Ardeche Eseltrekking 2015 |

Gorges de L’Ardeche  |  Auf allen Vieren durch Südfrankreich

Eselwandern an der Ardeche

 

 

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Vorwort
Was wir vorab noch loswerden wollen
Die Reiseart Esel | Wer ist hier der Dumme?
Ausführlicher Reisebericht
Die Tour im Überblick auf Karten

DAS REISEZIEL IM ÜBERBLICK

Land | Region

Frankreich 50km nördlich von Avignon | Provence

Reiseroute

Vallon - St Remeze - St Martin d Ardeche - Camping Mille etoiles - Orgnac I Aven - Labastide de Virac - Vallon

Reisezeit | Dauer

23.Mai bis 31.Mai 2015 | 8 Tage

Klima | Wetter

mediterranes Klima, warm trocken beständig | ein Tag leicht bewölkt, ansonsten hochsommerliche Temperaturen

Reiseart | Aktivität

zu Fuß wandern | vor Ort wurde für 7 Tage ein Esel gemietet

Übernachtung

7 Nächte auf Campingplätzen, letzte Nacht wild im Charteuse Nationalpark nahe Grenoble

Flora | Fauna

Gewürzgerüche überall Majoran, Oregano, Rosmarin, Thymian, sonst Büsche und kleinere Bäume | ab und an mal eine Schlange, viele Vögel

Sicherheit | Tourismus

sehr sicher | die Ardeche an sich überfüllt mit Tagestouristen in Booten, die Wanderroute dagegen einsam und allein begangen

Anreise

Mit Auto nach Vallon und dort 7 Tage beim Eselvermieter kostenfrei geparkt

Wildnis Faktor

mittel bis niedrig | viel Zivilisation, kein wild zelten, nur ab und an auf dem Wanderweg kam Wildnisfeeling auf

 
 

Vorwort   zurück zur Liste

Wer mich kennt, der weiß, dass mein Französisch genau so gut ist wie meine Manieren in einem 5* Hotel. Daher habe ich bis dato beides gemieden. Seitdem wir jedoch im Zentrum Europas wohnen und wir auf eine außergewöhnliche Art zu reisen gestoßen sind, sollte es Ende Mai 2015 in die Französischen Alpen gehen. Von uns aus in 7 Stunden erreichbar und hoffentlich zu dieser Zeit schon in den Hochgebirgslagen weitestgehend schneefrei. Früher hätte mein Herz bei Namen wie Izoard, Bonette oder Agnel höher geschlagen, da das namhafte Pässe der Tour de France sind. Sicher wird es uns dort noch einmal hin verschlagen, wenn wir mit dem Reiserad die alten Militärstraßen unsicher machen wollen, aber vorerst gilt das Hauptaugenmerk auf der Durchquerung der drei Parkgebiete Ecrins, Queyras und Mercantour zu Fuß mit einem vierbeinigem Begleiter.

Es wäre alles so einfach gewesen, wenn die Franzosen nicht so stur wären. Nachdem ich  locker 10 Anbieter angeschrieben hatte, antworteten acht davon in französisch, die restlichen zwei in englisch. Okay, nun verstehe ich, warum es um den französischen Tourismus so schlecht bestellt ist. Leider mussten wir von unserem o.g. Vorhaben Abstand nehmen und auf eine andere Region umschwenken, zum Einen aus wettertechnischer Sicht, zum anderen wegen der Sprache.

Nun verschlägt es uns an die mediterrane Ardeche, eine Fluss, der sich spektakulär durch enge Schluchten schlängelt. Da wir die ungewöhnliche Art zu reisen das erste Mal in Angriff nehmen, ist das Gebiet sicher auch die bessere Wahl als sich gleich ins hochalpine Terrain zu wagen. Sicher werden wir mehr Campingplätze anlaufen müssen und werde weniger wild zelten, da dort sehr strikt kontrolliert und bestraft wird. Und nördlich von Avignon wird uns nun endlich mal das Wetter zur Seite stehen. Angesagt sind 25 Grad, wer’s glaubt!

Was wir vorab noch loswerden wollen   zurück zur Liste

Kennt Ihr das? Man baut über die Jahre Vorurteile gegenüber bestimmten Sachen, Personen oder Dingen auf, die durch Medien und Erfahrungen Anderer immer mehr gefestigt werden. Kann man dann aber selbst Erfahrungen damit sammeln, will man trotzdem an den Vorurteilen festhalten und baut eine Barrikade auf. Wenn diese dann aber einmal bricht, steht man vor seiner eigenen Meinung und steht zu dieser. Warum diese Ansprache?

