Madeira Durchquerung Ost West

Madeira 2017 | Insel des ewigen Frühlings

Video Madeira Durchquerung Ost West

 


 

Madeira Durchquerung Ost West
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Reiseziel im Überblick
Orrr nee, schon wieder das Vorwort (muss aber sein!)
Die Planung etwas anders
Unsere Routen im Überblick
Nützliche Links
Info’s zu den Camp’s
Reisebericht

 

Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Portugal | Madeira

Reiseroute

Santo Antonio da Serra (Ost) zentral übers Hochland (Wetterscheide) nach Porto Moniz (West)

Reisezeit | Dauer

10.Juni bis 20.Juni | 10 Tage

Klima | Wetter

Inselklima, im Norden regenreicher und Vegetation üppig grün, im Süden gegenteilig | beständig warm, im Hochland Nebel mit gelegentlichen Schauern, wenig wechselhaft

Reiseart | Aktivität

zu Fuß nur mit Rucksack, auf Leichtgewicht getrimmtes Gepäck | Da Levadas zu eng, kein Pilgerwagen oder Buggy möglich | Neukauf eines Klapprollers mit Luftbereifung

Übernachtung

1.Nacht in Santa Cruz im Hotel, da Ankunft um Mitternacht, aber sonst 9 Nächte im Zelt

Flora | Fauna

Vegetation üppig grün (ewiger Frühling), viele Vögel

Sicherheit | Tourismus

Es ist EU und wie die Azoren sehr sicher | viel Tourismus und Infrastruktur an den Küsten, im Hochland nur Tagestouristen, wenig Backpacker unterwegs


Anreise

preiswert, aber leider mit 1x umsteigen via Porto mit TAP nach/von Funchal ab/an Zürich, vor Ort nutzen wir aus Zeitgründen das Taxi, was relativ günstig ist

Wildnis Faktor

Mittel | touristisches Reiseziel, jedoch mit ruhigen Ecken im Hochland, kein wild zelten, aber angelegte rudimentäre Camps

Kocher Info

Tankstelle Repsol am Startpunkt Santo Antonio da Serra, im Supermarkt Santa Cruz keine Kartuschen. M.e. in großen Supermärkten in Machico erhältlich. In Funchal gibt es Schraubkartuschen auf jeden Fall (La Vie, Outdoorshop oder hier)

Einkaufsmöglichkeiten

In Santa Cruz einkaufen, am Pico Arreiro sehr sehr kleiner Shop im Restaurant, am Pass Encumeada Snacks, Süßes und Alkohol, zur Not Sandwiches, warmes Essen | Minilädchen erst wieder im Dorf Ribiera Da Janela vorm Camp Porto Moniz und in Porto Moniz größere Supermärkte

 

Orrr nee, schon wieder das Vorwort  zurück zur Liste

Na, Ihr wollt doch wissen, warum es uns im Zweiturlaub zu so einem Pauschalreiseziel zieht. Es gab halt wieder viele Überlegungen, u.a. den Tagliamento mit Kanu runter zu paddeln, auf Korsika oder Sardinien wandern oder wieder nach Frankreich und dort die Loire noch weiter erkunden. Bei der Recherche, wo man denn wandern kann und womöglich noch wild zelten erlaubt ist, fielen die meisten Mittelmeerinseln durchs Raster. Auch Madeira war erst einmal tabu. „Erst einmal“?

Suchbegriff von wild zelten auf zelten geändert und siehe da, es tauchte wieder Madeira aus der Versenkung auf. Yvonne meinte also gleich „Nein, bitte keine überfüllten Campingplätze“. Nein, es handelte sich bei der Beschreibung der Camps um wilde, rudimentäre Camps, teilweise mit Feuerstellen, Wasser und Klo. Nie aber mit Rezeption oder anderer gewohnter Infrastruktur. Das Beste daran, die Camps sind umsonst. Nun war das seit langen eine Erfolgsmeldung.

Madeira hatte ich immer schon mit wandern verbunden. Schroffe Bergwelten, Levadas, üppig grüne Vegetation auf der „Insel des ewigen Frühlings“. Was und wie wir das Ganze nun vor Ort anstellen würden, war noch gar nicht besprochen, da waren aber auch schon die Flüge gebucht. Zu verlockend der günstige Preis von 200 Euro je Person. Nun werden wir uns überraschen  lassen, ob wir von Touristenmassen überrollt werden oder ob es doch noch Ecken gibt, die wir hier dann als „Geheimtipp“ verkaufen können.

