Madeira von Ost nach West 2017 |

Madeira  >  Insel des ewigen Frühlings | Durchquerung von Ost nach West

 
 

 
 
 

 
 

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Reiseziel im Überblick
Orrr nee, schon wieder das Vorwort (muss aber sein!)
Die Planung etwas anders
Unsere Routen im Überblick
Nützliche Links
Info’s zu den Camp’s
Reisebericht

 

Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Portugal | Madeira

Reiseroute

Santo Antonio da Serra (Ost) zentral übers Hochland (Wetterscheide) nach Porto Moniz (West)

Reisezeit | Dauer

10.Juni bis 20.Juni | 10 Tage

Klima | Wetter

Inselklima, im Norden regenreicher und Vegetation üppig grün, im Süden gegenteilig | beständig warm, im Hochland Nebel mit gelegentlichen Schauern, wenig wechselhaft

Reiseart | Aktivität

zu Fuß nur mit Rucksack, auf Leichtgewicht getrimmtes Gepäck um ab und an Täve zu schultern. Option Pilgerwagen verworfen, da Levadas zu eng

Übernachtung

1.Nacht in Santa Cruz im Hotel, da Ankunft um Mitternacht, aber sonst 9 Nächte im Zelt

Flora | Fauna

Vegetation üppig grün (ewiger Frühling), viele Vögel

Sicherheit | Tourismus

Es ist EU und wie die Azoren sehr sicher | viel Tourismus und Infrastruktur an den Küsten, im Hochland nur Tagestouristen, wenig Backpacker unterwegs


Anreise

preiswert, aber leider mit 1x umsteigen via Porto mit TAP nach/von Funchal ab/an Zürich, vor Ort nutzen wir aus Zeitgründen das Taxi, was relativ günstig ist

Wildnis Faktor

Mittel | touristisches Reiseziel, jedoch mit ruhigen Ecken im Hochland, kein wild zelten, aber angelegte rudimentäre Camps

 

Orrr nee, schon wieder das Vorwort  zurück zur Liste

Na, Ihr wollt doch wissen, warum es uns im Zweiturlaub zu so einem Pauschalreiseziel zieht. Es gab halt wieder viele Überlegungen, u.a. den Tagliamento mit Kanu runter zu paddeln, auf Korsika oder Sardinien wandern oder wieder nach Frankreich und dort die Loire noch weiter erkunden. Bei der Recherche, wo man denn wandern kann und womöglich noch wild zelten erlaubt ist, vielen die meisten Mittelmeerinseln durchs Raster. Auch Madeira war erst einmal tabu. „Erst einmal“?

Suchbegriff von wild zelten auf zelten geändert und siehe da, es tauchte wieder Madeira aus der Versenkung auf. Yvonne meinte also gleich „Nein, bitte keine überfüllten Campingplätze“. Nein, es handelte sich bei der Beschreibung der Camps um wilde, rudimentäre Camps, teilweise mit Feuerstellen, Wasser und Klo. Nie aber mit Rezeption oder anderer gewohnter Infrastruktur. Das Beste daran, die Camps sind umsonst. Nun war das seit langen eine Erfolgsmeldung.

Madeira hatte ich immer schon mit wandern verbunden. Schroffe Bergwelten, Levadas, üppig grüne Vegeation auf der „Insel des ewigen Frühlings“. Was und wie wir das Ganze nun vor Ort anstellen würden, war noch gar nicht besprochen, da waren aber auch schon die Flüge gebucht. Zu verlockend der günstige Preis von 200 Euro je Person. Nun werden wir uns überraschen  lassen, ob wir von Touristenmassen überrollt werden oder ob es doch noch Ecken gibt, die wir hier dann als „Geheimtipp“ verkaufen können.

 

Die Planung etwas anders  zurück zur Liste

Tja, nun haben wir die Flüge an der Backe. Mit 10 Tagen vor Ort haben wir ein großes Zeitfenster gesteckt, mit 55km Breite ist die Insel als gut in dieser Zeit zu erschließen. Anlaufpunkte sollen ja die Camps sein, die zu 90% im zentralen Hochland angesiedelt sind. Yvonne äußerte vorsichtig den Wunsch, auch einen Badetag einzulegen. „Hast Du Dir mal die Topographie der Insel angeschaut“? Sieht nicht nach der typisch karibischen Badeinsel aus und dann findet sie doch tatsächlich einen Strand in Porto Moniz, unseren Endpunkt der Reise. Also musste ich klein beigeben und am Ende heißt es noch einmal einen Relaxtag am Strand. Mit Westen stand der Endpunkt fest, also schlussfolgernd soll nun im Osten, dort wo auch der Flughafen liegt, die Reise beginnen. Nicht ganz im Osten, aber annähernd im aufsteigenden Gelände in Santo Antonio da Serra.

Eine Vorübernachtung nahe dem Flughafen, da Ankunft um Mitternacht, Tag darauf Lebensmittel einkaufen, am Startpunkt noch die Benzinflasche auffüllen. Alles ist nun soweit gecheckt. Tankstelle vorhanden, Supermarkt in der Nähe, Hotel in Santa Cruz gebucht, Taxi- und Buspreise verglichen und sich für erstere bequemere Option entschieden.

Nun plante ich die Route mal wild los, die Camps waren von mir alle als erstes mit Wegpunkten in der Karte markiert worden, so wusste ich, wo unsere Ziele sein mussten. Der erste Tag war geplant, der zweite machte aber schon Probleme. Lange an einer Straße lang laufen, extreme Umweg in Kauf nehmen oder enge und steile Passagen absolvieren. Wir wollen dieses Mal auf Lastentiere verzichten, haben uns für Pilgerwagen oder Buggy entschieden, aber damit wollte die Planung einfach nicht funktionieren. Zwar sahen die Wege an den Levadas teilweise breit genug und passierbar aus, dann aber wieder mal nicht breiter als mein Arsch. Die Trails über die Gipfel und Kämme alle sehr stufig, steil und unwegsam. Kurz schoss der Gedanke durch den Kopf „Doch falsches Reiseziel?“

Ich plante die Tour erst einmal komplett durch. 97 km, zeitlich voll im Rahmen und mit Tagesetappen von 10-15km eigentlich machbar, aber unser Gefährt setzte uns Grenzen. In mir wuchs der Gedanke, gänzlich auf Unterstützung zu verzichten, heißt nur mir Rucksäcken unterwegs. Wohin mit 8 Tagen Proviant für 2.5 Portionen? Bei der Streckenplanung viel mir auf, dass wir immer wieder Straßen kreuzen werden, die den Norden mit dem Süden verbinden, wo größere Orte und Supermärkte vorhanden sind. Im Zentralmassiv und im Hochland leider Fehlanzeige. So haben wir uns nun für folgenden Plan entschieden.

Wir decken uns für die erste Hälfte der Tour mit Lebensmittel am Startpunkt ein, müssen hier und da sicher auf Genussmittel wie Alkohol uns Süßes verzichten oder zumindest drastisch einschränken. Parallel muss auch am Equipment gespart werden, Zelt ohne Footprint, weniger Klamotten, weniger Technik und weniger Hygieneartikel. Wir versuchen in 4 Tagen bis nach Porto Moniz durchzukommen, haben aber in der Not noch die ER228 mittig im Hochland auf Höhe Sao Vicente/ Ribeira Brava in petto, wo wir per Taxi Lebensmittel in Ribeira Brava nachkaufen könnten. Der 4-Tage-Gewalt-Durchmarsch ist aber nur unter Idealbedingungen machbar und auch so wurden erst einmal die Camps geplant und gebucht. Wenn das so funktioniert, gibt es einen Ruhetag in Porto Moniz und dann wieder zurück bis zur Mitte der Insel an die ER228, wo wir dann eine letzte Nacht campen um am Folgetag mit dem Taxi zum Airport zu fahren. Gesamtlänge 134 km anstelle 97 km. Vor Ort haben wir ein Taxiunternehmen gefunden, was die feststehenden Touren durchführt und operativ auf Abruf uns in den Bergen weiterhilft um ggf. weitere Transfers organisiert.

Wie sind wir auf diese Idee gekommen? Weil die Wanderwege und Verläufe echt interessant ausschauen und so etwas Täve ohne große Überredung selbst und lange laufen wird. In der Not kann ich ihn dann bei leichterem Gepäck als sonst auch mal eine Zeit lang schultern. Dafür wollen wir das Gepäck der Rucksäcke flexibel gestalten. Wie das gehen soll? Wir nehmen 3 Rucksäcke. Unsere beiden Hauptrucksäcke, die immer so gepackt bleiben wie am Morgen gestopft. Der 3. Rucksack wird ein kleiner Tagesrucksack sein, wo das schwere Essen, Technik und der Trinkrucksack verstaut sind. Habe ich Täve auf den Schultern, muss Yvi diesen tragen, läuft Täve allein, nehme ich diesen.

Klar wir müssen die Rucksäcke sicher mehrmals zu Hause packen, abwiegen und sicher noch weiter abspecken, aber am Ende sollen bei Yvonne max 18 kg und bei mir maximal 15 kg für die großen Rucksäcke stehen. Der kleine 3.Rucksack wird mit max. 10 kg angenommen. Je weniger umso besser. Wenn ich nämlich Täve mit 20 kg auf den Schultern habe, tanzen meine Kniescheiben mit gesamt dann 35 kg Foxtrott. Ich sehe schon wieder Yvonne hinter mir, wie sie sich krümmt vor lachen, gehe aber von aus, dass auch sie dieses Mal mit den max. 28 kg zu tun haben wird und ich in den Genuss komme, meine Schadenfreude auszukosten.

Die Tour steht nun im groben Gerüst, wird an der einen oder anderen Stelle noch verfeinert, es kommt was hinzu, wird gekürzt oder erweitert. Wir sind aktuell am recherchieren, ob es noch Highlights und ruhige Ecken gibt, wo wir unsere Art des Urlaubes vollziehen können. Es sind nur noch 6 Wochen, die Vorfreude am Gelingen ist genau so groß wie die Skepsis, dass es irgendwo wieder scheitern wird. Vieles aber spricht für ersteres, denn wir haben jetzt keine animalischen Störfaktoren mehr dabei wie 2016 in Kirgistan.

 

Unsere Routen im Überblick  zurück zur Liste

Natürlich ist es schwer abzuschätzen, wie es mit Täve läuft. 10 km am Tag sollten auf jeden Fall drin, sein, 15 km wären das Optimum. Wir setzen unsere Hoffnung dabei auf die spektakulären und engen Wegverläufe an den Levadas, die Täve von den Strapazen ablenken werden. Daher haben wir nun 2 Routen im Kopf, hoffen aber, dass Plan A funktioniert und Plan B nicht ausgepackt werden muss.

Wie immer haben wir die Gpx-Datei auf unserem Garmin abgespeichert. Als Karten kann ich die Inselkarte und die Lusitania0.97 empfehlen. Das sind kostenfreie Karten fürs Garmin (Downlaod siehe unter Nützliche Links). Es sind wirklich sehr hilfreiche Karten und ausreichend. Ich habe mir aber noch die Garmin V4 Topo Light von Portugal mit zugelegt. Parallel nutze ich in Papierform auch noch die alten Militärkarten von 2003, zur Sicherheit.