Was hört man alles über Franzosen? Na, die typischen Klischees von einem Sprachmuffel, der sein Land und seine Sprache über alles liebt. Kommt man ihm mit anderen Bräuchen und womöglich auch noch einer anderen Sprache, dann blockieren sie und Gastfreundlichkeit wird abgeschrieben. Dies hielt uns bis dato immer davon ab, nach Frankreich zu reisen, da wir Beide außer Bonjour, Merci und Au revoir nichts weiter entgegnen können. Doch das Eseltrekking zwang uns nach Frankreich, da es dort nun einmal vermehrt angeboten wird und das Land der Baquettes nun mal abwechslungsreiche und tolle Naturparadiese zu bieten hat.

Vor Ort ein wenig mit entschuldigtem Blick und gesenktem Haupt gaben wir in englisch zu verstehen, dass wir kein französisch sprechen. Entweder verständigte man sich dann mit der älteren Generation mit wilden Gesten und das Ergebnis war das erwünschte. Die jüngere Generation dagegen meinte dann stets immer „Of course, a little bit!“ Das „little bit“ war mir dann manchmal ein wenig „too much“ bei meinen rudimentären Kenntnissen. Es ging super und niemals wurden wir auf eine herablassende Art und Weise behandelt. Immer gastfreundlich, hilfsbereit und interessiert, was wir da mit einem Esel im Schlepptau machen. Einmal kam auf einem Campingplatz eine Französin auf uns zu und gab uns eine Tüte selbst gemachter Madeleines. Wir guckten uns an und waren dermaßen erstaunt, weil wir mit sowas nicht gerechnet hatten. Auch die Waffe Kind tat sein übriges und half uns in vielen Situationen weiter, das Eis zu brechen. Nun aber zum eigentlichen Erlebnis…

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Klar, kann man auch unspektakulärer Frankreich bereisen, aber Blicke sind wir ja schon gewohnt und der Esel war und ist nun einmal die gelungene Alternative zum Chariot und bringt aber noch einen Vorteil mit sich. Der Esel läuft alleine und muss nicht Berge hochgewuchtet werden.

Im Netz sammelten wir nun theoretische Erfahrungen im Umgang und Reisen mit Eseln. Man sollte sich auf entspanntes Wandern einstellen, viel Zeit bei der Pflege des Esels einplanen und und und. Empfohlen wurde explizit mit Kindern zu reisen, da Esel einen guten Draht zu ihnen haben. Kein Problem, Kind vorhanden, also gebucht.

Leider mussten wir aber Abstriche bei der Übernachtung machen, aber das Event „Eseltrekking“ sollte vorrangig Täve zugute kommen. Der Eselanbieter an der Ardeche „zwang“ uns also auf Campingplätze, da dort immer die Versorgung und Unterbringung der Esel über Nacht gewährleistet war. Heu, Gerste, Wasser und eine abgezäunte Weide. Entweder am, im oder in der Nähe der Camps. Wild zelten fiel hier also völlig aus. Wobei zu erwähnen ist, dass ich andere Anbieter angeschrieben hatte, die das auch anders praktizieren. So könnte man auch im Nationalpark von 19 bis 9 Uhr biwakieren/ wild zelten ohne jemals Camps anzulaufen. Man bekommt einen kleinen portablen Weidezaun mit und in den Alpen gibts genug Wasser und Gras. Sicher wäre das an der Ardeche alles nur eingeschränkt möglich gewesen. Wenig Gras und noch weniger Wasser.

Apropos Wasser, Esel sind Wüstentiere und kommen einen ganzen Tag ohne Wasser aus. Sie trinken 20 Liter am Abend, am Morgen noch mal und das war’s. Tagsüber muss man nur eine Mittagspause einplanen, wo man dem Esel eine saftige Wiese oder entsprechende Bäume/ Büsche bieten kann. Also insgesamt doch sehr pflegeleicht. Am Morgen und Abend wird der Esel dann gebürstet, mit einem Mückenschutz einbalsamiert und ggf. Wunden mit einer Olivencreme behandelt. Abends 4kg Heu und am Morgen zusätzlich 300gr Gerste. Alles in allem also am Abend und am Morgen eine halbe Stunde Eselzeit einplanen und streicheln unterm Kopf mag er am liebsten.

Am Vortag gab’s die theoretische Einweisung im Umgang mit dem Esel und eine Streckenbesprechung. Am eigentlichen ersten Nutzungstag dann früh die praktische Einweisung und erster Kontakt mit dem Esel.

