Ort Rechninlkthumbe erreicht werden könnte. Nun hatten wir es endlich geschafft, nach 5 Versuchen war die 20 Kilometer Grenze gefallen, aber wir mussten noch weiter. Um uns war zwar überall sumpfige Landschaft, ein Friedhof an Bäumen umgab uns, aber trotzdem alles furz-trocken. Weitere 2 Kilometer konnte ich Yvonne noch zumuten, aber sie war am Ende, weil sie die vorletzte Flussquerung nicht trocken überstanden hatte. Sie watschelte neben mir mit schmatzigem Geräusch her und ich wusste, eine Lösung musste her. Mit jedem Meter würde ihre Stimmung sinken, den Nullpunkt sollte sich nicht erreichen. Immer noch ohne Wasser, erspähte ich ein Camp am Wegesrand, etwas abseits am Sumpfrand. Während Täve und Yvonne dort pausierten, suchte ich in der Umgebung nach Wasser, fand aber einzig dreckig, braune Brühe in der Autospur. Der Filter hätte es sicher irgendwie hinbekommen, aber es war nicht genug für waschen und essen vorhanden. Zurück am Camp verkündete ich meine nicht gerade positiven Nachrichten, stockte aber in meinen Ausführungen, als ich einen kleinen Trampelpfad sah, der vom Camp in den Sumpf führte. „Wartet mal“ und schon war ich verschwunden. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder führte der Pfad zu einem Klo, was sprichwörtlich scheiße gewesen wäre oder zu einem Wasserloch. Genial, es befanden sich am Ende des Pfades sogar drei große Löcher, die zum Waschen und fürs Essen locker reichten.

 

Unser Sumpfcamp, fast schon ein Glückscamp

 

Täve malt die Verhaltensregeln im Wald auf einen Holzblock

 

Wir bezogen also unser „Sumpfcamp“, entfachten auch gleich Feuer und gingen auch gleich baden. Die Sonne hatte zum Nachmittag noch einmal gezeigt, dass sie auch einheizen kann. So war dann das Bad mal eine gelungene Abkühlung und keine Mutprobe wie sonst immer. Täve war den ganzen Abend damit beschäftigt, die Heidelbeersträuche mit eine gefundenen Kralle abzupflücken, nachdem er ein Verhaltensschild für andere Wanderer gemalt hatte. Heute gab es zur Abwechslung mal Kartoffeln mit viel Zwiebeln und wenig Dosenfleisch. Alle wurden so satt, dass am Ende sogar noch was übrig blieb. Ich nutzte die Gunst der Stunde und überspannte meine Bauchdecke mit den letzten Happen. Wer weiß, wann ich wieder mal so satt werden würde? Die Reserven waren schon gut aufgebraucht, Genussmittel fast alle, nur noch letzte Notreserven füllten die Provianttaschen aus. Es war ein schöner Abend, mit spärlicher Aussicht durch einen Totholzwald und er schien sehr mild zu werden.

 

Es gibt gleich Essen, Alle sitzen bereit

 

6.Tag | Renchicamp  zurück zur Liste
Mit etwas Vorfreude auf das Shoppingerlebnis in Renchinlkthumbe fiel das Aufstehen heute umso leichter. Das Wetter spielte von Anfang an mit und so kamen wir doch sehr gut in die Gänge. Täve platzierte noch seine Lehrtafel am Wegrand, in der Hoffnung, dass die Einheimischen nun weniger Müll in der Natur entsorgen. Auf flachen Abschnitten und immer noch von vielen toten Bäumen umgeben, ließen wir im Vorwärtsschritt doch immer wieder den Blick nach hinten nicht aus den Augen. Es war so krass. Eine weite, flache Ebene und dahinter diese Bergkette.

 

Na, wer kann die Regeln deuten?

 

Während sich die Wolken in den Bergen fixierten, ballerte bei uns die Sonne

 

Die Sonne gab bald so richtig Gas, so dass das Solarpanel zum Einsatz kam. Das war nötig, denn Powerbank und Akkus waren alle. Zum ersten Mal zeigte mir der Multimeter Werte um 2.10Ah an, war die Sonne hier echt so viel stärker, in Deutschland schaffe ich immer nur 1.76Ah. So kam es, dass am Ende des Tages der 26800mAh Powerbank wieder randvoll war. Ich war begeistert. Eigentlich planten wir gegen frühen Nachmittag in Renchi zu sein, aber mit den ganzen Zick-Zack-Umwegen, um die steinigen Flussbettpassagen zu meiden, kamen wir immer auf 10% Zuschlag an Kilometern. So kamen wir erst gegen späten Nachmittag an.

 

Wahnsinn, dieser breite Blick in die Ferne

 

Hinter uns der kleine grüne Hügel, den wir noch passieren mussten. Vor uns lag nun Renchi

 

Nach einem letzten kleinen Anstieg pausierten wir kurz und nach dieser Kuppe eröffnete sich der breite Blick auf Renchi, eine Ansammlung aus Blechhütten und Schlammstraßen, dazwischen einige wenige Steinhäuser. Es offenbarte sich uns ein Ausblick, den man von der Mongolei erwartet. Endlos weite Steppen, kurzes Gras, wenig Bäume, dazwischen einige Gers und Herden, die durch das weite Land ziehen. 4 Kilometer war der Ort noch Luftlinie entfernt, doch es dauerte noch eine Stunde bis wir ihn erreichten, aber immer mit dem Blick und dem Gefühl, dass der Ort vor uns weglaufen würde. Er wollte und wollte nicht näher kommen. Wir querten im Süden des Ortes noch einmal einen klaren Fluss und beherzigten mal wieder nicht, lieber gleich Wasser einzusacken. Das Pferd hätte doch locker kurzfristig mal 10 Liter tragen können.

 

Der letzte kleine Hügel vor Renchi, ein Rückblick unserer Route der letzten 2 Tage

 

Endlich im Ort angekommen, gingen wir zu einem der vielen kleinen Läden, die so ein typisches gelb-grünes Lebensmittelschild über der Tür hatten. Die „Supermärkte“ unterschieden sich nicht wirklich von richtigen Wohnhäusern. Wir gingen also in drei verschiedene Läden und kauften uns das nötige Proviant zusammen. Dabei lohnte sich der Vergleich der Läden, nicht preislich sondern vom Angebot her. Man kommt in einen kleinen Raum mit eine langen Theke herein, dahinter stehen die Lebensmittel in den Regalen. Es gibt alles Nötige, vom Klopapier bis zum Wodka, ab und an auch frische Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln. Nudeln und Reis werden meist in 1kg Beuteln abgepackt oder aus einem großen Sack nach Bedarf geschöpft. Wir bekamen hier alles bis auf Brot, was wohl am Ende des Tages nicht mehr vorrätig war. Auch frische Wurst, Müsli oder Cornflakes Fehlanzeige. Komischerweise musste man kein russisch oder mongolisch können um den Inhalt mancher Konservendosen zu lesen. Sie waren meist auf deutsch, die gut & günstig Marke von Edeka überwog. Kaum zu glauben, dass es billiger ist, diese Ware aus Deutschland zu importieren als den örtlichen Kram zu verkaufen. Benzin und Geld brauchten wir gerade nicht, aber es gab beides in dem Ort.

 

Kurzer Schauer mit Sonne, ein Garant für Regenbögen

 

Wir waren nun gut eingedeckt, Maximus‘ Rücken hing nun wieder ein wenig mehr durch und wir begaben uns in den Norden von Renchi. Dort bezogen wir nahe einem kleinen Wäldchen unser Camp, hatten aber nun ein großes Problem, mal wieder. Wasser fehlte in jeder Richtung. Renchi war 2.5km entfernt, entweder dort Wasser kaufen oder aus dem Fluss im Süden schöpfen. Nach 24 Tageskilometern hatte ich keinen Bock mehr und wollte nun meine ersten Reitstunden nehmen. Maximus und ich hatten uns gut angefreundet, ich wagte es also. Da keine Steigbügel vorhanden waren, musste ich auf einem Stamm aufsteigen. Langsam ging es wieder runter in den Ort. Gechillt blickte ich umher und genoss die Landschaft, Maximus machte den Rest und folgte dem Pfad. Aus Versehen klammerte ich meine Beine zu stark um ihn, um nicht runter zu fallen, dabei habe ich wohl zu viel Druck ausgeübt. Auf einmal ging es im Trab schaukelnd weiter. Wow, wo ist der Stoppschalter? Bloß gut, Maximus hörte von allein auf. Im Ort angekommen überlegte ich mir, wie ich ohne Gespött der Anderen extrem cool vom Pferd absteigen könnte, die Steigbügel fehlten halt. Ich nutzte eine kleine Wiese und Maximus senkte seinen Kopf. Mit Elan schwang ich das rechte Bein nach links über seinen Kopf und hüpfte vom Pferd. Ich war ein geborener Cowboy. Ich ging direkt in den ersten Laden und kaufte alle Wasserflaschen ein, gesamt ca. 9 Liter. In den Packtaschen verstaut lief ich nun wieder mit Maximus zum Ortsausgang um dort einen geeigneten Platz zu finden um ohne Zeugen wieder einigermaßen vernünftig auf das Pferd zu kommen. Am Camp angekommen, stand das Zelt bereits und die Sonne kitzelte schon die Berghänge im Westen.

 

Weite Aussicht, weite Ebenen, ein echt toller Platz

 

Nun machten die vollen Taschen mit unseren leeren Mägen Bekanntschaft, es wurde reichlich aufgetischt und beim Essen die Aussicht genossen. Anschließend duschten wir uns jeder mit nur eine 1.5L Flasche Wasser. Wahnsinn, wie wenig Wasser man doch braucht um sich etwas sauber zu fühlen. Am Lagerfeuer genossen wir den Abend und ließen den ersten Abschnitt Revue passieren.

Fazit Erster Abschnitt  zurück zur Liste
Bereits nach diesem erstem Abschnitt war uns klar, dass die Mongolei locker mit Kirgistan mithalten konnte, gerade was die landschaftliche Abwechslung anbelangte. Jedes Tal, jeder Gebirgshang hatte was Neues zu bieten. Wir lieben das Gebirge und gerade das schroffe Khoridol Saridag hatte es uns angetan. Parallel lieben wir aber auch Bäume und Wälder, die kargen, baumlosen isländischen Landschaften finden wir persönlich öde. Doch hier bekamen wir alles das, was wir so an der Natur lieben. Ein für uns persönlich zusammengeschnürtes Paket der Mutter Natur. Dass wir auf diesem Abschnitt nicht die mongolische Einsamkeit bekamen, die wir erhofft hatten, war der Verbindung Khatgal- Renchi geschuldet, die halt die Einheimischen und auch Touristen nutzen. Jedoch hielt sich das alles in Grenzen. Wenn wir von „stark frequentiert“ sprechen, dann sind das 3-4 Personen im Durchschnitt pro Tag, im Höchstmaß mal 10. Damit konnten wir leben. Der nun folgende Abschnitt sollte es aber schaffen, dass die Mongolei es ganz hoch in unserem Ranking geschafft hat. Sie überzeugte abermals durch Abwechslung, aber auch mit uns so wichtigen Dingen, die ein Top Reisedestination für ausmacht.

 

2.Abschnitt Renchinlkthumbe – Khankh 7 Tage 140 Kilometer

 

7.Tag | Dürrecamp  zurück zur Liste
So entspannt, wie wir ins Bett gegangen waren, standen wir auch auf. Am Abend zuvor hatte ich versprochen, heute nur den halben Tag zu wandern, ca. 15km. Eigentlich hatten wir für uns und das Pferd aller 6-7 Tage einen Ruhetag eingeplant, jedoch wussten wir, dass wir vor langer Weile gestorben wären. Im Blut sind wir dann doch Nomaden, die gern weiterziehen, neugierig sind, was um die Ecke kommt. Wir aßen also entspannt die Rester des 1.Abschnitts zum Frühstück, in Renchi hatten wir leider nichts zur morgendlichen Stärkung bekommen. Das gab uns zu denken und wir beschlossen, heute das erste Mal eine Ger anzulaufen um nach Brot zu fragen. In Kirgistan hatten wir damit gute Erfahrungen gemacht und Dava, die Vermieterin des Pferdes, hatte uns einige mongolische Sätze notiert, auf die wir nur zeigen mussten: Milch kaufen / Brot kaufen / Butter kaufen.

 

Blick über die Darkhad Depression Hochebene, Renchinlkthumbe mittendrin und im Hintergrund das Khoridol Saridag

 

Bei so einer Weitsicht kann man das Frühstück auch mal ausdehnen

 

Während Täve eine gemischte Herde aus Ziegen und Schafen bei Laune hielt und durch die weiten Steppen scheuchte, packten wir alles zusammen. Die Sonne hatte schon richtig Kraft und alles gut durchgetrocknet, Frost gab es die Nacht keinen, es war schon eher warm und ungewohnt für uns. Erst gegen 11.30 Uhr starteten wir und waren kaum 2km gelaufen, da erschien eine Ger am Horizont. Die steuerten wir direkt an. Die Bewohner wussten noch nicht, welches gefräßige Unheil sich da annäherte. Dort angekommen zückten wir unseren Zettel und zeigten auf den ersten Satz, mit der Frage, ob sie den Brot verkaufen würden. Sie lasen aber den ganzen Zettel und dachten, wir wollen auch noch Milch und Butter. Wir sollten uns setzen und konnten die Einladung natürlich nicht ausschlagen.

 

Nur Mist im Kopf, die armen Tiere wollten fressen und mussten aber rennen

 

Ab und an dann doch eine vernünftige Idee gehabt

 

Sie servierten uns frische Heidelbeermarmelade, Brot, Milch und leckere Butter. Im Gegenzug gab ich dem Herr des Hauses ein paar Zigaretten. Diese nahm er gerne an, er hatte zuvor ein Stück Zeitungspapier mit vertrocknetem Gras geraucht. Den Kindern schenkten wir eine kleine Tafel Schokolade und so saßen und saßen wir zusammen und obwohl wir nicht kommunizieren konnten, kam doch ein Gespräch zustande. Wir machten Ihnen deutlich, dass wir nicht nur hier Brot essen wollten, sondern auch mitnehmen müssten. Sie füllte eine Tüte voll Brot. Dava sagte, wir sollen das geben, was wir für richtig halten, aber das ist leicht gesagt, wenn man kein Gefühl hat, was „richtig“ ist. Wir gingen von kirgisischen Verhältnissen aus, dass dort ein Brot immer um die 200 SOM / 2 EUR gekostet hatte. Da wir hier sehr viel Brot bekamen, gaben wir 15000 MNT, umgrechnet ca. 5 bis 6 Euro.

 

Die mongolische Gastfreundlichkeit übertraf die kirgisische um Längen

 

Auf einmal holten sie noch eine Tüte, füllten diese auch noch mit Brot, verschraubten das Heidelbeerglas und gaben es uns auch noch in die Hand. Das war ein Zeichen, dass der Betrag zu hoch war. Uns war es egal, sie waren glücklich und wir hatten nun für einige Tage wieder was zum Frühstück. Nach einer Stunde Pause zogen wir weiter und hatten bald Renchi völlig hinter uns gelassen. Es sollte nun wieder über die West Range gehen um in 3 Tagen den See zu erreichen. Wir passierten noch eine große, ausgedehnte Weide, wo auch noch die eine oder andere Ger stand. Am Ende dieser Weide, der Waldabschnitt begann wieder, rasteten wir und merkten, dass bereits nach 6km die 3L Blase leer gesoffen hatten. Dazu kam die pralle Sonne und der nun folgende nicht wirklich dichte Wald.

 

Ab hier war das Wasser alle und die Münder trocken

 

Mit dem einen Auge nach einem schattigen Weg suchend, konzentrierte sich das andere auf eine Wasserstelle. Wir folgten einem Flussbett, was natürlich ausgetrocknet war. Weitere 6km liefen wir nun ohne Wasser den Weg entlang. Ja, genau, wir wollten heute kürzer treten und eigentlich wäre jetzt die Zeit ran gewesen, aber ohne Wasser braucht man darüber nicht nachdenken. Da wir noch Cola dabei hatten, musste die nun rationiert zum Durst löschen herhalten. Gott, wer hat dieses wahrhaftige heilige Getränk erfunden, dachten wir alle. Wir pausierten in einer schattigen Ecke und jedes noch so tiefe von mir aufgespürte Wasserloch war trocken. Zum Glück erschien ein Auto, welches zu einem Haus, das hinter uns lag, fuhr. Sie hatten genug Wasser dabei, um die Trinkblase wieder aufzufüllen und meinten, dass in 10km ein Fluss kommen würde. Soweit die gute Nachricht. Wir wären also auf 22 Tageskilometer gekommen. Was sah der Plan aus? Hier Camp beziehen und mit den 3L Wasser hinkommen und mal nicht waschen? Nein, wir hatten noch genug Zeit und zogen weiter. In 2 Stunden hätten wir Wasser in Hülle und Fülle, das trieb uns an.

Immer wieder schluckten wir den vorbeiziehenden Staub, den die Autos und Motorräder erzeugten. Der Teil des Weges war doch noch sehr gut besucht, aber die Piste folgte geradewegs zum See hinunter, wo mehrere Gers stehen. Morgen sollte alles anders werden, da wir diese Piste verlassen würden. Das trieb uns doppelt an. Bald mussten wir ein ca. 1km breites Flussbett queren, bestückt mit Birken, die allesamt schon gelbe Blätter trugen. War es die Kälte oder die Trockenheit, die den Bäumen zugesetzt hatte? Es sah fantastisch aus und man kann sich wage vorstellen wie bunt hier der Herbst sein muss.

 

Kaum vorstellbar, dass hier ab und an volle Breite Wasser fließt

 

Bald hatten wir das andere Ufer erreicht und schon jetzt merkte man, dass der Verkehr abnahm, da die Hauptpiste im Flussbett lang führte. Ich hoffte, dass der Autofahrer nicht meinte, dass genau an dieser Flussbettpiste bald Wasser käme. Wir folgten einem schattigerem Pfad durch ein Wäldchen und bald eröffnete sich vor uns eine Wiese aus blühendem Wildblumen und saftigem Gras. Wir gönnten Maximus ein Päuschen. Einheimische hatten anscheinend auch das Potential dieser Wiese für sich entdeckt. Sie waren dabei, sie komplett mit der Sense platt zu machen. Wo Menschen sind, muss es auch Wasser geben. Mit wilden Gesten deuteten wir daraufhin, dass wir Wasser suchten und sie zeigten nur mit den Finger weiter hoch in Richtung Wald. Naja, kann ja nur eine Frage der Zeit sein, Wasser zu finden, dachten wir uns und peilten die Richtung an und folgten einem Pfad immer weiter hoch und fort vom eigentlichen Weg.

Wir fanden bald eine tolle Stelle fürs Camp, die 18km erreicht und durch die Hitze entsprechend fertig. Hier sollte es irgendwo Wasser geben und einige Feuerstellen der Einheimischen wies daraufhin, dass es hier Wasser geben könnte. Im nahe gelegenem Flussbett dann die herbe Enttäuschung. Trocken wie die Wüste Gobi. Nun konnte ich nur eins machen, dem Verlauf nach oben folgen und auf ein Wasserloch hoffen. Keine 100 Meter später strahlte mich ein 2x2m großes Loch mit dem seltenen Gut an. „Keine Panik auf der Titanic, Wasser ist für Alle da“ schrie ich und Alle waren erst einmal glücklich, dass diese Not vorübergehend ein Ende gefunden hatte.

Nachdem heute der Tag der Hitze und Wassernot war, bekam das Camp den eindrücklichen Namen Dürrecamp. Als Belohnung versprach ich meinen beiden Leidensgenossen heute Pfannkuchen. Wir hatten in Khatgal Mehl gekauft um eventuell auch mal Brot zu backen, aber ohne Hefe wusste ich nicht, was dabei rauskommen würde. Also gab es heute mit diesem Mehl Pfannkuchen. Zum ersten Mal hatten wir Volleipulver mit auf Reisen genommen und dies kam als Zutat mit in die Schüssel. Außerdem wurde das Pulver zum Andicken von Soßen oder als Rührei morgens genutzt. Wir sind von diesem Pulver begeistert, weil es doch noch nach Ei schmeckt und man es so vielseitig einsetzen kann.

Alles war schnell aufgebaut und auch das Feuer war wieder eines der ersten Dinge, was laufen musste. Während sich die Kochstelle warm lief, gingen wir alle Vier zum Wasserloch. Maximus schlürfte was weg, dass Täve ihm nur erschrocken zurief „Trink‘ uns nicht alles weg“ Jeder von uns sehnte sich nach der Erfrischung. Wir waren noch aufheizt von der Sonne, da kam dieses echt eiskalte Wasser wie gerufen. Wie neu geboren fühlten wir uns. Wie befreiend war es doch, Schweiß und Dreck weg zu waschen. Am Zelt zurück, bereitete ich schon das Abendessen vor, während Täve Maximus Gras pflückte.

Mit einer kleinen Pfanne ging es dann zur Sache und konnte nicht schnell genug gehen. Ob ich was von den Teilen abbekommen würde? Kurz überlegte ich, die flüssige Mischung gleich so zu trinken, Hauptsache, mein Magen wäre gefüllt gewesen. Ich wollte die Pfannkuchen goldbraun anbraten, von Täve und Yvonne kam immer schon paar Minuten vorher der Aufschrei „Ist gut, dreh um“ oder „Reicht, ist fertig!“ Von der Pfanne ging es direkt ohne Umwege oder Abkühlen in den Mund. Wir hatten noch Nudelreste vom Vortrag und ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, diese zu verspeisen. Gute 2L Flüssigkeit mussten verbraten werden, das dauerte und mit der Zeit setzte endlich eine Sättigung bei den Beiden ein, ich dachte schon, dieses Gefühl wäre ihnen abhanden gekommen. Nun war ich an der Reihe. Gott, schmeckten die Teile lecker oder waren wir so hungrig, dass wir einfach alles hinter schluckten? Am Ende blieben noch 6 Pfannkuchen übrig, die wir für das Frühstück aufheben wollten. Alle lagen mit gespannten Bauchdecken am Lagerfeuer und waren zufrieden, vor allem Täve, der seine Leibspeise nun auch im Urlaub bekam.