Als Backup haben wir natürlich auch wieder eine Karte in Papierform mit, die uns helfen soll, den Überblick zu bewahren, obwohl es schier unmöglich sein sollte, sich auf dieser kleinen Insel zu verlaufen. Madeira 1:40000 Wanderkarte

Plan A

 

Plan B

 

Nützliche Links  zurück zur Liste

 

Madeira Campingplätze

Hier findet Ihr alle Informationen zu den legalen Camps, sehr detailliert und informativ. Englisch und portugiesisch

Camps online buchen


Hier könnt Ihr online die Camps buchen, das erspart Euch den Gang ins Stadtbüro. Englisch und portugiesisch. Weitere Details unter "Info's zum Camp"

Madeira Forum

Forum für Madeira, hier speziell zu Platzbeschreibungen der Camps

Acampamentos IFCN Government

Weitere Info's über Camps und Beantragung vor Ort, leider nur portugiesisch

Übersicht Busse Westen

Busplanübersicht für den Westen der Insel

Busliste Horarios

Alle Busse der Insel als einzelne PDF Downloads

Madeira Island Busse

weitere Übersicht aller Busse der Insel

Militärkarten

kostenpflichtige portugiesische Militärkarten von 2003

1.Taxi Unternehmen Taxi-Madeira

Etwas teurer, dafür aber flexibler und Leena spricht sogar deutsch

2.Taxi Unternehmen TaxiMadeira

sehr preiswert (Porto Moniz-Airport 58€), dafür nicht so flexibel und spontan wie Taxi-Madeira

Wanderreitkarte.de

kostenfreie Wanderkarte von Madeira fürs Garmin. Achtung: Download startet sofort 288MB Zip Datei

Portugal Lusitania Version 0.97

weitere kostenfreie Wanderkarte von Madeira fürs Garmin. 82 MB als rar-Datei. Zwei Versionen hier direkt zum Download: Direkt fürs Garmin oder Zur Installation in Mapsource

Info’s zu den Camp’s  zurück zur Liste

Also da offiziell wild zelten auf Madeira verboten ist, werden wir offiziell die angebotenen Camps nutzen. Wer uns aber kennt, der weiß, wenn es die Gegebenheiten vor Ort zulassen oder die Not nach Hilfe schreit, dann werden wir nichts unversucht lassen, uns wieder vom Pfad der Tugend zu entfernen. Da die offiziellen Camps aber sehr rudimentär sind, haben wir vorerst keine Probleme, diese zu nutzen, wenn sie auf dem Weg liegen und in unseren Zeitplan passen.

Es gibt nach meiner Recherche 19 Camps auf Madeira, meist im zentralen Hochland gelegen, teilweise mehrere auf einem Haufen, dann mal wieder mit großen Abständen. Nach meinem Verständnis also nicht gleichmäßig verteilt, was eine Planung schwerer macht. Eines der 19 Camps (Porto Moniz) muss man separat buchen und ist auch kostenpflichtig ( E-Mail senden ), die restlichen 17 Camps kann man problemlos online  beantragen und sind kostenlos. Da bei manchen Camps wie am Pico Ruivo oder Fanal laut Aussage anderer Wanderer nur 2-3 Zelte Platz finden, sollte man schon planen und reservieren. Ohne Reservierung geht auf den Plätzen sowieso gar nichts, denn sie werden kontrolliert und hat man keine ausgedruckte Bestätigung dabei ( Beispieldokument ), kann das zu Problemen und Diskussionen bis hin zu Geldstrafen führen. Hat man aber so eine Permit, aber aufgrund einer unvorhergesehenen Änderung stimmen Plan und Realität nicht mehr überein, sollen sich die Kontrolleure angeblich nicht mehr so zimperlich haben.

Die Camps sind keine Luxuscamps, reichen von rudimentär (Feuerstelle, Sitzbänke) bis hin zu komfortabel (WC, Spielplatz, Waschräume, Schutzhaus, Parkplätze). Sie liegen des öfteren an Straßen und Pisten und sind mit dem Auto gut erreichbar. Es gibt aber auch Camps, die wirklich nur zur Fuß erreichbar sind. Was ich bis dato recherchieren konnte, gibt es in allen Camps Wasser, manchmal direkt am Camp, manchmal muss man paar Meter laufen.

Folgend möchte ich alle bekannten Plätze auflisten und dazu meine späteren und die aktuell recherchierten Erfahrungen kundtun, geordnet von Ost nach West. Die blau unterlegten Camp-Namen sind Links und führen Euch direkt auf die Maderia-Camping Homepage. Dort findet Ihr noch mehr Informationen auf englisch. Die mit Sternchen(*) markierten Plätze liegen auf unserer Route und kommen für uns in der Not oder als Alternative in Betracht, die mit einem Plus(+) markierten Camps haben wir aktuell nach Plan gebucht. Die Camps sind alle auch oben in den dynamischen Karten als Wegpunkte markiert.

Camp Terreiros +

Lage: Direkt an der ER202 auf 1300m Höhe, GPS-Koordinaten N32.718916 W16.868053
Ausstattung: Wasser, Feuerstelle, Grillplatz, Tische mit Bänken, keine Toilette, keine Schutzhütte, Mülltonnen
Gesamteindruck: Riesiger, schöner Platz mit Bergfeeling, Waldstreifen zwischen Straße und Camp, offenes Weidegelände,
Es gibt zwei Plätze südlich der Straße, einmal am Halbkreis und einmal nach dem Waldstreifen weiter westlich noch einen.
Eigener Eindruck: Viel los am Wochenende, viele Einheimische, aber weitläufiger Platz mit vielen Büschen, so kann man
problemlos ein ruhigen Platz finden. Schöner Platz mit viel Weitsicht. Empfehlenswert.

 

Camp Chao do Pasto *

Lage: Direkt an der ER202 auf 1360m Höhe, GPS-Koordinaten N32.71954 W16.875772
Ausstattung: Kein Wasser (nur am 850m entfernten Terreiros Camp), Feuerstelle, Grillplatz, 3 Tische mit Bänken, keine
Toilette, keine Schutzhütte, Mülltonnen
Gesamteindruck: Exponierter, weitläufiger Platz mit toller Weitsicht. Wenn es stark geregnet hat, bildet sich sogar ein
kleiner See Trinkwasser!). Es gibt zwei Plätze, einen nördlich und einen südlich der Straße. Der südlichere ist durch
eine Baumreihe etwas von der Straße getrennt und ein wenig windgeschützter.

 

Camp Carreiras

Lage: Direkt an der ER203 auf 1200m Höhe gelegen, GPS-Koordinaten N32.701813 W16.883165
Ausstattung: Feuerstelle, keine Toilette, keine Schutzhütten, keine Sitzmöglichkeiten, Parkplatz 50m entfernt, Wasser nur
im 500m entfernten Camp Montado do Pereiro
Gesamteindruck: Schattiger und ruhiger als Camp Montado do Pereiro, aber direkt an der Straße

 

Camp Chao das Feiteiras

Lage: An der ER103 auf 1200m Höhe gelegen, GPS-Koordinaten N32.723772 W16.886973
Ausstattung: Wasser, Feuerstellen, Picknicktische, Lagerfeuer, Fischen mit Lizenz möglich, Schutzhütte, Parkplätze
Gesamteindruck: viele Bäume, viel Wiese, schattig, auch im Sommernächten kalt, viele Schafe in der Umgebung

 

Camp Ribeiro Frio

Lage: An der ER103 auf 930m Höhe gelegen, etwas abseits im Wald, GPS-Koordinaten N32.732775 W16.887955
Ausstattung: Wasser (Wasserfall in der Nähe), Sitzbänke, keine Feuerstelle, Restaurant in der Nähe
Gesamteindruck: Idyllisch in ursprünglichem Wald gelegen, rudimentärer Platz

 

Camp Montado do Pereiro

Lage: Nahe der ER203/ER215 im Waldpark auf 1250m Höhe gelegen, GPS-Koordinaten N32.704842 W16.89016
Ausstattung: Kostenpflichtige Übernachtungshütten, Parkplätze, Wasser/Bäche, Toiletten, Duschen, Picknickplätze,
Feuerstellen, Mülltonnen, Fußballplatz, Minigolf, Mountain-Bike-Tracks
Gesamteindruck: Sehr großer, gut ausgestatteter, aber sicher auch überlaufener Platz (durch Einheimische)

 

Camp Poiso *

Lage: An ER202, etwas befahren, da Zufahrt zum Pico Areiro, auf 1400m Höhe, GPS-Koordinaten N32.7109 W16.897026
Ausstattung: Kein Wasser und WC an den Camps (Wasser/WC im Restaurant 350m bzw. 1km entfernt), Grillplätze nur
bei Poiso West, keine Schutzhütte, Mülltonnen
Gesamteindruck: Poiso hat 2 Plätze, wobei offiziell nur noch Poiso West ausgeschrieben ist, wo es auch zwei Grillplätze
gibt. Poiso Ost ist im kleinen Wäldchen gelegen

 

Camp Parque Florestal do Pico das Pedras

Lage: An der ruhigen ER218 auf 900m Höhe gelegen, GPS-Koordinaten N32.77784 W16.896629
Ausstattung: Picknickplätze, Toiletten, Parkplätze, Wasser, Feuerstellen, Forsthaus, Spielplatz, Tische/Bänke, Mülltonnen
Gesamteindruck: Schattige Anlage, Plätze gut verteilt, gemütlich, hübsch

 

Camp Chao da Lagoa *

Lage: An einer kleinen Straße im Parque Ecologico auf 1480m Höhe, GPS-Koordinaten N32.711469 W16.911317
Ausstattung: Picknickplätze, Wasser, WC (sogar Duschen), Schutzhütten, Mülltonnen
Gesamteindruck: Großer und populärer Platz mit weit verstreuten Campingplätzen, die weiter von der Straße weg sind.

 

Camp Pico Ruivo +

Lage: Mit 1800m Höhe der höchstgelegene Campingplatz Madeiras und nur 60m unterhalb vom Pico Ruivo gelegen,
GPS-Koordinaten N32.760302 W16.943536
Ausstattung: Keine offizielle Feuerstelle, aber Feuer erlaubt, Wasser nur in 100m entfernten Berghaus Casa do Ruivo,
keine Schutzhütte, keine Bänke oder Tische
Gesamteindruck: Sehr kleiner, exponierter Platz mit Rundumsicht, ideal um den Sonnenaufgang/-untergang zu beobachten.
Eigener Eindruck: sehr vermüllter Platz, aber gut geschützt im Buschwerk. Maximal 3 Zelte. Das Berggasthaus hatte bei uns
geschlossen und sah nicht wirklich danach aus, als ob es wieder öffnen würde. Am Berggasthaus kleine, offene Schutzhütte
mit Feuerstelle für maximal 6 Personen. Am Berggasthaus auch 1-2 Notplätze für Zelte.

 

Camp Chao dos Louros +

Lage: An der alten Passstraße ER228 auf 800m Höhe etwas ruhiger gelegen, GPS-Koordinaten N32.759896 W17.016519
Ausstattung: Wasser, Toiletten, Schutzhütte, mehrere Grillplätze, viel Parkplätze, Mülltonnen
Gesamteindruck: Mitten im Lorbeerwald, großzügig angelegt

 

Camp Bica da Cana *

Lage: An der Hauptstraße ER105 auf der 1600m hohen Hochebene gelegen, GPS-Koordinaten N32.756738 W17.058967
Ausstattung: Wasser, Toiletten, Grillplätze, Bänke, Mülltonnen
Gesamteindruck: Terrassiertes Wäldchen bei Forsthaus, schattig, gute Zeltflächen, viele Windräder in der Umgebung
Eigener Eindruck: Obwohl direkt an der Straße und nahe einem Windpark gelegen, trotzdem sehr schön versteckt im kleinen
Wäldchen. Sehr weitläufige Anlage mit oberhalb gelegenem Aussichtspunkt. Durchaus empfehlenswert.

