Kirgistan 2016 |

Kirgistan, Kirgisistan, Kirgisien, Kyrgyzstan | Mehrere Schreibweisen für EIN Traumziel

 

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32 Seiten Bericht
Der erste Eindruck | 1.Resümee nach dem Urlaub
Wollt Ihr virtuell dabei sein?
Wie es dazu kam
Wie aus Urlaubern Kirgisische Tierbesitzer werden
Die Planung ist vorerst planlos im Gange
Der Plan geht in die Planung

 

DAS REISEZIEL IM ÜBERBLICK

Land | Region

Zentralasien | Kirgistan

Reiseroute

Issyk Kul - Tien Shan - Terskej Ala Too Gebirge - Song Kul

Reisezeit | Dauer

05.August bis 31.August 2017 | 26 Tage

Klima | Wetter

trocknes, warmes Kontinentalklima | tagsüber Sonne, gegen Abend immer Wolken und Gewitter, ab und an Regen, auf den 4000m Pässen einmal Schnee und Minusgrade, sonst um die 25 Grad

Reiseart | Aktivität

zu Fuß gewandert | vor Ort zwei Esel als Lastentäger gekauft

Übernachtung

1.Nacht in Karakol und letzte Nacht in Bishkek flugbedingt im Hotel, sonst 23 Nächte im Zelt

Flora | Fauna

bis auf 2000m Kiefern und Sträucher, darüber Wiesen mit vielen Blumen | viele Murmeltiere, Adler und Mäuse, seltene Tiere wie Wölfe und Schneeleoparden haben wir nicht gesehen, viele Pferde und Nutztiere, die frei herumlaufen

Sicherheit | Tourismus

Den Sherpas/Porter der Wandergruppen sollte man mit Misstrauen entgegen treten, die Einheimischen sind gastfreundlich und laden gern zu einem Tee ein | Die touristischen Wanderpfade um Karakol sind überlaufen und vermüllt, abseits davon kann man auch mal 3 Tage keinen Menschen treffen

Anreise

Mit Flugzeug entweder via Istanbul oder Moskau nach Bishkek, 6 Std. Transfer nach Karakol (Taxi 45 Euro/ Bus 8 Euro)

Wildnis Faktor

sehr hoch bis maximum | legal wild zelten, wo man will, eine Stelle schöner als die andere, sauberes Wasser, Holz für Lagerfeuer in niederen Lagen, unberührte Natur, abseits der Hauptpfade nichts los

 

 

Nun kann es etwas genauer werden | 15.000 Wörter geballtes Abenteuer   zurück zur Liste

Wer den Bericht über 31 Seiten gern herunterladen möchte, findet hier wieder eine 31-seitige PDF mit Bild und Text. (71MB)

Vorwort
Wenn man nach einer Woche schon feststellt, dass Kirgistan Hawaii, Kanada und Island um Weiten schlägt, dann weiß man, dass man bei der Wahl des Reiseziels dieses Mal genau richtig lag und es zeigt, dass es nicht immer die bekannten (Traum)ziele sein müssen.

Eine Woche ist es nun her und der Urlaub fand sein jähes Ende. Dieser Urlaub war schon bereits bei der Planung anders als die voran gegangenen und wieder wussten wir, dass der Plan nie oder nur selten erfüllt wird, denn wie so oft bei solchen ungewissen Abenteuern wird man tagein tagaus vor neue Herausforderungen gestellt. Was war an diesem Urlaub anders? Sicher nicht die Transportmittelwahl, denn mit Eseln hatten wir ja bereits Erfahrung (dachten wir jedenfalls…). Nein, dieser Urlaub war so komplett, heißt keine zeitraubenden Zwischentransfers mit Flug, Auto, Fähre oder Bus. Keine Hotelübernachtungen zwischendurch, keine Orte, wenig Menschen. Endlich mal am Stück 23 Nächte im Zelt verbringen und am Ende vielleicht ein klein wenig wie Nomaden leben.

Und ja, irgendwie , irgendwo und irgendwann bemerkten wir nach kurzer Zeit, dass uns Kirgistan einen richtigen Flash versetzt hat. Wie man das verstehen soll? Man hat eben bestimmte Ansprüche an ein Reiseziel, die bei uns klar gesteckt sind: wild zelten, wo immer und wie lange man möchte / wandern ohne Verbotsschilder / die Natur (Holz, Wasser) für sich nutzen / wenig Zivilisation und Touristen / Kontakt mit Einheimischen / interessante Kultur und Menschen. Kirgistan passt wie die Faust aufs Auge. Unglaublich, aber das hatten wir nicht erwartet.

Zur Reise selbst
Die Anreise und auch spätere Rückreise ging über Istanbul,über KiwiTaxi buchten wir für 80 Euro einen Direkttransfer vom Flughafen nach Karakol. Wir wollten Zeit sparen um schnell und direkter nach Karakol zu kommen. Die Attribute „schnell und direkt“ nahm unser Taxifahrer sehr ernst. Er umfuhr den Issyk Kul nördlich und ob Asphalt oder Piste, er fuhr immer Vollgas, hupte Passanten vom Zebrastreifen weg, fuhr an einer Baustellenampel direkt durch die Baustelle, während die Bauarbeiter rumwetterten. Dann aber wurde sein Fahrfluss von der Polizei gestoppt und was dann geschah, passierte bis nach Karakol noch weitere 10-mal. Er stieg aus, schüttelte dem dienst-beflissenen Polizisten die Hand, ein wenig Smalltalk und die Fahrt ging ohne Konsequenzen weiter. War ich dann einmal doch eingeschlafen, wurde ich schlagartig wachgerüttelt und mein Genick schmerzte. Gott, was für eine Fahrt. Mit einer halbstündigen Pause waren wir dann nach 6 Stunden in Karakol. In Karakol ging es ins Caravan Hotel, welches direkt einen Supermarkt hatte, wo wir für 3 Wochen Essen kauften. Auf dem nahe gelegenen Basar wurde Obst und Gemüse frisch gekauft. Wir trafen noch unseren Esel-Dealer um uns für den darauf folgenden Tag zu verabreden.

1.Woche | Unterwegs im touristischen Kirgistan

Samt Esel brachte uns Dennis zum Karakol Nationalpark Eingang, dort wurden die Esel gesattelt und bepackt. Kurzerhand wurden die vorab vergebenen Namen Stalin und Lenin durch unseren Sohn in Pony und Pommes umgewandelt. Das Wetter sollte angeblich die kommenden 2 Wochen super werden, was die vergangenen Wochen nicht der Fall gewesen sein muss. Das sahen wir auch an den Wasserständen und Schäden an den Flussläufen. Zwischen Wald und Wiesen ging es immer höher, die erste Nacht verbrachten wir auf 2200m. Immer wieder sahen wir Einheimische, Touristentrucks oder Wanderer. Viele waren hier allein unterwegs um die klassische Runde über den Ala-Kol See zu wandern. Wir mussten hier notgedrungen Stopp machen, der Fluss hatte den linken Weg weg gespült, es gab einen Umweg über den linken Steilhang, den wir Tag darauf in Angriff nahmen. Da dachten wir, dass furten und Brücken die größten Probleme für die Esel seien, mit denen wir uns konfrontiert sahen, kam es ganz anders. Der eine Esel war auf einem Auge blind und dazu noch faul (die Pony) und der andere aggressiv und stur (der Pommes). Die Pony konnte an Berghängen die Lage nicht einschätzen und trotz vorsorglicher Versuche, die Lage mit dem einen gesunden Auge akkurat abzuscannen, scheiterten die meisten Balanceakte und Pony stürzte, rutschte, kippte, was damit endete, dass sie irgendwo mit Gepäck da lag und sich nicht mehr regte. Yvonne meinte irgendwann „Das ist kein Esel, das Tier blamiert diese Rasse.“ Obwohl beide Esel männlich waren, meinte Yvonne, dass Pony ab jetzt „die Pony“ ist, weil sie keine Stärke und Ausdauer bewies. Im folgenden lief es dann wieder besser.

2.Nacht war dann das Camp am Ala-Kol Abzweig, was neben dem Parkeintritt von 250SOM(3€) auch 150SOM kostete. Uns war aber leider nicht klar, für was wir hier bezahlten. Der Platz vermüllt, Pony fraß sogar die Aluhüllen, keine Mülltonnen, überall zugeschissene Felsen und Büsche. Da fragen wir uns immer, ob wir die Einzigen sind, die unseren Müll wieder mitnehmen. Wir ließen den Blick in die Ferne schweifen und versuchten, den Müll auszublenden. Wohl bemerkt war das die vermüllteste Ecke im ganzen Urlaub. Touris, Guides und Trekkingfirmen sollten hier mehr darauf achten, dass das Zeug auch wieder mitgenommen wird. 2500m Höhe, keine Anzeichen von Höhenkrankheit, Tag darauf nahmen wir den Pass Teleti in Angriff. Die Esel wurden uns als „gut trainiert“ angepriesen. Bereits bei den Brücken- und Flussquerungen merkten wir, dass das nicht die Trekkingesel sind, die wir erwartet hatten. Dass sie uns aber in noch wesentlich misslichere Lagen bringen würden, zeigte sich am Teleti, einen Pass, der anscheinend in Kombi mit dem Ala-Kol sehr häufig gemacht wird.

So kamen uns meist geführte Gruppen mit leicht bepackten Wandertouristen entgegen, die Porter (wie Sherpas die Gepäckträger) folgten parallel diesen Gruppen. Während wir von 10 Guides 11 unterschiedliche Meinungen hörten, wie man Esel belädt, erzieht und voran treibt, machten wir uns eher Gedanken darüber, wie wir diesen Pass schaffen sollten. Die Faultiere wollten einfach nicht laufen, wir entlasteten sie bereits und fanden uns selbst in der Rolle von Eseln wieder. Auf 2900m entschied ich, ein Teil des Gepäckes auf 3200m zu schleppen um dann später zurückzukehren und die Esel nachzuholen, ein folgenschwerer Fehler. Ich deponierte die Taschen auf 3200m, etwas versteckt. Prall gefüllt mit Handys, Satellitentelefon, Navi, Solarpanel, Pässen und jeder Menge Geld. Mit etwas mulmigen Gefühl holte ich Yvonne, Täve und die Esel nach. Neben dem Stein, wo die Tasche abgelegt wurde, war das Gras flach gedrückt, aber die Taschen waren weg.

Der einzige Spruch meiner Freundin „Nun zeig‘ mal wie fit du wirklich bist und tret‘ den Idioten in den Arsch“….Und weg war ich. Uns war klar, dass die zwei blauen Taschen (die andere davon war mit Kocher und Benzin voll) auf den Weg nach unten waren, denn es scheint üblich zu sein, den Pass von West nach Ost zu gehen. Mit gemischten Emotionen aus Geheule, Geschreie und Wut im Bauch rannte ich, was Kondition und Wegbeschaffenheit hergaben. Dabei bewegte ich mich im grenzwertigen Bereich. Mit den Worten von einem Guide in den Ohren, dass hier selten was geklaut wird, überholte ich alle Wanderer und Guides, die uns den heutigen Tag entgegen kamen. Natürlich traf ich diesen einen Guide wieder, der nun doch erstaunt war, dass hier doch geklaut wird. „Call the police and everything is fine“ Welche Drogen nimmt der? Wie sollte mir hier und jetzt in dieser Situation die Polizei helfen? Weiter ging es. Während die Wanderer vorsichtig die Flüsse furteten und langsam die wackligen Brücken passierten, rannte ich durch die Flüsse einfach durch und übersprang wie eine Gazelle die Brückenkonstrukte. Nun merkte ich auch den Trailrun downhill, erste Krämpfe machten sich bemerkbar. Alle Versuche, ans Wasser zum trinken zu kommen, scheiterten mit Krämpfen. Ich überholte immer mehr Leute und rechnete damit, dass die Porter, die uns das Gepäck gestohlen hatten nicht weiter als bis zum Gorge Camp Karakol auf 2500m gehen würden, da dort bereits ein Camp aufgebaut war und von den Trekkingfirmen genutzt wurde. Bis dahin war es aber ein langer Weg. Nach ca. 1 Stunde, 11km, 700hm und 1000 Gedanken wie Reiseabbruch im Kopf erreichte ich das Camp. Zum Glück sprachen einige Guides englisch. Bevor ich mein Anliegen erklären konnte, fiel ich erst einmal zu Boden. Ich wusste, dass ich heute keinen Meter mehr gehen würde. Nur das Adrenalin in mir hielt mich am Leben. Im Camp waren ca. 35 Porter um mich versammelt, Einige davon schauten sehr erstaunt (sie hatten wohl nicht mit mir gerechnet!). Die Touristen waren dagegen mit sich selbst beschäftigt. Da ich nicht wusste, welche Porter die Taschen mitgenommen hatten, konnte ich nur mutmaßen, dass die Porter in diesem Camp waren. Zuvor hatte ich zwei andere Camps im vorbeirennen gesehen, aber mein Gefühl führte mich hierher. Eine lange Diskussion zwischen englischen und russischen Dialogen folgte. Viele Porter bestätigten, die Taschen gesehen zu haben, aber nicht mehr. Es war nun schon 17 Uhr. Mir kam die Idee, zu fragen, ob Jemand ein Satellitentelefon besäße, mit dem ich einen Freund in Deutschland anrufen könne. Der könne mir sofort sagen, wo aktuell das Gepäck ist, da ja in den Taschen auch mein Satellitentelefon mit aktivierten Tracking war. Am folgenden Tag sollte ich feststellen, dass just nach dieser Frage 10 Minuten später mein Telefon manuell ausgeschaltet wurde. Natürlich konnte Keiner mit einem Telefon aushelfen, also gingen die Diskussionen weiter, verliefen aber zunehmend ins Leere. Ich sah kein Erfolg und konzentrierte mich nun mehr auf meine Freundin und mein Sohn, die allein auf 3200m Höhe auf mich warteten und sicher nicht hilflos, aber verängstigt waren. Meine Frage, ob mich Jemand mit Pferd hochbringen konnte, wurde lachend mit „Du hast doch kein Geld!“ beantwortet. Ich lockte mit einer Flasche Rum und hatte Glück im Unglück. Der bereits nach Alkohol riechende Pferdebesitzer willigte mit großen Augen ein und gegen 18 Uhr wollte ich bereits enttäuschend den Heimweg antreten. Auf einmal ein Aufschrei „Die Taschen sind hier!“ In Winnetou-Manier sprang ich vom Pferd und rannte zu dem Zelt, wo die Taschen mittig am Boden lagen. Die Porter im Zelt wollten wissen, wo ich denn die Taschen abgelegt hatte und dementierten, dass es der gleiche Ort war, an welchen sie diese gefunden hatten. Später zurück im Zelt stellte ich anhand der Trackingdaten jedoch fest, dass die Taschen von meinem Ablageort bis zum Camp runter stets in Bewegung waren. Kurzum, die Porter wollten Finderlohn, ich musste den Ritt zum Zelt zurück bezahlen und blätterte alles in allen umgerechnet 50 Euro dafür hin. Im Nachhinein war es eindeutig Diebstahl, aber egal. Die Taschen waren noch komplett, alles da, nix fehlte, der Urlaub konnte also weitergehen.

Am Zelt empfingen mich meine Lieben mit Winken und roten Augen. Sie hatten wohl im Zelt bereits auch Tränen gelassen, im Gedanken an einen Urlaubsabbruch und dass mich die Porter zusammen geschlagen hatten. Nun war alles wieder gut, ich nahm erst einmal einen tiefen Schluck aus der Rum-Flasche. Glaubt mir, ab diesem Zeitpunkt haben wir keinen Porter mehr getraut. Wir hätten es wissen müssen, denn einen Tag zuvor hatte bereits ein Porter einen Ortlieb-Lebensmittelsack einfach eingesackt, den ich später nachholen wollte. Ich erwischte ihn gerade noch dabei, wie er ihn verstauen wollte. Also über diese Porter gibt es die schlimmsten Geschichten und so unglaubwürdig sie klingen mögen, sie sind wahr.

