Island Trekking Zelt Hochland Westfjorde

„The rescue team is searching for you“

Island Trekking Zelt Hochland Westfjorde
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Reiseziel im Überblick
Vorwort
Warum? Ziel und Planung
Wie? Unsere spezielle Reiseart
Wohin? Die Etappenziele
Was? unsere Ausrüstung
Nützliche Links
Reisebericht

 

 

Das Reiseziel im Überblick  zurück zur Liste

Land | Region

Island | Westfjorde und zentrales Hochland

Reiseroute

Reykjavik- Isarfjördur- Thingeyri- Isarfjördur- Akureyri- Landmannalaugar- Vik- Hveragerdi- Reykjavik

Reisezeit | Dauer

19.August bis 10.September 2014 | 22 Tage

Klima | Wetter

kaltes, feuchtes Klima | Maximaltemperaturen um 15 Grad am Tag, in der Nacht nahe Gefrierpunkt, wenig Sonne, viele tiefe Wolken, abwechselnd Regen mit Wind (tw. orkanartig)

Reiseart | Aktivität

meist zu Fuß mit dem Kinderbuggy gewandert, dazwischen Transfers mit Flug, Bus und Mietwagen

Übernachtung

1. Nacht und letzte Nacht im Hotel, 2 Tage sturmbedingt in Hütte Landmannahellir, ab und an mal eine Schutzhütte, Rest ca. 14 Tage im Zelt

Flora | Fauna

sehr wenig Bäume, maximal Büsche, viele Wiesen und Weiden | viele Schafe, Seerobben

Sicherheit | Tourismus

sehr sicheres Reiseland | die Ringstraße ist überfüllt von Touristen und Attraktionen, im Hinterland hat man seine Ruhe, ab und an mal ein Mietwagen/Auto, viele Wanderer in Landmannalaugar

Anreise

Flug ab/an München mit Airberlin direkt, bescheidene Nachtflugzeiten, weiter in die Westfjorde mit Flugzeug, von Westfjorden nach Akureyri mit Mietwagen, ab dort weiter mit Bus ins Hochland, ab Vik mit Bus wieder nach Reykjavik

Wildnis Faktor

hoch | wild zelten erlaubt, Trinkwasser vorhanden, es fehlt aber an Holz zum Feuer machen und die Mietwagentouristen leben im Hochland ihre Geländejeep-Träume aus

Kocher Info

Sicher Kartuschen in Reykjavik zu haben, Tankstellen auch in den kleinsten Orten

Einkaufsmöglichkeiten

In jedem noch so kleinen Ort gibt es meistens einen kleinen Laden, meist in Kombi mit Tankstelle

 

Vorwort  zurück zur Liste

2013 hatten wir mit den Azoren unser erstes Familienabenteuer erfolgreich bestritten. Wir wollten nicht nach gefährlicheren Abenteuern greifen, sondern einen Schritt nach vorn in Richtung „noch mehr Einsamkeit“ wagen. Mit Island haben wir uns natürlich eine Destination ausgesucht, die rauer nicht sein kann. Insel aus Feuer und Eis, kalte Sommer, abgelegenes Hochland und ausgesetzte Gebiete. Wir wussten, dass wir uns noch mehr vorbereiten mussten, Ausrüstung aufzustocken hatten. Wir waren aber bereit für unser nächstes Abenteuer, obwohl uns wieder einmal viel Gegenwind erwartete. Zugegeben, Island ist nicht gerade ein Kinderurlaubsparadies, aber wer uns kennt, der weiß, dass wir auf allgemeingültige Aussagen wenig Wert legen.

 

Warum? Ziel und Planung  zurück zur Liste

Nachdem wir 2013 auf den Azoren waren und ich somit meiner Freundin ein warmes Reiseziel gegönnt hatte, war dieses Jahr nun ein kaltes Reiseziel dran. Yvonne musste sich aber erst mit dem Gedanken ‚Island‘ anfreunden, indem ich ihr Bilder und Geschichten von dieser Insel vorlegte, die warm aussahen, – viel Sonne, wenig Wolken…voll die Verarsche. In diversen Foren diskutierten wir auch noch kälter klingende Ziele wie Grönland. Das war dann aber wohl zu viel der Kälte und für unsere Art zu reisen nicht angebracht, noch nicht. Island war gebongt. Was sprach dafür? Sicher ist Island kein Spielplatz für Outdoorer und sicher erst Recht nicht für Kinder. Daher mussten nun ausgiebigere Recherchen angestellt werden als für die Azoren.

Der Vorteil lag bereits darin, dass es zwei größere Foren gab, bei denen ich zwar bereits vor meinen Postings wusste, dass unsere Idee wieder einmal polarisieren würde, aber ich war guter Dinge. Das Hauptthema war das Wetter, das raue Hochland, die Pistenstraßen und die möglichen Reiseziele für uns. Die vielen Tipps nahm ich zur Kenntnis und bezog diese in meine Planung mit ein, manche mehr und einige weniger. Während mich einige Wenige in unserer Idee unterstützten und versuchten, diese weitestgehend zu realisieren, gab es auch Andere, die uns von der Idee gänzlich abbringen wollten. Wir sollten doch auf der Ringstraße mit dem Auto/ Bus langfahren und hier und da mal links und rechts der Straße anhalten und uns was anschauen.

Nein danke, diese Seite von Island wollten wir nicht sehen und waren am Ende auch froh, diesen Ratschlag nie befolgt zu haben als wir am Skogarfoss standen. Touristen- und Automassen, Müll und Lärm im Überfluss. Genau das sollte es nicht sein. Ein halbes Dutzend wahrer Outdoorer, die unsere Intention verstanden hatten, gaben uns die wirklichen wertvollen Tipps, Routenvorschläge, Anregungen und und und. Ich merkte schon jetzt, dass uns Island vor eine größere Herausforderung stellen würde. Die Frage war nun, ob wir dieser auch mit unserer vorhandenen Ausrüstung und dem Knowhow gewachsen waren. Auch hier war die Mehrheit in den Foren der Meinung, dass es ein unmögliches Unterfangen sei. Es war die Rede von Verantwortungslosigkeit gegenüber unserem Sohn oder das ich meine Freundin zu etwas zwingen würde.

