La Réunion Mauritius 2017 |

La Réunion und Mauritius | Zwei Perlen im Indik 

 

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Das Reiseziel im Überblick
Vorwort
Wie es zu dieser Destination kam
Reiseplanung und Vorbereitung
Kartenmaterial | Tourenplanung und GPS-Aufzeichnung
Nützliche Links
Der Erlebnisbericht
Fazit | Zusammenfassung

 
 

 
 

Fotoreihe Cirque de Mafate

 

Fotoreihe Cirque de Salazie

 

Fotoreihe La Plaine | Vulkan | Grand Galet

 

Fotoreihe Le Dimitile | Cirque de Cilaos

 

Fotoreihe Mauritius

 

 

Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

La Reunion | Mauritius | im Indischen Ozean östlich von Madagaskar

Reiseroute

Reunion: alle drei Talkessel Mafate, Salazie und Cilaos und Vulkan Fournaise | Mauritus: Black River Gorges Nationalpark und Le Morne

Reisezeit | Dauer

6.August bis 4.September 4 Wochen | 3 Wochen Reunion, 1 Woche Mauritius

Klima | Wetter

trocken, warm, sonnig, in den Höhenlagen über 2000m auch mal Null Grad, Tageswetter verschlechtert sich tendenziell zum Nachmittag hin, keine Zyklonenzeit

Reiseart | Aktivität

Wandern, als Hilfsmittel wie auf Madeira den Air Scooter (Roller) | auf Mauritius am Ende noch 2 Tage Baden am Le Morne Felsen

Übernachtung

100% Zelt Kaitum 3, keine Hotels geplant, bei langen Schlechtwetterphasen werden wir die preiswerteren Berghütten (Gites) nutzen

Flora | Fauna

Reunion: unbeschreibliche endemische Pflanzenwelt mit abwechselnden Landstrichen | Mauritius: zusätzlich noch mehr Tiere wie Affen und Flughunde

Sicherheit | Tourismus

Beide Inseln sind nicht gefährlicher als eine deutsche Großstadt | Mauritius sehr bekannt bei Touristen durch Honeymooner und Tauchen, Reunion eher der kleine unbekannte Bruder, hier ausgezeichnetes Wandergebiet (GR1-3), aber auch tauchen und baden

Anreise

Direktflüge gibt es nur ab Paris nach Reunion, wir fliegen ab Frankfurt mit Condor nach Mauritius direkt, weiter mit innerinsulanischen Flügen

Wildnis Faktor

hoher Wildnisfaktor | je mehr man sich vom Strand entfernt, Cirque Mafate sicher der urigste Talkessel von allen, da keine Straßen, keine Autos | Mauritius sicher auch im Nationalpark überlaufener als Reunion

Vorwort  zurück zur Liste

Dieses Mal ist und wird alles anders, das habt Ihr sicherlich auch hier auf unserer Homepage gemerkt. Wo wir sonst schon Monate vorher über unsere Vorbereitungen berichtet hatten, sind wir dieses Jahr echt spät dran. Einige Neugierige fragten immer wieder „Na, in welche unbekannte Ecke zieht es Euch dieses Jahr?“. Schulterzuckend mussten wir immer vertrösten, weil wir es selbst nicht wussten. Alles war so ungewiss, da die Flugpreise zu teuer, die Ziele für unser Vorhaben nicht passend oder aber einfach nur Unschlüssigkeit nach so einem tollen Reiseziel wie Kirgistan wieder was Spektakuläres zu finden. Nun ist kommenden Sonntag Abflug angesagt und soweit es geht, möchten wir Euch hier vorab auf dem Laufenden hallten.

 

Wie es zu dieser Destination kam  zurück zur Liste

Hier muss ich persönlich sehr weit ausholen. Es war das Jahr 2001, meine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann sollte mit einer Reise nach La Reunion gekrönt werden. Damals hatte ich einen TV Bericht verschlungen, es war die Rede von „DEM“ Wanderparadies. Einziges Problem, was ich hatte. Ich konnte und kann auch jetzt kein französisch. Damals rieten mir Freunde davon ab, die selbst vor Ort waren und mit ihrem Schulfranzösisch schon überall aneckten, keine Hilfe bekamen und als Deutsche echt schlecht behandelt wurden. Ich schob also das Ziel auf, wusste aber, dass irgendwann die Zeit dafür reif sein würde. In allen unseren vergangenen Planungen stand immer wieder Reunion auf der Liste. Ich hatte Yvonne angefixt, aber die Flüge lagen immer um die 4500 Euro, meine zeitigen Recherchen führten mich in den Wahnsinn, dass wir am Ende dann immer andere Ziele buchten.

Nach Kirgistan 2016 hatten wir uns auch gut durch das Land geschlagen ohne die Sprache groß zu beherrschen. Manch einer meint, dass sei unhöflich dem Land, der Sprache und den Menschen gegenüber, aber wir können nicht für jedes Land, was wir bereisen, die Sprache lernen. Reisende, die immer nach Mallorca reisen, wird es was nutzen, Spanisch zu lernen, wir dagegen versuchen es immer mit Englisch oder mit wilden Gesten. Das Resultat ist wichtig und das haben wir auch mit Sprachbarriere immer erreicht. Und lustig ist es allemal. So rutschte also Reunion in der Beliebtheitsskala wieder nach oben, denn was in Kirgistan geht, wird auf Reunion locker klappen. Da wir nun auch sehr spät mit der Wahl des Reiseziels dran waren, recherchierte ich dort, wo was möglich war. Madagaskar, kurzzeitig der Sieger, fiel aufgrund der Größe erst einmal raus, wir bissen uns nun an Reunion fest und buchten vergangene Woche, 10 Tage vor Reisebeginn, unsere Flüge.

 

Reiseplanung und Vorbereitung  zurück zur Liste

Wir hatten immer nach Flügen direkt nach Reunion geschaut ohne dabei Mauritius mit in Betracht zu ziehen. Für mich als Reiseverkäufer ist diese Insel als Touristenziel für Hochzeitsreisende und Badeurlauber verschrien, also genau das Falsche für uns. Da jedoch die Direktflüge ab Frankfurt mit Condor noch am günstigsten waren, durchforsteten wir einige Medien, was man denn auf Mauritius noch anderes außer faulenzen machen könnte. Siehe da, es fanden sich mit dem Black River Gorges Nationalpark und der Le Morne Halbinsel doch noch Ecken, die zu erwandern/ erleben sind. Nun schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, geschuldet dem notwendigen Direktflug nach Mauritius. Hauptaugenmerk legen wir in unseren 4 Wochen Urlaub trotzdem auf Reunion mit 3 Wochen Wandererlebnis pur. 1 Woche werden wir am Ende auf Mauritius verbringen um den Südwesten der Insel zu erkunden, dann noch 1-2 Tage Baden am Le Morne Felsen, bevor es wieder nach Hause geht. Der Flug war also schnell gebucht und in Sack und Tüten. Der Parkplatz in Frankfurt für unser Auto dazu gebucht und fertig.