 

Camp Casa do Caramujo +

Lage: Nördlich der ER105 an der kleinen ER208 auf 1300m Höhe, GPS-Koordinaten N32.772662 W17.062819
Ausstattung: Wasser (See und Wasserfall), keine Feuerstellen, keine Toiletten, keine Schutzhütte, keine Mülltonnen
Gesamteindruck: Der wohl rudimentärste, aber auch abgeschiedenste Platz an einer alten Ruine, Wasserfälle/See in der Nähe
Eigener Eindruck: Interessanter, aber auch sehr vermüllter Platz. Wasser entweder unten an der Levada (3km) oder 200m oberhalb
links des Hauptweges. Auf den See und Wasserfall würde ich mich nicht verlassen. Sehr abgelegen und ruhig, aber nicht (mehr) unser
Favorit.

 

Camp Estanquinhos *

Lage: Etwas oberhalb der befahrenen ER105 an der ER208 auf 1500m Höhe,GPS-Koordinaten N32.769188 W17.076777
Ausstattung: Keine Toiletten, mehrere Grillstellen, Sitzbänke mit Tischen, Wasser, Parkplatz, 100m nördlich vom Camp
Forsthaus mit kleinem Vordach als Shelter
Gesamteindruck: Offener Blick nach Süden mit vielen Windrädern am Horizont , idyllisch im Wald mit ebener Wiese
gelegen, nahe gelegen Windräder im Hintergrund nicht sicht- und hörbar, wenig besucht und ruhig, weil abseits der großen Straßen

 

Camp Lajeado /Lageado *

Lage: An der ER105 in einer Seitenstraße auf der Paul Serra Hochebene auf 1400 m Höhe gelegen, beim Fluss Ribeira
do Lajeado, GPS-Koordinaten N32.758191 W17.105724
Ausstattung: Wasser im 50m entfernten Fluss
Gesamteindruck: Flache Wiese, keine Bäume, exponiert
Hinweis: Man kann das Camp zwar online buchen, aber es finden sich keine Informationen zu dem Camp online

 

Camp Rabacal +          (noch keine Info‘ online) 

Lage:Unterhalb der ER105 auf 1100m Höhe, es führt eine beschrankte Straße hinunter, GPS-Koordinaten N32.761416 W17.134085
Ausstattung: Toiletten, Mülltonnen, Picknickbänke, Schutzhütten, Forsthaus, Quelle
Gesamteindruck: Aufgrund der vielen Tagestouristen und Jugendgruppen viel los, da Ausgangspunkt der
25-Fontes-Wanderung und vieler weiterer, schattig im Wald

 

Camp Fanal +

Lage: An der ER209 etwas abseits auf 1150m Höhe gelegen, GPS-Koordinaten N32.810262 W17.14144
Ausstattung: Grillplätze, Schutzhütte, Forsthaus, keine Toiletten, kleiner See 400m entfernt, Wasser am Camp, Parkplatz
Gesamteindruck: Schön und ruhig gelegener Platz zwischen alten Lorbeerbäumen, oft sehr nebelig und
Wetterumschwünge, weitläufige Wiesen ermöglichen herrliche Weitsicht
Eigener Eindruck: Etwas rein versetzt auf dem Hauptkamm an der Straße nach Porto Moniz. Nebel scheint hier normal zu sein.
Schutzhütte ist ausreichend und hat Feuerstelle mit direktem Wasseranschluss. Wenig Totholz in der Umgebung.

 

Camp Fonte do Bispo + (noch keine Info’s online)

Lage: Unterhalb der ER105 an der ER210 auf 1250m Höhe gelegen, GPS-Koordinaten N32.791965 W17.181437
Ausstattung: Forsthaus, Mülltonnen, Bänke mit Tischen, Feuerstelle, (Wasser und Toiletten??)
Gesamteindruck: Große ebene Wiese, offenes Gelände umzingelt von Baumreihen

 

Camp Porto Moniz +

Lage: 20 Minuten zu Fuß nach Porto Moniz, auf 33m Höhe und 200m vom steinigen Strand entfernt (zum Baden eher
ungeeignet), GPS-Koordinaten N32.854089 W17.155205 , 10 Autominuten zum schwarzsandigen Strand nach Seixal
Ausstattung: Voll ausgestatteter Platz mit Sanitäranlagen, Wiesen, kleinen Bäumen, Bänken, Tischen, Küche,
Kinderspielplatz, Rezeption, Waschraum, Strom gegen Gebühr
Gesamteindruck: Kostenpflichtiges Camp 2.82€/Tag/Person plus 3-4€/Tag/Zelt, hübsch angelegter Platz ohne
Einkaufsmöglichkeiten, ruhig gelegen, Steinstrand 200m entfernt
Eigener Eindruck: Sauberer Platz, viele (Dauer)camper. Kostenfreies WLAN, sehr windig. Keine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe,
nur eine Bar. Spielplatz schon herunter gekommen. Sanitäranlagen sauber und großzügig gestaltet.

 

Reisebericht  zurück zur Liste

Viel Spaß nun beim interaktiven Bericht mit zoombaren Karten über die einzelnen Abschnitte. Wer gern wie gewohnt eine PDF herunterladen möchte, um den Bericht offline zu verschlingen, der kann sich den 25-seitigen Bericht mit Bildern und Karten hier anschauen und downladen (59MB).

1.Tag | 11.Juni 2017 | Von Santos da Serra zum Camp Terreiros

 
 

 
 

Nachdem wir am 10.Juni um 23.45 Uhr sicher gelandet waren, war es nachvollziehbar, dass wir nicht gleich auf Tour gehen wollten. Wir hatten ein Hotel in Airportnähe (Santa Cruz) gebucht. Wir kauften nach dem Frühstück alles Nötige für die kommenden 4 Tage ein. Das sollte nach Plan A bis Porto Moniz reichen. Das wir so knapp kalkulierten, sollte sich im weiteren Verlauf noch als großer Fehler bemerkbar machen. Gegen 10 Uhr holte uns das Taxi ab. Da die Busverbindungen nur in und um Funchal regelmäßig stattfinden und die Taxipreise unter deutschen Verhältnissen sind, gönnten wir uns diesen Luxus. Ziel war Santos da Serra, wo es auch eine Tankstelle gab um das Benzin für den Kocher zu bekommen. Da wir spät starteten und erfahrungsgemäß die erste Tour des Urlaubes immer ein wenig Eingewöhnung braucht, plante ich zum Warmlaufen nur 9km zum Camp Terreiros ein.

11 Uhr waren wir startklar. Die Sonne lachte, in Santos da Serra war Sonntagsmarkt, der uns wärmstens empfohlen wurde. Okay, es roch wirklich lecker nach Fleisch und Gewürzen. Wir aber wollten einfach nur loslaufen, die Vorfreude steckte in unseren Beinen. Noch etwas an der Straße entlang, dann bogen wir auf einen Feldweg ein. Der Roller wurde gleich mit dem kleineren roten Ortlieb Proviant Rucksack bestückt und wurde nur noch auf der Brust getragen, wenn mit dem Roller im Gelände wirklich gar nichts mehr ging. Da wir auf 690m Höhe gestartet waren und das Camp auf 1300m Höhe lag, wussten wir, dass die Tendenz heute „bergauf“ hieß. Die ersten Meter waren ein Dahinschlendern, Rucksack richtig positionieren, ausloten, wie der Roller das Gelände meistert. Nach 2km erreichten wir die Levada da Serra do Faial. Puuh, endlich mal wieder flach. Erste Rast, bevor die Levada gegen den Strom in Angriff genommen wurde. Diese kleine niedlich Levada gefiel uns auf Anhieb und der 50cm breite Seitenstreifen war ausgetreten, so dass der Roller ordentlich abging. Mit Rufen in die Ferne mussten wir in diesem sehr kurvigen Verlauf Täve öfters ausbremsen. Hier erwies sich der Roller bereits als Segen, denn die folgenden 2km war Täve gut motiviert und wir konnten selbst vom Schlendermodus in den Wandermodus wechseln. Am Wasserhaus, wo sich mehrere Levadas treffen, nahmen auch die Wanderer zu. Es kamen geführte Wandergruppen und einzelne Tageswanderer vorbei, die unsere groß gewachsenen Rucksäcke und den Roller bestaunten. Wir widmeten uns derweil den extrem zutraulichen Madeira Buchfinken, die uns förmlich nötigten, was von unseren Pausenproviant rauszurücken. Täve war enttäuscht, dass er sie nicht auch noch streicheln konnte. „Die sahen doch so kuschelig aus“.

 
 

 
 

Nun stand der schwierige Teil des Tages an. 450 Höhenmeter auf den letzten 4,5km. Mir fehlten die passenden Motivationsfloskeln, da ich Täve von seinen Finken trennen musste und Yvonne bemerkte, dass langsam Wolken aufzogen. „Kommt schon!“ verhallte ohne Reaktion, also musste der härtere Bundeswehrton herhalten. Schleppend ging es in den Anstieg. Hier waren nun wieder keine Wanderer unterwegs. Scheinbar waren die Levadas die Attraktionen der Insel, leicht und bequem zu begehen. Wir schraubten uns nun stetig nach oben, bei wechselhaften Wetter und „Liquid Sun“. Die letzten 100 Höhenmeter beschritten wir auf einem engen Pfad. Nun musste Roller und Ortliebsack geschultert werden. Das war heftig. Keine Ahnung, wieviel Kilo mich zu Boden drückten, aber die Kniescheiben tanzten immer dann Tango, wenn 30cm hohen Steinstufen überwunden werden mussten. Motivation und gute Laune machte sich auf einmal breit. Die Straße, an der das Camp liegt war erreicht, die Himmel klarte auf, das Camp nur noch ein Steinwurf entfernt. Toll, nun waren die Anderen motiviert und ich enttäuscht von den schon jetzt hörbaren Partygeräuschen aus dem Camp. Zum Glück entpuppte sich das Ganze als harmlose Familienzusammenkünfte. Portugiesen feiern nun mal laut, wir suchten uns einen Platz abseits der Straße und der Einheimischen und bauten unser Zelt auf einer dritten unteren Ebene auf. Das Camp Terreiros überzeugte Yvonne sofort. Weitläufige Landschaft, offener Blick, exponierte Lage und Sonne satt. Täve hatte schon paar Kletterbäume ausgemacht, also waren Alle zufrieden, auch ich mit diesem Wanderauftakt. Wir relaxten am Zelt, es gab auch bald Abendessen und der Plan A schien aufzugehen. Mit Blick auf die wüstenähnlichen Nachbarinseln Madeiras genossen wir den Sonnenuntergang und schliefen die Nacht bei angenehmen Temperaturen durch.

 
 

 
 

2.Tag | 12.Juni 2017 | Vom Camp Terreiros zum Pico Ruivo

 
 

 
 

Gegensätzlicher konnten die Eindrücke nicht sein. Bei bestem Wetter ins Zelt, bei Nebel und feucht-nassen Bedingungen in den Tag starten. Schwerer konnte es für mich nicht sein, meine zwei Weggefährten aus dem Bett zu bekommen. Ich tauschte einfach den Silencer gegen das normale Prellblech aus und startete den Polaris direkt am Zelteingang. Gut, danach war die Stimmung auch nicht besser, aber die Beiden waren munter. Es war schon 8 Uhr und heute lag nicht nur eine lange, sondern auch interessante Tour vor uns. Heute würde sich zeigen, ob Madeira (mit Roller) so eine gute Idee war. Die Passage Pico Areiro – Pico Ruivo (PR1) sollte aber erst am 2.Teil des Tages folgen. Da wir mittlerweile ein eingespieltes Team sind und alles routiniert vonstatten geht, ist es bei uns Usus, dass wir ca. 2 Stunden nach dem Aufstehen meist auch abreisebereit sind. In dieser Zeit wird gefrühstückt, zwei Tassen Kaffee genossen, alles abgebaut und verstaut.

