Allier Südfrankreich Kanutour 2016 |

Wasserwandern in Frankreich | Unterwegs auf dem Allier

 

 



 

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Ausführlicher Erlebnisbericht
Allier mit allen wichtigen Informationen
Unsere Tour auf einer virtuellen Karte
Schon wieder zu den Franzosen
Planung mal einfacher als sonst

DAS REISEZIEL IM ÜBERBLICK

Land | Region

Frankreich Vichy Moulins | Auvergne Dep. Allier

Reiseroute

ab Vichy bis Fourchambault

Reisezeit | Dauer

21.Mai bis 28.Mai | 7 Tage

Klima | Wetter

gewohntes Klima wie in Deutschland mit leicht meditterranem Touch | anfangs teilweise stark bewölkt, danach sonnige sommerliche Abschnitte

Reiseart | Aktivität

Mit dem eigenem Kanu | auf dem Allier treiben lassen

Übernachtung

1.Nacht wetterbedingt in einem Chateau, 6 Nächte im Zelt

Flora | Fauna

Ufer stark verwachsen, deutschlandähnliche Vegetation | viele Störche, Biber, Graureiher und auch Eisvögel, fischreich, nervende Nachtigallen, schwimmende Wildschweine

Sicherheit | Tourismus

sehr sicher | in einer Woche nur 2 Kanus getroffen, kein Schiffsverkehr, viele kleine Orte, sehr erschlossen

Anreise

Mit dem Auto nach Vichy, dort 1 Woche geparkt und von Fourchambault über Nevers mit Bahn wieder nach Vichy gefahren um Auto abzuholen

Wildnis Faktor

mittelmäßig | wild zelten am Ufer (außer Nationalpark) erlaubt, aber viele Orte, viele Zivilisationsgeräusche wie Autos, Züge oder Flugzeuge

 

 

ERLEBNISBERICHT  zurück zur Liste

1.Tag 21.Mai | Einfach schnell weg

Yvonne musste noch arbeiten und eigentlich wollten wir erst Tag darauf zeitig früh die 6 Std. Fahrt in einem Ritt abspulen. Doch dann kam sie auf die Idee, doch schon Samstag Nachmittag zu starten, die Strecke zu halbieren um in der Mitte abends irgendwo wild zu pennen. Alles war gepackt, das Boot ordentlich verzurrt und so waren wir dann gegen 19 Uhr am westlichen Ufer des Genfer Sees um im Réserve Naturelle Haute Chaîne du Jura eine wilde Stelle zu finden. Da wir Wasser dabei hatten, waren wir nicht anspruchsvoll und fanden eine tolle Stelle. Das Tarp war schnell übers Auto geworfen und gespannt, Täve und Yvonne schliefen wieder im Auto. Ach, war das wieder schön, nach so langer Zeit mal wieder wild draußen am Lagerfeuer zu sitzen.  Der Vollmond schien durch die Bäume und zeitig ging es ins Bett. Die Nacht wurde dann sehr unruhig für mich. Permanent wurde ich von Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. Einmal stand sogar ein Reh 2 Meter entfernt neben mir. Im Unterbewusstsein habe ich laute Geräusche gemacht, die Fluchtspuren sah ich dann am Morgen darauf in der Erde. Sehr unruhige Nacht, nicht schön, aber Tiere sind halt neugierig.

2.Tag 22.Mai | Jetzt kann’s losgehen, ach nee Platzregen

Die Nacht verlief trocken, der Morgen kitzelte die Nase mit Sonnenstrahlen. Am Lagerfeuer wurde gefrühstückt und relativ schnell waren wir wieder abfahrbereit. Weitere 3 Std Fahrt, meist auf kurvigen und hügeligen Landstraßen, brachte uns dann zum Zielort Vichy. Unterwegs überraschte uns immer wieder eine Starkregenfront, aber wir waren guter Dinge, dass vor Ort ganz anderes Wetter sei. Weit gefehlt. Bei Ankunft und auch im weiteren Verlauf des Tages war keine Besserung in Sicht. Trotzdem checkten wir den Einstieg in Vichy am Wildwasser-Parcours. Nur auf dieser Seite wäre er auch möglich gewesen. Wir waren uns einig, dass es nicht unbedingt entspannt sei, die Tour bei so einem Wetter zu starten. Also Handy an und in Vichy nach einer Unterkunft gesucht. Alles lag so um die 60 Euro pro Nacht gesamt, aber zzgl. Parkgebühren. Da wir Orte, wo sich mehr als drei Personen befinden, als überfüllt betrachten, schmiedeten wir den Plan, den Allier weiter Richtung Norden zu fahren um dort in der Nähe auf dem Land eine Unterkunft zu finden. Hier wäre es sicher auch möglich gewesen, 1 Woche umsonst zu parken. Wenigstens hatten wir hier irgendwann Glück gehabt. In dem kleinen Ort Laudemariere fanden wir nur durch Zufall einen kleinen Landsitz/ Herrenhaus namens Manoir De La Saigne. Zwar für 80 Euro die Nacht, aber kostenfreies Parken für die Woche und nur 15min zu Fuß von der Allier entfernt. Während die Unterkunft noch für uns hergerichtet wurde, fuhr ich nach Rhue ans Ufer der Allier um Einstiegsmöglichkeiten zu finden. Gleich hinterm Bahndamm fand sich nach kurzer Suche eine passable Stelle, also ab zurück zur Unterkunft. Der Regen hatte mich psychisch wie physisch aufgeweicht und die Entscheidung, heute nicht zu starten, bestätigte sich als die beste des Urlaubes. In der Unterkunft, die an Nostalgie wirklich alles zu bieten hatte, aßen wir dann relativ zeitig und der unruhigen Vornacht geschuldet, lag ich noch im Hellen im Bett. Gott, war ich müde. Yvonne und Täve gönnten sich noch ein Bad in einer Riesen-Badewanne, die mitten im Raum stand. Es konnte morgen wettertechnisch nur besser werden, das sagte auch das Regenradar.

3.Tag 23.Mai | Endlich treiben lassen

Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde alles nur ins Auto geschmissen und in 5 Minuten waren wir auch schon mit dem Auto an der Allier. Nicht das uns dieser heute mit prallen Sonnenschein empfing, aber wenigstens kam aus den dunklen Wolken kein Regen. Wir luden nun alles aus, ich verließ mich auf Yvonne, dass sie den Kofferraum leeren würde und ich den Rest von vorn raus räumte. Yvonne und Täve blieben beim Boot und ich fuhr nun das Auto zurück zur Unterkunft. Auto abstellen, und nun den ganzen Weg zu Fuß zur Allier zurück. Ich hatte gerade den einzigen Anstieg des Weges bewältigt, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Yvonne hatte den Kofferraum ausgeladen, aber sicher die Angel im Radkasten vergessen. Ohne die Angel, Gott Täve würde uns terrorisieren. Ich also noch einmal zurück zum Auto und siehe da, Yvonne hatte auch noch die Benzinflasche im Auto gelassen. Das wärs mal wieder gewesen. So nun aber endgültig ab zum Boot. Die 2km waren in 20min Fluchtschritt schnell gemacht. Yvonne hatte derweil noch eine bessere Einstiegsstelle gefunden. An dieser Stelle begeisterte uns der Allier noch nicht so ganz. Müll am Wegesrand, eine braune Brühe floss daher, Strommasten in der Ferne und die Zugstrecke im Rücken. Da hatte mal Irgendeiner geschrieben, dass es hier idyllisch sein soll. Muss wohl einer aus dem Ruhrpott gewesen sein. Das Blatt sollte sich aber noch wenden. Alle saßen im Boot, welches in der Mitte komplett mit Gepäck befüllt war. Nun ging die Reise los.