Uns wurde die Eseline Pomme (französisch Apfel, vermutlich wegen ihrem dicken runden Bauch) „zugewiesen“. Anfangs wurde Pomme von uns als Fehlgriff interpretiert, da ihre Gangart mit „slowly“ (langsam) beschrieben wurde und wir uns schon in der Pampa bei einer telefonischen Reklamation und Austausch aufgrund nicht eingehaltener Absprachen sahen. Schließlich wurde der Schnitt eines Esels auf 3-4 km/h deklariert. Penibel prüfte ich am ersten Tag die Anzeige des Navi’s, Scnitt 3, 4…da geht noch was. Am Ende jedoch kam auch hier alles ganz anders. Warum man die Charaktereigenschaft störrisch und dumm dem Esel zuschreibt, keine Ahnung. Vermutlich auch wieder so ein Vorurteil. Pomme entpuppte sich als gesellige Mitreisende, die auch Gepäck jenseits der erlaubten 30kg trug. Trittsicher und mit Bedacht manövrierte sie unser Gepäck sicher durchs Gelände. Sie hörte auf uns und nur ab und an, für das weibliche Geschlecht typisch, zickte sie mal rum und wollte links und rechts am Wegesrand vom leckeren Buffet kosten. Ab und an versuchte sie auch, einen traurigen Blick aufzusetzen und Täve meinte dann: „Papa, Pomme traurig, ich zu schwer, muss auf deine Schultern“ Super, wer ist denn hier der Dumme?

Wir zahlten 330 Euro für eine Woche und 100 Euro Kaution für Packsattel und -tasche, Falteimer, Leinen und Halfter. Wichtige Dinge wie Nicht-hinterm-Esel-stehen, keinen-Finger-ins-Maul-stecken und auf-die-Breite-des-Esels-mit-Packtaschen-achten wurden im Gehirnwäschestil verinnerlicht bevor man uns Pomme und dem Schicksal überließ.

Tourenbericht  zurück zur Liste

Hinweis: Die farbigen Tourüberschriften sind zur Übersicht gedacht und  passen zu der am Ende des Textes befindlichen Karte mit Tourenverlauf!

Tag 1: Von Vallon nach St Remeze | Aller Anfang ist schwer

Am Vortag hatten wir die Einweisung hinter uns gebracht. Wir übernachteten an der nahe gelegenen Ardeche und pünktlich um 9 Uhr standen wir auf der Matte um unseren Packesel in Empfang zu nehmen.  Um 10.30 Uhr war es dann so weit. Wir durften allein ohne Begleitung mit Pomme losziehen. Da aller Anfang schwer ist und der erste Tag dem Kennenlernen galt, probierten wir viel aus, ließen noch viel Unsitten zu und entwickelten bald schon erste Routine.

Von Vallon aus verschwieg uns die Eselbesitzern wohlwissend den härtesten Anstieg der Tour hinaus aus dem Tal der Ardeche, da sonst Einige bereits am Ortsausgang resigniert hätten. Schon hier bekamen wir das anfangs lahme Gemüt von Pomme zu spüren. Während unsere Mitstreiter, eine fünfköpfige Familie aus Waiblingen, mit ihrem Lulu den Berg förmlich hochrannten, mussten wir alle Furze lang anhalten. So blieb Zeit um die Umgebung zu genießen.

Wir entfernten uns mehr und mehr von der Ardeche-Schlucht und zum Glück ging es bei praller Sonne immer schön im dichten Busch- und Baumbestand Richtung St Remeze weiter. Wir bewegten uns dabei ausnahmslos auf dem Fernwanderweg GR4. Außer uns war sonst kein Wanderer auf dem Weg, der uns entgegen kam. Einsames Wandern kann so schön sein. Mittagspause dann auf halber Strecke. Wir merkten schnell, dass die eingezeichneten Flüsse im Navi alle mal in der Eiszeit existierten, aber hier und jetzt kein Tröpfchen Wasser. Glück gehabt, dass wir mit 8 Litern gut vorgesorgt hatten. Wir kamen nur schwer in Form, komischer Weise immer am ersten Tag. Nur der Wind war mit uns. Eine steife Brise wehte und so kamen wir nicht übermäßig ins schwitzen.

Wir hatten die Order bekommen, nicht nach 18 Uhr den Esel auf der Weide abzugeben und das Camp zu beziehen. Also war der Blick auf die Uhr immer von Nöten, bei den Pausen, beim Laufen und die folgenden Tage auch beim Aufstehen,- Ausschlafen also dahin…Nach 12km wollten Alle noch einmal ein kurzen Stopp einlegen, Yvonne wollte es sich so richtig hart in der Sonne geben, Täve wollte einfach nur Mist bauen und ich mich im Schatten aalen. Pomme war wieder mal nur am Abgrasen. Permanent am Kauen, kein Wunder bei dem Bauch. Wir genossen den starken Thymian-Geruch und legten bald den Endspurt ein.