 

Nicht auf die Größe kommt es an, sondern auf die Menge

 

Es war ein Tag, der nicht so ablief wie gewünscht, aber am Ende sich noch zum Guten gewandt hatte. Schwein gehabt und glücklich sein. Wir entspannten am Lagerfeuer und sprachen über dies und das, vor allem aber über unser tolles Pferd Maximus. Ohne ihn wären wir bis jetzt nicht so unproblematisch vorangekommen. Keine Brücke war ihm zu hoch, kein Fluss zu tief, kein Hang zu steil. Unsere kirgisischen Esel hätten wir schon längst wieder verflucht, aber Maximus konnte man nur lieben, ein Arbeitstier durch und durch.

 

8.Tag | Flusscamp  zurück zur Liste
Okay, wir hatten nun endlich gelernt und füllten heute neben der Trinkblase auch noch eine 1.5L PET Flasche voll. Wie konnte ich wissen, dass meine Mitreisenden genau so viel trinken wie sie essen und nicht mal Mutter Natur diese Ressourcen aufbieten könnte. Bei schönstem Wetter frühstückten wir am Lagerfeuer, es war noch kalt, da Bäume die Sonnenstrahlen nicht durchließen. Ich gab heute wiederum das Versprechen, einen kurzen Tag zu wandern. Dass ich das Versprechen wieder nicht halten könnte lag dann am Ende wieder mal am Wasser. Das glaubt Einem Keiner: Man wandert um einen See und verdurstet.

 

Dürrecamp in voller Pracht am Morgen

 

Wir gingen zurück zum Hauptweg, auf dem merklich weniger Verkehr war. Täve hatte für sich entdeckt, dass es lustig ist, auf Maximus zu sitzen, wenn er trabt. Tja, fortan durften einzelne Passagen von uns joggend bewältigt werden. Dem setzten wir aber bald ein Ende, da es weder für den voll beladenen Maximus noch für uns eine Wohltat war. Dafür versprachen wir ihm, dass er am Camp seine Runden bekommen würde.

 

Solche im Sommer verlassenen Herbst-/Winterquartiere sah man des öfteren

 

Nach ca. 1.5 Stunden kamen wir an einen Abzweig, wo nun nur noch ein Pfad links in die Berghänge abbog. Wir verließen nun die kleinere Piste, die am Flussufer weiter gen See folgte. Nun mussten wir pausieren. Yvonne ging es nicht gut. Wasser- oder Nahrungsmangel? Sie fühlte sich schlaff, obwohl wir erst 6km gelaufen waren. Heute schien nicht ihr Tag zu sein. Die Nachricht eines Autofahrers, der uns am Abzweig ansprach, dass es Wasser erst in 10km geben würde, baute sie auch nicht gerade auf. Wir beluden Maximus zusätzlich mit Yvonnes Rucksack, so konnte sie entspannter weiterlaufen.

 

Am Horizont der Hauptkamm, den es noch zu überwinden galt

 

Weiter ging es nun auf einem teilweise verwachsenen Pfad. Manchmal liefen wir querfeldein, dann war mal wieder der Pfad zu sehen. Ab und an sah man eine einzige Motorradspur. Das muss wohl ein richtiger Crosser gewesen sein. Unvorstellbar, diesen Weg mit einem Motorrad zu absolvieren. Wir kamen nur langsam voran, Yvonnes Schritte waren behäbig und wir mussten in kürzeren Abständen Pause einlegen. Es ging ihr nicht wirklich besser, auch ohne Gepäck. Hatte sie sich was eingefangen? Tat ihr die Hitze nicht gut?

Wenigstens spielte das Wetter mit. Während bei uns die Sonne schien und ein laues Lüftchen blies, türmten sich am ca. 15km entfernten Hauptkamm dunkle Wolken auf und mächtige Donnergeräusche schüchterten uns ein. Würde es heute noch zu uns ziehen? Würden wir vorher ein Camp und vor allem Wasser gefunden haben? Irgendwie lief der Tag nicht gut. Immer, wo wir pausierten, lief ich in der Umgebung die sumpfige Landschaft ab, aber immer vergebens. Ich hätte gern eher Camp bezogen, gerade wenn wir an alten, offenen und verlassenen Stallungen waren. Diese wären für Maximus ideal zum Freilauf gewesen.

Wir mussten weiter. Es konnte nicht mehr weit sein, vielleicht noch 6-7km, 1.5 Stunde. Wir vertrauten der Angabe des Mongolen, bei km16 sollten wir auf Wasser stoßen. Es ging eine sumpfige Landschaft hindurch, die tiefsten Wasserlöcher ausgetrocknet, einen letzten kleineren Hügel hoch, dahinter vermuteten wir Wasser.

„Halt, stehen bleiben, ich hör‘ was“ Yvonne und Täve hielten an und stockten sogar den Atem, nur Maximus ließ sich nicht beirren, fraß sein Gras und kaute laut daher. „Du auch, hör auf!“ schrie ich. Ein leises Rauschen war zu hören. War es der Wind oder ein Fluss. Yvonne war für Wind, Täve und ich identifizierten das gleichbleibende monotone Geräusch als Fluss. 2km weiter hatten wir keine Zweifel mehr, das Rauschen wurde lauter, es war Wasser. Jubelschreie gab es aber noch nicht. Bei unserem Pech war es sicher eine tiefe Schlucht, unerreichbares Wasser für uns. Diesen Tag gingen wir pessimistisch an.

Dann, nach 15km, war es Gewissheit. Ein 10m breiter Fluss plätscherte dahin. Es war am frühen Nachmittag und da es noch kein Mittag gab, sattelten wir hier ab und bezogen hier Camp. Das Wetter war noch beständig und so verschoben wir den Zeltaufbau, es gab erst einmal eine fette Zwiebelsuppe mit Brot. Ganz entspannt bauten wir später das Zelt auf, machten Feuer und waren froh, doch wieder Wasser gefunden zu haben. Täve hatte seinen Wasserspielplatz, Yvonne konnte ein wenig ausruhen und ich sammelte Holz. Nachdem Täve flache Steine mit Steinmalstiften verziert und am Fluss drapiert hatte, durfte ich mit ihm noch ein Dutzend Runden am Fluss entlang rennen, er trabte auf Maximus hinter mir her.

 

Täve war glücklich mit seinen Steinmalereien, Yvonne dagegen hatte ihr erstes Tief

 

Die ersten Reitstunden für Täve

 

Ich kam noch einmal ordentlich ins Schwitzen, tat aber gern Täve den Gefallen, da er bis jetzt echt super mitmachte. Im Gegensatz zu Kirgistan, wo er doch mehr auf den Eseln ritt und erst nach unserer Aufforderung auch mal lief, war er in diesem Urlaub selbst motiviert zu laufen, gerade wenn es den Berg hoch und runter ging. Ebenso war er motiviert oder besser abgelenkt, wenn wir irgendwelche Gespräche führten oder Spiele machten. „Ich sehe was, was Du nicht siehst“, Tiere raten oder „Wer bin ich“ wurden abwechselnd gespielt und lenkten von dem heutigen, nicht so prächtigen Tag ab.

Ich wollte und konnte den Beiden nicht schon wieder ein Versprechen für morgen geben, eine kürzere Tour zu machen, behielt es aber für mich im Hinterkopf. Wir gingen bald im Fluss baden und aßen mal zivilisiert, die Bäuche waren noch mit Zwiebelsuppe gefüllt, zu Abend.

So saßen wir noch gemütlich am Lagerfeuer. Doch bald überraschte uns der Regen, wir verzogen uns ins Zelt und spielten gemütlich Karten und es gab auch die eine oder andere Wrestling-Runde. Es regnete sich ein und die Nacht durch. Was das für uns für negative Auswirkungen haben sollte, würden wir erst am nächsten Morgen erfahren.

 

9.Tag | Flusscamp  zurück zur Liste
Es hatte die Nacht wirklich keine Minute aufgehört zu regnen, jedenfalls immer wenn ich mal wach war, tröpfelte es. Gegen 7 Uhr war ich immer wach und stand auch keine 10 Minuten später auf. Klar, ich hätte auch noch einmal 1-2 Stündchen länger schlafen können, aber irgendein Dummer musste den Anfang machen.

 

Tiefer konnten die Wolken echt nicht mehr hängen

 

Diese Richtung wollten wir einschlagen, wo es aber noch schlimmer aussah

 

Gerade regnete es mal nicht und ich war zuversichtlich, dass wir heute den 2300m hohen Pass angehen könnten. Ich kroch ins Vorzelt und öffnete die Seitentür. Der Blick nach nach draußen konnte schlimmer nicht sein, okay, es lag noch kein Schnee, aber die Wolken hingen tief, sehr tief. Hätten wir gestern 100m höher das Camp bezogen, wir wären völlig in eine Nebelsuppe. Wie befanden und auf 1850m und ich wollte nicht wirklich wissen wie es 450m weiter oben ausschauen würde.

Das Feuerholz war durchnässt, es herrschte eine feuchte Stimmung draußen. Ich kroch wieder ins Vorzelt und warf den Brenner ein. Während die Beiden noch schliefen, ging ich den Zeitplan durch, den Yvonne dieses Mal nicht so entspannt fand. Immer wieder war von Tagespensa, Durchschnittsgeschwindigkeiten und maximalen Ruhetagen die Rede. Das war aber dem Routenverlauf geschuldet. Ich musste auf den Plan schauen, da wir am 9.September um den See herum sein müssten. Unten am See gab es keine Abkürzungen mehr. Daher wollte ich es bis Khankh im Norden des Sees nun ruhiger angehen um dort zu entscheiden, was wir machen. Neben den beiden Optionen, am Ostufer direkt oder im Hinterland langzulaufen, eröffnete sich eine dritte Notoption, das Westufer wieder zurückzulaufen. So wären wir aber lange Wege doppelt gelaufen.

Nach Sichtung des bereits zurück gelegtem Weg und dem bevorstehendem traf ich eine Entscheidung, die sicher Allen gefiel. Yvonne und Täve wollten sicher nicht wieder mein dummes Versprechen „Heute eine kürzere Tour“ hören. Heute komplett wanderfreier Tag, dafür aber morgen wieder volles Programm.

Nachdem Yvonne und Täve wach waren, verkündete ich meine Idee. Täve war begeistert, weil es hier im Fluss so viele flache Steine zum bemalen gab und Yvonne war nicht dagegen. Es ging ihr wieder besser. Ihr gestriges Tief führten wir auf Wassermangel und das fehlende Mittagessen zurück. Bereits am Abend war sie schon wieder auf dem aufsteigendem Ast. Yvonne schaute aus dem Zelt und meinte auch, dass es kein Sinn machen würde, in die Suppe und den Regen zu laufen. Wir frühstückten nun sehr entspannt und legten uns danach noch einmal in die Horizontale und spielten Karten, es fing mal wieder an zu regnen.

Die Wolken zogen einfach nicht ab und immer mehr entpuppte sich der freie Tag als richtige Entscheidung. Maximus hatte sich Schutz in den dichten Büschen und Bäumen gesucht und war sicher auch mal froh, einen Tag zu faulenzen. Irgendwie schliefen wir Drei beim reden dann wieder ein und gammelten dahin. Gegen späten Mittag stand ich auf und mir wurden nur die Worte hinterher geworfen „Machst Du Essen?“ Na, klar, das war immer mein erster Gedanke, wenn ich aufstand. Also gab es Mittagessen, danach trieb es uns nach draußen. Der Regen hatte längst aufgehört und durch die Zeltwand drangen erste Sonnenstrahlen. Es war kalt draußen, wir suchten also nach trockenem Holz und machten Feuer.

 

Endlich konnten wir aus dem Hilleberg-Pumakäfig raus

 

Auch weiter oben zog es nun auf

 

Täve sammelte Steine zum Bemalen und bekam auch wieder seine Reitstunden. Es wurden einige Sachen gewaschen und in der nun wärmenden Sonne getrocknet. Gechillt saßen wir dann noch am Lagerfeuer und genossen gleichermaßen Aussicht und Sonne. Irgendwie sah es hier aus wie in Alaska, zumindest stellen wir uns so die wilden Bergflüsse vor, wo Bären nach Lachsen angeln.

 

Täve sammelte seine Steine…

 

…und Mama schaute zu

 

Ehrlich gesagt, langweilte ich mich ein wenig und war froh, als ich den Befehl bekam, Essen zu machen. Ich verfluchte diesen freien Tag nicht, denn er war die richtige Entscheidung, da in dem aufsteigenden Tal, wo wir hinwollten immer noch die Suppe hing. Jedoch bin ich kein Typ des Entspannens und Herumliegens. Man merkte heute gleich beim Abendessen, dass wir nicht aktiv waren. Keiner hatte wirklich Hunger, nur Appetit bewegte die Löffel. Seit gestern hatten wir keine Menschenseele gesehen. So konnte und würde es auch weitergehen.

 

Sogar das Solarpanel kam noch einmal zum Einsatz

 

Der Abend war noch lang, denn wir hatten Mittagsschlaf gemacht und keine Tour in den Beinen. Es klarte mit jeder Stunde mehr auf. Gegen Abend waren dann sogar noch Sterne zu sehen. Morgen würde wohl ein schöner Tag werden, das hofften wir jedenfalls, denn wir mussten ohne Wenn und Aber weiter, das war klar.

 

10.Tag | Kaltwassercamp  zurück zur Liste
Wow, was für ein Morgen. Die Sonne strahlte uns an und nur noch in den Senke hing der Morgennebel. Wir waren optimistischer denn je. Wir frühstückten wieder draußen am Lagerfeuer und freuten uns alle auf die bevorstehende Tour. Alle waren wieder fit und hoch motiviert. Da wir nun zwei Tage keine Menschenseele getroffen hatten, gingen wir von aus, dass es so bleiben würde, denn der Pfad würde noch unwegsamer werden.

 

Dieser Morgen konnte sich mal wieder sehen lassen

 

Den Fluss querten wir gleich nach dem Packen mit den Crocs und war kein großer Akt. Bald mussten wir diesen Fluss noch einmal queren. Wir waren mal wieder zu faul, die Crocs über zu streifen. Wir nutzten einen toten Baum, der über den Fluss ging. Nur Maximus ist es zu verdanken, dass ich nicht samt Kraxe im halben Meter tiefen Fluss landete. Ich verlor das Gleichgewicht und so versuchte ich mich, an der Leine wieder zu fangen. Maximus blieb dabei stehen und erzeugte ordentlich Gegendruck anstatt nachzugeben. Puuh, noch einmal gut gegangen.

 

Noch hingen die Wolken tief…

 

….aber es klarte mehr und mehr auf

 

Mit jedem bewältigten Höhenmeter verzogen sich die Wolken und aller 100 Meter fand sich ein Traumcamp nach dem anderen. Was für ein traumhafter Abschnitt. Wir bogen bald in ein noch engeres Tal Richtung Osten ab. Es ging steiler hinauf und permanent mussten wir nun einen Fluss passieren. Hier bot es sich an, dass ich die Crocs anzog. Ich querte erst mit Maximus und Täve den Fluss und holte dann Yvonne Huckepack nach. Mehr Luxus konnte ich Yvonne nun wirklich nicht mehr bieten.

 

und dann kam dieses Traumtal

 

Wir lagen gut in der Zeit, obwohl der Weg nach oben doch langsam vorbeizog. Unwegsam, steil, immer wieder nach dem Pfad und dem besten Weg suchend, Sümpfe durchquerend und Flusspassagen bewältigend. Wir nahmen uns also die Zeit für mehrere Momente um Inne zuhalten, zu pausieren und zu genießen. Wir waren hier so einsam unterwegs wie wir es lieben. Doch Tiere waren weit und breit nicht zu sehen. Klar, wenn Täve singend und jodelnd auf dem Pferd sitzt, dann ist das wohl der beste Bären- und Wolfsschutz.

 

rechts hinter der Bergkuppe befand sich die Passhöhe

 

Bald war der 2300m hohe Nutsgen Uliin Pass sichtbar, doch der steile Abschnitt sollte kurz vorm Ende folgen. Oben wollte wir dann Mittagspause machen. Kurz vorm Pass schaltete ich die Kamera ein und war felsenfest davon überzeugt, dass nun das erste Mal der Khovsgol See sichtbar werden würde. Zwischen Schnappatmung und Hustenanfällen stotterte ich in die Kamera. Alles umsonst, denn auf dem Pass angekommen, versperrten noch einige kleinere Hügel die Sicht. Hätte ich mich mal vorher mit den geographischen Gegebenheiten nach dem Pass befasst, ich hätte mir diese Blamage ersparen können.

 

Pause nach dem Pass für Alle

 

Mit brillanter Aussicht auf den bevorstehenden Abschnitt kochten wir ein kleines Süppchen, während Maximus neben uns liegend zu Boden ging und immer wieder wegnickte. Bewusst schwiegen wir ab und an Alle um diese lautlose Ferne zu genießen. Es war wirklich kein Geräusch zu hören, nichts, nicht einmal ein Insekt. Hier und jetzt und nur diese eine Tag hatte es geschafft, die Mongolei zu lieben und zwar abgöttisch. Das war die Abwechslung, nach der wir gesucht hatten. Unerwartet betraten wir diesen Abschnitt und es sollte heute noch besser kommen.

 

Der versiffte Primetech ETA Topf, von Feuer und Flamme strapaziert

 

Maximus fühlte sich in unserer Umgebung mittlerweile sicher um mal voll zu entspannen

 

Fortan sollte es erst einmal wieder auf 2000m hinunter gehen. Zwischendurch immer wieder Eichhörnchen, Chipmunks, Erdhörnchen und Murmeltiere. Die flinken Viecher waren teilweise kaum zu unterscheiden, so fix waren sie verschwunden. Nach 15km war das Ende des Abstieges erreicht, es sollte nun ein kurzer Aufstieg folgen. Yvonne warf ein, dass wir nicht wussten, was hinter diesem Anstieg kommen würde. Wieder Wassermangel, wieder endlos laufen? Ich stimmte zu, denn Yvonne äußerte ihre Skepsis an einem Traumplatz. Wasser in der Nähe, ein flacher offener Platz für das Zelt und eine saftige Wiese für unseren Schimmel. Dass dieses Camp am Ende unser Topplatz werden würde, wussten wir bereits beim Genuss des Rundumblickes, nachdem Zelt und Lagerfeuer angerichtete waren.

 

Ohne Worte und Widerrede das Traumcamp

 

Warum das Camp den Namen Kaltwassercamp bekam? Der Fluss schien von einer Quelle zu kommen. Ich übergoss mich mit einer Schüssel über den Kopf, alles noch im grünen Bereich. Dann Kopf einseifen und zweite Schüssel zum abspülen, mittlerweile schon gelbe Bereich. Zum letzten Abspülen noch eine Schüssel über den Kopf, oh Mann definitiv roter Bereich, ich schrie vor Schmerzen. Kennt Ihr die Schmerzen, die man im Kopf bekommt, wenn man sein Eis rein schlingt? Genau diese Schmerzen hatte ich und sie ließen erst einmal nicht nach. Mit meinem Geschrei schreckte ich natürlich die anderen Badegäste ab, doch es war berechtigt, denn auch sie sollten später jammern. Ein kleines Thermometer offenbarte Schlimmes. Die Anzeige ging gen Null. Nur der fließende Zustand hatte vermutlich verhindert, dass es vereiste.

 

Vermutlich auch für Maximus ein Traum – frische Gräser und Kräuter

 

Am Lagerfeuer entspannten wir noch in der Sonne und bemerkten, dass doch „Scheiße“ und „Perfekt“ nah bei einander liegen. Gestern und vorgestern noch so eine Tiefpunktphase und heute Traumwetter und traumhafte Landschaft. Yvonne versuchte nebenbei noch den TAR Chair zu reparieren, der nun 8 Jahre gehalten hatte. Naja die Reparatur hielt 5 Minuten und wieder krachte Yvonne nach hinten auf den Boden, weil der Spannriemen gerissen war. Das Gelächter war ein zweites Mal ungebrochen.

Glücklich, frisch gewaschen und bald auch gut gesättigt sahen wir dem aufgehendem Mond zu. Die Nacht brach immer eher an. Mittlerweile ging die Sonne 20 Uhr unter. Dann erschien bald ein lupenreine Sternenhimmel mit einer ungetrübten Milchstraße. Wir starrten nun mehr in den Himmel als in die dunkle Umgebung. „Was für ein geiler Urlaub“ bemerkte Yvonne. Täve entgegnete „Geil sagt man nicht, aber Du hast Recht“.

 

Der Mond sollte uns bald ein noch besseres Schauspiel darbieten

 

11.Tag | Mondcamp  zurück zur Liste
Heute war es laut Karte unmissverständlich. Nach 10km würden wir am Westufer des Khovsgol Sees stehen und den Abschnitt betreten, der keine Autopiste vorweist und somit eine Umrundung mit Auto unmöglich macht. Nur wann wir den See erstmals zu Gesicht bekämen, ließ ich nun offen um eine weitere Blamage zu umgehen. Wir genossen die morgendliche Aussicht, die mit anderer Sonneneinstrahlung wie ausgewechselt auf uns wirkte. Die Nächte waren nun gleichbleibend milder, wenn auch nicht warm. Ich hatte für mich eine gute Kombi gefunden. Zwei Schichten Klamotten an und den Schlafsack als Decke. Das ist mir lieber, als mich eingeengt mit weniger Bekleidung wie eine Mumie zu fühlen.