Nun konnte es an die Detailplanung vor Ort gehen, die Flüge gaben uns nun den Rahmen, auch die innerinsulanischen Flüge waren schnell gebucht. Maximal auf Reunion bleiben und optimal Mauritius erkunden, so die Devise. Während wir auf Reunion auf ein Taxi setzten, die zwar wesentlich teurer als anderswo sind, aber doch flexibler oder komfortabler, haben wir uns auf Mauritius für die eine Woche einen Mietwagen gebucht, der zwar die meiste Zeit rumstehen wird, uns aber die nötige Flexibilität und Sicherheit geben wird, die wir brauchen. Das Internet war voll von Stories über Taxigauner, für die ein Taxameter ein Fremdwort ist und gern mal Umwege fahren oder penetrant Tagestaximieten offerieren. Mit dem Mietwagen sind wir vor Ort flexibel um Essen und Benzin einzukaufen und sind auch mit dem Transfer zum Flughafen auf der sicheren Seite und auf keinen Dienstleister angewiesen.

Die Planung der Touren vor Ort begann jetzt nicht erst, sondern wurde aus den Tiefen der Festplatte heraus gekramt. Da waren schon paar gesponnene Ideen, die nun nur noch zu einem Netz aus gut funktionierenden Touren zusammen gesetzt werden mussten. Hier genau begannen die Probleme. Einzeln für sich allein gibt es schier unendlich viele Wandertouren in den einzelnen Talkesseln, an den Kesselgraten oder am Vulkangebiet. Doch alles zusammen zu einer Rundtour oder Einwegstrecke verbinden schien immer wieder der berüchtigte Weg ins Leere zu werden. Dazu muss man wissen, dass die Talkessel untereinander nur zu Fuß über steile und hohe Pässe erreichbar sind und wenn man die inneren Talkessel mit den äußeren Kesselgraten verbinden möchte, entweder raus aus dem Kessel oder auch wieder steile Anstiege hoch muss. Also Pest oder Cholera, lange Wege oder krasse Anstiege, im schlimmsten Fall beides kombiniert. Irgendwann starrte ich auf die Inselkarte und ein „Ich hab’s“-Schrei flog durch den Raum. Klar, ob der Plan überhaupt vor Ort zu realisieren ist, ist das Eine, aber man sollte wenigstens einen Plan und paar Ausweichmanöver in petto haben, oder?

Wie sah der Plan nun aus? Grob: Start im Westen im Industrieort Le Port -> Cirque Mafate Nordosten -> Hell-Bourg Cirque Salazie -> Petite Plaine -> Piton de la Fournaise (Vulkan) -> Bourg-Murat -> Cirque Cilaos -> Cirque Mafate Südwesten -> Le Port. Eine Rundwanderung, die nicht alle Highlights, aber die meisten abdeckt. Dabei zweimal durch den Mafate Talkessel zu wandern, war der beste Schachzug an dieser Tour. Dieser nur zu Fuß zu erreichende Talkessel sollte unser persönliches Highlight werden, neben dem aktuell aktiven Vulkan. Apropos: Hier müssen wir vor Ort schauen, ob und wie weit wir überhaupt an den Vulkan herankommen. Dort wird immer alles großräumig abgesperrt, sodass vermutlich der geplante Verlauf ins Wasser fällt und wir Alternativen brauchen. Die vielen Alternativen sollen aber auch als Varianten dienen, wenn die Originalroute zu schwer wird, zu viele Höhenmeter hat oder die Wege in Schlechtwettergebieten liegen. So planen wir alternativ eine Umwanderung des Mafate Talkessels auf dem Westgrat, eine Flusswanderung ab Grand Bassin nach Entre Deux, eine Südgratwanderung am Cilaos Talkessel oder aber eine Talwanderung am Fluss Remparts über Roche Plate an die Südküste nach Saint Joseph mit spontan einbaubaren Bade-/Relaxstopp. Entgegen des Reiseverhaltens in Kirgistan, wo jeder Tag akribisch geplant wurde, gehen wir das auf Reunion eher entspannt an. Auf Mauritius starten wir ab der Südküste in den Nationalpark, queren den Park bis in den Nordwesten zum Parkeingang, wo ein Camp auf uns wartet, dann weiter über den westlichen Teil des Parks wieder runter an die Küste zum markanten Le Morne Felsen, wo wir im Süden davon unser Zelt die letzten beiden Nächte aufschlagen werden. Die Tagestouren setzen wir sehr niedrig auf maximal 12km an, da nicht die Länge auf Reunion ausschlaggebend sein wird, sondern die Höhenmeter. Außerdem wollen wir öfters als sonst den Ausblick mal genießen, nicht hetzen, spontan sagen können „Hier ist es schön, hier bleiben wir“. Es wird trotzdem ein anstrengender Urlaub werden, aber mit entspannten Phasen.

Auch bei den Gegebenheiten vor Ort sind die beiden Inseln entspannter als das einsame Kirgistan. Die Zivilisation ist nie weiter als ein Tagesmarsch entfernt, immer ein kleines Dorf in der Nähe, sehr guter Handyempfang (Reunion sogar EU Roaming), eine gut ausgebaute Infrastruktur und keine Esel, die wir hinter uns herziehen müssen. Dafür kommt wieder der Roller mit, den wir auch auf Madeira dabei hatten. In den roten Ortlieb-Sack, der am Roller hängt, kommt wieder das Essen, was man gut aller 3-4 Tage in den kleinen Ilets (Dörfern) nachkaufen kann. Es wird sich hier um kleinere Läden handeln, aber Grundnahrungsmittel (aber auch Genussmittel) werden doch überall gebraucht. Wenn uns die Höhenmeter gänzlich den Garaus machen, gibt es noch ausreichend gute Busverbindungen, eine Liste mit diversen Taxianbietern steckt auch in der Hosentasche. Ihr seht, wir sind mal wieder auf alle Eventualitäten vorbereitet und doch wird wieder was vor Ort geschehen, womit Keiner rechnen konnte.

