Chariot Umbau zum Pilgerwagen |

Metamorphose | Wie aus dem Buggy ein Pilgerwagen wird

Vorwort | Warum das Ganze?

Da hat man einen CX1 vor der Tür stehen und macht sich auf einmal Gedanken, wie man 1000 Euro schrottet um einen Pilgerwagen zu bauen. Jeder, der sich mit Chariot/ Thule auseinandergesetzt hat, weiß, dass die Teile auch nach Jahren noch für gutes Geld weggehen. Uns nützt aber aktuell der CX1 nichts mehr. Täve ist zu groß und zu schwer für den Hänger, der CX1 an sich zu sperrig und unflexibel  zum Wandern. Beim Umbau war mir wichtig, irgendwann wieder die Möglichkeit zu haben, den CX1 wieder zurück zu bauen. Gern hätte ich bspw. die Achse noch mehr in der Breite gekürzt, dann wäre diese Möglichkeit dahin gewesen. Da aber der CX1 ohnehin sehr kippstabil ist, bleibt er das auch noch mit einer schmäleren und um 4cm verkürzten Achse.

Beim Pilgerwagen liegen die Vorteile klar auf der Hand. Wenn man seine Ideen und Kreativität gut kombiniert, dann kann man ein wesentlich leichteres, geländegängigeres und vor allem besser verpackbares Vehicle herzaubern. ach, was ist ein Pilgerwagen? Auf dem Bild oben könnt Ihr es gut erkennen. Es ist ein Transporthilfsmittel, um den Rücken ganz oder nur teilweise zu entlasten. In der üblichsten Form wird der Wagen hinterher gezogen, mit Händen oder an der Hüfte fixiert. Dabei kann man zwischen Monowalkern (einrädrige) oder 2WD- Trailer (zwei Räder, eine Achse) entscheiden. Vor- und Nachteile dessen möchte ich hier außer Acht lassen, da für unsere Zwecke und die vorhandene Grundlage nur ein Trailer mit zwei Rädern in Frage kam.

Täve ist nun mittlerweile in dem Alter, wo er mehr und gerne läuft und nur ab und an eine Ausruhmöglichkeit benötigt, die beim Pilgerwagen immer noch gegeben ist. Mittagsschlaf macht er keinen mehr, also braucht er auch keinen komfortablen Sitz. In dieser Hinsicht war Täve noch nie anspruchsvoll. Der Pilgerwagen ist nun robuster, kein Stoff mehr, der reißen kann. Leichter in der Handhabung, vor allem in der Ebene und bergab. Gefühlt läuft es sich auch bergauf mit ziehen besser als mit schieben. Zwei kleine Nachteile im direkten Vergleich zum CX1 gab’s dann doch. Beim Schieben sieht man, wo man hinfährt und der CX1 ist schneller auf- bzw abgebaut. Letzteres kann man jedoch ein wenig darauf schieben, dass der Pilgerwagen immer auf ein Minimalmaß auseinander gebaut wurde, damit er in den gelben Sack passte um als Aufgabegepäck durchzugehen.

Das Projekt und sein Verlauf | Planung ist die halbe Miete, die Verwirklichung die andere Hälfte

Nun wurden die Materialien besorgt. Im Baumarkt, im Internet alles zusammengesucht. Alu Vierkantrohre für das Grundgestell, (verstellbare) Winkel zum verbinden der Rohre an den Ecken, Riffelblech als Ablagefläche, Alu Rundrohre als Zuggestänge und Alu Flachbleche zum fixieren und stabilisieren der Gelenkverbindungen. Als Werkzeug nahm ich eine Stichsäge, Feile, Schleifpapier und eine Blindniet-/Poppnietzange zur Hilfe. Letzteres war mir bis dato unbekannt, hat am Ende ab dem Pilgerwagen einen gewissen professionellen Look verliehen und Gewicht eingespart. Während ich sonst die Werkstoffe mit Schraube, Mutter und Unterlegscheibe verbunden hätte, kam nun die Zange zum Einsatz. Dabei nahm ich die stabilsten und größten Nieten.

