Höri Ostertour Bodensee wild Zelten

Wild Zelten vor der eigenen Haustür

Vorwort Höri Ostertour

Wir schreiben das Jahr 2020 und alles hat sich verändert. Das Übel hat seinen Namen in Corona gefunden. Wir mussten unseren Sardinien Urlaub stornieren und auf unbestimmte Zeit verschieben. Die nahe gelegenen Grenzen zur Schweiz sind geschlossen und auch die grünen Grenzen werden streng überwacht. Wer die drakonischen Schweizer Strafen kennt, der will diese nicht bewusst in Kauf nehmen. Nach nunmehr zwei Wochen Homeoffice und Homeschooling fiel uns Dreien die Decke auf den Kopf.

Mit dem Auto wollten wir nicht weit fahren, um mal raus in die Natur zu kommen und so wuchs die spontane Idee heran, einfach mal ab der Haustür mit dem Rucksack loszuziehen. Wir wohnen auf der Höri, eine kleine und bewaldete Halbinsel zwischen der Schweiz und dem Bodensee. Oftmals waren wir hier nur für kleinere Tagestouren mal unterwegs. Nun aber packten wir die Rucksäcke für drei Tage und wollten nun die kleinsten Pfade dieser hügeligen Halbinsel erkunden, um den vielen Corona-Wanderern aus dem Weg zu gehen.

Unsere kleine Tour im Überblick

Da wir ja eigentlich gern allein auf wilden Pfaden unterwegs sind, planten wir mit Absicht und vielen Umwegen die wirklich schmalen Wege, auch, weil sie Täve bei bester Laune halten. Er wollte ohne Roller oder andere Hilfsmittel losziehen und selbst die Strecke komplett meistern. Daher waren 15 Kilometer je Tag das Maximum. Da die Höri maximal 400 Höhenmeter ab dem Bodensee aufsteigt, waren keine krassen Anstiege im Weg und die Runde sollte auch entspannt verlaufen.

Somit blieb Zeit für Pausen und Verstecken von kleinen Ostergeschenken. Da wir die Höri nun schon gut kennen, planten wir die Camps an Stellen, wo eine Wasserstelle garantiert vorhanden war. Seit nunmehr zwei Wochen hatte es nicht mehr geregnet, viele kleine Bachläufe waren ausgetrocknet. Aufgrund des guten Wetters sparten wir auch bei der Behausung ein. Das Zelt blieb zu Hause, nur das Tarp kam ins Gepäck.

1.Tag

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2.Tag

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3.Tag

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Kurzbericht 

1.Tag

Wir wollten kein Aufsehen erregen und Denunzianten einen Grund geben, die Polizei zu alarmieren. Daher fuhren wir vom Haus aus die 50 Meter zum Waldesrand und vermieden den Spaziergang mit großen Rucksäcken durch den Ort. Die Corona Krise hat viele Regeln und Beschränkungen auf den Plan gerufen. Der omnipräsente Slogan #Stayathome ist sehr dehnbar. Was ist zu Hause? Wo soll ich zu Hause bleiben? Wir hatten uns nun lange Zeit nur in unserer Wohnung oder im kleinen Ort Hemmenhofen eingeschränkt, nun mussten wir aber mal raus.

Keine Ahnung, ob wir mit dieser Tour nun Gesetze brechen würden, sorgten wir dafür, alle uns bekannten Regeln einzuhalten. Wir mieden den Grenzübertritt in die Schweiz über die grüne Grenze und suchten nach kleinen Wegen, wo uns nur Wenige antreffen sollten. Nachdem das Auto nun geparkt und die Rucksäcke geschultert waren, gingen wir vorerst die Weg entlang, die wir sonst nur zu unseren Spaziergängen genutzt hatten. Es war schon ein komisches Gefühl, aber auch befreiend zugleich.

Vom See, der auf 400 Meter Höhe liegt ging es stetig bergan und am Gehöft Honisheim wurde die erste kleine Aussichtspause genossen. Natürlich war hier schon der Osterhase zu Gange. Täve dachte, der liegt ja wieder mal Müll herum, hob ihn auf und schüttelte. Zu seiner Überraschung war die Smarties Packung aber prall gefüllt und verschlossen. Auf kleinen Pfaden streiften wir weiter durch die Wald-Wiesen-Landschaft und erreichten bald Langenmoos, wo sich ein abenteuerlicher Trail am Waldesrand entlang schlängelte.

Täve mag diese Wege, Motivation ist da nicht nötig. Irgendwann verpassten wir dann den Abzweig, um auf eine Wegebene weiter unten zukommen. Wir schlugen uns also querfeldein durch das noch blattlose Gestrüpp und kurz bevor wir den breiten Weg erreichten, stießen wir auf den verlorenen Pfad. Nun ging es vorerst auf breiteren Wegen am Nordhang der Höri entlang. Immer wieder konnte man Blicke auf den Bodensee und die uns bekannten Ortschaften Moos, Iznang oder Radolfzell erhaschen.