Die nun folgenden Tage und Wochen sollten wesentlich entspannter für Kopf und Beine verlaufen. Am meisten wurden die Oberarme beim schieben, drücken, ziehen, halten und zehren der Esel beansprucht. Den Lohn dieser Mühen sollten wir erst nach einer Woche ernten, dazu später aber mehr. Wir probierten die kommenden zwei Tage auf dem Weg zum Pass weitere Packtechniken aus, aber stets verrutschte das Gepäck. Waren unsere Esel zu unförmig? In Frankreich war uns das nie passiert, aber wir erinnerten uns an die Aussage, dass Esel beim festzurren der Gurte am Bauch ausatmen, damit die Gurte dann locker sitzen. Dumm sind die ja wirklich nicht. Nach dem gestrigen Tag wollte ich heute eigentlich einen Ruhetag für Geist und Körper einlegen, aber mein Weib peitschte die Esel und mich weiter den Pass hoch. Heute wollten wir ihn schaffen, aber nach bereits 3(!) Kilometern gaben wir wieder auf. Es wollte einfach nicht funktionieren. Die Chemie zwischen den Eseln und uns war nicht vorhanden. Wir fütterten sie mit Karotten, striegelten sie am Abend, als Dank bekamen wir Tritte von Pommes. Tagsüber wollten sie nicht laufen und Pony legte sich in immer kürzeren Intervallen hin, aber beim morgendlichen Einfangen konnten sie auf einmal mit den Pferden weg galoppieren. Wir hatten die Schnauze voll, im Gedanken planten wir das heutige Abendmahl mit Eselsalami. Auf 3300m campierten wir abermals am Pass und fassten einen letzten Entschluss. Morgen bepacken wir die Esel maximal, mit unseren beiden Kraxen und mit allen Gepäck. Ein Guide meinte, die laufen nur voll bepackt, ansonsten fühlen sie sich gelangweilt. Tag darauf also ein letztes Experiment, jedoch steckte ich am Vortag das Tagesziel nicht besonders hoch. Ich brachte bereits einen kleinen Teil der nicht wertvollen Verpflegung auf 3500m und versteckte es dieses Mal so gut, dass ich es kaum wiederfand. Bis dahin waren es 5km, mindestens sollte es bis dahin laufen, gern aber wollten wir endlich mal über diesen nicht-enden-wollen-Pass. Je höher wir kamen umso mehr verschlechterte sich das Wetter, es graupelte mit ordentlich Wind, Wetterbesserung nicht in Sicht. So kam es, dass wir beim Gepäckdepot auf 3500m nun doch das Camp errichten mussten. Die Esel zeigten heute mit mehr Gepäck besseres Engagement, wir mussten uns nur noch mit den wenigen Stärken und vielen Schwächen arrangieren.

Das Camp war eines der besten im Urlaub, denn kaum war das Zelt errichtet, kam die Sonne raus und es wurde noch ein richtig toller Tag. Täve und ich pflückten und schnitten Wildschnittlauch, meine Freundin sonnte sich im windgeschützten Zelt. Wir spürten nun schon ein wenig die Höhe, ich kam beim Schnittlauch pflücken bereits außer Atem. Täve dagegen zeigte keine Anzeichen, uns freute es, da wir dies anfangs zu den größten Problemen zählten.

Okay, also morgen sollte der Gipfel- oder besser Passsturm erfolgen. Positiv an der Stückelung des Passanstieges war die ideale Höhenakklimatisierung, aber der Plan Song Kul zu erreichen war jetzt schon in Ferne gerückt, was aber dem Ganzen kein bitteren Geschmack gab, im Gegenteil: Nun waren wir nicht mehr vom Ziel an sich getrieben, sondern der Weg war das eigentliche Ziel. So, der 3.Tag im Pass, das Wetter war auf unserer Seite, wolkenfreier Himmel. Wie immer war der Pass natürlich nicht dort, wo wir ihn erwartet und ich ihn immer wieder prognostiziert hatte. Hinter dieser Ecke, nein hinter der nächsten, ach nee, noch eine Kuppe, aber dann war er zu sehen, mit Menschenmassen bespickt. Diese 300hm liefen so geschmiert, wie sahen erste Erfolge, die nach einer kurzen Pause auf dem Pass jedoch von einem herben Rückschlag so überschattet wurden, dass mittlerweile ein Pferd-Tausch-Kauf-Geschäft zur Diskussion stand. Ein Abschnitt von 50 Meter bestand nur aus einem fest getretenen schmalen Pfad im Schotterhang, eigentlich kein Problem für Vierbeiner. Aber unser Pony nahm jedes Fettnäpfchen mit. Sie rutschte rechts den Hang ab und blieb nach 2m seitlich liegen, währenddessen unser Trinksack 100m weiter runterfiel. Ich freute mich auf das anschließende Schotterspringen nicht sonderlich, da Pony nicht gerade sicher am Hang lag. Ihre Lage sah eher hilflos aus. Wir demontierten Gepäck und Sattel, brachten Sie zurück, auf den rechten Pfad und brachten sie aus der Gefahrenzone. Ein Esel gerettet und siehe da, Pommes fühlte sich zum nachahmen animiert. Pommes war eigentlich sicher im Tritt, seinen Sturz haben wir eher verursacht, da dass Gepäck verrutschte und er den Halt verlor. „Blödmann, warum atmest Du auch immer so aus, wenn ich die Gurte festzurre“ dachte ich mir, dann wäre das nicht passiert.
Im weiteren Verlauf lief es dann wieder besser, ich lotste Pony mit fürsorglicher Führung durch die heiklen Passagen. Mittagspause dann auf halber Strecke, aber auch heute schafften wir nicht mehr als 10 Kilometer. Womöglich lag das aber auch dem richtig genialen Camp auf 3500m, was aus einer flachen Wiese bestand. Hier konnten sich Alle vom heutigen Schock erholen. Von nun an stand fest, das Täve nie auf Pony reiten wird, zu gefährlich. Pony hatte mit sich selbst genug zu tun.

Der 7.Tag sollte die Wende bringen und splittete den Urlaub in zwei Teile. Die Eingewöhnungsphase mit schlechten Erlebnissen und vielen überlaufenen Passagen in der ersten Woche und die weiteren Wochen mit völlig gegenteiligen Charakter. Wir planten wieder einmal optimistisch, den Abstieg von 3500m auf 3000m heute zu schaffen. „Runter geht’s immer schneller und besser“ Wir entschärften alle gefährlichen und steilen Stellen von der Route, indem wir Serpentinen abseits des Trails gingen oder längere Umwege in Kauf nahmen. Wir waren erstaunt, es funktionierte alles super. Auf halber Höhe und nach 5km machten wir Pause, ein Wanderer oberhalb von unserem Picknickplatz schrie uns aus der Ferne immer wieder „GPS“ zu. Ich konnte nichts damit anfangen und sprang wie ein Flummi auf also ich schemenhaft mein Navi an seiner Hand baumeln sah. Gott, ein ehrlicher Mensch, das konnte kein Porter sein. Ich hatte mein Navi verloren. Ohne dies wäre es weiter gegangen, aber der Verlust wäre ebenso schmerzlich gewesen. Ich bedankte mich herzlich bei ihm, dafür hatte er 5 neugierige Fragen offen. Diese waren übrigens meist die gleichen „Woher? Wohin? Wie alt? Wie teuer waren die Esel? Wo gekauft? …“

Nach der Pause meisterten wir den steilen, steinigen Abstieg gemeinsam mit Bravur, wir vergaben Bestnoten für Verhalten und Traktion. Kaum ausgesprochen, legte sich Pony auch schon wieder zwischen Gesteinshaufen auf die Schnauze. Es war keine Stolperstelle zu sehen, aber kein Problem, nur sie brachte es fertig, über Gras zu stolpern. Wir strichen also auch große Steine und Geröllfelder von ihrer Liste. Viel blieb am Ende nicht mehr übrig, was sie gut konnte. Im Teleti Tal endlich angekommen, wurde der Weg nun flacher. Zunehmend lief es mit den Eseln besser, Bäche und Flüsse stellten kein Problem mehr dar. Auf 2800m und nach 10km bezogen wir Stellung und errichteten das Camp zwischen mannshohen Büschen, es wehte ordentlich Wind. Abends kam Regen auf, das gespannte Tarp nutzte Pony als Unterstand. Während sie zitternd ausharrte, fraß sich Pommes im strömenden Regen durch die Weiden der Umgebung. Unterschiedlicher konnten die Beiden nicht sein.

2.Woche | Zwischen Issyk Kul und Terskej Ala-Too

Der Plan sah ja eigentlich vor, weiter über 4000er Pässe zu wandern, aber wir wussten, dass es mit den Eseln ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Ein Pferdekauf kam auch nicht mehr in Frage. Wir traten nun den Weg weiter ins Tal an, Ziel heute Jeti Oguz, ein Gebiet aus roten Felsen und Böden, mit teils sehr mediterranen Klima und Vegetation. Ab hier wollten wir nun gen Westen auf 3000er Pässen und Sätteln das Gebirge queren.
Erste Crux des Tages war eine Brücke. Nach der gestrigen Flüssetherapie sollte heute die Brückentherapie folgen, nur wollten die Patienten nicht so wie wir. Wir kapitulierten relativ schnell, da man auch rechts des Flusses Teleti gut weiter ins Tal kam (dachten wir!). Während wir permanent Wanderer am anderen Ufer sahen, waren wir die Einzigen auf der rechten Uferseite, die sich durch sumpfiges Gebiet kämpften. Zur Nässe von unten kam nun noch Nässe von oben. Der erste längere Regen begleitete uns aber nur bis zur Mittagspause. Zwischen Regen und Sonne lagen zwei Kleiderschichten. Anziehen, ausziehen, umziehen. Langsam aber sicher verschmälerte sich der rechte Weg, verlor an Struktur und bald standen wir in einem rechten Steilhang und hatten den Entschluss gefasst, umzukehren, noch nicht wissend, dass Pony mit dem gesunden Auge zur Bergseite laufen muss, umgekehrt kam es nun wieder zu einer brenzligen Situation. Wir mussten sie entladen und mit Ach und Krach konnte sie sich selbst, mit dem gesunden Auge immer die Lage abscannend, den Hang hinunter manövrieren. Da unten am Fluss war eine Brücke auszumachen, eine wacklige Konstruktion aus 6 Baumstämmen. Hier schlugen wir unser Camp auf um morgen die Esel mit allen Mitteln dort drüber zu scheuchen.

Am Morgen präparierte ich die Brücke ein wenig, ich kannte meine „Pappenheimer“. Breit, flach ohne jegliche Hindernisse sollte es sein. Ein Nomade kam zur Hilfe. Wir wollten eigentlich, dass er den Eseln mit seinem Pferd von hinten einheizte, aber er dagegen zeigte uns, wie man richtig den Eseln auf den Arsch haut. Unsere Schläge waren verglichen damit Streicheleinheiten. Schwupps und die Beiden sprangen über die Brücke als wäre es das normalste für einen Esel. Nun waren wir auf der richtigen Seite und konnten auf breiten Forstwegen unseren Weg ins Tal fortsetzen. Wir trafen nun auf mehr Nomaden und kurze vorm Abzweig gen Osten auch touristische Camps, wo man in Jurten übernachten konnte. Überall wurden uns Dienste angeboten. Reiten, Gepäcktransport, Übernachtungen. Nein, danke, alles nicht gewünscht. Am Ende der Nomadencamps wollten wir unser Camp aufschlagen, bevor wir morgen den 2800m hohen Sattel queren wollten. Da sprachen uns die Nomaden der letzten Jurte an und luden uns ein. Sie schienen vertrauenerweckend. Während sie uns Brot, Tee, Milch, Kumys und Ayran anboten, steuerten wir unsere Rum-Flasche bei. Am Ende war die Flasche so beliebt, dass Yvonne meinte „Nun müssen wir aber los, sonst ist unsere Bulle gleich alle!“ Wir dachten immer, die Russen steuern den Alkohol bei und wir können mitsaufen, nein, hier was es anders herum. Den Fehler sollten wir nicht wieder machen, zukünftig steuerten wir lieber dosiert Schokolade bei, genauso beliebt. Etwas später war das Camp aufgeschlagen und in der Ferne konnten wir in den höheren Lagen Gewitter, Regen und Donner ausmachen. Wir hatten die richtige Wahl getroffen, hier unten lang zu gehen.

Der heutige Tag stand unter dem Motto „Alles kann besser werden!“ Bewölkt starteten wir in den Tag, ich begann ihn wie immer mit Morgensport, der es vorsah, die Esel einzufangen. Toll, zu sehen, dass sie an den Steilhängen doch gut zurechtkommen und enorm schnell sind, wenn sie vor der Arbeit weg rennen. Es war echt zum kotzen, die verarschen uns nach Strich und Faden. Einmal eingefangen ging es wie jeden Tag ans satteln, was immer morgens, mittags und abends extra Zeit in Anspruch nahm, aber es kam langsam Routine rein und wir hatten anscheinend die richtige Technik gefunden und das Gepäck saß. Einige Zeit später wurden wir wieder eines besseren belehrt. Ich achtete zwar mittlerweile akribisch auf den Weg und die Umgebung, beseitigte alle Stolperfallen und vermied gefährliche Passagen, aber Pony glitt mal wieder den Abhang hinunter. Zum Glück war 2m weiter unten noch ein Pfad, dort kam sie wieder zum stehen. Pommes lief ständig hinter ihr und sah sie als Leittier an. Ich glaube aber, Pommes lief hinter Pony, weil sie ihr dämliches Verhalten selbst sehr amüsant anzuschauen fand.

Auf 2700m Höhe fing es nun auch noch ordentlich zu regnen an, ein wenig Wind noch dazu und fertig war die Waschküche. Der Starkregen wollte nicht aufhören. Täve war wasserdicht angezogen, Yvonne auch, nur ich hatte nur die Regenjacke drüber gezogen, die hervorragend das abprallende Wasser auf meine kurze Wanderhose ableitete. Mein Unterbau war bis auf die letzte Ecke durchnässt. Der Sattel war nun erreicht und mein Ziel war es, wieder in den Wald zu kommen. Da es nun auch noch kalt wurde, machten wir eine Zwangspause und entfachten erst einmal ein ordentliches Feuer und aßen was zum Mittag. Während Pommes im Regen graste, stand Pony mit ihrem Arsch auch mit am Feuer. Wir schüttelten nur den Kopf. Der Regen ließ nach und wir kamen weiter runter auf 2300m in ein Zwischental, wo nun wieder entkleiden angesagt war. Die Sonne kam raus und heizte uns zum richtigen Zeitpunkt ein, denn nun hieß es, 200hm eine Steilpassage hoch zugehen. Oben angekommen, endete der Wald und es eröffnete sich ein 180 Grad Blick über das Gebirge und den Issyk Kul. Obwohl erst 10km auf der Uhr standen und es auch noch nicht spät war, wählten wir diesen tollen Platz als unser Camp aus. Grandiose Aussicht, die Sonne kam raus, einheimische Kinder schauten uns beim Zeltaufbau zu, der Moment war perfekt. Hier stellten wir zum ersten Mal fest, dass Hawaii und Island schön waren, aber Kirgistan alles toppen würde. In der Ferne konnte man schon den weiteren Wegeverlauf erkennen, wir relaxten ein wenig, Täve kümmerte sich derweil um die Esel.

Wieder ging es so gegen 10 Uhr los, nach dem ausschlafen und einem guten Frühstück. Erst einmal bergab durch mannshohe Distelsträucher, die Leibspeise von Pony. Vorsichtig zwackte sie mit den Zähnen immer die stachligen Früchte ab und kaute behutsam das Fruchtfleisch frei. Und da passierte es wieder einmal: Während sie mit dem gesunden rechten Auge auf eine saftige Distel schielte, übersah sie anscheinend eine Stolperstelle und knickte vorn mit den Beinen ein, ihr Kopf dazwischen. Wir drehten uns um und sahen nur zwei Rucksäcke an ihr und den Korpus. Es sah so zum Lachen aus, wir bepissten uns zu Dritt förmlich. Pony war ein wenig konsterniert und schaute mit der erbeuteten Distel im Maul umher und ging einfach weiter. Langsam, aber sicher trug sie zum Unterhaltungsprogramm den meisten Anteil bei. Es wurde immer mediterraner und heißer. Immer noch bewegten wir uns im Gebiet der roten Steine, kleine Geckos flitzten über den Weg, es roch nach Kräutern. Yvonne gefiel das Klima besonders, mir war es schon wieder viel zu heiß. Wir kamen nun ins Kyzyl Suu Tal, querten es aber relativ schnell um auf der anderen Seite wieder auf einen Sattel auf 2650m aufzusteigen. In der Ferne 15km in Richtung Süden sahen wir immer wieder die höheren Berge, die wir hätten gekreuzt, wenn unsere Esel fitter gewesen wären. Wir sahen das relativ gelassen, da wir die hohen Berge ja schon gesehen hatten und wieder sehen würden. So sahen wir die jetzige Landschaft als gelungenen Ausgleich, gerade das Licht-Schatten-Spiel der roten Felsen war faszinierend, es sah teilweise aus wie im Grand Canyon. Das Tal war auf 2050m, also standen nun noch 600hm auf der Uhr, Ziel war aber nicht der Sattel, sondern ein idyllisches Plätzchen mit Wasseranschluss. Immer wo Jurten sind, vermuteten wir auch Wasser. Aber gerade hier im Anstieg sahen wir eine Zeit lang nichts außer grüne Wiesen und null Wasser. Wir liefen immer höher, auch eine Jurte in der Ferne brachte nicht das erhoffte Ergebnis, auch dort kein Wasser. Bald waren wir auf dem Sattel, wieder ein traumhafter Platz, dieses Mal fast 270 Grad Fernblick. Aber was fehlte, war Wasser. Während meine Reisegefährten pausierten, schaute ich in der näheren Umgebung nach Wasser. Zum Glück schien die Sonne, die sich in der Ferne in einem kleinen Wasserloch wiederspiegelte. Ein Filter sollte also das Problem lösen, war aber am Ende nicht nötig, denn eine kleine Quelle füllte das Wasserloch mit reinem Wasser. Der Platz gebongt, heute knackten wir sogar die 10km Marke mit 13km und 600hm am Stück fast schon ein Marathon für die Esel.