 

 Kartenmaterial | Tourenplanung und GPS-Aufzeichnung  zurück zur Liste

Für die beiden Inseln muss man auf unterschiedliche GPS Karten zurückgreifen. Am Ende hatten wir auf unserem Garmin Gerät 5 Karten, wobei wir meist die ersten beiden folgenden Karten nutzten. Entscheidet selbst, welche Euch besser gefällt.

Garmin Topo France V3 DomTom  die beste Karte nur für La Reunion, aber mit 105 Euro nicht billig/kostenlos, sehr detailliert mit Höhenlinien und Höhenmeterdaten

Wanderreitkarte meiner Meinung nach die beste kostenfreie Option, nicht so perfekt, aber ausreichend gut, auch kleine Pfade, viele Wegpunkte
(Inselkarte runterladen, die Reunion und Mauritus und viele andere Inseln beinhaltet)

Hike and Bike Map  ähnlich OSM, aber besser im Detail bei Wanderwege, viele nützliche Wegpunkte wie Einkaufen, Trinkwasser, Camps
(oben auf Reiter OpenMTBMap klicken und Karte Afrika runterladen, bei der Installation Hiking anklicken)

OpenStreetMap als Überblick ausreichend, aber viele Pfade fehlen, dient uns nur als Backup

Garmin Topo Südafrika V3  nicht zwingend notwendig, da im Detail fürs Wandern ungeeignet, es fehlen viele Pfade, sporadische Wegpunkte, kostenpflichtig 105 Euro

Da wir aber immer als Backup eine konventionelle Papierkarte dabei haben, entschieden wir uns für die von IGN 1:70000 Karte Reunion und 1:85000 Karte Mauritius, wer es gern detaillierter mag oder gar nur mit Papierkarte losziehen möchte, kann sich auch die 1:25000 Karten (6 Stück für Reunion) hier kaufen. Von Mauritius gibt es dahingehend keine detailgetreueren Karten. Bei der Planung zu Hause nahmen wir uns wieder Google Earth, Panoramio und Streetview zur Hilfe. Richtig genial fanden wir aber Google trail view, wo gut die Wegbeschaffenheiten erkennbar waren. Das war dann auch der ausschlaggebende Punkt, wieder den Scooter mit einzupacken, da die Weg gut ausgebaut und sehr ausgetreten sind und der Roller hier gut zur Entlastung beitragen konnte.

 

Hauptwanderung Reunion 175km 9300hm

 

Wanderung Mauritius 43km 2200hm

 

Was am Ende aus unseren geplanten Touren wurde?

Dem Bericht könnt Ihr entnehmen, was wir am Ende wirklich gegangen sind. Mit einem groben Plan in der Tasche geht man los. Der Teil ab dem Start bis auf die La Plaine Hochebene sind wir identisch gegangen. Ab dort mussten wir umplanen, haben zwar den Vulkan besucht, sind dann aber nicht über die La Plaine Ebene zurück. Es ging das Grand Galet Tal runter nach Langevin. Mit Bus Transfer erreichten wir Entre-Deux, von wo aus wir über Le Dimitile wieder auf unsere planmäßige Tour kamen. Bis Cilaos folgten wir dieser wieder. Dann war Ende. Den letzten, sicherlich spannendsten Teil zurück durch Mafate mussten wir streichen.
Bei Mauritius haute gar nichts hin, nur der erste Tag war im Plan. Dazu lest selbst den Reisebericht, warum und was Schuld an dieser Fehlplanung war.Unterm Strich kamen wir aber auf beiden Inseln gesamt auf 238 km.

 

Hier die Tour, wie es unser Navi aufgezeichnet hat

 

Nützliche Links  zurück zur Liste

Homepage vom Tourismusverband

Gut für den ersten Überblick, auch in deutscher Sprache. Details für Individualisten begrenzt

Infopage Mauritius

Größtes deutschsprachiges Portal für Mauritius

Busverbindungen auf Reunion

Busverbindungen auf ganz Reunion als Pdf-Download, Seite nur in englischer Sprache. Auch gute Tipps zu Gites und Camping

Fremdenverkehrsamt Frankreich / Reunion

Informative Seite auf deutsch, auch bei Wanderungen gute Infos und hilfreiche Links

betreut Reunion erleben

Deutsche auf Reunion, die sich um das Wohlbefinden der Touristen kümmern, egal pb pauschal oder individuell

Globesession

Hier wird das Thema Reunion und (wild) zelten näher beleuchtet

www.meteo.re

Wetterbericht und Zyklonenüberwachung für Reunion

Allo Sentiers (ONF)

Auskunft über den Zustand und Sperrung von Wanderwegen auf Reunion, leider nur auf französisch

www.mauritius-busses.com

Busverbindungen auf Mauritius mit direkter Abfrage

Black River Gorges Nationalpark Mauritius

Viele Infos und Karten über den größten Nationalpark, englisch

Mauritius-Der Reiseführer

Link speziell zum nationalpark, aber auch andere Informationen zur Insel, auf deutsch

 

Der Erlebnisbericht  zurück zur Liste

 

Tipp: Entweder Ihr lest im ODS-Forum meinen interaktiven Bericht mit Diskussionsebene. Alternativ könnte Ihr Euch hier die 82-seitige PDF (22 MB) in Wort und Bild herunterladen. Wer nicht so viel Zeit und Lust hat, der kann sich folgend in Kurzform einen Überblick verschaffen, was wir erlebt haben, untergliedert nicht nach Tagen, sondern nach Reiseabschnitten.

 

1. Abschnitt La Réunion | Cirque de Mafate

Nachdem wir erst einmal an der Tankstelle rumdiskutieren durften, weil sie dort nicht gewillt waren, eine bis dato noch nie dagewesene Benzinflasche zu befüllen, war dieses Startproblem genau so schnell Geschichte wie einen offenen Supermarkt zu finden. Gegen frühen Nachmittag fiel der Startschuss, doch aufgrund der Müdigkeit des langen Fluges kamen wir sehr schwer in die Gänge. Die geplanten 11km waren illusorisch. Die Sonne haute vom blanken Himmel herunter und nach nicht einmal der Hälfte lockte der kühle Fluss, den wir ständig querten mehr, als der breite Fahrweg. Zeltaufbau im Gestrüpp, danach ab in den Fluss und erst einmal die Abkühlung genießen. Wir sehnten dem Sonnenuntergang um 18 Uhr entgegen, damit es nun im Zelt erträglicher werden würde und wir endlich schlafen könnten. Nach einem Abendessen ohne Gemütlichkeit zogen wir uns noch vor Verschwinden der Sonne ins Zelt zurück.