Bei ausgiebigen Unterhaltungen verpassten wir wiederum eine dieser kleinen Pfade. Wir wollten die 500 Meter nicht wieder zurück und schlugen uns abermals durchs Unterholz durch, dieses Mal aber steil nach oben. Nach diesem schweißtreibendem Intermezzo belagerten wir den zugewucherten Weg, der nun wieder auf unserer Route lag. In der Mittagssonne, die durch die offenen Bäume drangen, genossen wir die Ruhe und machten alle Drei ein kleines Nickerchen.

Nach der Pause erreichten wir bald die Schienerberg Straße, die von Bankholzen in Serpentinen nach Schienen führt. Damit wir kein Aufsehen bei den Autofahrer erregten, warteten wir die Autokolonnen ab und sprangen dann schnell von der einen zu anderen Seite und verschwanden bald wieder im Wald. Der Schotterweg verlief unterhalb des Aussichtspunktes und der Mountain Bike Downhill Strecke. Doch bald endete der Fahrweg in einer Gasse. Auf meinem Navi war ein Pfad eingezeichnet, aber im Wald nichts erkennbar. Trotz der steilen Hangneigung wagten wir den Schritt ins Ungewisse.

Während Täve voll in seinem Element war, fluchte Yvonne über zurückschnipsende Äste. Bald war wieder ein leichter Pfad erkennbar, der aber genau so schnell wieder verschwand. Ich ermutigte Beide mit dem Fingerzeig auf die unter uns befindliche breite Forstpiste. Dort machten wir abermals Pause. Wir schauten nie auf den Kilometerzähler, ließen eher Lust und Laune entscheiden. Wir merkten bereits jetzt, dass die 4.5 Liter Wasser wohl nur einen Tag reichen würden. 

Bald erreichten wir die Bohlinger Schlucht, hier forderte Täve seine Pause ein, denn an den sandigen Felsen konnte er seinem Kletterdrang freien Lauf lassen. Er wollte hier das Camp aufschlagen, aber wir hatten es gerade mal 15 Uhr und keine 10 Kilometer gemacht. Yvonne monierte die fehlende Sonne und um uns herum war auch kein Traumcamp in Aussicht. Täve ließ sich breitschlagen und so zogen wir nach einer ausgedehnten Pause weiter.

Auf einem zugewachsenem Pfad mussten wir nun wieder auf den Kamm kommen. Anfangs war da noch ein Weg erkennbar, doch bald sahen wir uns gezwungen, diesen zu verlassen und einen eigenen Pfad einzuschlagen. Die Sturmschäden versperrten uns den Weg und der Hindernislauf wäre um ein Vielfaches anstrengender gewesen. Am Trail, der oberhalb der Abbruchkante Richtung Crocobach Hütte verläuft, pausierten wir. Hier kamen nun auch einige Mountain Biker vorbei.

Bis Maria Tann liefen wir diesen abwechslungsreichen Pfad in Richtung Schweiz. Genau dort war nun die Grenze. Wir folgten genau dieser in Richtung Bühlarz. Langsam wurde es ruhiger im Wald. Es war gegen 18 Uhr und wir hielten nach einem Camp Ausschau. Nahe dem Gehöft Bühlarz befindet sich ein Biotop mit Quellen. Unweit dessen wollten wir Camp beziehen und fanden auch gleich eine tolle Stelle. Das Tarp war schnell abgespannt, das Holz für den Hobo bald zerkleinert.

Ich konnte kaum Aufatmen, da wurde das Thema Abendessen angeschnitten. Yvonne übernahm heute mal meinen Job als Koch, während ich im einzigen Funkloch auf der Höri versuchte, meine Schwester zu erreichen, die Geburtstag hatte. In der Not konnte ich dann doch noch eine Sms absenden und wurde zurück am fertigen Abendmahl erst einmal zusammengefaltet, was ich denn so lange gemacht hätte. Tja, nun wusste Yvonne, was ich immer alles so an Dingen erledigen muss. Sie zollte mir Respekt und löffelte die Nudeln.

Nachdem alle Mäuler gestopft waren, gingen wir zur Quelle hinunter. Die Sonne war untergegangen und in der Dämmerung zogen wir uns aus und übergossen uns mit dem eiskalten Quellwasser. Gott, tat das gut. Nun waren wir gesättigt und frischgewaschen. Der idyllische Abend am Lagerfeuer konnte nun beginnen. Die Nacht war lau und die Stimmung gut. Wir lachten über den Tag und genossen die begrenzte Freiheit. Unbemerkt schlichen ich Rehe durch den Wald heran. Doch auf dem trockenen Laub waren sie bald nicht mehr zu überhören. Als sie uns dann doch erblickten, sprangen sie in die Dunkelheit.

Wir saßen noch lange am Feuer und freuten uns trotzdem Alle auf die Nacht im Freien. Beim Einschlafen raschelte es um uns herum. Hoffentlich würden die Mäuse uns noch was von unserem Proviant übrig lassen.