Nach dem Zusammenpacken liefen nur noch kurz im Tal entlang, bevor es den besagten Anstieg hoch ging, den wir gestern nicht mehr machen wollten. Halleluja, was für eine Rampe. Beim bloßen Anblick fing ich an zu schwitzen und die Knie schmerzten. Wie würde es wohl Maximus hier hoch schaffen? Täve wollte den schmalen Pfad, der wirklich direkt schräg hoch führte, allein gehen. Auf 1km ging es nun 150 Höhenmeter hoch. Kleinere Stopps nutzten wir um zurück zu blicken, um zu schauen, wo wir herkamen, was wir geschafft hatten. Ab und an sah ich gar nichts, mir war schwarz vor Augen. Ich war noch nicht einmal richtig aufgewärmt und schon am Limit. Schweißgebadet, der Rücken klitschnass, Die Schweißtropfen flossen über die Brille. Was für ein Kraftakt.

 

Blick nach hinten ins Tal

 

Blick nach vorn, Anstieg voraus

 

Der Weg am Fluss hätte entspannter, aber mit Umweg zum See geführt

 

Ich war noch 10m vor der kleinen Bergkuppe, da hörte ich in der Ferne die Worte „Ich seh‘ ihn“. Tatsächlich. Nach diesem kleinen Pass namens Uliin war er nach nun nach 11 Tagen erstmals sichtbar. Da wir bald in ein bewaldetes Tal absteigen würden, genossen wir den Ausblick ein wenig länger, da man neben dem See bereits auch die schneebedeckten Sayan Mountains an der Grenze zu Russland erblicken konnte. Unser Routenverlauf war weithin sichtbar und ein wenig erschreckend, was da noch vor uns lag.

 

Am Horizont der See und dahinter Russland

 

Wir folgten bergab weiter einem steinigen Geröllpfad, wo man nie genau wusste, als was er eher diente, als Flussbett oder Wanderweg. Dadurch war er sehr nass und rutschig und auch Maximus mied diesen Weg kategorisch. Er lief am Rande auf einem kleinen Wiesenstück lang und ihm war es dabei egal, dass unsere Packtaschen permanent an Steinen, Büschen und Bäumen aneckten. Mit jedem Tag sahen die Teile schlimmer aus, immer mehr Löcher und Risse. Wir halfen Maximus dabei, die Steilheit des Abstieges raus zu nehmen und versuchten so gut wie es nur ging Serpentinen zu laufen.

Bald wurde der Abstieg flacher, der Weg wieder breiter und scheinbar waren von der anderen Seite auch schon Autos bis hier hoch gefahren. Das schien aber lang her gewesen zu sein und warum, erfuhren wir dann paar Kilometer weiter unten, wo ein großer Bergrutsch den kompletten Weg pulverisiert hatte. Scheinbar waren seitdem hier nicht Viele lang gekommen, da es keinen Ersatzpfad gab. Wir mussten uns nun durch enges Gestrüpp und wehrhafte zurückschnipsende Äste durch. Am Ende war es nur 1km, aber für diesen brauchten wir fast eine halbe Stunde.

 

Die Birken trugen schon gelb, hier ca. 2km vorm See

 

Als Mittagspausenziel hatte ich das Ufer auserkoren und wir wollten bis dahin durchziehen. Man merkte, dass man diesem immer näher kam, weil es immer flacher wurde und das Tal offener. Gegen späten Mittag erreichten wir dann den See und 200m entfernt vom Ufer pausierten wir. Während Täve Steine flitschen wollte, kochte ich ein leckeres Süppchen. Unser Wachpferd nahm im Unterholz zwei Rehe wahr, die genau so von uns wie wir von ihnen überrascht waren. Im Schatten der Bäume war es erträglich, ein laues Lüftchen trocknete die nassen Klamotten.

 

Zur Mittagspause hieß mittlerweile immer „Kocher an!“

 

Alle waren gut drauf, noch! Auf flachen Stücken, direkt am See entlang, ging es nun Richtung Norden. Nachdem wir nun tagelang Berge, Steine, Geröll, Wälder und wenig Wasser gesehen hatten, wechselte sich nun die Aussicht komplett. Viel Wasser, tolle endlose Weitsicht, verschneite Berge am Horizont und das Gefühl, dass der See ein offenes Meer ist. Gesäumt wurde diese heute sehr ruhige See von steinigen bis grob-sandigen kleinen Stränden, ab und an auch kleinere Steinhänge und dann auch mal wieder sumpfige Grasufer. Wir waren begeistert, obwohl wir mit dem Vorurteil zum See kamen, dass er uns vielleicht langweilen würde. Im Gegenteil, heute sollte das Camp direkt am See bezogen werden.

 

Bei solchen Aussichten weiß man, warum man all die Strapazen auf sich nimmt

 

Der Pfad war eng und kein Durchkommen mit Auto, ab und an waren Motorradspuren zu sehen

 

Der Weg verlief durch enge Wälder, auf schmalen, wenig ausgetretenen Pfaden. Es ließ sich aber gut vorankommen, wir hatten nun Fahrt aufgenommen und ich war optimistisch, mal wieder die 20km Marke zu knacken. Zeit war noch genug und Motivation auch, dachte ich zumindest. Als wir an einem kleinen Strandabschnitt vorbei kamen war es um Täve und Yvonne geschehen. „Schau‘ Dir diese tolle Stelle an!“ Gut, ich war auch begeistert und manchmal sollte man diese Gelegenheit am Schopfe packen. Wir bauten also nach 17km unser Camp am See auf, das Zelt keine 3 Meter entfernt. Abseits des Weges konnte uns wirklich Keiner sehen, wobei das keine Rolle spielte, da wir auch hier heute Keinen antrafen.

 

camp with a view

 

Ohne Aufpreis bekamen wir direkten unverbauten Seeblick

 

Mit jedem Tag waren wir ein besseres Team und während wir früher immer fest zugeteilte Arbeiten hatten, wechselten wir uns mittlerweile ab, was den Vorteil hat, dass Jeder jeden Handgriff kennt und nicht hilflos dasteht, wenn er mal Zelt oder Kocher aufbauen muss. Yvonne und ich kümmerten uns ums Zelt, Täve suchte Holz und keine halbe Stunde später saßen wir am See und bewunderten diese Ruhe. Dass es am Ende unsere einzige Nacht direkt am See sein würde, wussten wir bis dahin nicht, obwohl wir uns genau darum erst Gedanken gemacht hatten, dass es langweilig werden könnte, zu oft am See zu campen.

 

Wald, soweit das Auge reicht

 

Wir flitschten Steine ohne Ende, ich zeigte Täve mit den flachen Steinen einen „Pferdefurz“. Man schmeißt einen ganz flachen kleinen Stein in senkrechter Ausrichtung weit nach oben. Wenn er optimal auf die Wasseroberfläche eintrifft, taucht er unter und wenige Sekunden später steigt eine Luftblase mit furzartigen Geräuschen auf. Das war der Brüller. Täve kam dann auf die Idee, ein Stück Holz zu wässern und mit Steinen drauf zu werfen. „Wer es zuerst trifft, wird heute bedient und braucht nichts machen“ meinte Yvonne. Ich war so was von angespornt und schoss Stein nach Stein und traf auch als Erster. Ratet mal, wer Essen machen durfte?

 

Zeit für Genuss und Entspannung

 

Täve war heute wieder gut mitgelaufen und hatte uns auch sonst mal wieder super zur Seite gestanden. Ich belohnte ihn wieder mal mit Pfannkuchen. Wir hatten Zeit und ich fing zeitig damit an, da es wieder Stunden dauern würde. Vorher gingen noch Alle im See baden, denn in der wärmenden Sonne war das eine gelungene Abkühlung.

 

Die dampfenden Socken gaben den Pfannkuchen das passende Aroma

 

Die Sonne ging schneller unter als die Pfannkuchen fertig waren und so kam es, dass ich auch noch am werkeln war als der Mond aufging. Dieses Mal hatte ich wohl zuviel Mischung angerührt. „Das dauerte mir hier alles zu lange, zukünftig muss das schneller gehen“ meinte Yvonne nur. Zum Glück war es das letzte Mal, denn das Mehl war alle. Neues wollten wir nicht kaufen, da auch das Volleipulver schon ordentlich gelitten hatte. Jedenfalls gab es an diesem Abend mehr als genug Pfannkuchen, dass mal wieder mehr als genug fürs Frühstück übrigblieben. Das war auch nötig, denn unser Nomadenbrot war auch schon wieder verputzt.

 

und immer noch am braten

 

Wegen seines imposanten Auftrittes benannten wir das Camp nach ihm – Mondcamp

 

12.Tag | Halbinselcamp  zurück zur Liste
Die Nacht über hatte der Wind zugenommen und besorgt schaut ich mal kurz vors Zelt, nicht dass die Wellen das Zelt erreichen würden. Klang alles nur schlimm und war am Ende kein Aufstehen Wert. Am Morgen weckte uns die Hitze im Zelt. Die ersten Sonnenstrahlen drangen direkt durch und es war kein Aushalten mehr im Zelt, ich musste raus. Ein wundervoller Tag schien vor der Tür zu stehen und heute sollte es weiter gen Norden gehen, vorbei an der 15km großen Halbinsel.

 

Tolle Strandabschnitte

 

Eine Flachetappe ohne große Anstrengungen würde vor uns liegen, so sah es jedenfalls auf der Karte aus und so sollte es auch die ersten 4-5km bleiben, eine kleine Snackpause und es konnte unter fast wolkenfreiem Himmel weitergehen. Klar, sah ich die Symbole auf der Karte, die einen Sumpf markierten und klar, wir hätten diesen großräumig umgehen können, aber wir gaben uns die Direktvariante. Da unsere Packtaschen sowie so schon in sich zusammenfielen, weil nichts mehr drin war, konnte Yvonne wieder ihren Rucksack auf Maximus abwälzen. Also stimmte sie der Direktvariante lächelnd zu. Die nun folgenden 6km schafften es, dass ich bald zusammenbrach und eine Zwangspause brauchte.

 

Noch war der Weg chillig, wir sahen einem entspannten Tag entgegen

 

Aber man merkte langsam, dass der Wald nachließ und der Sumpf zunahm

 

Es fing harmlos an, wie alles in diesem Urlaub, und steigerte sich in eine Superlative. Anfangs war hier und da ein nass Fleckchen, grasige Hügel sorgten dafür, dass wir trockenen Fußes durchkamen. Dann wurden die Flächen nasser, tiefer und weitläufiger und die Grashügel verschwanden. Man sank mit einem Schmatzen ein und musste mit ordentlich Kraft diesen Fuß auch wieder nach vorne bewegen. Wenn man dann mal wieder über trockene Abschnitte glücklich war, wurde man mit diesen kurz aufeinander folgenden Grashügeln enttäuscht. Man lief, als hätte man ein kurzes und ein langes Bein gehabt. Es gab keinen Rhythmus, keinen Flow, stets musste man nach unten schauen, wo man hin tritt. Es war so mühsam, die Sonne strapazierte Einen auch noch von hinten. Es war zum kotzen und kein Ende in Sicht. Während ich mich mal wieder mehr um Yvonnes nasse Schuhe sorgte, merkte ich parallel, dass ich schwammige Beine bekam. Jetzt musste eine Zwangspause her. Yvonne wollte Maximus auch noch mit meinem Rucksack beladen, aber das wollte ich nicht. Er hatte sicher auch schon gut zu kämpfen. Eine Pause sollte reichen, denn ein Ende war bald in Sicht. 2km vielleicht noch und die Mittagspause sollte uns Alle stärken.

 

Den Sumpf nun endlich hinter uns gelassen

 

Endlich wieder Zeit und Luft für die Umgebung

 

Endlich hatten wir das mühevolle Sumpfgebiet geschafft und zur Mittagspause gab es Nudelsuppe. Der nun folgende Abschnitt hatte wieder festen Boden. Was für eine Wohltat, mal wieder die Umgebung zu sehen und zu genießen. Vom ersten Teil des Tages habe ich nur Wiese und Wasser mitbekommen. Wie es um mich herum aussah? Keinen Schimmer. Irgendjemand wollte es uns aber auch nicht einfacher machen. Der angenehme Pfad war nur von kurzer Dauer, bald folgten weite Wiesen, die jedoch extrem mit Geröll durchsetzt waren, ein geradliniger Weg wäre für uns machbar gewesen, wir wussten aber um das gespaltete Verhältnis von Maximus und den Steinen. Immer auf der Suche nach dem richtigen Weg, fühlten wir uns wie in einem Labyrinth, Zick Zack da lang, mal wieder zurück und dort lang. Wir nutzten ein wenig die Spuren der Yaks, die das nicht gut hießen und mit Gebrüll und steifen Schwanz Reißaus nahmen.

 

Der kurze schöne Abschnitt des Tages

 

Dann folgten die Geröllfelder

 

Eine kleiner Bergrücken, mit Bäumen bestückt, sollte uns die Weitsicht geben, um unser heutiges Camp auszumachen. Wow, endlich mal ein fester, erdiger Weg und das bis zum Camp und auch noch bergab. Nun rollte es und bald war die 20km Marke geknackt und bei km22 schlugen wir das Zelt auf. Hätten wir noch kein Camp Mückencamp genannt, dieses Camp hätte den Namen noch mehr verdient. Noch vorm Zeltaufbau war die Lagerfeuerstelle fertig und das Feuer loderte. Während Yvonne das Zelt aufbaute, ritt ich mit Maximus 2km zurück um Wasser zu holen. Wir wollten uns eigentlich ein wenig im Unterholz und im Schutze der Bäume verstecken, aber dieses hilleberg-rot ist aber auch über Kilometer sichtbar, wir hätten auch gleich direkt am Weg campen können.

Viel Auswahl zum Essen gab es nicht mehr, Khankh aber immer noch über 50km entfernt. Würden wir es in zwei oder drei Tagen schaffen. Am Ende sollte Motivation und Essensmangel darüber entscheiden. Heute sollte das aber noch kein Problem sein, wir hatten noch genug zum Essen und genossen nach einer Dusche den Abend und verfluchten ein wenig die heutigen beiden Abschnitte Sumpf und Geröll. Parallel zu unserem Camp hatten wir Blick auf die Halbinsel, so bekam das Camp auch den Namen Halbinselcamp.

 

verstecktes Halbinselcamp und doch weithin sichtbar

 

13.Tag | Hügelcamp  zurück zur Liste
Nach dem heutigen Frühstück stand fest, dass wir wieder über eine Jurte herfallen müssten. Kein Brot mehr, das Müsli geleert, für morgen früh brauchten wir was. Gleichzeitig wussten wir aber auch, dass wir vorankommen wollten und ein Besuch in einer Ger Zeit gefressen hätte. Der heutige Besuch sollte sich aber mal so richtig lohnen.

Zuvor leistete sich meine Freundin aber einen Fauxpas höchster Kategorie. Mit Absicht entfachte ich zum Frühstück ein Feuer, damit dieses die Mücken fern hielt. Nach dem Frühstück fingen wir an, alles zusammen zu packen. Dabei leerte Yvonne den Wassersack über dem Feuer, wir aber noch mittendrin beim packen. Es kam mir vor wie ein Angriff von allen Seiten. Sie kamen in Schwärmen geflogen. Während Yvonne und Täve sich schon eingeschmiert hatten und das Zeug bereits tief verstaut war, sah ich nur eine Chance. Ich griff zur kalten Asche und schmierte mich an Beinen, Armen und Hals tiefschwarz ein. Ich sah aus, wie ein Bergarbeiter, aber es half. Während ich fluchend über das Verhalten meiner Liebsten weiter zusammen packte, bekam ich von meinen beiden Mitstreitern Gelächter geschenkt.

 

rechts im Hintergrund die Halbinsel, links am hinteren Ufer der Ort Khankh

 

Nun waren wir startklar und da bereits seit gestern wieder Gers zu sehen waren, würden wir nun gleich die erstbeste am Weg anlaufen. Wir waren nun 5 Tage unterwegs gewesen und hatten keine Menschenseele auf diesen 70km getroffen. Dieser zurückliegende Abschnitt sollte für uns Revue passierend einer der schönsten werden. Wir ließen diesen nun hinter uns und mit jedem Kilometer sollten nun mehr Gers, Häuser und Menschen folgen. Bald war es soweit und wir hatten 5km auf der Uhr stehen, Zeit für ein kleines Päuschen und eine Einkehr.

 

Rechts die Ger, die uns wieder einmal das Leben rettete

 

An der Ger zelteten mongolische Jugendliche aus UB. Sie verbrachten hier in der Natur ihre Ferien, kochten ihr eigenes Essen und hatten einen Ofen im Zelt. Was für eine tolle Jugend hatten diese Teenager: Keine Handys, Von Angesicht zu Angesicht unterhalten, Hände schmutzig machen und sich selbst beschäftigen. „Klopf, klopf..Wir brauchen alles, was Sie haben, was Sie bieten können“ Nach diesem Motto stürmten wir die Ger. Die Köchin des Hauses gab uns zu verstehen, dass sie den Ofen erst anwerfen müsse und es länger dauern würde. Wir hatten keine Wahl und nahmen es in Kauf. Derweil gesellten wir uns zu der Familie in die Ger dazu und ich wurde wegen meiner schwarzen Tarnung schräg angeschaut. Da einer der Jugendlichen englisch sprach, fiel hier die Kommunikation mal einfacher aus. Wir bekamen kleine Kekse, frischen Joghurt und heiße Milch. Zum Überbrücken reichte das. Nun aber lief der Ofen auf Hochtouren, eine Schale wurde mit Öl gefüllt und rohe Teigfladen hineingeworfen. Am Ende kam etwas Essbares zwischen Fladenbrot und Pfannkuchen heraus. Sie hörte nicht mehr auf, ein Teil folgte auf das nächste, genug also um auch schon hier davon zu probieren. Himmel, Arsch und Zwirn, warum kriege ich so etwas Leckeres nicht hin. Die Bäuche waren bald randvoll, ein Mittagessen brauchten wir heute nicht mehr. Bald waren alle noch übrigen Brote verstaut und mit 15.000 MNT wieder bezahlt. Nach einer Stunde zogen wir weiter.

 

Mann Mann, waren die Teile lecker

 

Nun folgte erst einmal wieder ein Abschnitt ohne Gers, nur große Yak-Gruppen trieben wir vor uns her. Die Bewölkung nahm langsam zu, über dem Gebirge braute sich was zusammen. In der Ferne hörte man dumpfes Grollen, was aber nicht in unsere Richtung zog. Wir genossen also das Spektakel bei einer weiteren Pause auf einem Hügel, es waren nun schon 12km geschafft. Alle waren bei guter Laune, da die Mägen wieder gefüllt waren. Nach der Pause ging es den Hügel wieder hinunter in eine flache Ebene, hier und da sah meine eine Ger oder eine Hütte. Überall rannten Tierherden herum, Schafe, Ziegen, Pferde, Kühe und Yaks trieben wild umher. Täve hatte seinen Spaß zwischen diesen Tierherden. Wir dagegen machten uns langsam Sorgen, ob wir noch im Trockenen Camp beziehen würden. Bei km17 machten wir in einem kleinen Waldstück abermals Pause, es war das einzige große Waldstück im Umkreis von 5km und wir überlegten nun hier zu bleiben oder weiter zu gehen. Am Horizont machten wir auf einem kleine Hügel eine kleine Baumgruppe aus. Dafür sollte noch Zeit sein, diese anzusteuern um so die 20km zu schaffen.

 

Wer hat hier Angst vor wem?

 

Pause auf einem Hügel mit Aussicht

 

Eigentlich wollten wir noch ein wenig länger Pause machen, aber die Dame hatte Maximus an einem toten Stamm genau dort angebunden, wo Erdwespen ihr Zuhause hatten. Maximus fraß, hielt auf einmal inne, drehte sich um, juckte sich mit dem Hinterbein am Unterbauch, dann sprang er nach vorn und über den Baum. Er war außer sich vor Wut. Ich wollte ihn beruhigen und nahm ihn an die kurze Leine. Nun war ich dran und wurde gestochen. „Schnell weg hier!“ Pause beendet. Ich fragte mich, ob Yvonne das mit Absicht macht und mich auf die Probe stellen wollte? Heute morgen das erloschene Lagerfeuer, nun diese Aktion. Wir lachten beim Weiterlaufen Alle, irgendwie war hier eine krasse Herde unterwegs.

 

Im Hintergrund das Sayan Gebirge

 

In dieser Ebene bezogen wir Camp

 

Wir sollten bald den anvisierten Hügel erreicht haben und platzierten unser Zelt. Täve kletterte an den Bäumen herum und inspizierte die Pferdeschädel und Gebisse, die dort herumlagen. Es war heute zu windig und absehbar, dass es bald regnen würde. Also verzichteten wir heute mal auf das Lagerfeuer. Wir gingen zum Waschen an einen kleinen See und am Zelt war noch genügend Zeit um über den morgigen Tag zu debattieren. Während das Essen auf dem Brenner köchelte, kamen wir einstimmig zu dem Entschluss, morgen die 33km in einem Ritt durchzuziehen. Das Proviant war alle, die Motivation groß, in Khankh einen Supermarkt zu stürmen. Die Route sollte flach am See langgehen und ich motivierte Yvonne und Täve damit, dass wir in Khankh in eine Unterkunft gehen würden. Das war logistisch die beste Entscheidung, denn wir brauchten Proviant und Benzin, was wir am darauf folgenden Tag besorgen wollten.