Heute sollte es ab ins Tal nach Kiche Kyzyl Suu gehen um auf der anderen Seite auf 2500m wieder auf einem Sattel zu nächtigen. Wir hatten mittlerweile daran Gefallen gefunden, so eine Aussicht zu haben. Der Nachteil war aber meist die exponierte Lage, die sehr wind- und wetteranfällig war. Jedoch hatten wir echt eine Schönwetterperiode erwischt. Jeden Tag schien mindestens 1 Stunde die Sonne, es regnete immer nur kurz (meist am Nachmittag, verbunden mit ordentlich Donner) und gegen Abend klarte es auf und es eröffnete sich der Blick auf einen Sternenhimmel mit Milchstraße, den man selbst in den entlegenen Ecken der Alpen nicht mehr sehen kann.

Wir mussten heute nur 300m absteigen und drüben wieder 200m hoch, etwa wieder 10km, vielleicht etwas mehr. Da nur noch kleines Buschwerk und Wiese vorherrschten, liefen wir querfeldein, mieden dabei die Distelsträucher, damit Pony nicht wieder unverhofft stolperte. Im Tal angekommen, Mittagszeit, danach wartete ein anständiger Fluss auf uns, fast knietief. Pony brauchte ein Schubser, Pommes lief ohne Aufforderung hinterher. Die Hierachie in der Gruppe schien geklärt. Der Tag verlief unspektakulär ohne erwähnenswerte Probleme. Wir näherten uns dem Sattel und mit Täve hielt ich Ausschau nach einem geeigneten Camp. Er wusste bereits, auf was Papa Wert legte: ebene Fläche fürs Zelt, klares Wasser in der Nähe, eventuell Holz fürs Lagerfeuer und Gras für die Esel. Ab diesem Zeitpunkt war das Gras auch für uns wichtig geworden. Uns war das Klopapier ausgegangen und nun musste das grüne Etwas den Popo reinigen.

Nun hatten wir aber endlich wieder Gesprächsstoff, denn wenn man zu Dritt in der Wildnis unterwegs ist, hat man sich irgendwann alles erzählt. So wurde nun über das beste Gras für den Arsch diskutiert.
„Das hier ist weich“
„Nein, das bleibt kleben“
„Das kratzt schön, das ist wie Sandpapier“
Am Ende einigten wir uns auf das getrocknete weiche Gras, was aber auch bei den Eseln begehrt war. Es war mancherorts so rar, dass bei Campbezug erst einmal das Gras für uns sicher gestellt werden musste. Auch Täve arrangierte sich prächtig mit dem „grünen Papier“, jedoch mussten wir des öfteren unterwegs „nachbessern“, wenn er schrie „Orrrr nee, das krabbelt, da ist ein Grashalm in meinem Arsch!“
Komischerweise freundeten wir uns mit diesem Fakt soweit an, dass wir eine Woche später beim Food supply kein Klopapier nachorderten. Yvonne wollte sich sogar die letzte Nacht in Bishkek im Hotel beschweren, dass kein Gras auf dem Klo steht.

Jedenfalls erblickte ich eine Stelle oberhalb des Weges, die ich inspizieren wollte. Sie war flach, weil hier mal ein Gebäude stand. Man sah verwachsene Grundmauern und in Sichtweite zwei offene Gullilöcher mit 2,5m tiefen eingelassenen Betonringen, die sicher als Wasserreservoir dienten. Meine Neugier trieb mich hin um mal rein zuschauen. In dem einen Loch üppiger Grasbewuchs. Als ich jedoch in das zweite Loch schaute, schreckte ich beim Blick hinein so dermaßen zurück, dass mein Puls in die Höhe schnellte und ich nach hinten auf den Arsch fiel. Ich musste ein zweites Mal hineinschauen um wirklich sicher zu gehen.

Da stand ein Jungpferd drin, welches mich mit sehr entkräfteten Augen ansah. Es war durch das 60cm schmale Loch sicher hinein gefallen und stand dort auch schon 1-2 Tage, denn wohl genährt sah es nicht gerade aus. Yvonne meinte nur aus der Ferne: „Was ist nun wieder los?“ – „Ich habe ein Pferd gefunden!“ – „Ich sehe aber keins, wo denn?“ – „Hier im Loch!“ – „Hääääää?“ Wir gingen noch 100m weiter rauf und entdeckten eine Jurte und auch unseren späteren Nachtplatz . Mein nächster Gang führte zu dieser Jurte. Mein Handy und GoogleÜbersetzer half dabei, ihm klar zu machen, was ich da gefunden hatte und was ich eigentlich von ihm wollte. Seine Antwort war sehr gelassen „Ja, danke!“ Als Deutscher erwartete ich nun eine Such- und Rettungsteam und im mindesten hektisches Umhergerenne. Aber nein, es verging 1 Stunde, ehe ich ihm die Stelle zeigen sollte. 1 weitere Stunde später war das Pferd gerettet und wir hatten die große Gelegenheit zu zuschauen, wie die Pferdeherde das Jungpferd in einer ausgedehnten Zeremonie wieder willkommen hieß.

Auf die schroffe Bergkette, die wir abends noch im Sonnenlicht im Westen bestaunen konnten, wollten wir am Morgen ansteuern um dann an dieser links (südlich) entlang weiter das Djuku-Tal rauf zu wandern. So kam es dann auch. Wieder wild durch die Landschaft bergab ins Djuku Tal, wir folgten nicht der Hauptpiste, weil wir dachten, später sowie so darauf zu landen. Wir folgten einem kleinen Rinnsal, welches sicher das gleiche Ziel wie wir hatte, die Djuku. Auf den vielen Pfaden, die die Nutztiere in die Landschaft gepflastert hatten, verlor sich irgendwann der Weg in einem Labyrinth aus Dornbüschen. Täve wollte verständlicherweise lieber selbst laufen, nachdem ihn ein Dornbusch zugeschnippst war. Die Esel hingegen zogen durch die Büsche durch und bald steckten wir fest und mussten umkehren. Ein lautes Pfeifen begleitete unsere missliche Lage bis wir mitbekamen, dass ein Nomade am mittlerweile zu einem Bächlein herangewachsenen Nass winkte und uns den Weg signalisierte. Er trieb sein Vieh ins Tal und nun auch uns. Das kleine Seitental schlängelte sich durch das rote Gestein und immer wieder meinte der Nomade, dass dies nicht der richtige Weg sei, aber er uns nun hinunterführen würde. Wir waren mit dieser Wahl des Weges aber ganz glücklich, denn nach ein paar Kilometern verabschiedete er sich von uns weil wir (naja wohl eher die Esel) zu langsam waren. Er zeigte in ein rechtes enges Tal hinunter und war alsbald verschwunden.

Ich war zwar selbst noch nicht im Antelope Canyon, aber so in etwa sah es hier aus. Hohe rote Steilwände, eine kleine enge Schlucht und ein Bächlein, was sich den Weg durch den roten Sand bahnte. Während wir mit staunenden Blick hier die Mittagspause verbrachten, legte sich Täve seinen neuen Natur-Lego-Bausatz zurecht. Er sammelte die ersten Knochen, doch so recht wollte nicht das Original entstehen. Enttäuscht sackte sich Sohnemann den größten der Knochen als Andenken mit ein als es nach der Pause dann weiterging. Bald kamen wir an die Straße, wo auch einige wenige Häuser und eine Stromleitung standen. Seit langen mal wieder Zivilisation, was aber nicht bedeutete, dass nun ein Supermarkt am nächsten hier stand. Sicher hätten wir diese gestürmt, denn der Schokoladenbestand ging zur Neige und der Rum verdunstete auch viel zu schnell. Dass die Genussmittel immer rar sind, stellen wir auf jeder Tour erneut fest. Das einzige Mal waren wir nun wieder auf unserer Tour unter 2000m gekommen, ab jetzt sollte es aber stetig bis 3800m bergauf gehen.

Erst noch zwischen roten Gesteinswänden, befanden wir uns bald schlagartig wieder im typischen Hochgebirgsanblick, den wir bereits aus dem Karakol Valley kannten: Weiden, Wiesen, die schmalen Nadelbäume, Wasser in seiner reinsten Form, schneebedeckte Berge in der Ferne. Nachdem in den unteren Lagen das Wasser immer wieder gefiltert werden musste uns stets eine leicht rötliche Färbung hatte, freuten wir uns nun wieder auf die unproblematischere Wasserentnahme. Je höher wir aber heute kamen, umso mehr nahm Regen und Wind zu. Von Westen kommend zog eine Front über die Berge und Jeder von uns spekulierte anders darüber, wohin sie ziehen würde. Auf 2300m fanden wir dann endlich ein Camp, was auch Wasser anbot. Wir hätten gern schon eher campiert, jedoch war der Hauptfluss weit unten in der Schlucht und sonst kein Wasser in Sicht. Dafür war dieser Platz aber idyllisch gelegen. Ein Baum, ein Lagerfeuer, viel Holz, eine saftige Wiese, ein kleiner rauschender Bach und zu guter Letzt kam dann auch noch kurz einmal die Sonne raus, bevor sie uns auch wieder am kommenden Morgen herzlich begrüßen sollte.

Das Djuku Tal und auch das heutige Wetter am Morgen versprach einen interessanten Tag. Bei Sonne genossen wir das Frühstück am Lagerfeuer. Es wurde bereits immer gegen 6 Uhr hell, so dass man 7 Uhr bereits in den Tag startete. Das verschaffte uns immer einen komfortablen Zeitpuffer ohne hektisch agieren zu müssen. Heute würden wir wieder auf eine der Originalrouten stoßen, die über die hohen Pässe Archa Tor, Savator, Kashkator und Ashutor gegangen wären. Bei durchschnittlich 4 Tagen im Passe hätte das mit unseren Packtieren allein 16 Tage gedauert. Klar, lieben wir das alpine Gelände mehr, aber da auch das Wetter dort oben in den letzten Tagen eher mau aussah und die Wolken tief hingen, trauerten wir nicht lange weiter. Immer weiter ging es nun im Djuku Tal auf einer Stein-Schotter-Piste weiter hinauf. Ab und an kam mal ein Auto vorbei, ab und an sah man mal Nomaden, alles in allem aber doch sehr ruhig. Auf 2500m Höhe, wo die Asha-Kasha-Suu in die Djuku mündet, kam nun die Routen wieder zusammen. Hier fanden wir auch links des Ufers ein Camp, was denen am Pass Teleti glich. Es wurde vermutlich für die Trekkinggruppen genutzt, die hier auf einem Rundtrip unterwegs waren. Nahe dessen pausierten wir dann auch im Schutze zweier Felsen, da mittlerweile Wind und Regen eingesetzt hatte. Wir aßen wie so häufig diesen Urlaub die Vorreste des Abends, wo wir immer mehr kochten als nötig war. Zum Mittag wurde dann einfach das Zeug wieder kurz aufgewärmt oder einfach kalt verzehrt. Nach dem Mittag waren wir komplett in Regenmontur bereit weiter zu gehen. Während Yvonne das Tal nicht so gefiel, war ich ungeachtet vom Wetter, doch sehr beeindruckt.

Da auf den breiten Wegen nun wirklich kaum Stolperfallen auszumachen waren, lief es an diesem Tag erstaunlich gut mit Pommes und Pony. Es gab keine erwähnenswerten Aussetzer. Sie schienen sich damit abzufinden und so schraubten wir die Tageskilometer auf 19km hoch. Tzzz, da sagte doch mal ein Guide. Esel sind für die Dörfer, Pferde für die Berge, weil Esel maximal 10km am Tag schaffen. Wir hatten unsere Esel gut trainiert. Auf 2800m schlugen wir unser Camp zwischen Steinen abseits des Weges auf. Wir hätten heute gern wieder Lagerfeuer gemacht, aber leider standen die Bäume nur auf der anderen Seite des Ufers. Wohl wissend, dass morgen der 1000m höher gelegene Pass Dungurome fallen sollte, gingen wir gleich nach dem Abendessen zu Bett. Nach 20 Uhr wurde es dunkel und wieder einmal war ich der Einzige im Zelt, der wohlriechend vom Abendbad am Fluss zurückkam, während die anderen Beiden meinen Schreien im warmen Zelt lauschten, denn es war immer eine Überwindung, sich in den Fluss zu setzen.

Das Wetter war uns auch heute wieder wohl gesonnen, denn bei leichter Bewölkung waren Alle hochmotiviert. Es sollte nämlich nicht nur der Pass als Ziel in Angriff genommen werden, sondern vielmehr das Barskoon Valley. Dort sollte gegen späten Nachmittag Misha mit unseren nachgeorderten Lebens- und Genussmitteln warten. Diese Motivation vor Augen sollte uns auf dem heutigen Trip blind machen, was in einem Desaster endete. Wir hatten gemeinsam entschieden, nicht der Djuku weiter auf den gleichnamigen Pass nach links zu folgen, da dies wiederum ein Umweg von 2-3 Tage gewesen wäre und dort auch wieder 4 Pässe gekommen wären. Auf der nördlicheren Route sollten mit dem heutigen Dungurome und dem späteren Keregetash nur noch zwei Pässe folgen. Der Abzweig war schnell erreicht und bereits weiter unten im Tal liefen wir abseits der Wege schräg am rechten Hang hoch um gemächlicher den Anstieg zu gestalten. Der erste Fehler des Tages. Denn bald standen wird vor einer kleinen, aber unüberwindbaren Schlucht, die der kleine Fluss mal hier rein geschnitten hatte. Die 4m hohen Steilwände aus losem Geröll führten bis ins Tal hinunter. Da wollten wir den Eseln was Gutes tun und nun mussten sie steil wieder absteigen. 100hm weiter unten gab es dann eine Stelle zum furten. Da dieser Pass nicht gerade eine Rennstrecke für Wanderer war, mussten wir zwischen Gras und Geröll den Idealweg suchen, was wiederum viel Zeit kostete. Noch machte sich Pony in den Steilhängen gut, noch!

3.Woche | Vom roten Gestein ins schneebedeckte Gebirge

Wir schraubten uns am rechten Steilhang immer mehr in die Höhe, konnten aber bald in der Ferne eine scheinbar nur von links überwindbare große Steinwand ausmachen. Wir wechselten also vom rechten Steilhang auf die linke Seite des Dungurome. Dazwischen lag ein kurzer, steiler Anstieg und sogar vier, fünf große Steine waren mit ihrer Anordnung im Fluss ideal zum furten. An dieser 5m breiten Stelle rauschte das Wasser jedoch mit ordentlich Getöse und Lärm vorbei, was die Esel unerwartet verschreckte, waren sie doch eigentlich mittlerweile gut darin Flüsse zu queren. Mit Drücken, zehren und beherzten Popo-Schlägen wollte Pony nicht durch. Sie weigerte sich und ging nahe am etwa 30cm höher gelegenen Ufer weiter flussabwärts. Wir dachten uns „okay“ und folgten den Eseln, Yvonne mit Pommes vorneweg.

Auf einmal ein lautes Gepolter und Gekrache und ein harter Ruck von hinten an der Leine. Dann folgte ein lautes Platschen, wir drehten uns um und Pony stand mit erschrockenen Blick bis zum Bauch und auf allen Vieren mit in den Fluten. Sie war vom Ufer abgerutscht und nutzte nun gleich diese Stelle und lief auf die andere Seite des Ufers. Erst waren wir erschrocken, aber wie Pony mal wieder ziemlich dämlich im Fluss stand war am Ende doch sehr amüsant anzuschauen. Pommes folgte dann auf dem gleichem Weg aber zum Glück auf andere Weise unspektakulär. Soweit so gut, dachten wir. Links am etwas flacherem Hang ging es nun erst auf Wiesen entlang, die immer mehr mit Geröllfeldern durchsetzt waren. Da war doch was? Ja genau, Pony und Geröll, nein, da läuten doch die Alarmglocken und Vorsicht war geboten. Permanent scannte sie mit seitlich geneigtem Kopf die Gegend ab, während die Zeit davon rannte. Ich warf zum ersten Mal in den Raum, die Food-Supply auf morgen zu verschieben, Yvonne bestand darauf, das Programm durch zu ziehen.