Der nächste Tag sollte wieder hochmotiviert in Angriff genommen werden. Wir kamen nun dem Eingang des Mafate Talkessels immer näher, immer mehr eröffneten sich uns unvorstellbar schöne Blicke, die Zivilisation, Straßen und öden Landschaften ließen wir hinter uns. Im Tal ging es immer weiter am Fluss entlang. Ab Deux-Bras sollten wir nun nur noch auf Menschen treffen, die zu Fuß unterwegs waren, denn fortan gab es keine Straßen, keine Autos mehr. Die Schlucht wurde immer enger, ein Camp zu finden immer riskanter, da immer nur direkt am Fluss was auszumachen war. Auf einem kleinen Plateau, 5 Höhenmeter über dem Fluss fanden wir dann unser Glück. Es war der erste volle und doch sehr gelungene Wandertag. Hoffentlich würden noch mehr dieser Tage kommen.

Am Folgetag hieß es nun, aus der Komfortzone raus und ab rein in die Kampfzone, Aufstieg aus der Schlucht hinaus nach Ilet a Bourse. Bis dahin sollten wir aber noch andere kleine Ilets (typische Dörfer im Cirque) passieren. Wieder spielte das Wetter mit, doch ab und an kleine Nieselregengebiete zogen trotzdem immer wieder mal über uns. Während wir im Tal noch den Roller rollen lassen konnten, musste ab dem Anstieg alles, Proviantrucksack und Roller, geschultert werden. Ich merkte nun, dass der Urlaub endlich mal wieder eine Herausforderung sein würde. Gegen frühen Nachmittag erreichten wir links des Weges einen Aussichtspunkt mit einer großen Transportbox für 4 Säcke, die ab und an von den Helikoptern abgeholt werden. Hier schien der ideale Platz für unser Zelt zu sein. Da wir bereits nach 3 Tagen mit dem Proviant fehl geplant hatten, zog ich ohne Gepäck weiter um in den nächsten Dörfern nach Nachschub zu schauen. Diese Tortur dauerte 2 Stunden und 9 km, ist aber schnell vergessen, wenn man bei Ankunft auf strahlende Gesichter trifft, die nur Augen für die Schokolade haben. Der Abend hätte nie enden dürfen, der Ausblick war einer der grandiosen im Urlaub.

Die 4.Nacht sollte in Aurere sein, guter Ausgangspunkt für die am Tag darauf wohl anstrengendste Tour über einen Pass in den nächsten Cirque. Bis dahin war es aber nicht nur weit, sondern auch ein stetiges Auf und Ab um die Schluchten zu queren. Brücken wären hier hilfreich gewesen, aber nichts da. Außerhalb Aureres wollten wir wieder wild campen, wurden aber in das Camp Bonne Terre in Aurere verwiesen, da wir uns gerade in einem Botanischen Garten befanden, für uns aber nicht erkenntlich. Im Camp relaxten wir und beobachteten auch andere Wanderer, die mit Zelt unterwegs waren. Generell eine seltene Spezies auf Reunion. Mit Blick auf unseren morgigen Weg Augustave genossen wir den Abend wie immer bei Nudeln und Wein.

Meine Annahme, dass der heutige Weg nur eine Tendenz nach oben kennt, erwies sich als falsch. So falsch, dass ich am (ver)zweifeln war, bereits nach der Hälfte der Strecke Abbruchgedanken im Kopf. Täve und Yvonne liefen aber hochmotiviert mit und motivierten mich damit auch. Spektakulär der Verlauf des Weges, teilweise in den Fels gemauerte Wege, enge Pfade, reißende Bäche. Traumwetter im Mafate Talkessel, doch je höher wir kamen umso mehr zog es zu. Nach zähen Stunden bergauf wandern erreichten wir den 1550m hohen Pass, im Nebel und Wind schnell ausgekühlt, ging es auch gleich runter. 

2. Abschnitt La Réunion | Cirque de Salazie

Der Salazie Talkessel empfing uns nicht gerade herzlich. Hier oben hatten wir einen weitläufigen Ausblick erwartet. Demotiviert vom Wetter, aber auch von der Physis hieß es baldmöglichst ein Camp zu finden. Mit diesem Gedanken demotivierte uns jedoch jeder weitere Schritt, wenn wieder mal kein Camp in Sicht war. Am Ende erreichten wir dann doch unser planmäßiges Ziel von dem wir mehr erwartet hatten. Die Schutzhütte entpuppte sich als Brutstätte für unbekannte Spinnenarten. Aber wenn es gerade so richtig scheiße läuft, dann will der Wettergott auch noch mitmischen. Es fing an zu regnen und nun musste beim Aufbau koordiniert werden, damit keine Sachen nass wurden. Danach ging alles schnell, sich waschen, Essen kochen, ab ins Zelt.

Was sollte nun der nächste Tag bringen? Wir wachten bei Regen auf, frühstückten im Nassen und mussten auch im Dauerregen alles zusammenpacken. Ein Tag kann wahrlich besser anfangen. Bald konnten wir aber die Regenklamotten nach und nach ausziehen, die Wolken zogen davon, die Sonne gewann die Oberhand. Ziel sollte heute Hell-Bourg sein. In einem Vorort fanden wir einen Campingplatz, den wir anliefen um Seele und Klamotten zu trocknen. De Rest des Tages war trocken, Täve spielte mit den einheimischen Kindern und wir zauberten derweil ein leckeren Kartoffeleintopf zusammen. So beschissen wie der Tag begonnen hatte, so gegensätzlich schön endete er.

Der Gegner am nächsten Tag hieß der Endgegner Bellouve, ein 600 Höhenmeter Anstieg um aus dem Talkessel auf die Hochebene zu kommen. Bei gemischtem Wetter wurde noch schnell Proviant in Hell-Bourg nachgekauft, dann ging es stetig steil auf schmalen Pfad bergauf. Der Respekt davor war größer als gedacht. Schnell waren wir oben. Wieder einmal im Nebel. Mit diesem schlechten Eindruck verabschiedeten wir uns vom Salazie Talkessel und steuerten nun die La Plaine Hochebene an.

3. Abschnitt La Réunion | La Plaine Hochebene

Auf einer schmalen, wenig befahrenen Straße konnte Täve mit leichtem Gefälle endlich mal entspannen. Er hatte bis dahin alle Anstiege ohne große Wutanfälle gemeistert. Wir gingen noch 2 Stunden und fanden dann Camp und Wasser parallel, was für ein Glücksfall. Das konnte man vom Wetter nicht behaupten. Gleiches gewohntes Szenario. Alles schnell aufbauen, im Zelt kuschelig machen, kochen, waschen, naschen, spielen. Die Laune war trotzdem nie am Boden, es wurde immer gelacht, aber beim Blick nach draußen war einem echt zum Heulen zumute.