Bilder des Tages

 Höri Ostertour Bodensee wild Zelten    

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Video des Tages

2.Tag

Der hinter uns befindliche Wald war gerade in der Abforstung. Mitten in der Woche begannen die Waldarbeiter ihre Dienste. Keine 50 Meter von uns entfernt parkten sie und trieben ihre Kettensägen und Harvester auf Hochtouren. Das hatte was von Baustellen-Idylle. Keine Ahnung, ob sie uns bereits entdeckt hatten. Zum Glück befand sich unser Camp nicht in dem gerodeten Abschnitt. Wir zogen das Frühstück als nicht übermäßig in die Länge und begaben uns gegen 10 Uhr auf den weiteren Weg.

Der führte uns auf unserer sonntäglichen Stammrunde entlang. „Wir werden uns wohl nun immer an diese Kurztour erinnern, wenn wir heir sonntags lang spazieren“, meinte Yvonne. Komisch war es schon, aber wir fühlten uns nicht so, also ob wir in der Nähe wandern gehen. Teilweise beschritten wir Abschnitte, die wir noch nie gesehen hatten. Dann verloren wir dieses Gefühl und waren auf Erkundungstour. Das Schienerbach Tal war dann wieder einmal eines dieser kleinen Highlights.

Von Öhningen beginnend steigt es sanft in einem eng eingekesselten Tal Richtung Schienen auf. Dabei schlängelt sich der Schienerbach wild und ursprünglich durch die naturbelassene Landschaft. Klar, hier mussten wir Halt machen. Wir genossen das sanfte Rauschen, während Täve am Fluss seinen Spaß fand. Auch hier war der Osterhase wieder fleißig und hinterließ Präsente. Nachdem wir die Straße nach Schienen gequert hatten, pausierten wir an der versiegten Quelle am Parkplatz Bahnholz und zogen dann oberhalb der Hänge Richtung Osten weiter.

Auf schmalen Pfaden, vorbei an kleinen Gehöften und immer mit Blick auf den Untersee, kamen wir gut voran, aber die Sonne trieb uns mehr und mehr den Schweiß ins Gesicht. Eine willkommene Pause gab es dann nach dem Oberbühlhof an einer Quelle. Wir enspannten unsere geschwollenen Füsse im kalten Nass und entspannten abermals im Gras.

Nun mussten wir wieder ein paar Anstiege in Kauf nehmen, die zwischendurch immer wieder von nicht mehr erkennbaren Pfaden unterbrochen wurden. Yvonne kündigte schon an, dass sie eigentlich keine Lust mehr hätte, unser Tagesziel war aber nur noch zwei Kilometer entfernt. Wir pausierten also noch einmal an einer Weggabelung nahe Langenmoos. Der eingezeichnete Bach war an der Kreuzung ausgetrocknet, doch im unteren Verlauf kam immer mehr Wasser zum Vorschein.

Da oberhalb des Pausenplatzes ein idyllisches Camp lag, war die Entscheidung nun gefallen. Wir bezogen Camp in einem lichten Wald und nachdem abermals das Tarp und der Rest schnell platziert waren, chillten wir noch in der Sonne und ließen den Tag Revue passieren. Nachdem wir nun viele Rehe, Eichhörnchen und Milane gesehen hatten, war uns heute auch ein richtiger Waldhase über den Weg gelaufen.

Nachdem wir bald Wasser genug gefiltert hatten, streifte ich mir heute wieder die Kochmütze über. In der Abendsonne verbrachten wir lange Zeit mit Essen und Reden und verdauten noch lange das leckere Abendmahl. Erst nach Sonnenuntergang begaben wir uns zum Bächlein und rieben uns die Salzreste vom Körper. Dabei kontrollierten wir uns in Affenmanier gegenseitig auf Zecken.

Am Lagerfeuer war dann wieder Idylle pur angesagt. Bei Genussmitteln jeglicher Art blieben wir auch dieses Mal lange wach, wollten die Zeit hier draußen voll ausschöpfen. Die Müdigkeit wurde aber bald der Scharfrichter und trieb uns in die Schlafsäcke. Dieses Camp gefiel uns aufgrund der ruhigeren Lage viel besser. Doch leider raschelte es hier weniger im Unterholz, keine Tiere zum Beobachten, weit und breit.

Bilder des Tages

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Video des Tages

3.Tag

Da wir nun unsere Route ein wenig geändert hatten, waren wir nun auch von unserem Ziel nicht mehr so weit entfernt. Also schliefen wir sehr lange aus, warteten, bis uns die Sonne weckte. Gegen 9 Uhr stellten wir dann fest, dass es bewölkt war. Da hätten wir lange warten können. Richtig ausgiebig und dieses Mal bei schönen Waldgeräuschen kamen wir erst gegen 11 Uhr in Tritt.

Nun schloss sich bald wieder der Kreis und vorbei am Gehöft Langenmoos stiegen wir auf gleichen Pfaden wieder zu unserem Wohnort Hemmenhofen ab. Gegen frühen Nachmittag waren wir wieder am Auto und waren traurig, dass die spontane Idee nur so kurz war. Leider kann man aber auf unserer kleinen Höri keine längeren Touren mehr machen, aber bald wird wieder unbegrenztes Reisen möglich sein. Dann werden wir wieder in die Ferne schweifen, aber nun wohl wissend, dass das Gute auch so nah liegen kann.

Video des Tages


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