17.30 Uhr waren wir dann im Camp, eher ein Wiesencampingplatz, aber der Clou des Platzes waren die prall gefüllten Kirschbäume,- Gott hatte ich am Abend Blähungen. Wir kamen mit der anderen Familie ins Gespräch und teilten unsere Erfahrungen und Erlebnisse des Tages. Die Strecke war nicht besonders spektakulär, aber das war uns schon vorher bewusst, da einem der Esel die Grenzen setzt, was Wegewahl anbelangt. Wir gingen gegen 22 Uhr ins Bett und schliefen im Gedanken an unser temporäres Familienmitglied Pomme ein, die ca. 5 Gehminuten von uns entfernt sicher schon längst schlief.

Tag 2: Von St Remeze nach St Martin | Fast wäre es ein Männerausflug geworden

Bei leichtem Niesel wachten wir gegen 7 Uhr auf. Keine 2 Minuten später war es mit dem kühlen Nass auch schon wieder vorbei. Dafür begleiteten uns den ganzen Tag über dicke Wolken, die erst gegen Nachmittag mal die Sonne durchließen. Mir tat’s gut, meiner Freundin nicht. Ich besänftigte sie mit den Prognosen der kommenden Tage.

Nach ausgiebigen Frühstück zogen wir 9.30 Uhr weiter, die andere Familie blieb im Camp und machten einen Tagesausflug Richtung Ardeche in den Süden, während wir uns eher Richtung Südosten bewegten. Heute sollten nur 14km auf der Uhr stehen, wir planten dieses Mal zwei Pausen ein und drittelten die Strecke. Es ging auf gleichen Pfaden des GR4’s ohne großes Höhenmeter-Geschrubbe über einsame Hügelflächen nach Bidon. Wir pausierten nach ca. 6km und bereits hatte ich eine leise Vorahnung, dass uns die „Alte vom Eselverleih“ beschissen hatte.

Grob überpeilt kalkulierte ich nun eher 19-20km ein und behielt es für mich. Ich wollte nicht, dass die Stimmung bereits jetzt kippte. Dieses prickelnde Erlebnis hob ich mir bis km14 auf. Wir praktizierten in der 1.Pause wieder altbewährtes und aßen warm, entweder Resteressen vom Vortag oder was anderes. Pomme verschmähte bei dem leckerem Geruch natürlich das trockene Gras und schob sich mit ihrem vereinnahmenden Wesen immer zwischen Besteck und Essen.

Es ging dann weiter, durch Bidon kurz auf der Straße, dann weiter auf dem GR4. Yvonne las das Straßenhinweisschild „St Martin 13km“. Nun hörte ich es rattern und war in Erklärungsnot. Da ich dieses Mal nicht der Übeltäter der Streckenplanung war, konnte ich auf das Meckerschiff aufspringen und unsere Vermieterin bekam alle Namen. Es war trotzdem Zeit für eine 2.kleinere Pause, aber vor 18 Uhr würden wir nun nicht ankommen. Nach der Pause sattelte ich schwungvoll meine Kraxe wieder auf und mein Navi flog mit ordentlich Schwung über den Schotterweg. Nachdem am Anreisetag bereits der Therm-a-rest Sitz in die Brüche gegangen war, war nun das Navi der nächste herbe Tiefschlag. Ein langer Riss zierte nun das Frontglas. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein. Auf dieser Tour gingen noch weitere Dinge wie Trinkblase oder Kochgeschirr kaputt, aber alles reparabel.

Täve wollte mehr und mehr auf Pomme Platz nehmen und auch Yvonne und ich waren mittlerweile ein eingespieltes Eseltreiberpaar. Sie vorn als Eselflüsterer, ich hinten als Anpeitscher. So kamen wir gut voran und spulten Kilometer um Kilometer runter. Die letzten drei davon ging es nun wieder steil hinab ins Tal an die Ardeche. Kurzzeitig und in brenzligen Situationen übernahm ich Pomme und führte das Feld an. Der Weg war geröllig und die losen Steine forderten vollsten Konzentration bei allen. Im Unterbewusstsein hörte ich ein ungewohntes Geräusch, egal, ich will nur ans Ziel. Also weiter. Neben mir lachte Täve breit über das ganze Gesicht. Auf einmal lautes Gelächter sehr sehr weit hinter mir. Hee, was geht ab?

Yvonne hatte im Geröllfeld mal wieder Probleme mit ihrer Motorik und hatte es sich auf selbigen bequem gemacht. Sie lag hilflos wie ein Marienkäfer auf dem Rücken, Täve und ich lachten lauthals, aber insgeheim weinten wir. Wäre es doch fast ein Männerausflug geworden, hätte sich Yvonne nicht gemeldet. Paar Stolperer und Serpentinen später erreichten wir mit dem 18 Uhr Gong das Camp. Die Eselweide war wieder etwas vom Camp entfernt, aber dieses Mal konnten wir direkt beim Esel schlafen. Pomme belohnte uns mit einigen „Ia’s“ und zeigte uns, dass wir ihr ans Herz gewachsen waren. Nach dem Abendessen zeigten ihr wir das gleiche Gefühl, indem wir, wie andere mit einem Hund Gassi gehen, mit ihr an der Leine an den Fluss spazieren gingen. Pomme wurde an reichhaltigen Buffets vorbeigeführt und bediente sich ausgiebig.