So starteten wir Alle bei miesen Wetter. Yvonne will immer ein wenig ZDF (Zahlen Daten Fakten) haben bis wir dann ins RTL (Reden Tratschen Labern) übergehen. Start 1300m Höhe, Pause Areiro 1800m, ergo 500hm auf 11km. Durchaus machbar und noch entspannt. Auf Pisten aus Stein, Schotter und Erde trotzten wir dem beschissenen Wetter, auch ein paar Mountain Biker staunten nicht schlecht, als wir aus dem dichten, nassen Nebel des Weges kamen. In der Nähe von Poiso pausierten wir für einen kleinen Snack, danach klarte das Wetter mit jedem Höhenmeter auf. Im nun unwegsamen Gelände musste mal wieder alles geschultert werden. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was da heute noch kommen würde, ich hätte über diese kurze Schwitzpassage geschmunzelt. Nach 1 km erreichten wir das Camp Poiso, zwar an der viel befahrenen Straße, aber durch viele Bäume und des weit zurück angelegten Bereiches trotzdem ruhig. „Nein, hier campen wir noch nicht, Täve“ waren wenig motivierende Worte, aber ich konnte mit einer Levada locken, die bald folgen sollte.

 
 

 
 

An der Levada do Blandy ging es nun wieder etwas entspannter an dichten Besenginster vorbei immer weiter in Richtung Mittagspause. Das Wetter klarte auf, die Sonne schien, der Roller konnte in der kleinen Levada geschoben werden (auf dem engen Pfad war kein Platz) und so ging es Allen gut. Bald mussten wir aber abbiegen und mal wieder Höhenmeter machen, es waren gerade mal 150 von 500 bewältigt. Diese schlechte Nachricht behielt ich aber lieber für mich und hielt mich an RTL. Wir passierten wieder die Straße. Täve wollte unbedingt Roller fahren, was auf dem folgenden Abschnitt unmöglich gewesen wäre. Da sich der Verkehr in Grenzen hielt, folgten wir nun der Bergstraße zum Gipfel. So konnte ich Täve samt Roller und Ortliebsack ab und an schieben und ihn für den PR1 entlasten. Gut gelaunt zählte Täve die Eidechsen am Wegesrand.

Die Hitze nahm zu, die Steigung auch, noch nichts richtig Festes im Magen: „Maus, schiebe mal kurz Täve, mir wird schwarz vor Augen“ Kurz musste ich innehalten. Waren das noch die Nachwirkungen vom Antibotikum, was ich eine Woche zuvor wegen Streptokokken nehmen musste oder war ich nur einfach alt und unbelastbar geworden? Nach kurzer Zeit ging es wieder, ich hatte mich erholt und der Pico Areiro war auch schon in Sichtweite. 14 Uhr waren wir auf dem Gipfel, der gut besucht war. Viele Autos, viele Touristen in FlipFlops aber auch richtige Wanderer.

Der Ausblick auf der Sonnenterrasse genossen wir in vollen Zügen, bei Eis, Cola und HotDog. Schon hier, nach einer Nacht, wussten wir, dass Alkohol und Süßwaren die kommenden Tage nicht reichen würden. Für 45 Euro kauften wir die für uns unverzichtbaren Dinge nach. Klar, noch mal ordentlich Ballast aufladen, bevor die harte Tour kommt. Ich musste dafür bestraft werden. Wir waren gerade fertig geworden, die Rucksäcke saßen auf den Schultern, der Roller zusammengeklappt, da wollten uns ein paar Wanderer in ein Gespräch verwickeln. Ich war so kurz angebunden, so voll beladen hatte ich gerade richtig Bock Smalltalk zu betreiben. Kurz und knapp beantwortete ich die neugierigen W-Fragen, Yvonne meinte später, dass ich doch sehr unhöflich gewesen sei und lachte dreckig.

 
 

 
 

Nun ging es los. 6km lagen noch vor uns, ein Auf und Ab auf schmalen Pfaden und durch Tunnel. Der östliche Weg um den Pico Torres war gesperrt. Da dieser die längere Option gewesen wäre, waren wir darüber nicht verärgert. Mit jedem Schritt nahm die Bewölkung zu und die Sonne ab. Bald waren wir im Nebelmeer verschwunden und der atemberaubende Weitblick auf dieser Tour blieb uns verborgen. Ob ich dafür bei besserem Wetter ein offenes Auge gehabt hätte, sei dahin gestellt. Ich war nun am Limit und dachte, ich sehe schon wieder schwarz, aber es waren nur die kurzen dunklen Tunnelpassagen. Täve jammerte auf diesem Abschnitt kein bisschen, ihm gefiel der Verlauf. Imposant in den Fels gehauener Pfad, mal rauf, mal ab und die Tunnel waren das Highlight. Uns kamen die letzten Tageswanderer entgegen, die den Rundweg ab/an Areiro liefen. Darunter auch ein deutsches Paar „Interessante Art zu reisen“ meinte der Mann, der vorerst nur den Roller in meiner Hand sah. „Ach, Gott, das ist ja ein starkes Stück, Du bist aber echt cool“ meinte er kurz darauf, als Täve um die Ecke stapfte. Täve konnte mit dem Kompliment nichts anfangen und lief schüchtern weiter. Der Tiefpunkt war nun erreicht. Nicht meiner, da sollte bald folgen, sondern die 1600m Höhe. Ab nun hieß es nur noch bergauf. Gott beschenkte uns zusätzlich noch mit Niesel, Wind und Nebel, was nur ein was positives hatte: Man konnte den Streckenverlauf nicht sehen, denn langsam aber sicher wurden aus Unebenheiten Steine, aus Steine Stufen, aus Stufen Treppen und so richtig den Abschuss gab ich mir dann als auch noch aus Treppen Leitern wurden. Yvonne meinte zur ihrer eigenen Belustigung noch, dass sie mein Gang an eine Mount Everest Besteigung erinnere. Nach jedem Schritt eine Pause, ein tiefer Atemzug und weiter. Zwischendurch fragte Täve immer wieder „Laufe ich heute gut mit?“ Wo ich anfangs noch mit lang ausgeholten Sätzen darauf antwortete, konnte Täve mir nun nur noch ein „Aahhaja“ entlocken. „Kannst Du wenigstens mal so tun als beansprucht Dich dieser Weg“ schrie ich zu Täve nach vorn, der entgegnete mit motivierenden Worten „Papa, Du schaffst das, da oben kommen nicht mehr viele Treppen“ Genial, das wollte ich hören. Ich hatte gerade mal wieder mit der einen Stufe zu kämpfen, so weit wollte ich noch nicht denken, dass ich da oben heute noch ankomme.

Unglaublich, aber es wurde flacher, ein normaler Weg war wieder unter meinen Füßen und gegen 19Uhr waren wir am geschlossenen Berghaus Ruivo. Dort gab es aber Wasser, Toiletten und eine Schutzhütte. Das Camp lag eigentlich noch 20hm weiter oben. Mir egal, ich hätte zur Not auch sitzend auf diesem Klo geschlafen, aber ich wollte und konnte nicht mehr, zumal das Wetter weiter oben auch keine bessere Aussicht versprach. Yvonne fand eine tolle Stelle neben der Schutzhütte, die schon mit einem Wanderer belegt war. Wir bauten das Zelt schnell auf, kochten Essen, dann duschte ich mich noch unterm Wassersack und bei Regen, Wind und tiefen Wolken schlossen wir das Zelt und damit auch einen für uns echt harten Wandertag ab.

 
 

3.Tag | 13.Juni 2017 | Vom Pico Ruivo zum Pico Jorge

 
 

 
 

Meine Beine liefen in der Horizontalen noch weiter, an Tiefschlaf war kaum zu denken. Trotzdem verwarf ich den Plan, zeitig morgens aufzustehen um der Erste auf dem höchsten Gipfel Madeira’s zu sein um den Sonnenaufgang zu genießen.

 
 

 
 

Unnütze Höhenmeter, denn 100m unterhalb auf 1760 m Höhe war der Ausblick genau so atemberaubend. Ich schnappte mir also die Kamera und ging auf Streifzug durch die Umgebung, während ich meinen beiden Liebsten noch etwas Ruhe gönnte. In der Morgensonne trocknete ich unsere Klamotten, die von gestern noch klitschnass waren. Die Sonne wärmte mich und meine gestern geschundenen Knochen, es war Balsam für die Seele. Die Ruhe da oben, einfach unbeschreiblich. Noch keine Wanderer unterwegs, der eine Wanderer in der Schutzhütte war schon weg, eine Idylle zum anfassen. Nun wurde es auch im Zelt warm, so dass sich Yvonne und Täve aus dem Zelt quälten. Wir ließen uns heute ein wenig mehr Zeit beim Frühstücken. So kam es dann auch, dass die ersten Wanderer über unser liebevoll ausgebreitetes Buffet stolperten. Die Sicht war gut, wir lagen weit über den Wolken. Also zusammenpacken, bevor sich das noch ändert, denn einen Abstecher auf den Pico Ruivo wollten wir schon noch in Kauf nehmen.

Nach meiner Aufbruchparole „Auf geht’s“ folgten noch die vernuschelten Worte „Heute nochmal eine harte Tour, danach wirds einfacher“ Musste ja nicht Jeder hören, dass ich selbst Respekt vor diesen Abschnitt hatte. Über die Vereda da Encumeada war wenig im Netz zu lesen, also freute ich mich einerseits auf einen einsameren Abschnitt als den PR1, aber die Ungewissheit, was da kommen mochte, trübte die Vorfreude. Am eigentlichen Camp Pico Ruivo deponierten wir die Rucksäcke und bewältigten die restlichen 80hm mit sportlichen und leichtfüßigen Schritten. Das Camp bietet maximal Platz für 3 Zelte und ist vorm Wind gut durch Fels und Bewuchs geschützt. Die Weitsicht hier oben wäre noch besser gewesen, aber dafür hätte man das Wasser am Berghaus holen müssen. Der Weg hoch und runter und ein kurzes Verweilen auf dem Gipfel dauerte keine halbe Stunde, dann waren wir wieder voll bepackt startklar für den weiteren Weg. Der Roller blieb gleich zusammengeklappt in meiner rechten Hand, der Ortliebsack auf der Brust und Täve hoch motiviert, heute wieder gut mitzulaufen.

Es ging nun tendenziell erst einmal bergab, logisch, wenn man kurz zuvor auf dem höchsten Gipfel stand. Da haben es aber die Wegeplaner mal wieder übertrieben. Es fehlten wirklich nur noch die Leitern, sonst wäre es hier auch wieder zum Supergau gekommen. So war der Abstieg auf dem schmalen sand-steinigen Pfad einfach nur steil und kurvig. Yvonne hatte noch Muskelkater von gestern in den Oberschenkeln, heute durfte ich also mal über ihre Laute lachen, die sie immer dann von sich gab, wenn eine 30cm Stufe überwunden werden musste. Der Weg war gut besucht, viele Wandergruppen gingen in die gleiche Richtung, aber irgendwann nach dem Abzweig runter nach Faja Escura wurde es ruhiger. Wir gönnten uns eine Pause. Täve hatte sich mit den Eidechsen angefreundet, die echt zielstrebig und ohne jegliche Scheu auf uns zukamen. Pausenbeschäftigung: Echsenfütterung.