 

Die Planung etwas anders  zurück zur Liste

Tja, nun haben wir die Flüge an der Backe. Mit 10 Tagen vor Ort haben wir ein großes Zeitfenster gesteckt, mit 55km Breite ist die Insel als gut in dieser Zeit zu erschließen. Anlaufpunkte sollen ja die Camps sein, die zu 90% im zentralen Hochland angesiedelt sind. Yvonne äußerte vorsichtig den Wunsch, auch einen Badetag einzulegen. „Hast Du Dir mal die Topographie der Insel angeschaut“? Sieht nicht nach der typisch karibischen Badeinsel aus und dann findet sie doch tatsächlich einen Strand in Porto Moniz, unseren Endpunkt der Reise. Also musste ich klein beigeben und am Ende heißt es noch einmal einen Relaxtag am Strand.

Mit Westen stand der Endpunkt fest, also schlussfolgernd soll nun im Osten, dort wo auch der Flughafen liegt, die Reise beginnen. Nicht ganz im Osten, aber annähernd im aufsteigenden Gelände in Santo Antonio da Serra. Eine Vorübernachtung nahe dem Flughafen, da Ankunft um Mitternacht, Tag darauf Lebensmittel einkaufen, am Startpunkt noch die Benzinflasche auffüllen. Alles ist nun soweit gecheckt. Tankstelle vorhanden, Supermarkt in der Nähe, Hotel in Santa Cruz gebucht, Taxi- und Buspreise verglichen und sich für erstere bequemere Option entschieden.

Nun plante ich die Route mal wild los, die Camps waren von mir alle als erstes mit Wegpunkten in der Karte markiert worden, so wusste ich, wo unsere Ziele sein mussten. Der erste Tag war geplant, der zweite machte aber schon Probleme. Lange an einer Straße lang laufen, extreme Umwege in Kauf nehmen oder enge und steile Passagen absolvieren. Wir wollen dieses Mal auf Lastentiere verzichten, haben uns für Pilgerwagen oder Buggy entschieden, aber damit wollte die Planung einfach nicht funktionieren. Zwar sahen die Wege an den Levadas teilweise breit genug und passierbar aus, dann aber wieder mal nicht breiter als mein Arsch. Die Trails über die Gipfel und Kämme alle sehr stufig, steil und unwegsam. Kurz schoss der Gedanke durch den Kopf „Doch falsches Reiseziel?“

Ich plante die Tour erst einmal komplett durch. 97 km, zeitlich voll im Rahmen und mit Tagesetappen von 10-15km eigentlich machbar, aber unser Gefährt setzte uns Grenzen. In mir wuchs der Gedanke, gänzlich auf Unterstützung zu verzichten, das hieß nur mir Rucksäcken unterwegs. Wohin mit 8 Tagen Proviant für 2.5 Portionen? Bei der Streckenplanung viel mir auf, dass wir immer wieder Straßen kreuzen werden, die den Norden mit dem Süden verbinden, wo größere Orte und Supermärkte vorhanden sind. Im Zentralmassiv und im Hochland leider Fehlanzeige. So haben und hatten wir uns nun für folgenden Plan entschieden. Wir decken uns für die erste Hälfte der Tour mit Lebensmittel am Startpunkt ein, müssen hier und da sicher auf Genussmittel wie Alkohol uns Süßes verzichten oder zumindest drastisch einschränken.

Parallel muss auch am Equipment gespart werden, Zelt ohne Footprint, weniger Klamotten, weniger Technik und weniger Hygieneartikel. Wir versuchen in 4 Tagen bis nach Porto Moniz durchzukommen, haben aber in der Not noch die Hauptverbindungsstraße ER228 mittig im Hochland auf Höhe Sao Vicente/ Ribeira Brava in petto, wo wir per Taxi Lebensmittel in Ribeira Brava nachkaufen könnten. Der 4-Tage-Gewalt-Durchmarsch ist aber nur unter Idealbedingungen machbar und auch so wurden erst einmal die Camps geplant und gebucht. Wenn das so funktioniert, gibt es einen Ruhetag in Porto Moniz und dann wieder zurück bis zur Mitte der Insel an die ER228, wo wir dann eine letzte Nacht campen um am Folgetag mit dem Taxi zum Airport zu fahren. Gesamtlänge 134 km anstelle 97 km.