Dann wieder eine brisante Stelle, wo ich Pony durchlotsen wollte. Dieses Mal scannte sie aber nicht und ich dachte, na dann vertraue auf deinen Instinkt und komm‘ . Obwohl kein Graben, keine Hürde zu nehmen war, sondern die Stelle einfach nur ein wenig durch zwei Steine beengt war, sprang sie auf einmal auf mich zu. Da ich aber am Hang lehnte, fiel ich nicht nach hinten weg, sie prallte aber von mir ab und fiel abermals den zig-sten Hang hinunter. Wie doof kann man denn sein. Vermutlich hat Abt Recht, die sind vom Bishkeker Kaberett entlaufen und wollen uns die Tour versüßen. Wir bepissten uns dermaßen über diese Aktion, dass wir erst einmal Pony am Hang liegen ließen, denn da lag sie gut und konnte sich selbst vom Schock erholen. Wäre es nicht schon zu spät gewesen, wir hätten Pony bei den Olympischen Spielen für Kirgistan angemeldet, als Turmspringer und Schwimmer und jetzt als Weitspringer. Downhiller sollte heute auch noch hinzukommen.

Pony also abgesattelt, auf die Beine geholfen und wieder aufgesattelt. Nun ließen die Geröllfelder nach und lose Schotterhänge lösten diese ab. Ja genau, damit hatte Pony auch Probleme. Es schien mir so, als würde dieser Pass ein Hindernisparcour für Pony sein. Tja, wir mussten also hier durch, einen anderen Weg gab es nicht, wir suchten uns von den vielen vorhandenen Pfaden den festesten und sichersten aus. Zum Verständnis: Unser Sohn meisterte diesen ohne Probleme, also wir reden hier nicht von eine Kletterpassage nach UIAA. Aber Pony bekam es hier hin, auch wieder den Halt zu verlieren. Dieses Mal verging uns aber dermaßen das Lachen. Etwa 30m unterhalb war der Fluss und der Schotterhang endete fast nahtlos in diesen, nur ein paar größere Felsblöcke dazwischen. Pony verlor so die Kontrolle, dass sie selbst keinen Halt mehr fand. Dabei verlor sie unsere Rucksäcke, da diese ja nur mit einem Schultergurt über den Sattel festgezurrt wurden. Pony blieb erst nach 10m liegen und drehte sich dabei 1,5x. Unsere Rucksäcke jedoch nahmen am Hang an Fahrt auf und purzelten und rollten immer weiter hinunter. Genau in dieser Zeit erstarrten wir Alle und verfolgten mit dem Kopf die schwungvollen Sprünge. Glück im Unglück, denn genau die Steinblöcke hinderten unsere Rucksäcke daran in den Fluss zu rollen. Okay, erst einmal Täve aus der Gefahrenzone bringen, Yvonne stand mit Pommes noch am Hang, der anscheinend von der Blödheit seines Gefährten so geschockt war, dass er keinen Zentimeter mehr ging. Auch gut so. Wenn sich Keiner bewegt, kann nichts passieren. Ich sprang im Hang erst einmal runter zu Pony, die einfach nur da lag, aber keine großen Verletzungen aufwies, nur eine kleine Wunde am Bein, die leicht blutete. Ich nahm sie mit runter zum Fluss, da mir dort der Weg geeigneter schien. Dann inspizierte ich die Rucksäcke. Meine Arcteryx Regenjacke, die draußen am Rucksack unter der Regenhülle klemmte, wies 2-3 kleine Löcher auf, ansonsten aber waren beide Rucksäcke äußerlich ganz geblieben. Im Inneren befanden sich nur Klamotten zum anziehen, die Schlafsäcke, Zelt und Isomatten. Nur um das Gestänge machte ich mir ein wenig Sorgen, ich wollte mich am Abend aber überraschen lassen und unterließ einen prüfenden Blick ins Innere.

Nun brachte ich erst einmal die Rucksäcke 30 Hm weiter hoch, später folgte mit einem Kraftakt Pony, die nicht mehr laufen wollte. Sie war echt ein wenig benebelt. Nun waren Pony, Täve und unsere Rucksäcke in Sicherheit auf einem kleinen Plateau, aber Yvonne stand noch immer mit Pommes im Hang. Ich trieb ihn von hinten an und nun war auch er aus der Gefahrenzone raus. Pause! Zum zweiten Mal fragte ich Yvonne nach einem möglichen Abbruch der heutigen Tour, sie erwiderte „Schreib‘ ihm, das wir erst gegen 19Uhr unten sind“ Nicht einmal mehr das hielt ich für realistisch, aber auch ich träumte vom prall gefüllten Auto voller leckerer Lebensmittel. Zu verdenken war es uns nicht, denn es gab die letzten zwei Tage bereits nur Nudeln. Zum Frühstück Nudeln mit Marmelade, am Mittag mit Zucker, am Abend mit Soße und Wurst. Es war fast zum kotzen. Wir gingen nun weiter und weiter, führten Pony durch die Geröllfelder und engen Passagen wie eine Behinderte durch, nahmen Umwege in Kauf, wenn einfachere Wege erkennbar waren. Wir waren bald auf 3600hm, es war nun 17 Uhr, nur noch 200hm bis zum Pass und dann wieder auf 2800m wieder runter. Auch wenn auf der anderen Seite eine Rolltreppe gewesen wäre, hätten wir es nicht mehr geschafft, aber irgendwie hofften wir immer wieder auf Besserung. Wir liefen also weiter, weil uns Misha, unser Dealer, schrieb, er würde bis 20/21Uhr warten. So war die Chance noch minimal, über den Pass vielleicht 500hm runter zu kommen und die letzten 500hm würde ich im Alleingang mit Rucksack machen. Wir redeten uns die Situation immer wieder schön, doch erfuhren wir immer wieder Rückschläge. Ich verschieg Yvonne, dass ich ordentlich im Arsch war, nicht wegen dem wandern, sondern wegen dem retten, bergen und helfen von Pony. In Sichtweite des Passes mussten wir dann soweit gerade einen Steilhang hochwandern um die Geröllfelder zu umgehen, dass wir sogar zeitweise 20hm höher als der eigentliche Pass waren. Der Pass war so nah und er wollte uns nicht passieren lassen.

„Es reicht, ich habe die Schnauze voll!“ Nachdem Pony mal wieder zwischen Steinen hängen geblieben war und nun auch noch ein Schneegestöber einsetzte, beendete Yvonne mit diesem Satz die heutige Tour. Zum Glück fanden wir auch gleich eine geeignete Stelle, das Zelt stand keine 10 Minuten später. Täve fror und wurde erst einmal in unsere beiden Daunensäcke gepackt. Während ich noch Pony aus der Spalte half und Wasser fürs Essen holte, klarte es bereits wieder auf. Aber es war empfindlich kalt geworden und es war eine Eisschicht auf dem Zelt. Um die Flucht unserer Esel sollten wir uns diese Nacht keine Gedanken machen müssen, wir waren umgeben von Steinfeldern, dazwischen eine kleine Wiese.

Im Zelt gab es dann Nudeln und im Geiste ohrfeigten wir uns selbst für diesen selbst fabrizierten Höllentrip. Vor allem, weil Täve gelitten hatte, aber so toll mithielt, dass er nun schon eingeschlafen war. Wir waren so von den Genussmitteln getrieben, dass wir die aktuelle Lage immer ausblendeten und nur das Ziel vor Auge hatten. So war es vielleicht, nein sicherlich auch eine Fehleinschätzung von mir, dass es gesamt nur 20km sein würden. Mit den ganzen Umwegen heute hatten wir nun bereits 21km und 1200hm mit den Eseln zurückgelegt und waren erst auf dem Pass. Der Trip war von vorn herein zum scheitern verurteilt. Beim Abendessen verschoben wir das Food-Supply auf morgen 16Uhr per Satellitentelefon. Täve wachte auf, aß und trank gleich im liegen im Schlafsack, er war guter Laune, da wir ihm für morgen eine ganze Schokolade zusprachen. „Eine ganze, nur für mich? Ich liebe Kirgistan“ war seine Antwort. Dieser Tag war und ist zum vergessen. Solche Fehlentscheidungen sind nur für eines gut. Man lernt hoffentlich daraus und wird irgendwann die gleiche Situation besser bewerten und einschätzen.

Nach Regen folgt immer Sonnenschein, so war Petrus mit uns am Morgen darauf so gnädig. Bei nahezu wolkenfreiem Himmel waren wir uns sicher, dass wir den 10hm weiter oben gelegenen Pass heute schaffen würden. Nach dem Frühstück suchte ich nach einem Idealweg über die Geröllfelder und präparierte gefährliche Stellen mit Steinplatten. Aus der Ferne rief Yvonne: „Kannste ja gleich bis runter ins Tal asphaltieren!“ Witzig fand ich das nicht mehr, aber ohne Gepäck waren die Esel bald aus dem Labyrinth gerettet und grasten bis zum Abmarsch auf einer großen Wiese. Misha informierte uns noch über zwei problematische Furten, aber wir dachten ab heute nicht mehr in so weiten Schritten. Jedoch wussten wir, dass heute der Food-Supply im Barskoon Valley schon realistischer war als gestern.

Kurz nach dem Pass war ein deutlicher Pfad am linken Ufer erkennbar, dem wir folgten. Hier hatte Pony mal keine Probleme. Schnell erreichten wir noch vor der der Mittagszeit die 3400m. Wir lagen richtig gut in der Zeit und pausierten. Ich checkte derweil die weiteren 2km, da nicht zu erkennen war, wo es langging. Auch das war bald geklärt und nach der Pause ging es weiter auf einem bald wieder gut erkennbaren Pfad ins Tal. Dabei querten wir eine ausgeweidete Kuh und zwei tote Murmeltiere. Sah ganz nach dem Werk von Wölfen oder Schneeleoparden aus, was uns später ein Sheppard auch bestätigte. Nun kamen wir auf 3150m an die erste brisante Stelle. Hier mussten wir einfach nur furten, aber wo. Nicht nur die Tiefe, sondern auch die Strömung war ein Problem. Misha schrieb, dass man die Dungurome nur früh furten kann. Wir zogen schon mal die Crocs an, denn nass würden wir werden, nur wie viel stand noch in den Sternen. Ich lokalisierte eine machbare Stelle und ging erst einmal zum Test ein erste Mal durch. Die Strömung war ordentlich hart, das Wasser ging bis zur Höhe Mitte Oberschenkel, aber der Untergrund war kiesig. Die Furt war einfach und sah nur schwer aus, ich war erleichtert. Also zurück und alle Wegbegleiter nachholen. Da kam auch schon der Sheppard vom nahe gelegenen Camp auf seinem Pferd geritten und sagte immer nur „Misha, Misha, Misha“ Anscheinend hatte Misha hier gestern auf uns 3 Stunden gewartet, weil er immer 3 Finger hochzeigte. Uns plagte das schlechte Gewissen und wir hätten deshalb auch 2x 50 Euro für den Food Supply bezahlt. Eine gebührende Strafe für falsches Handeln.

Der Sheppard begleitete uns weiter ins Tal, der Weg ging nun rechts steil am Hang hinunter. Es war erst 14 Uhr, wir sollten noch genügend Zeit bis zur Straße A364 haben, denn es waren nur noch 300hm. Zwischendurch eine kurze Rast und es querte ein Man mit Teva Sandalen den Weg. Da ich nicht wusste wie Misha aussahe, fragten wir den Sheppard, ob es Misha sei, er verneinte. Der Mann kam aber zielstrebig auf uns zu und sagte: „Hee Jens, i am Misha!“ Hee?? Ich war so glücklich, diesen Mann zu sehen, dass ich ihn beherzt umarmte und drückte. Warum? Weil er uns Alkohol und Schokolade brachte? Nein, weil er von Grund auf ein ehrlicher und nicht Geld-orientierter Mensch ist, der sich von vorn bis hinten in Deine Tour mit reindenkt und Unterstützung und Vorschläge gibt. Wenn Ihr also wirklich mal einen kompetenten Mann sucht, er hat eine Trekking-Firma und macht alles von Food-Supply bis hin zu Expeditionen. Misha’s Mail: d-sasha@elcat.kg , seine Homepage: http://kyrgyzland.com . Er hilft Euch wirklich in allen Belangen und kann auch englisch. Ohne diesen Mann wäre der Urlaub nicht zustande gekommen und vor Ort auch nicht so gut für uns ausgegangen.

Mit ihm gingen wir nun weiter bergab und waren nun an der 2.Crux, die für heute unüberwindbar ausschaute. Misha meinte nur: „Lasst die Esel hier übernachten, wir können rechts über Steine runterklettern. Morgen früh holst Du die Esel über die Furt her nach, da ist noch wenig Wasser!“ Gesagt getan, Esel abgesattelt. Weglaufen würden sie nicht, denn das Gelände war steil und anspruchsvoll. Morgen sollte ich eines besseren belehrt werden. Der Sheppard und Misha halfen uns beim Gepäck und eine halbe Stunde waren wir an der Straße und am Auto. „Komm‘ mach die Tür auf“ dachten wir uns, aber er wollte erst einmal wissen wie es uns geht. Dann standen wir vor unseren georderten Dingen. Wir fragten, ob er heute noch einen anderen Food-Supply hätte und er nur „No, only you and that’s all what you ordered“ Gott, man sollte nie mit leeren Magen einkaufen oder bestellen. Wir packten alles aus und auch hier übertraf sich Misha wieder selbst. Er hatte echt tolle Sachen eingekauft. Von der Marke her, vom Geschmack her. Einfach großartig. Er half uns noch beim ausladen und dann meinte er nur 7000 SOM (90 Euro) für den Einkauf und 50 Euro für den Food-Supply. Auf die Frage hin, ob er nicht zweimal das Geld für sich beanspruchte meinte er nur. „Es war doch kein Umstand für mich und außerdem wollte ich doch unbedingt die Verrückten kennenlernen, die mit einem Kind quer durchs Tian Shan laufen“ Sympathisch, der Bursche. Ich gab ihm 2000 SOM Trinkgeld und wir besprachen noch ein letztes Mal den Rücktransfer, den er organisiert hatte. Auch hier kam er uns mit Vorschlägen und Spontanität entgegen. Wir sollten ihm einfach jederzeit eine Mail schreiben und einen Tag vorher den Abholplatz per Koordinaten senden. Wenn dort eine Piste ist, holt uns der Transferservice dort ab. Daumen hoch, wir waren endlich wieder motiviert. Ca. 50hm oberhalb der Pistenstraße (wir dachten als eine der großen Straßen sei diese asphaltiert) errichteten wir unser Camp und fielen dann wie Bestien über die Tüten her. Es gab Brot, mit Gurken, Zwiebeln, Wurst, dazu Joghurt und am Ende Schokolade zum abwinken und ein Glas Rum. Wir stießen auf einen sehr gelungenen Tag an, nichts ahnend, dass ich morgen in der Frühe einen Schock bekommen würde.

…Nun war ich endlich so weit, im Zelt besser als zu Hause zu schlafen und dann hielt mich die heute anstehende Furt die halbe Nacht wach. Ich sah schon die Esel in der reißenden Strömung davon rauschen. So war ich mit Sonnenaufgang wach und machte mich gegen 6 Uhr auf die Socken. Etwa 100hm weiter oben war die Furt, die ich gleich selbst erst einmal vor Ort ausprobieren wollte. Okay, Misha hatte Recht, der Fluss führte weniger Sedimente als am Nachmittag und jeder erfahrene Outdoorer weiß, morgens ist der Fluss am niedrigsten, aber einen wirklich spürbaren Unterschied sah ich zu gestern Nachmittag nicht wirklich. Behutsam und mit ordentlich Adrenalin im Bauch querte ich nun diese ca. 5m breite Stelle. Die hochgekrempelte Hose wurde ordentlich nass, der Schlüpper blieb aber trocken. Ich hatte an der tiefsten Stelle echt ordentlich zu tun, Gegendruck aufzubauen. Ich hatte es geschafft, nur fragte ich mich nun, wie ich das mit den Eseln zurückschaffen sollte. Apropos Esel, wo waren sie? Wie erstarrt blieb‘ ich stehen und konnte es nicht glauben. Sie waren hier eigentlich umzingelt von Steilhängen und einem reißenden Fluss, aber sie waren nicht mehr zu sehen. Waren hier etwa wieder Porter am Werk. Nur für eine kurze Sekunde zauberte mir der Gedanke, wie die Esel auf dem Rücken von Portern weggeschleppt worden, ein Lächeln ins Gesicht. Was sollte ich nun machen? Den Eseln traute ich hier am Hang nicht wirklich eine Solotour zu, aber ich machte mich nun auf den Weg zum Sheppard, ergo der gleiche Weg, den wir bereits runter gelaufen waren. Ich lief und lief und schaute dabei permanent in die Ferne, doch nichts war zu sehen. Ein Stein in meinen Crocs zwang mich zu einem Stopp und ich blickte erstmals auf den verstaubten Pfad und siehe da, kleine Abdrücke von Eseln mit geöffneten „U“ in Richtung Tal.