 

In der Ferne markierte die kleine Baumgruppe unser Tagesziel

 

Also wurde heute alles geleert, alles vernichtet, was essbar war. Yvonne sollte morgen wiederum ihren Rucksack auf Maximus laden und ein zeitiges Loskommen sollte ein Ankommen im Hellen garantieren. Mit etwas Ungewissheit, dass wir dieses morgige Vorhaben schaffen würden, gingen wir ins Bett und spielten noch ein wenig Karten und lachten noch ein wenig über die heutigen Fehltritte von Yvonne. Dabei störte uns der einsetzende Regen nicht, im Gegenteil. Er war so sanft, dass er uns schnell in den Schlaf wiegte.

 

Blick nach vorn, wo wir hinwollten – Das nördlichste Ende des Sees und 12km von Russland entfernt

 

Wo wir herkamen, links die Halbinsel

 

14.Tag | Khankh  zurück zur Liste
Heute war wieder einer dieser beschissenen Tage, wo ich mich fragte, ob ein Ruhetag nicht besser gewesen wäre. Zur der langen Distanz von 33km kam nun auch noch Wind und Regen hinzu. Keine Ahnung, ob uns das noch mehr beflügeln oder bremsen würde. Auf jeden Fall standen wir nicht mit der sonst so lockeren Stimmung auf.

Wir frühstückten also im Zelt, der Kocher wärmte ein wenig das Innenzelt und wir packten ohne große Entspannung die Sachen im Zelt zusammen. Alles war gepackt und glücklicherweise genau jetzt hörte mal kurz der Regen auf. Wir legten alles schnell raus, das Zelt wurde förmlich abgerissen und pünktlich zum Start fing es wieder an zu regnen.

 

Bei den Bäumen war unser Camp

 

Der Regen war nicht sonderlich stark, dafür sonderlich fein und mit dem Wind gepaart keine tolle Mischung. Mal war die Rückfront nass, mal die linke Seite. Je nachdem, aus welcher Richtung gerade der Wind kam. Für Regenklamotten war es aber wiederum zu wenig Regen. Mir war ein wenig bange, wie wir das nun bald folgende breite Flussdelta queren könnten, aber alle Sorgen waren unberechtigt, als Brücke auf Brücke folgte. Maximus bewältigte diese ohne Probleme, wobei echt viel Blick nach unten war.

Wirklich motivierend war an diesem Tag nichts außer das Ziel. An dem hielten wir uns fest und malten uns aus, was wir denn so alles essen würden, wenn wir angekommen wären. Da es sehr windig und kalt war, lief Täve heute viel. Auf dem Pferd war es ihm zu kalt und so gab es beim Laufen viel zu erzählen. Dabei kam uns der nördlichste Punkt des Sees unbemerkt immer näher und wurde einzig durch eine kleine Häusersiedlung markiert. Dort angekommen, wollten wir Pause machen. Es waren schon 9km gemacht, nur noch 24km, hach klang das lächerlich. Die Siedlung war ziemlich ausgestorben und keine windstille Ecke zu finden. Wir knabberten ein wenig an unseren Pausensnacks und liefen bald weiter, was besser war als auszukühlen.

 

Das Nordende des Sees – Waschküchenwetter

 

Kurz danach teilte sich der Weg in einen weiter ins Inland verlaufenden und einen direkten Weg. Natürlich sah der direkte Weg erst einmal gut aus. Zur Flussquerung musste ich hier die Crocs anziehen, erst Maximus und Täve hinüberbringen. Yvonne wollte mir nun auf den Rücken springen, damit ich sie trockenen Fußes ans andere Ufer bringen. Ich stand im Fluss und sie wollte mir auf den Rücken springen, das aber mit so einem Schwung, dass ich gerade noch so gegenhalten konnte um nicht mir ihr auf dem Rücken im Wasser zu landen. Warum hatte ich sowas verdient?

Es ging nun auf immer schmaleren Pfaden weiter. Keine Autospuren mehr, vereinzelt noch Pferdespuren, aber bald waren auch die nicht mehr vorhanden. Nun wussten wir, dass wir den direkten und falschen Weg gewählt. Der Grund war auch bald klar. Es wurde mal wieder sumpfig. Ich musste bald wieder in die Crocs wechseln, wir hatten schon wieder 1km Sumpf hinter uns gelassen und die feste Straße war 300m entfernt schon greifbar nahe. Das kleine Bächle war nur zwei Meter breit und schien nur 20cm tief zu sein. Der Schein verflog als ich den ersten Tritt in den weichen Boden machte. Ich stand nun knietief im Wasser, versunken in 30cm Schlamm. Neben mir stand Maximus noch tiefer im Dreck. Nun war die Kacke richtig am dampfen. Maximus war sich auf die Leine getreten und hielt sich somit selbst an und wollte nicht weiterlaufen. Derweil sank ich immer weiter und versuchte die Leine loszubekommen. Ich sah nur eine Lösung, ich zog am Kopf um umzudrehen, er bewegte sich, die Leine war frei und nun konnten wir auch durch den Fluss durch. Maximus hatte sich super ruhig verhalten, was für ein Prachtkerl. Um Yvonne noch zu transferieren, suchte ich nach einer flacheren Stück und siehe da, ich hätte es mir 1m weiter rechts einfacher machen können.

 

Hinter dieser Landzunge lag Khankh

 

Eine Wohltat, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Wir hatten nun mehr als die Hälfte geschafft. Es lief gut. Der Regen hatte aufgehört und es war absehbar, dass sich sogar bald ein paar Wolkenlücken auftun würden, mit Sonne wollten wir aber nicht rechnen. Wir pausierten kurz um die Schuhe zu wechseln und zogen nun mit großen Schritten weiter. Es war allein schon ein Ansporn, auf trockenen Wegen voranzukommen. Laut Karte sollte es nun noch am Ufer langgehen. Keine Höhenmeter mehr. Wir hatten späten Mittag und lagen noch gut in der Zeit. Nur Motivation und Physis hätten ein Scheitern verursacht.

 

Beim Erscheinen der Sonne war das Geschrei groß

 

Das Wolken-Sonne-Spiel lenkte uns vom Weg ab

 

Die Vorstellung, dass nun noch einmal eine volle Tagestourdistanz vor uns lag war grausam, aber Urlaub bedeutet bei uns nicht immer Beine baumeln lassen, sondern auch mal „kleckern statt klotzen“. Ich dachte, es wäre bald nötig gewesen, Motivationssprüche raus zu hauen, aber Täve war gut bei Laune und Yvonne auch. Dann kam sogar noch die Sonne ein wenig raus. Na, nun war ich guter Dinge, dass wir es schaffen würden. Bei km27 hörte auf einmal die Uferpiste auf und es ging steil links hoch. Wir hätten auch schon 2km eher links hoch gekonnt, ignorierten den Weg aber, da es ja laut Navi geradeaus ging. Nun aber war der Weg versperrt, wir mussten links hoch.

 

Hier hatten wir dann auch die letzten Körner gelassen

 

Täve entlastete wieder einmal Maximus‘ Rücken und lief allein hoch, wir genossen den Ausblick auf die Halbinsel

 

Okay, dann doch noch mal ein paar Höhenmeter, um genau zu nehmen, 150 Höhenmeter, die Alle noch einmal so richtig ins Schwitzen brachten und mir den Rest gaben. Wir wussten zwar, dass wir Khankh heute noch erreichen würden, aber in welchem Zustand. Ein Blick zurück mit Fernsicht belohnte die strapazierten Nerven. Kommt schon, noch 5km, nur noch bergab, bald sollten wir den Ort sehen.

 

Es war geschafft, die längste Tour fand unten am See ihr Ende

 

Es ging nun wirklich bergab, immer mehr Häuser erschienen und ich bekundete meinen Stolz, dass wir es geschafft hatten. Mehr hätte ich auf einen Misserfolg gewettet, aber so war ich umso glücklicher, dass wir nun bald in Khankh waren. Wir machten uns Gedanken, wie wir nun am schnellsten eine Unterkunft finden würden. Wir liefen bereits an einigen Jurten vorbei, aber keines sah wie ein Ger Camp aus. Nun waren wir auf Seehöhe angekommen und entdeckten 6 kleine, gleich aussehende Hütten rechts von uns. Das sah sowas von touristisch aus, ab dahin. Es war 18.30 Uhr und wir hatten nun 33km in den Beinen. Preisverhandlungen waren uns egal, wir hätten jeden Preis akzeptiert. Es war eine Hütte für 3 Personen mit Ofen, die kostete zusammen 26 Euro, gebongt. An den Hütten war gleich ein kleines Restaurant, was in Deutschland eher den Namen Kiosk oder Imbiss tragen würde und der gleich angeschlossene Supermarkt war ein Minimarkt.

Während Yvonne Maximus absattelte und in der Hütte alles zurecht machte, kaufte ich alles für den Abend ein. Genussmittel über Genussmittel. Essen wollten wir im Imbiss. Mit dem Hausherren klärten wir noch die Dusche ab. Das war eine Sauna, die mit Holz aufgewärmt wurde und das heiße Wasser konnte man zum Duschen nutzen, Kosten nochmals 4 Euro zusammen. Wir aßen aber erst einmal was, das Anheizen dauerte noch eine Stunde.

Wir waren nun überglücklich. Angekommen, ein Dach über’m Kopf, Genussmittel gebunkert und gleich Abendessen. Gleich? Naja, hier sollte man nicht deutsche Maßstäbe ansetzen. Die Köchin war gerade ausgeflogen und sollte gleich wiederkommen. Gleich? Nach einer Stunde warten, wir hatten auf der Speisekarte gefühlt alles bestellt, fragte ich vorsichtig erneut nach. Der Hausherr konnte leider kein englisch, zog aber auf einmal mit seinem Motorrad los. 5 Minuten später war er mit drei warmen Essensboxen wieder da. Uns egal, wir hätten auch Tiefgefrorenes gegessen. Parallel hatte er noch 12 große Pelmenis mitgebracht. Da es heute kein richtiges Mittag gab, fielen wir zuerst über die Nudeln mit Gehacktem her. Wieder ein paar Tugriks hier, dann noch ein paar Tugriks da. Ich gab immer mehr die Scheine aus der Hand, bis ich nach dem sehr sättigenden Abendessen mal eine Zwischenzählung machte.

Scheiße, ich war geschockt. Wir hatten umgerechnet nur noch 50 Euro, das sollte für weitere 10 Tage Lebensmittel reichen? Für 6 Tage hatten wir in Khatgal am Anfang bereits 80 Euro ausgegeben. Ich wusste zwar von Supermärkten/ Einkaufsmöglichkeiten in diesem Ort, aber bei der Infrastruktur hatte ich keinen Bankautomaten oder eine Tankstelle erwartet und auch nichts davon gelesen. Nun machte ich mir Sorgen, so richtig Sorgen. Der Hausherr verstand mich nicht, aber ich zeigte ihm meine Kreditkarte, deutete auf einen Geldschein und gab ihm zu verstehen, was wir wollten. Er verneinte nur und mir stockte der Atem. Wie sollte es nun weitergehen? Zur Not würde es schon irgendwie gehen, aber es würde echt knapp werden.

Nach einem kurzen Anruf kam der Hausherr zu uns an den Tisch und korrigierte seine Aussage. Es gab doch einen Automaten, eine Bank und er würde mich morgen dort mit dem Auto hinfahren, es wäre zu weit weg. Nun waren wir beruhigt und konnten uns der Sauna widmen. Eigentlich hätten wir die nicht mehr gebraucht, doch wo wir dann einmal drin saßen, war es die richtige Belohnung für die geschundenen Knochen. Der Tag hatte sich doch positiv entwickelt.

Ich setzte dieser Entwicklung noch eins oben drauf, denn gedanklich hatte ich für mich festgestellt, dass es richtig in Stress ausarten würde, morgen Geld, Benzin und Lebensmittel zu besorgen um dann wieder aufzubrechen um weiter zu wandern. Zurück an der Hütte verkündete ich meine Botschaft. Wir bleiben hier eine weitere Nacht, es wäre noch genug Zeit, die Runde zu schaffen und wir besorgen morgen alles entspannt. Der Jubel war groß und es war der Lohn der heutigen Tour. Mit einem guten Wodka stießen wir an. An ein Sitzen in der Hütte war nicht zu denken, es war dort wärmer als in der Sauna. Wir saßen draußen, während drin die Sachen im Minutentakt trockneten.

Geschafft, zufrieden und glücklich endete der Abend für Alle, auch für Täve. Er bekam heute seine eigene Cola Flasche, Pringles und eine Schokolade. Seinen Ehrgeiz, bei dem Wetter so unkompliziert mitzuspielen, musste belohnt werden. Er fand es aber gar nicht so schlimm und meinte nur „Du weißt doch Papa, dass ich keine Sonne mag“. Naja, aber Mistwetter muss man auch mögen oder zumindest standhalten, oder?

 

15.Tag | Khankh  zurück zur Liste
Während wir die eine oder andere Nacht im Zelt gefroren hatten, war diese erste Nacht nach 13 Nächten im Zelt das volle Grauen. Wir hatten den kleinen Ofen zu voll gestopft und der ballerte die Nacht durch. Ein offener Funken in der Hütte und die wäre abgefackelt. Alle Fenster waren offen und halbnackt schwitzten wir uns durch die Nacht. Erst gegen 4 Uhr war es angenehm. Wir schliefen bis 9 Uhr aus und entspannt wackelten wir in den Imbiss und stellten uns unser Frühstückbuffet zusammen.

Es wurden Pfannkuchen (Bliny) und gefüllte Fleischteigtaschen in Zwiebelsuppe bestellt, was anderes war nicht wirklich zu haben. Entspannt frühstückten wir und planten grob heute, was alles zu erledigen war. Die Benzinflasche auffüllen, Bargeld abheben und einen Großeinkauf planen und erledigen. Wir mussten nun für 10 Tage einkaufen und das musste am Ende in drei der vier Packtaschen passen, die andere war die Werttasche. Zurück an der Hütte, wir wollten gerade aufbrechen, da öffneten sich die Himmelsschleusen. Es schüttete aus Eimern heftig lange. Es wäre theoretisch die Zeit für unseren Weitermarsch gewesen. Bloß gut, dass wir diese Entscheidung getroffen hatten. Wir wären sowas von durchgeweicht gewesen, dass wir am Ortausgang Khankh in das nächste Ger Camp gegangen wären. Es war wohl der stärkste Schauer, den wir im Urlaub erlebt haben.

So relaxten wir noch ein wenig in der Hütte, aßen ein paar Kekse, spielten Karten und warteten ab. Der Hausherr kam bald auf uns zu, er wollte mich zur Bank fahren. Im strömenden Regen fuhren wir durch tiefe Schlammlöcher auf Erdpisten zum Ortsausgang. Dort begann dann eine asphaltierte Straße, wohl bemerkt die erste seit 13 Tagen. Er fuhr den Berg hoch und um die Kurve sah ich schon die Bank, keine 2 Fahrminuten entfernt. Wie, da kann man nicht hinlaufen, da muss man fahren? Er fuhr dann auch noch an der Bank vorbei und hielt am nächsten Haus und ich verstand ihn so, dass es hier Geld gäbe. Er aber meinte, dass ich hier mit Kreditkarte zahlen könne, es war der einzige Supermarkt im Ort, wo das ging. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich „cash“ brauche. Jetzt klingelte es und wir gingen einfach ins nächste Gebäude. Dort hob ich weitere 140 Euro ab, für die 2.Nacht und den Einkauf sowie Puffer für unterwegs.

Danach schlenderten wir los, der Regen hatte aufgehört, die Sonne kam raus, schnelle Wetterwechsel waren hier an der Tagesordnung. Wir nahmen Maximus mit, damit er seine Beine lockern und aus dem See trinken konnte. Entweder wurden wir im Ort von Hunden oder Kindern begleitet. Wir waren schnell im von uns gedeuteten Ortskern, der aus einer Tankstelle und ein paar Minimärkten bestand. Hier lohnte es sich, auch wieder das Sortiment zu vergleichen. Grob war das Angebot gleich, im Detail entdeckte man aber das eine oder andere, was man brauchte.

 

Die einzige Tankstelle des Ortes, kaum wahrnehmbar

 

Am Pier, wo nach unseren Recherchen ab und an ein großes Schiff verkehrt, was zwischen Khankh und Khatgal pendelt, entdeckten wir ein Ger Camp, was direkt am See und am Pier lag. Wir würden dies für andere Reisende zukünftig empfehlen. Es war neuer, mit mehr Liebe erbaut und mit richtigen Duschen. Wir wollten aber nicht mehr umziehen, unsere Hütte war ausreichend, wenn auch sicher spartanischer und bestimmt auch günstiger. Es war schon Mittagszeit und wir gingen trotzdem in das Camp um Mittag zu essen. Sie tischten Getränke, einen großen Salat und eine Riesenblätterteigtasche mit Fleisch gefüllt auf. Boar, war das lecker. Also die mongolische Küche war voll unser Ding. Viel Fleisch, Teig, Zwiebeln und gut gewürzt. Der Inhaber des Camps gab uns zu verstehen, dass das Essen für uns umsonst sei. War es unsere Geschichte, die ihn begeistert hatte? Nein, am Ende wollte er nur, dass wir in seinem Camp übernachten sollten. Wir lehnten dankend ab, bezahlten aber auch unser Essen und gingen nun, vorbildlich gesättigt, einkaufen. Mit leeren Mägen hätte das Geld wohl wieder nicht gereicht.

 

Das tolle Camp am See, direkt neben dem Pier

 

Rechts das Ufer, von wo wir gekommen waren. Links am Horizont kein Land in Sicht

 

Wir bekamen alle wichtigen Sachen, jedoch waren Fleisch in Dosen und Müsli Mangelware. Auch andere kleine Dinge fehlten uns. Mit den ersten Besorgungen und der vollen Benzinflasche ging es zurück zur Hütte, wir entleerten alles und zogen noch einmal los, dort hoch, wo ich heute morgen bei der Bank war. Keine 20 Minuten später waren wir oben und durchstöberten dort noch einmal 3-4 Läden. Nun hatten wir alles, was wir brauchten und sicher auch wieder mehr als nötig. Dass das alles alle werden würde, darum machte ich mir die wenigsten Sorgen. Im Gegenteil: Ich stellte mir die Frage, ab wann wir wieder am Hungertuch nagen würden.

Wir genossen von oben die Aussicht auf Khankh und den See und sahen nun auch den Grund, warum der gestrige Weg nicht mehr direkt am See langging. Dort gab es keinen Weg mehr. Entweder war der Wasserspiegel gestiegen oder ein Hang abgerutscht. Der Steilhang verlief direkt in den See. Gegen 17 Uhr waren wir wieder an der Unterkunft. Wir räumten, packten und sortierten und freuten uns auch ein wenig auf die morgige Weiterreise.

 

Unsere beschauliches Heim für 2 Nächte…

 

..und das weniger beschauliche Scheißhaus. Wirklich entspannen konnte man hier nicht

 

Im Imbiss aßen wir uns wieder durch die Speisekarte und nutzten die noch verbleibende Zeit des Tages zum Quatsch machen, Genussmittel verzehren und ein wenig den noch bevorstehenden Weg zu checken. Noch war genügend Zeit, den weniger frequentierten Weg zu gehen, der 200km ausmachte. In 10 Tagen bedeutete das aber 20km pro Tag. Wir wollten diesen Weg erst einmal angehen. Dieser querte jeden Tag Täler, wo ein Weg zum See führte. Wir konnten so jederzeit abbrechen und abkürzen und dann den direkten Seeweg wählen. Gut gelaunt und doch auch ein wenig traurig, dass wir nur noch 10 Tage vor uns hatten, genossen wir einen tollen Sonnenuntergang. Permanent wurden wir von Hunden heimgesucht. Einer von diesen Mistködern hatte unsere Essenbox mit übrig gebliebenen Pelmenis von gestern vertilgt. Wenn ich den erwischen würde.

 

Aussicht von unserer Hütte, links den Berg hoch die einzige Asphaltstraße im Ort

 

Fazit Zweiter Abschnitt  zurück zur Liste
Dieser Abschnitt und insbesondere die erste Hälfte davon war der Auslöser dafür, die Mongolei voll und ganz in unser Herz zu schließen, mehr noch als Kirgistan. Meidet man die großen Hauptachsen, die die Einheimischen nutzen, dann ist man allein auf weiter Flur, mitten zwischen 3000ern. Genau das hat uns gefallen. Einsam, abwechslungsreich, wild, unberührt und rau. Das nordwestliche Ufer des Khovsgols ist wirklich ruhig, aber nicht einsam. Je mehr man Richtung Khankh kommt, umso mehr Zivilisation ist man ausgesetzt. Dafür entschädigte ein wenig der Blick auf die hohen 4000er des russischen Sayan Gebirges. Hier oben am Nordende des Sees hatte man das Gefühl, in der Waschküche des Khovsgols zu sein, viel Regen und Wolken. Was uns erstaunt hatte, dass man im Gebirge permanent Wassernot hatte. Viele Wasserläufe waren ausgetrocknet und auch die Sümpfe waren trocken. Das machte uns hier ein wenig zu schaffen und wir mussten uns dahingehend anpassen.