Am Ende musste ich mich als Internet-Troll abstempeln lassen. Die User dachten echt, ich mache Witze. Doch mein Vater brachte mir bei „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Es gibt immer eine Lösung oder Alternative. So gingen wir auch dieses Mal heran. Irgendwann waren dann auch die Ziele auf Island gesteckt, die wir bei 3 Wochen beschränken mussten. Die 1.Nacht auf Island war samt den Bustransfers vom/ zum Flughafen auch schon fix, also war nun die restliche Zeit vor Ort zu planen. Ich hatte bereits drei isländische Topo-Karten auf Garmin Mapsource installiert. So unterschiedlich ihre Herkunft auch war, so differenzierter stellten sie sich auch dar. Was bei der einen eingezeichnet war, fehlte bei der anderen Karte.

Am Ende installierte ich für die Reise alle drei Karten auf meinem Garmin, sicher ist sicher. Außerdem ging ich auf noch eine Nummer sicherer als sonst und bestellte uns zwei Landkarten von Mal og Menning (M&M), die zur Übersicht dienen sollten. Den Rother Wanderführer hätten wir uns sparen können, da die deklarierten Touren so gar nicht unseren Vorstellungen entsprachen. Ich konzentrierte mich also nur auf die Garmin-Planung. Geht los! Die Routenlänge sollte immer zwischen 12 und 15 Kilometer liegen, wobei das vor Ort immer davon abhängen sollte, wo man ein lauschiges Plätz’l findet, also mal mehr, mal weniger. Für uns waren die Straßen mit der „F“-Kennzeichnung ideal. Das sind unasphaltierte Pisten mit schottrigem, festem Untergrund. Es war mit weniger Verkehr zu rechnen und mit dem Buggy sollten wir auf diesem Untergrund gut vorankommen.

Bei der Planung fiel mir auf, dass die Touren die Tageshöhenmeter von 700 Meter kaum überschritten. Also sollten die Touren nicht so schwer werden wie auf den Azoren, wo wir teilweise an die 1000 Höhenmeter pro Tag liefen. Bei der Wahl des Weges achtete ich auch immer darauf, ob und wo Häuser, Schutzhütten o.ä. in der Nähe waren, nur für den Notfall. Apropos Notfall, wir wollten uns im Notfall absichern und ich dachte über einen Spot-Tracker nach, der unseren Standort stets per SMS mit den GPS-Daten senden sollte. Ich kam dann aber davon ab, da ich von der 112-App hörte, die es im Google Playstore kostenlos gibt. Diese und auch die Vedur- Wetter- App installierte ich auf meinem Smartphone. Ersteres sollte dazu dienen, täglich unseren Standort an die Notfallzentrale durchzugeben, damit diese im Notfall wusste, wo wir waren.

Die Wetter App gab Unwetterwarnungen durch und so konnten wir auch darauf reagieren und eventuell umplanen. Voraussetzung für letztere App ist Daten Roaming, d.h. man braucht einen Handy-Datentarif für Island. Man kann sich nun vor Ort bei Simmin oder Vodafone lokale Prepaidkarten holen. Das war mir zu aufwändig, ich aktivierte Daten-Roaming und am Ende des Urlaubes kamen wir auf ca. 30 Euro Kosten bei 3 Wochen für ein paar SMS, etwas Telefonie und täglich ca. 5 Minuten Internet. Sobald irgendwo freies WLAN verfügbar war (in Linienbussen, Hotels etc.) und das ist häufiger der Fall als man denkt, wurde das von uns auch intensiv genutzt. Zurück zur Routenplanung. Zu den Garmin-Karten gesellten sich nach und nach Onlinekarten wie Atlas oder Map Viewer hinzu.

Bald hatte ich eine Flut an Daten zusammen und war theoretischer Island-Insider, der nun in den Foren mitdiskutieren konnte um meine Planung voranzutreiben. Supermärkte, Tankstellen, Busstationen, Quellen, Flüsse, Seen,Campingplätze, Hostels, Guesthouses – alle Wegpunkte waren gesetzt. Diese und alle Wanderungen wurden als Tracks auf das Garmin geladen. Boar, war das ein hartes Stück Arbeit. Aus dem Netz zog ich mir die nötigen Buspläne per Pdf, Notrufnummern, Region Infos und vieles mehr und lud alles auf das Smartphone, zusammen mit einer Excel-Tabelle mit dem Detailverlauf. Ihr werdet es nicht glauben, ich habe bestimmt 50 mal diese Liste geöffnet, angeschaut, bearbeitet, geändert und was auch immer, aber erst vor Ort ist mir aufgefallen, dass der August 31 Tage hat.

Also hatten wir vor Ort einen Tag Puffer, den wir auch dringend brauchten. Die Planung war erledigt, es konnte also losgehen. Ach, damit wir abends immer etwas an Lektüre hatten, kauften wir uns einen deutschsprachigen Lonely Planet Reiseführer von Island. Wir sind von diesen Büchern so begeistert, dass wir uns für unser Ziel 2015 sogar die englische Variante geholt haben, weil es keine deutsche gibt. Der Schreibstil, die Informationen, die Anekdoten, die Gliederung, alles echt sehr stimmig und nur weiter zu empfehlen.

 

Wie? Unsere spezielle Reiseart  zurück zur Liste

Dber die Beweggründe muss man sicher nicht mehr viel Worte verlieren, denn wer unseren Azorenbericht 2013 gelesen hat und uns kennt, der weiß, dass wir keine Pauschaltouristen sind, die dem Mainstream folgen. Das heißt aber nicht, dass ich andere Reisearten verurteile, im Gegenteil. Mein Job ist es sogar, diese von mir nicht bevorzugten Reisearten für Kunden zu buchen. Im Gegenzug möchten wir aber auch, dass unsere Art zu reisen akzeptiert wird. Das war selten der Fall und wird es auch bleiben, damit können wir aber mittlerweile leben. Es wird immer Einer kommen, der den Finger hebt und es besser weiß, uns Ratschläge gibt, wie wir es nicht machen sollen. Das ist für uns nur konstruktiv, wenn es sich um Insider handelt, die unsere Absichten verstehen. Klar für uns war, die Ringstraße und die Nähe zu ihr so oft es nur ging zu meiden.