Vor Ort haben wir ein Taxiunternehmen gefunden, was die aktuell feststehenden Transfers durchführt und uns operativ auf Abruf in den Bergen weiterhilft um ggf. weitere Transfers zu organisieren. Wie sind wir auf diese Idee gekommen? Weil die Wanderwege und Verläufe echt interessant ausschauen und so etwas Täve ohne große Überredung selbst und lange laufen wird. In der Not kann ich ihn dann bei leichterem Gepäck als sonst auch mal eine Zeit lang schultern. Dafür wollen wir das Gepäck der Rucksäcke flexibel gestalten. Wie das gehen soll? Wir nehmen 3 Rucksäcke. Unsere beiden Hauptrucksäcke, die immer so gepackt bleiben wie am Morgen gestopft. Der 3. Rucksack wird ein kleiner Tagesrucksack sein, wo das schwere Essen, Technik und der Trinkrucksack verstaut sind. Habe ich Täve auf den Schultern, muss Yvi diesen tragen, läuft Täve allein, nehme ich diesen.

Klar wir müssen die Rucksäcke sicher mehrmals zu Hause packen, abwiegen und sicher noch weiter abspecken, aber am Ende sollen bei Yvonne max 18 kg und bei mir maximal 15 kg für die großen Rucksäcke stehen. Der kleine 3.Rucksack wird mit max. 10 kg angenommen. Je weniger umso besser. Wenn ich nämlich Täve mit 20 kg auf den Schultern habe, tanzen meine Kniescheiben mit gesamt dann 35 kg Foxtrott. Ich sehe schon wieder Yvonne hinter mir, wie sie sich krümmt vor lachen, gehe aber von aus, dass auch sie dieses Mal mit den max. 28 kg zu tun haben wird und ich in den Genuss komme, meine Schadenfreude auszukosten.

Die Tour steht nun im groben Gerüst, wird an der einen oder anderen Stelle noch verfeinert, es kommt was hinzu, wird gekürzt oder erweitert. Wir sind aktuell am recherchieren, ob es noch Highlights und ruhige Ecken gibt, wo wir unsere Art des Urlaubes vollziehen können. Es sind nur noch 6 Wochen, die Vorfreude am Gelingen ist genau so groß wie die Skepsis, dass es irgendwo wieder scheitern wird. Vieles aber spricht für ersteres, denn wir haben jetzt keine animalischen Störfaktoren mehr dabei wie 2016 in Kirgistan.

Fazit: Am Ende kam das alles ganz anders und spontan wurde noch ein geländegängiger Roller mit Luftbereifung besorgt. So ideal wie er auf den Flachstücken an den Levadas war, so verfluchte ich ihn in den Steilstücken. Jedoch in der Summer war er ein Gewinn, denn der Roller entlastete uns nicht nur mit Täve, sondern auch mit dem 3. Tagesrucksack. So wurde Madeira zu DEM Auftakt für zukünftige Touren mit dem Roller. Mittlerweile hat dieser uns schon auf Réunion, Mauritius und Zypern begleitet und ist das Maß der Dinge für Trekking- Kinder- Transport.

 

Unsere Routen im Überblick  zurück zur Liste

Natürlich ist es schwer abzuschätzen, wie es mit Täve läuft. 10 km am Tag sollten auf jeden Fall drin, sein, 15 km wären das Optimum. Wir setzen unsere Hoffnung dabei auf die spektakulären und engen Wegverläufe an den Levadas, die Täve von den Strapazen ablenken werden. Daher haben wir nun 2 Routen im Kopf, hoffen aber, dass Plan A funktioniert und Plan B nicht ausgepackt werden muss.

Wie immer haben wir die Gpx-Datei auf unserem Garmin abgespeichert. Als Karten kann ich die Inselkarte und die Lusitania0.97 empfehlen. Das sind kostenfreie Karten fürs Garmin (Download siehe unter Nützliche Links). Es sind wirklich sehr hilfreiche Karten und ausreichend. Ich habe mir aber noch die Garmin V4 Topo Light von Portugal mit zugelegt. Parallel nutze ich in Papierform auch noch die alten Militärkarten von 2003, zur Sicherheit.

Als Backup haben wir natürlich auch wieder eine Karte in Papierform mit, die uns helfen soll, den Überblick zu bewahren, obwohl es schier unmöglich sein sollte, sich auf dieser kleinen Insel zu verlaufen. Madeira 1:40000 Wanderkarte

Fazit: Am Ende sind wir Tour weitestgehend nach Plan A bis Porto Moniz gelaufen und aufgrund von Zweifeln, Zeitmangel und einem „Lift“ setzten wir die Tour dann erst ab Camp Fonte do Bispo bis Camp Bica da Cana fort. Mehr dazu im Reisebericht.