Am Zelt tranken wir dann noch den letzten Wein aus und schliefen erschöpft ein, wohl wissend, dass morgen auch wieder eine Tour auf dem Programm stand.

 

3.Tag: Von St Martin nach Mas de Serret | Yvonne’s Ekeltanz

Ein monoton zwitschernder Vogel und das Heugekaue von Pomme riss mich um 6 Uhr aus den Schlaf. Ich konnte nicht mehr schlafen und machte einen Morgenspaziergang mit Umweg über die Campingtoilette. Dabei beobachtete ich eine Biberfamilie und einen Eisvogel. Am Zelt zurück und eine Stunde später waren dann die beiden anderen Herrschaften endlich aufgewacht und es stand das Morgenbuffet bereits verzehrbereit da.

Das Wetter war nun wieder auf Yvonne’s Seite. Sonne satt, keine Wolken, der Wind ließ nach. Na herrlich, was das wohl für ein Tag für mich werden würde. Nach dem Frühstück also zusammenpacken und ab durch beschauliche Örtchen St Martin. Es war einer der größeren Orte, wir hofften endlich mal auf einen Supermarkt, der nicht gerade an dem Tag und/oder zu unserer Zeit geschlossen war. Im Ort dann die ernüchternde gleiche Meldung wie an den Vortagen. Bloß gut hatten wir genügend Proviant, nur an Milch, Cola und Wein fehlte es. Okay, auf den Schock erst einmal ein Eis für Alle, nebenbei eine Cola im Eisladen zu absurden Preisen gekauft und die Erkundigung eingeholt, wo es den Wein gäbe. Yeah, ein Weinladen um die Ecke hatte offen.

Nun musste ich mich erst einmal einer Verkostung hingeben und die Typen dort waren echt nicht geizig. Glas eher voll als leer und doch mal drei Weine probieren. Ich erspähte mit meinen Augen die 5 Liter Packs, die am Ende leichter sein würden als 4 Flaschen. Ich musste also erst einmal zu Yovnne zurück, die am Brunnen bereits mit Esel und Täve anderen Reisenden Modell stand, um sie zu fragen, ob 5 Liter zu wenig oder genug sind. Mit torkelten Schritten wankte ich in den Laden zurück und orderte mit lallenden Worten ein 5 Liter Pack für 11 Euro. Naja, kann der Esel schleppen, ich musste erst einmal wieder nüchtern werden.

Wir überquerten die Ardeche auf eine einspurigen beampelten Brücke. Die Kombination aus kurzer Grünphase und langer Brücke verschaffte uns ein enges Zeitfenster zum überqueren. Während wir auf die Geduld der gegenüberliegenden Autofahrer hofften und gechillt die Brücke passierten, wollte die andere Familie mit dem Esel einen Tag später im Rennspurt da drüber und verlor mitten auf der Brücke ihr Gepäck. Gott, ich wäre im Boden versunken und Yvonne hätte sich vor Lachen mitten auf der Brücke gekugelt, wenn uns das passiert wäre. So war es aber eine nette Anekdote, bei der wir uns einen Abend später köstlich mit der Familie drüber amüsierten.

Nun ging es auf der anderen Seite der Ardeche wieder nach Vallon zurück. Direkt am Ufer entlang erklommen wir die Steilklippen der Ardeche-Schlucht und marschierten durch das hübschste Örtchen dieser Reise Aigueze durch. Wahnsinn, was für eine Anziehungskraft so ein kleines Paradies auf Einen ausüben kann. Bei leichter Brise ging es ohne großes Schweißbad weiter rauf auf die Klippen. Bald ebnete sich der Weg und auf sonnenreichen Wegen beschritten wir den GR4 weiter.  Dann wurde ich Zeuge von Yvonne’s Ekeltanz. Eine 80cm lange Schlange sonnte sich auf dem Weg und Yvonne zitterte und schrie den Wald zusammen. Bloß gut, dass Pomme  gelassen reagierte, Täve und ich waren es ja bereits aus früheren Urlauben gewohnt. Die Schlange zog sich verängstigt zurück und wir konnten weitergehen. Wow, nicht nur die Flora mit wohltuenden Gewürzgerüchen von Thymian, Melisse oder Rosmarin war beeindruckend, sondern auch die Fauna mit den Schlangen, farbigen Echsen und der bunten Vogelwelt.

