Bodenseeumrundung Winter 2017 |

Kurztour um den Bodensee | Frühlingshafte Wintertour

 


 

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Vorwort
Erlebnisbericht
Die Tour auf einer virtuellen Karte
 

Vorwort  zurück zur Liste

Wir waren erst aus Finnland zurück und die Fastnacht in unserem Städtchen nahte. Da Yvonne im Einzelhandel arbeitet und dieser ab Donnerstag bis Montag geschlossen bleibt, entschied sich Yvonne spontan, mit Täve in die alte Heimat nach Dresden zu fahren. Ich dagegen musste Donnerstag und Freitag arbeiten und hatte nun das ganze verlängerte Wochenende für mich…Party oder doch ein Trip in die Natur?

Klar, wer mich kennt, der weiß, dass am Donnerstag Abend die Taschen gepackt waren. Das Wetter frühlingshaft, der Schnee am tauen, also ab mit dem Rad um den Bodensee, etwas ausgedehnter und immer 20-30km entfernt vom großen See war der Plan, am Freitag Abend nach Feierabend nicht mehr nach Hause zu fahren, sondern fix noch ein paar Kilometer ins Blaue zu fahren um in der Natur zu pennen. Tag darauf dann weiter zum Ostende des Sees (Bregenz/ Lindau), dann am Sonntag weiter zum Voralpsee nahe Wildhaus in der Schweiz und am Montag wieder nach Hause.

Das war der spontane Plan.

 

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24.02.

Punkt 18 Uhr, Rufumleitung rein, Helm auf und los ging es Richtung Mindelsee. Da es um die Zeit schon dämmerte, wollte ich nicht zu spät am Camp ankommen. Nach 7km war ich dann am Mindelsee. Am Parkplatz kam mir noch ein letztes Auto entgegen, ab da war ich mit den vielen Tieren allein im Wald. Ich fuhr den breiten etwas nassen Waldweg langsam entlang, auf der Suche nach einem Nachtlager. Bis 17 Uhr hatte es noch kräftig geregnet, jetzt aber war es trocken. Leider war der See nur 10m links des Weges sehr gut einzusehen und ein unauffälliges wildzelten unmöglich. Ich musste mir also was rechts des Weges suchen. Im Buchenwald und dazu auch noch im Winter ein gutes Versteck zu finden war schwer. Da kam mir ein großer Holzstapel als Rettung gerade recht. Hinter diesen fixierte ich nun mein Tarp, ebnete den Boden ein wenig und breitete meine Sachen aus. Das Tarp war keine 5 Minuten aufgespannt, da fing es wieder an zu tröpfeln, was aber nur kurz anhielt und für die kommenden Tage das letzte Nass von oben gewesen sein sollte. Ich bequemte mich mit Wassersack und Handtuch zum See. Es war idyllisch, auf dem See hörte man hier und da ein paar Vögel. Beim Blick nach oben vernahm ich mit Freude einen fast wolkenfreien Himmel. Frisch gewaschen begab ich mich zum Tarp zurück, der Hobo loderte vor sich hin und wenig später waren die Nudeln fertig. Ich genoss den Abend am wärmenden Hobo, lauschte dem Rascheln des Laubes unter dem Holzstapel und starrte in den Sternenhimmel. Man mag es kaum glauben, aber solche Momente befriedigen nicht Alle, aber für mich bedeuten sie Magie.

 

25.02.

Mit dem ersten hellen Licht wachte ich auf, es war 7 Uhr. Es machte Sinn, zeitig aufzustehen und loszumachen, da ich erstens nahe einem Naturschutzgebiet genächtigt hatte und hier vermutlich bald viel los sein würde. Hobo an, Kaffee kochen, Apfel und Banane aufschneiden, Müsli dazu. Ich hätte dann doch das überlagerte Müsli noch einmal probieren sollen, es schmeckte nach abgelatschter Ledersohle. Ich pickte das Obst noch raus und entleerte den Rest nahe dem Raschelherd am Holzstapel. Ich ging runter zum See, mich und das Geschirr waschen. zurück am Camp hatte sich die Maus bereits das überlagerte Müsli geholt, die Blätter waren blank geleckt. Bei der Masse sollte sie sich nun zufrieden auf ihrem Rücken, alle Viere in den Himmel gestreckt, ausruhen. Ich zog mich gerade um, da sah ich in der Ferne eine Joggerin. Ich versteckte mich hinter dem Holzhaufen und blieb unentdeckt. Kurz nach 9 Uhr war ich startbereit und folgte dem Waldweg weiter Richtung Straße. Dieser war zwar nur 1.5km lang, aber durch einen Rudel Harvester verschlammt und kaum befahrbar. Der Wald um mich herum sah auch nicht viel besser aus. Verkehrte Welt: Die Harvester verwüsten den Wald, aber ich darf hier nicht legal wild zelten, weil die Flora und Fauna hier ihre Ruhe braucht.