Alles ungewohnt neu für uns. Sich bewegen ohne sich zu bewegen, einfach mal treiben lassen und trotzdem voran kommen. Stets rechts und links am Ufer gab es was zu sehen. Es war gegen 11 Uhr. Wie weit wir heute kommen würden, was uns erwarten würde? Keine Ahnung, alles war neu für uns, daher entgegneten wir dem Fluss auch mit gebührenden Respekt, defensiver und vorausschauender Fahrweise. Wirklich warm war es nicht, aber die Schwimmwesten hielten ordentlich warm. Gleich im Espace Naturel Sensible de la Boire des Carrés die erste Überraschung. Irrtümlicherweise folgten wir dem linken Verlauf in einen engen Seitenkanal, der ruhiger dahin floss als der Hauptstrom. Wir hatten die Biberallee erwischt. Links und rechts des Ufer schwammen die Nager im Wasser oder lagen am Ufer. Bevor sie unser Boot als potentielle Beute ansehen würden, ergriffen wir die Flucht aus dem engen Kanal. Stets sahen wir nun am Ufer Seiden- und Graureiher zur Genüge. Das konnten wir bei einer Fließgeschwindigkeit von 5-6 km/h auch mal genießen. Die erste Crux des Tages sollte nun bald erscheinen. An der Brücke der D67 hieß es nun Stopp und Situation begutachten. Die lange Hose war die Barriere zwischen den Brennnessel- und Dornbüschen und meinen frisch rasierten Sommerbeinen und Gold Wert. Ich kämpfte mich durchs Grad uns begutachtete die Brücke. Für uns war von vorn herein klar, kein Risiko einzugehen. Lieber einmal mehr umtragen als abzusaufen. Andererseits kostete das Umtragen auch immer viel Zeit und Nerven. Aufgrund des Hochwassers bot sich vor Ort aber ein Glücksfall an. Kurz vor der Brücke gab es linksseitig einen 3m breiten Seitenarm. Also zurück zum Boot und ab durch die Brücke. Ein tief hängender Ast über den Nebenfluss wurde flach im Boot liegend passiert, was für ein Spaß für Täve. Erste Stelle gemeistert, die nächste sollte aber nach 5 weiteren Kilometern bald folgen und zwar in Billy. Bis dahin lief es locker und wir planten in Billy auch Pause zu machen. In der Ferne hörte man es nun rauschen, der Fluss wurde hälftig von einem Wehr geteilt, rechts der rauschende Abfluss. Hier kam für uns nur ein umtragen in Frage. Wären wir dort durch gefahren, Yvonne und Täve hätten wie in der Achterbahn die Arme hoch gerissen und geschrien während ich vergeblich versucht hätte, den Idealweg zu finden. Das Umtragen gestaltete sich aber entspannt. Auf dem Zufahrtweg rechtsufrig konnte man gut mit Bootswagen die 100m zurücklegen. Schon jetzt merkten wir, dass wir schneller als gedacht unterwegs sind. Geplant waren 20km/ Tag, aber mit paddeln kamen wir auf einen 7-8er Schnitt, also keine 2.5 Std Paddeln pro Tag. Also entweder mehr Zeit nehmen und treiben lassen, mehr Zeit im Camp am Morgen oder am Nachmittag oder halt auf der Loire noch weiter fahren und mehr Meter machen. Wir entschieden uns im weiteren Verlauf dann für einen Mix aus erster und zweiter Variante. Ziel sollte final bei Fourchambault bleiben.  Kurz vor der Brücke der D46 schlugen wir dann in einer Rechtskurve am rechten Ufer unser Zelt auf, nachdem uns der Regen die letzten 30 Minuten ordentlich eingesaut hatte. Täve hatte es sich derweil unterm Schirm gemütlich gemacht und stützte sich brav gegen den Wind. Idyllisch war der Platz nun wirklich nicht, in Sichtweite Häuser, in Hörweite die Brücke und das Wetter nicht gerade prickelnd. Wir nutzten nun ein kurzes Zeitfenster um im Trocknen Zelt und Tarp aufzubauen. Unser hektisches Handeln wurde von Schüssen vom gegenüberliegenden Ufer begleitet. Galten die etwa uns? Zum Glück war unser Zelt hinter einem Baumstamm sicher platziert und pfeifende Kugelgeräusche blieben auch aus. Das Tarp stand kaum, dann setzte wieder der Regen ein und hielt dieses Mal bis in die Abendstunden an. Wir nutzten unseren Hobo und der schaffte es erstaunlicherweise ganz gut, uns warm zu halten. Täve wollte trotz Regens in der Umgebung spielen, verständlich, denn er saß ja die ganze Zeit im Boot rum und war voller Tatendrang. Er wurde mit der Aufgabe betraut, die Töpfe , die an den Ecken des Tarps zur Regenwassergewinnung standen, stets zu leeren. Als Trinkwasser war es aber nicht wirklich zu gebrauchen, es schmeckte noch nach dem Ruß der vorletzten Nacht. Zum Kochen reichte es und wir konnten unsere Wasserreserven schonen. Klar, das Wetter war nicht das beste, aber unterm Tarp war es allemal schöner als sonst jetzt schon im Zelt zu sitzen. Die Entscheidung, dass Tarp einzupacken, bereuten wir bis zum letzten Tag nicht. Es wurde mit wenigen und bald routinierten Handgriffen in jedem Camp aufgebaut und diente als Regen- und Sonnenschutz gleichermaßen gut. Aufgrund des vielen Totholzes fand sich unter den Baumleichen am Ufer immer noch genügend trockenes Holz für den Hobo, sodass einem gemütlichen Abend am Feuer nichts im Weg stand. Bald dämmerte es und wir machten uns ans Abendessen. „Nicht schon wieder Nudeln“ schrie Täve. So abseits der Orte konnte erstens Keiner seine Schreie hören, was uns aber zweitens stutzig machte war der Fakt, dass wir für den weiteren Verlauf noch 4 Mahlzeiten mit Nudeln einplanten. Wir behielten es vorerst für uns, er hätte sonst schon jetzt völlig frei gedreht. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir einen Sack Milchreis im Boot dabei gehabt. Wir waren fertig mit Essen, der Regen ließ nach und der Abend wurde mit einem Wein gekrönt. Das Resümee des ersten Tages fiel ernüchternd aus. Doch nicht so einsam wie wir dachten, aber in Mitteleuropa auch illusorisch. Die Landschaft flach und noch nicht beeindruckend. Würde alles besser werden?

4.Tag 24.Mai | Den Geburtstag gebührend belohnt

Die Nacht hatte es ab und an noch einmal geregnet, aber unser Kaitum stand mit den Schneeheringen sicher im sandigen Uferbereich. Ohne diese Heringe wäre es unmöglich gewesen, das Zelt und die Leinen zu fixieren. Man hätte sich nur mit dem horizontalen Vergraben von Stöcken behelfen können, was wir beim Tarp praktizierten. Der Morgen begrüßte uns mit einem Lächeln und mein Geburtstag stand unter einem guten Stern. Gratulanten gab es nur Zwei und danach wurde ich als Geburtstagskind auch schon gleich zum Frühstück machen verdonnert. Hier draußen herrschen halt andere Gesetze. Wir ließen uns nun am Morgen mehr Zeit als sonst beim Wandern und trotz folgender schlampiger Abbauorgie (es musste nichts komprimiert und optimiert verpackt werden, war ja genug Platz im Kanu) kamen wir erst gegen 10.30 Uhr los. Heute stand keine Gefahrenstelle auf dem Programm. Dafür aber die vielversprechende Durchfahrt des Reserve Naturelle du Val d’Allier, ein Naturschutzgebiet, in dem wild zelten verboten ist. Keine 3km nach unserem Camp begann das Reservat an einer Brücke, wo klar und deutlich ein Zeltverbotsschild steht. Da wir aber die beiden einzigen Campingplätze in Chatel-de-Neuvre nicht nutzen wollten, stand heute eine 34km Tagesetappe bevor um wieder aus dem Reservat raus zu kommen.

Der heutige Tag war perfekt, es schien die Sonne, der Himmel trotzdem bewölkt, aber kein Regen. Auch der kalte Wind flaute ab. Nun zeigte sich der Allier von seiner besten Seite, unberührte Ufer, keine Brücken, viele Tiere und keine Menschen. Die Natur bedachte mich an diesem Tag mit dem schönsten Geschenk. Ein Eisvogel saß auf seiner Kanzel und einen Wimpernschlag später war er auch schon im Dickicht verschwunden. Die schillernden Farben beeindrucken mich immer wieder. Ab diesem Zeitpunkt starrte Yvonne nur noch auf die Ufer, sie wollte auch endlich mal einen Eisvogel erspähen. Bald passierten wir den Ort Chatel-de-Neuvre und eine der beiden einzigen Brücken im Reservat. Kurz nach dem Camp Deneuvre, welches einem Deutschen gehört, pausierten wir dann am Ufer. Kocher anwerfen, Mittagessen zubereiten, das schöne Wetter genießen. Zeit war genug, wir hatten bereits um die 14km geschafft. Langsam wurde uns bewusst, dass es für Täve langweilig im Kanu werden könnte. Nach Aufbruch zum zweiten Teil der Tagesetappe hielten wir den Kleinen mit Spielen bei Laune. „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ und Tiere-Raten stand auf dem Programm. Ab und an war er sogar fürs paddeln zu begeistern. Die heutige Tour würde mit Abstand die längste im Boot werden, also gaben auch wir unser Bestes, dass die Stimmung nicht kippen würde. Am Ufer waren immer wieder die 2 Meter hohen Abbruchkanten zu sehen, wo die Uferschwalben in Unmengen von Löchern nisteten. Kurvig schlängelte sich der Allier weiter Richtung Norden, Täve war eingeschlafen und wir ließen und das ein oder andere Mal treiben. Die Ruhe war herrlich, die Temperaturen endlich akzeptabel und wirklich kein anderes Boot weit und breit. Irgendwann erreichten wir dann das Ende des Reservats, welches sich schon in der Ferne mit einem rechts befindlichenrotweiss gestrichenen Strommast ankündigt. Unterquert man dann dieses Stromleitung, weist auch auf der linken Uferseite ein Schild bereits vorher darauf hin, dass ab hier nun wieder wild an den Ufern gezeltet werden darf. Wir paddelten noch einen Kilometer, bis die Strommasten außer Sichtweite waren, aber Moulins noch nicht zu hören und zu sehen war. Im linken Flussbereich vor einer Linkskurve entdeckten wir eine romantische Insel mit sandigen auslaufenden Uferbereich. Wie geschaffen für uns. Die 34km waren geschafft und es war 17Uhr. Genügend Zeit, alles im Hellen zu erledigen und Yvonne konnte noch die letzten Sonnenstrahlen erhaschen, bevor diese hinter den Baumkronen verschwanden. „Warum müssen wir linksufrig zelten?“ Eine Mängelrüge an die Reiseleitung. Ab diesem Zeitpunkt wurde nur noch rechtsufrig gezeltet. Dass zur Platzwahl später noch weitere Auswahlkriterien dazu kamen wussten wir bis dahin nicht. Zum Glück gibt es aber hier genügend Sandbänke und Plätze zur Auswahl. Schnell standen dann Zelt und Tarp, Feuerholz gab es auf der Insel nicht in Hülle und Fülle, aber es reichte auf jeden Fall aus. Als dann auch die letzte Aufgabe erledigt war, beschloss ich, mit Täve mal die Angel auszuwerfen. Ich als Fischhasser war nicht interessiert, Beute zu machen. Mit Null-Ahnung probierte ich alle Schwimmer und Blinker im Sortiment aus. Am Ende schlug Täve vor, den Korken mal auszuprobieren, in dem eigentlich die Haken zur Sicherheit steckten. Da ja keine Fangabsicht bestand und ein Korken die Verletzungsgefahr ungemein mindert, stimmte ich zu und fortan wurde mit Korken geangelt. Letztendlich ging es Täve beim Angeln nicht primär um das Ergebnis, sondern um das Erlebnis. Auswerfen, warten, einholen und wieder von vorn. Spaßige Sache, die am Ende auch was gutes für uns hatte. Denn bei einem der Auswürfe verabschiedete sich der Korken, was Täve wie folgt kommentierte: „Oh nein, der Fisch hat den Korken gefressen. Papa Ihr müsst Wein trinken“ Naja, der Durst war da, aber dies sollte kein Anlass sein, um einen Wein zu köpfen. Wir packten also zusammen, es war Essenszeit.