Die Mittagspause und auch die spätere 2.kleinere Pause planten wir mit mehr Zeit ein. Die Tour sollte heute wirklich kürzer sein, davon vergewisserte ich mich selbst per Navi. Irgendwann erreichten wir den Höhepunkt des Tages und es ging nur noch bergab in Camp MilleEtoiles. Dies lag abgeschieden und nahe der Ardeche einsam im Wald. Nur eine Schotterpiste führte dorthin. Keine zivilen Geräusche, nur die pure Natur. Hier blieben wir nun zwei Nächte. Zum ersten Mall waren Yvonne und ich nicht einer Meinung. Ich fand den Platz toll, sie ihn zu schattig, also blöd. Toll, dass man immer alles an dieser blöden Sonne festmachen muss.

Irgendwo im Camp fanden wir dann doch noch Sonne, wir stachen den 5-Liter-Pack Wein an und ließen den Abend bei Linseneintopf ausklingen. Die Folgen des Abendessens begleitete uns fortan 2 Tage.

4.Tag: Von Mas de Serret zur Ardeche | Pomme bleibt erst einmal liegen

Heute gönnten wir uns eine gewichtige Auszeit für den Rücken. Es war ein Ruhetag eingeplant. Dieser war aus zweierlei Hinsicht wichtig. Kraft für die weiteren Tage schöpfen und die Ardeche Schlucht mal von unten aus der Nähe betrachten. Wir hatten zwei Wege zur Auswahl, einen sehr steilen ohne Pomme, einen anderen längeren Weg mit Pomme. Da wir schon seit dem 2.Tag nicht mehr Esel, sondern Pomme sagten, merkten wir, dass uns der „Apfel“ bereits toll ans Herz gewachsen war. Also klar, welchen Weg wir präferierten.

Nach dem sehr entspannten Frühstück in der Sonne packten wir die nötigsten Sachen auf Pomme und zogen gechillt los. Nach 4km war die Ardeche Schlucht erreicht. Wir stellten uns bereits auf Massentourismus ein, da wir anfangs in Vallon Auto’s mit 30-40 Booten sahen. Da es keine nennenswerten Stromschnellen dort gibt, fuhr dort echt Jeder runter, dick dünn, klein groß, jung alt. Die Boote störten eher Yvonne, da sie keine Möglichkeit hatte, mal nackt zu baden. Wir waren nämlich so schlau gewesen, die Badeklamotten zu Hause zu lassen.

Ansonsten hatten wir den Sandstrand mit schattigen Bäumen größtenteils für uns. Ab und an mal paar Wanderer, die hier kurz pausierten, zu Mittag dann eine große Schulklasse, die unbedingt bei uns ihren Spaß haben wollte, aber dann waren sie dann Alle irgendwann mal weg. Da wir uns in der Mitte der Schlucht befanden, waren die Letzten so gegen 12 Uhr gestartet um noch rechtzeitig wieder am Ende der Schlucht zu sein. Nun war es gegen 14 Uhr, es kehrte Ruhe ein. Ich gönnte Yvonne ein langes Sonnenbad, mit Täve sammelte ich in der Umgebung Gras für Pomme, die es sich im Schatten gemütlich gemacht hatte. Dann aber war es um mich geschehen. Ich war müde und wollte einfach mal die Augen zu machen. Keine Boote mehr, Täve kam auch zur Ruhe, alles schrie nach einem Nickerchen. Kaum hatte ich die Augen mal 2 Minuten zu, schrie‘ mich eine bekannte Stimme an. Yvonne: „Jens, Hilfe, Pomme hat sich in der Leine verfangen“ Ich stand wie eine Eins, halb im Schlaf, halb Pomme helfend. Es war aber zu spät. Sie hatte sich an einem Hang auf die Gräser konzentriert, sich in der Leine verfangen und ließ sich nun fallen und den Hang runter rollen. Ich entfernte schnell die Leine um weiteren Schaden zu verhindern. Täve war auch wieder wach, weil Yvonne panisch umherschrie „Oh Gott, sie steht nicht mehr auf, sie hat sich was gebrochen“. „Nein, Quatsch, die ist nur geschockt. Pomme bleibt erst einmal liegen und wird schon wieder aufstehen“ Keine Minute später stand sie wieder und Alle waren beruhigt. Ich war bereit zum Abmarsch ins Camp. Einen Mittagsschlaf hatte ich mir abgeschminkt.

Gegen späten Nachmittag waren wir wieder im Camp, die andere Familie war nun auch mit einem Tag Verzug im Camp angekommen. Gott, gab es viel zu erzählen. Wir aßen zusammen zu Abend und lachten ausgiebig über die „Brückenstory“. Während Alex, Dietmar, Stella, Maja und Luca mit ihrem Lulu morgen den Strandtag hatten, mussten wir morgen weiter. Daher ging’s zeitiger ins Bett.