Endlich hatte ich nun wieder festen Boden unter den Rädern. Es war noch nebelig und feucht, trotz der kleineren Anstiege konnte ich mich nicht richtig warm fahren, die Füße kalt, ich zu faul, die Regenschuhe über zu ziehen. Bald hatte ich Ludwigshafen passiert und ich konnte den ersten längeren Anstieg des Tages in Angriff nehmen um später auf die ruhigeren K-Straßen zu kommen. Hier bereits merkte ich, dass ich meine Lendenschmerzen noch nicht vollends auskuriert hatte. In einem Mix aus stehend und sitzend erklomm ich die 100Hm Bergstraße. Nun lunschten durch die dicke Wolkendecke bereits erste Sonnenstrahlen. Es schien so, als würde die Suppe mal wieder unten am See hängen. Ich kam nun mehr und mehr auf die Zielhöhe und war nun ca. 10km vom See entfernt und bewegte mich auf ruhigen Land- und K-Straßen in Richtung Markdorf. Bis hierhin war es angenehm zu fahren, das Wetter klarte auf, doch mein Rücken machte mir zu schaffen. Obwohl ich die Route weiterhin auf ruhigeren Straßen geplant hatte, nahm der Verkehr extrem zu. Ich befand mich nun ca. 5km nördlich von Friedrichshafen, bald sollte noch Tettnang folgen. Ich brauchte nun erst einmal eine größere Pause. Der Wind aus Osten und mein Rücken setzten mir zu, doch das Sahnehäubchen waren die Automassen und die nicht gerade attraktive Landschaft. Nun stellte ich mir die Frage, für wen ich das Ganze denn mache. Alles aus freien Zügen und nur für mich. Es soll doch aber Spaß machen, oder? Zeit umzudrehen und es sich zu Hause auf der Couch gemütlich zu machen? Doch weiterfahren, weil ich sonst die restlichen Tage zu Hause nur abgegammelt hätte?

Ich entschied mich fürs weiterfahren. Durch Tettnang durch dann der Lichtblick. Je mehr ich in Richtung Osten fuhr umso mehr öffnete sich die Landschaft, weniger Orte und Autos, mehr Weitsicht, schneebedeckte Berge in der Ferne. Meine Seele wurde befriedigt, alle Strapazen waren vergessen. Bei Neukirch hielt ich inne um den Blick zu genießen. Die Laune konnte mir meine nicht mehr funktionierende Digicam auch nicht mehr vermiesen. Die voll aufgeladenen vier Akkus waren nach vier Bildern runter. Was für eine Ausbeute, nur gut, dass die modernen Smartphones auch akzeptable Bilder machen. Mir war nun warm ums Herz und um die Füße, also weiter auf dem Weg Richtung Pfänder (der Hausberg von Bregenz).

In Hohenweiler war es dann soweit, abzubiegen um im Unterholz nach einem Camp zu suchen. Es war gegen 16 Uhr und Zeit war noch genug im Hellen anzukommen. Ich fuhr bis Ortsausgang und aus dem Asphaltweg wurde nun Schotterpiste, die zunehmend steiler und unwegsamer wurde. Ich überholte noch ein Spaziergänger und wenig später musste ich ausklicken und schieben. Der Weg wurde schmaler und steiler. Das die schlechte Nachricht, dafür schien ich hier in richtigen Gefilden zu sein um ein Nachtlager zu finden: Einsam, Wald, wild, aber noch kein Wasser. Auf der Karte konnte ich einen kleinen Pfad erkennen, den ich nun einschlug. Prompt hörte ich Wasser plätschern. So, auch das war geklärt. Nun noch einen idyllischen Platz finden. Die Sonne schien durch den Mischwald und zeigte mir den Weg zu einem Nachtlager. Es lag sehr abgeschieden, jedoch mit Sicht auf den zuvor beschrittenen steilen Weg. Ich drapierte vertrocknete Laubäste als Blickschutz, zog meine leuchtend grüne Hose aus und versteckte die ebenso leuchtenden Ortliebtaschen im Unterholz. Nachdem dann das Tarp zusätzlich als Blickschutz abgespannt war, breitete ich mich aus und genoss die letzten Sonnenstrahlen, die durch die Bäume blinzelten. Der Bach war 20m entfernt. Dort gab ich mich wieder einer ausgiebigen Wäsche hin und füllte den Wassersack auf. Es war noch hell, aber dämmerte langsam. Ich saß nun am Hobo und war nun doch irgendwie froh, nicht den Rückweg angetreten zu haben. Mal schauen, was der Tag und mein Rücken morgen bringen würde. Die Direkt-nach-Hause-Option wäre immer noch möglich gewesen.Der Abend verlief dann am Hobo entspannt und nach einem kurzen Telefonat mit Mausi und Täve ging ich gegen 21 Uhr ins Bett. Ich war irgendwie müde und hatte die Nacht zuvor unruhig geschlafen.