 

3.Abschnitt Khankh – Khatgal 10 Tage 200 Kilometer

 

16.Tag | Wurzelklocamp  zurück zur Liste
Alle standen motiviert auf, wir sprangen förmlich aus dem Bett. Relaxen war wirklich nichts für uns. Obwohl wir gestern ja nicht abgegammelt hatten, waren wir noch ein wenig unterfordert. Zugegebenermaßen war der Tag aber nötig, nun aber wollten wir Neues sehen, aktiv und allein sein, Unvorhergesehenes erleben und das passierte uns halt immer nur, wenn wir zu Fuß unterwegs waren. Wir spachtelten in Rekordzeit unser Frühstück rein und kamen dabei mit Russen aus Ulan-Ude ins Gespräch, die uns ein wenig unglaubwürdig anschauten, als wir von unserer Tour erzählten. Wir erweckten bei denen anscheinend so viel Mitleid, dass Sie Täve eine Süßkramtüte schenkten und uns drei Einweckgläser. Wohin damit, unsere Taschen waren prall gefüllt? Egal, Essbares fand bei uns immer Platz.

 

Noch sah es nicht nach Sonne aus, noch

 

Das Wetter war nicht das beste, aber wir waren schlimmeres gewohnt. Bei starker Bewölkung folgten wir nun im Uhrzeigersinn dem Uferverlauf, raus aus Khankh. Das Dorf zog sich noch etwas mit Häusern in die Länge, aber bald war auch das letzte Ger Camp verschwunden und wir bewegten uns nun in typisch mongolischen Gefilden. Grüne Steppen, sanfte Hügel und weiße Jurten. Bald wurden wir mit einem aufreißendem Himmel belohnt, der Wind war jedoch sehr stark, so dass wir bei einer ersten Pause die Rucksäcke als Windschatten nutzten. Es lief gut und nur die gut befahrene Piste nervte ein wenig. Also entfernten wir uns von ihr ein wenig und gingen abseits dieser querfeldein über die hügeligen Wiesen.

 

Es klarte auf und das Ortsende war erreicht

 

Blick auf die Halbinsel und das andere Ufer

 

Eine kleine Landzunge mussten wir nun über einen Berg umgehen, Das Mittagsmahl lag gerade hinter uns. Energie und Kraft waren also genug vorhanden. Yvonne bemerkte, dass wir nun tagsüber voll gegen die Sonne laufen würden, weil es von Nord nach Süd ging. Sie freute sich darüber, da nun auch mal die Vorderfront Sonne bekam, der Nacken war schon richtig ledrig vom Süd-Nord-Weg. Oben auf der Bergkuppe war wieder einer dieser Opferstätten. Abermals mussten wir Täve darauf hinweisen, dass er doch die 20 MNT Scheine liegen lassen solle. Erstens waren es umgerechnet nicht einmal 1 Cent und zweitens viel wichtiger, es hatte Jemand dort als Opfergabe hingelegt. Auf die Frage, warum er es nicht mitnehmen könne, antwortete ich „Sonst bekommen wir schlechtes Wetter“. Er erwiderte „Aber uns fehlt doch immer wieder Geld“, da hatte er aber auch wieder Recht.

 

Wo viel Verkehr ist, gibt es Brücken – unser Glück

 

Die Kuppe links im Hintergrund mussten wir hoch

 

Wir blieben nun auf der Bergkuppe, obwohl der Hauptweg wieder abwärts zum See ging. Hier war nun der Punkt erreicht, um ins Hinterland abzubiegen um immer mit ca. 10 bis 20km Abstand zum See auf unbekannten Pfaden gen Süden zu kommen. Weder auf den Militärkarten, noch auf Google Earth konnte ich einen kompletten Weg erkennen. Teilweise waren Pfade vorhanden, aber dazwischen war manchmal auch nichts und ich hoffte, dass ein leichtes Vorankommen auf wegsamer Vegetation möglich wäre.

Das Schöne an dem Abzweig war, dass wir bald oberhalb des Sees und etwas entfernt einen anderen, einen besseren Blick auf den See bekamen. Das saugten wir auf, denn bald würden wir den See für einiger Zeit nicht mehr sehen. Wir kamen an einer traditionellen Ger vorbei und überquerten einen kleinen Bach. Von Norden kamen nun einige dunkle Wolken auf, aber erkennbar war es nicht wirklich, wo diese hinziehen würden. Da der Wind stark von Nord auffrischte, wollte ich in den Wald und diesen noch bis auf den nächsten Hügel durchqueren. Am Ende des Waldes, auf einer Wiese wollte ich Camp beziehen. Es waren keine 4km mehr.

Ein kleiner Pfad war erkennbar, der in den Wald führte, dieser stimmte aber nicht mit dem Gps Track überein. Egal, Pfad vorhanden, den nehmen wir. Von der Weide ging es nun in ein Mischwald über. Der Pfad wurde mal breiter, mal schmaler, bald aber verschwand auch dieser mal wieder und wir standen mitten im Wald und folgten einem Wildwechsel um weiter voranzukommen. Die Sonne war mittlerweile weg und zwischen den Baumkronen war eine dunkle Wolkenwand erkennbar. Bei dem starken Wind wollte Yvonne aber auch kein Zelt mitten im Wald und zwischen den toten Bäumen aufbauen, berechtigte Skepsis. Wir kämpften uns also durch Gestrüpp und Wald und bald trafen wir auf eine kleine, freie Grasfläche. „Die würde mir zusagen“ meinte Yvonne. Zack, angekommen!

Es gab zwar kein Wasser, aber ich würde später noch einmal zum Bach zurücklaufen. Wir bauten nun das Zelt auf. Da wir auf ein Feuer verzichten wollten, ging das zu zweit auch schneller als gewohnt. Das war auch gut so, denn als alles verstaut war, alles im Zelt lag, da setzte der Regen ein. Das war eine Punktlandung par excellence. So schnell der Regen kam, so schnell hörte auch wieder auf und mit ihm auch der lästige Wind, der einen tagsüber echt massiv ausgekühlt hatte.

 

Schnelle Wetterwechsel – Regen da, Regen weg und Sonne

 

Täve bastelte da irgendwas, aber was?

 

Ich machte mich auf dem Weg zum Bach, Yvonne bereitete das Abendessen vor und Täve baute da irgendetwas, dazu aber noch später. Am Bach füllte ich den Wassersack und die Trinkblase auf. Ich kam bergauf ordentlich ins Schwitzen und musste mich im Wald immer ein wenig orientieren, wo unser Zelt stand. Da war es doch wieder.

Heute gab es Kartoffeln, die wir schon seit 5 Tagen mit herumschleppten, die mussten mal weg. Dazu drei Zwiebeln, Fleisch und ein russisches Einweckglas mit Rotkraut-Roter Beete-Mix. Parallel weihte Täve sein selbstgebautes Klo ein und gab uns Instruktionen. Das Klo befand sich am Ende einer 3m dicken Wurzel eines umgestürzten Baumes. Wir sollten nun immer dort drauf klettern. Es gab ein Pissoir mit Spülung und ein Platz für große Geschäfte. Das sah waghalsig aus und hielt vielleicht bei Täve stand. Yvonne und ich mussten lachen und hatten sicher das gleiche Kopfkino: beim Geschäft 3m tief in die Tanne gefallen, die Hose noch in den Kniekehlen. Keiner von uns Beiden wollte den Anfang machen, es war erst einmal duschen angesagt. Die 10 Liter sollten für Alle ausreichen.

 

rechts im Bild die besagte Wurzel

 

Das Wurzelklo, da oben auf die Erde mussten wir uns stellen, was für ein Balanceakt

 

Der Regen hatte aufgehört und da es bereits kalt war, nutzten wir seit langen mal wieder den HoBo. Richtig wärmen tat er aber nicht. Yvonne träumte sich in die heiße Hütte der letzten beiden Tage und machte sich wenigstens warme Gedanken. Nach dem Abendessen, ich bekam mal wieder Lob von meinen beiden Stammgästen, musste dann Yvonne den ersten Schritt zum Wurzelklo wagen, sie konnte sich ja hinhocken. Dann war ich dran. Nüchtern hatte ich schon Probleme, das Gleichgewicht zu halten. So richtig konnte ich nicht entspannen. Was man nicht alles für seine Kinder tut.

Da der HoBo nicht die erwünschte Wärme brachte, krochen wir ins Zelt und spielten noch lange Karten. Wir waren uns alle Drei einig, dass uns die zwei Tage Hütte schon wieder weich gemacht hatten. Zuviel Wärme, zuviel Luxus. Hier draußen fühlten wir uns wieder wohl. Allein abseits im Zelt schlafen und morgens mit den Sonnenstrahlen aufwachen.

 

17.Tag | Herdencamp  zurück zur Liste
Schon beim Aufstehen machte ich mir Sorgen, wo der Weg den heute weitergehen sollte. Es war ja nur noch Wald um uns. Doch erst mal verschwand ich im Wald um ein verstecktes Geschäft zu erledigen. Täve schlief noch und ich wollte ihn nicht enttäuschen. Es hätte ihm aber auch nichts genutzt, wenn ich im doppelten Sinne am Wurzelklo abgekackt hätte. Frühstück gab’s im Zelt, es schien zwar die Sonne, aber der Wald war im Wege. Ich studierte währenddessen die vorhandenen Karten und kam zu dem Entschluss, einfach los zu laufen.

Wir packten alles zusammen, die gleiche Routine wie an jedem Tag. Manch einer fragt uns dann nach unseren Reisen immer, ob uns genau das nicht stört. Zelt aufbauen, abbauen, weiterziehen und wieder von vorn. Das Auspacken und aufbauen macht Einem Freude, weil man glücklich ist, angekommen zu sein und alles geht sowieso schneller von der Hand als das Zusammenpacken. Hier motiviert uns aber immer wieder das Weitergehen, das Neue, das Überraschende. Klar, ist es immer wieder das Gleiche, aber die Routine schafft es auch, dass man schneller fertig ist.

So, ab ins Gestrüpp. Es war ein Zick-Zack-Lauf, immer wieder umgefallenen Bäumen und engen Passagen ausweichen. Dabei kreuzten wir bald zigmal den auf dem Gps eingezeichneten Weg. Gott verdammt nochmal, kann doch nicht wahr sein. Nun ging es auch noch ansteigend durch den Wald. In der Ferne konnte man schon blauen Himmel erkennen. Ich motivierte mit den Worten „Ich sehe das Ende“ uns alle Drei. Dann war es erreicht und wir waren glücklich und traurig zugleich. Glücklich, endlich den Wald hinter uns gelassen zu haben, traurig, dass wir es gestern nicht bis hierher geschafft hatten. Hier wäre das bessere Camp gewesen. So ging es uns in diesem Urlaub aber schon des öfteren. Wir pausierten kurz und genossen die Aussicht ins Tal hinunter, wo wir lang wollten.

 

Hier hätten wir lieber Camp bezogen

 

hoch-genüssliche Kekspause

 

Im Tal angekommen, ging es gleich wieder im Tal am Fluss weiter hoch um diesen bald zu queren. Nun ging es am anderen Berghang wieder hoch. Dieser Weg war mal sehr ausgetreten und auch von Motorrädern befahren, aber immer noch ein kleiner Pfad. Dieser würde nun hoffentlich mal nicht im Nirvana verschwinden. Die 200 Höhenmeter würden wir noch rocken und dann oben Pause machen. Vorsorglich hatte ich eine 1.5L PET Flasche mit Wasser gefüllt. So waren wir nun immer zur Mittagspause unabhängig vom Wasser. Der Weg verlief sehr ansprechende durch einen Wald-Wiesen-Mix in kleinen Serpentinen den Hang hinauf. Die Sonne verstärkte die Anstrengung und Alle schwitzten. Wir waren gefühlt schnell unterwegs und die Mittagspause war verdient. Es gab Brot und wieder ein russisches Einweckglas. Darin befand sich eine zähflüssige Masse aus Möhren, Kürbis und vielen anderen Sachen. Wow, das schmeckte abermals lecker. Okay, die russische Küche ist auch voll nach unserem Geschmack.

 

Schöner, einsamer Anstieg mit untypischer Landschaft für die Mongolei

 

Maximus und seine kleinen Grassnacks

 

Irgendwie hatten wir das Gefühl, das hier Jemand seit dem 1.September den Schalter auf Winter umgelegt hatte. Trotz Sonne war es kühl. Daher pausierten wir auch nicht zu lange und nutzten den entspannten Abstieg zur Erholung. Wie konnte es anders sein, auch hier musste was schiefgehen. Wir folgten einfach immer diesem einen vorhandenen Pfad, da wir in der Annahme waren, dass es der richtige war. Lange hatte ich schon nicht mehr aufs Navi geschaut, wunderte mich aber, dass wir irgendwie die falsche Himmelsrichtung ins Visier nahmen. Ein Blick auf das Navi und es war klar. Wir hatten einen Abzweig verpasst. Hach, als würde es hier tausend Abzweige und Wege geben. Da war keiner. Wir folgten nun diesem Weg weiter, da er auch ins Tal verlief. Es würde halt nur ca. 2km Umweg bedeuten. „Wenigstens ist hier ein richtiger Weg“ meinte Yvonne, wo sie auch wieder mal Recht hatte. Wenn wir schon den Abzweig nicht gesehen hatten, wäre sicher der Pfad auch nicht sonderlich begehbar gewesen.

 

Das Tal war das Ziel, auf Umwegen kamen wir bald dort an

 

Unten am Fluss angekommen, gab es eine Snackpause und bald vergaßen wir den Umweg, da er schnell wieder rein geholt war. Es ging im Tal flussabwärts auf einer Autopiste entlang. Hier und da war eine Ger und viele Tiere kreuzten unseren Weg. In diesen Tälern, die wir tagsüber querten, befanden sich meist Jurten oder kleine Bretterbuden, die Talhänge jedoch waren sehr einsam. Also eine akzeptable Abwechslung.

 

Diesen Fluss galt es noch zu queren

 

Die 18km waren erreicht und es musste nur noch ein 8m breiter Fluss gequert werden. Dazu musste ich in die Crocs schlüpfen und spielte mal wieder „Fähre für Alle“. Es ging noch einen kleinen Hang hoch und sehr exponiert, nicht weit vom Fluss, bauten wir auf einer Wiese, nahe einem verlassenem Herbst-/Winterlager unser Camp auf. Kaum stand Zelt und Lagerfeuerstelle, kam ein Motorradfahrer des Weges, drehte zwei Runden um unseren Platz und hielt an. Es war der scheinbar der Besitzer des Landes, wobei das hier nicht wirklich ersichtlich war. Es war für ihn okay, dass wir hier zelteten. Wir rauchten eine Zigarette zusammen und so schnell wie er erschienen war, war er auch wieder verschwunden.

Die Aussicht war fantastisch, weit über das Tal hinweg konnten wir den gesamten gegenüberliegenden Berghang einsehe. Es war wie Fernsehen, nur echter. Eine Mongole trieb gerade seine Herde zusammen und wollte sie in eine Richtung führen. Immer wieder entwischte ein Tier und er musste zurück. Das war lustig anzuschauen und wir vertrödeln uns die Zeit damit, wirklich bis zum Ende live dabei zu sein.

 

Live TV – die Herde sollte bald nach Hause getrieben werden

 

Dann ging es runter an den Fluss baden, ich weigerte mich kategorisch wieder das Badewasser hochzuschleppen. Mit dem Handtuch über der Schulter und den frischen Sachen ging es los, der Fluss ca. 400m entfernt. Wir badeten intensiv, denn gestern die Katzenwäsche unterm Wassersack ist eher zum Reinigen des schlechten Gewissens nicht wieder stinkend in den Schlafsack zu kriechen. Im Fluss wurde heute alles ordentlich abgeschrubbt.

Zurück am Zelt, das Lagerfeuer loderte noch und ich legte noch einmal richtig auf um Glut zum Kochen parat zu haben, da kam auf einmal eine Herde aus Kühen und Yaks unseren Hang hinauf. Täve und Yvonne saßen im Zelt, ich gechillt im TAR Chair am Feuer. Sie kamen immer näher und Yvonne meinte nur „Hab‘ keine Angst, die sind doch nicht so blöd und kommen dem Feuer zu nahe“. Die waren richtig blöd. Ich hatte das Gefühl, sie wollten sich zu mir setzen. Wie war das noch einmal mit der Farbe rot, wo diese Viecher immer darauf abfahren? Sie schnüffelten um das Zelt herum und gingen dann aber völlig entspannt weiter. Maximus zwischendrin, aber der hatte nur Angst um sein Gras, den juckte das alles nur wenig.

 

Nein, die wollen nur spielen

 

Die Herde von ca. 50 Tieren platzierte sich dann oben an dem verlassenen Lager und wieder waren Alle entspannt. Nun kamen auch meine beiden Angsthasen wieder aus dem Zelt, aber mir sagen, dass ich unbesorgt sein sollte. Es gab mal wieder Nudeln, mal wieder mit Zwiebeln, aber mit einer neuen Dosensorte Fleisch. Abwechslung muss sein! Das Essen war schnell zubereitet und ebenso schnell wieder verputzt und bei einem großen Lagerfeuer und einer netten Abendstimmung wurde die Ration Belohnung aufgetischt.

 

Essenszeit, es konnte mal wieder nicht schnell genug gehen

 

Der Abend entwickelte sich zum schönsten des ganzen Urlaub und so etwas kann man nicht vorhersehen. Wir hatten draußen Spaß an den Anekdoten, die uns in diesem und den zurückliegenden Urlauben widerfahren waren. Die Zeit rannte nur so weg und es floss durchaus der eine oder andere Wodkatropfen mehr als sonst. Dies hatte später zur Folge, dass ich Yvonne die Richtung ins nur 5m entfernte Zelt zeigen musste, sonst wäre sie zum Fluss marschiert.

 

18.Tag | Koppelcamp  zurück zur Liste
Als ich heute morgen den Fuß vors Zelt setzte, konnte ich noch nicht ahnen, dass ich heute meinen mentalen Tiefstpunkt erreichen würde. Alles fing so toll an, Sonne und Aussicht am Morgen, Yvonne neben mir mit kleinem Kater und ich mit Schadenfreude. Nachdem wir während des Frühstücks wieder live beim Raustreiben der Herde dabei waren, packten wir auch bald die Klamotten zusammen und folgten nun dem Hang noch weiter hoch. Die Bergkuppe dieses Mal keine 10 Minuten später erreicht, genossen wir den Ausblick auf ein abermals fast unberührtes Tal. Eigentlich waren heute drei Talsenken auf der Tagesordnung. Eigentlich!

 

Morgendliche Aussicht

 

Ab mit Euch auf die Weide

 

Feuer erloschen, Käffchen alle – ab ging’s ans packen

 

Rückblick vom ersten Hügel auf „unser“ Tal

 

Die erste Senke war schnell erreicht, es war eher ein Zwischental und der Höhenunterschied keine 50 Meter, wo es sonst eher 150 bis 250 Meter waren. Genau so eine Hausnummer folgte nun, wir mussten von 1750 auf ca. 2000 Meter hoch. Glücklicherweise war ein Pfad vorhanden, der mal bis hoch zur Kuppe ging. So konnten wir uns mal zur Abwechslung auf uns und die Umgebung konzentrieren. Dabei kamen wir zu der Erkenntnis, dass die Täler und Bergrücken zwar etwas Abwechslung boten, aber nicht mit der Vielfältigkeit des Westufers mithalten konnten. Dafür waren wir hier aber einsamer unterwegs, was wohl auch an dem Wegzustand liegen konnte. Auf der Bergkuppe gab es wie immer 5 Minuten Snackpause, Ausblick genießen, Puls runterkommen lassen.

 

Senke Nummer eins konnte kommen, ein Weg war erkennbar

 

Ab in die zweite Senke, wo neugierige Einwohner auf uns warteten

 

Es folgte nun die zweite, größere Senke, es ging 200 Meter wieder hinunter. Die Berg- und Talfahrt hatte was. Etwas Anstrengung bergauf, ohne große Steigungsprozente, dann wieder bergab zum entspannen. Im zweiten Tal des Tages waren drei Gers auf einem Hochplateau. Da wir nichts brauchten, umliefen wir diese in einem weiten Abstand. So weit, dass die Bewohner der Gers schon ihre Ferngläser zücken mussten, um uns zu erkennen. Einer von ihnen packte die Neugierde dermaßen, dass er angeritten kam und uns ins Gespräch verwickeln wollte. Wir gaben unsere Standardantworten, wussten aber nicht so recht, ob es zu seinen Fragen passte. Sei es drum, er hatte nun mehr Input als die Anderen und konnte seinen Nachbarn die Neuigkeiten mitteilen.

 

Wir ließen die Gers hinter uns und nun nahm das Grauen seinen Lauf

 

Anfangs war auf dem Plateau kein Weg zu erkennen, aber es entwickelte sich einer. Bald hatten wir aber die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Der Weg verlief nun weiter in einer sumpfigen Senke geradewegs zum Bergrücken hoch. Keine von uns hatte Bock auf nasse Schuhe, also kämpften wir uns links weglos durch den Wald nach oben, so steil, dass wir Serpentinen laufen mussten. Sogar eine Herde Rehe war erschrocken, dass hier Jemand lang kam. Mit ihren weißen auffälligen Schwänzen sprangen sie die Hänge nach oben, wir dagegen schlichen und krochen fast. Wieder ein Zick-Zack-Lauf um tote Baumstämme und dickes Gebüsch. Ich war dem Fluchen schon wieder nahe, da öffnete sich der Wald und trotz nicht vorhandenem Weg erreichten wir bald den Bergrücken.

Nach diesen Strapazen hielt ich es für angebracht, hier oben gleich Mittag zu machen, obwohl erst 10km absolviert waren. Es wurde wieder lecker gekocht und dies hob die Stimmung wieder um ein vielfaches. Die Sonne genossen wir noch ein wenig gemeinsam, sogar für mich war sie mittlerweile erträglich. Entspannt sollte es nun erst einmal wieder 5km ins nächste Tal hinuntergehen. Sollte! Eigentlich!