Diese Mistkröten hatten sich aus dem Staub gemacht, nur wie weit und wohin. Eine kleine Vorahnung hatte ich, denn der Sheppard 200hm weiter oben hatte eine Eseline am Start und wir Männer wissen doch alle, was für Opfer man für eine nette Mieze bringen würden. Nach 2km war ich besagtem Camp und die Eseline wurde von meinen beiden Ausreißern umgarnt. Ihr Liebesspiel beendete ich abrupt mit meinem Erscheinen, sie flüchteten weiter den Hang hoch. Der Sheppard half mir beim Einfangen, ich machte Pony an der Leine fest und zehrte sie nun wieder den Hang hinunter, Pommes folgte ohne Leine selbständig. Gott, war ich in Rage. Wir werden hier verarscht nach Strich und Faden. Am Fluss angekommen wehrten sich die Beiden natürlich beim Anblick der Fluten, wobei Pony hier eine bessere Figur machte, was sicher dem geschuldet war, dass alle ihre Sinne nicht die besten waren. Mit ordentlich Zug auf der Leine gab’s einen Ruck und Pony stand im Fluss. Wenn sie dann einmal drin stand, lief sie fast von allein ans andere rettende Ufer, dieses Mal musste ich sie aber führen. Sie stand wirklich weit über dem Bauch im Fluss. Die Strömung konnte ihr nichts anhaben, wo sie doch sonst so leicht kippelte. Bald stand sie am richtigen Ufer und auch Pommes folgte unauffällig. Einfacher als gedacht, dafür war ich nun richtig munter und hatte bereits die ersten Kilometer weg. Am Zelt angekommen roch es schon nach Kaffee und das Lagerfeuer loderte.

Was würde uns heute noch so passieren, dachte ich beim erzählen meiner Morgensportrunde. Reichlich gedeckt war das Frühstücksbuffet, wir labten uns in ihm und nach dem Zusammenpacken folgten wir nun der Schotterpiste bergauf. Die nächsten 4-5 km waren angenehm zu laufen bis wir ins Keregetash Tal abbiegen würden. Unterwegs mussten wir noch an einer Kontrollstation unsere Pässe vorzeigen und wurden registriert. Da die Straße nach Kumtor zur Goldmine führt, wird hier gesichert, was, wo und bei wem es nur geht. Es zog langsam Regen auf und war auch kalt. Der Soldat wies uns darauf hin, dass es da oben kalt ist und schneien kann. Was für eine Neuigkeit? In der Station trafen wir Pavel, ein Tscheche mit Rollerbike. Er wollte die Serpentinen hoch um dann abzufahren. Uns erschloss sich der Sinn dieses Genährtes bis zum Trailabzweig nicht wirklich, da er bergauf nicht schneller war. Er knipste uns mehrmals bevor wir uns verabschiedeten. Bevor wir in die Serpentinen, kurz nach der Kontrolle, einliefen, startete vor uns eine LKW Kolonne von 30 Trucks. Wir dachten nur, schnell durch hier. Doch während wir die Straße dann hochliefen, kam kein einziger LKW, nur Pkw’s. So hatte der Morgensportrunde doch was für sich gehabt. So kamen wir eine Stunde später in den Anstieg und unsere Lungen blieben vom Staub verschont. Dafür setzte uns das Wetter zu. Der Reißverschluss unserer Jacken war in ständiger Bewegung: Regen und Wind = zu, Sonne satt = Jacke auf. Doch dann kam eine Front, die uns mit kräftigen, in kurzen Intervallen ertönenden Donnern sagen wollte, „Jacke zu, jetz‘ komm ich!“ Doch wir waren immer noch auf der schönen Wetterseite. Hinter der Bergkette grollte es und wir machten in Sonne ca. 2km nach der Straße Pause. Wir hatten nicht mit dem Wetter zu kämpfen, sondern mit zwei wilden Eseln, die uns seit der Straße auf Schritt und Tritt folgten. Sie verunsicherten unsere beiden Kandidaten zunehmend, ich sah mich schon wieder im Hang beim aufkratzen selbiger. Also verscheuchten wir anfangs mit Worten und Schreien und später mit kleinen Steinchen die Esel. Yvonne wollte kurzzeitig einfach die Sättel auf diese Esel tauschen. Witzig war der Gedanke schon, aber wir hatten uns mit dem Kasper-Verein hier mittlerweile abgefunden.

Bei wechselhaften Wetter ging es im wunderschönen und einsamen Tal oberhalb der Schlucht weiter bergauf. Nach 13km kamen wir auf eine grüne weite Hochebene, die uns so zu zwinkerte, dass wir hier unser Camp aufbauten. Gott, war es herrlich hier. Zwar wieder sehr exponiert, aber dafür traumhaft schön. Als hätte es Einer von uns gerochen, setzte ca. 30 Minuten nach Zeltaufbau der Regen mit ordentlich Wind ein. Wir verbrachten den halben verbleibenden Nachmittag im Zelt mit einem Käffchen, Uno Junior und diversen Ratespielen (Tier- und Farbe-Raten). Während Yvonne mit Täve ein wenig im Daunenhimmel schlummerte, prüfte ich, ob das Ziel Naryn River realistisch war. Immer ab und an mit einem prüfenden Blick nach draußen, wartete ich ein akzeptables Zeitfenster ab um mich waschen zu gehen. Bald setzte die Dämmerung ein, Regen und Wind nahmen wieder zu. Im Zelt kochte ich das Abendessen, draußen Pommes und Pony im Unwetter. Da denkt man, die Esel wissen sich bei so einem Wetter zu helfen und sind abgehärtet, stand Pony im Windschatten unseres Zeltes, der Arsch direkt vor der Außenlüftung und zitterte. Pommes dagegen fraß einen Ring um unser Zelt. Es war an der Zeit, die lustigsten Geschichten beim Abendessen nochmal aufzutischen.

Der nächste Morgen begrüßte uns dann mit so einem Anblick . Täve freute sich mit Hochsprüngen und Purzelbäumen. Okay, eigentlich war ihm kalt und ich meinte nur, „Geh‘ raus und mach‘ Morgensport!“

Dieser und zwei weitere Tage fielen in die Kategorie „Traumtage“. Keine Wolke am Himmel, angenehme Temperaturen, dass man sogar bei 3500m noch kurz/kurz tragen konnte und, nicht zu vergessen, ein stolperfreier Tag bei beiden Eseln. Um den Bogen aber wieder ein wenig zu spannen, am späten Nachmittag sollten die Beiden wieder alles mit ihren Ärschen einreißen und es kam eine weitere Schwäche auf ihre Liste.

Gestern sahen wir 4 Wanderer, die an unserem Zelt vorbei liefen. Wir kamen leider nicht ins Gespräch, obwohl uns interessiert hätte, wo sie herkamen, wo sie hinwollten. Oh, nun erwischten wir uns, dass wir doch genau so neugierig wie die Anderen waren, die uns immer diese typischen 5-W-Fragen stellten. Daher dachten wir heute, auch auf Wanderer zu treffen. Auf einem breiten, gut erkennbaren, festen und sicheren Pfad schraubten wir uns weiter in Richtung Passhöhe. Wir trafen auf eine Gruppe von Reitern mit Gewehren. Auf unsere Frage, was sie denn erlegen wollen, antworteten sie „Wölfe!“ Von nun an hielten auch wir Ausschau nach dem bösen Tier, aber wir sahen keines, obwohl wir stets eine geniale 360 Grad Fernsicht hatten. Während die Jäger schnell in der Ferne verschwanden, spazierten wir mit den Eseln gemütlich durch das Keregetash-Tal. Jungs, kennt Ihr das, wenn Ihr mit Euren Frauen shoppen gehen müsst und nur 2km in 5 Std zurücklegt? Das macht Einen doch mehr fertig als in 5 Std. 20km zu laufen. So war es bei uns, teilweise fühlten wir uns richtig unterfordert, dass ich zur Abwechslung mal Täve auf die Schulter nahm, Pony schaute mit neidischen Blicken auf Täve. Aber die Esel hatten heute eine echt relaxte Tour. Die Steigung human, der Weg sicher, viel grün und ein entspanntes Tempo. Da wir heute auch eher los gekommen waren, machten wir auch länger Pause. Himmlisch, diese Ruhe.

In der Pause legten wir unser heutiges Ziel fest, am Keregetash See auf der Passhöhe zu nächtigen, da ja Keinem von uns die Höhe was anhaben konnte, also auch nicht dieser 3650m hohe Pass. Unter diesem Pass müsst Ihr Euch aber eher eine ausgedehnte Hochebene vorstellen, die sich über 10km erstreckt. Ich wusste nur noch, dass links am Pass irgendwann dieses See kommen musste. Wir liefen und liefen und liefen, die 3600m Marke war irgendwann erreicht, aber die Höhenmeter purzelten immer langsamer, da eigentlich nach 10km Tagesmarsch die Ebene irgendwie anfing. Es war ab jetzt kein Weg mehr erkennbar, nur viel zu viele Tierpfade. Wir blieben links des Flusses, weil ja auf dieser Seite auch der See bald kommen würde. „Bald kommen würde“ bedeutete für uns aber, dass wir ihn erst morgen sehen würden.

Wir standen bald in einem ausgedehnten Sumpfgebiet, in das wir uns immer weiter rein verirrt hatten. Es gab nun auch kein Zurück mehr, wir waren mittendrin. Äußere Anzeichen wie Wasser oder Wollgras gab es nicht, ich achtete auf eine bestimmte Grasfärbung, die ein wenig verriet, wo es nicht so sumpfig war. Immer wieder sanken die Esel ein, obwohl ich kaum einsank. Nun wurde es immer brenzliger, obwohl hier kein einziger Fluss langfloss. Das Wasser schien von den schneebedeckten Hängen oder dem oberhalb gelegenen See unkontrolliert über die Ebene abzufließen. Täve saß noch entspannt auf Pommes, was sich schlagartig änderte. Der Sturrkopf wollte seinen eigenen Weg gehen und folgte nicht Pony und mir. Auf einmal gab es einen Ruck nach vorn, Täve konnte sich gerade noch so festhalten und Pommes stand bis zum Bauch im Schlamm. Wir nahmen erst einmal Täve vom Sattel und Pommes versuchte sich mit dem Gepäck rauszuwuchten. Der erste Versuch schlug fehl, wir halfen nun mit ziehen und drücken mit und bald stand sie auch schon wieder auf festerem Boden. Zunehmend artete es in harter Arbeit aus, die Esel zu bergen. Auch wir steckten ab und an knietief im Schlamm. Es war ein Kraftakt. Ich wollte immer weiter zum Gesteinshang hoch, aber Yvonne meinte „Der Scheißsee kann mir gestohlen bleiben, wir bauen hier irgendwo das Zelt auf.“

„Hier?“ Kopfschüttelnd ging ich weiter und machte just in diesem Moment in 200m Entfernung einen kleinen 2m höher gelegenen Grashügel aus, der echt trocken schien. Wir steuerten diesen also an. Trotz des einen Patzers von Pommes wählte er immer wieder andere Wege, die auch besser waren. Er hatte das, was man ein Gespür nennt und was Pony nicht hatte. Kurz vor diesem Camp nämlich war noch ein kleiner Fluss, der zu queren war, durchsetzt mit moosigen Grasbett. Wir standen davor und ich wollte schon nach einer anderen Stelle suchen, weil ich beim Versuch zu queren wieder einmal sehr tief eingesunken war und zurückwich. Nicht aber Pony. Wer weiß, was sie geritten hat, aber mit einem Satz sprang sie in diesen Sumpf und versank auch wieder bis zum Bauch. Wir wussten, sie würde hier stehen und stehen und stehen. Also entfernten wir das Gepäck, unser Camp war ja erreicht und nachdem Pony wirklich 5 Minuten einfach dort stehen blieb, baten wir sie dann höflich, vielleicht mal da raus zu kommen. Dieser höflichen Anweisung verleihten wir mit Zehren und Drücken ein wenig mehr Ausdruck. Bald war sie auch gerettet und beide Esel hatten heute untenrum ihre Packung Wellness bekommen,..und wir sicher am nächsten Tag Muskelkater in den Armen.

Der Hügel war nicht der trockenste, sehr moosig, aber nicht sumpfig. Wir bauten das Zelt auf und mit 13km konnten wir eine gute Tagestour verbuchen, die am Ende ein wenig „schleimig“ war wie Täve meinte. Am Camp banden wir die Esel los, sie waren im Sumpf gefangen und sollten auch bis morgen in unserer Nähe bleiben. Da es zwar sonnig, aber doch sehr windig war, verbrachten wir den Rest des Tages im Zelt bei geöffneter Seitentür. Der morgige Tag sollte eine Erkenntnis zu Tage fördern, die wir gern schon am Anfang des Urlaubes gehabt hätten.

Beim Frühstück waren wir dann heute doch sehr erstaunt. Nicht das Täve bereits gut wusste, wo man sein Zelt am besten aufschlägt (ebene Fläche, Wasser, Gras und evtl. Bäume), nein heute verblüffte er mit einem Vorschlag, der sicher dem gestrigen Vorfall geschuldet war. Er hatte bisschen Schiss, heute wieder durch den „Schleim“ zu laufen. Da er gestern auf der anderen Seite des Flusses eine Schafherde gesehen hatte, schlug er vor: „Papa, wenn die Schafe da lang kommen, schaffen das auch die Esel. Lass‘ uns doch dort drüben lang gehen!“ Auf die Idee waren wir wirklich nicht gekommen, aber er hatte Recht und dem taten wir dann auch so.

Es war dort nicht wesentlich trockener, aber wenigstens versanken die Esel nicht mehr im Schlamm. Es war ein Labyrinth von Bächen und Seen, aber bald war eine Auto-Piste auszumachen, der wir nun zielstrebig folgten. Nun kamen wir bald auch am See vorbei, wobei auf der Ebene überall Seen waren. Jeder für sich wäre ein genialer Platz zum campen gewesen, aber wir wollten ja weiter. Ich hatte meiner Freundin ja in zwei Tagen eine Wellness-Oase versprochen, dass trieb‘ sie ungemein an.

Immer wieder sahen wir in der Ferne einen Hügel, „Ah, die Passhöhe, ach nein“ danach ging es doch noch weiter. Es dauerte echt noch ein Weilchen bis es abwärts ging. An diesem Tag würden wir nach 12km unser Camp auf 3500m aufbauen und die Pause verbrachten wir zum Mittag immer noch auf 3600m. Es war also ein gemütlicher Bergabritt für Täve und den Eseln konnte auch nichts weiter mehr auf dem breiten Weg passieren. Da Tag schien langweilig zu werden, dass wir den Eseln schon zur Belustigung die Beine stellen wollten, aber wir waren uns sicher, dass sie auch so noch was dummes anstellen würden. War ja immer so und würde sicher wieder so kommen. Wir hatten mal echt ausreichend Zeit um die Natur und die Umgebung zu beobachten, schon einmal die schönsten Camps des Urlaubs aufzuzählen und uns mal wieder daran zu erinnern, dass der Urlaub doch noch einen richtig guten Verlauf genommen hatte und Wetter sowie das Glück auf unserer Seite waren.

Nach 10km kamen wir wieder am ersten Nomadencamps des Tages vorbei und der Hausherr kam auch gleich zielstrebig auf uns zu. Da es ein wenig windete und auch die Fronten umher keine Wetterbesserung versprachen, ließen wir uns einladen, zumal es mich beeindruckte, dass die Frau des Hauses uns auf Deutsch begrüßte. Sie hatte wie ich in der Schule Deutsch gelernt und wie bei mir, waren nur Brocken hängen geblieben. Zum Kommunizieren reichte es und am Ende hat man ja noch die Hände zum erklären. Die Hütte war sehr bescheiden, keine typisch runde Jurte, eher eine Baracke. Es gab wieder Tee, Ayran, Milch, Brot und Kumys. Es brauchte wieder viel Zucker um den Kumys runter zu würgen. Viel schwerer war es aber, dabei das Gesicht nicht in ekelerregende Züge fallen zu lassen. Yvonne bot mir dann auch noch mit einem Lächeln ihre Schüssel an, sie kann so gemein sein. Täve bediente sich mal wieder am leckeren Brot und wir sprachen über dies und das und sie meinten, dass hier wenig Wanderer lang kämen. Uns war das klar, wir hatten mittlerweile dafür eine plausible Erklärung gefunden.

Der Keregetash Pass und sicher auch andere Pässe oder Routen sind so abgeschnitten und abgelegen, die nächsten Orte mit Einkaufsmöglichkeiten liegen 40 bis 60km entfernt, einige Pässe sind nicht mit Auto überwindbar. Wie soll man dann als Wanderer Proviant für 14 Tage mitschleppen? Wir hatten ja unsere Esel und die Möglichkeit von Food-Supply war uns ja auch neu. Letzteres werden wir wohl für zukünftige Touren wieder in Betracht ziehen, wenn es irgendwie möglich ist.