Die Schlechtwetterfront klebte an unserer Zeltwand, auch der folgende Morgen war von Regen, Wind und Nebel geprägt. Alles wurde nass eingepackt, das Zelt beim zusammenrollen ausgequetscht, das Wasser lief nur so dahin. Wären wir mal lieber im Zelt geblieben, aber so ging es in Regenmontur Richtung Col de Bebour. Gott hatte unseren Hilfeschrei erhört, ein Pärchen hielt an und nötigte uns förmlich einzusteigen. Pures Mitleid hatten sie. Wir standen vor der Entscheidung Hotel oder Zelt, aber noch waren wir hart genug im Kopf. Stopp am Col de Bebour, Schutz unter einem Pavillon gesucht und Zelt aufgebaut. Den Tag verbrachten wir mit Holz sammeln, in der Natur umherstreifen, Spiele und und und. Es war nicht langweilig, aber lieber hätten wir Meter gemacht. Auch das Feuer konnte unser Herz nicht wärmen. Lange würden wir dem Mistwetter nicht mehr trotzen können, die meisten Klamotten durchnässt.

Der kommende Tag fing mal nicht mit Regen an, aber was nicht ist kann ja noch werden, dachten wir mit einem Lächeln. Bis nach Les Palmistes ging es trocken und gut gelaunt, dort mit weniger Diskussionen Benzinflasche auffüllen, Einkauf erledigen, Geld abheben und Mittagessen. Nach der Pause wollten wir noch aus dem Ort raus um morgen den langen Anstieg in 2 Tagen zum Vulkan in Angriff zu nehmen. Wieder setzte Nieselregen und Nebel ein, ein Picknickplatz wieder unsere letzte Rettung. Ich inspizierte 500m weiter den Einstieg des Pfades, schlammig, steil, unwegsam. Wir machten einen Deal: Regnet es morgen, gehen wir zurück, suchen ein festes Dach überm Kopf, bleibt es trocken, heißt es Rock’n Roll.

Natürlich regnete es früh und auch den ganzen Tag wieder. Wir fanden ein kleines Hotel in Les Palmistes, Sachen trocknen ohne Heizung war aber schwer, dafür konnten alle Akkus geladen werden. Der Wirkungsgrad des Solarpanels bei Regen ist nicht gerade der Bringer. So war die eine und einzige Nacht in einer Unterkunft eher ein Muss. Den Rest des Tages relaxen, Katzen entführen und totknuddeln, im Ort umherstreifen, Abend essen.

Nun war der Plan, dem Osten der Insel zu entfliehen, im Westen tendenziell besseres Wetter. Nachdem ich feststellte, dass 10 Taxifahrer, die die Touristeninfo anrief, keinen Bock auf eine Fahrt zum Vulkan hatten, nahmen wir den Bus, doch der wollte uns nicht. Er fuhr einfach weiter, wir standen an der falschen Haltestelle. Nun hieß es nur noch trampen und ab Burg Murat weiter zu Fuß. Nach 10 Minuten saßen wir in einem Auto und 1 Stunde später, nach einer kleinen Mittagspause, nahmen wir den Anstieg zum Vulkan in Angriff.

4. Abschnitt La Réunion | Vulkan und Grand Galet Tal

Vorher muss man nun aber erst einmal die Nez de Boeuf auf 2000m erklimmen, 600 Höhenmeter auf einer kleinen Straße entlang lagen zwischen uns. Es lief aber wie geschmiert, das Wetter besserte sich mit jedem Höhenmeter. Gegen späten Nachmittag erreichten wir fast die 2000er Marke, wo wir ein Traumcamp mit Aussicht auf den Piton des Neiges fanden, Wasser gab es nur in zwei unterhalb gelegenen, abgesperrten Wasserauffangbecken. Nun war die Stimmung wieder gut, Laune und Motivation auf Neuanfang. Am Abend ein Lagerfeuer, eine Tasse Wein, eine Schokolade. Die Vorfreude auf den Vulkan stieg, zumal sich die Landschaft immer mehr wandelte.

Ziel Vulkan war für heute der Stichpunkt. Entlang der Straße, die immer wieder den Wanderweg zerschnitt, ging es auf 2600m Höhe. Die Landschaft marsähnlich, ein wenig an Island und Hawaii erinnernd. Der Tag machte Spaß. kein Regen, etwas Wolken, kalter Wind, Stimmung am Sieden. In der Nähe des Ausbruchkraters wollten wir wild zelten, natürlich die Sperrzone berücksichtigen, doch bereits 6km vor diesem Vulkan wurden wir gestoppt „Camping interdit“ Nein wir wollen nicht campen, wir wollen „Le Bivouac“, ein großer Unterschied. Man verwies uns auf den Parkplatz, wo wir unser Zelt aufschlugen. Dieses Mal verkehrter Ablauf. Nach dem Zeltaufbau, erst einmal essen, denn in der Dämmerung wollten wir zum Vulkan wandern, die Lava sehen. Wir spazierten also gegen 17.30 Uhr los, am Ende sahen wir nichts außer Nebel, bald spürten wir Regen und Alle wollten ins Zelt. Trotzdem war der Tag schön, eine letzte Chance, den Vulkan morgen noch zu sehen, war ja gegeben.

Wir hatten den Plan mal wieder ohne den Wettergott gemacht. Regen vom Aufstehen bis zum Zeltabbau. Vulkan adé, zurück auf der Piste folgten wir nun dem Wanderweg nach Langevin. 2600m Höhenunterschied mussten nun vernichtet werden. Ziel war das Meer, die Sonne, die Wärme. 2 Stunden gingen wir mit diesem Gedanken im strömenden Regen, zum Glück mit Rückenwind. Der harte Abstieg begann, der Regen ging, die Sonne kam. Super, so machte das Schuften wieder Spaß. 1000 Höhenmeter sollten heute schon fallen, aber schon nach 500 Höhenmeter war das Gejammer der Kniescheiben groß, aber kein Camp in Sicht, wir mussten absteigen, ein erste Plateau auf 1400m Höhe, doch dieses motivierte so sehr, dass ich mit vollen Elan abrutschte und mein Schienenbein und die Weichteile überbeanspruchte. Mir schmerzte alles, wurde schwarz vor Augen, weit wollte und konnte ich nicht mehr laufen, das Plateau keine 100 Höhenmeter mehr entfernt. Doch auch da Enttäuschung. Ein schmaler Weg führte durchs Dickicht. Das Plateau bald wieder beendet und wieder einen kleinen Stich hoch auf einen Waldkamm. Dort endlich das ersehnte Camp zwischen einem kleinen Steinwall. Doch in der näheren Umgebung kein Wasser. Es nutzte nichts, ich musste 350 Höhenmeter weiter runter ins Tal absteigen, fast zum Camp Cap Blanc. Der Abstieg war halb so schlimm, der Aufstieg doppelt so schlimm, das linke verunfallte Knie schmerzte enorm. Zurück am Camp war ich breit und bereit fürs waschen, kochen und schlafen.