26.02.

Es wurde langsam hell, in Schräglage blinzelte ich durch den Schlafsack nach draußen. In 10m Entfernung standen 5 Rehe verstreut im Wald und frühstückten soeben am Bodenbuffet. Was für ein Morgen, besser konnte dieser nicht beginnen, ich blieb noch ein wenig reglos liegen. Es bedurfte nur einer kurzen Bewegung und die Rehe waren weg. Es war 7 Uhr und ich schälte mich aus meiner Daunenhülle. Entspannt genoss ich nun den ruhigen Platz und mein Frühstück. Heute gab es noch genießbares Müsli. Gegen 9.30 Uhr war ich dann abfahrbereit. Mir waren zwei Optionen durch den Kopf gegangen. Entweder wieder runter ins Tal rollen und auf Asphalt flach weiter oder weiter den steilen Weg hoch schieben und bergig nach Bregenz. Ich lag gut in der Zeit, der Weg heute sollte kürzer sein, also ab zum aufwärmen das Rad hochschieben. Nach ca. 500m traf ich wieder auf Asphalt. In der Ferne ertönten laute Motorgeräusche, der Übertäter, eine Motocross Rennstrecke, war bald ausgemacht. Es wurde aber bald wieder ruhiger, die Straßen schmaler und der Weitblick auf den Bodensee aussichtsreicher. Nach 500Hm war Eichenberg erreicht und ab ging es ins Tal nach Lochau, Bregenz und weiter nach Hard. Dann überquerte ich den Rhein und nutzte diesen nun als Tourenlinie Richtung Buchs. Da ich hier schon oft lang gefahren bin und ich mich stets über die Wegeführung und den -zustand echauffiert hatte, kam dieses Mal der Aha-Effekt. Man sollte hier nie dem Radsymbol folgen, da dies durchaus loser Schotterweg bedeuten kann. Immer dem Rollerskates- Zeichen folgen, welches zwar nicht immer zwangsläufig am Rhein direkt verläuft, dafür aber immer asphaltiert ist. Gegen Mittag pausierte ich dann an einem Bunker, nahe einer Stelle, wo ich auch 2017 pausiert hatte. Heute ging es mir hier und jetzt aber besser. Die Schmerztablette unterdrückte die Rückenschmerzen, die Tour war entspannt und der Wille hieß ganz klar „Weitermachen“. Bald war Grabs erreicht, der Ort, wo ich nun in den Anstieg zum Voralpsee einbiegen sollte. Dieser Weg sollte mich auch weiter nach Wildhaus führen. Auf diesem gab es einen Abzweig zum 4km entfernten Voralpsee, den man wieder zur Straße nach Wildhaus zurück musste. Hier irgendwie wollte ich nun übernachten. Der Blick auf die gegenüberliegenden Alpen mit Hohen Kasten und Saxer Lücke waren auch nicht von schlechten Eltern, doch der Schnee machte mir Angst, was ich dort oben am 1130 Meter hoch gelegenen See nun erwarten würde. Der Einstieg begann bei 450Hm, nach 300Hm war der Abzweig erreicht, etwas unscheinbar und nur mit Navi zu finden. Nun sollten noch einmal 400Hm folgen, ich hatte Zeit und chillte den kurvigen und engen Anstieg nach oben. Es kamen mir noch ein paar Tagesausflügler entgegen, aber nach 2km war ich allein unterwegs. Ich stellte mich schon darauf ein, hier am Rande des Anstieges ein Nachtlager aufzuschlagen und schaute mit Adlerauge links und rechts des Weges. Hier gab es auch einen Abzweig nach rechts, den ich dann morgen einschlagen würde, da er auch wieder auf den gleichen Weg nach Wildhaus treffen würde. Der Wald nahm nun zu, die Temperaturen ab und im Umkehrschluss der Schnee zu. Leider aber auch das Eis auf der Straße. Teilweise musste ich ausklicken und einige kleinere Passagen schieben. So richtig war mir nicht klar, wie und wo ich direkt zum See kommen würde. Doch das interessierte bald nicht mehr, da alle Wege verschneit waren und ein Durchkommen mit Rad unmöglich erschien. Am Berggasthof Voralpsee kam der vereiste See dann wenigstens das einzige Mal zum Vorschein. So kalt fand ich es hier oben nicht, dafür umso idyllischer und atemberaubende Ausblicke. Ich fuhr noch weiter am Gasthof höher bis zum letzten Parkplatz Nummer 6. Hier endete nun die asphaltierte Straße. Ich pausierte hier kurz und entledigte mich bei einem großen Geschäft von unnötigen Balast. Besser hätte das Timing nicht sein können. Hier und jetzt erschien zum ersten Mal an diesem Tag die Sonne und ließ die Umgebung in wahren Glanz erstrahlen. Und dann fand ich den idealen Platz zwischen Bäumen, ohne Schnee und in voller Sonne. 10m davon entfernt eine Bank mit Feuerstelle. Gott, war das perfekt. Ich packte erst einmal nichts aus, sondern genoss die wärmenden Strahlen. Bald sollten sie hinter den Bergzacken verschwunden sein. Es war gerade einmal 16.30 Uhr, also entspannen.