Oberhalb der Hütte war eine ausgebaute Piste, die vom Issyk Kul nach Naryn führte. Sie war wenig befahren, so wenig, dass wir diese die kommenden Tage für uns als Wanderweg nutzten und wir nur 10 Autos (Touristen und Nomaden) sahen. Heute aber liefen wir nach der kleinen Stärkung etwa 500m unterhalb der Straße querfeldein um ein Camp zu finden. Nachdem Täve der Familie eine Schokolade als Dankeschön überreichte, ging es keine 2km weiter und wir fanden eine tolle Stelle mit Ausblick auf das Jil Suu Tal, was hier begann. Es war ein traumhafter Platz, ein unspektakulärer Tag für unsere Nerven.

Beim Zeltaufbau schaute uns ein Sheppard auf seinem Pferd zu, der so begeistert davon war, dass er einen Blick ins Zelt warf. Wir hatten den Zeitpunkt mal wieder ideal abgepasst. Über den Kamm zog nun ein Unwetter mit ordentlich Wind und Regen herein. Dazwischen immer wieder kurze Phasen von Sonnenschein, aber wie immer bei Einbruch der Dunkelheit zogen die Wolken weg und die sternenklare Nacht begann. Im Zelt gab es mal wieder Nudeln, der Appetit war wieder da, danach ein Gläschen Rum um sich für den anstehenden Waschgang im Fluss aufzuwärmen.

Am Morgen wachten wir mal wieder auf, weil es unerträglich im Zelt wurde. Die Sonne brutzelte schon wieder ordentlich. Da die Landschaft aber im Jil Suu Tal offener und breiter wird, schien die Sonne gleich kurz nach 6 Uhr aufs Zelt. Mir gefiel es hier unten auch, obwohl ich die Bäume und Wälder vermisste. Sie brachten irgendwie Abwechslung fürs Auge. Hier unten gab es keinen Busch, doch unsere 2.Flasche 1.5L Benzin war noch zu 1/3 voll. Der Hobo hätte maximal Scheiße verbrennen können wie es die Nomaden hier unten alle machen, aber der Geruch war weit entfernt vom leckeren Holzverbrennungsgeruch. Wir blieben beim Benziner. Während des Zeltabbaus fuhr eine Autokolonne von 5 Jeeps die Straße entlang, sicher eine Jeep-Safari. Wir gingen noch ein wenig quer durch die Prärie bis wir auf die sehr ruppige Piste kamen. Hier kann man wirklich nur mit einem Jeep langfahren, die Straße wird nicht instand gehalten. Bei Erdrutschen werden diese einfach umfahren und die Straße bekommt einen neuen Verlauf.

Immer wieder trafen wir auf Nomaden mit ihren Herden, meist Schafe, Kühe und Pferde. Neu dazu kamen bald eine Art von Yaks. Dieses langhaarige Vieh stand entspannt in den Flüssen und genoss sichtlich die Abkühlung, selbst Schuld, wenn man hier schwarz trägt. Es war wieder mächtig heiß. Nach der Pause kamen wir an einer Jurte vorbei, die nahe dem Weg lag. Wir hatten eine leere Cola-Flasche und hatten unser Milchpulver so satt, dass wir nach Milch fragten. Er schenkte uns die Flasche ein und gaben ihm 200SOM (2-3€). Er freute uns und bot uns bei der Gelegenheit auch gleich noch Selbstgebasteltes an.

Nachdem wir Milch getankt und zwei Filz-Esel-Souvenirs eingesackt hatten, ging es weiter gemächlich im Tal runter. Es sollte nach 1km noch eine Jurte kommen, bevor wir 2km später unser Zelt auf einer kleinen von Wasser umgebenen Insel im Fluss aufbauen sollten. Die Jil Suu war in diesem Tal bis zu 100m breit, sehr flach und sehr verzweigt. Die Esel bockten mal wieder mächtig rum, dass sie auf einer Insel gefangen waren, aber uns gab‘ das die Sicherheit, sie mal wieder ohne Fesseln auf der 10x20m großen Insel frei laufen zu lassen. Am nächsten Morgen würde so wieder zum Überraschungsei werden, wobei wir den Eseln eine freiwillige Furt nicht wirklich zutrauten. Naja….

In der Nacht musste ich nun mal aufs Klo. Wie so immer tritt man nur einen Schritt heraus und bei einem Rundumblick sah ich beide Esel auf der Insel grasen. Beruhigt ging ich wieder ins Zelt und war des Sieges sicher…bis ich dann am Morgen aufstand und vergeblich die Esel im sichtbaren Umfeld suchte. Ich hätte kotzen können, ich hatte diese morgendlichen Joggingrunden in Unterhose und Crocs echt satt. Wo waren sie nun. Dieses Mal konnte ich Spuren lesen vergessen, es war eine Graslandschaft. Sie konnten überall sein, nur die Querung des breiten Flusses und der angeschlossenen Steilwand traute ich ihnen nicht wirklich zu. Also konnten sie flussabwärts, bergauf oder flussaufwärts gegangen sein. Da die Beiden in letzter Zeit immer wieder zu Nomadenzelten gewandert waren um mit Eselinen rumzumachen, entschied ich mich für flussaufwärts. Dort hatten wir gestern in 2km Entfernung ein Camp passiert.
Die Hoffnung starb zuletzt, sie eher wieder zu finden, aber nein, sie waren direkt an diesem Camp. Während Pommes mit der Eseline rumtänzelte, gab sich Pony mit einem Pferd ab. Die hat wirklich ein Luder, dachte ich mir. Mit den Balztänzen war es schnell vorbei als sie mich sahen. Nun musste ich schnell sein und Pony fangen. Ich jagte sie ins unsichere steile Gelände, aber auch ich machte dort mit den Crocs keine gute Figur. Holpernd und stolpernd umklammerte ich dann aber irgendwie Pony und gefrustet begab ich mich zum Zelt zurück. Sie hatten den Bogen überspannt, ab heute keine Freiheiten mehr.
Am Zelt gab es dann Frühstück, wieder einmal bei Traumwetter, der weitere Weg sollte uns heute auf der Schotterpiste weiter ins Tal führen. Hoch motiviert mit Ziel „Hot Spring“ gab Yvonne ein sportliches Tempo vor. Auf dem Weg konnte nicht viel schief laufen. Breit, gut ausgebaut, keine Stolperfallen, leichtes Gefälle. Nach ca. 2 Stunden kam uns eine Wandergruppe von 10 Leuten entgegen. 1 Stunde zuvor kam uns ihr Verpflegungsbus entgegen. Sie machten eine Wanderung mit dem Ziel Karakol. Wir kamen ins Gespräch mit den Wanderern aus Frankreich, England und Italien. Wir fünf mussten natürlich mal wieder Modell stehen, Beweisfotos wurden geschossen, neugierige Fragen gestellt. Bald ging Jeder in seine Richtung weiter und wir waren wieder mit den Yak-Herden allein auf weiter Flur.

Die Mittagspause im immer weiter auseinander gezogenen Tal war wieder einmal was für die Augen. Bekleidet von Eddie Vedders Ohrwürmern aus Into the wild fühlten wir uns wie Alex Supertramp. Langsam, aber sicher war uns bewusst, dass und der Alltag und die Zivilisation bald einholen würde. So genossen wir die Pause länger als gewohnt. Auf dem Weg weiter ins Tal kamen uns nun 1 bis 2 Autos entgegen. Natürlich sollten wir auch für sie Motiv stehen. Aus der Ferne war nun bereits der Abzweig zum Teshikkel See sehen, der 400m über dem Tal lag. Er war einer der Optionen, die wir in Betracht gezogen hatten, aber Yvonne Antwort darauf war: „Mit diesen Idioten laufe ich keinen Meter mehr hoch“ und zeigte dabei energisch auf die Esel. Dort unterhalb des Abzweiges sollte die heiße Quelle liegen, aber während das Auge das Ziel für nah hielt, mussten die Beine noch ein wenig laufen. Während ich bei jeder Jurte einen Umweg lief um nach Milch und Brot zu fragen, liefen die anderen 4 Gefährten weiter auf der Piste. Wir wurden aber auf die heiße Quelle vertröstet. Bald war diese erreicht und ohne bis dahin die Quelle gesehen zu haben, waren wir schon ein wenig enttäuscht. Die heiße Quelle schien ein Besuchermagnet zu sein,nicht für Touristen, sondern für die Einheimischen. Während jeder Touri hier 300SOM (3-4€) zahlen muss, genießen die die Einheimischen das heiße Bad umsonst oder waschen dort ihre Klamotten. Ich schlug vor, etwas oberhalb über der Piste unser Camp einsam aufzubauen, aber Yvonne wollte direkt an der Quelle das Camp errichten. Dass dies für Täve ein Glücksgriff und am Ende auch für uns war, zeigte sich wenig später. Denn nach Zeltaufbau und Inspizierung der Quelle erschien eine niedlich kleine Kirgisin, mit der Täve nun den ganzen Tag spielte, ihr bei der Hausarbeit half und wir das Gefühl hatten, kein Kind zu haben. Okay, wir hatten für ihn eigentlich auch keine Zeit, denn in der Nähe der Quelle wohnten der Zahlmeister und seine geizige Frau, die unser Zelt belagerte. Neben dem Zelt wollte sie auch gleich noch das Solarpanel und den Powerbank erwerben. Das Zelt ist unverkäuflich, bei den anderen Sachen wäre ich ihr entgegen gekommen, aber sie wollte je nur 2000 SOM (25 Euro) zahlen und sie ging mir auch nicht mehr von der Pelle und fummelte permanent an dem Panel rum, dass es keine Sonne mehr bekam. Okay, sie hatten hier oben keinen Strom, aber verschenken tu‘ ich nun wirklich nichts. Sicherheitshalber versteckte ich ihre Wunschartikel im Zelt, sicher war sicher.

Wir genossen den Tag noch am Camp, mit Ausblick auf eine Ruine, die sicher mal zu besten sowjetischen Zeiten als Therme diente. Am Hause der kleinen Kirgisin standen Grundmauern, wo sie getrocknete Scheiße in Blöcken rausstachen. Da hier kein Baum stand, nutzten sie dieses Material zum verfeuern. Täve spielte mit seiner neuen Freundin am Ablauf der heißen Quelle, wo sich Frösche tummelten. Sie fingen sie in einen Ortliebsack ein und hatten ihren Spaß dabei ohne sich wirklich zu verstehen.

Es dämmerte bald und nun wollte Yvonne und Täve die baufällige Baracke mit der heißen Quelle besuchen. Da diese mit einer Tür verschlossen war, wenn Jemand drin war, musste man den richtigen Moment abpassen um ein freies Zeitfenster für sich selbst zu erwischen. Ich blieb‘ lieber am Zelt, weil ich den leisen Verdacht hatte, dass die Frau sich das Panel unentgeltlich besorgen wollte. Ich kochte also derweil das Essen, während für Alle am heutigen Samstag anscheinend der Badetag der Woche war. Es war ein reges Kommen und Gehen und immer wieder schauten Kirgisen auf Nachfragen ins Zelt uns bestaunten Ausrüstung und Mensch. Auf weitere Kaufverhandlungen hatte ich heute keinen Bock mehr. Hätte nur noch Einer gefragt, ich hätte mich im Zelt eingeschlossen, aber es war zu schön draußen. Yvonne, am Zelt zurück, berichtete von der Quelle, die so gar nicht ihren Vorstellungen entsprach. Sie war so heiß, dass auch mit kalter Wasserzugabe ein kompletter Einstieg unmöglich schien. Das Becken war zu groß und eine Zuleitung mit kalten Wasser gab es nicht. Also hatten sich die Beiden mit einem Mix aus kalten und heißen, ja besser sehr heißen Wasser übergossen. Da mir der Akt noch bevorstand, meinte Yvonne nur. „Da gehst Du Weichei nie und nimmer rein“. Nicht dass ich das als Ansporn nahm‘ , aber irgendwie landete ich dann doch zwanghaft im Becken..

Das Essen war verdaut und im Schutz der Dunkelheit bewegte ich meine geschundenen Knochen Richtung Badehaus. Die Tür war verschlossen. Mist! Urplötzlich ging sie aber auf und die Worte „Come in, only men inside!“ drangen heraus. Okay, ich trat ein und ein Slowene und zwei Russen saßen bereits im Becken. Ein Andere war im Begriff zu gehen. Ich zog mich also aus und währenddessen bewegten mich die Gedanken an Yvonnes Worte. Eigentlich wollte ich weder Yvonne noch mir was beweisen, aber nun stand ich nackt vor diesem qualmenden Becken und drei Herren schauten mich an. „Ach nee, lass‘ mal, ich will mich nur ein wenig übergießen“ wäre hier wohl unangebracht gewesen. Den Stempel „Pussy“ hätten sie mir umgehend auf die Stirn geklatscht.
Also hieß es nun, ab durch die Mitte, mittendrin statt nur dabei. Ich stieg ins Becken ein und es war schier unmöglich, die Schmerzen zu verheimlichen. Der eine Russe meinte „Come in and sit down“, ich war aber noch nicht einmal bis zu den Knöcheln drin. Okay, Verbrennungen dritten Grades waren nun vorprogrammiert. Zwischen Ohnmacht und Adrenalin stand ich dann irgendwann im Becken, das Wasser bis zum Bauchnabel und schwupps, da drückte mich der bullige Russe auch noch mit dem Rest unter Wasser, nun stand es mir bis zum Kehlkopf. Diese markante rote Linie sollte ich Tag darauf noch am Halse haben. Innerlich schreite ich, äußerlich gab ich den coolen. Der Slowene meinte, dass es der größte Fehler sei, wenn man sich im Becken bewegt. „Shit i moved“ waren seine nächsten Worte. Es war unglaublich heiß. Bald verschwanden die anderen beiden Russen und ich schlug dem Slowenen, namens Miroslav vor, uns im 4 Grad kalten Gletscherfluss abzukühlen. Tja, da staunten die Russen nicht schlecht, als wir nach der Abkühlung nochmals ins Becken stiegen, nun war es auch angenehmer, aber 10 Minuten waren echt die Schmerzgrenze. Jedoch war die slowenische Gesellschaft sehr kurzweilig und seine Antwort „Neuseeland“ auf meine Frage hin, was denn sein Ziel sei, machte mich neugierig. Wir quatschten dann noch ein wenig außerhalb des Beckens und 1 Std später war ich dann wieder im Zelt, wo schon Alle schliefen. Ich brauchte keine 5 Minuten und war dann auch liegend k.o.
Am nächsten Morgen war es kein Problem, die Esel zu finden. Die Fussfesseln saßen eng, sie waren keine 50m vom Zelt entfernt und leckten sich ihr salziges Frühstück am Gestein zusammen. Täve wollte noch vor uns aus dem Zelt, klar, die kirgisische Mieze lockte mit ihrem Antlitz. Wie entspannt es auf einmal für uns war. Während wir frühstückten, half Täve der Kleinen beim Kneten der Kuhmilchkugeln oder stach mit ihr die Blöcke aus Scheiße aus. Sie delegierte, er erledigte. Alles war klar gesteckt. Wir schmunzelten und ließen ihm hier mehr Zeit als wir eigentlich hatten. Er genoss aber die Gesellschaft und das Leben innerhalb dieser einfachen Familie und störte sich keinesfalls an der Lebenssituation. Wir dagegen waren zum Aufbruch bereit und hatten aber so Zeit, mit Miroslav zu plaudern. Er hatte ein dramatisches Erlebnis in der Vergangenheit durchlebt und alle Brücken nach sich abgerissen um zu leben, zu erleben, zu erfahren und sich zu bilden. Er war hier in Kirgistan um reiten zu lernen und hatte sich für 500 Euro ein Pferd gekauft. Diese Pferde sind leicht in der Handhabung, akzeptieren fast jeden Reiter sofort und sehen fantastisch aus. Nach Kirgistan sollte Indien und Neuseeland eine grobe Weiterreise markieren. Während wir an seiner Reise interessiert waren, löcherte er uns immer wieder mit Fragen. „Wohin, warum, wieso, was, wo….“ Aber eine Frage fand ich mal wieder interessant und fand für mich verblüffend die besten Worte. „Is it easy to travel with a 5 years old child?“ Und ich erwiderte spontan „Not the children are the troublemaker, but the parents“ und sofort nickte und lächelte er. Wir verstanden uns sofort und die Chemie stimmte. Wir waren aus dem gleichen Grund hier.

Bald brachen wir auf, kauften noch ein Brot für 50 Som und eine Milch für 100 Som, wenig später folgte uns Miroslav mit seinem Pferd Johnny und fragte höflich, ob er uns denn heute begleiten könne. Mit ihm gingen wir nun weiter und weiter ins Tal hinunter, immer mehr in der Ferne und ab und an am Weg Nomadenzelte und Viehherden. Man bekam mehr und mehr den Eindruck, dass sich die alpine Landschaft in eine Steppe verwandeln würde. Das Klima heißer und trockener, die Vegetation spärlicher.