Plan A

 

Plan B

 

Gemachte Tour | Teil 1 von Ost nach West

 

Gemachte Tour | Teil 2 Madeira 25km Fonte do Bispo nach Camp Bica da Cana

 

Nützliche Links  zurück zur Liste

Madeira Campingplätze

Hier findet Ihr alle Informationen zu den legalen Camps, sehr detailliert und informativ. Englisch und portugiesisch

Camps online buchen


Hier könnt Ihr online die Camps buchen, das erspart Euch den Gang ins Stadtbüro. Englisch und portugiesisch. Weitere Details unter "Info's zum Camp"

Madeira Forum

Forum für Madeira, hier speziell zu Platzbeschreibungen der Camps

Acampamentos IFCN Government

Weitere Info's über Camps und Beantragung vor Ort, leider nur portugiesisch

Übersicht Busse Westen

Busplanübersicht für den Westen der Insel

Busliste Horarios

Alle Busse der Insel als einzelne PDF Downloads

Madeira Island Busse

weitere Übersicht aller Busse der Insel

Militärkarten

kostenpflichtige portugiesische Militärkarten von 2003

1.Taxi Unternehmen Taxi-Madeira

Etwas teurer, dafür aber flexibler und Leena spricht sogar deutsch

2.Taxi Unternehmen TaxiMadeira

sehr preiswert (Porto Moniz-Airport 58€), dafür nicht so flexibel und spontan wie Taxi-Madeira

Wanderreitkarte.de

kostenfreie Wanderkarte von Madeira fürs Garmin. Achtung: Download startet sofort 288MB Zip Datei

Portugal Lusitania Version 0.97

weitere kostenfreie Wanderkarte von Madeira fürs Garmin. 82 MB als rar-Datei. Zwei Versionen hier zum Download: für mapsource oder Direkt fürs Garmin

 

Info’s zu den Camp’s  zurück zur Liste

Also da offiziell wild zelten auf Madeira verboten ist, werden wir offiziell die angebotenen Camps nutzen. Wer uns aber kennt, der weiß, wenn es die Gegebenheiten vor Ort zulassen oder die Not nach Hilfe schreit, dann werden wir nichts unversucht lassen, uns wieder vom Pfad der Tugend zu entfernen. Da die offiziellen Camps aber sehr rudimentär sind, haben wir vorerst keine Probleme, diese zu nutzen, wenn sie auf dem Weg liegen und in unseren Zeitplan passen. Es gibt nach meiner Recherche 19 Camps auf Madeira, meist im zentralen Hochland gelegen, teilweise mehrere auf einem Haufen, dann mal wieder mit großen Abständen. Nach meinem Verständnis also nicht gleichmäßig verteilt, was eine Planung schwerer macht.

Wollt Ihr mehr über die Camps (Beschreibung, Ausstattung, Lage, unserer Eindruck) und die Buchung wissen? Braucht Ihr nützliche Tipps zum Thema Ausrüstung, zur Planung vor der Reise und während der Tour? Dann findet Ihr hier den etwas anderen Wanderführer (83 Seiten). In diesem findet Ihr außerdem einen bebilderten Reisebericht.

Camp Terreiros +

Lage: Direkt an der ER202 auf 1300m Höhe, GPS-Koordinaten N32.718916 W16.868053
Ausstattung: Wasser, Feuerstelle, Grillplatz, Tische mit Bänken, keine Toilette, keine Schutzhütte, Mülltonnen
Gesamteindruck: Riesiger, schöner Platz mit Bergfeeling, Waldstreifen zwischen Straße und Camp, offenes Weidegelände, Es gibt zwei Plätze südlich der Straße, einmal am Halbkreis und einmal nach dem Waldstreifen weiter westlich noch einen.
Eigener Eindruck: Viel los am Wochenende, viele Einheimische, aber weitläufiger Platz mit vielen Büschen, so kann man problemlos ein ruhigen Platz finden. Schöner Platz mit viel Weitsicht. Empfehlenswert.

Wollt Ihr mehr über die Camps (Beschreibung, Ausstattung, Lage, unserer Eindruck) und die Buchung wissen? Braucht Ihr nützliche Tipps zum Thema Ausrüstung, zur Planung vor der Reise und während der Tour? Dann findet Ihr hier den etwas anderen Wanderführer (83 Seiten). In diesem findet Ihr außerdem einen bebilderten Reisebericht.