Mit dem ersten Schritt nach der Pause sollte nun meine Stimmung und meine mentale Kraft stetig nachlassen. Ich gebe eigentlich selten schnell bei, kann mich auch mal durchbeißen, nach vorn schauen und kämpfen, aber was nun kam, war der blanke Horror. 20 Meter nach der Pause, wohl bemerkt auf diesen 20m war ein Pfad erkennbar, hörte dieser vor eine brusthohen Buschfront einfach auf. Es war aber der einzig erkennbare Weg hier oben gewesen. Also hieß es Augen zu und durch. Gern hätte ich Maximus voraus geschickt um den Weg freizumachen, aber er war sicher froh, dass ich der Anführer war. Durch dichtes, trockenes Buschwerk und sehr unebenen und auch nicht sichtbaren Boden ging es nun langsam voran. Meine offenen Schienenbeine bekamen immer wieder die vertrockneten Äste ab, wie Peitschenhiebe. Ich biss (noch) die Zähen zusammen, konzentrierte mich noch darauf, den besten Weg zu finden, der nicht wirklich erkennbar war. Zwischenzeitlich kam ein offenes Waldstück. Ich hoffte, dass es nun besser laufen würde, doch nach 200m starb meine Hoffnung gänzlich. Wieder standen wir vor einer Buschfront. „Scheiiiiiiiiiße“ schrie ich lauthals aus mir raus, es muss wohl in einigen Tälern zu hören gewesen sein. Leider bekam ich kein Mitleid von meinen Nachfolgern. Die konnten meine Stimmung gar nicht verstehen. Klar, sie folgten ja meinem bereinigtem Weg, ich dagegen stand immer vor fast mannshohem Buschwerk.

„Komm‘ schon!“ baute mich Yvonne auf, aber der Blick nach vorn baute mich keineswegs auf. Es ging nun zwar schon runter, aber überall waren Büsche, überall! Links, rechts, vorn, hinten. Laut Karte war links von uns das Gebüsch eher zu Ende, also gingen wir abermals einen Umweg, da der Weg gerade aus scheinbar endlos durch dieses Gestrüpp weiter gegangen wäre.

Innerlich fiel mir ein Stein vom Herzen als endlich freie Wiese kam. Wir standen zwar nun vor einem steilen Hang, den wir nun abermals mit Umweg nach links umgehen mussten, aber nach 5km Tortur vom feinsten war diese zweistündige Odyssee vorbei. Ich wollte und konnte mich heute nicht noch einmal auf so Etwas einlassen. Ich hatte die Schnauze voll und da kam eine verlassene Koppel genau richtig. Dieses Tal war völlig unberührt. Keine Jurten, keine Menschen, ach und als hätte ich es fast vergessen, keine Wege!

 

Bevor ich zu irgendwas fähig war, gab es erst einmal eine „Angekommen-Zigarette“

 

Hier bauten wir nach 15km unser Lager auf. Maximus hatte endlich mal Freilauf in der Koppel und ich konnte wieder runterkommen. An einem alten Holzstapel fanden wir noch Feuerholz, in der Nähe war ein Fluss. Alles perfekt. Ich rauchte erst einmal eine Cooldown-Zigarette. Lange dauerte es nicht und die Camplage sowie Täve’s Freude, heute mal frei mit Maximus in der Koppel reiten zu können, hatten mich schnell wieder akklimatisiert.

 

Tolles Camp, einsames Tal – in den Top3 ganz oben

 

Es war noch früh am Nachmittag, Täve flog ein wenig mit der Drohne herum, ich pflückte derweil Maximus’s Liebelingsgras, Heu war auch noch etwas da. Hier sollte sich Maximus die Polster anfressen können, die er noch bis Khatgal benötigen würde. Es wurde dann noch ein entspannte Spätnachmittag und ein mit tollen Sonnenuntergang begleiteter Abend.

 

Blick in Richtung See

 

Yvonne nahm mir heute die Arbeit ab und kochte

 

Der heutige Tag blieb nicht ohne Folgen. Wir machten uns Gedanken, wenn es weiter so laufen würde, wie der Plan noch aussehen könnte. Nicht nur mental waren die unwegsamen Hänge das Grauen, nein, sie kosteten auch Zeit. Wir müssten nun von Tag zu Tag entscheiden, ob der Weg machbar oder ob die Flucht ans Ufer hinunter besser sei.

 

19.Tag | Seesichtcamp  zurück zur Liste
Aufstehen! Neuer Tag, neues Glück, neue Motivation. Mal sehen, wie lange es heute halten würde. Maximus hatte seine Koppel ordentlich abgegrast, der war auf jeden Fall fit für den Tag. Wir mussten uns noch am Frühstückstisch stärken. Ich hatte für mich seit 2 Tagen ein neues Essen gefunden, was die Beiden nicht mochten. Endlich was, was mir mal nicht weg gefuttert wird. Wir hatten Unmengen für Keksen für die Snackpausen dabei, jedoch zerbröselte schon mal der eine oder andere Keks. Dies Krümel hob ich nun immer auf und schüttete sich morgens in warme Milch. Es entstand ein leckerer Brei, Konsistenz und Geschmack fast dem Grießbrei ähnlich. Nein, wir nagten nicht schon wieder am Hungertuch, aber wir mussten ja auch nichts weghauen.

Bald waren wir startklar und liefen in dem Tal ein wenig Richtung See (Westen) hinunter. Wir mussten nun wieder den Hang hoch auf den Bergrücken Richtung Süden. Schon eine Weile durchkämmte ich mit den Augen den Hang nach einem Pfad. Ich sah nichts und trotz des gestrigen Tages wollte ich es noch einmal wissen. Vielleicht lag es auch an dem traumhaften Camp. Wir würden sicher noch so einige einsame diese Art hier im Hinterland finden. Unten am See würde es nicht mehr so einsam sein, viele Autos, viele Gers.

Wir kämpften uns durch Büsche durch und standen bald vor einem Fluss, der an dieser Stelle unüberwindbar war: 3m breite, ca. 1m tief und ein Grasabsatz von ca. 50cm. Bei einer Kehrtwende, um einen anderen Übergang zu finden, drehte sich Maximus mit seinem breiten Hinterteil so schwungvoll um, dass Yvonne fast in den Fluss gefallen wäre. Sie konnte sich gerade noch so an einem Busch festhalten. „Es reicht, ich hab‘ die Schnauze voll, ich möchte hier nicht mehr weiter“ Nun hatte sie die Schnauze voll. Ich redete zwar auf sie ein, es wenigstens hier noch einmal zu probieren und ggf. im nächsten Tal zu kapitulieren, aber sie wollte nicht mehr, ich dagegen schon.

 

Mit Blick auf das Westufer ging es nun Richtung See

 

Im Hintergrund am linken Ende des Waldstückes wäre es hoch gegangen

 

Zwingen konnte ich sie zu diesem nächsten Kraftakt nicht und ich musste nun einlenken. Wir schlugen also den Weg gen Westen zum See ein. Nun war dicke Luft angesagt und Täve wollte immer intervenieren. Sicher habe ich auch ein wenig überreagiert, aber mich störte es, dass Yvonne ohne einen Versuch kapitulierte. Es sah so aus, als hätte sie nur noch auf einen Funken am Pulverfass gewartet. So verliefen die ersten paar Kilometer ohne große Worte. Innerlich sagte ich mir: „Gute Bilanz, erster großer Streit nach nunmehr 19 Tagen, neuer Rekord!“

 

Das Tal ging es nun hinunter

 

Es ging nun im Tal immer weiter hinunter, nun kamen auch Gers und Herden. Es wurden Fahr- und Wanderweg sichtbar. Ohne Frage, das Tal war auch schön und noch nicht überlaufen. Zur Mittagspause hatten wir eine Talkreuzung erreicht, rechts ging es weiter zum See, links laut Navi eine Straße hoch. Hier erwartete ich nun eine mongolische Autobahn. Wir machten aber noch auf dem ruhigeren Stück Pause, das Mittagessen schaffte es wieder, dass mit einander gesprochen wurde.

 

Mittagspause – links über den Fluss gab es wieder Flusstaxi für Alle

 

Erstmals sahen wir seit Khankh den See wieder

 

Die Sonne schien heute volle Kraft, die Pause wurde ausgedehnt. Wir sollten nun mehr Zeit haben, weniger Kilometer pro Tag einplanen, alles noch entspannter angehen. Wir liefen nun links und folgten in südlicher Richtung einem Pfad. Wo war hier bitte eine Straße? Keine vorhanden? Es war wirklich nur ein Pfad da, dieses mal ausgetreten und von einigen Kradfahrern benutzt. Konnte uns nur Recht sein, so waren wir weiter allein unterwegs. Es ging zwar wieder steil hoch, aber es waren nur 200 Höhenmeter und zum Glück gab es etwas Schatten. Am Ende war es heute nicht anders als sonst, nur weiter westlicher ging es nun entlang. Den einen Talhang hoch, auf der anderen Seite wieder runter und wieder von vorn. nur die Täler schienen bewohnter zu sein. Nach dem einsamen Anstieg, war also auch bald der Abstieg geschafft.

 

Wir hatten uns Alle wieder lieb

 

Unser Zieltal für heute

 

Vor uns öffnete sich immer mehr eine Ebene mit wenigen Bäumen und ein paar Gers am Horizont. In der Ferne entdeckten wir ein flaches Plateau und dort angekommen, war das Camp schon fast gebongt, denn es gab eine fantastische Aussicht auf den See, die Gebirgskette am Westufer und unser Tal. Nur Wasser war nicht in der Nähe, ich konnte aber in ca. 1km Entfernung einen Fluss ausmachen. Mittlerweile störte uns die Anwesenheit anderer Gers und unsere Sichtbarkeit nicht mehr so wie am Anfang. Die Frage war, ob wir Jemanden stören würden. Das war nun eher unser Bedenken. Im Umkreis von 1km war keine Ger, das sollte genug Privatsphäre für Jeden von uns sein.

 

Skeptischer Blick bei den vielen Gers, aber völlig unbegründet

 

Das Zelt stand bald, in der Nähe ein kräftiger Baum, der dem Hilleberg noch ordentlich Schatten spendete. Ich wollte vermeiden, dass das Zelt unnötig und lange der Sonne ausgesetzt ist. Holz und Steine waren genug vorhanden, die Feuerstelle also im zweiten Schritt fertig. Der Nachmittag war noch jung, wir hatten 17km geschafft und noch Zeit um am Lagerfeuer runter zu kommen und die Aussicht zu genießen, das Camp wurde daher auch Seesichtcamp genannt.

Okay, ich bin ehrlich. Anfangs war ich heute sauer, dass wir vor den Büschen kapitulierten, aber ohne diese Entscheidung hätten wir nicht dieses tolle Camp gefunden. Hier war die Aussicht der entscheidende Faktor, dabei übersahen wir, dass es mal nicht so einsam zuging. Das hatte aber Folgen, für am Ende nur positive. Wir wollten das Camp schon Besuchercamp nennen.

Ein Mongole kam motorisiert zu unserem Camp und begrüßte uns herzlich, als Sozius seinen kleinen Sohn dabei. Wir packten die Gelegenheit beim Schopfe und fragten nach Brot und Milch. Wir verstanden ihn so, dass es länger dauern würde, er aber liefern würde. Okay, wir waren happy, das Frühstück sollte also wieder einmal mehrere Tage gesichert sein. Kurz bevor wir zum Wasser gehen wollten, kam ein Reiter zu uns: kurzer Smalltalk, eine Zigarette meinerseits als Geschenk und fort war er wieder. Weit später am Abend kam dann noch ein junges Mädel mit einer Schüssel Heidelbeeren zu uns. Wir schenkten ihr dafür eine Schokolade und kamen ein wenig ins Gespräch, sie konnte ein paar Bruchstücke englisch. Nun hatten wir, glaube ich zumindest, das ganze Tal kennengelernt. So geht Social Media auf mongolisch. Einfach genial.

 

Die junge Heidelbeer-Dame

 

Endlich kam mal Keiner und wir flüchteten förmlich zum Fluss. Dort angekommen, musste Maximus immer als Schutz für Yvonne dienen. Wir sahen die Gers und die uns. Ja, und wir wussten, sie hatten Ferngläser. Das hinderte uns aber nicht am Nacktbaden. Täve wollte heute nicht, er war auf ein großes Geschäft aus, das Klopapier aber 1km entfernt am Zelt. „Entweder Du nimmst hier Gras oder gehst allein zum Zelt zurück“. Ich war verwundert, er ging einfach allein zum Zelt zurück. Bald waren wir mit Maximus auch wieder am Zelt, er durfte noch seinen Durst am Fluss löschen, dafür aber auch die Wasservorräte zurückschleppen. Täve bekam gleich noch seine Reitstunden und Alle waren am Ende des Tages doch zufriedener als gedacht.

Ich jedoch sah mich wieder in einer Verteidigungslage. Hunde, okay niedliche Hunde, kamen zu unserem Zelt und bettelten nach Essen. Es lagen noch die Kekstüten am Lagerfeuer. Yvonne und Täve kamen auf die Idee, doch die nicht mehr benötigten Kekskrümel zu verfüttern. Nun reichte es. „Geht’s noch, die sind alle meine, verfüttert doch Eure intakten Kekse“ widersprach ich. Alle mussten lachen. Waren die Hunde wichtiger als ich? Scheinbar. Gut, sie waren niedlich, aber das musste nun wirklich nicht sein.

 

Abendstimmung am Camp

 

Essen bald fertig?

 

Bald sollte es Abendessen geben, aber auch hier wollte Keiner was abgeben, die Hunde zogen enttäuscht ab. Es gab mal wieder Nudeln, heute mal vegetarisch ohne Fleisch, dafür umso mehr Zwiebeln. Am Lagerfeuer schauten wir entspannt dem wilden Treiben am Himmel des Westufers zu. Dunkle Wolken und viele Blitze. Bald schon donnerte es auch. Noch sah es aber gut für uns aus, wir konnten noch lange draußen sitzen.

 

Die Heidelbeer-Dame wollte uns unbedingt fotografieren

 

20.Tag | Warmwassercamp  zurück zur Liste
Ich stand wie immer im Urlaub als Erster auf und machte das Lagerfeuer an. Die Sonne schien dermaßen aufs Zelt, dass ich nur noch rauswollte. Die anderen Beiden drehten sich noch eine Runde um. Kaum war das Feuer an, kam der nette Bäcker von gestern wieder an. Er brachte uns das frische Brot und die Milch. Nun wusste ich, was er gestern gemeint hatte. Das Brot wolle er morgens frisch backen und uns dann bringen. Es war noch warm und hatte die Größe eines halben Käserades. Allein der Geruch trieb dann auch Yvonne und Täve aus dem Zelt. Ich warf ihnen schnell das Brot zu, sonst hätte ich womöglich meine Finger eingebüßt.

Zum Frühstück holte ich meine versteckten Kekskrümel wieder hervor und die gestern geschenkten Heidelbeeren hatte ich bereits zerdrückt, aufgekocht und etwas gezuckert. So gab es leckere Heidelbeermarmelade. Alle waren gut drauf, die Stimmung gut und das Wetter auch. Würde es heute wieder einen Tiefpunkt geben? Zur Abwechslung wäre ein Tag ohne besonderen Vorkommnisse mal nicht schlecht gewesen.

Nachdem der Kram gepackt war, ging es das letzte Mal auf ungewissen Pfaden einen Berghang hinauf, raus aus dem Tal. Dahinter würde uns dann die Piste erwarten, die mit dem Auto befahrbar ist und nach Khatgal führt. Bei meinen damaligen Recherchen las ich von einem Europäer, der 15.000km mit dem Auto kreuz und quer in Asien unterwegs war und diese Piste Khankh – Khatgal als wohl schlechtesten Straßenabschnitt bezeichnet hatte. Wir waren also gespannt.

Vorerst hinderte uns ein Fluss und ein Sumpfgebiet vorm Weiterkommen. Kein Weg hindurch zu sehen, keine Ausweichvariante links oder rechts. Die nette Heidelbeerdame kam angerannt und zeigte nach rechts. Okay, wir gingen also rechts lang, da war wenigstens kein Sumpf, dafür aber kein Weg. Was solls, mit einer gewissen Gleichgültigkeit akzeptierten wir mittlerweile diese Situation, womöglich auch, weil wir wussten, dass es fortan nur besser werden konnte. Unwegsam ging es auf einer Wiese bis zu einem Waldrand. Laut Gps befanden wir uns auf dem Pfad, der Pfad befand sich aber nicht unter uns. Nach einer kleinen Querung durch den Wald war dann einfach da und hörte bis zum Bergrücken auch nicht mehr einfach so auf.

 

Der letzte einsame Aufstieg vor der Piste

 

Auf dem Bergrücken hatten wir nun freie Sicht auf die Piste in der Ferne. Bis dahin, zum anderen Talhang, war es noch ein Stück. Wir pausierten kurz, ließen die Aussicht auf uns wirken und visierten geradewegs die Piste oben am Bergrücken an. Direkt mittendurch statt mit Umweg im Tal auf die Piste. Dass „direkt“ bei diesem Urlaub meist immer der falsche Weg war, blendeten wir aus. So kam es, dass wir den wohl letzten Sumpf des Urlaubes durchstapfen mussten. Nicht nur die Ebenen, sondern auch die sanften Talhänge waren ordentlich versumpft. Die Füße blieben glücklicherweise trocken und so erreichten wir bald die Piste und wenig später auch den bewaldeten Bergrücken. Keine Aussicht, aber trotzdem Pause. Die Sonne und ein kleines Fleckchen mit idyllischer Wiese schrie förmlich „Pause!“

 

Piste erreicht, nun kamen wir gut voran

 

Bald ging es bergab und ein offenes Tal gab den Seeblick wieder frei. Hier unten gab es ab vom Schuss einen Minimarkt ([URL=“https://www.google.com/maps/place/51%C2%B005’37.0%22N+100%C2%B043’54.3%22E/@51.0936213,100.7295653,17z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x0:0x0!8m2!3d51.093618!4d100.731754″]N51°05’37.0″ E100°43’54.3″[/URL]). Kaum zu glauben, aber wir brauchten gerade nichts und das Geld war schon wieder dem Ende nah. Bald erblickten wir ein Ger Camp mit sicher um die 50 Jurten, festen Gebäuden und eingezäuntem Gelände. Wow, wer hatte die Idee, hier so einen Koloss hin zu bauen? Wir zogen schnell weiter.

 

Die Hütte war ein kleiner Minimarkt

 

Täve und ich hatten nun eine neue Beschäftigung gefunden. Immer liefen in den Anstiegen auf den Pisten kleine Rinnsale hinunter, die irgendwann immer einfach aufhörten. Meist war dort dann eine kleine Quelle. Die spürten wir auf und legten sie frei. Es sprudelte frisches Wasser heraus, Täve fand das sehr interessant. Unbemerkt und mit Entspannung erreichten wir bald ein Plateau, oberhalb einer steileren Küste. Wieder einmal spürte Täve eine Quelle auf. Hier machten wir Pause in der Sonne und im Schutze des Waldes. Es wehte mal wieder ein frischer Wind.

 

Wieder im Anstieg, auf der Piste eine dieser Quellflüsschen

 

Mittagspause direkt am Weg

 

Das nenne ich mal ein Brot

 

Das einzig wahre Gefährt für diese Piste

 

Plan war es, nach der Pause noch ins nächste Tal runter zulaufen um dann am nächsten Anstieg was idyllisches zu suchen. Irgendwo würden wir schon was finden. Es ließ sich nun mal entspannter auf der Piste laufen und noch waren wir begeistert, dass hier doch sehr wenige Autos vorbeikamen. Wir hatten seitdem nur einen großen LKW und 1-2 Kradfahrer gesehen. Es hielt sich also in Grenzen und ab und an gab es auch die Möglichkeit, etwas abseits der Piste zu laufen. Dies nahmen wir dann auch wahr. Eine weite Bucht war bald im Tal erreicht, mit flachen Strandabschnitt. Frei umher laufende Pferde weckten unser Interesse und wir ihres, nur Maximus ignorierte Alle. Dieser arrogante Schimmel, dachte er, er wäre was besseres? Wir lachten uns eins ab.

 

Zur Abwechslung mal braune Pferde

 

Pause vorbei, Blick auf die Bucht

 

Die größte Insel im See – Wir benannten sie nach dem essbaren Amerikaner

 

Blick zurück auf die Steilküste

 

Nach 17km war der heutige Tag mal wieder ein aufbauendes Erlebnis, dazu noch ein schönes Camp auf einer kleinen Anhöhe am Ende der Bucht, blickdicht im Wald und doch noch offen genug für Sonne. Uns sah Keiner, wir sahen alles. Feuerholz war hier auch vorhanden und so waren wir schnell hergerichtet und fertig zum entspannen. Täve bekam danach seine Reitrunden und Maximus lief ohne Täves Zutun abwechselnd Galopp und Trab. Hatte er selbst seinen Spaß dabei? Anschließend holte ich im nahe gelegenen Fluss Wasser und bot an, heute mal warm zu duschen, den Dreck abzuschrubben, der mit kalten Wasser hartnäckig blieb. Alle fanden die Idee super, also wurden nach und nach Töpfe mit Wasser aufgekocht.

 

Hier hatten wir es geschafft

 

Bald hing der Duschsack bereit und Jeder genoss die Dusche so lange, dass wir Drei die 10 Liter völlig aufbrauchten. Wir waren uns einig: Während man unter der Dusche stand, war es ein tolles Gefühl, aber danach in der Kälte fing man schnell an zu frieren und musste sich wieder warm kriegen. Da war uns das Kaltduschen doch lieber, zwar kostete es mehr Überwindung, aber am Ende war Einem dann doch wärmer. Da es also das erste und letzte Mal Warmduschen war, bekam das Camp auch den Namen Warmwassercamp.

