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Kanada 2010

Ostkanada | Metropolen und Nationalparks


 

 

Vorwort

Hier muss ich noch einmal alle meine Gedanken zusammen nehmen und die Tour Revue passieren lassen. Es war der erste Urlaub mit Yvonne in die Ferne und mit Zelt. Ein Mix aus Städtetour und Outdoortrip. Die ungefähre Route war wie folgt:

Montreal | Quebec | Sagueney | Jacques Cartier NP | Mauricie NP | Ottawa | Algonquin NP | Niagara Fälle | Toronto

Wir haben viele Tieren gesehen (Biber, Chipmunks, Stachelschweine, Elks, weiße Wale, Loon etc.), den Unterschied zwischen Quebec und Ontario zu spüren bekommen, den schlechten amerikanischen Einfluss zur Kenntnis genommen und für uns fest gestellt, dass uns einsame, nicht weltbekannte Natur mehr anzieht als irgendwelche Wasserfälle. Die größte Verschwendung im Urlaub war der Umweg zu den Niagara Fällen. Ein Foto gemacht und 10 Minuten später waren wir auch schon wieder weg.

Dagegen hat uns die Natur wirklich fasziniert, obwohl wir doch auf Berge stehen. Landschaftlich eher mit Mittelgebirge hierzulande zu vergleichen. Hüglige Wälder, fischreiche Seen und Bäche. Ostkanada muss sich nicht vor dem Westen verstecken. Es bietet für Naturliebhaber genau so viel wie für Stadtmenschen. Den ausgewogenen Mix findet man nur hier.

Ostkanada…Immer eine Reise wert…

Reisebericht

Nach Skandinavien 2009 sollte es nun ein wenig „outdooriger“ werden. In Montreal angekommen die erste Enttäuschung. Yvonnes Rucksack war nicht mit gekommen. Was das bei einer Frau bedeutet, wenn sie 3 Tage in den gleichen Klamotten rumlaufen muss, wisst ihr Männer oder? Die Stimmung war trotzdem angenehm, wir schlenderten durch die Innenstadt und aßen am Hafen zu Abend. Am Tag darauf besuchten wir noch einen sehenswerten Park oberhalb der Stadt, wo uns Chipmunks in die Flucht schlugen, da wir nix Essbares dabei hatten. Wir traten den weiteren Weg mit unserem Mietwagen entlang des St. Lorenz Stroms an. Es hieß hier nur Kilometer machen und auf halber Strecke fuhren wir einen Campingplatz an. Unspektakulär ging es weiter nach Quebec.

Dort angekommen waren wir bereits beim Anblick der Halbinsel mit dem Fairmont Hotel begeistert. Wir sind nun nicht gerade die Städtefans, aber die malerische Innenstadt ließ uns den ganzen Tag nicht los. Wir waren unterwegs in den Gassen, überall Leben, aber entspannend und gelassen. So wurde dieser Abend im Hotel dann mit der Anwesenheit von Yvonnes Rucksack gekrönt. Sie hatten ihn wegen der Benzinflasche durchsucht und gleich noch ein Dreiangel in den Außenstoff geschnitten. Lieben Dank. So, nun konnte der Outdoor-Urlaub losgehen. Ab morgen sollte erst einmal keine Stadt mehr auf dem Plan stehen, daher war die Rucksackankunft eine Punktlandung.

Einen Tag später ging es weiter Richtung Norden. Vor den Toren der Stadt wurde noch ein Wasserfall von unten und nach strapaziösen Aufstieg gleich noch von oben inspiziert. Zack, zack weiter, wir müssen Strecke machen. Rechts neben uns öffnete sich der St.Lorenz Strom immer mehr. Von Interesse war das Sagueney Fjord, was für seine vielen Wale bekannt ist. Dort angekommen nahmen wir erst einmal die kostenlose Fähre auf die andere Seite, chillten dort ein wenig, fuhren wieder zurück und landeinwärts am Fjord entlang. In Anse St. Jean steuerten wir den Campingplatz an. Nun was soll ich sagen? Aus heutiger Sicht hätten wir auch irgendwo wildzelten können, aber das Camp beherbergte unterschiedlichste Spezies. Von uns einfachen Campern bis hin zu den Wohnmobilbesitzern, dessen Busse mehr Wohnfläche als unsere Mietwohnung zu Hause hat. Es war belustigend und die Lage am Fjord entschädigte auf jeden Fall. Wir freuten uns schon sehr auf den morgigen Nationalpark- Besuch.

Dort parkten wir nun das Auto und wanderten zu einem Aussichtspunkt weit oberhalb des Fjordes. Dieser Platz war gut besucht und viele Fotografen warteten auf einen Schnappschuss, denn der Platz war berüchtigt für sein Walaufkommen. „Maus, dort ein Wal“ ich stieß diese Worte so laut heraus, dass mich erst alle anschauten und kurz darauf alle ihre Kamera mit Megazoom in Anschlag nahmen. Nur noch Knipsgeräusche, alle freuten sich über die Fotos eines Belugawals. Wir mit unserer kleinen Digicam dagegen schauten uns nur an und genossen den Live-Anblick in der Ferne. Dann ging es zurück zum Auto. Kurz zuvor sahen wir in der Ferne eine Stelle am Fjord mit Sandstrand. Rucksack auf und ab dahin wildzelten. Es stand zwar am Weg irgendwas von Permit, aber just in diesem Moment wollte uns die deutsche Übersetzung nicht einfallen und liefen weiter. Am Sandstrand bauten wir unser Zelt auf und wurden erst einmal gebührend von einer 60cm langen Schlange empfangen, die es sich auch nach mehrmaligen Vertreiben immer wieder im und unterm Zelt gemütlich machte. Am Lagerfeuer genossen wir die einsetzende Dämmerung und fühlten uns hier schon wesentlich wohler als die Tage zuvor.