Da hatten wir doch echt gedacht, so eine chillige Tour auf der Allier kostet keine Energie. Sitzen, bisschen Paddeln, treiben lassen und dann das. Zum Mittag kloppen wir uns um die Rester des Vortages, beim Abendessen kann es nicht schnell genug mit der Zubereitung gehen und die Süßigkeiten gingen bereits jetzt schon zur Neige. Yvonne meinte nur, dass ich dann halt am letzten Tag, wenn ich das Auto holen würde, gleich noch was einkaufen könne, was aufgebraucht war. Süßes, Alkohol, naja das übliche. Ich dagegen fand diese Idee nicht so prickelnd, von zwei gefräßigen Küken empfangen zu werden, die auf den Wurm warteten, den der Papa gerade gefunden hatte. Also war ich nun Herr über den Verpflegungssack, Genussmittel auf Zuteilung. Erst einmal gab es heute Reis, „Nein Täve, kein MilchREIS, nur Reis!“. „Was ist NurReis?“ fragte Täve. Am Ende aß er auch das, aber immer erst einmal meckern. Bei Lagerfeuer und Wein ließen wir diesen schönen Tag ausklingen, während Täve auf der Insel Unkraut samt Wurzel zupfte, sich damit zum sandigen Ufer aufmachte, um dort diese wieder einzupflanzen. „Die brauchen doch Wasser“ Kurz nach Eintritt der Dunkelheit ging es ab in den Fluss baden, der nicht wirklich mit molligen Temperaturen auf mich wartetet. Daher zogen die anderen Beide es eher vor, müffelnd ins Bett zu gehen. Gegen 22 Uhr lagen wir dann Alle im Schlafsack und freuten uns schon auf den morgigen Tag, der mit seinen Prognosen der beste von allen werden sollte.

5.Tag 25.Mai | Mit dem Kanu am Straßenverkehr teilnehmen

Lange hielten wir es im Zelt nicht aus, denn die Sonne war heute von Anfang an unser stetiger Begleiter. Unter den Daunenschlafsäcken, die in der Nacht nur als Decke dienten, war es unerträglich geworden. Draußen war es angenehm warm, die Vögel zwitscherten, der Fluss rauschte leise dahin. Wo bitte kann man idyllischer frühstücken. Das Entfachen des Feuers war nicht wirklich nötig, aber trug zur tollen Stimmung bei. Genussvoll tranken wir unseren Kaffee, Yvonne schon in der Sonne sitzend, ich schon verschwitzt unterm Tarp versteckend. Auf der heutigen Agenda stand nur eine Crux, die gleich 2km weiter in Moulins folgen sollte. Nachdem Alle gut gesättigt waren und das Gepäck an seinem Platz war, ging es los. Keine Viertelstunde und die unproblematische Eisenbahnbrücke war passiert und in Sichtweite die rotbraune Hauptbrücke von Moulins. Wir folgten dem linken Ufer und fanden eine geeignete Stelle, ca. 300m davor. Es gab auch noch Ausstiegsstellen, ca. 100m davor, aber da überall Angler ihre Leinen ausgeworfen hatten, wollte ich keinen Krieg anzetteln. Boot und Gepäck wurden 20m zur Straße getragen und von da an mit Bootswagen befördert. Die nun folgenden 700m waren sehr abenteuerlich. Einen ca. 40m langen Anstieg nahm ich mit Schwung in Angriff, der mich aber nur bis 10m vor der Kuppe unterstützte. Die letzten 10m war es dann ein Duell Mensch – Boot. Mit hochroten Kopf und Pressatmung konnte ich dieses für mich entscheiden. Wäre der Anstieg 10m länger gewesen, hätte das Boot den Sieg davon getragen. Unnötig zu erwähnen, dass dies zur Belustigung meiner Reiseteilnehmer in hohen Maße beitrug. Nun waren wir in den engen Gassen von Moulins angekommen und nahmen aktiv am Straßenverkehr teil. Bald sichteten wir den Kreisverkehr, den wir irgendwie überqueren mussten. Vor Ort schien die Situation eigentlich nur einen Weg zu zulassen und zwar quer drüber. Doch mit etwas Verständnis der Autofahrer im morgendlichen Berufsverkehr und millimetergenauen Manövrieren des Bootes auf einem 1m breitem Weg, wählten wir den Fußweg und die Zebrastreifen-Überquerung. Es war geschafft, es ging wieder runter zur Allier, die letzten 20m im sandigen Uferbereich wurden mit Schmackes überfahren bis sich der Bootswagen so richtig festgefahren hatte. Ein kurzer Imbiss zur Stärkung und dann ging es weiter. Dabei inspizierten wir den linken Brückenbereich, der ordentlich Strömung aufwies. Mit einem Kajak und Erfahrung sicher machbar gewesen, aber wir zogen das Kreisverkehrerlebnis vor.

Wir sahen Bootswagenspuren im Sand und versprachen uns, mal Gleichgesinnte anzutreffen. Es dauerte nicht lange und Moulins war außer Sicht- und Hörweite und die Natur war wieder allein mit uns. In einer Rechtskurve, keine 20 Minuten später, trafen wir dann auf 3 Männer, die grad am Ufer pausierten. Auch Deutsche, die wir fortan immer mal wieder sahen und erst kurz vor der Loire Mündung aus den Augen verloren. Wir bewunderten stets ihre Tagesplanung. Sie fuhren erst gegen späten Mittag los und legten erst gegen spät Abends an. So sahen wir uns immer zweimal am Tag, einmal früh und einmal abends.

Freundlich grüßte Täve immer die neugierigen Charolais Rinder am Ufer, die immer in Scharen ankamen und uns beim Vorbeifahren anstarrten. Nach Hälfte der Strecke legten wir am linken Ufer an, die Sonne zeigte sich nur ab und an, es regnete nicht. Es wurde ein Süppchen gekocht und zusätzlich gab es Bratkartoffeln. Letzteres war eigentlich als separate Mahlzeit gedacht, aber als ich nur die Nudelsuppe auspackte, fragte mich Yvonne, was wir Drei denn mit diesem „Finkennäpp’l“ anfangen sollen. Wir ließen uns beim Mittag Zeit und beim kurzen Checken meiner Mails erfuhr ich, dass Lufthansa meinen Reisebericht von Kanada gern in ihrem Magazin veröffentlichen wolle. Wie genial war das denn, Yvonne und ich schwelgten gleich wieder in Erinnerungen an den 6 Jahre zurückliegenden Urlaub und waren erstaunt, was wir alles noch so im Detail wussten. Dann ging es weiter auf der Allier, einem Abschnitt, der nicht unter Naturschutz steht, aber dem Reservat als solches ebenbürtig ist. Unberührte bewaldete Uferbereiche, wenig Brücken, wenig Menschen, viel Natur. Wir ließen uns treiben, während Täve wieder die Korken-Angel auswarf. Nach der Brücke D133, auf Höhe von Villeneuve-Sur-Allier, wollten wir unser Camp aufschlagen, aber es folgte unmittelbar eine Hochspannungsleitung. Also wurden es dann doch wieder mehr als die 20km, denn unter dieser wollten wir sicher nicht campieren. Am rechten Ufer erspähten wir eine Wiese, ich stieg aus um die Lage zu checken. Die saftige Weide entpuppte sich als Tretminenlabyrinth, ein Kuhstallgeruch machte sich breit. Vergiss‘ es, hier will ich keine Nacht verbringen. Also ab ins Boot und weiter. Keine 500m weiter dann DER Platz dieser Tour. Am rechten Ufer eine größere Insel, die eine kleine Lagune aufwiese, in die man mit dem Boot rein fahren konnte. Genial, extreme Weitsicht den Allier hinunter, Sonne bis spät in den Abend hinein, keine Autogeräusche und keine Zivilisation im Auge des Betrachters.

Der Tag war wettertechnisch echt gelungen, also wollte ich mir die Arbeit des Tarpaufbaus ersparen, nach Regen sah es weit und breit nicht aus. „Ach, komm‘, Du hast doch Zeit, baue es doch einfach auf!“ Ja super. Sobald ich einen Puls unter 130 habe, wird mir Arbeit aufgetragen. Naja, so konnte ich meine Routine in dieser Hinsicht noch ausbauen. Das Tarp stand nun, alles war hergerichtet, Feuerholz zur Genüge vorhanden und zurechtgesägt. Während Yvonne die Sonne in vollen Zügen genoss, erkundeten Täve und ich die kleine Insel. Da gibt es doch immer was zu entdecken. Tierspuren, Pflanzen, Geräusche. Das lieben Kinder, naja und ich auch. Während wir also das Unterholz durchstöberten, bemerkten wir nicht, wie wieder einmal eine Front aus dem Süden heranzog. Wir nutzten also die heiße Gunst der letzten Stunde und stürzten uns in den Allier, der heute wirklich erfrischend war. Der Mix aus rumplanschen und waschen war für uns Eltern bald Geschichte, aber Täve rannte noch eine Weile nackig die Uferzone entlang. Aufsehen konnten wir nicht erregen, die einzigen Paddler hatten uns vor einer Stunde passiert und waren sicher selbst bereits an ihrem Camp. Es war ja schon 18 Uhr.