Zeitig machten wir das Abendessen, es grollte im Westen und Süden, nur bei uns war es noch still, nur der Wind frischte auf. Sollte doch noch was kommen? Uns versperrte der Wald die Sicht auf das Unheil, doch als ich noch einmal Wasser holen musste, sah ich eine tiefe, dunkle Front in beiden Richtungen. Es war klar, heute würde es uns auch noch treffen. Das Abendessen konnten wir noch am Feuer genießen und auch entspannt verdauen, aber bald kamen die ersten Tropfen und bald regnete es sich ein. Wir verschwanden im Zelt, es war wieder einer der wenigen Abende direkt im Zelt. Die nutzten wir dann aber intensiv zum Karten spielen oder Quatsch machen. Täve hätte sich sicher mehr Abendregen gewünscht.

 

Das Camp für Warmduscher

 

21.Tag | Frustcamp  zurück zur Liste
Die Nacht war verregnet und kalt, aber nicht frostig. In der Ferne hörte man immer mal wieder Donner, die aber uns fern blieben. Es war heute Morgen trocken, aber sehr bewölkt. Beim Frühstück machten wir uns so unsere Gedanken, wie wir nun die letzten verbleibenden 110km auf die 5 Tage verteilen würden. Wir müssten nun schon ein wenig mehr auf die Tube drücken, der Druck würde mit jedem Tag größer werden. Noch aber starteten wir entspannt in den Tag.

 

Yvonne packt drin, ich draußen

 

Wir packten alles zusammen, noch waren die Packtaschen gefüllt, so dass das Zelt in den roten Ortliebsack musste. Unsere aus Deutschland mitgebrachten Vorräte waren jedoch komplett aufgebraucht, keine Volleipulver, keine Soßen, kein Milchpulver und kein Grießbrei mehr. Das war nicht schlimm, doch wir schleppten nun leere Weithalsbehälter mit uns herum und nichts, was man hätte hinein füllen können. Wenigstens hatte nun Maximus nicht mehr soviel Gewicht zu buckeln.

 

Die letzten Handgriffe, dann gings ab in die Spur

 

Wir folgten der Piste links entlang, von rechts waren wir gestern gekommen

 

Was ist das? Hund- oder Wolfspfote? Es würde sich noch aufklären

 

Nach dem Packen ging es wieder zurück auf die Piste und hoch auf den Bergrücken. Nach diesem sollten wir für zwei Tage noch einmal von der Piste abbiegen, da diese ins Hinterland mit Umweg abbog, wir aber direkt am See einem Pfad folgen wollten. Schon beim Aussprechen dieses Wortes hätten wir hellhörig werden sollen, aber wir rannten abermals in unser Verderben. Doch zuvor mussten wir auf dem Bergrücken mit freier Sicht in „unser“ Hinterland und auf die andere Uferseite mal so richtig innehalten und staunen.

 

Feinsten Flüsterasphalt sucht man hier vergebens (In dem Auto saß übrigens unsere Heidelbeer-Dame)

 

Das Unwetter, was überall, nur nicht bei uns, die Nacht getobt hatte, brachte den ersten Schneefall und das Anfang September. Hügel und Berge oberhalb der 2000m waren weiß eingepudert. Das gebirgige Westufer komplett zugeschneit. Wie mochte es dort oben nun ausschauen. Wieviel Zentimeter waren gefallen? Beim Anblick wurde uns gleich ein wenig kalt. Ein starker Wind unterstützte dieses Gefühl.

 

Der erste Schnee

 

Unser wohlgeformter Amerikaner vor weiß gepudertem Hintergrund

 

Hinter der Lärche ist der schmale Kiesstrand zu sehen

 

Nun ging es abermals, fast schon in Dauerschleife, wieder runter vom Berg. Man konnte von hier oben schon einen schmalen Kiesstrand erkennen, rechts davon der See, links eine Art Lagune oder besser seenreiches Gebiet. Wir waren schnell unten am See und am Strandbereich, in der Nähe von ein paar Gers. Ein Weg zu diesem schmalen Kiesstrand gab es nicht, aber dort angekommen, sahen wir Pferdespuren und -äpfel. Hier mussten wir also richtig sein. Daher verwunderte uns eine Einheimische, die fernab der Lagune uns zuwinkte. Was wollte Sie? Uns warnen, uns einladen, uns was verkaufen? Wir liefen einfach mal weiter. Der schmale, steinige und sehr windige Abschnitt war fast geschafft, da standen wir auf einmal vor dem Ende des Bollwerkes, zwischen dem Ufer und uns ca. 10m Wasser. Die Wellen schlugen in diese Öffnung ein, das Wasser nicht klar um zu sehen, wie tief es war.

 

Ordentlich Wind, man beachte Maximus‘ Schwanz

 

Zwar dieses Hindernis geschafft, aber dafür gegen ein anderes eingetauscht

 

Hatte die Frau uns wohl deshalb zurück winken wollen? Okay, ich zog mal die Crocs an und tastete mich zwei dicken Ästen im Wasser voran. Nach ein paar Versuchen fand ich einen grenzwertigen Weg, der sogar mein Schlübber einweichte, aber der Wind würde sie schon sicher bald getrocknet haben. Mit Maximus und Täve war ich schnell drüben, nun kam aber noch die Taxiaktion mit Yvonne auf dem Rücken. In diesem Fall wäre Fallen alles gewesen. Heil kamen wir drüben an und auf dem festen Uferrand war sogar ein Lagerplatz erkennbar. Wenn hier schon einmal Jemand war, dann gibt es hier auch einen Weg. Laut Militärkarten sollte er direkt am See entlang gehen, laut Navi etwas im Hinterland. Wir folgten erst einmal der Spur direkt am See entlang, die war deutlicher zu erkennen.

Keine Ahnung, wer hier das letzte Mal lang gegangen war. Es waren Pferdespuren erkennbar und sicher war dies ein toller Abschnitt für geführte Pferdegruppen, jedoch wurde der Weg mal wieder unsichtbar und bald standen wir sogar vor einem 10m tiefen Abgrund, der zum See wegführte. Auf den Weg direkt am See lang konnten und mussten wir als verzichten, eine übersteile Rampe führte ins Hinterland. Wir hatten keine Wahl und stiegen dieses ca. 15m kurze Steilstück nach oben auf ein Plateau. Maximus trauten wir diesen Kraftakt zu, ließen die Leine aber lang und ihm Luft um selbst zu entscheiden, in welchem Tempo er diesen Abschnitt meistern wollte.

Dann passierte es. Die hinteren Packtaschen waren für diese Steilheit nicht genügend fixiert gewesen und rutschten Maximus über den Arsch und die Hinterbeine und landen auf dem Boden. Maximus, cool wie eh und je, stieg einfach ganz gelassen drüber und lief weiter. Die Taschen rollten in die Andere Richtung. Zum Glück blieben die Teile liegen und haben nicht den Weg ins Wasser gesucht. Okay, Pferd in Sicherheit bringen, Taschen nachholen, neu aufsatteln. Noch war ich innerlich am fluchen und setzte meine letzte Hoffnung auf den Hinterlandpfad. Als wir diesen aber auch 3-4mal gekreuzt hatten, war mir klar, hier würden wir heute keine glückliche Tour hinbekommen. Man hatte das Gefühl, dass sich die Wildtiere einen Scherz daraus machten, kreuz und quer durch den Wald Wildwechsel zu legen. Ein Weg hier, ein Weg da. Bald verloren wir ein wenig die Orientierung, das Navi spielte in dem dichten Wald verrückt und verlor zeitweise das Signal. Nur die blasse Sonne konnte noch die Himmelsrichtung verraten.

 

Keiner von Beiden schaut glücklich aus

 

Die Entscheidung stand fest, raus hier, ab auf den Hauptweg, keine Sperenzchen mehr. Wir kämpften uns wieder gen Osten durch, weg vom See und weg von der abgelegenen Route. Es enttäuschte mich sehr, denn der Verlauf hätte sicher noch einmal einiges an Natur und Einsamkeit versprochen. Bald waren wir aus dem dichten Wald raus, querten noch als Sahnehäubchen einen kleinen Sumpf und dann war erst einmal Pause angesagt. Der Wind hatte uns ausgekühlt, die Sonne schien nicht und wir hatten das Gefühl als ob der Winter angebrochen war.

 

Von dem Hang kamen wir und dem linken schmalen Steg sind wir ins Unheil gefolgt

 

Alle mit geknickten Kopf

 

Nach der Pause, Yvonne fröstelte immer noch herum, entdeckten wir einen grasigen, aber breiten Fahrweg, der in die richtige Richtung ging. Ich wusste, heute würden wir keine Bäume mehr ausreißen. Laut der alten Militärkarte waren wir nun in dem nord- süd- verlaufenden kleinem Seitental, wo auch die Piste lang führen sollte, es war ja sogar eine Stromleitung eingezeichnet. Die Piste sollte links des Talbaches hochführen, wir waren noch rechts davon auf dem Fahrweg, der bald an einer Koppel endete. Von hier aus hatte man tollen Einblick in das Tal. Nirgends war ein Weg, eine Piste zu sehen. Daher beschlossen wir, das sumpfige Tal nicht zu queren, sondern weiter auf der rechten Seite zu bleiben. Diese wurde nun aber auch bald sumpfiger und war sowieso schon weglos.

Was war das für eine Scheiße. Keiner hatte mehr Bock, da war es egal, dass nur 16km auf der Uhr standen. Wir suchten nach einem Camp, aber hier war alles sumpfig nass. Im Umkreis nichts zu finden. Nun beschlossen wir, doch hinüber auf die andere Seite zu wechseln, dort waren zwar steile, aber dafür trockene Berghänge zu erkennen. Während wir auf einem Stein im sonst tiefen Bach queren konnten, lief Maximus zur Hochform auf. Er visierte das Ufer an und sprang in einem Satz drüber. Wir klatschten Alle und waren erstaunt, was für Asse er jeden Tag aufs Neue rausholte.

Ich hätte mich ohrfeigen können, hier war nun ein Weg. Der kam aber zum motivieren zu spät, wir schlugen keine 500m weiter unser Camp an diesem Weg auf. Es war keine Autopiste und keine Stromleitung zu sehen. Jedoch konnte man eine alte Schneise im Wald erkennen, die schlussfolgern lässt, dass hier mal die Hauptpiste langging. Nun sollte sie einen Seitental weiter ins Hinterland langführen. Okay, also hatten wir hier heute und morgen unsere Ruhe.

Das Frustcamp war schnell aufgebaut und während ich das Feuer ordentlich groß machte um Yvonne Wärme zu spenden, traute sie sich nicht mehr aus dem Zelt heraus. Sie war durchgefroren und hatte heute auch keinen Bock auf waschen, Täve und ich dagegen schon. Kaltduschen war angesagt, die immer anfangs Überwindung kostet. Wir haben nun einen Deal ausgemacht. Der Eine zählt bis Drei, dann gießt sich der Andere die Schüssel mit Wasser über die Brust. So war es erträglicher, sicherlich aber nicht wärmer.

 

„Frustcamp“ traf es am besten

 

Die Männer waren nun sauber und fühlten sich wieder wohl. Der wohl schrecklichste Tag für uns fast vergessen. Das Abendessen lockte Yvonne dann doch noch raus ans Feuer und siehe da, ihr wurde wieder wärmer und am frühen Abend gab’s dann die Extraportion Genussmittel, die zum Aufbauen guter Laune echt nötig war. Es war schon sehr enttäuschend, wie oft uns die Wegbeschaffenheit unsere Pläne zerstört hatte.

Wider erwarten saßen wir dann noch lange am Feuer und quatschten über dies. Es war kalt und frostig, sogar ein paar Sterne waren zu sehen. Wir gingen ohne große Erwartungen an den nächsten Tag zu Bett, aber es konnte nur bergauf gehen.

 

22.Tag | Stacheldrahtcamp  zurück zur Liste
Ein wenig Frust war noch am heutigen Morgen vorhanden, denn die Sonne ließ sich Zeit, hinter den Bäumen hervorzutreten. So war es ohne Feuer zu kalt. Nach so einem Tag wie gestern sahen wir positiv in den heutigen Tag. Wir waren zwar noch ein wenig gespannt, warum hier die Piste nicht mehr lang ging und ob es dafür einen triftigen Grund gab, die Neugierde würde aber bald ein Ende haben.

 

Komm‘ schon Sonne, mach‘ hin

 

Wir konnten nicht schnell genug das Camp verlassen, mittlerweile kam die Sonne zum Vorschein und wir waren startklar. Es ging nun hügelig eine ca. 10- 20m breite Waldschneise entlang, nun sahen wir auch Überreste einer Stromleitung. Die Kabel lagen noch am Boden und einige Masten standen auch noch. Da es hier einige richtige Rampen gab, wird das wohl der Grund gewesen sein, eine bequemere Piste im benachbarten Tal gebaut zu haben. So hatten wir nun hier unsere Ruhe. Der Pfad war zu unwegsam für Motorisierte. Bald stießen wir auf das Seitental und waren nun wieder auf der regulären Piste. Kein Abweichen mehr von dieser, keine Experimente mehr, nun müssen wir vorankommen.

 

Die alte Piste mit den alten Strommasten

 

Gut zu erkennen, die Schneise, links durch den Wald

 

Wetter gut, Stimmung gut, Weg gut. Es lief und wir kamen wieder in Schwung, hatten unterwegs unseren Spaß und den gestrigen Tag vergessen. Es gibt immer Hoch und Tiefs, damit muss man umgehen können. Das Leben ist kein Ponyhof und es kann nicht immer alles so laufen wie man will oder es plant. Der heutige Plan sah vor, weit voranzukommen, das sollte bei der Beschaffenheit der Piste kein Problem sein. Nach 8km machten wir auf einem lang gezogenem Plateau Pause, nahe einem Sendemast. Auf fast 2100m Höhe schien er die Verbindung zwischen Khatgal und Khankh gewesen zu sein, jedenfalls waren die Spiegel so ausgerichtet. Täve kroch unter dem Zaun durch und sammelte die letzten Reste des Schnees auf, der an der Solaranlage lag. Hier oben sah man in den schattigen Ecken immer noch Reste und es war nicht nur leicht gepudert, sondern schon gute 10cm gewesen.

 

Während in der Ferne der Schnee noch lag, war er hier größtenteils getaut

 

Als wir weiter liefen, bemerkten wir beiläufig, dass noch Niemand unsere Permit sehen wollte. War sie wirklich nötig gewesen? Nirgendwo waren Hinweise zu lesen, dass man eine benötigte. Egal, wir hatten sie dabei, aber nie gebraucht. Checkpoints gab es weit und breit nicht. Relativ ruhig ging es auf der Piste noch ein wenig eben lang, bevor wir diese sanft abwärts in Angriff nahmen. Der See war nicht zu sehen, Bäume, wohin das Auge reicht, dazwischen Wiesen und Buschlandschaften. Es kamen immer mal wieder Kradfahrer vorbei, seltener ein Auto. Da diese jedoch auf der Suche nach dem bestem Weg waren und wir sehr abseits der Piste im Maximus-freundlichen Terrain unterwegs waren, grüßten die Meisten nur aus der Ferne und waren auch schon wieder weg. Nur ganz Neugierige nahmen einen Extraumweg in Kauf um uns „abzuchecken“ Ihr skeptische Blick ging dabei immer zuerst auf das Pferd und dann auf uns.

 

Man konnte den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

 

Es lief so gut, das wir gar nicht mehr so oft aufs Navi schauten und nur am quatschen waren. Plötzlich hatten wir 15km auf der Uhr, aber noch keine Mittagspause gemacht. Da kam ein kleines Rinnsal genau richtig. Im Windschatten der Büsche wärmte die Sonne noch ausreichend und der Kocher verrichtete derweil seinen Dienst. Zum ersten Mal sahen wir ein Militärjeep an uns vorbeifahren, kurzer Gruß aus dem Fenster und mehr Beachtung gab es nicht. Ich hätte so gern mal Jemanden die schöne Permit gezeigt. Es ging nun bald weiter, wir lagen gut in der Zeit und Jeder hatte noch Lust zum weiterlaufen.

Bald kamen wir an einer großen, saftigen Wiese vorbei, die gerade von Mongolen abgeerntet wurde. Während wir ihnen im Vorbeilaufen zusahen, bemerkten wir nicht, wie wir von einem Motorradfahrer in Zivilkleidung umkreist wurden. Er fuhr erst im weiten Bogen um uns herum und wollte nun auf uns zukommen. Es legte ihn aber dermaßen auf die Fresse, dass er nun eine Weile im tiefen Gras verschwunden war. Innerlich mussten wir ein wenig schmunzeln, gerade noch da, schwupps und weg.

Nun stand er vor uns, mit verletztem Nasenrücken. Wir fragten ihn, ob alles okay sei. Er verstand uns, da er englisch konnte. Es war ausreichend um uns in ein Gespräch zu verwickeln. Mit einer ordentlichen Wodka-Fahne und singenden Worten gab es uns zu verstehen, dass er am Check-Point arbeitet und man für den Wegabschnitt Geld bezahlen sollte. Das kam uns doch irgendwie suspekt vor. Gut, besoffen im Dienst, das ist nicht sonderlich merkwürdig hier in der Mongolei, aber keine Uniform an und dann noch ein Sack Reis auf dem Gepäckträger.

Ich ließ mich auf eine Diskussion ein und fragte ihn, was er ist. Soldat, meinte er. Ich fragte nach seiner Uniform, er stellte sich dumm. Okay, aber irgendeinen Ausweis sollte er doch haben, sich identifizieren können. Nein, konnte er nicht, aber nun reichte es ihm und er wollte unsere Pässe sehen. Ich verneinte und wollte schon weitergehen, da meinte Yvonne. „Komm‘ schon, zeige ihm doch unsere tolle Permit!“ Juchhu, ich konnte sie nun endlich zücken. Sie war in einer Klarsichtfolie verpackt, in der auch unsere Pässe waren. Er wollte sie gern in die Hand nehmen, ich verweigerte es ihm, hielt die Permit zum Lesen selbst. Nickend und scheinbar enttäuschend las er das Pamphlet, verabschiedete uns mit kurzen Worten und war verschwunden.

 

Kein Wunder, dass es Manche auf dieser Piste hinlegt

 

Wir diskutierten auf dem weiteren Weg noch lange darüber, ob es ein Gauner oder wirklich ein Ranger/ Soldat war. Ich hatte im Netz davon gelesen, dass ab und an Einheimische versuchen, allein reisenden Touristen Geld ab zu knöpfen, mit der Begründung, dass man eine Permit braucht. Da wir aber eine für den gesamten See, die Sums (Bezirke) und die Grenzregion hatten, war ich nicht bereit, mich über den Tisch ziehen zu lassen, zumal wir nur noch 18000 MNT (6 Euro) hatten. Die waren als Notreserve gedacht und würden auch noch komplett gebraucht werden.

Wir wollten eigentlich noch bis hinunter an den See, bis dorthin wären es noch 6km gewesen, doch es war genug. Es standen bereits 22km auf der Uhr. Also machten wir einen Deal. Wenn Wasser vorhanden und Camp in Sicht, dann Abbruch. Dieses Mal war aber nicht Wasser das Problem, sondern Platz. Die Piste führte durch einen Wald, der hätte dichter nicht sein können. Zwar war links und rechts des Weges ein schmaler Grünstreifen, aber so exponiert wollten wir uns nicht präsentieren. Es dauerte nun weitere 4km, ehe wir aus diesem Wald herauskamen und am Abstieg zum See standen. Wir liefen links einen Abhang hinunter und auf einer breiten, saftigen Wiese war es dann gefunden, unser Stacheldrahtcamp.

Dieser Draht, ein Überbleibsel einer alten Koppel, musste erst einmal sorgfältig zusammengerollt und mit Balken bedeckt werden. Ich wollte mich danach gleich aufmachen, um zurück zur Piste zu gehen um Wasser zu holen. Es wären ca. 2km Weg gewesen. Doch weiter unten am Zelt war ein kleines Wäldchen, die Landschaft sah sumpfig aus. „Ruhe!“ und siehe da, ich hörte ein leises Rauschen. Weg und Zeit gespart, dort befand sich in 100m Entfernung ein Bächlein, dass später noch als Bad, aber vorerst nur als Küche dienen sollte.

Wir hatten heute 26km geschafft, es war schon spät, die Sonne verschwand bald hinter den Bäumen. Mittlerweile dämmerte es gegen 20Uhr, ein Feuer war aber bereits am laufen und ordentlich Glut vorhanden. Nachdem Alle frisch gewaschen am Feuer saßen, köchelte das Essen vor sich hin und Täve bekam wieder seine Reitstunden. Später wurde Maximus noch abgesattelt und nun konnte er sich wieder seiner Wiese im Umkreis von 25m widmen. Dass er diese Freiheit in der Nacht noch zur Abwehr von Wölfen benötigen würde, wussten wir genau so wenig wie er.

 

23.Tag | Buchtcamp  zurück zur Liste
Maximus war so angebunden, dass er gerade bis 1m vor unser Zelt kam, wo dahinter dichter Wald lag und zu anderen Seite war auch dichter Wald, wo kurz davor die Leine endete. Dazwischen hatte er nun genügend Freilauf auf einer Wiese ohne Hindernisse. Mitten in der Nacht, es mag so um Mitternacht gewesen sein, riss mich das aufgeregte Schnaufen von Maximus aus dem Schlaf. Ich blieb erst einmal liegen, hörte mir an, was er draußen für Spielchen machte. Täve und Yvonne schliefen fest weiter. Maximus rannte immer von einem Waldende zum anderen, blieb stehen und schniefte ganz laut, trat dabei ab und an mit seinen Hufen kräftig auf. Mir reichte es, immer wenn er es direkt an unserem Zelt machte, könnte ich so nicht mehr schlafen. Ich zog mir die Lupine über und ging raus schauen, was da los war.