Damit verbunden sollten wir auch weniger Menschen über den Weg laufen. Wir wollten die Natur in diesem einem Moment, wo wir sie sahen, für uns haben. Ich verspreche Euch, in Island ist nichts leichter als das. Für uns war wieder klar, den Kinderbuggy mitzunehmen. Er würde dieses Mal mehr als Lastenesel und weniger als Kindertransport dienen. Unser Sohn wollte und konnte nun mehr laufen. Jedoch sollte der Chariot bei Unwettern Täve auch als Schutz und zu gegebener Zeit als Schlafplatz dienen. Das war uns sehr wichtig, das und so viel wie möglich zu zelten, egal ob auf einem Campingplatz oder wild. Letzteres wurde priorisiert und es waren am Ende auch die schönsten Plätze, die meist an einem See oder Bach lagen.

So war das Trink- und Badewasserproblem auch geklärt. Außerdem wählten wir nicht direkt die Hauptreisezeit Juli/ August sondern Ende August/Anfang September, obwohl es dann auch schon mal kälter werden konnte. Für uns unvorstellbar, wie Landmannalaugar im Juli ausgesehen hätte. Eine Zeltstadt, einem Flüchtlingslager ähnelnd? Nun waren die Zeit und die unberührten Regionen fixiert, aber man konnte schlecht alles zu Fuß erwandern, im speziellen die Stücke zwischen den geplanten Wanderungen. Also wie kommt man zum Ausgangs- und Endpunkt jeder Tour? Meistens waren es keine Rundwanderungen, also mussten die Transfers perfekt auf die Wanderungen abgestimmt sein.

Wir wollten so wenig wie möglich Zeit dafür verschwenden. Für unser erstes Etappenziel wählten wir das Flugzeug, da wir ja in Reykjavik ankamen und man von dort aus schnell und direkt überall in Island hinkommt. Die Reisezeit verkürzt sich um ein Vielfaches im Vergleich zum Bus. Dann kam das böse Erwachen. Die Buspläne wurden im Vergleich zu 2013 dermaßen ausgedünnt, dass ich bestimmte Ziele streichen musste. Immer wieder lief ich dabei in eine Sackgasse. Gab es dann einmal eine Buslinie, dann fuhr sie nicht mehr, da wir außerhalb der Saison waren oder man musste irgendwo in einer Stadt übernachten, weil die Anschlusszeiten nicht passten. „Klick!“ machte es im Kopf und schnell war ein anderes Transportmittel im Gespräch.

Warum keinen Mietwagen buchen? So könnte man vielleicht unsere Vorurteile für diese Art der Fortbewegung beiseiteschaffen. Also wurde, wo kein Bus möglich war oder die Reisedauer zu lang war, Mietwagen oder Flugzeug gebucht. Übers Hochland stand eine lange Busreise auf dem Plan. Im Süden Islands war das Busproblem dann Vergangenheit. Hier fahren die Busse im Gegensatz zum Norden nicht nur bis Ende August, sondern bis Mitte/ Ende September. Es gibt zwei größere und einige regionale kleinere Busanbieter, die alles gut abdecken. Komischerweise fahren die beiden größten entweder zu identischen Zeiten oder die identische Strecke.

 

Wohin? Die Etappenziele  zurück zur Liste

Gott, was ist auf Island sehenswert? Unterschiedlicher können die Antworten hier nicht ausfallen. Manch einer wird den Kopf schütteln, wenn er hört, dass wir nur einen halben Tag in Reykjavik einplanten. Ein Anderer wird uns wohl nie verstehen, warum wir so vehement die Ringstraße meiden wollten, wo doch die Attraktionen, die man mit Island verbindet, genau dort liegen. Das Erlebnis Natur spielt bei uns die übergeordnete Rolle. Je mehr davon und je weniger von der Zivilisation, umso besser. Bald füllte sich unsere Wunschliste mit Begriffen wie Landmannalaugar, Thorsmörk, Skaftafell, Snaefellsjökull, Flatey, Kerlingarföll, Hveravellir, Westfjorde und andere Ziele, die westlich der Sprengisandur-Hochlandpiste lagen.

Aufgrund der Entfernungen mussten wir uns erst einmal einschränken. Einer meinte sogar, wir sollen gleich in einer Region bleiben und alles erwandern. So richtig konnte ich dafür aber kein Ziel für uns finden. Viele Ziele vielen raus, weil sie mit Bussen schlecht erreichbar waren oder mit unserem Hauptaugenmerk Westfjorde nicht kombinierbar waren. Warum beim ersten Island-Besuch gleich die Westfjorde? Weil wir dort auf weniger Menschen und Autos hofften, da es abseits der Ringstraße lag. Außerdem war es für Viele uninteressant, da die Temperaturen im Schnitt 5 Grad niedriger sind. Leider mussten wir in den Westfjorden Latrabjarg und Raudisandur auslassen, unmöglich dort ohne Auto hinzukommen.

Wir entschieden uns für die Thingeyri-Halbinsel und die spektakuläre F622 sowie die nördliche Region der Westfjorde um Isafjördur. Immer wieder war vom Fjallabaek die Rede, ein weiteres interessantes Etappenziel. Dort hinzukommen, bedeutete quer durch Island zu reisen. Hier entschieden wir uns nun mit dem Auto bis nach Akureyri im Norden zu reisen um von dort dann mit dem Hochlandbus gen Süden nach Landmannalaugar zu kommen. Eine lange Reise, die sicher aber auch ein wenig was für die Augen zu bieten hatte. Von Landmannalaugaur sollte es dann bis zur Ringstraße in den Süden zu Fuß gehen um von da ab nach Reykjavik mit dem Bus zu fahren. So weit so gut. Das sollte nun alles so passen.

