Kurztrip Schweiz 2014 |

Mein erstes Mal | Aller Anfang ist leicht

 

 

Vorwort

Irgendwo und Irgendwann kam ich mal auf die Idee, meine zwei Passionen zu verbinden, wild zelten und radfahren. Was lag also näher als mit dem Rad eine Tour zu starten. 2014 hatte ich noch kein Reiserad, also musste das Winterrad herhalten, mit Semislicks ein bisschen getunt, aber immer noch schwer ohne Ende. LowRider und Taschen wurden noch schnell angeschafft und bald sollte es losgehen. Die Route wurde ab/an Haustür geplant und so trieb es mich in die Schweizer Westalpen. 5 Tage wurden als Richtwert genommen, ob ich das durchhalten würde, könnt Ihr nun hier erfahren.

 

Tag 1 | Viel Stress um runter zu kommen

Es war mal wieder Stress auf Arbeit, also ging ich den halben Tag noch arbeiten und startete etwas verspätet direkt von Arbeit aus. Kurzer Zwischenstopp zu Hause um das Gepäck auf zu laden. Gott, allein die ersten Meter mit den 25kg fühlten sich nicht gerade so an als ob man damit weiter als bis zum Bäcker um die Ecke kommen würde. Das hatte ich mir tatsächlich einfacher vorgestellt. Also ging es langsam in Richtung Grenze und ab da dann relativ hügelig über die Thur hinweg nach Flaach. Mit jedem Kilometer fing es an Spaß zu machen. Bald ignorierte ich auch den Geschwindigkeitsmesser und kam mehr und mehr in den Relaxmodus. In der Weltgeschichte umher schauen, anhalten, Fotos machen. Es verging so viel Zeit und dann saß mir der Stress doch wieder im Nacken. Nun war es die eintretende Dunkelheit.  Der südlich gelegene Wald bei Berg am Irchel hatte es mir angetan. Hier waren wir schon einmal wandern und hatten bei den Koordinaten 47.55996 N | 8.581438 E eine offene Hütte mit Brunnen und Lagerfeuerplatz entdeckt. Dort kam ich gerade noch so in der Dämmerung an um mich auszubreiten. Es wurde ein Feuerchen entfacht und für Ende Mai war es eine laue sternenklare Nacht. Lange hielt ich es nicht aus, ich war echt todmüde und freute mich dermaßen auf meinen Schlafsack, dass ich bald in ihm verschwand.

Tag 2 | Durch und durch ein Radfahrtag

Zeitig war ich munter, die Geräusche des Waldes und sicher ein wenig die Angst erwischt zu werden taten ihr übriges, dass ich 7 Uhr aufstand. Reichhaltiges Frühstück sollte die Grundlage für einen tollen Radtag darstellen, die Wetteraussichten konnten nicht besser sein. Auf Schotterpisten und Forststraßen ging es nun erst einmal wieder bergab und weiter in Richtung Zürich. Immer wieder ging es auf ruhigen Straßen über Dörfer, über kleinere einsame Gebirgsketten und dann aber auch wieder über belebte Verbindungs- und Schnellstraßen und durch große Ortschaften. Ziemlich überbevölkert, aber trotzdem mit dem Fernblick auf die Alpen mit gewissem Reiz. In Oetwil dann das verdiente Päuschen an der Limmat. Ich lag gut in der Zeit und musste nur in der Dämmerung wieder ankommen. Daher dehnte ich die Pause nicht länger als nötig aus, sonst wäre ich gar nicht mehr hoch gekommen. Den Hallwilersee ließ ich südlich liegen und spulte langsam aber stetig meine Kilometer runter. Bald war ich in Willisau angekommen und nun wurde es schlagartig ruhiger, die Autos weniger, die Straßen enger und die Natur unberührter. Ziel war die Wiggernalp unterhalb des Gipfel Napf. Es handelte sich dabei um eine Sackgasse. Der Asphalt hörte ca. 500 m vor der Hütte auf. Dort angekommen fand ich pure Stille und Einsamkeit vor. Hier war ich richtig, der Anstieg war alle Mühen wert. Die Hütte war einladend um wieder das Tarp eingepackt zu lassen. Nur wo war das Wasser? Die ganze Zeit bin ich an einem Bach hoch gefahren und nun kein Geräusch von Wasser. Wollen die mich verarschen? Ohne Wasser wäre der Platz nutzlos, ich hätte weiterziehen müssen. Doch dann, eine Windbrise zauberte ein leises Rauschen in meine Ohren, ich folgte diesem Geräusch und keine 500m weiter sah ich in einem breiten ausgetrocknetem Flussbett ein 1m breites Rinnsal. Das sollte zum Waschen und Wasser holen reichen. Entspannt breitete ich mich in der Hütte aus. Schutz von oben war gewährleistet, aber ansonsten war es in der Hütte recht zugig. Es fehlten hier und da ein paar Balken und der Boden war aus Natur. Aber alles noch hinnehmbar und besser als unterm Tarp. Ich ging mich nun erst einmal waschen, während ein Feuerchen dahin loderte und für Glut sorgen sollte um bald darauf das Essen zu kochen. Der ganze Tag war herrlich gewesen. Viel Sonne, nicht allzu heiß und der Abend mit sternenklarer Nacht wieder einmal perfekt. Ein wenig hielt ich noch Kontakt zu Yvonne und meinen Freunden übers Handy und ging dann doch der Erschöpfung wegen nach dem Essen ins Bett.