Das Grundgestell war der erste Schritt und die Verbindung zur vorhandenen Chariot Achse die Crux. Diese muss das Meiste aushalten. Vorher kürzte ich noch die Achse des CX1 auf jeder Seite um 2cm, um später wieder auf das Original rückbauen zu können ohne ihn dabei aber kippliger zu machen. Wenn man nun die Vierkantrohre mit einer Schraube versieht, die man an der Achse fest brummen möchte, wird sich zwangsläufig das hohle Rohr zusammen biegen. Um dem gegen zu wirken, wurde eine Stahlhülse in das Vierkantrohr einfädelt, dann die Schraube durch. Vorn in Zugrichtung wurden zwei Gelenke mit Rohren angebracht, wo dann in den Vierkantrohren die Rundrohre gesteckt werden sollten. Da die Gelenke nicht sehr belastbar sind und ohne zusätzliche Arretierung einknicken würden, wurden seitlich die Versteifungsstreben angebracht, die gleichzeitig zur seitlichen Begrenzung und Absicherung des Gepäcks dienen sollten. Hinten am Grundgestell wurden ebenfalls Gelenke angebracht und an dieser eine 30cm hohe Riffelblechplatte auf Vierkantrohren angebracht. Diese sollte als Rückenlehne für Täve und als Begrenzung fürs Gepäck dienen. Diese musste dann ebenfalls nach dem Urlaub nachträglich mit einem Blech seitlich fixiert werden, da die Gelenke nicht einmal den Druck von Täves Rücken standhielten. Warum die Gelenke, wenn die nichts aushalten? Um den Wagen klein zusammen falten zu können und um besser zu verpacken. Das Verpackungsmaß hatte ich übrigens immer im Hinterkopf, so dass die Maximalmaße immer das Grundgestell darstellte und nichts drüber herausragen durfte.

Die Riffelbleche wurden nun auf den Vierkantrohren mit der Blindnietzange befestigt. Außerdem empfiehlt es sich, auch die Eckverbindungstücke mit den Nieten an den Rohren zu arretieren. Das hielt im Urlaub so bombenfest. Nun wurden die Zugstangen auf Länge gesägt, wie sich im Urlaub bei uns herausstellte, leider 30cm zu kurz. So stieß ich mit den Schuhen ab und an am Pilgerwagen an. Bei Gelegenheit werde ich das Problem mit längeren Stangen beheben. Also vorher mal testen, bevor endgültig gekürzt wird. In die Rundrohre wurde nun auf ca. 20cm Länge ein Rundholz mit dem Hammer „eingepflanzt“. Dieses stabile Ende des Rohres kam nun in das Vierkantrohrende des Pilgerwagens. Loch durch Vierkantrohr, Rundrohr und Holz. Flügelschraube durch und Flügelmutter drauf, fertig. Am Ende der Zugrohre kamen nun noch die Originalgriffe des CX1 drauf. Das Bremskabel wollte ich nicht verlängern, daher reichte der Bremsgriff nur bis zur Hälfte der Zugstange. Heißt, man musste nun beim bremsen mit der Hand nach hinten greifen. Da man aber bergab sowieso näher zum Wagen rückt und langsamer läuft, war dieses kleine Manko kein großes Problem. Am Ende der Stangen, wo nun auch die Haltegriffe angebracht waren, wurden noch zwei verstellbare Schlaufen angebracht, die eigentlich im Hüftgurt zum Einhängen gedacht waren. In der Praxis jedoch war der Druck auf den Hüftgurt durch den Pilgerwagen so enorm groß, dass ich es am Ende besser fand, den Wagen nur an den Griffen zu ziehen. Sicher nicht die optimale Lösung, aber besser als schmerzende Hüften.


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