 

Was? Unsere Ausrüstung  zurück zur Liste

Unsere Art zu reisen hat hier gewisse Vorzüge und die Unterkunft ist jedes Jahr die gleiche. Einmal bezahlt, ist sie nun jedes Jahr mit dabei. Somit bleibt Geld übrig, um die vorhandenen alten und ausgedienten Sachen gegen neue auszutauschen oder komplett neue Dinge anzuschaffen. Als erstes wollten wir schauen, wo wir Gewicht und Packmaß sparen konnten. Das schafften wir am schnellsten mit neuen Isomatten für Yvonne und mich. Wir entschieden uns für die Thermarest Neoair x-lite mit 6 Zentimeter Dicke und nur 350 Gramm Gewicht. Das Packmaß entspricht einer halben Liter Bierdose und das Schlafgefühl ist einmalig. Gut, man muss mehr Luft in den Lungen haben, das Aufblasen dauert eine Weile, aber der Komfort ist atemberaubend und das oft kritisierte Rascheln ist für uns nicht störend.

Wir waren am Abend stets so müde, dass derartige Sachen nun wirklich nicht hinderlich sein sollten. Für Täve nutzten wir meine alte Thermarest pro lite. Die Gewichtsersparnis ging aber fast wieder komplett für die Fleeceinlets drauf, die uns in kalten Nächten schützen sollten. Täve bekam einen neuen Schlafsack, der ihn ausreichend warm halten sollte. Der Kerl hat Hitze ohne Ende. Auf den Azoren hatten wir noch sehr viel „normale“ Klamotten mit, die nicht schnell trockneten, zu schwer waren oder einfach nicht funktionell genug. Hier stockten wir extrem auf, so dass wir dieses Mal kein einziges „normales“ Teil mit dabei hatten. Früher hatte ich immer über diese überteuerten Funktionsklamotten geschmunzelt und den Preis und die Funktion in Frage gestellt. Nirgendwo sonst hätte ich mich aber besser vom Gegenteil überzeugen können als auf Island.

Bei Täve lohnen sich dermaßen kostenintensive Anschaffungen noch nicht, da er nur am Wachsen ist. Bei ihm lag der Mix bei 50/50, normal/ funktionell. Wichtige Sachen wie Unterwäsche, Hosen und Regenjacke mussten aber was hermachen und funktionell sein. Eigentlich wollte ich die Regenhosen zu Hause lassen und lieber den Poncho mitnehmen, da unter ihm wenigstens ein laues Lüftchen weht. Yvonne schwört ja schon immer auf diese Regenhosen. Ich dachte immer, bei den Regenklamotten schwitzt man von innen her mehr als man von außen nass wird. Ich bereue aber nicht, die Regenhosen dabei gehabt zu haben. Bei den Winden wäre ich wie ein Drache mit dem Poncho umhergeflogen, der Wind presste den Regen teilweise parallel gegen die Hosen. Ohne Regenhose wäre ich schnell durch gewesen.

Die Regenjacke, mit Goretex Pro Shell extrem robust, wurde unterm Rucksack angezogen aber übern Hüftgurt gezogen. So konnte ich diese bei Überhitze komplett öffnen, sehr praktisch. In Sachen Technik gab es auch viele Neuerungen bei uns. Vor einigen Monaten legten wir uns eine Panasonic Lumix Bridge Kamera zu. Keine Spiegelreflex, aber was besseres als die kleinen kompakten Digitalkameras. Wir wollten bessere Bilder haben und parallel schnell auch mal ein Video machen. Wir sind mit der Kamera sehr zufrieden, nur das Gewicht und die Größe waren die einzigen Kritikpunkte, die wir hinnehmen mussten. Da ich auf einer Herbstwanderung in der Wutachschlucht das Garmin Etrex Navi verlor, recherchierte ich lange im Netz, was es denn nun neues sein sollte. Ich entschied mich für das klassischste Outdoor-Navi Garmin gpsmap 62st, für mich die eierlegende Wollmichsau.

Seit einem Jahr im Einsatz und noch keinen Kritikpunkt gefunden. Natürlich mussten beide o.g. Geräte auch mit Strom versorgt werden. Wir wollten für Island auf Nummer sicher gehen und besorgten ein größeres Solarpanel mit 4 Panels und gesamt 14W. Es lud bei voller Einstrahlung das Handy in 2 Std. Tolle Sache, so unabhängig zu sein. Zur Not hatten wir uns auch noch einen größeren Powerbank mit 12000mAh zugelegt, welcher immer dort aufgeladen werden sollte, wo eine Steckdose war. Mit dem Panel hätte das Aufladen des Powerbanks bei der meist vorhandenen Bewölkung wohl Jahre gedauert. Parallel dazu kamen noch neue leistungsstärkere Eneloops, die XX_Variante mit 2400 mAh (die schwarzen). Es kommen mir keine anderen Akkus mehr ins Gerät. Die Dinger halten, was sie versprechen und teuer sind sie auch nicht.

Den Katadyn Wasserfilter ließen wir dieses Mal zu Hause. Aus zwei Gründen, 1. funktioniert das Teil nur beim Filtern von saubersten Wasser, also wofür brauche ich diesen Mist dann, wenn er bei Schmutzwasser verstopft und nicht geht? 2. das Wasser in Island ist von hervorragender Qualität. Es soll Leute geben, die für isländisches Gletscherwasser viel Geld bezahlen. Warum sollen wir es dann nicht ungefiltert und kostenfrei trinken? Uns ist im Urlaub nie der Magen durchgegangen und Wasser gibt es auf Island nun wirklich fast überall. Wichtige Umbauten gab es am Kinderbuggy. Die standardmäßige Stautasche am Hinterteil ist völlig für die Katz, das haben wir auf den Azoren gemerkt. Für Urban Outdoorer sicher akzeptabel, aber sie ist weder wasserdicht, noch praktikabel. Daher wurde das Teil abgebaut und eine Querstange durch das Gerüst gebohrt.

Nun konnte man dort eine Ortlieb Radtasche dranhängen und die beim Furten schnell abmachen und einzeln tragen. Außerdem war alles wasserdicht verpackt. Wie 2013 auch hingen 2014 auch wieder links und rechts am Buggy zwei weitere Radtaschen. Um das Set zu komplettieren, wurde am Lenker eine Lenkertasche von Ortlieb befestigt, damit die wichtigen Dinge schnell greifbar, aber trotzdem wasserdicht verpackt waren. Anhand dieser orangenen Globetrotter-Taschen sollten wir auch für den Letzten eindeutig als deutsch auszumachen sein.