Wir hatten uns es unter dem Tarp gemütlich gemacht, mit Blick Richtung Sonnenuntergang. Yvonne versuchte vergeblich, dass Feuer zu entfachen. Als ich sie dann überheblich mit den Worten zur Seite stieß „Jetz‘ lass mal den Profi ran“ und ich es aber auch nicht hinbekam, war ich das Gespött des Abends. Die Ursache war dann aber schnell gefunden. Wir hatten immer eine Sandgrube als Feuerstelle gegraben. Diese aber war so tief, dass das Wasser der Allier den Sandboden so feucht hielt, dass das Feuer immer nur klimmte, aber nie entfachte. Ich legte also dickere Äste in die Grube und darauf ging das Entfachen des Feuers dann ohne Probleme. Yvonne hatte sich bereits mit dem Polaris gut angefreundet und kümmerte sich derweil ums Essen und Kochen, während ich das Feuer am Laufen hielt und Stock für Stock für gute Glut sorgte. Täve war mittlerweile auch angezogen und wärmte sich am Feuer. Wir bewunderten den Sonnenuntergang mit starker Bewölkung und sahen nicht, was da hinter uns auf uns zu kam. Erste kleine Tropfen vielen leise auf das gespannte Tarp, bald lauter und heftiger. Nun war es amtlich, das Tarp sollte uns mal wieder den Abend retten. Wir verkrochen uns tief unters Tarp, das Feuer wurde mit viel Holz bestückt, damit es nicht wieder aus ging. Mittlerweile war das Essen fertig, es gab Nudeln. Es war trocken und gemütlich unterm Tarp und keineswegs kalt. Wir checkten den Regenradar, der nun eine Stunde lokalen Starkregen ankündigte. Den überstanden wir also auch noch und rückten dann wieder raus ans Feuer und genossen den Abend und das lodernde Feuer. Täve trieb noch sein Unwesen auf der Insel und es dauerte nicht lange, da saß er in Mutters Schoß und schlief zufrieden ein. Wir legten ihn ins Zelt, köpften einen Wein und saßen noch bis Mitternacht zusammen.

6.Tag 26.Mai | Wer hat hier vor Wem Angst?

Auch dieser Morgen wurde durch einen Hitzeschock eingeleitet. Kaum auszuhalten im Zelt, also raus und die frische Luft genießen. Ungern wollten wir diesen schönen Platz verlassen, aber der Allier wollte uns weiter Richtung Norden führen. Nach Frühstück, Abbau von Zelt und Tarp und Verstauen des Gepäcks waren wir wieder kurz nach 10 Uhr startbereit. Auf dem heutigen Abschnitt sollte es keine Schlüsselstellen geben, wieder eine Strecke von 20km. Zunehmend bekamen wir Störche zu sehen und in den Baumwipfeln sah man ihre Nester und hörte das Schnabelklappern. Wieder einmal führte uns der heutige Verlauf durch unberührtes Gebiet mit vielen kleinen Inselchen und Sandbänken. Ab und an war Vorsicht geboten und man konnte erst im letzten Augenblick erkennen, welcher der vielen engen Kanäle der richtige sein würde. Nach ca. 1 Stunde ließen wir das Camp der anderen Paddler links liegen. Es war gegen 12 Uhr, die Zelte standen noch und es sah aus, als würden Sie einen Ruhetag machen. Wir zogen weiter und hielten keine Stunde später auf eine kleinen rechts gelegenen Insel zum Mittag. Es gab mal wieder die Rester des Vortages, die aber mit einer weiteren Mahlzeit aufgestockt wurden. Die hungrigen Mäuler wollten nicht nur gestopft, sondern gesättigt werden. Wir waren kaum fertig, der erblickten wir in der Ferne die drei Männer in ihren Kajaks. Sie ließen sich treiben und waren auf unserer Höhe als wir dann starteten. Es schien so, als wollten sie uns den Vortritt lassen, weil sie die nächste Crux bei Le Veurdre nicht einschätzen konnten, oder sie wollten einfach nicht unseren Atem im Nacken spüren. Die Brücke der D978a wurde dann ganz links passiert und war ohne Probleme machbar. Fortan ließen wir uns treiben ohne von den Anderen überholt zu werden. Anscheinend sind hier nur Genussfahrer unterwegs. Bietet sich ja auch an, da es viel zu entdecken gibt. So auch kurz nach Chateau-Sur-Allier. Wir schlugen den linken Weg durch einen engen Kanal ein. Rechts von uns eine kleine Insel. Auf einmal Tumulte am rechten Inselufer. Leider war nichts zu sehen, nur was zu hören. Aufgrund des Kraches spekulierten wir gleich auf Wildschweine. Man hörte knackende Geräusche im Unterholz, die sich immer mehr flussabwärts verlagerten. Auf einmal waren die Geräusche nicht mehr neben uns, sondern 20m vor uns. Ein lautes Platschen, dann vermehrtes Platschen. Super, die Wildschweine wägten sich auf der Insel nicht mehr in Sicherheit und wollten zurück aufs Festland. Die erste Gruppe von 8 Wildschweinen schwamm vor unserem Boot vorbei, alles noch kein Problem, obwohl Yvonne schon hektisch im Boot saß und mir Paddelanweisungen gab. Doch dann folgte eine zweite größere Gruppe von 12 Schweinen, denen wir aber nun bald im Weg stehen würden. „Paddel zurück, tu‘ etwas, wir fahren sonst über die drüber“. Ich lachte nur in mich rein und dachte mir „Die schwimmen eher durch uns durch!“. Dass Wildschweine so gute Schwimmer sind, wussten wir nicht, sie schnitten 4m vor unserem Boot unseren Weg und stritten sich am Ufer, wer wohl als Erster das rettende Festland betreten dürfe. So hatten Alle Angst vor einander.

Bald erreichten wir die weithin sichtbaren Schlösser am linken Ufer, kurz danach legten wir im linken Flussbereich auf einer Insel an, nachdem alle Kriterien erfüllt waren:  Sonne bis 21.30 Uhr? Check, Baum zum klettern? Check, Unkraut zum zupfen und umpflanzen vorhanden? Check. Der Platz entsprach allem, was das Herz begehrte. Anlegen, Ausräumen, Auspacken, Aufbauen, Ausruhen. Letzteres galt nur eingeschränkt für mich. Da es mir in der Sonne noch nicht heiß genug war, durfte ich Holz klein sägen. Als dann auch die letzte Ecke der Hose vom Schweiß getränkt war, fühlte ich mich bereit für die kalten Fluten des Allier. Täve war sofort wieder mit dabei. Der hatte seine Hose eher unten als ich „Ab ins Wasser“ rufen konnte. Nur bei dem Vorschlag, mal mit Weste in die Strömung zu springen, wollte er nicht so richtig mitspielen. Warum war da kein Vertrauen da? Naja, irgendwann wurmte es ihn, dass ich es ihm vormachte und er nur am Ufer stehen musste. Beim ersten Mal war das Gekreische groß, aber bald schlug das Schreien in Lachen um und ich musste ihm dann einen Schlussstrich ziehen, sonst wären wir noch bis in den Sonnenuntergang geschwommen. Sich mit der Weste treiben zu lassen hat echt Spaß gemacht und wurde folglich auch die kommenden Tage wiederholt.

In der Ferne war nur unterschwellig die Brücke der D2076 zu hören, abgelegen und idyllisch lag der Platz trotzdem. Gegen Abend zogen dann Wolken auf, aber der Abend sollte im weiteren Verlauf trocken bleiben. Das Lagerfeuer war dieses Mal schneller entfacht, das Abendessen wurde gemeinsam zubereitet, während Täve auf der Insel sein Unwesen trieb. Er hatte einen Baum für sich entdeckt und hing permanent zwischen den Ästen. Wir waren echt erstaunt, wie selbständig er sich draußen seine Beschäftigungen suchte und diesen bis in die Dunkelheit nachging. Er kam nur zum Essen und verschwand sofort wieder um die Ecke und man hörte es nur noch im Unterholz rascheln. Als Genussmittel konnte uns nur noch Wein Gesellschaft leisten, aber das reichte uns auch. Täve läutete dann den Abschluss ein, indem er zu uns ans Lagerfeuer kam, sich in meinen Schoss setzte und 10min später wegschnarchte. Wir trugen ihn wenig später ins Zelt und legten uns dazu.