Madeira Durchquerung Ost West

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1.Tag | 11.Juni 2017 | Von Santos da Serra zum Camp Terreiros  zurück zur Liste

 
 

 
 

Nachdem wir am 10.Juni um 23.45 Uhr sicher gelandet waren, war es nachvollziehbar, dass wir nicht gleich auf Tour gehen wollten. Wir hatten ein Hotel in Airportnähe (Santa Cruz) gebucht. Wir kauften nach dem Frühstück alles Nötige für die kommenden 4 Tage ein. Das sollte nach Plan A bis Porto Moniz reichen. Das wir so knapp kalkulierten, sollte sich im weiteren Verlauf noch als großer Fehler bemerkbar machen. Gegen 10 Uhr holte uns das Taxi ab. Da die Busverbindungen nur in und um Funchal regelmäßig stattfinden und die Taxipreise unter deutschen Verhältnissen sind, gönnten wir uns diesen Luxus. Ziel war Santos da Serra, wo es auch eine Tankstelle gab um das Benzin für den Kocher zu bekommen. Da wir spät starteten und erfahrungsgemäß die erste Tour des Urlaubes immer ein wenig Eingewöhnung braucht, plante ich zum Warmlaufen nur 9km zum Camp Terreiros ein.

11 Uhr waren wir startklar. Die Sonne lachte, in Santos da Serra war Sonntagsmarkt, der uns wärmstens empfohlen wurde. Okay, es roch wirklich lecker nach Fleisch und Gewürzen. Wir aber wollten einfach nur loslaufen, die Vorfreude steckte in unseren Beinen. Noch etwas an der Straße entlang, dann bogen wir auf einen Feldweg ein. Der Roller wurde gleich mit dem kleineren roten Ortlieb Proviant Rucksack bestückt und wurde nur noch auf der Brust getragen, wenn mit dem Roller im Gelände wirklich gar nichts mehr ging.

Da wir auf 690m Höhe gestartet waren und das Camp auf 1300m Höhe lag, wussten wir, dass die Tendenz heute „bergauf“ hieß. Die ersten Meter waren ein Dahinschlendern, Rucksack richtig positionieren, ausloten, wie der Roller das Gelände meistert. Nach 2km erreichten wir die Levada da Serra do Faial. Puuh, endlich mal wieder flach. Erste Rast, bevor die Levada gegen den Strom in Angriff genommen wurde. Diese kleine niedlich Levada gefiel uns auf Anhieb und der 50cm breite Seitenstreifen war ausgetreten, so dass der Roller ordentlich abging. Mit Rufen in die Ferne mussten wir in diesem sehr kurvigen Verlauf Täve öfters ausbremsen.

Hier erwies sich der Roller bereits als Segen, denn die folgenden 2km war Täve gut motiviert und wir konnten selbst vom Schlendermodus in den Wandermodus wechseln. Am Wasserhaus, wo sich mehrere Levadas treffen, nahmen auch die Wanderer zu. Es kamen geführte Wandergruppen und einzelne Tageswanderer vorbei, die unsere groß gewachsenen Rucksäcke und den Roller bestaunten. Wir widmeten uns derweil den extrem zutraulichen Madeira Buchfinken, die uns förmlich nötigten, was von unseren Pausenproviant rauszurücken. Täve war enttäuscht, dass er sie nicht auch noch streicheln konnte. „Die sahen doch so kuschelig aus“.

 
 

 
 

Nun stand der schwierige Teil des Tages an. 450 Höhenmeter auf den letzten 4,5km. Mir fehlten die passenden Motivationsfloskeln, da ich Täve von seinen Finken trennen musste und Yvonne bemerkte, dass langsam Wolken aufzogen. „Kommt schon!“ verhallte ohne Reaktion, also musste der härtere Bundeswehrton herhalten. Schleppend ging es in den Anstieg. Hier waren nun wieder keine Wanderer unterwegs. Scheinbar waren die Levadas die Attraktionen der Insel, leicht und bequem zu begehen. Wir schraubten uns nun stetig nach oben, bei wechselhaften Wetter und „Liquid Sun“. Die letzten 100 Höhenmeter beschritten wir auf einem engen Pfad. Nun musste Roller und Ortliebsack geschultert werden. Das war heftig. Keine Ahnung, wieviel Kilo mich zu Boden drückten, aber die Kniescheiben tanzten immer dann Tango, wenn 30cm hohen Steinstufen überwunden werden mussten.

Wollt Ihr mehr über die Camps (Beschreibung, Ausstattung, Lage, unserer Eindruck) und die Buchung wissen? Braucht Ihr nützliche Tipps zum Thema Ausrüstung, zur Planung vor der Reise und während der Tour? Dann findet Ihr hier den etwas anderen Wanderführer (83 Seiten). In diesem findet Ihr außerdem einen bebilderten Reisebericht.


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