Während unserer Pause wollte Miroslav nach Empfang fürs Handy suchen, da aber sein Akku zur Neige ging, gab ich ihm unser Powerbank mit. Er folgte dem direkten Wege über die Berge, wir den Weg an der Piste entlang ins Tal. Dort würden wir sicher ein gutes Camp und Wasser finden. Nach 1 Stunde Pause und 2 Stunden wandern machten wir uns aber so unsere ersten Gedanken, ob wir Miroslav und unseren Powerbank je wiedersehen würden. Hatten wir uns so in diesem Menschen getäuscht? Er war wohl der sympathischste Seelenverwandte.
Yvonne drehte sich auf einmal um, da kam ein im Schutze des Pferdes abgeduckter Reiter des Weges. Miroslav war es und Täve konnte nun wieder auf Johnny reiten. Er begleitete uns noch 1km und bald fanden wir unser Camp in einer weiten und offenen Ebene. Wir verabschiedeten uns herzlich und in einer kleinen Mulde mit Bächlein in der Nähe errichteten wir unser Camp. Die Esel wurden mit Fussfesseln entlassen und positionierten sich geradewegs direkt an der 200m entfernten Piste, das roch stark nach einem Suizid.
Der Nachmittag war noch jung, wir sonnten uns, genossen die Umgebung, gingen uns mal bei Sonne im Bach waschen und planten die letzten Tage in Kirgistan. Während wir am Abend mal wieder von Kühen belagert worden, kochten wir unser Abendessen und im Gedenken an die vorletzte Nacht leerten wir die Rumflasche mit den Worten „Was für ein geiler Urlaub!“

Heute sollte der letzte Marsch anstehen. Wir wussten, dass wir nicht mehr bis zur Straße am Naryn River kommen würden und ca. beim Zusammenfluss von Bolgart und Archaly unser letztes Camp aufbauen würden. Dort sollte es auch ein paar Häuser geben, wo wir unser Esel verkaufen könnten.
Bis dahin war es aber noch ein weiter Weg. Nach einem ausgedehnten Frühstück schlenderten wir förmlich durch die weite Prärie, irgendwie so, als wollten wir nicht, dass diese Reise ein Ende haben sollte. Nach zwei Stunden kamen wir an einer Jurte vorbei, wo wir wieder nach Milch und Brot fragten. Hier schmeckte uns es besonders, dass wir gleich drei Brote kauften. Tja, da musste die Muddi wieder ran zum backen, wir hatten den Tagesbedarf weg gekauft. Vielleicht haben die nun aber eine Marktlücke entdeckt, denn auf die Idee muss man erst einmal kommen und wir haben es zu spät entdeckt.
Erst einmal Pause bei Brot und Milch, hoffentlich hat hier Keiner Laktoseintoleranz. Täve beanspruchte den Liter immer für sich, es war förmlich ein Kampf, einen Schluck abzubekommen, so lecker und natürlich schmeckte sie. Ich könnte schwören, dass ich das Gras rausschmecken konnte.

Nach der Pause bogen wir von der Hauptpiste, die links der Bolgart folgte, ab und gingen geradeaus weiter, über kleinere Hügel, immer zwischen Herden von Tieren entlang. Hier oben war es richtig trocken, das Gras dürr, kein Bächlein, der Boden furztrocken. Der Weg war zäh und bald sahen wir am Horizont einen großen Neubau mit angeschlossenen Bauernhof, der nicht wirklich ins kirgisische Bild passte. Hier wollten wir unsere Esel mal anpreisen. Der ältere Herr, sichtlich kein armer Bauer wollte uns 2000 SOM bieten. Den Preis fanden wir akzeptabel, da wir dachten er meinte je Esel und Sattel also 8000 SOM. Wir hatten ihn falsch verstanden, er wollte 2000 für alles bieten (26€). Wir waren aber noch 2km vom Fluss und der Hauptpiste entfernt. Der Preis lockte uns also nicht wirklich. Für diesen Preis hätten wir sie auch frei lassen können.
Wir gingen also weiter Richtung Fluss und waren bald an den bereits erwähnten Häusern, am Ortseingang gleich eine Jurte. Dort fragten wir als erstes und kamen mit dem Hausherren ins Gespräch, er wollte auch 2000 SOM bieten, war uns aber wesentlich sympathischer. Wir belogen ihn mit unserer Abreise und sagten, dass wir erst in drei Tagen abreisen würden, sonst wäre der Preis sicher noch weniger gewesen, wenn er gewusst hätte, dass wir unter Druck stehen. Wir wollten noch mehr aus den Eseln rausholen und fragten noch im Dorf rum. Keiner wollte die Viehcher haben.

Wir bauten unser Zelt nahe der Brücke auf und teilten unserem Transferservice die neuen Koordinaten per Satellitentelefon mit. Die Esel bekamen erst einmal wieder ihre Fesseln angelegt und wir sortierten schon ein wenig das Gepäck für morgen. Die letzten Vorräte wurden am Abend verkocht und der Abend war sehr kurz im Verlauf, da Süßes und Alkohol alle waren. Ich überbrückte jedoch die etwas miese Stimmung mit karamellisiertem Zucker auf Löffeln. Das hob die Stimmung etwas.

Tag darauf saßen wir beim Frühstück, erstmals war Yvonne eher wach geworden und schon draußen gewesen. „Sag‘ mal, Du hattest doch Pony an den Strommast angebunden und die Fußfesseln entfernt?“ Jaaaaaaaaa und? „Tja, weit und breit keine Esel zu sehen“. Weit und breit hatte hier wirklich die richtige Bezeichnung, denn hier war das Gebiet flach und ohne Probleme weit einzusehen. Yvonne meinte, ich soll es dabei belassen und frühstücken kommen. Aber was ich an der Leine sah, war der Hammer. Sie war durchgekaut. Die Esel waren echt der Hammer. Ich war in Rage. In der Ferne war nur eine Pferdeherde zu sehen, dort ging ich mit strammen Schritt hin. Bald war ich so nah dran, dass ich nur den Kopf schütteln konnte, was ich da sah. Die beiden Esel standen mitten in einer Pferdeherde von 30 Tieren und grasten gemütlich. Ich näherte mich nun langsamer um nicht aufzufallen, doch die Pferde erschraken und rannten weg. Super, da komme ich besser an die Esel ran, dachte ich mir. Aber was nun kam, setzte dem Ganzen die Krone auf. Pony und Pommes rannten mit ihnen in einem Wahnsinnstempo davon. Was geht hier ab? Denken die, dass sie Pferde sind? Ich dachte, die können nicht laufen, aber wegrennen können sie wie Usain Bolt?
Glücklicherweise konnte ich auf die Blind- und Dummheit von Pony bauen, denn sie separierte sich selbst von der Pferdeherde und rannte in Richtung Zelt und Fluss. Pommes würde ich nicht bekommen, aber wenn ich Pony hätte, würde auch Pommes folgen. Ich rannte in Crocs Pony hinterher. Bald hatte ich sie mit Links-Rechts-Haken an einen Zaun gedrängt, sie wollte immer nach links laufen, ich drängte sie aber nach rechts, da der Zaun am rechten Ende im Fluss auslief. Nun hatte ich die Mistköder und konnte frühstücken. Wir entschlossen uns, die Beiden nun doch zu verkaufen, da sie irgendwann eh wieder in die Arme von Nomaden gelaufen wären.
Nun kam ein Auto an und wir noch mitten beim Frühstück. Es parkte unweit vom Zelt. Er war eine Stunde früher als geplant da, aber es war bereits unser Transfer. Wir wollten uns nun beeilen, da der Transfer über die Pisten bis Bishkek schon 6 bis 7 Stunden dauern würde. Also zog ich mit den Eseln zu dem Nomaden los. Dort angekommen, war er sich sicher, dass er gestern nur 1000 SOM geboten hatte. Dumm war er nicht, er hatte sicher bereits den Transferbus an unserem Zelt gesehen und wusste, wir müssen verkaufen. Ich akzeptierte den Preis, während ich das Gefühl nicht los wurde, dass sich der Nomade und sein Kumpel über mich lustig machten, weil sie mich gerade über den Tisch gezogen hatten. Innerlich lachte aber ich, weil ich wusste, was für Mängel diese Tiere hatten. Die 1000 SOM bekam am Ende der Fahrer als Trinkgeld.

Die Fahrt nach Bishkek war nicht schön, aber notwendig. In Bishkek wurden bereits die Vorkehrungen für den morgigen Nationalfeiertag getroffen. Wir schlenderten noch einmal durch die City, kauften Souvenirs und Essen und im Hotel genossen wir den Luxus und die Zivilisation, nur das Gras auf dem Klo fehlte….

 

 

 

Der erste Eindruck zurück zur Liste

Wir sind nun seit zwei Tagen wieder in Deutschland und haben auch schon die 1200 Bilder durchgeschaut. Nicht erst jetzt und auch nicht nach längeren Nachdenken, sondern bereits vor Ort nach 7 Tagen war uns klar: Kirgistan wird Hawaii und Island um Längen schlagen. Wir gingen sogar soweit, dass uns dieses Land den Flash verschafft hat, nachdem wir gesucht haben. Es ist natürlich unsere subjektive Betrachtung unter Berücksichtigung unserer Art zu reisen. Dabei ist es wichtig, frei zu sein, wenig Gesetze beachten zu müssen, wenig Leute zu treffen, auf gastfreundliche Einheimische zu treffen, eine (nahezu) unberührte Natur vorzufinden, wild zelten zu können, Feuer zu machen und Wasser aus den Flüssen zu trinken. Alle diese Punkte wurden erfüllt.

Klar, wurde der Plan mal wieder nicht erfüllt, aber der Plan sah es ja auch vor, abzuweichen, auszuweichen, abzukürzen, umzukehren und auszulassen. Der Plan, das Ziel Song Kul zu erreichen, war realistisch, da wir Erfahrungen mit Eseln in Frankreich gemacht hatten. Aber Tiere sind wie Menschen keine Maschinen, sie haben unterschiedliche Charaktere, Eigenarten und physische wie psychische Besonderheiten. Unsere beiden männlichen Esel Stalin und Lenin, die Täve kurzerhand vor Ort in Pommes und Pony umtaufte, setzten uns dieses Mal die Grenzen. Während Pony auf dem einen Auge blind und vom Grundwesen her faul und desorientiert war, stand Pommes seinen Mann, entpuppte sich als reges Arbeitstier und stabilisierte den Ruf eines Esel ein wenig, den Pony permanent aber wieder ruinierte. Dies schien ab und an sehr unterhaltsam zu sein, jedoch brachte es uns auch in so manche gefährliche Situationen. So scannte Pony mit dem gesunden Auge unwegsame Passagen immer drei- bis viermal ab, bevor sie sich heran tastete. Ein anderes Mal stolperte sie beim Naschen einer Distel und ihr Kopf verschwand zwischen den Beinen. Selbst irritiert stand sie mit der ganzen Distel im Maul wieder auf und schaute verstört umher. Das andere Mal wollte ich sie durch eine enge Stelle lotsen, doch sie meinte, die Situation besser einschätzen zu können und sprang einfach. Das Ziel war meine Person, sodass sie mir fast in die Arme sprang, aber an mir abprallte. Beide lagen wir nun konsterniert da. Ihr merkt schon, dass ich immer „sie“ schreibe. Aber Pony war kein Esel, war kein Mann, es war einfach eine „sie“. Gefährliche Situationen bescherte sie uns noch mehr. Sie fiel permanent samt Gepäck hin, konnte schmale Wege schlecht einschätzen und verlor den Halt. So rutschte sie mehrmals Hänge hinab, verlor unser Gepäck, welches ins Tal stürzte oder verschwand in Gesteinsspalten und blieb liegen. Dies alles geschah innerhalb der ersten Woche. Wir lernten aber ihre Schwächen kennen (Stärken gab es ja keine) und konnten ab der 2.Woche damit umgehen, so dass alles routinierter vonstatten ging. So trainierten wir die Beiden so gut, dass sie zwanglos über Brücken und durch bauchhohe Flüsse gingen und Tagestouren von 22km und 1200hm schafften.

Enttäuschend für uns war, dass die Esel zu uns und wir demnach auch nicht zu ihnen eine Beziehung aufbauten wie bei Pommes in Südfrankreich, was wohl darin liegen mag, dass es sich um Wildesel handelt und die nicht so domestiziert sind. Anfangs striegelten und fütterten wir die Esel mit Äpfeln und Karotten als Belohnung. Sie dankten es uns am Abend mit Tritten und am Morgen mit Einfangorgien und Befehlsverweigerung. Guides und Nomaden wiesen uns später in den richtigen Umgang ein. Es sind Nutztiere und wollen als solches auch Arbeit verrichten. Während wir sie anfangs nur mäßig beluden und unsere Rucksäcke noch selbst trugen, meinten die Nomaden „voll beladen mit allem, was man hat, dann laufen sie“. Grotesk, aber so war es am Ende. Genauso war es mit der Faulheit. Anfangs pausierten sie nur und Pony legte sich permanent hin. Immer gaben wir Ihnen diese Auszeit, jedoch häufte sich dies immer mehr. Einige Guides lachten uns schon aus und meinten, dass die Esel nicht so dumm seien. „Ihr müsst die Pausen festlegen, wenn die sich hinlegen, mit Stock oder Peitsche eine auf den Arsch hauen und „Tschu“ rufen, dann laufen die wieder“. Reibungslos lief es dann wirklich erst nach einer Woche. Die Esel merkten nun, dass sie nicht konnten wie sie wollten.

Neben diesen Problemen und Erfahrungen passierten aber auch noch andere Dinge, die den Urlaub nie langweilig machten. So wurden uns am 3. Tag am Einstieg zum Pass Teleti zwei blaue Esel-Packtaschen geklaut, voll mit Pässen, Handy, Satellitentelefon, Navi, Solarpanel, 20000 SOM (250 Euro) und 400 Euro. Porter klauten uns diese und als ich unerwarteter Weise nach 15km und 700 Höhenmeter Trailrunning ins Tal in ihrem Camp stand, staunten sie nicht schlecht und argumentierten, dass sie diese nur mitgenommen hätten, weil sie dachten, sie gehörten ihren Klienten. Nun durfte ich 50 Euro als „Belohnung“ bezahlen, was aber einen Heimritt zu Pferd beinhaltete. Ich war so was von kaputt. Ein anderes Mal retteten wir ein Pferd vor dem sicheren Tod, welches in ein Loch gefallen war. Auch die Fahrt von Bishkek nach Karakol war ein pures Rennerlebnis, denn der Taxifahrer fuhr nach dem Motto „Time is money“. Wir wurden in viele Jurten von Nomaden eingeladen, merkten nach 2 Wochen, dass der Proviant zur Neige ging und mussten auf 3800m Höhe im Schneegestöber bei Minusgraden das Zelt aufbauen. Es gibt soviel zu erzählen, soviel zu berichten, dass wir erst einmal zusammen alles Revue passieren lassen müssen um auch wirklich nichts zu vergessen.

Nur eines sei gesagt. Die 23 Nächte im Zelt waren wohl der kompletteste Urlaub ohne Unterbrechungen. Pures Outdoor Leben, einfach nur wandern, in der Natur sein, zelten, leben und wenig bis keine Zivilisation. Sonst mussten wir zwischendurch immer wieder fliegen, eine Fähre, einen Bus oder einen Mietwagen nutzen. So war der Urlaub immer zerstückelt. Dieses Mal nur am Anfang und nur am Ende ein Transfer, ein Hotel.

Schaut also mal wieder hier vorbei, bald gibt es einen längeren Bericht, der 80-Seiten-oder-mehr-Bericht wird wohl erst Ende des Jahres fertig werden. Bis dahin werden nach und nach hier Bilder hoch geladen. Bleibt gespannt und interessiert!

Wollt Ihr virtuell dabei sein? zurück zur Liste

Wie auch schon auf Hawaii macht es unser Satellitentelefon möglich, dass Ihr unsere Tour live mitverfolgen könnt. So wisst Ihr, wie schnell wir und die Esel durch das Tien Shan laufen und ob wir alles wie geplant durchziehen können. Auf die Frage von Yvonne, ob ich den schon gespannt sei, antwortete ich nur „Angespannt passt eher“ Wir haben keine Pauschalreise gebucht, wo ich bei Nichtgefallen einfach den Veranstalter verklagen kann. Nein, alles ist auf unserem, naja eher meinem Mist gewachsen. Wirklich entspannt bin ich, wenn die Esel gut mithalten, wenn wir die Höhe von max. 4000m gut vertragen und wenn das Wetter uns nicht einen Strich durch die Rechnung macht.

Persönlich bin ich offen und ehrlich und sehe diese Tour als größte bisher geplante Herausforderung, wobei ich nie von Superlativen getrieben werde. Jedoch verleitete mich die reizvolle Landschaft und der gebändigte Ehrgeiz meiner Freundin und meines Sohnes zu dieser außergewöhnlichen Tour mit den noch außergewöhnlicheren Transportmittel, die auf die sicher außergewöhnlichste Art beschafft wurden.