Wir hatten gerade mal 3km geschafft, aber anfühlen tat sich das Ganze wie 10km. Es sollte aber noch schlimmer kommen, der Weg ging noch weiter runter. Nach 5km waren wir auf 1300m Höhe angekommen, ergo einfach mal so 560hm vernichtet. Alle schrien nach Mittagspause, mein Schrei verstummte da eher beim Anblick des Höhenprofils, was da noch kommen würde. Es sollte nun auf den nächsten 1.5km 300hm hoch gehen, da klang nicht nach einem entspannten Anstieg, der Roller blieb also zusammengeklappt. Im weiteren Verlauf blieb wenigstens das Wetter auf unserer Seite, zwar teilweise bewölkt, aber immer wieder mit sonnigen Abschnitten. Lange war es her, als wir den letzten Wanderer gesehen hatten. Irgendwie machte ich mir langsam Gedanken darüber, wie wir den 11.4km langen Abschnitt überhaupt heute noch schaffen sollten. Yvonne schmerzten immer noch die Oberschenkel und auf einmal resignierte Täve mit den Worten „Mir tun die Beine weh“. Ob er es einfach Yvonne nachsagte oder es wirklich so war, wir wussten es nicht, aber nun machte ich mir ernsthaft Gedanken. In dem Terrain einen geeigneten Platz zu finden, der dann auch noch eine Wasserquelle vorweist, das hielt ich für einen Sechser im Lotto.

 
 

 
 

Ich sprach meine Gedanken aus und Yvonne war immer noch zuversichtlich, dass wir es schaffen würden. Hier treffen Realismus und Optimismus auf einander. Wir gingen also noch weiter nach oben. Täve lief immer noch tapfer mit, nörgelte nicht viel herum, auch in den Steilpassagen nicht, denn interessant war der Weg ja zu laufen. Als wir dann endlich den letzten hohen Punkt der Tour erreicht hatten, waren wir wieder ein wenig zuversichtlich. Doch das der Weg bergab auch strapaziös sein kann, hatten wir ja beim ersten Abschnitt des Tages gespürt. Täve meldete sich wieder zu Wort „Papa, mir tun die Beine nun von unten bis zu den Knien weh“. Okay, nun war Schluss mit lustig. Yvonne bekam den Roller und den Ortliebsack, ich schulterte Täve. Das wollte ich bereits auch schon nach dem ersten Anzeichen tun, doch Täve meinte nur „Nein, ich möchte doch wieder gut mitlaufen und nicht faul sein“. Nun aber ging er bereitwillig auf die Schultern. Nun liefen wir weiter nach unten, beiläufig bemerkte ich seit langen mal wieder ein kleines Rinnsal links des Pfades, etwas unterhalb des Pico do Jorge.

Dann der Sechser im Lotto. Keine 100m weiter unterhalb und rechts des Weges und kurz vorm Abzweig zum Pico Grande eine 40qm große Plattform, wo mal ein Hause gestanden hatte. Das Plateau war künstlich angelegt. „Komm‘ Yvonne, hier bleiben wir!“ Yvonne wollte aber nicht, weil ihr die Wasserquelle fehlte. Nun konnte ich mein Trumpf aus dem Ärmel schütten und Yvonne’s Optimismus war gebrochen. Täve strahlte über beide Ohren, ihm gefallen ja diese wilden Camps sowie so besser, also ganz der Papa.

Ich machte mich zielstrebig zu dem Rinnsal auf. Ich wusste, dass ich hier heute den Rest des Tages damit verbringen würde, den Wassersack mit einer Tasse aufzufüllen. Ein kleines Wasserloch 20x20xcm, gerade mal 1cm tief. Ich nutzte eine 60ml Wasserspritze, die für das Rückspülen der Sawyer Filter gedacht ist. Nach 4 mal aufsaugen war Ende. Gott, was für eine Ausbeute. „Damit brauche ich mich am Zelt nicht blicken lassen“ dachte ich mir. Ich folgte dem Rinnsal 10m nach oben und auf einmal stand ich vor einem 1x1m großen und 10cm tiefen Wasserloch. Ich strahlte über beide Ohren, nun war der Platz ein Sechser mit Zusatzzahl. Ich füllte den Wassersack komplett auf, am Ende kamen um die 8 Liter zusammen, die nun für Trinken, Essen und eine Katzenwäsche reichen sollten. Zurück am Zelt wurde ich nur mit den warmen Worten „Schon wieder da?“ begrüßt. Als aber Yvonne den prall gefüllten Sack sah, war sie nun auch glücklich über die Entscheidung, hier das Camp aufzuschlagen. Nachdem alles gemacht war, kam dann zur Freude Aller noch einmal die Sonne hervor. Klar, vielleicht machte sich ein wenig Enttäuschung breit, dass Plan A nun hinfällig war und das Tagesprogramm nicht erreicht wurde, aber dafür genossen wir den tollen, einsamen Platz. Keine 10m zu Fuß weiter des normalen Weges querte man eine kleine steinerne Wetterbarriere, hinter der es gefühlt 5 Grad wärmer war und die Sonne mehr schien als bei uns am Zelt. Hier ließen wir die Weitsicht auf die Paul da Serra Hochebene und den Blick zum Pico Grande auf uns wirken, während Täve für Eidechsen ein Haus baute.

Glücklich und aufbauend waren dann noch Täve’s Worte: „Papa, mir tun die Beine nicht mehr weh und ich finde das Camp richtig toll“. Wir hatten also alles richtig gemacht, dass sollte sich am Tag darauf auch noch einmal bestätigen.

 
 

4.Tag | 14.Juni 2017 | Vom Pico Jorge zum Campo Caramujo

 
 

 
 

Ich war gestern der Letzte im Bett und heute auch wieder der Erste, der das Zelt öffnete. Dabei stelle ich mir immer die Frage „Wie lange würden die pennen, wenn ich nicht aktiv werden würde?“ Was Gutes hatte es aber. Ich hatte Zeit für mich allein, die Natur, die Ruhe und die unendliche Einsamkeit zu genießen. Da bin ich dann irgendwie sentimental. Ein herrlicher Sonnenaufgang, eine wolkenfreie Paul da Serra Hochebene und ein mit Wolken verhangene Encumeada Pass. Mir scheint, dass hier wohl nie freie Sicht ist, denn dieser Pass ist 1000m hoch gelegen, der Osten und Westen mit einer Höhe weit über 1500m lässt die Wolken aufstauen und so ziehen die Wolken wie ein Fluss über diesen engen Pass. Ich hätte es Stunden beobachten können.

 
 

 
 

Im Dahinträumen traf es mich auf einmal wie ein Schlag. Wir hatten zu Beginn der Tour ja Proviant für 4x Frühstück und 4x Abendessen eng bemessen. Jaja, aber Alkohol in Hülle und Fülle mitschleppen. Die Devise lautet ja aber „Jedes Gramm zählt und nicht Jeder Milliliter“ Nun aber waren wir einen Tag in Verzug. Wir würden heute nie und nimmer das übernächste Camp erreichen um wieder im Plan zu sein. Auf dem Rückweg zum Zelt machte ich mir so meine Gedanken, auch beim frühstücken war ich in mich gekehrt, Yvonne merkte, dass was nicht stimmte. Doch sie sprach was ganz anderes an, was zu einem weiteren Problem werden würde. Nach ihrer Idee bräuchten wir nun 2x mehr Frühstück und Abendessen. Während ich das weiter entfernte Camp Caramujo ansteuern wollte, was gestern das Ziel gewesen wäre, wollte Yvonne am Encumeada Pass das Camp Chao dos Louros ansteuern. Scheinbar hatte sich das Blatt gewandelt, sie nun die Pessimistin und ich der Optimist. Wir ließen es also erst einmal auf uns zukommen. Täve fühlte sich wieder fit, Yvonnes Beine schmerzten auch nicht mehr so sehr. Bis zum Abbau des Zeltes passierte kein Wanderer unser Camp, es scheint wirklich ein ruhiger Abschnitt zu sein. Wir starteten zu gewohnten Zeiten, die Sonne sollte auf jeden Fall noch die kommenden 2 Stunden unser Begleiter sein. Danach sollten wir in den „Encumeada-Fluss“ abtauchen.

Die letzte Pause oberhalb der Wolken, es waren erst 1.5km geschafft, prophezeite die heutige Motivation und wo unsere Tour wohl enden würde. Fortan ging es nach unten, steil nach unten. Auch auf diesem Abschnitt war der Roller eher ein Fluch, aber runter hatte ich weniger Schnappatmung als bergauf. Außerdem sollte ich heute positive Energie verstreuen, was ich mit den folgenden Worten tat „Am Pass ist ein Restaurant, da gibt’s mal nicht Nudeln zum Mittag“. Nach 4km und 550hm erreichten wir durchgenässt den Pass, halb vom schwitzen, halb von den feuchten Wolken. Im etwas unterhalb gelegenen Restaurant gab es nun Verwöhnprogramm: Pizza, Cola und Eis. Mancheiner meint, wie ungesund wir doch leben. Man sollte aber diese Dinge eher als Motivation betrachten. Zuhause gibt es keine Cola, aber Urlaub ist Urlaub.

Da dachte ich, wir hatten mit unseren Problemen schon genug zu tun, sprach uns nun eine 4-köpfige polnische Wandergruppe an, die wissen wollte, ob sie die gewählte Wanderung in 4 Stunden schaffen würden. Hee, bin ich Gott? Weiß ich doch nicht. Dann wollten sie noch mehr über uns wissen. Parallel zu diesem Gespräch steuerte mich eine andere Frau an, zeigt mir eine Übersicht mit PR-Wanderwegen und fragte mich, was das denn da oben für ein Weg sei. Stand auf meinem Rücken „Auskunft“ oder roch ich nach einem professionellen Wanderer? Weiter mit unseren Problemen. Wie ein Fingerzeig blickten wir beim Essen auf den Startpunkt der Levada do Norte, ab hier wären es noch 11km zum Caramujo Camp auf dem PR17 gewesen. Das von Yvonne präferierte Camp lag nördlich des Passes 200hm weiter unten, die wir hätten aber auch morgen wieder hoch gemusst, denn unweigerlich würde der Weg über die Levada do Norte gehen. Nun begann die hitzige Diskussion, pro und contra. Bei meinen Argumenten unterstützte mich die aufkommende Sonne. Zusätzliche Argumente meinerseits: 9km flache Levada, Täve kann auf den Roller, viele Tunnel als Motivation für Täve. ABER am Ende noch einmal 250hm zum Camp hoch. Ich hatte sie nicht überreden, sondern überzeugen können. Da war aber noch ein Problem mit dem Proviant. Hier oben gab es nur Souvenirshops und kein Tourist würde von Madeira Nudeln mit nach Hause nehmen. Erstaunlicherweise gab es aber Alkohol und Süßwaren in Hülle und Fülle, sympathische Läden. Wir hatten noch Nudeln vom Vortag übrig und zum Abendessen wurden nun ein paar Sandwiches gekauft, dazu Madeira Wein, Mars, Nusskuchen und Cola. Plan A war dahin, dieser neu geschmiedete Plan war nicht auf meiner Liste, aber nennen wir ihn mal Plan Z. Zum ersten Mal sahen wir einen Backpacker, dem wir nun 5 Minuten später an der Levada folgten.

 
 

 
 

Die Levada ist ein der größeren, ordentlich mit Wasser gefüllt, Fische die gegen den Strom ankämpfen und ein meist breit ausgebauter Seitenstreifen. So machten wir nun gut Kilometer, dann kamen die ersten Tunnel. Nun kam Abwechslung ins Spiel. Alle freuten sich auf den ersten richtigen Levada-Tunnel der Tour. Der erste Tunnel war mit seinen 500m eine der kürzeren, es sollte bald noch einer mit nahezu 900m folgen. Die Stirnlampen waren angelegt, also konnte es losgehen.