Mann, hätte ich mir in den Arsch gebissen, wenn ich doch den Heimweg angetreten hätte. Hier oben fühlte ich mich pudelwohl. Mit einem breiten Grinsen und einem Pfeifen auf den Lippen spannte ich mein Tarp unter den Bäumen ab. Der nahe gelegene Bach lud mit einer großen Wassergrube zu einem eisigen Ganzkörperbad ein. Danach war ich sauber und auch gut gekühlt. Am Lagerfeuer machte ich es mir dann auf der Bank gemütlich und begann schon wieder sehr zeitig mit dem Abendessen, was heute auf der Feuerstelle köchelte. Der Hobo hatte Sendepause und hätte mich wohl hier oben nicht ausreichend wärmen können. Aus Angst, am Feuer zu frieren, schleppte ich aus der Umgebung alles Brennbare heran. Dann begann der gemütliche Teil des Abends. Die Sonne war längst unter gegangen, ich entspannte am Feuer und wieder einmal starrte ich auf einen klaren Sternenhimmel

27.02.

Wider erwarten hatte ich die Nacht bei -5 Grad nicht gefroren und so kam ich gut erholt aus den Federn, Overall überstreifen und nun am Lagerfeuer das letzte Frühstück genießen und alle Reserven aufbrauchen. Dabei ließ ich den Sonnenaufgang auf mich wirken und die immer weniger werdenden Wolken versprachen einen tollen Tag. Die Ortliebtaschen waren nun sehr leicht und gegen 9 Uhr startete ich meine Heimreise. Beim Befahren des gestrigen Weges war mir klar, wenn ich heute nach einer frostigen Nacht hier runter muss, würde es einer Rutschpartie gleichkommen. So war es dann auch. Während ich mich selbst am Wegrand im Schnee langhangelte, wollte mein Rad immer wieder an mir vorbeirutschen. Einige Autos drehten sogar um und parkten lieber weiter unten. Am Abzweig war dann alles vorbei, denn hier lagen die Wege wieder in der Sonne und waren trocken. Ich fuhr bis zur ursprünglichen Route ab und wieder kam der Kamm mit Hohen Kasten und Saxer Lücke zum Vorschein, dieses Mal freundlicher in Sonne getüncht. Nun musste ich noch 200Hm nach Wildhaus erklimmen um dann tendenziell gen Heimat bergab zu fahren. Es warteten nur noch ein 100Hm und ein 200Hm Anstieg auf mich. Bei dem Wetter und der guten Laune, dass die Tour dann doch wie geplant verlaufen war, fuhr ich zufrieden nach Hause und verbuchte die Kurztour als vollen Erfolg

 

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