Hier ein kleiner Auszug unserer Ausrüstung:

  • Hilleberg Keron 4GT inkl. Footprint (dieses Mal nutzten wir eine zippbare Rucksackhülle als Packbeutel, so konnte das Zelt komprimiert ins Schlafsackfach des Rucksacks gepresst werden!)
  • Chariot CX1 mit Buggyrad (Luftpumpe, Ersatzschläuche, Werkzeug), 4 Ortlieb Radtaschen, Lenkertasche
  • Bach Kraxe Specialist Größe 3 und NorthFace Rucksack 65L inkl. Regenhüllen
  • Mammut Ajungilak Alpine UL 3Season mit Meru Bilbao Inlets, für den Kleinen Deuter Starlight Exp pro
  • Thermarest Pro lite und Neoair x-lite regular
  • Kocher MSR Dragonfly, Siggflasche 1.5L, Kochtopfset (2 Töpfe, eine kleine Pfanne), Sortiment Weithals Behälter 
  • Camelbak 3L Antidote Trinkblase, zwei Wassersäcke a 3L (Ortlieb, Jansport)
  • Solarpanel 14W, Anker Powerbank 12000mAh, Eneloop XX-Akkus (8 Mignon, 4 Micro)
  • Led Lenser SEO 7R mit Akku Pack (ich liebe diese Stirnlampe!)
  • Garmin gpsmap 62st
  • Schuhe Meindl Vakkum GTX Men/Women
  • Mountain Equipment Goretex Regenhosen und Marmot Speed Light Jacket
  • Adidas climacool boats fürs Furten (besser als Sandalen, da geschlossener Schuh!)
  • Regenklamotten, Wanderschuhe, Sandalen, Kuscheltier und 2 Bücher für den Kleinen
  • Vaude Outdoorseife 2x 100ml (gerade ausreichend für 3 Wochen) und 3 Vaude Comfort Towels L-XL

Beim Mückenschutz vertrauen wir nur auf Nordic Summer. Entweder war es aber zu kalt oder wir haben schon mit unserem Schweiß genug Abwehrstoffe geschaffen, jedenfalls belästigten uns nur kleine Fliegen. Somit waren auch die Kopfnetze überflüssig, aber in dieser Hinsicht sage ich immer „Lieber haben als hätte“. Die Mistdinger können Einem echt den Urlaub zu Hölle machen.

 

Nützliche Links  zurück zur Liste

Map Viewer

Online Karte von Map Viewer

MAP Karte

Tolle zoombare, sehr genaue Satellitenkarte von map.is

Wanderreitkarte

330MB Download der GPS Wanderreitkarte mit Furtstellen, sehr detailliert

Unsere Tour im Island-Forum

Diskussion unserer Tour im Island-Forum

Unsere Tour im Islandreise Forum

Diskussion unserer Tour auf Islandreise.info

Island-Forum

Das wohl größe Forum für Island

Islandreise Forum

Das etwas kleinere der beiden Island Foren.

 

Reisebericht  zurück zur Liste

 

Wer’s ausführlicher mag, also sehr ausführlich, ach was, viel zu ausschweifend,
der findet hier einen 47-seitigen Bild-Text-Bericht als pdf-Download,
ansonsten folgend hier die Kurzfassung.

 

Dass wir diesen Satz „The rescue team is searching for you“ in unserem dreiwöchigen Urlaub zu hören bekommen, hätte wohl Niemand gedacht. Uns war bei der Planung bewusst, dass das isländische Hochland nicht gerade ein Spielplatz für Kinder ist. Daher haben wir uns mit diversen Apps fürs Smartphone und Notfallnummern nach allen Seiten hin abgesichert. Es kam dann aber doch alles anders.

Wie auch bereits auf den Azoren 2013 entschieden wir uns auch hier wieder für ein ungewöhnliches Transportmittel. Da wir mit unserem dreijährigen Sohn nach Island reisen wollten, nahmen wir einen etwas modifizierten Chariot Thule CX1 mit. Dieser sollte Schlaf- und Rastplatz sowie Wetterschutz für den Kleinen bieten. Okay, für uns stellte er auch ein Lastenesel dar, der 18 kg Zusatzgepäck buckeln musste. Wohin sonst mit den ganzen Klamotten? Unsere Kraxen waren mit 25 bis 30 kg schon maximal beladen. Den Zuschlag bekam Island, weil die Natur atemberaubend sein sollte und wir, wo es nur geht, die Möglichkeit des wild Zeltens nutzen wollten ohne damit gegen geltende Gesetze zu verstoßen. Die Einsamkeit des Hochlandes und die geballte Kraft, die unter der Insel lauert, begeisterten uns von Beginn an.

Ende August ging es los. Bewusst wählten wir das Ende der Hauptsaison. Somit vermieden wir die Touristenströme im Hochland, die meist auf den gleichen Pisten mit ihren Autos unterwegs gewesen wären wie wir mit unserem Buggy. Ein Tag in Reykjavik reichte uns völlig aus, ab in die Natur und mit dem Abendflug nach Isafjördur, der Anlaufpunkt in den Westfjorden. In dieser abgelegenen Region ist auch in der Hochsaison wenig los, da diese nicht direkt an der Ringstraße liegt, die um die Insel führt.

 

Island Trekking Zelt Hochland WestfjordeIsland Trekking Zelt Hochland Westfjorde

Mit Regionalbussen ging es Tag darauf auf die Thingeyri Halbinsel, nachdem Proviant und Benzin für die nächsten 5 Tage gesichert war. Die Sonne strahlte satt und kurz nach Ortsausgang waren wir mit uns und der Natur allein. Asphalt wurde zu Schotter, wir betraten nun die Abgeschiedenheit, nach der wir uns gesehnt hatten. Wir wanderten quer über den Fjord hinweg, immer in Richtung Kaldbakur, dem höchsten Berg der Westfjorde mit 900m. Die 1.Nacht verbrachten wir wild. Damit wir uns an die Wassertemperaturen beim Furten gewöhnen konnten, nutzten wir den nahe gelegenen Bach für ein Bad. Bald war der Kocher an und es gab Nudeln, wie sich später herausstellen sollte, fast jeden Tag.