Seid also live dabei und genießt auf der Couch die 420 km Wandertour quer durchs Tien Shan. Entweder unten auf der eingebetteten Karte oder direkt auf der Homepage von Delorme.

 

 

Wie es dazu kam? zurück zur Liste

Nachdem der Hawaii Bericht geschrieben, der Winterurlaub geplant und die Kanutour im Mai in unseren Köpfen war, blickten wir wie jedes Jahr in die zeitliche Ferne unseres Jahresurlaubes. Was kommt nach Hawaii? Dank des alltäglichen stumpfsinnigen Abendprogramms zieht es uns meist zu Reportagen hin. Durch Zufall landeten wir eines Abends auf EinsPlus und verschlungen den Bericht über zwei Berliner, die mit dem Rad nach Shanghai wollten. Das Projekt Berlin2Shanghai führte auch durch Kirgistan. Von der ganzen Reise blieben komischerweise nur die Eindrücke von diesem Abschnitt hängen und ich fing an, die Tage darauf im Netz zu recherchieren. Just erstellte ein User im ODS Forum einen Wanderbericht über den Tien Shan, das Gebirge, was zu 90% von Kirgistan vereinnahmt wird. Ich steigerte mich mehr und mehr hinein und sammelte alle Vorteile dieses Landes um in einer Abenddebatte bei Wein meine Freundin davon zu überzeugen. Yvonne guckte mich ungewohnt fragwürdig an. Oh Gott, nun hatte ich den Bogen mit der Wahl des Urlaubszieles sichtlich überspannt. „Zu den Russen, ist es da sicher, wie kommst Du nun da drauf?“ Ich schenkte Yvonne mehr Wein ein und ergriff energisch das Wort um meinen Argumentationsleitfaden nicht zu verlieren.

  • überall wild zelten, ausreichende Wasserressourcen
  • kein langer Flug wie Hawaii
  • preiswerte Flüge
  • niedrige Lebenshaltungskosten vor Ort
  • für Trekking gerade so ausreichende Infrastruktur
  • einsame und unberührte Landschaften
  • warm und relativ beständiges Wetter
  • abwechslungsreiche und atemberaubende Natur
  • ich kann russisch lesen, sprechen und schreiben
  • als einziges GUS Land keine Visapflicht

Ich hatte eine andere Reaktion erwartet und meinem Enthusiasmus folgte nicht einmal Täve, obwohl der zu allem „tolle Idee“ sagt. Ich ließ das Ganze mal eine Woche wirken und scrollte mich eines Abends durch Youtube durch. Bilder und Videos sagen mehr als tausend Worte. „Wow, faszinierend, unglaublich, da will ich hin!“ Zack und die Parteispitze verabschiedete das Urlaubsziel Kirgistan.

 

Wie aus Urlaubern Kirgisische Tierbesitzer werden? zurück zur Liste

Ein Urlaub wie jeder andere? Wieder mit Pilgerwagen wie auf Hawaii? Ja, das war unser erster Gedanke. Die Reiseführer lagen auf dem Tisch, eine grobe Landkarte diente zur Übersicht. Beim Durchblättern fielen uns immer wieder die vielen Pferde und der Reitourismus ins Auge. Pferde, die sich mit Lasten durch die „zentralasiatische Schweiz“ kämpften. Es ratterte und ratterte und irgendwann war die Idee gewachsen, den Pilgerwagen daheim zu lassen und auf Lastentiere umzuschwenken. Wir brauchen aber nur die Tiere und keinen Führer oder eine geführte Tour. Viele Unternehmen vor Ort schrieb ich an, aber nur eines schien uns verstanden zu haben. Misha von „Kyrgyzland“ Tourist Company“ gab uns seitdem nützliche Tipps und dachte zu jedem Zeitpunkt mit. Wenn Ihr also auch verrückte Ideen im Kopf habt, schreibt ihn an: d-sasha@elcat.kg. Er ist Bergführer und wird Euch unterstützen.

Er kam also auf die coole Idee, uns Pferde ohne Guide zur Verfügung zu stellen, machte aber am Rande die Bemerkung, dass es in Karakol sonntags immer einen Viehmarkt gibt, wo man Tiere kaufen kann. Er wusste von unserer groben Planung vom See Song Köl nach Karakol zu wandern. „Dreht doch die Tour um, kauft Euch auf dem Markt zwei Esel, Ponys oder Pferde und startet von da aus. Hat den Vorteil, dass Ihr auf 2000 Meter und nicht auf 3000 Meter startet und Euch besser akklimatisieren könnt“ Krass, da denkt doch tatsächlich Einer mit. Wir waren begeistert.

Wo kann man 3,5 Wochen wandern und quert dabei nur zwei asphaltierte Straßen? Wo ist das Wegenetz aber trotzdem noch insoweit gut strukturiert, dass Schotterpisten oder breite Pfade vorhanden sind? Je mehr wir uns mit dem Land und der Planung beschäftigten, umso mehr wurde uns klar, wie sehr das Land unseren Ansprüchen genügte. Es ist so anders, so schön, so abenteuerlich, dass man es kaum beschreiben kann. Es gibt in diesem Land soviel zu sehen, aber leider liegen die für uns interessanten Ziele zu weit auseinander. Sari Chelek Nationalpark, Ala Archa Nationalpark, das Gebiet um Pik Lenin im Süden oder das Nordufer vom Issyk Kul. Überall nur ein bisschen sein und nirgends intensiv ist nicht unser Ding.

Da kam uns der Vorschlag von Misha mit dem Tierkauf gerade richtig. Eine Rundtour war nun nicht mehr obligatorisch, da wir die Tiere an einem Ort kaufen und an einem anderen wieder verkaufen könnten. Das brachte uns auf die Idee, eine Einwegtour zu planen, vom See Song Kul quer durch den Tien Shan zum Issyk Kul, nach Karakol. Im weiteren Verlauf bot uns Misha nun an, Halfter und Tragesysteme in Bishkek vorab zu besorgen. Außerdem bot er uns Transferoptionen nach Karakol und vom See Song Kul an. Der Clou aber kommt jetzt. Während uns Andere immer in den Plan redeten und auf Probleme aufmerksam machten, suchte Misha nach Lösungen. Da wir 3.5 Wochen unterwegs sein würden, mussten wir uns unweigerlich mit der Frage der Lebensmittelversorgung auseinandersetzen. Zu keinem Zeitpunkt würden wir einen Ort passieren, der mehr als 10 Einwohner vorweisen kann. Da kann man noch weniger einen Supermarkt erwarten, oder? Also bot uns Misha „food supply“ (Lebensmittellieferung) an und zwar an den beiden asphaltierten Straßen. Kaum zu glauben, aber wahr.

 

Die Planung ist vorerst planlos im Gange | Das ganze Drumherum zurück zur Liste

Während wir nun immer länger am Debattieren und Diskutieren waren, machten wir dann vergangene Woche am 21.April Nägel mit Köpfen. Wir buchten die Flüge. Die Auswahl war nicht groß: Turkish Airlines, Aeroflot oder Atlasjet? „Wow, ich kann mir auch noch raus suchen, mit wem ich abstürze?“ antwortete Yvonne mir, nachdem ich alle Offerten dargelegt hatte. Wir entschieden uns am Ende für letztere, da sie im Preis und bei den Flug- und Umstiegszeiten unschlagbar war. Obligatorisch ist bei Abflug aus Deutschland oder Schweiz einmal Umsteigen, in unserem Fall in Istanbul. 3 Stunden nach Istanbul und dann weitere 5.5 Stunden, also ein Katzensprung im Vergleich zu Hawaii. Die Ankunft der meisten Flüge ist zeitig in der Frühe, das hat den Vorteil, dass man ohne große Probleme zu seinen Endziel weiterkommt ohne eine Übernachtung in Bishkek buchen zu müssen. Wer uns kennt, weiß, wie unnötig wir das finden, wo wir doch so wenig Wert auf Städte, Kultur und Menschenansammlungen legen.

Ab Bishkek Manas Airport (FRU) werden wir mit der Mashrutka Linie 380 in 45 Minuten die 25km ins Zentrum zurücklegen, für wahnsinnige 50 SOM / 0.65 EUR. Taxis kosten das zehnfache und Touristen, die nicht aufpassen, werden mit dem vierzig-fachen übers Ohr gehauen. Der Bus endet mitten im Zentrum, nahe dem Osh Bazar an der Kreuzung Chuy Avenue und Jash Gvardiya Boulevard. Von dort aus sind es keine 1.5km zu Fuß zum nördlich gelegenen Busbahnhof Western Bus Station. Es gibt noch einen kleineren Eastern Bus Station, man muss also aufpassen, wo man hin will. Wir wollen nach Karakol und vom Westbahnhof starten Mashrutkas, Linienbusse und Shared Taxis genau dorthin. Die Fahrt wird zwischen 5-7 Stunden dauern, abhängig vom Transportmittel. Die Linienbusse sind die günstigsten, aber auch am langsamsten. Hier zahlt man um die 300 SOM / 4 EUR (nein, nicht pro Kilometer, sonder gesamt!) Unter Mashrutkas kann man sich 3.5 Tonner mit mehreren Sitzen vorstellen, hier bezahlt man 1-2 Euro mehr. Im Shared Taxi bezahlt man pro Sitz in etwa zwischen 500 bis 800 SOM (7-11 Euro). Bezahlt man alle vier buchbaren Sitze, hat man das Taxi für sich allein und kann sicher noch einen Mengenrabatt aushandeln. Wir werden wohl auf diese Komfortoption zurückgreifen und ein ganzes Taxi für 30 bis 40 Euro buchen, wie dekadent.

Des weiteren haben wir auch schon die Nacht vom 06.August zum 07.August in Karakol in einem Hotel gebucht. Es wird neben der letzten Nacht nahe Bishkek Airport die einzige Nacht in einem Hotel sein, ist aber logistisch nicht anders machbar und bringt uns weitere Vorteile. So übernachten wir im Hotel Caravan, die gleich direkt nebenan den einzigen Supermarkt des Ortes vorzuweisen haben, der auch noch sieben Tage die Woche von 08.00 bis 00.00 Uhr offen hat. Diesen wollen wir aber nur als Notoption wahrnehmen und primär unsere Lebensmittel vom nahe gelegenen Bazar beziehen, wo es frisch wirklich alles gibt. Viel werden wir ansonsten wohl nicht von Karakol zu sehen bekommen, denn zwei Fakten sprechen dagegen: Unsere Müdigkeit bedingt durch die Anreise und der anstehende Tiermarktbesuch am Tag darauf um 5.00 Uhr. Der im Norden der Stadt (nahe Guesthouse Taypin) stattfindende Markt ist auch einen Ausflug Wert, wenn man nicht Tierbesitzer werden möchte. Vermehrt werden dort Schafe, Rinde rund Pferde verkauft, wir hoffen auf Esel und Ponys und würde nur zur Not mit den sehr eigenwilligen Pferden Vorlieb nehmen. Zwei Tiere sollen es aber sein, so würde das eine Tier nicht so alleine sein und wir hätten Puffer bei der Zuladung.

Die Gepäcktaschen haben wir uns bereits in Deutschland besorgt, obwohl uns Misha sicher vor Ort günstigere besorgt hätte. So konnten wir aber nach langer Suche die idealen Taschen unser Eigen nennen, die preislich bei 49 Euro auch im Rahmen liegen, gut verarbeitet sind und sogar als Rucksack umfunktioniert werden und so als Handgepäck genutzt werden können. Wir haben also zwei Paare von denen bestellt, jede der vier Taschen fast ca. 28 Liter im ausgefahrenen Zustand, d.h. der Deckel bleibt offen und der verschnürbare Stausack ist prall gefüllt. Ist der Deckel verschlossen, kann man von 18 Liter je Tasche ausgehen. Das Material scheint uns sehr robust, es gibt viele kleinere Stautaschen und viele Haken und Ösen um die Taschen sicher am Tier und/ oder Longiergurt zu befestigen. Wir werden hier noch Regenschutzhüllen in Betracht ziehen, da wir sicher anfangs die 28 Liter je Tasche komplett benötigen werden und so die Tasche dem Regen komplett ausgesetzt wäre.

Da es auch für uns ein Novum darstellt, 3.5 Wochen völlig autark durch die Welt zu reisen, haben wir keine Ahnung, wieviel Liter Volumen man benötigt um Proviant für 2.5 Personen zu versorgen. Allein die Vorstellung, wir würden jeden Tag 500gr Nudeln essen, würde bedeuten, dass wir 12kg allein an Nudeln bräuchten, die sicher eine Tasche allein füllen. Daher werden wir noch zwei Ortlieb Pack&Sack-Taschen mit je 13 Litern mitnehmen, die man gut quer auf dem Rücken der Tiere arretieren kann. Somit hätte Täve dann auch noch eine Lehne, wenn er ab und an mal auf den Tieren Platz nimmt. Bei den Halftern und der Leine werden wir uns an Pony-Größen orientieren und auch gleich hier in Deutschland kaufen. Die gibt es im Set bereits bei Amazon für 9.50 Euro, das reicht. Ein wenig Gedanken machen wir uns noch um das nächtliche Lager der Tiere. Ob wohl ein einfaches Seil als Umzäunung ausreichen wird? Ungern möchten wir sie permanent am Halfter angebunden lassen. Wir werden sehen. Naja und dann wären da noch die Wölfe, die unsere Lastentiere hoffentlich nicht als Einladung zum Abendmahl ansehen.

Halten wir also fest: Der Flug steht, der Transfer, das Hotel, das Lastentier-Zubehör und ein grober Routenplan. Letzterer jedoch wirft jedoch noch mehr Fragen und Probleme auf.

Der Plan geht in die Planung | Die Route zurück zur Liste

Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Reiseziele immer unbekannter und damit auch das Kartenmaterial spärlicher wird. Am Rechner plane ich nun die GPS Routen mit vier Karten, die im Detail alle unterschiedlich sind. Dazu habe ich mir noch im Mapstor Karten aus den 80er Jahren runter geladen. Das sind Karten aus den sowjetischen Militärzeiten und am besten habe ich mit der 1: 100 000 von 1978 gearbeitet. Die decken ganz Kirgistan mit 174 Karten ab und kostet nur 14 Euro. Wirklich empfehlenswert, dazu eine grobe Übersichtskarte für 12 Euro von Amazon und man ist gut gerüstet. Beim Lesen der Karten ist es von Vorteil, wenn man kyrillisch lesen und verstehen kann.

Mit diesen Hilfsmitteln wurde nun in den Tälern meist auf Schotter- und Allradpisten zurück gegriffen, so weit überhaupt noch vorhanden. Dieses Mal ist es uns aber egal, wir sind mit den Lastentieren wesentlich geländegängiger unterwegs als sonst mit dem Buggy/ Pilgerwagen. Die Talwege werden meistens mit Passpfaden gequert und verbunden. Dabei ist es keine Seltenheit, dass wir an der 4000m Marke kratzen werden und ab und an wird es sich nicht vermeiden lassen, auch auf 3500m zu übernachten. Hier liegt vermutlich die größte unberechenbare Variable. Wie werden wir die Höhe vertragen? Was für ein Wetter wird uns auf den Pässen erwarten? Allein die Täler liegen auf 2500m, wo ich versucht habe, alle unsere Nachtplätze zu legen, aber alle sind nicht möglich. So müssen wir vor Ort durchaus damit rechnen, dass wir die Höhe nicht vertragen und umkehren oder umplanen müssen. Das plane ich bereits jetzt mit ein, hoffe aber, dass es uns nicht treffen wird, da wir uns langsam an die Höhe gewöhnen werden.

Ich hätte nicht geglaubt, dass ich mich mal über die Vielzahl der Flüsse nicht ausgiebig freuen würde, wo sie doch der Garant für Trinkwasser und Waschgelegenheit sind. Man darf aber eines nicht vergessen. Nicht jeder Fluss hat eine Brücke und Esel sind von Natur aus wasserscheu. Daher auch der Begriff Eselsbrücke, die dem Esel Sicherheit beim Queren von Flüssen geben soll, da sie stur vom Wasser stehen und sich weigern. Dabei ist es wohl eher Angst und nicht die Sturheit. Auch hier werden wir vor Ort mit den Gegebenheiten leben müssen, die eine oder andere Möhre wird den Esel hoffentlich ermuntern. Unter diesem Gesichtspunkt wären sicher Ponys das bessere Gefährt, aber diese sind nicht so robust wie Esel, mit denen wir ja bereits unsere Erfahrungen sammeln konnten.

Unter Berücksichtigung aller o.g. Sachen wird die Tour zu einem echten Abenteuer ohne sicheren Verlauf und Ausgang. Werden wir die Tour wie geplant gehen können? Werden wir überhaupt Lastentiere vor Ort bekommen? Müssen wir die Tour abbrechen? Wie wird sich Täve schlagen? Werden wir einen Wintereinbruch erleben?

Bleibt gespannt und verfolgt uns hier virtuell auf unserer Tour, wenn es am 5. August heißt: Ab nach Kirgistan!


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