Gerade hatte ich das Zelt geöffnet und die Lupine aufs Maximum gestellt, leuchteten im gegenüberliegenden Wald Augen in der Höhe eines Hundes. Waren es nur Hunde? Auf jeden Fall waren diese Wesen genau so erschrocken wie ich und waren bald verschwunden. Maximus rannte immer noch aufgeregt umher und nachdem ich wieder im Zelt lag und am Einschlafen war, hatte auch er sich beruhigt.

Wir sollten später von Dava erfahren, dass es definitiv Wölfe gewesen sein müssen, denn vor Hunden würde ein Pferd nicht all seine Drohgebärden auf den Tisch legen. Für Pferde sind die einzigen großen Feinde in dieser Gegend nun mal die Wölfe. Noch vor unserem Start sagte Dava mit eindringlichen Worten, dass wir Maximus nie zu weit vom Zelt entfernt anbinden sollen, ja wegen der Wölfe. Dass die sich nun aber so nah an uns heran getraut hatten, war wohl dem in ihren Augen schon vorbereiteten Buffet zu verdanken, was angebunden und verzehrfertig angerichtet war. Einfacher hätten sie es nicht haben können. Nun aber lief ein von einer Lupine geblendeter, halbblinder Wolf durch die Gegend.

 

Rechts der Stamm mit Stacheldraht

 

Zum Frühstück gab es also viel zu erzählen und nun war auch klar, dass diese vielen Spuren auf dem Weg Wolfsspuren waren. Wilde Hunde gab es hier nicht und weit und breit waren keine Gers gewesen. Sichtlich war Maximus froh, als der Morgen anbrach und wir ihm wieder die Sicherheit gaben, die er zum ungestörten fressen braucht.

 

Maximus bekam zur Belohnung für die harte Nacht schon eher Sonne

 

Die Sonne kam bald hinter uns hoch und wir ärgerten uns doch schon, so wenige große Tiere gesehen zu haben. Weder Elche, Rentiere, Vielfraße, Zobel, Bären oder was auch immer hier noch so herumläuft, nichts besonderes lief vor unsere Linse. Zugegeben, Täve ist nicht gerade der leiseste Naturbeobachter, aber ab und an ließen wir still und langsam unseren Blick in die Ferne schweifen, aber nichts bewegte sich.

Pünktlich startklar, die innere Uhr funktionierte gut. Ohne Druck alles gepackt und nun weiter des Weges. Unten am See angekommen, waren wir soweit davon entfernt, dass der Ausblick immer wieder aufs Neue fantastisch aussah. Immer wieder diesen schneebedeckten Berge, davor die kleinen Buchten und grünen Wälder. Wir blieben oft stehen, machten Fotos oder pausierten, um das alles auf zu saugen.

 

Auf geht’s, ab gen Süden

 

Zum Glück kam der Schnee 3 Wochen später, sonst wären wir nun mittendrin gewesen

 

Es lief gut, die Stimmung immer noch hoch, obwohl wir nun über 3 Wochen unterwegs waren. Täglich der gleiche Ablauf, mehr und mehr Routine und immer wieder laufen, laufen, laufen. Das mag so niedergeschrieben langweilig klingen, war aber vor Ort nie das Thema. Es war eher der für uns ungewohnte Druck, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wir würden wir damit die letzten Tage umgehen, wo nun auch konkret feststehen würde, wieviel Kilometer es am Ende wirklich noch sind.

 

Man sieht es, trotz Sonne musste man lang tragen

 

Immer wieder diese Ausblicke, „satt gesehen“ ausgeschlossen

 

Wir kamen bald in ein offenes Tal mit viel Weide, umgeben von vielen bewaldeten Hügeln. Die Piste ging links davon sanft das Tal hinab in Richtung See. Wir blieben eher rechts, da nun Gers folgten und wir hungrig waren. Wir wollten uns Brot kaufen und steuerten pünktlich zur Mittagspause eine Ger an. Sie luden uns in die Ger ein und gaben uns zu Essen. Als sie es verstanden hatten, dass wir auch Brot mitnehmen wollten, gaben sie uns zu verstehen, dass sie keins mehr hätten und erst morgen wieder backen. Wir gaben uns also mit ein Paar Scheiben zufrieden, sie füllte uns noch einen Liter Milch ab und wir gingen bald weiter. Täve wollte noch bleiben, da der Hausherr gerate ein Schaf geschlachtet hatte. Das fand er sehr spannend, Yvonne eher nicht.

 

Die Bucht sollte es für diese Nacht sein

 

Täve checkt die Lage vom Hochsitz aus

 

Langsam aber sicher entdeckten wir die Bucht, die unser Tagesziel sein sollte. Abseits der Piste schlenderten wir förmlich dahin. Es ließ sich auf diesen Wegen nun schnell und locker Kilometer machen und so waren es bald 19 davon und damit genug für heute. An einer Bucht bauten wir unser Zelt auf, ca. 100m vom See entfernt, mit Blick auf die Schneegipfel des Westufers. Das Buchtcamp war erreicht.

 

Das Buchtcamp

 

Panoramablick auf die Bucht

 

Das Zelt war aufgebaut und das Lagerfeuer loderte. Obwohl heute alles nach Plan lief, war Yvonne nicht bei bester Laune. Wie immer bei Frauen, muss man 5x nachfragen, ob denn alles in Ordnung sei. Bei meiner 6.Anfrage legte sie los. Sie nannte es „Wanderdepression“, ich wusste nicht, ob es diesen Begriff überhaupt gibt und hörte weiter zu. Nun war es so weit, sie hatte kein Bock mehr auf diesen Alltagsrhythmus mehr, äußerte sogar eine Art Freude, dass es bald zu Ende sein würde. Was sollten wir zukünftig anders machen, was hatte ich bei der Planung, beim Ablauf vor Ort falsch gemacht? Yvonne meinte nur, dass vielleicht am Ostufer ein Pausentag noch gut gewesen wäre. Der hätte ihr sicher wieder viel Kraft und Motivation geschenkt. Das konnte ich leider nicht mehr bieten, bot ihr aber dafür an, dass Maximus nun den Rucksack tragen könne. Das hatte ich schon zwei Tage zuvor angeboten, doch sie wollte sich durchkämpfen. Nun hatte sie den Kampf vorerst verloren.

 

Lagerfeuerstimmung, wenn auch ein wenig durch die „Wanderdepression“ getrübt

 

Etwas enttäuscht, aber auch mit gewissen Verständnis, ging ich mit Täve baden, später gab es Abendessen und nach einem Schlückchen Wodka war die Stimmung wieder normalisiert. Wir genossen den Sonnenuntergang, der die Hügel grandios ausleuchtete und blickten mit etwas Optimismus in die letzten beiden Wandertage.

 

Aufbauende Abendstimmung

 

Eine traumhafte Bucht

 
 

24.Tag | Resortcamp  zurück zur Liste
Es war mal wieder eine kalte Nacht, Zelt und Wiesen waren gefroren. Der viel wärmere See dampfte vor sich hin. Zum Glück hatte ich die Nacht über das Holz mit dem Raincover abgedeckt, so gab es gleich trockenes Holz und Feuer. Die Sonne war heute gleich da und mit jeder Minute wurde der Morgen schöner und wärmer.

 

Was für ein traumhafter Morgen

 

Das Holzgestell links der Bildmitte war übrigens ein Klo

 

Bald saßen wir gemeinsam beim Frühstück und verzehrten die magere Ausbeute aus der gestrigen Ger. Wir gaben trotz für uns unzufriedener Menge 10000 MNT und hatten nun nur noch 8000 MNT übrig. Damit konnte man keine Luftsprünge mehr machen. Fürs morgige letztmalige Frühstück hatten wir nichts und auch keinen Plan, was man machen könnte. Das sollte uns heute den Tag über mehrmals beschäftigen.

Bald war alles gepackt, Yvonne wieder ein wenig mehr motivierter, da heute der Rucksack auf Maximus landete. Das Zelt war schon längst in einen der blauen Packtaschen verstaut, wo sonst das Essen war. Somit konnte der Rucksack hinten am Sattel platziert werden, wo sonst der rote Ortliebsack hing. Das passte alles und hielt auch gut ohne nachjustieren.

 

Maximus ließ es über sich ergehen…

 

…hatte aber sicher mit uns einen „leichten“ Partner

 

Zurück auf der Hauptpiste bewegten wir uns nun wieder etwas vom Wasser weg den Hang hinauf. Entlang des Weges entdeckten wir nun mal ein vollständiges Schild mit zwei Zahlen. Eine zeigt nach Norden, die andere nach Süden. Die nach Süden zeigende fehlte sonst immer, war aber für uns die wichtigere. Diese Zahl war nämlich die Distanz nach Khatgal, jedenfalls stimmte diese in etwa mit meinen Schätzungen überein. 42 Kilometer in zwei Tage, das sollte machbar sein.

 

Immer noch traumhafte Ausblicke

 

138km bis Khankh, 42km noch bis Khatgal

 

Bald stießen wir auf den Abzweig, der östlich von Chandman Ondor auf die Piste kam. Wären wir komplett über das Hinterland gelaufen, wären wir hier wieder auf die Hauptpiste gestoßen. Ab hier folgte der Hauptpiste nun permanent eine Stromleitung, die Zivilisationsmerkmale nahmen stetig zu, so auch der Verkehr. Wir sahen nun mehr Fahrzeuge, komischerweise aber immer nur am Morgen und gegen Abend. Tagsüber war am wenigsten los, was uns ganz gut entgegenkam. Wie sollte es anders sein, wenn wir mal eine Ger brauchen, ist keine in der Nähe und auf dem Weg. So liefen wir heute ohne größere Mittagspause relativ zügig durch, kleinere Snackpausen gab es aber immer wieder mal.

 

Immer wieder mussten Yaks und Kühe vertrieben werden

 

Lustig sehen die Yaks schon aus

 

Gegen frühen Nachmittag erreichten wir die letzte Senke vor Khatgal. Uns trennte nur noch ein 150m höherer und 10km langer Bergrücken von unserem Ziel. Hier wollten wir das Camp beziehen und ich hatte von zu Hause aus auch schon eine tolle Stelle am See lokalisiert. Von zu Hause aus sah der Zugangsweg allerdings einfacher aus. Vor Ort hätten wir einen großen Umweg um ein Sumpfgebiet gehen müssen, was es nicht Wert gewesen wäre. Diesen Umweg hätten wir gestern auch wieder zurück gemusst. Immer mehr Gers, Häuser und Verzweigungen der Stromleitungen erblickten wir, nur so richtig wussten wir nicht, wo wir noch was Essbares her bekommen könnten. Ich erinnerte mich, dass ich von einem Ancient Ocean Resort gelesen hatte. Ob es das noch gab, ob es noch offen hatte? Wir steuerten das erst einmal an und als eine kleine Bergkuppe erklommen war, eröffnete sich vor uns das Resort direkt am See mit mehreren Gers, etwas weiter hinten in der Bucht waren noch mehr Häuser, scheinbar eine kleine Wohn- und/oder Urlaubssiedlung. Am Haupthaus des Resorts angekommen, begrüßte uns die Hausdame in englisch. Wie wundervoll, nun konnten wir ihr unser Leid klagen und sie verstand es auch.

Vorerst wollte sie aber wissen, was wir hier eigentlich zu suchen hatten, wo wir herkamen und wo wir hin wollten. Dann kamen wir zu unserm Essensproblem und legten gleich mit dem Geldproblem nach. „Wir brauchen soviel Essen wie möglich, haben aber nur noch 3 Euro“ Ziemlich dreist, aber wir hofften ein wenig auf Mitleid. Die Hausdame gab uns zu verstehen, dass sie nichts mehr haben, denn seit gestern sei das Resort geschlossen, Winterpause! Sie brüllte zu einer Frau etwas Mongolisches hinüber und kurze Zeit später wurde uns aber doch noch Brot, Heidelbeermarmelade und Tee serviert. Wir fielen darüber her wie Bestien und mussten aufpassen, dass die Servietten nicht mit im Mund landeten. Zu unserer Verteidigung: Es gab ja heute kein warmes Mittagessen.

Obwohl uns das schon für die 8000MNT ausgereicht hatte, hatten wir nun wirklich Mitleid erregt. Sie brachten uns noch weitere Brotreste, eine Tüte voll mit Nüssen und eine angebrochenen Tüte mit eine Art Brotsticks. Ich verstaute es gleich, sonst wäre das auch noch gleich verputzt worden. Wir bedankten uns mehrmals für die Hilfe in letzter Not. Wir hatten beim Essen entschieden, etwas oberhalb der Siedlung in einem Waldstück unser Camp zu beziehen. Es war einerseits nicht mehr so weit entfernt und andererseits doch noch ruhig abgelegen.

 

Das Resortcamp

 

unten zwischen den Bäumen das Ancient Ocean Resort

 

Am Ende des Tages standen wir an unserem Resortcamp mit 19km auf der Uhr und Alle waren gut bei Laune, auch Yvonne ging es heute wieder besser. Es tat ihr gut, mal ohne Rucksack zu laufen. Als das Zelt stand, das Feuer flackerte und Täve auf einem Baum herum kletterte, besprachen wir noch den morgigen Wegverlauf. Es gab da die Hauptpiste und dann noch eine abgelegene Route durch nicht bekanntes Gelä…..

Vergiss‘ es, keine Experimente mehr mit diesen Pfaden. Wir würden der Hauptpiste folgen um schnell voranzukommen und um so das Ziel sicher am frühen Abend zu erreichen. 17/18 Uhr wäre eine akzeptable Zeit gewesen. Täve uns ich gingen mit Maximus zum See hinunter waschen und Wasser holen, derweil relaxte Yvonne am Feuer. Das Abendessen war schnell hergerichtet, alle nur möglichen essbaren Dinge wurden in einen Topf gehauen und zusammen gerührt. Währenddessen bekam Täve noch seine letzten Runden mit Maximus, der noch einmal richtig Gas gab.

 

Frisch gewaschen die Einen, Durst gelöscht beim Anderen

 

Ordentlich Schwung dahinter

 

In der Nähe ein Traum von Hütte, aus unerklärlichen Gründen verlassen

 

Am späten Abend hatten wir dann eine völlig andere Gefühlslage als gestern. Die Wanderdepression war verflogen und ein wenig machte sich schon Wehmut breit, dass der Urlaub sich bald dem Ende neigen würde. Morgen einen letzten Tag wandern, eine Nacht noch in der Ger bei Dava und dann Heimreise mit einem Zwischenstopp in UB.

 

25.Tag | Khatgal  zurück zur Liste
Der letzte Wandertag brach an und verlangte uns heute noch einmal alles ab. Heute hieß es nicht, soweit die Füße tragen, sondern bis Khatgal. Es würden um die 30km mit einigen Umwegen werden. Daher schliefen wir mal nicht aus und da das Frühstücksbuffet recht übersichtlich ausfiel, war auch das bald geplündert und wir machten uns ans Packen. Yvonne’s Rucksack wieder auf dem Pferd, Abmarsch!

 

Viel gab es nicht mehr zum Frühstück

 

Wir mussten erst einmal wieder zurück zur Hauptpiste, was schon mal 4km ausmachte. Ab hier stand nun immer eine andere Zahl auf dem Kilometerschild 126. Vermutlich wurde ab hier die Distanz nach Murun gerechnet, was 100km von Khatgal entfernt war. Abseits der Piste bemerkten wir vermehrt Mongolen, die ihre Zelte sprichwörtlich abbrachen. Sie packten ihr Hab und Gut auf einen kleinen Transporter, die Saison war anscheinend vorbei. Das merkte man auch verstärkt an der einsetzenden Verfärbung des Laubes und der Lärchennadeln.

 

Die Beute

 

Der Jäger

 

Bald hatten wir den 150m hohen Bergrücken erklommen und hatten nun mit ordentlich Wind zu kämpfen. Das Wetter hätte besser sein können, es war teilweise bewölkt. Ohne Sonne war es im Wind unangenehm kalt. Immer wieder wechselten die Temperaturen. Jacke auf, Jacke zu. Da nun auch die Snacks alle waren, gab es nur noch Pausen ohne Snacks, die kürzer ausfielen. Fürs Mittag hatten wir noch dieses komischen Brotsticks, die angebraten wie Pommes schmeckten.

 

Für Maximus war die Piste schwer zu laufen, wir nutzten die Grasstreifen

 

Die Lärchen färbten sich langsam gelb

 

Nach 16km war Mittagspause angesagt, es lief richtig gut und wir waren Alle noch motiviert. Im Windschatten eines Steinhügels pausierten wir in der Sonne. Die würzige Suppe mit den Sticks tat gut. Mal kein kaltes Wasser trinken, sondern was warmes. Nach der Pause waren es nur noch 3km und uns eröffnete sich der Blick auf Khatgal. Dies war nur noch 5km Luftlinie entfernt, doch für uns hieß es, am linken Ufer am Ort vorbeilaufen, über eine Brücke um dann wieder am rechten Ufer zurück zu laufen. Das war schon ein wenig demotiviert, zumal wir immer unser Mongol Ujin Camp sahen. Später erfuhren wir, dass auch Dava uns bereits vom anderen Ufer ausgemacht hatte. Aufgrund des Delorme Inreach wusste sie immer, wo wir waren.

 

Erster Blick auf Khatgal – so nah und doch noch so fern

 

Das Mongol Ujin Camp, keine 1.5km Luftlinie entfernt

 

Scheinbar endlos zog sich nun ein 5km geradliniger Weg nach Süden. Wir waren nun auf der Höhe von Khatgal, mussten aber noch weiter südlich über eine letzte Bergkuppe. Die Abkürzung hatten wir vor Ort ausgemacht. Der Weg um diese Kuppe wäre sich nochmals 2km länger gewesen. Auf dieser Bergkuppe wäre ein idealer, einsamer Platz zum zelten gewesen, aber wir mussten nun weiter, bald war die Holzbrücke in Sicht und wenig später auch diese erreicht.

 

Hinter der grünen Kuppe links im Bild mussten wir noch

 

Nach der Kuppe bot sich uns ein toller Ausblick über das südliche Flussdelta

 

Dort sah ich aus der Ferne ein mir bekanntes Fahrzeug entgegen kommen, ein alter Skoda S100. Das Kennzeichen kam uns dann noch bekannter vor. Es waren Tschechen, die vor 2 Monaten aus Prag gestartet und nun hier gelandet waren. Kurzer Smalltalk, ein Foto und dann gings weiter. Für uns nach Khatgal und für sie über die Piste nach Khankh.

 

Brücke erreicht, nur noch 3km bis Khatgal

 

Die verrückten Tschechen

 

Nach 31km erreichten wir dann gegen 18Uhr Khatgal und liefen nicht erst zum Camp, sondern nahmen mit Umweg noch den Supermarkt und die Bank mit. Täve rannte schon ins Camp voraus, er hatte dort den Sohn von Dava ins Herz geschlossen. Als wir um die Ecke kamen, empfing und Dava und ihr Mann herzlich und scheinbar auch ein wenig erleichtert, dass wir Maximus in einem Stück zurück gebracht hatten.

Wir bezogen schnell unsere Ger, verabschiedeten Maximus, der bald wieder zu seinen Freunden gebracht wurde und packten schon ein wenig für morgen, denn unser Transfer zum Flughafen Murun würde gegen 9 Uhr starten. Wir genossen das Abendessen von Dava, tranken einen Wein als krönenden Abschluss und saßen am Abend doch noch länger als gedacht am offenen Eingang der Ger. Drinnen war es zu heiß, draußen zu kalt. Klar, war nun das Ende unser bisher härtesten Tour Gesprächsthema Nummer Eins. Wir haben wieder einmal viel dazu gelernt, mussten mit ungewohnten Situationen umgehen, Niederlagen schlucken und Kompromisse eingehen.

Wenn jedoch am Ende uns Jemand die Frage stellen würde: „War es das wert?“ Wir würden ohne nachzudenken mit „Ja“ antworten, denn wie nach jedem Urlaub verfliegen am Ende die negativen Sachen schneller als gedacht und die positiven Erinnerungen bleiben hängen. Die haben hier auf jeden Fall überwogen. So wird die Mongolei für uns immer eine Reiseland besonderer Güte sein und bleiben.

Fazit Dritter Abschnitt  zurück zur Liste
Es war schade, dass wir die gesamte Tour durchs Hinterland nicht geschafft haben, da sie sicher noch reizvoller und einsamer gewesen wäre. Das haben die ersten drei Tage auf diesem Abschnitt gezeigt. Jedoch war unsere Angst vor der Hauptpiste übersteigert und unbegründet. Auch dort unten hatten wir ruhige Abschnitte, gerade die Berghänge hatten wir für uns. Das permanente Auf und Ab raubte einem wenig Kraft, da die Anstiege sanft und kurz waren. Im Vergleich zum Westufer gab es hier Wasser in jedem Ost-West-Tal und wesentlich dichtere zusammenhängende Wälder, dafür auch nicht mehr so hohe Gipfel. Im Lonely Planet wird das Ostufer als weniger reizvoll beschrieben. Wir finden, es hatte auch seinen Reiz und hat uns nicht gelangweilt. Leider waren wir hier von den nicht (mehr) vorhandenen Wegen enttäuscht und auch die ausgedehnten Sumpflandschaften raubten Einem ab und an die Nerven.

 


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