Die Nacht über musste ich mir paar Schmerztabletten einwerfen, der Morgen empfing uns dann mit Sonne und mich ohne Schmerzen. Zum Glück, ich wusste ja, was uns heute noch beim Abstieg nach Cap Blanc erwarten würde. Diesen schweren Abschnitt meisterten wir frisch gestärkt nach dem Frühstück und war der Abschluss dieser harten Tour. Fortan ging es sanfter zur Sache und nach Cap Blanc am Parkplatz konnte Täve nun wieder auf den Roller, wir hatten festen Boden unter uns. Vorbei an vielen Dörfern, kleineren Wasserfällen und idyllischen Wäldern erreichten wir bald Grand Galet, ein faszinierender Wasserfall. Doch unser Weg sollte uns noch weiter hinunter führen. Wir brauchen Proviant. Doch kein Shop, kein Restaurant weit und breit. Nach 2 Stunden Fußmarsch dann ein kleines Fischrestaurant, die vorübergehende Rettung um sich zu stärken. Gegen späten Nachmittag waren wir auf 100m überm Meereshöhe, aber wir waren am Ende. Zelt aufschlagen! Ich dagegen musste noch einmal los, in der Hoffnung, um die Ecke einen Supermarkt zu finden. So viel Glück hatte ich nicht, aber es gab ein kleines Restaurant mit Shop. Überhungert viel zu viel gekauft, die Fressorgie am Zelt konnte starten. Wir hatten nun 2 Tage Extremtour hinter uns, ich war stolz auf meine Beiden, morgen war halber Ruhetag angesagt.

Tag darauf ab zum Meer, mit Absicht nicht als Strand deklariert. Sehr steinig, viele Lava-Klippen, Baden nur in kleinen abgetrennten Salzwasserbecken möglich, hohe Wellen, viel Strömung. Wir genossen die Sonne, das Entspannen und leckten unsere Wunden der Vortage. Am Nachmittag ging ich noch mit Täve einkaufen, wow, sind Biomärkte teuer. Wir bauten unser Camp nahe den Klippen auf, ein kleiner Park in Langevin gab uns Zuflucht. Entspannt und erholt planten wir die nächsten Strapazen.

5. Abschnitt La Réunion | Cirque de Cilaos

Nachdem wir über St.Joseph und St.Louis mit dem Bus erst an der Küste lang sind um dann nach Entre-Deux in die Berge zu kommen, wollten wir von hier eigentlich gleich noch die ersten Meter nach Dimitile hoch in Angriff nehmen. Jedoch war an meinem Meindl Schuh die halbe Sohle abgelöst. Das musste erst einmal repariert werden. Das kam uns aber sehr recht, denn dieser kleine beschauliche Ort versprühte an allen Ecken einen einmaligen Charme. Wir steuerten etwas außerhalb des Ortes das Camp Entre2Songes an, suchten uns im den originellen, aber unordentlichen Camp einen Platz im dichten Dschungel. Wir durchstreiften den Ort, hoben Geld ab, gingen einkaufen und bekamen auch hier, wenn abermals mit Problemen, unser Benzin. Wir aßen lecker in einer kleinen Kneipe kreolische Köstlichkeiten.

Tag darauf waren wir spät dran. Isabelle, die Camp Besitzerin sprach von einem Bus, der teilweise den Weg hochfahren würde, den wir komplett laufen wollten. Wir hechelten uns zum Bus, der auch gleich kam. Doch im Bus nicht mehr genügend Platz. Nur weit hinten 3 Plätze. Da Keiner der Einheimischen Anstalten machte, hinter zu rücken, musste ich über die Köpfe hinweg durch den engen Kleinbus durchrutschen. Ganz ohne Körperkontakt ging das nicht. Nach 30 Minuten war die kurvenreiche Fahrt zu Ende, auf der standen nun 1200 Höhenmeter nach oben. Kaum los gelaufen wurden wir auch schon wieder eingeladen, mitzufahren. Zwei Einheimische, nicht gerade seriös wirkend, brachten uns auf 1100m Höhe, wo die Asphaltstraße endete. Die verbleibenden 700 Höhenmeter waren kein Klax, aber der Ausblick motivierte uns und gegen Nachmittag bekamen wir diesen auch zu sehen. Genau hier bauten wir das Zelt auf. Mit Blick auf diese Kulisse schien die Zeit still zu stehen.

Wir waren nun am Kraterrand und wollten den nächsten Tag an diesem entlang, Richtung Dufour Hütte. Scheinbar nur 7km zu zwei idyllischen See, ein paar Höhenmeter, wir starteten später, diesen Abschnitt sollten wir doch hüpfend bewältigen. Es ging bald von der Piste runter und auf einen Wanderpfad, teilweise 2m neben einer 800m hohen Abbruchkante. Steil hoch, steil runter, die 2m flachen Passagen brachten nicht die erhoffte Erholung. Nun kamen auch noch Leitern dazu, eng, ausgesetzt, steil und auch wackelig. Bald erreichten wir den höchsten Punkt mit 2350m und Alle waren im Eimer. Würden uns die Seen Wasser bieten? Keine Ahnung, denn bis dahin kamen wir erst gar nicht. Ca. 2km davor kamen wir auf ein kleines sumpfiges Plateau mit Wasser. 5km in 6 Stunden nenne ich mal Schleichfahrt, später sollten wir im Netz lesen, dass es eine der härtesten Wanderungen auf Reunion ist. Zeltaufbau, waschen, Essen und ein wenig über den heutigen Tag lachen. 