5.Tag: Von Mas de Serret nach Orgnac | Ganz und gar nicht grottenschlecht

Während wir mehrmals im Camp darauf hingewiesen worden, aufgrund der Waldbrandwarnstufe den Kocher nur an den Kochplätzen zu benutzen, verließen wir am Morgen das Camp mit einem 6m hohen Feuer im Rücken, welches die Campbesitzer entfacht hatten um Restholz zu verbrennen. Nicht nachvollziehbar, wie die Franzosen ticken.

Heute war weder Wind noch Wolken und es ging gleich mal 200 Höhenmeter bergauf. Täve hatte sich gleich für Pomme’s Ritt entschieden, wir dagegen, auch wie Esel bepackt, mussten uns selbst durch das sonnendurchflutende Wäldchen hochwuchten. Sicherheitshalber hatte ich am Vortag die Tour noch einmal nachgemessen. Mit kleinen selbst eingebautem Umweg über eine Einkaufsmöglichkeit sollten es heute nur 13km sein. Zeitig machten wir Mittag und es gab wieder warm. Nach der Pause ging es auch bald stetig bergab und wir querten den Campingplatz von Orgnac. Mist, Täve hat den Spielplatz gesichtet, also musste die kühle Cola warten.

Im Zentrum von Orgnac angekommen, hatte glücklicherweise die Tankstelle offen. Wir waren bereits zur Attraktion avanciert und während wir uns im Shop mit den Genussdingen eindeckten, bekam Pomme draußen Streicheleinheiten von Anderen. Noch einmal eine kurze Pause, ein Eis, eine Cola, Möhren für Pomme, Baquettes für Alle. Echt ein gechillter Tag heute. Das Tagesziel nur noch 3-4km entfernt. Dieses erreichten wir dann gegen frühen Nachmittag.

An der Grotte von Orgnac war nur ein Hotel und kein Camp. Die Eselbesitzerin hatte jedoch für uns einen Deal bei der Hotelbesitzerin erwirkt, dass wir im Hinterhof unser Zelt aufstellen könnten. Klingt so, als hätten wir auch zuhause Schlafsäcke und Isomatte im Schlafzimmer liegen. Nein, wir wollten nur bei Pomme sein. Das Hotel stellte uns ein Zimmer zum Duschen und für diverse Geschäfte zur Verfügung und wollte keinen Cent haben. So nett, die Franzosen. Wir gaben tagdrauf wenigstens 10 Euro.

Das Zelt war aufgestellt, wir inspizierten das Orgnac-Grottengelände, es war kurz vor 17.30 Uhr. Wir waren uns einig, wenigstens eine dieser Grotten mal anzuschauen, da es dort in der Gegend Unmengen davon gibt. Die letzte Führung sollte in 2 Minuten beginnen, heute noch in englisch, morgen nur noch französisch. Wir packten die Gelegenheit beim Schopfe, liehen uns Pullover und ab ging es 120 Meter unter die Erde. Die Grotte machte ihrem Namen keine Ehre, denn das, was wir zu sehen bekamen war ganz und gar nicht grottenschlecht. Von einem Saal in den nächsten wurden die Steinsäulen immer wieder mit anderem Licht aus anderen Winkeln beleuchtet, zeitweise sogar mit Musik unterlegt. Wahnsinn, was Mutter Erde alles selbst so fabriziert.

Nach einer Stunde waren wir wieder am Zelt und bei Wein und Nudeln saßen wir im Hinterhof des Hotel nahe unserer Pomme und lauschten den Geräuschen des Busches, die Wildschweine und Füchse erzeugten, die sich über die Küchenreste des Hotels hermachten. Hoffentlich würden die Schweine nicht heute Abend längst durchs Zelt rennen um unsere Essensreste zu durchforsten. Unruhig aber trotzallem schliefen wir schnell ein. Zum ersten Mal regnete es länger als 5 Minuten, aber auch das kühlte die Luft nicht wirklich ab. Wir schliefen also wieder bei offenem Außenzelt.

6.Tag: Von Orgnac nach Labastide (La Goul) | Zu kurz um wahr zu sein

Was hatten die sich dabei gedacht? Eine 8km Wanderung? Da lohnt das ganze Zusammenpacken doch gar nicht. Es war echt zu kurz um wahr zu sein. Wir bauten also einen Schlenker ein, der uns Mehrkilometer und einen tollen Ausblick über die Schlucht bringen sollte.

Nach dem gleichen Procedere: Frühstück, Zusammenpacken, Aufsatteln begann auch dieser Tag. Gegen 10 Uhr ging es weiter. Die Schweine hatten uns die Nacht über verschont, dafür nicht die morgendlichen lästigen Vogelgezwitscher. So waren wir mal wieder früh auf den Beinen. Wir bewältigen kein 100hm um dann sanft Richtung Labastide bergab zu wandern. Leider hatte sich Täve an die bequeme Fortbewegungsart Esel gewöhnt, wir gönnten ihm es, denn auch Pomme hatte mittlerweile weniger Proviant zu tragen. Ach ja und der 5-Liter-Wein-Pack hatte auch irgendwo ein Loch.