7.Tag 27.Mai | Tragen oder fahren, eher eine Frage der Faulheit

Tja, wie man es macht, macht man es falsch. Da im Osten die Sonne aufging und ein großer Baum zuviel Schatten spendete, wurde der Platz nachträglich zu „mittelmäßig“ herabgestuft. Mir dagegen gefiel die Schattenzone, in der ich nun mal nicht Zelt und Tarp schweißgebadet abbauen musste. Das Frühstück ging langsam zur Neige, wir aßen bei Täve den Grießbrei oder den Milchreis mit, fande er so gar nicht prickelnd, aber der Überlebenskampf fordert seine Opfer. Alles war gut verstaut, wir saßen im Boot, da verschwand Täve mit einem Stück Papier und einem Stock noch einmal hinter einen Stamm. Was war los? Er hatte noch ein Geschäft zu erledigen und irgendwann hatte er mich die vergangenen Tage vermutlich dabei beobachtet. Er grub sich also an einem Stamm ein Loch, setzte sich gemütlich auf den Stamm und nachdem alles erledigt war, grub er das Loch zu und steckte den Stock in das Loch. Wir lachten uns einen ab und waren echt erstaunt drüber was Kinder alles so nachmachen. Erleichtert verließen wir nun das Ufer im Seitenarm und kaum fuhren wir in den Hauptarm des Allier ein, erblickten wir weit hinter uns andere Kanuten. Unsere Aufmerksamkeit galt aber erst einmal der vor uns liegenden D2076 Brücke, wo eigentlich der bessere Weg am linken Joch beschrieben wurde. Trotz Hochwasser war dort aber kein Durchkommen. Schon aus der Ferne bemerkten wir, dass hier kein Weg lang ging. Wir durchquerten die Brücke am rechten Joch des mittleren Hauptpfeilers, der auf einer Insel steht. Ohne Probleme fuhren wir nun dem schwierigsten Teil der Tour entgegen. Bald sollten nun drei kritische Stellen folgen, aber bis dahin sollten es noch 13km sein. Die vier Kanuten mit ihren grünen Ally’s hatten uns nun bald ein und wir kamen ins Gespräch. Man verquatschte sich und ließ sich treiben. Es waren auch Deutsche, die ab Moulins gestartet waren. Die nette Plauderei fand dann ihr Ende, weil die Vier Mittagspause machten wollten, wir aber gerade gestartet waren. Wir überholten wieder die drei Herren im Kajak, die die Nacht unterm Tarp verbracht hatten. Durchaus wäre es für uns auch noch in Frage gekommen, aber Mücken und Spinnen waren die Argumente pro Zelt. Wir paddelten weiter und verloren die Anderen aus dem Auge. Einsam trieben wir den Allier entlang. Kurz vor Apremont-Sur-Allier legten wir auf einer Sandbank nahe dem rechten Ufer an. Die Mittagssonne haute ordentlich runter, ich kühlte mich derweil im Allier knietief ab. Nicht zum relaxen, sondern um 20m Angelsehne mit der Hand zu entfitzen und aufzuwickeln. Mein lieber Sohn hatte die Angel zerlegt und die Angel lag nun am Ufer und die Strömung hatte die Sehne automatisch von der Rolle gewickelt. Naja, entspannen wird überbewertet, wer rastet , der rostet. Wie fürsorglich doch mein Sohn ist. Vom Mittagessen sah ich dann auch nicht mehr so viel. Wer nicht kommt zu rechten Zeit, der muss sehen, was übrig bleibt. Essen wird auch überbewertet. Orrr, ich könnte sie Beide….Wirklich Hunger hatte ich aber auch nicht, da ich beim heutigen Frühstück die Rester von Täve verwerten durfte. Zufälligerweise waren wir gerade fertig mit Essen und Verpacken, da kamen erst die 3 Männer und dann die 4 Kanuten des Weges. Wir waren die Letzten im Bunde und folgten ihnen mit Abstand. Heute war das Wetter echt super, warm, viel Sonne, kein Wind. Ideal also um sich bald mit dem Umtragen an den Wehren so richtig den Burnout zu holen. Keine 10min später tauchten in einer Rechtskurve ein paar Häuser direkt am linken Ufer auf. Wir konnten erkennen, dass alle Paddler dort anlegten. Das hübsche Örtchen Apremont ist wirklich toll angelegt. In wunderbare Formen beschnittene Hecken, alte kleine Häuschen, sauberes Ambiente. Wir hätten gern auch noch einmal angelegt, aber wir hatten ja grad Pause. Hätten wir das eher gewusst, hätten wir hier angelegt und pausiert, zumal der Wirt der kleinen Kneipe den anderen Paddler für die nächsten zwei Wehre Fahrtipps mit auf den Weg gab. Wir dagegen mussten selbst den Weg finden, was am Ende zeitlich gleich kam. Also waren wir nun die Ersten am Barrage des Lorrains. So richtig einzusehen war der Bereich nicht, nur der neu gebaute linke Schleusenteil war aus der Ferne gut sichtbar. Da die Bauarbeiten erst Ende 2015 abgeschlossen waren, las ich von Möglichkeiten rechts und links des Ufer umtragen zu können. Wir legten also erst einmal links 200m vor der Schleuse an. Mit Täve ging ich zur historischen Rundschleuse, die zur Wasserentnahme für die Kanäle der Umgebung dient. Dort waren viele Touristen und Angler. Uns dagegen interessierte das Wehr. Ich sah linksufrig nichts passables stromabwärts um wieder einzusteigen, doch am gegenüberliegenden Ufer erkannte ich ein neu angelegtes Steinufer mit einem Hinweisschild. Da die Faulheit siegt, war das nun unser anvisiertes Ziel. Zurück im Boot war nun mal kurz kräftiges Paddeln gefragt. Etwas aufwärts paddeln um dann komplett den Allier zu kreuzen. War leichter als gedacht, aber die Angst in das 2m hohe Wehr abzutauchen war so groß, dass wir förmlich auf die andere Seite des Ufers schossen. Die Umtragestelle ist zwar neu gemacht, aber der Betonbereich extrem glitschig, so dass ich fast das unmittelbar angrenzende Wehr runter gerutscht wäre. Das künstlich angelegte Steinufer davor vermittelte dagegen einen etwas besseren, wenn auch nicht perfekten Ausstieg. Nun packte uns wieder die Faulheit. Wir hätten alles rausräumen müssen, um Boot und Gepäck über die hohen Betonstufen zu heben. Wir fixierten also eine 2.Leine am Ende des Bootes um so das Boot kontrolliert, das schräge Wehr hinab zu lassen. Ohne diese 2.Leine hätte sich vermutlich das Boot quer gestellt und umgekippt. So wurde es gut am Rand nach unten manövriert. Es kratzte und knarrte zwar ein wenig, aber die Boote halten das aus. Keine 5min nach dem Aussteigen saßen wir auch schon wieder im Boot. So ab zur nächsten Stelle, die 2km entfernte Eisenbahnbrücke nach Saincaize. Hier lautete die Empfehlung, sich links zu halten, denn dort sei es durchaus bei Hochwasser möglich ohne umzutragen durch zu fahren. 200m vorher gibt es eine gut erkennbare breite Ausstiegsstelle mit Wiese. Von dort aus führt ein Forstweg mit festen Untergrund ca. 500m durch den Wald, unter der Brücke durch und wieder runter zum Allier. Der Weg ist zwar länger als der direkt am Ufer entlang, aber entspannter und wegsamer. Leider wählte ich den Hinweg direkt durch Dornbüsche und Brennnesseln. Gott juckten meine Beine und bluteten von den Dornen. Kurzer Check an der Brücke. Paar kleinere Wellen, aber locker fahrbar. Auf dem normalen Weg ging ich also zurück und verkündete die tolle Nachricht „Alles einsteigen, wir fahren durch!“ Später erfuhren wir von den Anderen, dass der Wirt hier rechts den Weg empfohlen hatte und das auch ging. Nur mittig sollte man die Durchfahrt meiden, da diese stark verblockt ist. Nun stand nur noch eine Herausforderung an und zwar die Brücke des Canal Du Guetin in 2km Entfernung. Bald schon sahen wir wie Boote über die Brücke fuhren und ich musste mich dummen Fragen meines Sohnes stellen. Natürlich wollte er nun auch gleich mal dort drüber fahren. Als hätten wir gleich nicht andere Probleme. Das Wehr liegt dort direkt hinter der Brücke und wir entschieden uns für die rechte Seite. Erst einmal hielten wir ca. 100m zuvor um alles abzuchecken. Ich entdeckte eine Ausstiegsstelle direkt 10m vorm Wehr, wo die Strömung schon stark zugenommen hatte. Einstiegsstellen nach dem Wehr gab es gleich kurz danach mit ein wenig Kraftaufwand oder etwas weiter durch den Wald an einem sandigen flachen Ufer. Ich entschied mich mit etwas Schiss in der Hose, die andere Ausstiegsstelle anzulaufen, klärte aber Yvonne darüber auf, wenn ich schreie, ordentlich zu paddeln. Wir stiegen also ein und hielten uns ganz dicht am rechten Ufer, immer eine Hand an den Dornbüschen. Dann kam die Ausstiegsstelle. „Paddeln!“ schrie ich und dann sprang ich schnell aus dem Boot um das Boot sicher an Land zu ziehen. Wesentlich entspannter gingen es die Ally-Kanuten an, die schon mehr Erfahrungen hatten. Wir dagegen sahen uns schon wieder schreiend über das Wehr fahren. Beim Umtragen halfen uns dann nette, junge Angler. Auch diese Stelle war am Ende nicht so wild wie anfangs gedacht. Eine Viertelstunde später saßen wir wieder im Boot, alles lag zwar ungeordnet drin, aber wir wollten sowieso bald anlegen und noch auf dem Allier zelten. Keine 2km bis zur Loire Mündung, also soviel Möglichkeiten sollte es nicht mehr geben. Am letzten Wehr hatten uns die Ally-Kanuten ein- und überholt, sortierten aber auf einer Insel kurz nach dem letzten Wehr noch ihr Gepäck. Wir grüßten noch einmal nett, sahen sie aber dann leider nicht mehr wieder, da wir die letzte Insel vor der Mündung links fuhren, während sie diese rechts passierten. Auf dieser Insel fanden wir den einzigen Platz ohne Sand im Zelt und Schlafsack zu haben. Im Gras hielten hier auch die normalen Heringe. Wir bauten nun alles auf, sortierten alles und Täve und ich suchten im Inselinneren nach Brennbaren. Dann war noch genügend Zeit um mit Täve auf einer vorgelagerten Sandbank den Lauf des Allier zu verändern. Hier ein Graben, dort ein Graben und schon war eine tolle Bootsanlegestelle geschaffen. In der Sonne war es heiß, ich sprach kurz das Wort „baden“ aus, da stand Täve auch schon wieder nackt hinter mir, aber seine Weste drüber gezogen. Naja gut, dann ab in die Fluten und das bis die Lippen blau wurden. Leider zogen dann wieder dunkle Wolken heran, die nichts gutes prophezeiten. Es war gegen 18 Uhr, alles erledigt, Täve noch am Allier-Verlauf-Verändern und wir bereits am Feuer. Ein wenig plaudern, bereits schon Revue passierend den Urlaub nach erlebt und als „Anders, aber wiederholungswert“ deklariert. Wir machten uns dann ans Abendessen, nun hatten wir keine Wahl mehr. Es gab nur noch Nudeln, wie die meiste Zeit sowieso schon. Es war Resteressen von dem was noch da war, morgen Abend konnte ich ja was neues beschaffen, es sollte ja unsere letzte Nacht an dem Allier sein. Wieder einmal fing es an zu nieseln, aber dabei blieb es auch, dunkle Fronten zogen an uns vorbei, wir blieben trocken und konnten den Abend beim letzten Wein und der letzten Nudel genießen. Zum ersten Mal im Urlaub fragte Täve nach meinem Handy, die Wunderwaffe, wenn gar nichts mehr geht. Dort sind seine Lieblingsfilme drauf, die er sich bei der ganzen Abstinenz seines Spielzeuges verdient hatte. Er zog sich zurück und schaute seine Serien. Alle waren glücklich. Lange Zeit später gingen auch wir ins Zelt, Täve war bereits eingeschlafen und beim Handy der Akku leer.