Der nächste Morgen weckte uns mit Sonne, nachdem wir die Nacht mit Regen und Sturm durchgeschüttelt worden. Ziel sollte heute Cilaos sein. Wir liefen ca. 500m und standen nun am steilen Abstieg, in der Ferne zwei kleine Seen zu sehen. Wir fragten uns mal wieder bei diesem Abstieg, ob die Franzosen keine Serpentinen kennen, denn der Weg schlängelte sich mit wenigen Kurven gerade den Hang hinunter. Es waren nur 150hm, aber die reichten um danach erst einmal Pause einzulegen. Der Tag war schön. Sonne satt, ein laues Lüftchen, aber auch ein geschundener Körper, der seinen Geist nach Ruhe bettelte. Wir beschlossen also, nach 2km das Zelt schon wieder an den Seen aufzubauen, Täve gefiel es hier besonders. Ein Spielplatz nur für sich, die Seen nur 10cm flach, ideal zum durchwaden und baden. Den restlichen Tag relaxten wir, sammelten Holz für den Abend und waren erstaunt, wie viele Leute doch hier lang kommen und zur Hütte oder auf den Gipfel Piton des Neiges wollten.

Ich weiß nicht, was ich am vorangegangenen Relaxtag gegessen hatte, aber jedenfalls musste ich mich in der Nacht übergeben, fühlte mich heute schlapp und nicht bereit, den 1300hm Abstieg nach Cilaos in Angriff zu nehmen. Zwangspause an den Seen, das Essen wurde knapp, musste gestreckt werden, wir kamen aber hin. Den Vormittag verbrachte ich in der Horizontalen, es regnete draußen, Am Nachmittag ging es Beiden besser: dem Wetter und mir.

Am Folgetag fühlte ich mich wieder fit, Rucksack gepackt, auch den Roller und den Proviantrucksack in den großen Säcken verstaut um besser abzusteigen. Nach 1km erreichten wir den Einstieg. In engen Serpentinen, mit Leitern und Stahlkabeln gesichert, ging es flotter bergab als gedacht. Den ersten Teil bis zur Straße runter schafften wir in 2 Stunden, 800hm einfach so pulverisiert. Täve und Yvonne ohne Jammern durchgezogen. Wir durchstreiften die kleinen Orte nach Essbaren, fanden eine kleine Garagenkneipe, Ziel war aber Cilaos, dass von einem 100m tiefen Tal getrennt von uns war. In Cilaos angekommen, waren wir positiv überrascht. der wohl größte Ort der drei Talkessel war trotzdem kein Ort voller Hektik. Wir peilten das Camp etwas außerhalb und südlich an. Dort gesellten sich bald auch ein anderes Wanderpärchen hinzu, die Reunion auf der gleichen Art bereisten wie wir. Wir kamen intensiver ins Gespräch, tauschten Tipps und Erfahrungen aus. Danach bekam Täve als Belohnung eine Bootsfahrt auf dem Dorfteich, Abendessen in einem Kiosk und zurück am Camp Wunden lecken der letzten Tage.

Morgen sollte es runter an die Küste gehen, noch einen Tag Baden am einzigen richtigen Sandstrand in St. Gilles. Mit dem Bus ging es die engen und zahlreichen Kurven hinunter. Am Nachmittag bauten wir im Ermitage Camp zum letzten Mal unser Zelt auf, morgen würde uns Alexandre zeitig früh abholen, der Flieger nach Mauritius hob 10 Uhr ab.

6. Abschnitt Mauritius | Black River Nationalpark und Le Morne

Am Flughafen auf Mauritius angekommen, bekamen wir schon einen Vorgeschmack dessen, was uns an Gegenwind den ganzen Aufenthalt hier begegnen würde. Bei der Einreise hatten wir kein Hotel angegeben, nun mussten wir sie anlügen, uns was aus den Fingern saugen. Ohne Hotel kommt man hier anscheinend nicht rein. Bei der Gesundheitskontrolle ging es weiter. Ich musste dem netten Herrn Nachhilfe in Geographie geben. Wo liegt Madeira, was ist Kirgistan? Dann waren wir endlich am Gepäckband, nahmen den herunter gekommenen Mietwagen entgegen und fuhren etwas unsicher im Linksverkehr Richtung Bel Ombre, vorher schnell einkaufen und Benzinflasche auffüllen, auch hier mit Problemen. Wir parkten das Auto an den Luxus Resorts und wollten in den Nationalpark reinlaufen, wohl aber heute gerade mal so die Grenze erreichen. Auf dem Weg dorthin wurde uns von einem Safari Guide erklärt, dass man in diesen Park ohne Guide sowie so nicht rein kommt und der Park komplet eingezäunt ist. Mit letzterem hatte er Recht, was wir nach 3km schmerzlich erfahren durften. Wir zogen uns wieder zu einem See zurück, bauten unsichtbar für alle Anderen unser Zelt im Dickicht mit Blick auf einen baumlosen Bergkamm auf. Am Abend bekamen wir dann doch Besuch von einem jungen Mann. Wir hatte er uns gefunden? Ein Ranger auf diesem Bergkamm hatte uns die ganze Zeit beobachtet, beim Zeltaufbau, nackt baden und umher pirschen und verstecken. Wir waren auf Privatland, am Handy sprach ich mit dem Eigentümer, erklärte ihm unsere missliche Situation. Er gab uns eine Ausnahmegenehmigung, wollte uns sogar am nächsten Tag in den Park fahren, konnten wir aber nach den vorangegangen Äußerungen des Safari-Typs nicht verstehen und lehnten dankend ab. Der Abend war voller Anekdoten und Gelächter, so was hatten wir auch noch nicht erlebt.

Am nächsten Tag blieb uns nur eine Chance, ab in den Nationalpark zu einer Touristeninfo und Klarheit schaffen. Black River Eingang war das Ziel, nachdem wir wieder zum Auto zurückgewandert waren. Zur Not würden wir wenigstens dort eine Nacht campen, eine Parkkarte wies mit Zeltsymbol auf selbiges hin. Ernüchterung vor Ort: Keine Informationsstelle wie in anderen Parks und die, die gerade im Entstehen war, war geschlossen. Wir erfuhren jedoch von einem Mitarbeiter, dass hier im Black River Eingang kein Zelten erlaubt sei. Gott, spinnen die hier? Was nun? Sie hatten es so gewollt. Wenigstens durften wir uns im Park ohne Guide bewegen. Bevor sie es sich also anders überlegen würden, statteten wir dem Park einen Besuch ab, der 2 Stunden dauerte. Danach fuhren wir mit dem Auto hoch und direkt in den Park rein, nach einer Stelle suchen, die uns heute ein Camp bieten würde. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fanden wir eins, mussten aber die ganze Nacht mit der Angst leben, erwischt zu werden. Bei den Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen rechneten wir mit drakonischen Strafen.