Die folgenden 3 Tage umrundeten wir die Halbinsel mit Tagestouren um die 20 Kilometer, immer an der Küstenlinie entlang. Diese Pistenstraße war nur sehr wenig befahren und führte teilweise so nah am Wasser entlang, dass die Gezeiten keine untergeordnete Rolle spielten. Das Wetter wurde zunehmend wechselhafter. Mehr Wolken, weniger Sonne, mehr Wind, ab und an Regen. Also typisch isländisches Wetter. Bereits nach 4 Tagen waren wir wieder am Ausgangsort angekommen, mit dem Bus ging es in den nördlich gelegenen Önundar-Fjord. Wir liefen in den Fjord hinein und aufgrund des Wetters suchten wir das Guesthouse Kirkjubol auf, ein Juwel in den Westfjorden.

Island Trekking Zelt Hochland WestfjordeIsland Trekking Zelt Hochland Westfjorde

So schlecht war das Wetter nicht, dass wir jetzt schon resignierten, doch hatte unser Sohn uns Tage zuvor mit einer leichten Grippe angesteckt. Er war mittlerweile gesund, die Eltern mussten nun leiden. Wir erholten uns und nahmen in den kommenden zwei Tagen dann die Kammüberschreitung nach Isafjördur in Angriff. Diese sollte auf der alten Verbindungsstraße zwischen den beiden Fjorden lang gehen, die mittlerweile durch einen Tunnel ersetzt wurde. Eine Nacht schlugen wir wieder unser Zelt in der Wildnis auf.

Tag darauf war Zwischenstopp in Isafjördur angesagt, um Einkaufen zu gehen und um den Mietwagen abzuholen, mit dem nun ein Transfer nach Akureyri anstand. Den ersten Teil der 700 Kilometer langen Strecke legten wir noch am gleichen Tag zurück. Die Straßen führten direkt an der Küstenlinie rein in den Fjord und auf der anderen Seite wieder hinaus. Okay, ein Tag im Auto ist erholsam, aber bereits hier merkten wir, dass ein Urlaub im Auto nichts für uns ist. Die Natur fliegt an einem vorbei, man kann weder genießen, noch die Landschaft auf sich wirken lassen. Wir verspürten sogar eine Faulheit, Fotos zu schießen. Echt krank, oder? Ziel war heute das Camp Heydalur. Unser erstes Bad in einem Hotpot, einer natürlichen heißen Quelle, stand an. Der darauffolgende Tag war mit der Bewältigung von weiteren 570 Kilometern voll ausgebucht.

 

Island Trekking Zelt Hochland WestfjordeIsland Trekking Zelt Hochland Westfjorde

Zeitig früh los und Ankunft in Akureyri gegen 17 Uhr, hier und da ein paar Stopps. Morgen sollte es nun mit dem Hochlandbus in Richtung Landmannalaugar gehen. Die Fahrt dauerte 8 Stunden, inklusive Stopps an sehenswerten Punkten wie dem Aldeyjar-Wasserfall. Wir stiegen weit entfernt vom Landmannalaugar Camp aus um uns das Ziel in den kommenden 4-5 Tagen selbst zu erkämpfen. Beim außerplanmäßigen Halt war der Busfahrer sehr an unserer Weiterreise interessiert. Wir teilten ihm unseren Plan und die Kenntnis vom anstehenden Sturm mit, dann zogen wir los. Die Nacht verbrachten wir in Afangagil, auch dort wies uns am nächsten Morgen die Hüttenwirtin noch einmal explizit auf den Sturm mit 28m/s hin. Nun war uns klar, heute und morgen können wir das wild Zelten vergessen, Sicherheit geht vor, auch wenn Manch einer behauptet, Hilleberg Zelte sind unkaputtbar.

Also hieß es, heute einen Gewaltmarsch von 30 Kilometern zurück zu legen. Dieser führte uns auf der F225 nach Landmannahellir, einem niedlichen und abgelegenen Camp. Kurz vor Erreichen des Camps hielt ein Linienbusfahrer neben uns und sagte mit vorwurfsvollen Blick „ The rescue team is saerching for you!“ Super, was hatten wir falsch gemacht. Mit der 112-App wusste die Notfallzentrale Islands immer, wo wir waren, indem man seine Koordinaten sendet und gegeben falls auch einen Notruf senden kann. Gott, hoffentlich hatte unser technikaffiner Sohn nicht diesen Button gedrückt. Wir waren verwirrt und der Busfahrer informierte nun umgehend per Funk das Rescue Team in Landmannalaugar.

 

Island Trekking Zelt Hochland WestfjordeIsland Trekking Zelt Hochland Westfjorde

Nach dem Schock buchten wir uns für zwei Nächte erst einmal in einer Hütte ein. Der Sturm sollte erst morgen Mittag kommen, wütete aber jetzt schon und schüttelte die kleinen Hütten ordentlich durch. Wir waren zum Faulenzen gezwungen. Auf 3 x 3 Meter mussten wir ausharren. Wir sehnten dem Übermorgen entgegen. Nun hatte der Sturm nachgelassen, das Ziel Landmannalaugar stand auch fest, also weiter auf der F225. Die Piste war wenig befahren, wir hatten Anfang September, der Verkehr hatte spürbar nachgelassen. Es war ein wechselhafter Tag, wir trafen unterwegs zwei Wanderer. Sie galten als Motivation für uns, eher im Camp anzukommen. Mit einem Ziel und einem Gegner vor Augen lief auch unser Sohn heute sehr engagiert seine 10 Kilometer. Es waren wenige Höhenmeter zu bewältigen.

Im Camp angekommen wurden wir vom Rescue Team ziemlich schief angeschaut und die Situation sollte sich nun schnell aufklären, denn die nette Dame an der Rezeption sprach deutsch und fragte uns „Ihr wisst schon, dass wir und das Rescue Team nach Euch gesucht haben?“. Na klar wussten wir das und war die Tage zuvor immer wieder Gesprächsthema gewesen. Wie war es nun dazu gekommen? Der fürsorgliche Busfahrer, der außerplanmäßig für uns hielt, informierte das Rescue Team, dass im Hochland ein Pärchen mit Kind und Kinderwagen unterwegs seien. Aufgrund des herannahenden Sturmes wurde nun nach uns fieberhaft gesucht. Aufgrund des Missverständnisses wurde zum Glück nur per Funk gefahndet. Das Rescue Team dachte nun, es wären ein Paar Tagesausflügler aus Reykjavik mit Stadtkinderwagen, Regenschirm und Absatzschuhen im Hochland unterwegs.