8.Tag 28.Mai | In der Kürze liegt nicht immer die Würze

So wechselhaftes Wetter ist echt nicht normal. So waren wir das an der Ardeche letztes Jahr nicht gewohnt. Die Sonne weckte uns im Zelt, wir standen auf und saßen keine halbe Stunde unterm Tarp, da setzte ein Starkregen ein, der erst nach einer Stunde aufhörte. Aber in dieser Zeit machten wir uns nun Gedanken, ob wir bei weiterem Regen starten würden, ob ich allein eine Option hätte, einen anderen Bahnhof eher anzulaufen und und und. Am Ende hörte der Regen eher auf als unsere Hirngespinste und der Plan wurde wie gehabt fortgesetzt, denn nun strahlte die Sonne und wir lagen auch noch im Zeitplan. Wichtig war es, dass ich 14.30 Uhr den Zug in Fourchambault nach Vichy bekommen würde. Da aber der Weg heute nur magere 6.5km betragen würde war immer noch kein Stress angesagt. In Ruhe zu Ende frühstücken, alles abbauen und dann die letzten Kilometer auf der Loire zurücklegen. Vegetation und Natur doch ähnlich dem Allier, doch fast doppelt so breit wie der Allier. Die Loire war damals ja unsere erste Wahl und nur durch Zufall stießen wir auf den Allier. Wirklich sehr gechillt ließen wir uns treiben, teilweise begleiteten uns sogar Fischschwärme, die genauso faul mit dem Wasser schwommen. Die Sonne war nun wieder auf unserer Seite. Keine 2 Stunden später dann schon die Meldung auf dem Navi „Ziel erreicht“. Nun hieß es, eine geeignete Stelle zu finden, die noch abgelegen und idyllisch ist, aber nah zum Ortszentrum liegt und einen guten Zugang mit Auto hat. An Angelteichen am rechten Ufer, ca. 500m vor der Brücke fanden wir dann die Stelle. Wir lagen auch gut im Plan, so dass ich Täve seinen großen Wunsch erfüllte, dass ich ihn mit auf Reisen nehmen würde. Bahnfahren ist sein Ding. Wir bauten also alles in Ruhe auf, Zelt und Tarp. Yvonne legte ich ein Stapel Holz zurecht, mit der Bitte diesen doch handelsüblich klein zu sägen. Wir wollten doch nicht, dass sie in unserer Abwesenheit einschläft. Ich entfernte den Gestank bei einem ausgiebigen Bad und mit ordentlich Zeitpuffer machten sich die Männer auf den Weg. Ich hatte zwar nur eine Fahrkarte für einen Erwachsenen in der Hand, aber dachte mir, dass der Kleine nicht das Problem darstellen würde. Wir schlenderten also durch den Ort, kauften in einem Supermarkt noch eine Erfrischung und am Bahnhof angekommen, hatte ich Zeit am Automaten mal aus Spaß Täve Parameter einzugeben und siehe da, er kostete doch was. Also 10.40 Euro am Automaten bezahlt und 15min später saßen wir im Zug nach Nevers, wo wir einmal umsteigen mussten. Dort angekommen dann die Ernüchterung. Unser Anschlusszug in 20min wurde gestrichen, der nächste erst weitere 60min später. So, was macht man nun 1h20m an einem Regionalbahnhof? Erst einmal erkundigen, ob die Fahrkarte im nächsten Zug auch gilt und ob Täve für den reservierungspflichtigen Zug auch zahlen muss. Wenigstens das war nicht der Fall. Wir setzten uns erst vor den Bahnhof, weil es dann wärmer wurde, wieder in den Bahnhof. Ich zog meine Schuhe aus und daraus entstand dann durch Zufall das Spiel „Sohle“. Wir saßen uns Beide 2m voneinander entfernt gegenüber und warfen uns immer den Schuh zu. Wenn er auf der Sohle landet, ein Punkt, wenn nicht, alles verloren. Ähnlich dem Streicholzschachtel-Spiel. Wir waren so vertieft in das Spiel und Täve war abgelenkt, so dass die Zeit im Flug verging. Gegen 16 Uhr saßen wir dann im IC nach Vichy, fanden zwei Plätze und Täve genoss die schnelle Fahrt. Ich achtete dabei selbst ein wenig auf die vorbeiziehende Landschaft. Was würde ich wieder erkennen, wo sind wir lang? Dabei bemerkte ich aber auch die dunklen Wolkenfronten, die in Richtung Zelt zogen. Bis Vichy blieb es aber trocken und sonnig. 17 Uhr waren wir dann in Vichy, ab zum Taxi und für 12 Euro ging es nun zurück zur Unterkunft und unserem Auto. Nun hieß es, die 120km mit dem Auto noch abzureißen. Täve war ja bereits im Taxi eingeschlafen, bestand aber darauf im Auto nun vorn zu sitzen und wach zu bleiben. Bei dieser dreisten Lüge rollten seine Augen schon davon, er war sofort eingeschlafen. Der Weg zum Zelt verlief meist auf Landstraßen, seltener auf Autobahnen und gegen 19Uhr waren wir wieder in Forchambault. Dort wollte ich uns einen Genussabend gönnen. Pizza bestellt, Cola und Wein aus dem Supermarkt, Schokolade und Gummibären als Nachtisch. 19.30 Uhr waren wir dann wieder am Zelt, das Auto parkte keine 100m vom Zelt. Yvonne berichtete von ordentlichen Gewittern und Starkregen, aber nun war alles friedlich. Wir konnten am Lagerfeuer schlemmen und quatschten noch lange in die Nacht hinein. Täve war durch seinen Autoschlaf putzmunter und trieb in der näheren Umgebung wieder sein Unwesen und kam immer nur zum „Süßen-Fassen“ zu uns. Spät gingen wir zu Bett, der Urlaub war Geschichte, morgen stand dann die 6-stündige Heimreise an. Doch die Nacht sollte noch was Besonderes für uns bereit halten. Eine Nachtigall saß keine 2m hinter uns in einem dichten Gebüsch und fing gegen Mitternacht an, ihren Territorialanspruch auf unseren Zeltplatz lauthals zu verkünden. Bei den Geräuschen konnte man sich schlecht vorstellen, dass dieser Vogel im Rahmen einer Balz ein Weibchen damit anlocken wollte. Grausam, hohe Frequenzen und ohrenbetäubend und das alles lautstark direkt am Zelt. Na, wie gefallen Euch diese Geräusche?  Anfangs versuchte ich mit einem „Grrsch“ und „XzXz“, später mit einer perfekten Hundegebell-Imitation . Es half alles nichts, ich musste aufstehen. Nachdem ich mich auch gleich noch entledigt hatte, packte ich eine handvoll Kiesel und feuerte sich in den Busch. Nun war Ruhe. Sie hatte in der Ferne andere Tiere um ihren Schlaf gebracht, ich ging wieder ins Zelt. Gerade war mein Puls wieder im Ruhebereich ging es wieder los. Laut schrie ich „Orrrrr nee“. Täve wachte mit Schrecken auf und meinte nur „Blöder Vogel“. Mein Aggressionspotential hat seinen Siedepunkt erreicht. Nun wurden größere Steine gesammelt, ein Haufen als Vorrat direkt vorm Zelt platziert. Mit aller Wucht feuerte ich die Teile in den Busch, da sah ich diesen Mistkerl im Mondschein wegfliegen. „Komm ja nicht wieder“ schrie ich ihm drohend hinter her. Endlich hatten wir unsere Ruhe, aber die 2 Stunden Schlaf, die er uns geraubt hatte, sah man mir am nächsten Morgen an. Tagsüber klingen die Gesänge sicher idyllisch schön, aber in der Nacht sind wir Ruhe gewohnt. Hätte ich auch gleich an einem Autobahnkreuz zelten können. Aber am Ende sind wir nur Gast in der Natur und haben alle damit verbundenen Geräusche zu akzeptieren. Jedenfalls trug es in der Nacht zur Belustigung bei. Yvonne hatte sichtlich ihren Spaß.