Der nächste Morgen und das Fjord begrüßte uns heute sehr direkt und nah. Das Wasser war durch die Flut in der Nacht bis auf 20cm vor das Zelt angestiegen, was gut an dem glatten Sand zu erkennen war. Schwein gehabt. Erst einmal frühstücken am Lagerfeuer und dann wieder zurück zum Auto. Es sollte weiter rein ins Land gehen um dann wieder die Richtung nach Quebec einzuschlagen. Irgendwo wollten wir nun in den kanadischen Wäldern wandern gehen, hatten drei Tage Zeit eingeplant. Erst vor Ort bekamen wir den Tipp mit dem Jacques Cartier Nationalpark, der es in sich hatte. Wir buchten also gleich mal drei Nächte, nun war uns auch wieder bewusst, was Permit bedeutete. Erste Nacht im Camp am Parkeingang, Kajak Fahrt auf dem Fluss Tag darauf, Wild Camp am Ost-Ufer, Wild Camp am letzten Tag am West-Ufer. Überall traf man Wanderer und Tagestouristen, richtig ruhig hatten wir es nur am vorletzten Tag beim Aufstieg zu einem Aussichtspunkt am Ende des Parks. Dort sahen wir auf einen Schlag Rebhühner, Elche und Biber in Hülle und Fülle.

Das nächste Ziel sollte der Mauricie Nationalpark sein, den wir am nächsten Tag ansteuerten. Dort parkten wir unser Auto im Osten des Parks um den westlichen Parkeingang zu Fuß auf dem 75km langen Laurentien-Trail zu erreichen, der oberhalb der Straße durch pure Wildnis verläuft. Wieder einmal ignorierten wir das Wort Permit. Hätten wir eine Permit gelöst, wäre der Startpunkt obligatorisch der Westpunkt gewesen. So liefen wir die kommenden 5 Tage immer allen zahlenden Wanderern entgegen, die wussten., dass wir Betrüger waren. Ordentlich ausgestattet, nicht vom Equipment her, sondern von den Genussmitteln, ging es nun los. Der Weg ist super ausgeschildert, aller 6-8km ein Camp mit bis zu vier Holzplattformen fürs Zelt, ein Gerüst um sein Proviant bärensicher in 4m Höhe aufzuhängen und ein Plumpsklo. Überall gibt es Seen und Flüsse. Der Weg ist sehr verwachsen und schwer zu begehen. Wir haben immer jedes zweite Camp zur Übernachtung genutzt, die dazwischen zur Mittagspause. Man läuft viel durch Wälder, hat ab und an freien Weitblick auf die Umgebung. Wirklich tief in der Wildnis ist man aber nie. Nach 5 Tage waren wir wieder zurück an der Straße. Nun musste ich zurück zu unserem Auto trampen, ein Parkranger nahm mich mit und erzählte mir von Braunbären im Park. Hoops! Mit dem Auto fuhr ich zu Yvonne zurück und weiter ging es Richtung Ottawa. Da war doch was? Hauptstadt von Kanada? Nein nicht Vancouver oder Toronto. Nur durch Zufall kamen wir hier durch und machten einen Sightseeing Stopp in der Hauptstadt Ottawa. Am Ortsausgang nächtigten wir in einem Motel. Das Hauptziel unseres Urlaubes, den Algonquin Nationalpark, würden wir morgen im Norden erreichen.

Dort mieteten wir uns für 5 Tage ein Kanu inkl. Permit für die Camps an den Seen, die nur eine Feuerstelle aufwiesen, mehr nicht. Unterwegs sah Yvonne sogar die bekannten Süßwasser Algonquin Schildkröten. Noch mehr aber begeisterte uns der Loon, ein Wasservogel, der Wolfsgeheule und andere Geräusche derartig abwechslungsreich abspulte, dass er der Animateur das Waldes war. Schönstes Wetter, schweißtreibende Portagen von bis zu 4km und glasklare Seen und ein Hauch von wirklicher Abgeschiedenheit. Nach den 5 Tagen fuhren wir in den Süden des Parks, der schon wesentlich besuchter war. Nun waren wir schlauer und gaben mehr Geld für ein leichters Boot aus. Die Tragepassagen zwischen den Seen (Portagen) waren nun angenehmer zu bewältigen. Auch hier wieder 5 Tage unterwegs, dieses Mal ohne Permit, das Geld wurde langsam knapp. Die letzten Tage in der Wildnis genossen wir noch einmal, bevor es dann nach Toronto ging. Den unnötigen Umweg über die Niagara Fälle empfehle ich keinem Naturenthusiasten. Teuer, überfüllt und touristisch ohne Ende. Den letzten Tag genossen wir in der American-style Metropole Toronto bevor es nach 3 Wochen wieder hieß „Ab nach Hause!“