Der Busfahrer hätte erwähnen sollen, wie wir ausgerüstet waren. Nun war alles aufgelöst und sie verabschiedete uns mit den Worten „Nun wissen wir, dass wir uns um Euch keine Sorgen machen müssen. Ihr seid vorbereitet!“ Die hatten sich um uns gesorgt, aber hätten sie sich lieber mal um die Leute im Camp sorgen sollen, die hier mit Popup Zelten anreisen und damit fahrlässiger handeln als wir mit unserem dreijährigen Sohn. Wir wollten hier eigentlich 1 Tag entspannen, aber wir bekamen eher einen Reizmagen. Hier war uns zu viel los. Eine Zeltstadt und eine Sanitäranlage, die nach nassem Hund roch. Bloß weg hier.

 

Island Trekking Zelt Hochland WestfjordeIsland Trekking Zelt Hochland Westfjorde

Am Tag darauf ging es sofort los. Unser Endziel sollte die Ringstraße im Süden sein, die mit Umweg noch gute 100 Kilometer entfernt war. Wir füllten ein letztes Mal unseren Proviant auf. Der Buggy war brechend voll, einem Zusammenbruch nahe. Auf der F208 angekommen wurde es nun ruhiger. Laut Recherche sollte nun einer der sehenswertesten Landstriche folgen. Hier hatte Mutter Natur unseren Geschmack getroffen, nur mehr Bäume hätten es ruhig sein können, – die bösen Wikinger. Die Landschaft zeigte uns noch nie zuvor gesehene Farben, um jede Kurve veränderte sich die Silhouette, ja sogar manchmal von Meter zu Meter. Wie künstlich angelegt folgte nach einem Lavafeld eine grüne Wiese. Wie waren beindruckt und schafften heute nur 15 Kilometer. Gefühlt machten wir 100 Fotos an diesem Tag. Dann sollte unser schönster Lagerplatz im Urlaub folgen.

Der Kirkjufell-See lud förmlich dazu sein, ein richtiges Bad zu nehmen. Ich hielt es keine Minute unter Wasser aus, meine beiden Leidensgenossen schauten sich die Tortur von draußen an. Ich war nun abgehärtet für die wirklich tiefen Furten. Bis dahin waren sie immer nur wadentief gewesen. Bis 15 Zentimeter Tiefe konnten wir sogar samt Buggy ohne Schuhwechsel beherzt durchmarschieren. Zur Abwechslung gab es heute mal Kartoffelbrei mit Köttbullar. Gott, was hätten wir für en Lagerfeuer gegeben, aber ohne Holz schlecht machbar. Meiner Freundin war immer noch sehr kalt, meist abends im Zelt. Die Idee kam mir in den Kopf, das ich den Ortlieb Wassersack als Wärmflasche zweckentfremde. Ein Lächeln war mir dafür gewiss. Die Sonne weckte uns am Tag darauf auf, es war sehr warm im Zelt geworden.

Sollte das unser Tag werden? Im T-Shirt wandern und braun werden? Wir beeilten uns mit dem Frühstück. Beim Zeltabbau half Täve und während ich alles verpackte, trug meine Freundin überoptimistisch Sonnencreme auf. Sah sie etwa die dunklen Wolken hinter dem Kamm nicht? In Zwei Stunden sollte sie dann merken, dass die Sonnencreme auch wasserfest ist. Vorher standen uns aber noch ein paar Furte bevor, die immer ein wenig Zeit kosteten. Wanderschuhe aus, Wasserschuhe an, viermal furten um das Gepäck von der einen auf die andere Seite zu schaffen. Dabei immer den richtigen Weg finden. Meist beobachteten uns kopfschüttelnd und fotografierend Autofahrer, die unserem Furtweg dann auch folgten.

Der musste ja sicher sein. Gern geschehen! An einer Furt stiegen sogar 6 Fotografen aus einem Jeep, die auf Nachfrage hin uns im Blitzlichtgewitter stehen ließen. Täve saß verschüchtert im Buggy. Warum wir so fotogen waren, konnte uns Keiner richtig beantworten. So selten sind nun Wanderer auch nicht. Das Reisen mit dem Kleinen sicherlich schon, aber für uns halt Normalität. Mit den Kameras im Anschlag furteten wir sportlich und liefen direkt in die Regenfront hinein. Es fing an zu nieseln, zu regnen, zu schütten. Der Wind sorgt dafür, dass es horizontal regnete. Alle Regenklamotten waren angezogen, wir ließen uns erst einmal nicht beirren. Es dauerte keine 2 Stunden, dann waren wir gebrochen.

 

Demotiviert, durchgeweicht, hungrig. Ursprünglich sollte wieder wild gezeltet werden. Kurz nach Eldgja wollten wir das Zelt aufschlagen. Ich motivierte Frau und Kind mit dem Wort „Hütte“ und das neue Ziel hieß Holaskjol, etwa 8 Kilometer länger und damit wieder einmal nahezu 30 Kilometer. Anfangs beschimpfte mich meine Freundin, dass es nie mehr als 15 Kilometer sein sollten. Nun liefen wir bereits das Doppelte. Die ist doch echt hart im nehmen. Im Camp kamen wir gegen Abend an, es schien nun wieder ein wenig die Sonne. Wir waren in der großen Hütte allein und mussten unsere nassen Klamotten trocknen. Im Rucksack waren auch Klamotten nass geworden, die Regenhülle konnte den Zerfall meiner 15 Jahre alten Bach Kraxe nicht kompensieren. Gedanklich war ich nun schon auf der Globetrotter Homepage beim Bestellen. Mal sehen, was noch dazu kommen würde.