Unterwegs trafen wir nun wieder die Polen, sie hatten den gleichen Weg zum Camp Caramujo und wollten noch runter an die Nordküste nach Sao Vicente. Täve bekam von ihnen einen leckeren Riegel, ich beeindruckte sie mit meinen letzten Brocken Russisch. Sie waren nette Leute, die wirklich sehr interessiert an unserer Tour waren und nicht so richtig glauben wollten, was wir da taten. Dann kam der eine Backpacker wieder des Weges. „Seid Ihr Deutsche?“ War ja klar. Wir quatschten, woher, wohin und wie lange und er meinte nur, dass er ohne Permits unterwegs ist und keine Probleme bei der Kontrolle hatte. Wir sagten ihm nur, dass unser Ziel Caramujo wäre, er wolle das weiter oberhalb liegende Camp Bica da Cana ansteuern.

Es ging nun wieder in Tunnel, teilweise mussten die Hüft- und Schultergurte gelockert werden, damit wir mit dem Deckelfach nicht an den halbrunden und sehr niedrigen Bögen hängen blieben. Manchmal war es ein Balanceakt, auf dem manchmal 20cm schmalen Weg nicht in die Levada zu fallen. Irgendwann zweigte der PR17 nach rechts von der Levada ab. Die Polen und der Deutsche folgten diesem Schild. Beim Anblick des Weges aber strahlte mich die flache Levada mehr an. Komischerweise war sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ausgeschildert, aber auch nicht gesperrt. Wir versuchten nun unser Glück.

Nun waren wir auf der Levada allein und auch bald am Ziel. Wir hatten die richtige Wahl getroffen. Bei km11.5 waren wir nun an der Schotterpiste, wo wir von der Levada abzweigen und den letzten 2.5km Anstieg des Tages in Angriff nehmen mussten. Wir waren immer noch im Nebel, der wieder zugenommen hatte. Yvonne war genervt, wo sie doch zur Mittagspause mit Sonne zu dieser Tour gelockt wurde. Es ging nun mit Kurven zählen nach oben. 7 Serpentinen, dann 6, bald 5. Zwischen der 2. und letzten Kehre klarte es auf, Sonne trat hervor, wir waren wieder über den Wolken. Blick zurück auf die Berge, wo wir die Nacht zuvor Notcamp bezogen hatten.

 
 

 
 

Okay, ich zog also mit Wassersack los um das frische Etwas zu besorgen, doch wohin? Wo suchen? Klar, Wasserfälle, See, ab dahin. Am See angekommen, war dieser völlig ausgetrocknet. Kein Rauschen eines Wasserfalles, ich dachte mir, lieber nach unten in den Nebel gehen, wo die Vegetation üppiger schien als nach oben in die Trockenheit. Ich wollte es noch nicht wahr haben, dass wohl mein nochmaliges Ziel die Levada do Norte sein würde, aber eine halbe Stunde später stand ich genau dort um meine trockene Kehle zu benetzen und den Sack zu füllen. Nun musste ich die 2.5km und 250hm noch einmal hoch. Wieder zählte ich die Serpentinen. Bei der 5.Serpentine wusste ich schon nicht einmal mehr, ob es denn auch wirklich die 5. war. Gott, war ich am Limit. Der Wassersack sehr unpraktisch zu tragen, die Kräfte schwindend, die Zeit davon rennend. Nein, das war kein guter Ausgang des doch noch so toll verlaufenden Tages. Kopfkino: Ich komme am Zelt an, will den Wassersack absetzen, der Verschluss reißt auf, alles Wasser fließt dahin, Stirnlampe aufsetzen und noch einmal zur Levada. Das brachte mich ein wenig zum Lachen, es wäre aber eher zum Heulen gewesen. Bald war ich dann wieder am Camp, das Ganze hatte 1.5 Stunden gedauert. Meine Beiden hatten sich aber selbst beholfen, Zelt war aufgebaut, Feuerholz gesammelt und alles für einen gemütlichen Abend vorbereitet. Nun war meine Stimmung wieder auf üblichen Niveau.

 
 

 
 

Am Lagerfeuer und im leisen Rauschen der sichtbaren Windräder ließen wir uns von Täve mit Wein und Süßem bedienen und ließen der erlebnisreichen Tag Revue passieren.

 
 

5.Tag | 15.Juni 2017 | Vom Camp Caramujo zum Camp Fanal

 
 

 
 

Am Morgen begrüßte uns nicht nur die Sonne, sondern auch die durchaus störenden Windgeräusche, der 200hm weiter oben gelegenen Windräder. Zum Glück sah man nur ein Windrad, der dichte Wald schirmte es noch ganz gut ab. Beim Frühstück am Zelt war das Camp Thema. Hoch angepriesen, wollte es uns nicht so richtig überzeugen, die alte Ruine eher eine Müllhalde, keine schöne Weitsicht und das fehlende Wasser. Bei letzteren sagte ich noch beiläufig: „Ich bekomme einen Schreianfall, wenn beim Aufstieg heute unweit Wasser fließt“. Am Lagerfeuer ließen wir uns heute beim Kaffeegenuss mehr Zeit, denn die 200hm gleich zu Beginn der Tour wären heute der höchste Anspruch der Tour, danach sollte die Wegbeschaffenheit und die Steigungen humaner werden. Dies würde ein schnelleres Vorankommen sichern.

Wieder gegen 10 Uhr waren wir startklar. Da die Piste nach oben mit großen Steinen durchsetzt und nur für richtige Jeeps geeignet ist, blieb der Roller zusammengeklappt und der Ortliebsack kam auf die Brust. Täve motivierte ich mit dem baldigen langen Rollerritt, sobald der Anstieg hinter uns liegen würde. Täve schritt voran und erkundete den Weg nach allem, was interessant war. Er erinnerte sich an meine Worte zum Frühstück und schrie mir mit einem gemeinen Lächeln zu: „Papa, ich glaub, du kannst jetzt schreien.“ Ich verstand den Zusammenhang dieser Worte erst, als ich ihm näher kam und ein Rauschen hörte. Mein Aufschrei kam aus tiefster Brust, die gestrigen Kilometer zur Levada runter waren umsonst gewesen. Keine 200m oberhalb des Camps verlief in einem linken Graben ein kleines Bächlein, es hätte uns genügt. „Jeder gang macht schlank“ und abgehakt. Weiter ging es. Mit jedem Höhenmeter, den wir bewältigen, stieg auch die Temperatur. Es wurde immer wärmer, die Wolken weit unter uns. Kurze Pause nach der Hälfte im Schatten eines kleinen Busches. Unsere Ruhe wurde von einer geführten „Outdoor-Gruppe“ gestört, die mit Jeeps die Piste hinaufkamen, extra jedes noch so tiefe Loch durchfahrend, damit es sich hinten in der zusammengepferchten Gruppe auch wirklich nach Gelände anfühlt. Wir durften als Dank dann auch noch den Staub schlucken.

Nach 3km war es geschafft und endlich erschienen wieder Bäume, die Schatten spendeten. Mir floss der Schweiß dermaßen, dass ich mittlerweile die Klamotten im Rucksack mit einem Flightcover vor mir selbst schützen musste. Der Ortliebsack auf der Brust war ja wasserdicht. Gott, das ein Mensch so schwitzen kann, pervers. Wir kamen am Camp Estanquinhos vorbei, besichtigten es aber nicht, da wir bald von der Asphaltstraße wieder auf Wanderpfade abbogen. Gemächlich, aber wieder ohne Schutz der Bäume ging es bei praller Sonne durch Stechginster. Das Zeug war wie 1000 Nadeln auf den Schienenbeinen, so sahen sie dann auch am Abend aus, wie frisch von der Akupunktur. Man hätte ja auch lange Hosen anziehen können, ja man hätte. In der Ferne war schon die ER209 Straße zu sehen, die nach Porto Moniz führen würde. Dieser mussten wir bald ein Stück folgen, bevor wir wieder auf den Wanderweg PR13 wechseln würden.

Auf der Straße angekommen, war Täve bald nicht mehr zu sehen. Der geleckte Asphalt und der geschmeidige Roller, Fahrspaß ohne Grenzen. Wir mussten jedoch Täve ein wenig zügeln, da ab und an schon ein Auto vorbeikam, aber grundlegend war die Straße echt wenig befahren. Je mehr wir der Straße folgten, umso mehr nahm der Nebel zu, die Sonne ab, aber der Regen blieb aus. Endlich wieder ein Klima für mich, doch ich würde sicher gleich wieder auf dem PR13 zum schwitzen kommen, wenn alles geschultert werden müsste. Dort angekommen, entbrannte eine heiße Diskussion. Täve und Yvonne wollten auf der Straße weiterlaufen. Okay, landschaftlich reizvoll war es auf der Straße nicht gerade, aber da Nebel aufzog, sah man eh nicht mehr viel. Yvonne und Täve wollten sich bei dem leichten Gefälle gern mit dem Roller treiben lassen, dafür war er ja gekauft worden. Ich willigte ein, mit einem „aber“. Kurz vor Ende kreuzt der Weg dann wieder die Straße, den Rest laufen wir dann aber noch den PR13.

Die nun vorbeirollenden Autos fuhren immer langsamer und blieben auf unserer Höhe immer fast stehen. Hätten sie länger in unsere Richtung geschaut, sie hätten mit den Büschen Bekanntschaft gemacht. Andere hupten uns an oder winkten uns zu. Okay, so kann Wandern an der Straße auch Spaß machen. Die letzten Meter waren bald geschafft, nach der gestrigen Erfahrungen suchte ich zielstrebig eine Wasserquelle, hier gab es sogar gleich zwei, eine direkt gegenüber vom verlassenen Gebäude und eine direkt an der Schutzhütte. Ich war zufrieden, mir war der Nebel egal. Yvonne dagegen beklagte einmal mehr das beschissene Wetter, sie ist da aber kein Maßstab.

 
 

 
 

Das Zelt war aufgebaut, die letzten Touristen waren bald verschwunden. Die Schutzhütte hatte eine Feuerstelle, doch bei der Feuchtigkeit in der Luft muss man erst einmal trockenes Holz finden. Irgendwo hatte ich glaube ich gelesen, dass man diesen Wald auch Nebelwald nennt. Wenn ich mich also nicht irre, war der Name hier Programm. Irgendwie bekamen wir mit viel Geduld dann doch das Feuer an und verbrauchten unsere letzten Abendreserven, morgen würden wir endlich Porto Moniz erreichen. Wir saßen bei wolliger Wärme in der Hütte und gingen schon mal den Bestellzettel für morgen durch. Ganz sicher, der Supermarkt, der uns als Kunde morgen bekommen würde, hätte seinen Umsatz für den Tag gemacht.

 
 

6.Tag | 16.Juni 2017 | Vom Camp Fanal nach Porto Moniz

 
 

 
 

Die Vorstellung, heute 1200hm bergab zu laufen, trieb mich nicht gerade hoch motiviert aus dem Bett, aber der Gedanke an einen leckeren Burger, eine Cola oder was auch immer Ungesundes schaffte es, dass ich den Nebel draußen ignorierte und in der Schutzhütte erst einmal Feuer machte. Der Nebelwald wollte einfach keine Fernsicht zulassen, wir hofften also mal auf besseres Wetter weiter unten und an der Küste. Auf den Azoren haben wir nämlich meist genau diese Erfahrung gemacht.