DIE Tipp’s für den Allier

  • Sandheringe einpacken oder vor Ort mit horizontalen im Sand vergrabenen Stöcken die Leinen sichern, mind. 20cm tief graben
  • Feuerstelle 15cm in den Sand graben und nach Nutzung mit Sand wieder zuschütten, große Steine zur Sicherung sind nicht vorhanden
  • Tarp mitnehmen um nicht bei Regen im Zelt sitzen zu müssen, ggf. auch nur unterm Tarp schlafen
  • Fernglas für Tierbeobachtungen einpacken und um den Flussverlauf besser einzusehen
  • Genügend Trinkwasser in Kanistern mitnehmen, das Wasser hat einen morastigen Eigengeschmack, aber zum Kochen reicht es

 

ALLIER | ALLE WICHTIGEN INFORMATIONEN  zurück zur Liste

 

Ich möchte hier nur den Verlauf ab Vichy bis zur Loire Mündung eingehen, da wir nur diesen gesehen und befahren. Dabei ist es wichtig, dass sich unsere Infos auf das Jahr 2016 beziehen und sich vor Ort durch Pegelstand, Baumleichen oder was auch immer die Gegebenheiten immer wieder (ver)ändern können.

Der Fluss, seine Eigenschaften und die Umgebung

Für uns war der Allier eigentlich die zweite Wahl, da ganz am Anfang die Loire befahren werden sollte. Doch dann lasen wir immer wieder von der Unberührtheit und der Einzigartigkeit des Allier. Klanghafter und bekannter war ganz klar die Loire, aber wir entschieden und aus persönlichen Interesse für den Allier, weil darüber berichtet wurde, dass man auf dem Fluss meist allein unterwegs ist. Genau wie an der Loire ist auch an dem Allier das wild zelten/ biwakieren den Ufern und auf den Sandbänken erlaubt. Dabei ist aber zu beachten, dass im Naturreservat „Reserve Naturelle du Val d’Allier“ das wild zelten strikt verboten ist und man auf der 25km langen Strecke nur in Chatel-de-Neuvre zwei offizielle Campingplätze vorfindet. Wenn man sich eine Woche Zeit nehmen möchte, kann man ab Vichy starten und kommt ohne große Anstrengung 120km später an der Loire raus. Da der Fluss aber eine Fließgeschwindigkeit von 5km/h hat, schafft man allein ohne zu paddeln in 4 Stunden 20km. Wir hatten im Schnitt Geschwindigkeiten von 8 bis 9 km/h drauf und ohne weiteres schafften wir eine Tagesetappe von 35km. Ab Vichy bis Billy die 11km kann man sich durchaus sparen und waren landschaftlich noch nicht so beeindruckend für uns. Man hat durch die freien unbewaldeten Ufer immer Weitsicht auf Gebäude, Straßen und Zivilisation. Erst ab Billy kommt man in unberührte Gebiete, jedenfalls wurde Einem das immer vorgegaukelt, da die Ufer nun bewaldet waren und man nur noch Natur sieht. In Billy wäre sicher auf der rechten Seite nach dem Wehr ein guter Einstieg gewesen, wo eine kleine Straße hinführt. Oft wird der 7km Abschnitt ab Apremont bis zur Loire Mündung als nicht empfehlenswert beschrieben, wenn man auf der Loire nicht weiter fahren möchte. Auf diesem kurzen Abschnitt sind nämlich drei Gefahrenstellen, wo ggf. umgetragen werden muss. Wir fanden das nicht nervig, dazu aber weiter unten dann mehr.

Nicht nur die Umgebung, sondern auch der mäandrierende Verlauf des Allier beginnt ab Billy erst richtig. Teilweise konnte ich mich auf die Garmin- Karte Topo France nicht verlassen, wo Inseln und Sandbänke eingezeichnet waren. Vor Ort zeigte sich ein komplett anderes Bild. Mit gebührenden Respekt und Unerfahrenheit folgten wir anfangs nur den breiteren Verlauf des Allier, wurden dann aber mutiger und wählten Seitenkanäle, die viel mehr an Fauna zu bieten haben, aber wo teilweise treideln nötig ist. Immer wieder fährt man an großen Inseln vorbei, die auf den ersten Blick nicht als solches erkennbar sind. Dann folgen wieder kleinere Sandbänke, die bei etwas mehr Wasser unterm Wasser liegen. Diese sind dann gut erkennbar, da dort kleinere aufgelockerte Wellen entstehen. Einige dieser Sandbänke haben wir mitgenommen, dann wurde schnell ausgestiegen und getreidelt, Schaden hat das Boot davon nicht genommen, da es feinster Sand bis grober Kies ist. Große oder scharfe Steinblöcke haben wir nicht gesehen. Vermieden haben wir dann diese Konfrontation, indem wir die Außenkurven mit mehr Fließgeschwindigkeit genommen haben, dort war es auch tiefer, die flacheren Bereiche waren meist in der Innenkurve, nach oder vor Inseln. Außerdem muss der Vordermann immer ein Auge auf Baumleichen haben. Manchmal sind sie weithin sichtbar, da der gesamte Baum aus dem Wasser ragt, aber gefährlicher waren die komplett unterm Wasser befindlichen Bäume. Gut erkennbar, das darüber in langen Wellen fließende Wasser. Die meisten Brücken stellen bei der Durchfahrt keine Probleme dar und werden weiter unten bei den Gefahrenstellen auch nicht benannt, wenn diese unproblematisch passierbar sind.

Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten in direkter Nähe zum Fluss fanden wir in Vichy am rechten Ufer (Hypermarche), 60km weiter am linken Ufer in Moulins (Intermarche) und in Apremont eine kleine Kneipe unmittelbar am linker Flussufer. Dabei ist zu beachten, dass in Frankreich die Läden auch sonntags halbtags geöffnet haben. Ansonsten passiert man auch andere kleinere Orte, die aber 2-3km im Landesinneren liegen. In der größten Not muss man halt diesen Weg in Kauf nehmen, aber sein Gepäck und das Boot dabei nicht unbeaufsichtigt lassen. Es wurde vermehrt von Diebstählen berichtet. Wir hatten unser Proviant für die gesamten 7 Tage mit dabei um autark voran zu kommen. Das Wasser des Allier ist trübbraun und am Ufer klar und man hat 20 bis 30cm Sicht. Wir hatten 30 Liter Trinkwasser in Kanistern mit, was wir ungekocht als direktes Trinken nutzten. Zum Kochen entnahmen wir das Wasser immer aus dem Allier und hatten nie Probleme.

Gefahrenstellen | Einstiege | Ausstiege | Umstiege

Um die Stellen deutlich zu lokalisieren, habe ich immer den nächsten größeren Ort und/oder die betreffende Brücke benannt, nicht die Kilometerangabe, da diese ja je nach Einstiegsort variieren kann. Gleichzeitig habe ich das ganze bebildert, damit Ihr einen besseren Überblick bekommt. Da wir zu unserer Zeit eher Hochwasser hatten, kann es sein, dass manche Stellen bei Niedrigwasser nicht befahrbar sind. Einige kritische Punkte wurden bereits in der unteren GPX Datei als Wegpunkte integriert.

VICHY  | Brücke der D6e >> Einstieg rechts nicht möglich, auf der linken Uferseite ist ein Wildwasserparcours, an dem man bis zum ersten Gebäude komplett vorbeifährt. Rechts der Straße befinden sich dann 3 Parkplätze, wo man das Auto abstellen und alles entladen kann. Den Weg hinunter zum Fluss kann man nur noch zu Fuß mit Bootswagen gehen, da kurz nach der Schranke quer über den Weg ein 1m tiefer Graben gezogen wurde, keine Ahnung warum. Von der Schranke aus sind es keine 300m, die auf dem festen Weg gut zu bewältigen sind. Während der Parcours dann in Richtung Brücke abfließt, sollte man sich links halten und dem Pfad noch 10m unwegsam zum sandigen, flachen Einstiegsbereich folgen.

ST GERMAIN DES FOSSES | Brücke der D67 >> 100m linksufrig anlegen und den Zufahrtsweg nutzen um die Durchfahrt zu erkunden. Der Weg durchs Unterholz am Fluss entlang ist voller Brennnesseln und Dornbüsche. Wenn umgetragen werden muss, ca. 10m durch Buschwerk, dann bequem auf etwas holprigen Weg zur Brücke weiter. Einstiegsstelle mit kleinem sandigen Ufer. Der Hauptfluss fließt durch 3 der 4 Jochs. Unter dem 4.linken Joch fließt ein 3m breiter Seitenarm entlang, der erst ca. 10m vor der Brücke scharf nach links abfließt. Sicher bei Normal- oder Niedrigwasser auch mit Treideln passierbar. Wir kamen ohne Aussteigen durch, mussten uns nur flach ins Boot legen, da ein Baumast tief ins Wasser hing.

BILLY | Wehr 250m vor Brücke der D130 >> Der Fluss wird hier hälftig durch ein Wehr geteilt, links das Wehr und rechts fließt der Allier ab. Bei uns mit recht tosenden Wellen. Erfahrene Kanuten wären das gefahren, aber wir gingen auf Nummer sicher. Am rechten Ufer 100m vorm Wehr steile erdige Ausstiegsstelle. Von dort aus Umtragen mit Bootswagen auf Zufahrtsweg kein Problem. Nach 200m kommt unterhalb eine kleine schmale sandige Einstiegsstelle.

 

SAINT LOUP | Eisenbahnbrücke nach Saint-Pourçain-sur-Sioule >> Hier beginnt das Naturreservat.  Unmissverständlich hängt ein großes Verbotsschild an der Brücke „Zelten verboten“.

BRESOLLES | rotweiße markierte Strommasten >> Weithin sind viele Strommasten sichtbar, aber nur ein rechtsufrige Strommast ist rot-weiß markiert. Kurz zuvor steht auch auf der linken Seite ein weißes Schild, das auf das Ende des Reservates hinweist. Ab jetzt kann wieder biwakiert werden.