Die Nacht heil überstanden, wollten wir zum Petrin Eingang fahren, eine weitere Touristeninfo. Hier sollten wir nun die Auskunft bekommen, dass das Symbol Zelt nur für Gruppen gelten würde und wild zelten verboten sei. Sie gab uns noch den Tipp mit den Affen, Täve strahlte über beide Ohren. Klar, dass nun die Affen Vorrang hatten. Keine 5 Fahrminuten am Grand Bassin Massenauflauf der schüchternen Kletterkünstler. Füttern, schauen und staunen. Anschließend wanderten wir auch vom Petrin Eingang durch den Park. Da unten in den Tälern einsame Schluchten. Warum darf man da nicht wandern? Nach der Wanderung entschlossen wir uns, Le Morne anzusteuern, eine Halbinsel mit angeblicher Camping Gelegenheit. Nach 3km Buckelpiste schlugen wir unser Zelt nun zwei Nächte hier auf, allein im Zelt, aber immer umgeben von Hotelgästen und den vielen Kite-Surfern.

Der nächste Tag, für Yvonne und Täve voll entspannt, sollte für mich „Angriff“ heißen. Ab auf den 500m Anstieg auf den Le Morne Felsen, sich und Andere schlachten. Mal wieder aktiv sein. Nach den langen Fahrten im Auto waren wir echt faul geworden. Ich startete früh, war gegen Mittag wieder am Zelt. Nun widmete auch ich mich dem relaxen, entspannen, Seele baumeln lassen und und und. Der Abend war schnell ran, wir planten die kommenden Tage. Wandertouren mit wild zelten im Hinterland waren nun passé, aber an den öffentlichen Stränden war das Zelten umsonst und legal. Die Leuten wollten wir hier kein Geld schenken, die waren sowie so gewohnt, die reichen Touristen in den Hotels auszubeuten, wir sahen und stanken nach Armut.

Am nächsten Tag wollten wir ein paar schroffe Gebirgsketten im Osten der Insel erkunden, natürlich zu Fuß. Ich hatte im Navi und auf der Landkarte einen Wanderweg erspäht. Ca. 1km vor diesem Wanderweg ein Schild „Privatgrund“. Orrr, ich war nahe dran, mir dieses Schild als Souvenir mitzunehmen. Es war noch nicht spät, aber ich resignierte. „Ab zum Strand, Zelt aufbauen, ich habe schlechte Laune!“ In Belle Mare fanden wir einen idyllischen Platz, den Rest des Tages erkundeten wir die Lavasteine im Wasser. Alle voller Leben und bunter Fische.

Am vorletzten Tag wollte ich der Insel noch eine Chance geben. Wir fuhren an die Westküste um dort andere Gebirgsketten zu erklettern. Wieder ein Schild „Privatgrund“, dieses Mal aber ohne Zaun. Wir folgten dem nicht markierten Wanderweg trotzdem, wurden wenig später darauf hingewiesen, dass es Privatgrund sei und schließlich doch durchgelassen mit dem Hinweis, dass es eine extrem schwere Bergtour sei. Bliblablubber! Die 350hm waren zwar anstrengend in der Hitze, aber nicht sonderlich fordernd. Nur Yvonne wollte schnell wieder von den exponierten Pfaden hinunter. Mit dem Auto fuhren wir nun an die Südküste, um für morgen nahe dem Airport zu sein. In Soulliac fanden wir ein traumhaftes Camp mit Sonnenuntergang. Die letzten Stunden auf Mauritius waren angebrochen, es wurde gepackt, Abend gegessen und zeitig am Schlafsack gehorcht, morgen sollten wir 4.30 Uhr aufstehen, der Flieger startete 8.30 in die Heimat durch.

 

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La Réunion

  • Reunion ist ein Traum, für Wanderer ein El Dorado, für Wildcamper ebenso
  • Le Bivouac lässt auf einem schmalen Grat der Legalität das wild zelten auf Reunion zu
  • es gibt immer und überall einen Platz um sein Zelt aufzustellen, manchmal muss man aber suchen
  • Wasser gibt es meistens (Flüsse, Sümpfe, Wasserlöcher), nur die Vulkanregion ist wasserarm
  • überall verstreut auf der Insel gibt es immer wieder rudimentäre, bezahlbare Campingplätze
  • französisch ist von Vorteil, die Einheimischen bemühen sich aber, sich auch so zu verständigen
  • Wetterseite ist Osten, tendenziell ist Salazie und die Hochebene also anfälliger für Regen
  • das Wanderwegenetz ist ausgezeichnet und super beschildert, ähnlich den franz. Alpen
  • mit den Bussen kommt man gut, sicher und zuverlässig voran
  • trampen ist leicht, man wartet nie lange, teilweise halten die Autos auch ohne Zeichen an
  • das Wetter wechselt schnell: heiße Sonne, kalte Nächte, Wind und Regen (keine Schönwetterinsel)
  • doch noch sehr europäischer Einfluss, vieles wird neu gemacht oder ist neu (Dank der EU)
  • es gibt wenig Tiere zu sehen, dafür Unmassen an Pflanzenarten, wahrlich ein Dschungel

Mauritius

  • Mauritius ist nichts für Individualtouristen, 3 Tage als Badeverlängerung reicht allemal
  • wild zelten nur an öffentlichen Stränden erlaubt
  • es gibt keine bezahlbaren Campingplätze
  • Wanderwege nur im Nationalpark beschildert und das auch noch sehr verwirrend
  • traumhafte Strände, sauber und sicher
  • bei der Einreise mit dem Hotel besser lügen als Diskussionen zu provozieren
  • Schönwetterinsel, viele Pauschaltouristen
  • verarmter, indischer Touch, sehr hilfsbereit, englisch wie französisch kein Problem
  • es gibt Affen, Schweine und Hirsche auf der Insel, sicher nicht endemischer Herkunft

 

Im Rahmen einer Reise nach Madagaskar oder in die Drakensberge könnten wir uns noch einmal einen Abstecher nach Reunion vorstellen. Die Natur begeistert einen dermaßen, dass man als Einsamkeit Suchender die meist allgegenwärtige Zivilisation ausblendet. Ohne Einschränkung können wir Reunion empfehlen. Zu Mauritius sei nur eines gesagt: Es ist das erste aller unser bisher bereisten Gebiete, was wir Keinem weiterempfehlen würden, der auf unsere Art reisen möchte.

 

 

 

 


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