Ich musste heute Beiden in den Arsch treten, irgendwie war der morgige Relaxtag echt nötig. Sicher war das Wetter auch Schuld dran. In der Nebelsuppe kommt auch nicht wirklich positive Stimmung auf. Die müden Knochen sollten bei den ersten 300hm runter zur Levada dos Cedros in Schwung kommen. Das sollte kein Zuckerschlecken werden, denn Täve musste wieder selbst laufen. Dabei lenken wir ihn immer ein wenig von den Strapazen ab. Nachdem wir die Tage zuvor immer „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ , „Welches Tier bin ich“ oder „Assoziation, ich sage Baum, Du sagst Blatt“ gespielt hatten, wollten wir mal was Neues probieren. Dabei war nun auch unsere Kreativität gefragt, denn wieviele Antonyme (Gegensatzpaare) könnt Ihr aufzählen? So viele, dass man Täve die 300hm motivieren kann, was immerhin 1h dauerte. Täve machte das so super, dass er mehr uns ablenkte. Er wollte immer mehr, aber uns gingen die Paare aus. Da war sie endlich, die Levada. Dieses Mal passte die Fließrichtung auch zu unserer Route, so dass erst einmal pausiert wurde um ein Boot zu bauen. Eine Rinde, ein Stock, ein Blatt und ein Ruder und fertig ist das Outdoor-Spielzeug.

6km schlängelte sich nun die Levada, eng an den Berg geheftet, um die kurvigen Hänge. Der Weg war eng, aber mit Roller gut machbar. Die kleine 10cm schmale Levadamauer diente als Rollerweg und war zwar eine knappe Sache, dafür aber leichtgängig. Einzig das lahmarschige Boot stoppte unseren flotten Schritt. Die Fließgeschwindigkeit war zum Einschlafen. So konnte man die Umgebung genießen, die extrem üppige Vegetation bestaunen und feststellen, dass die Levada wirklich einsam schön ist.

 
 

 
 

Bald erreichten wir nun die Straße, der wir nun erst einmal bis Ribeira da Janela folgen mussten. Auf 6km hatten wir nur 20hm absolviert, nun sollten 850hm auf 6.5km folgen. Das Gefälle der Straße war so extrem, dass Täve allein dort mit dem Roller hätte nie und nimmer runter rauschen können ohne die Leitplanke zu überfliegen. Es war aber auch kräftemäßig nicht machbar, ihn auf dem Roller stehend mit dem Händen am Lenker zu bremsen. Nun kam unserer Brustgurt mit Leine zum Einsatz, der eigentlich für die unwegsame Berggegend zum Sichern dienen sollte. Nun wurde er zweckentfremdet. Gut verkehrt herum angelegt, Karabiner hinten, Leine dran, anderes Ende an meinen Hüftgurt. Nun ging alles viel entspannter.

Täve hatte seinen Spaß und wir konnten derweil beobachten, wie am Straßenrand die Vegetation wechselte, bunter und geruchvoller wurde. Alles blühte auf einmal in Hülle und Fülle. Ein ganz anderes Klima, schon viel wärmer. Ich sah mich schon nachts wieder vorm Zelt schlafen. Im Hochland hatte ich den Schlafsack schon nur als Decke genutzt, aber wenn es bis nach unten noch wärmer würde, es wäre der Horror für mich. Zufällig schaute ich immer aller 100hm auf das Garmin und verkündete den aktuellen Stand. Es waren weiter harte 4.5km bergab gemacht, wir erreichten den kleinen Bergort Ribeira da Janela, wo wir nun nicht mehr den sanfteren Serpentinen folgten. Nein, wir brauchten noch mehr Schmerzen und nahmen nun den direkten kleinen Weg durch den Ort. Es fehlte nicht mehr viel und wir hätten uns hier mit Abseilachter, Seil und Gut abseilen können. Es war echt schmerzhaft.

Für mich kaum vorstellbar, dass ich heute noch einmal nach Porto Moniz musste um einzukaufen, da es nach meiner Recherche zu Hause nur dort einen Supermarkt gab. Wir lagen ja aber noch gut in der Zeit, es war gerade mal 14 Uhr. Die engen Gässchen und das Flair der Häuser lenkte mich soweit ab, dass ich beim Erscheinen eine Minimercados im vorbeilaufen meinte „Schön, die haben ja sogar einen Laden hier“. Nach zwei weiteren Schritten zog mir ein breites Grinsen übers Gesicht. Sollte dieser Laden meine Rettung sein? Ein Blick in das „Lädchen“ offenbarte ein sehr übersichtliches Sortiment, dafür aber mit allen für uns notwendigen Dingen bestückt.

All unsere Blicke wurden auf Eis, Cola, Süßes und Alkohol gelenkt, erst später kamen die Grundnahrungsmittel auf den Kassenbon. Hier noch was, ach da noch was, ach ja, das könnten wir auch noch gebrauchen. Es ist doch so fatal, überhungert Einkaufen zu gehen, sagte mal Jemand. Wir deckten uns für den heutigen Tag, Abend und kommenden Morgen erst einmal ein, für den Rest der Tour würden wir morgen alles in Porto Moniz besorgen. Ein Eis gab es zur Pause auf die Hand. 300hm und 2km, das sollten wir doch noch locker schaffen. Bald kam der Taleinschnitt, wo sich unser Camp befand. Mehr und mehr wurde der Blick auf die moderne Anlage frei. Ganz schön gut besucht, dachten wir. Die letzte Serpentine, die letzten Asphaltmeter, dann waren wir am Camp. Wow, hier zog schon ein ordentlicher Wind durchs Tal. Ein Zelt wehte auch schon ordentlich überm Boden, nur noch gehalten von 2 Heringen. Die Rezeption war nicht besetzt, wir wählten uns also selbst einen Platz, Täve wählte diesen natürlich spielplatznah aus. Kein Ding, er hatte es sich verdient. Wir überfielen derweil die Einkaufstüten wie Barbaren. 10min lagen wir überfressen auf der Wiese, ein zufriedenes langes Stöhnen war der Beweis, wir waren glücklich.

Nach dem Zeltaufbau ging es zum nahegelegenen Strand, baden war aufgrund der hohen Wellen und der Riesensteine nicht möglich. Eine Welle überraschte wieder einmal Täve, ich konnte ihn gerade noch so hochheben, als Belohnung durfte ich mich über nasse Schuhe freuen.

 
 

 
 

Ich glaube, wir hatten vom Laufen genug, eine Stunde später saßen wir wieder am Zelt und diskutierten darüber, ob wir denn das WLAN Passwort nutzen sollten, wir sind doch auch so 6 Tage ohne ausgekommen. Alles war gut, aber die Neugierde, was denn die Außenwelt so triebt, trieb uns dazu, doch mal online zu gehen. Die Entscheidung sollte noch dazu beitragen, dass wir bald eine nette und wohl sehr zufällige Begegnung machen würden, denn ich postete paar Bilder bei Instagram. Es gab Abendessen, hinter uns war auch ein junges, deutsches Paar. Warum wir es nicht ansprachen? Naja, man weiß nie, wie die Leute ticken, ob sie Einen bereichern oder auch nicht. Wir verbrachten den Abend für uns, Täve flirtete mit den portugiesischen Kindern des Camps, während wir feststellten, dass wir unser Primärziel Ost nach West erreicht hatten. Die Freude darüber war uns ein Glas Madeira Wein Wert.

 
 

7.Tag | 17.Juni 2017 | Freier Tag in Porto Moniz

 
 

 
 

Über diesen Tag gäbe es nicht soviel zu erzählen, wäre da nicht noch diese mysteriöse Begegnung gewesen.Es war ja ein Relaxtag und bepackt mit Badeklamotten und Benzinflasche ging es zu Fuß über die alte nicht befahrene Küstenstraße nach Porto Moniz. Ich glaubte nicht an einen Badetag, dafür sah es zu düster am Himmel aus. 3.5km und wir waren in dem kleinen Ort.

Hier wollten wir rumschlendern, Benzin auffüllen, Mittagessen, für die weiteren Tage Proviant kaufen und nicht mehr. Wir besuchten das lokale Meeresaquarium. Minikulturprogramm für Täve. Zeitig aßen wir zu Mittag leckeres Knoblauchbrot mit Pommes und Burger. Gott, jeder einzelne Finger wurde abgeleckt. Während des Festmahls hielt ein Bus nach dem anderen. Die Touristen wurden hier im 5-Minuten-Takt abgeladen als würde Porto Moniz was zu bieten haben. Wir fanden den Ort einfach nur unspektakulär. Nach dem Essen ab zum Supermercado, mit prall gefülltem Rucksack und schwer beladenen Roller ging es den gleichen Weg zurück.

Am Zelt entspannten wir noch ein wenig, quatschten, surften ein wenig im Netz und Yvonne ärgerte sich über den einzigen schlechten Tag des Urlaubes, der dann auch noch auf den Relax- und Badetag fiel. Mein Beileid hielt sich wieder einmal in Grenzen. Am Zelt bereitete ich schon sehr zeitig unser Abendessen vor, da kamen die zwei Deutschen direkt auf uns zu und sprachen uns an „Seid Ihr Die, die mit Eseln durch Kirgistan gewandert sind?“ Bevor wir mit Ja antworten konnten, schauten wir uns Beide an und fingen an zu lachen.

Hee, woher kannten DIE uns denn? Nun waren wir neugierig. Sie hatten unsere Bilder bei Instagram gesehen, da wir uns dort gegenseitig folgen. Dort hatte mich Hannes auch mal angeschrieben als er unsere Fotos von Kirgistan gesehen hatte. Er war interessiert an dem Land, wir schrieben eine Weile hin und her. Ich war immer erstaunt wie oft der Typ überall in den Bergen unterwegs ist und die Beiden fragen uns „Sagt mal, arbeitet Ihr überhaupt oder habt Ihr im Lotto gewonnen“ So oft sind wir doch gar nicht unterwegs, also hört einmal. Die Beiden sahen also unsere Fotos bei Instagram und konnten bald eins und eins zusammenzählen. Wir kamen ins Gespräch, bei Wein und Süßem kamen echt alle Themen auf den Tisch. Vivian schlug dann so beiläufig vor, dass sie uns doch morgen gern irgendwo hinfahren könnten, wo wir wandern wollen. So falsch war die Idee nicht, denn ursprünglich war ab dem Camp eine 20km Wanderung an der Levada Riberia da Janela hoch zum Camp Fonte do Bispo geplant. Ein Fehler hatte diese Tour aber, der Schlussanstieg ab der Levada stand mit 5km und 700hm zu Buche. Ohne menschliche Verluste hätten wir die Tour nicht geschafft. Also wollten wir uns für morgen ein Taxi rufen, was uns zum Camp bringen würde. Von dort aus wollten wir dann zur entspannten Tour an der Levada da Serra starten.

Auch das war für die Beiden kein Problem. Sie zeigten auf ihren Fiat Panda, der hinter den Mülltonnen stand. „Der ist so klein, den könnt Ihr nicht sehen, die Mülltonnen sind größer“ Mann, hatten wir den Abend viel zu lachen. Wir lagen auf einer Wellenlänge und es ging bis nach Mitternacht. Dann ging Jeder in seine Herberge, Abfahrt sollte morgen 10 Uhr sein.

 
 

8.Tag | 18.Juni 2017 | Von Fonte do Bispo zur Levada da Serra

 
 

 
 

Ich stand heute ein wenig eher auf, wir wollten Vivian und Hannes nicht warten lassen. In Ruhe frühstückten wir ausgiebig, bauten dann alles in Ruhe ab, Täve holte sich den letzten Adrenalinschub auf dem Spielplatz. Vivian und Hannes schälten sich auch bald aus ihrem Zelt, irgendwann um die 10.Stunde herum waren dann Alle bereit zur Abfahrt. Das sollte Gaudi versprechen. Fünf Leute samt Gepäck im Fiat Panda die steilsten Anstiege hinauf. Der erste Gang würde wohl vermehrt zum Einsatz kommen. Nach ca. 45 Minuten Fahrt erreichten wir unser Ziel an der ER210. Während es in Porto Moniz noch bewölkt war, knallte die Sonne hier oben vom wolkenfreien Himmel. Wir verabschiedeten uns herzlich von den Beiden und setzten nun unsere Tour fort. Die nun folgenden zwei Tage sollten als Zugabe dienen. Faul Herumliegen ist nicht unser Ding, der Weg ist das Ziel. Neues kennenlernen, Wandernomaden schlichtweg.