Wir deponierten dann an einem markanten Punkt unsere Rucksäcke und bewältigten den 200hm Anstieg zur grandiosen Aussicht ohne Balast. Keine Stunde und der schweißtreibende Akt da hoch wurde mit einem wirklich tollen Ausblick auf die Schlucht und die Ferne belohnt. Ein idealer Platz fürs Mittagspäuschen. Gesagt, getan. Täve hatte sich in Suppiges verliebt, also gab es mal wieder Suppe.  Für uns füllte es nur den hohlen Zahn. Immer noch beeindruckt, ging es wieder bergab zu unseren Rucksäcken und weiter Richtung Camp.

Yvonne beschritt den Weg mit Pomme wieder zuerst, der Weg wurde enger und wie aus dem Nichts führte Yvonne wieder ihren Ekeltanz auf. Eine lange Schlange hatte es sich auf dem schmalen Weg gemütlich gemacht. Täve meinte immer „Eine Schleiche?“ Ich konnte das nicht bestätigen. Sie würde keinen Meter mehr schleichen, sie war schon tot. Ob durch den Aufschrei von Yvonne oder eher, keine Ahnung. Weiter ging es durch das Örtchen Labastide, nicht unser Ziel, aber das Camp La Goul war nahe, nur noch 2-3km. Keine halbe Stunde später standen wir urplötzlich auf dem Campingplatz, nachdem wir uns durch dichtes Buschwerk gequält hatten.

Boar, genial. La Goul war und ist eine Pracht von Campingplatz. Angefangen von der Familie, die ihn führte, bis hin zu den Separee’s, wo Jeder seine Ruhe vor dem Anderen hatte. Hier wären wir gern noch einen Tag länger geblieben, hätte aber auch einen Tag mehr Eselmiete gekostet und in der Umgebung wäre nichts mehr zu erkunden gewesen. Also hieß es, den Rest des Tages Pool, Spielplatz und Minishop ausreizen und genießen.

Die andere Familie war auch wieder im Camp und wir ließen am Abend bei Wein und Pancakes die Tour Revue passieren. Morgen würde bereits der letzte Tag sein, ein wenig traurig waren Alle darüber. Wir gingen gegen 23 Uhr ins Bett, der Wein war alle.

7.Tag: Von La Goul nach Vallon | Gemeinsam dem Ziel entgegen

Ich war mal wieder bereits kurz nach sieben wach und bekam wenig später böse Blicke von meinen Zeltgenossen. Das von mir liebevoll angerichtete Frühstück jedoch brachte gute Laune auf den Tisch. Wir frühstückten mit der anderen Familie und kamen nur schwer in die Gänge.

Nach dem Packen machten wir uns mit der lahmen Pomme schon mal auf den Weg. Uns war klar, dass uns die Anderen mit „Speedy- Lulu“ bald eingeholt hätten. Kurz vor Salavas, nach 5km war es dann auch so. Lulu rannte die letzten Meter hinter uns her. Alex musste mit rennen. Dieses Mal hielt das Gepäck auf dem Rücken. In Salavas erwischten wir kurz vor Ladenschluss noch die letzten Produkte fürs Mittag. Pause im Schatten, es gab Gemüse, Baquette und wieder Cola. Das baldige Ende war wieder ein Thema. Die eine Woche zu kurz, der Abschied sicher schwer, an neuen Erfahrungen reicher und sicher nicht das letzte Mal.

Nach einer Stunde ging es weiter, gemeinsam dem Ziel entgegen. Keine 10 Minuten später querten wir die Ardeche und waren wieder in Vallon. Nun ging es auf Nebenstraßen zum Ausgangspunkt zurück. Gegen 14 Uhr schloss sich dann wieder der Kreis. Wir entluden Pomme, brachten sie auf die Weide und verabschiedeten uns mit einem Kuss. Wir bepackten das Auto und verwirklichten nun unseren Plan, auf halben Wege wild zu zelten.

Während Yvonne das Steuer übernahm, recherchierte ich im Netz, wo es schön war, was auf dem Weg lag und wo das Wetter passte. Nach 200km fuhren wir durch den Charteuse Nationalpark, nahe Grenoble. Nach 1 Stunde Fahrt und Suche durch den Park fanden wir ein idyllisches Plätzchen oberhalb des Tales auf 1400m Hòhe.. Zelt aufbauen war tabu, also pennten wir im Auto. Ich zog den kürszesten Strohhalm und durfte draußen unterm Tarp schlafen, im Auto war nur Platz für zwei. Bitte keinen Hagel mehr……

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Übersichtskarte Etappen


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