Morgen sollte uns nun der Weg von der F208 auf die F233 führen. Es sollte noch ruhiger, noch abgelegener werden. Es ging lange und steil bergauf. Immer dann nahm auch Täve im Buggy Platz um sicher zu gehen, dass ich auch unter Vollbelastung wandern würde. Die Sonne schien satt, ein vorbeifahrender Autofahrer zollte seinen Respekt mit einem Daumen-hoch. Bald waren wir am Alftavötn-See angekommen, eigentlich nur ein Pausenziel. Da ich jedoch bei meiner Planung vergessen hatte, dass der August 31 Tage hat, hatten wir nun einen Tag Puffer. Den nutzten wir hier. Die Selbstversorgerhütte war leer, ab mit den isländischen Kronen in der Vertrauenskasse. Ich musste erst einmal den Gasofen reparieren, die Gasleitungen waren verstopft und verbogen. Sonst wäre der Abend unerträglich für mich geworden.

Der Ofen brannte bald auf Hochtouren und so war meine Freundin bestens gelaunt. Zwischen Gasofen und Gasherd bereitete sie das Essen zu. Wir tranken 2.25% Bierplörre, mehr Prozente bekommt man im freien Verkauf nicht. Es riecht und schmeckt nach Bier, aber das wars auch. Der nächste Morgen zeigte sich von seiner besten Seite. Fast wolkenlos, aber trotzdem zu kalt um im T-Shirt in Richtung Katla Vulkan zu wandern. Am heutigen Tag trafen wir nur auf zwei Autos, der Weg und die Natur gehörte uns. Zum Mittag pausierten wir auf einem Bergkamm, aßen die Nudeln vom Vortag. Zwischen den Gletschern Vatna und Myrdal wurde uns schon ein wenig vom Anblick kalt. Soviel Schnee und Eis und dazwischen endlose Wildnis. Immer das markante Öldufell- Bergmassiv im Blick erreichten wir bald die Holmsa-Ebene.

 

Ich behielt es noch für mich, dass hier die schwerste Furt auf uns warten würde. Die sollte morgen bewältigt werden, wir suchten uns unweit einen Nachtplatz an einem idyllischen Bächlein. Der Rest des Tages war dann, wie auch die anderen Tage, meist mit legerer Erkundung der Umgebung ausgefüllt. Yvonne bewachte das Zelt von innen. Die Wärmflasche, ihr bester Freund immer in der Nähe. Sie tat mir ein wenig leid. Ich würde dann morgen beim Furten ein Opfer bringen. Es war früher Vormittag am darauffolgenden Tag. Wir standen an der Furt. Breit, tief, furchteinflößend. Mit Wanderstöcken furtete ich und hatte vorsorglich schon die Hose ausgezogen. An der tiefsten Stelle schwappte sogar das Wasser an den Schlüpfer.

Was für eine Kälte. Ich war hüftabwärts gelähmt. Das war aber nur der erste Streich. Ich sollte noch 4 weitere Male eine Kneippkur bekommen. Um das Gepäck machte ich mir keine Sorgen, das war auf der anderen Seite trocken angekommen. Nun war der Buggy mit Täve dran. Vorn Yvonne, hinten ich. Bedacht, mit breit aufgestelltem Schritt furteten wir sicher ein letztes Mal. Das war’s. Ab in die warmen Schuhe und das Öldufell ansteuern. Auf dem Weg dorthin die unangenehmste Bekanntschaft des Urlaubes.

Ein Camper bog extra auf unseren Weg ein, überholte uns und hielt 500 Meter vor uns. Die Frau stieg mit Ihrer Superzoom Kamera aus, baute das Stativ auf und wir hörten pausenlose Knipsgeräusche in der Ferne. Immer näher auf Sie zukommend bemerkten wir, wie sie ihr Hauptaugenmerk auf unseren Sohn gerichtet hatte. Ich stellte mich in den Weg und schrie sie an „Stop taking pictures, you did not asked for permission“.

Wir waren so sauer darüber, dass sie unsere Privatsphäre missachtete. Anfangs hatte es uns gefreut und nicht gestört, wenn uns Leute auf Nachfragen hin fotografiert hatten. Nun aber war der Höhepunkt erreicht, wir waren nur noch genervt. Sie fuhren wieder ihren ursprünglichen Weg, wir suchten das Weite. Nun war das Öldufell zum greifen nah, der Gletscher nur noch 2 Kilometer entfernt. Wir ließen diesen rechts des Weges liegen und folgten dem Weg weiter gen Süden, immer weiter bergab, raus aus dem Hochland. Wir durchliefen weitläufige Lavafelder. Irgendwann in der Ferne erblickten wir eine Schafshütte. Die steuerten wir an und nutzten die überdachte Schlafgelegenheit im Dachgeschoss. Unter uns schliefen im Erdgeschoss eine Herde Schafe. Morgen nun der letzte volle Wandertag, der vollständig von einer dunklen Wolkenschicht bekleidet wurde. Zum Glück ohne Regen.

Der Weg wurde flacher und der Landstrich eintönig. Wieder einmal schnappten wir den Schafen den windgeschützten Schlafplatz weg. Die letzte Nacht in der Wildnis, morgen dann noch einmal 8 Kilometer und wir sehen mal wieder asphaltierte Straßen und gut riechende zivilisierte Menschen. Dies mussten wir uns aber hart erkämpfen. Den kompletten Weg zur Ringstraße goss es in Strömen mit permanentem Wind von hinten. Die Regenklamotten schützten uns. Nach 2 Stunden waren wir an der Ringstraße, den Linienbus stoppten wir nach weiteren 30 Minuten im Dauerregen außerplanmäßig. Nun waren wir im trockenen Bus, mit dem Ziel Hveragerdi.

Dort entschieden wir uns, die letzte Nacht in eine Unterkunft zu gehen. Wir mussten uns wieder für das zivile Leben herrichten. Den letzten Tag schauten wir uns das Geothermalgebiet der Umgebung an. Man staunt nicht schlecht, welches Leben da unter der Erde steckt. Dann ging es mit dem Bus weiter nach Reykjavik, ein Abschlussessen im Laundromat-Cafe und dann ab zum Flughafen. Um Mitternacht saßen wir im Flieger ließen die Impressionen Revue passieren. Es war ein Urlaub, den wir nicht so schnell vergessen werden. Spätestens wenn die Erinnerungen daran verblassen, werden wir wieder nach Island kommen.


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