Unser Begleiter sollte heute die Levada da Serra von West nach Ost sein, bis es 250hm auf die Hochebene-Straße ER105 gehen sollte um dann auf der anderen Seite der Straße zum Camp Rabacal runter zu kommen. Doch diese Levada war eher eine No Levada, die ehemalige Rinne nur noch teils zu erkennen. So kam es, dass die Sonne runterhaute, die gecremte Haut schwitzte und die Vegetation spärlicher wurde. Verbrannte Büsche zeugten wirklich von einem trockenen Klima hier. Zum Glück gab es ab und an ein Rinnsal, dass von der Hochebene herunterfloss.

Die Tour sollte heute eigentlich um die 14km betragen, nur der Anstieg sollte die Crux der Tour sein. Bis dahin dauerte es aber noch eine Weile, da sich der breite und gut festgetretene Weg weit ausgedehnt am Hang entlang schlängelte. Seit der Verabschiedung von Hannes und Vivian hatten wir hier keine Menschenseele getroffen, was bis zum kommenden Morgen auch so bleiben sollte. Obwohl ich es in der Sonne kaum aushalten konnte und die Eukalyptusbäume hier meine besten Freunde waren, gefiel mir dieser Landstrich aufgrund seiner touristisch uninteressanten Prägung. Wer schaut sich schon gern Levadas an, die keine mehr sind. Alte Tunnel der Levada brachten Schatten und viele Abkürzungen mit sich. Immer wieder stellten sich Kühe in den Weg, die wir genau so wenig erwartet hatten wie die uns. Jeder ging seines Weges.

In mir wuchs nun der Gedanke, hier, bei schönem Wetter und tollem Weitblick zu verweilen. Nein, nicht nur für eine Pause, sondern für eine Nacht. Nach der letzten Wasserstelle sollten es noch 500m sein, dann kam der eigentliche Anstieg gen Norden.
Hier pausierten wir noch einmal und besprachen die Lage. Rabacal hatte ich als touristischen Magneten in Erinnerung, außerdem weiter nördlich im Wald gelegen. Mehr Argumente brauchte ich nicht bringen, wir suchten nun gemeinsam nach einem passenden Camp, was wir bereits vom Weg ca. 40hm weiter unterhalb südlich des Weges erspäht hatten.

Ich ging zur Quelle zurück, füllte den Wassersack, zurück am Camp war alles hergerichtet. So war nun genug Zeit zum Entspannen, Genießen der Idylle. Es war 16 Uhr, klar wir hatten die gesamte Tour noch geschafft, morgen würde sich aber eindrucksvoll zeigen, dass unsere Entscheidung für uns die richtige war, zumal wild zelten für uns einen besonderen Reiz darstellt. Fragt bitte nicht, warum!

 
 

 
 

Am Abend zogen dann Wolken auf, es blieb aber warm. Es reichte aber auch, wir hatten tagsüber genug ab bekommen. Als es dunkler wurde zog die Wolkendecke fast ganz auf, der Blick auf das beleuchtete Calheta wurde frei gegeben. Ein herrlicher Tag ging wieder einmal zu Ende. Nachdem für mich der gestrige Tag auf dem Campingplatz nicht gerade die Erfüllung, aber einen Kompromiss darstellte, war ich heute bereits wieder voll zufrieden. Wir saßen noch lange in unseren TAR Chairs uns schaukelten entspannt im tiefen Gras dahin.

 
 

9.Tag | 19.Juni 2017 | Von Levada da Serra zum Camp Bica da Cana

 
 

 
 

Da es der letzte Morgen zum Ausschlafen auf Madeira sein sollte, gönnte ich den beiden Schlafmützen mehr Zeit. Etwas entfernt vom Zelt kochte ich das Wasser für den Kaffee und die Milch auf. Es war ein Mix aus Sonne und Nebel, aber schon angenehm warm. Ich entspannte zwar nicht richtig bei dem Blick auf meinen heutigen Gegner, den 200hm Anstiege, vor welchen wir gestern abgebrochen hatten.

Bald saßen wir zusammen und Täve meinte beiläufig, dass ihm dieses Camp und das, wo ihm die Beine wehtaten, am besten gefallen hätten. Beide gefielen mir auch, es waren die einzigen beiden Wild Camps dieser Tour. Beim Blick auf Calheta schlürften wir den Kaffee, aßen Müsli und mit Ach und Krach würgten wir das mittlerweile vertrocknete Brot hinunter. Dann ging es ans Zusammenpacken.

Also ab hoch zur Straße, der wir nun später etwas folgen mussten, da der Abstieg zum Camp Rabacal nun nicht mehr nötig war. Da sich die 200hm auf einem Kilometer Weg komprimierten, war der Anstieg ordentlich steil. Ortliebsack wieder auf der Brust, Roller abwechselnd links und rechts in der Hand und in Mount-Everest-Schritttechnik nun aufwärts. Gut, dass nun auch die Sonne vollends zu sehen war. Der Schweiß lief wirklich überall. Zum Glück konnte man die Straße und somit das Ziel schon erkennen, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie einfach nicht näher kommen wollte. Kurzzeitig nutzte ich den Roller als Stütze, Bäume zum Anlehnen gab es hier nicht. Boar, ich war schon gleich am Anfang bei Puls 200 und voll am Limit. Die Sonne sollte mir heute aber noch mehr einheizen, so dass auch Yvonne bald sagen würde „Genug!“

Keine Ahnung, wie, aber irgendwann standen wir an der Straße. Mit letzten Kräften klappte ich den Roller auseinander, den Ortliebsack arretiert und Täve das Teil überlassen. Nun ging es schon wieder leichtfüßiger voran, zumal auch die Steigung weg war. Gesamt mussten wir nun 5km auf der Straße lang gehen, davon aber 2.5km ein sehr wenig befahrenes Stück bis zum Rabacal-Parkplatz. Wir liefen noch ein Stück an der Straße entlang, am linken Seitenstreifen pausierten wir auf einer großen unebenen und abgefahrenen Parkplatzfläche um den Ausblick auf das grüne Tal und die verwachsenen Steilhänge zu genießen. Wir konnten die Ruhe aber nur kurz genießen, dann kamen wie aus dem nichts wieder eine Geländejeep-Gruppe von 5 Autos, die jede noch so kleine Unebenheit mitnehmen mussten, so auch unseren trockenen, staubigen Rastplatz. Hier pausierten sie dann. Zeit für uns, nun weiter zu gehen. Kurz vor dem Parkplatz von Rabacal, die Automassen waren schon aus der Ferne sichtbar, erblickten wir das Camp Rabacal im Tal, nördlich der Straße. So tief und schattig im Wald wie gedacht lag es nicht, aber das unsere Entscheidung, gestern wild gecampt zu haben, die bessere gewesen war, würde sich bald am Parkplatz zeigen.

 
 

 
 

Dort angekommen, war uns klar geworden, dass ja im Reiseführer unter den Top5 stand „25 fontes muss man gesehen haben“. Dem Aufruf kamen so viele Touristen nach, dass die Autos sogar auf der Straße geparkt wurden. Der Parkplatz quillte vor Autos nur so über. Sogar die sonst für Autos gesperrte Straße runter zum Camp war mit Autos ordentlich gut befahren. Genau jetzt waren wir froh, nicht dort unten unser Zelt aufgeschlagen zu haben, Ruhe hätte es dort sicher nur nachts gegeben. Schnell ging es weiter. Ein Schild mit der Aufschrift „Hotel und Restaurant 1.5km“ weckte unser Interesse. Süßes und Alkohol waren schon wieder alle, der Mittagsmagen knurrte. Im Eiltempo schafften wir diesen Abschnitt und pausierten dort bei Cola, einer Wurst- und Käseplatte und Eis. Nachdem wir gut gestärkt waren und uns im Schatten gut herunter gekühlt hatten, sollte es die letzten Kilometer in der prallen Sonne zum Camp Bica da Cana gehen. Schatten sollten nur noch die langen Stelzen der Windräder bieten und diesen sehnte ich dann immer entgegen.

Das Windrad Nummer 1 war schnell passiert (war es wirklich das erste Windrad der Insel?), weitere Dutzend sollten folgen. Es stehen Unmassen da oben auf der Paul da Serra Hochebene. Wie sinnierten über diese gewaltigen Anlagen. Klar, umweltfreundlich, dafür aber kein schöner Anblick. Täve gefiel diese technische Abwechslung. Motiviert rannte er von Windrad zu Windrad und schaute nach der nächsten Nummer. Eines wurde sogar repariert, er konnte einen Blick in den Turm erhaschen, „Da ist ja gar kein Fahrstuhl drin, nur eine Leiter“. Tja, da ist man schon fertig, wenn man seinen Arbeitsplatz gerade mal erreicht hat, Pech.

Wir querten eine Straße, dann sollten die letzten 5km des Urlaubes abgerissen werden. Es wurden zeitweise weniger Windräder in der Nähe, aber in der Ferne waren sie immer zu sehen. Wir liefen an einer Abbruchkante entlang, die Wolken hingen sich genau dort fest. Insgesamt hatten wir doch den Eindruck, dass dort oben auf dieser Ebene immer das bessere Wetter herrschte. Wir pausierten ein letztes Mal. Alle waren geschafft von der Sonne. „Genug!“ schrie Yvonne, sogar ihr war es zuviel geworden. Wir hatten zwar keinen Zeitdruck, aber der Trinksack ging zur Neige.

Mit trockener Kehle querten wir die Piste, die mit lilafarbenen Blütenteppichen übersät waren. Dort trieben Massen von Schmetterlingen ihr Unwesen. Ich fand das so toll, musste innehalten für einen langen Moment. Auch Täve schaute dem Treiben gespannt zu. Für mich eine der schönsten Momente des Urlaubes.

Gegen 17Uhr waren wir dann am Camp, das zwar direkt an der Straße zum Parkplatz Rabacal lag, aber der Hauptverkehr hatte bereits abgenommen. Es waren einerseits weniger Autos unterwegs und der dicht gewachsene Wald schirmte auch gut ab. Hier hörte man die Windräder nur noch leise, zu sehen waren sie gar nicht. Das Zelt war schnell aufgebaut, ich sah Yvonne schon wieder in der Sonne sitzen. Der Wald bot nur wenig davon, sie wanderte immer mit dem Lichtkegel mit. Von wegen „Genug ist genug“.

 
 

 
 

Wir klärten nun nur noch den Transfer für morgen mit Miguel ab. Dieser sollte zeitig in der Frühe sein. Also kein Ausschlafen, unser Flieger sollte 12 Uhr starten. Dann war Entspannen, Abendessen, Genuss, ach was Hochgenuss angesagt. Wir aßen etwas oberhalb des Camps auf einer Bank zu Abend, spielten Karten mit Täve und genossen bei Wein und Süßigkeiten den warmen Sonnenuntergang. Es war still geworden am Tisch. Jeder für sich war in sich gekehrt und ließ den Urlaub Revue passieren. Mein Gedanke war nur „Wow, Madeira, Du hast mich echt beeindruckt.“


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