Tag 3 | Nun war Durchhaltevermögen gefragt

Die Nacht über hatte es angefangen zu regnen und das durchaus eindringlich. Die Hütte hielt dicht und das Geräusch des Regens ließ mich immer wieder geruhsam einschlafen. Am Morgen jedoch machte ich mir erste Gedanken im Schlafsack. Das Wasserrauschen war noch immer zu hören. „Mann Mann, wie lang soll das denn noch regnen?“ Ich quälte mich also eher unmotiviert aus meinem Bett, zog mich an und öffnete die Tür. Wer spielte mir denn hier einen Streich? Es regnete gar nicht mehr und das sicher schon seit ein paar Stunden. Der Boden vor der Hütte war zwar noch nass aber nicht durchnässt und auch keine Pfützen zu sehen. Da fiel es mir ein, da war doch ein Flussbett hinter der Hütte. Dort, wo gestern nur ein Rinnsal war, stürzte mittlerweile ein reißender Strom ins Tal hinab, die Quelle des rauschenden Geräusches. Bums und schon war die Motivation wieder da. Kocher an, frühstücken, Klamotten packen. Ein Wanderer kam des Weges und sagte nur „Coole Aktion!“ Meine Rede, also ab aufs Rad und wieder ab ins Tal. Keine zwei Kilometer sollte ich frieren, es war schon kalt, keine Sonne in Sicht. Rechts ging es nun auf schmaler Straße hoch auf den Kamm und über kleine Gehöfte Richtung Menzberg und runter zum Chrachenbach. Boar, war das Tal schön idyllisch und just hier kam die Sonne raus. Sollte es etwa heute doch noch schön werden? Die Prognosen zeichneten ein anderes Szenario. Ich folgte dem Talverlauf weiter bis zur Bundesstraße 10, wo ich es nun in Richtung Entlebuch wieder mit mehr Verkehrsaufkommen zu tun bekam. Aber ab da sollte es ja gleich wieder auf eine Nebenstraße zum Glaubenbergpass hochgehen. Ein eher unbekannter Pass und der einzige, der aktuell auch geöffnet war. Ich schaltete am Einstieg fast alles, was zur Verfügung stand und genoss nun den Anstieg genau so wie die umliegende Natur. Früher hatte ich bei Passauffahrten mit dem Rennrad immer nicht gerade Lust nach links oder rechts zu schauen, da galt das volle Interesse der Pulsuhr. Keine Ahnung mehr, wie lange ich gebraucht habe. Einige Fotostopps und sicher 2-3 Stunden später war ich dann oben. Währenddessen immer abwechslungsreiches Wetter mit Sonne und dicken grauen Wolken, aber kein Regen.  Nun chillte ich erst einmal auf der Abfahrt nach Sarnen, doch mich störte ein permanentes Ruckeln beim Bremsen. Ich konnte diesen Störfaktor bereits gestern feststellen, aber nicht lokalisieren. Nun war er aber gefunden. Ich hatte wohl die Vorderradfelge ein wenig zu lange beansprucht. Die Bremsflanke war auf 5cm mittig längst eingerissen. Genau an dieser Stelle ruckelte es nun immer wieder. Ich nahm erst einmal ein wenig Druck aus dem Reifen und bremste fortan sehr hinterlastig. Einen Flankenbruch konnte ich mir in der Schweiz nicht leisten. Ein Felgenkauf wäre hier einer in Deutschland neuen Radanschaffung gleich gekommen. In Sarnen dann Mittagspause, aus alten Zeiten und der Heimat verbunden, an einer Tankstelle herumlungernd. Ich war kaum fertig mit meinem Päuschen, da fing es an zu regnen. Ein kurzer Schauer, ich nahm ihn geduldig hin, Zeit war noch genug, Ziel sollte heute der am Vierwaldstätter See gelegene Seelisberg sein. Auf nassen Straßen begab ich mich weiter in Richtung Kerns, nur 2km von Sarnen entfernt. Ich musste mich wieder unterstellen, ein erneuter Platzregen erwischte mich, der bald in einen Dauerregen überging. Zeitlich hatte ich mittlerweile meinen Puffer aufgebraucht, also entschied ich mich für einen Notfallplan und schaute im Internet nach einer Übernachtungsoption. „Ich Weichei“ dachte ich mir nur. Revue passierend würde ich mittlerweile nicht gleich einknicken und hätte eher noch den weiteren Wetterverlauf abgewartet.  Hier aber hatte ich doch schon ein wenig resigniert. Ich fand dann eine Schlafen-im-Stroh-Möglichkeit am Seelisberg, rief kurz an und klärte alles ab, dass ich gegen 19Uhr da sein würde. Das motivierte mich nun, im Regen weiter zu fahren.  Ein wenig ärgerte ich mich dann schon als kurz vorm Einstieg zum Seelisberg der Regen aufhörte und sogar die Sonne noch einmal zum Vorschein kam. Die Zeit lag mir nun im Nacken, der Anstieg hatte noch gute Länge, also musste ich, sofern überhaupt möglich, mal Druck machen. Am See Seeli angekommen empfing mich eine tolle Alpenidylle. Unberührtes Dörfchen, ruhiger See, eingebettet in saftig grünen Wiesen. Ich dachte nun am Ziel zu sein, es war eine 19 Uhr Punktlandung, aber nein ich hatte mich geirrt. Der Weg sollte mich noch weiter auf der Wissigstraße zum Heuhotel Ziegler führen. Das Ziel war nicht mehr weit und keine halbe Stunde später stand ich vor der Scheune. Mit der Besitzerin war alles schnell geklärt. Hier die Dusche, da schlafen, her mit dem Geld und schönen Abend noch. Ich war allein in der Unterkunft und suchte mir ein kleines Separee aus. Ich war gerade beim kochen als es auf das Blechdach hämmerte. Wieder ein Starkregen, dieses Mal an Intensität und Dauer kaum zu übertreffen. Danke für die Bestätigung. Nun sollte ich wirklich kein schlechtes Gewissen mehr haben, nicht wild gezeltet zu haben. Ich aß dann gemütlich mein Essen, während der Fön die Klamotten trocknete. Zeitig fiel ich strohgebettet in den Schlaf.