MOULINS | Brücke der D2009 >> 300m vor der rotbraunen Brücke ist links ein flaches Ufer zum anlegen. Es gibt auch weiter vorn ca. 100m vor der Brücke eine schmalen 2.Ausstieg im Schilf und wäre so näher am asphaltierten Weg, aber da am linken Ufer bei uns Angler auf diesem Stück ihr Glück versuchten, zogen wir die erste Stelle vor. Es sind über die Wiese zur Straße ca. 10m, ab dann gehts erst einmal eben 200m in Richtung Brücke um dann mit Schwung den 40m langen Anstieg zu nehmen. Am Kreisverkehr kommt man gut über den Fußweg drüber, die Autofahrer sind nett und halten gern an. Auf der anderen Seite folgt man dann dem Fußweg weiter, biegt dann 20m weiter rechts ab und ist schnell wieder am Fluss. Bevor der Sand anfängt, mit Schwung diesen 10m Abschnitt überrollen. Erfahrene hätten auch hier sicher das linke Joch bewältigt, wo das Wasser in einer sanften Kurve hinunter rauscht. Die künstlich angelegte Betonbarriere nach der Brücke am letzten linken Brückenpfeiler im Fluss ist schlecht zu begehen, da sie verwachsen und glitschig ist.

 

LE VEURDRE | Brücke der D978a >> Wir haben uns ganz links gehalten und mit etwas Wellen ging es ohne Probleme durch. Der linke Pfeiler ist verwachsen, durch Todholz hat sich dort eine kleine Insel gebildet. Rechts dieses Pfeilers, also im 2. Joch wäre auch ein durchkommen gewesen. Das rechte 1.Joch dagegen sah unpassierbar aus.

MORNAY-SUR-ALLIER | Brücke der N76/ D2076 >> Moderne Brücke mit markanten Mittelpfeiler, der auf eine Insel steht. Den linken Weg meiden, da der durch viele kleinere Inseln unpassierbar ausschaute. Wir hielten uns rechts des markanten Pfeilers, ohne Probleme und Wellen machbar. Auch das ganz rechte Joch ist fahrbar, wenn man die Insel vorher links liegen lässt und dem rechten Ufer folgt.

 

BARRAGE DES LORRAINS | Schleuse und Wehr >> Wenn man sich die alte Rundschleuse anschauen möchte, kann man 200m davor links anlegen, Ausstieg etwas erschwert auf 1m höher gelegene Wiese. An der Rundschleuse konnten wir linksufrig keine nahe gelegene Einstiegsstelle unterhalb erblicken. Wir querten ohne Probleme den Allier, denn am rechten Ufer wurde eine neue Anlegestelle gebaut. Mit Blöcken und Lehm verfestigt ist der Ausstieg kurz vor dem Wehr eher mühsam und wackelig, die betonierte stufige Anlegestelle dagegen sehr nah am Wehr und glitschig. Hier kann nun das Boot über 2 hohe Betonstufen umgetragen werden. Wir waren faul und haben mit einer 2.Leine am Ende das Boot das Schrägwehr runterrutschen lassen. Da der Untergrund ziemlich rau ist, hat unser Boot paar Kratzer abbekommen, aber machbar ist es.

 

SAINCAIZE | Eisenbahnbrücke >> Ca. 300m vor der Brücke gibt es eine gute unbewaldete grüne Ausstiegsstelle um die Brücke zu besichtigen. Von hier aus führt ein Forstweg hinter die Brücke. Der Weg ist zwar mit 700m etwa doppelt so lang wie direkt der am Ufer gelegene Weg, aber letzterer ist eher ein verwachsenerer Pfad und hier hatte ich mir dann meine Schienenbeine vollends zerschossen. Wir haben dann die Brücke bei etwas Wellengang links genommen, die anderen Paddler bekamen in der Kneipe in Apremont den Tipp, dort rechts zu fahren, was auch funktioniert haben soll.

CANAL DU GUETIN | Kanalbrücke >> Obwohl auch von Ausstiegen am linken Ufer erzählt wurde, wählten wir das rechte und legten mit genügend Abstand zum Wehr ca. 70m vorher an. Bei der Inspektion entdeckte ich noch einen Ausstieg, kurz vor der Brücke und dem dahinter liegenden Wehr. Wir gingen das Risiko ein, da dort die Strömung stärker wird. Einfach sehr rechts halten und am Uferbuschwerk festhalten. Dann kräftig paddeln und man erreicht den schmalen steilen Ausstieg. Wer ein leichtes Boot hat und nicht auf den Bootswagen angewiesen ist, kann auch den ersten Ausstieg nehmen, da dort der Weg zur Einstiegsstelle holprig ist. Nach dem Wehr gibt es eine Einstiegstelle direkt 10m nach der Brücke, die aber mit einer hohen Erdstufe sehr steil zu Wasser geht. Wenn dort Jemand hilft, wie bei uns ein paar Angler, ist das die erste Wahl. Ansonsten führt ein schmaler Pfad (Bootswagenbreite) 70m weiter zu einem sandigen flachen Ufer. Einstieg hier unproblematisch.

 

Schon wieder zu den Franzosen?  zurück zur Liste

Da hat sich wohl Jemand in die Baguette-Esser und Schnecken-Schubser verliebt? So weit geht es dann doch noch nicht mit der Liebe. Vorerst bevorzugen wir nur die Landschaft und die unterschiedlichen Reisemöglichkeiten und Übernachtungsfreiheiten. Wir waren also mal wieder auf der Suche nach etwas Neuem, was wir Mitte Mai unternehmen könnten. Suchbegriffe wie wild zelten, Abenteuer, Trekking werden bis zur letzten Seite bei Google durch geforstet und siehe da, irgendwann stießen wir auf die Loire, beschrieben als idyllischer Fluss, wo man an den Ufern außerhalb der Naturreservate wild und frei zelten könnte. So idyllisch erschien uns die Loire aber nicht, da sie permanent größere Orte kreuzte. Ein Bootvermieter in Nevers wies uns daraufhin, dass auch der Allier von Interesse sein könnte. Wohl bemerkt kommunizierten wir mit dem Anbieter in englisch, 375 Euro für eine Woche Kanu inkl. Transfer zum Startpunkt und vom Zielpunkt zurück hielten wir anfangs für fair und hätten wir sicherlich auch gebucht, aber dann kam uns in den Sinn, mal zu schauen was gebraucht ein Kanu auf dem Markt kostet. 1 Woche später waren wir dann Bootsbesitzer, was sich bei unserer Nähe zum Bodensee sicher lohnt. Wir mussten nun zwar 650 Euro inkl. Westen, Paddel und Bootswagen hinblättern, aber über die Jahre wird sich das amortisieren. Das Ziel, die Zeit und die Art des Reisens stand nun fest, also konnten wir nun im Detail planen.

Planung mal einfacher als sonst  zurück zur Liste

Wo wir sonst immer auf Hindernisse, Unwegsamkeiten, Wasserressourcen und Flussquerungen zu achten haben, und man zu Fuß ja wirklich auch alles selbst schleppen muss, war die Planung für eine Kanutour denkbar einfach. Der Allier als Fluss stand fest, das Ziel mit der Mündung in die Loire auch, musste also nur noch der Startpunkt und mögliche Übernachtungsplätze gesucht werden. Wir veranschlagten bei der Planung erst einmal 20km / Tag, sollte dieser Urlaub bewusst mal entspannt werden. Im Boot sitzen, sich treiben lassen, die Flora und Fauna links und rechts am Ufer beobachten.

An der Allier liegen kleinere und größere Orte mit Einkaufsmöglichkeiten. Auch diese wurden als Wegpunkte markiert, wobei schon geplant war, das gesamte Proviant im Boot für eine Woche vom Anfang an dabei zu haben. Das Boot bietet dafür genügend Platz und Zuladung. Außerdem rechneten wir mit zwei großen Wasserkanistern an Trinkwasser, da das Wasser zwar trinkbar ist aber morastig schmecken soll, was uns zum kochen und waschen, aber nicht zum puren trinken reichen sollte. Unterwegs wird es nun sicher in den Orten die Möglichkeit geben, an Brunnen oder Quellen die Kanister wieder zu befüllen, das werden wir noch recherchieren müssen.

Ein großes Problem stand aber noch im Raum, welches wir uns nun selbst zuzuschreiben hatten. Der Transfer und das Parken des Autos. Es gibt bei den Franzosen eine neue Regelung, wonach man sein Auto nicht mehr als 7 Tage am gleichen Ort im öffentlichen Bereich parken darf, da es sonst abgeschleppt wird. Einige Gemeinden unterschreiten gern diese 7 Tage, wenn die Kasse leer ist. Also mussten wir hier auf Nummer sicher gehen. Mit einem deutschen Kennzeichen ist in Frankreich sicher nicht gut Kirschen essen. Während wir also die Anreise zum Startpunkt mit dem Auto planten, mussten wir ja am Ende der Tour und 140 km weiter stromabwärts auch wieder zum Auto kommen. Lange Recherchen im Netz kamen dann nur zu einer vernünftigen Lösung. Der letzte Paddeltag würde nur 14km lang sein, wir wären gegen Nachmittag am Ziel, einem kleinen Ort namens Fourchambault, etwas stromabwärts bereits an der Loire gelegen. Von dort muss ich nun allein den Zug nehmen, in Nevers umsteigen und nach 1,5 Std würde ich dann wieder in Vichy sein, wo wir unser Auto für 40 Euro am Bahnhof rechtskonform geparkt hätten. Zurück dann bis zum Camp, wo Frau und Kind bereits auf mich warten, noch eine Nacht am Fluss und dann am nächsten Morgen entspannt alles einladen und ab nach Hause.

So sah und sieht der Plan aus, wie es am Ende kommen wird, könnte Ihr hier Ende Mai in einem ausführlichem Bericht lesen. Bis dahin bleibt gespannt.


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