4.Tag | Ein langer Heimweg

Heute wachte ich ohne Regen auf und brauchte mich auch nicht ums Frühstück kümmern. Ich durfte direkt bei der Herrin des Hauses in der Küche frühstücken. Wir kamen ins Gespräch wie schön doch hier oben das Landleben und einen Bauernhof zu haben sicher eher Segen als Fluch sei. Packen musste ich heute auch weniger und kam so sehr zeitig los.  Da Yvonne bereits heute den Heimweg von Dresden aus antreten wollte, warf ich auch meinen Plan über den Haufen und peilte mein Kompass auf „Zu Hause“.  Das bedeutete aber gleichzeitig den längsten Ritt der Tour und sicher auch nicht gerade das attraktivste Gelände. Erst einmal begab ich mich runter zur Fähre Treib um nach Ingenbohl über zu setzen. Heute blieb es erst einmal trocken, nur eine dicke Wolkendecke trübte meine Stimmung. Ich wählte den kurzen, aber bergigen Weg über Sattel nach Rapperswil. Von dort ging es nach Winterthur, wo ich eine Pause einlegte, weil es mal wieder anfing zu regnen. Och, hatte ich die Schnauze voll. So sehr, dass ich sogar die Schweizer Bahnpreise akzeptiert hatte und mit dem Zug nach Stein am Rhein fahren wollte. Ich lag sowieso schlecht in der Zeit und wollte nicht erst spät am Abend ankommen. Nach einem Anruf bei meinem Puppenarsch war dann klar, dass auch sie später am Abend daheim sein würde. Also saß ich die Regenfront aus und fuhr nun ohne Druck nach Hause. Zu Hause schloss ich die Tür auf und Yvonne war vor 5 Minuten auch erst angekommen. Punktlandung!

 

Fazit

Es hat Spaß gemacht, auch bei bescheidenem Wetter. Zwei Leidenschaften zu vereinen kann ja eigentlich nicht schief gehen. Nur der Fahrspaß mit dem schweren, kaputten und in die Jahre gekommenen Hobel hielt sich in Grenzen. Die Tour 2015 mit dem neuen Rad hat bewiesen, dass ich ein Wiederholungstäter geworden bin und auch Yvonne davon begeistern konnte. Auch 2016 wird so eine Tour wieder fest eingeplant. Wohin es gehen soll? Noch ungewiss, aber auf jeden Fall wieder durch die Alpen und wild zelten.


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